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28.11.24

Der junge Dichter und das Schöne Kind

Der Mathematiker Alfred Pringsheim (nur hochgebildete Menschen, wie zum Beispiel ich, wissen heute noch von ihm) besuchte 1876, da er im 26. Jahre seines Lebens stand, die ersten Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel von Beirut [1]. Abends beim Bier, das damals zur Festspielzeit unglaublich schwer zu bekommen war, stritt er sich mit einem anderen Kunstkenner so leidenschaftlich über die Kunst, daß er dem anderen Kunstfreund schließlich ein Seidla Bier über den Kopf zog. Seither trug Alfred Pringsheim den Beinamen "Schoppenhauer".

Mit der ihm später angetrauten Gertrude Hedwig Anna Dohm, einer Tochter der bekannten Berliner Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, zeugte er [2] die Zwillinge Klaus und Katharina, genannt Katia. Als Katia so umra 10 Jahre alt war, wurde sie von Franz von Lenbach gemalt.

Von dem Gemälde ließ man Kopien anfertigen und verkaufte diese. Ein junger Mann, dem es gefiel, sich Thomas Mann zu nennen, verliebte sich in das schöne Kind, und - wahrlich - er seufzte, erfüllt von brennender Leidenschaft. Als er nach etlichen Jahren immer noch brannte, aber aufgehört hatte, zu seufzen, wurde er wieder ansatzweise vernünftig und er nahm eine Frau zur Frau, um das ehdem vergeblich angeseufzte Kind weitgehend zu vergessen. Jetzt erst, da er verheiratet und also gebunden war, erfuhr er, daß das Mädchen von damals Katia hieß, eine geborene Pringsheim war und jetzt eine verheiratete Katia Mann.

So einen Scheisendreck-Kitsch traut sich keiner auszudenken, nicht einmal Thomas Mann. Das Leben aber, merket auf, ist eine Schlampn.



[1]   Es gibt Menschen, die meinen, es müßte nicht "Beirut" heißen sondern "Bayreuth". Aber wie so vieles andere in dieser Welt ist auch dies nicht sicher.

[2]   Wenn diese ständige Fickerei nicht wäre, gäbe es viel weniger Leid und Streit auf Erden, wiewohl ein gewisser Sigmund Freud aus der Berggasse in Wien das genaue Gegenteil behauptet hat.

5.3.24

Chemtrails verschwulen uns alle

Als uns Corona jegliche Lebensfreude genommen hatte, wurde nur noch wenig geflogen, aber früher®, als das Leben noch lebenswert war, haben sie® Chemtrails auf uns gesprüht und sie tun es heute wieder. Wir sollen verblöden - was gelungen ist - oder schwul werden - was nur teilweise gelang.

Wenn es aber, denke ich mir, dieses Verschwulungsspray in den Chemtrails wirklich gibt, müßte es doch ein Leichtes sein, die Überbevölkerung zu stoppen. Ich stell mir gerade vor, wie eine Drohne über... sagen wir mal Bangladesh und Indien fliegt und dort rumsprüht, daß es nur eine Art hat. Dreißig, vierzig Jahre und das Problem mit den vielen Leuten dort wäre gelöst, ganz ohne Völkermord. Völkermord gilt ja heutzutage als unseriös, früher war man da... ich sag mal: entspannter.

Schwulen sollte das Inverse Mutter- bzw. Vaterkreuz verliehen werden. Ach was "verleihen", man sollte es ihnen schenken!

20.11.23

Geschlechterschmäh

"Ja", schrieb einst 1 Frau im Internet, "zu manchen Sachn braucht's Männer... oder sie können jedenfalls nicht schaden."

Karl Kraus hat mal geschrieben: "Ein Weib ist unter Umständen ein ganz brauchbares Surrogat für die Selbstbefriedigung. Freilich gehört ein Übermaß an Phantasie dazu."

Ich versteck mich dann mal, vorsichtshalber.

19.10.23

Sex oder Die Geschichte vom denkenden Schwein

In der Alten Zeit, da die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war als die Welt von heute, stellte ich einen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag ein:

Kindersex - Schockierend!

Mir doch Banane. (Man achte auf die rechte Hand des Mädchens.)

Für diesen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag wurde ich heftig gerügt: "Du denkst an Sex, wenn du die rechte Hand des Mädchens siehst? (...) ...aber wenn ich das Mädchen sehe und auf ihre rechte Hand blicke, denke ich nicht an Sex."

"Du wirst lachen", schrieb ich zurück, "auch ich habe auf die rechte Hand des Mädchens geblickt und nicht an Sex gedacht. Ich habe das Bild vor etlichen Jahren im Netz gefunden und mir ist natürlich sofort die Banane aufgefallen, welche das Mädchen dem Jungen in den Mund steckt. Das kommt davon, wenn man zu viel von und über Freud liest, den alten Schla-Wiener.

Vor einigen Jahren habe ich das Bild schon mal als Kuriosität eingestellt - nicht hier, sondern in einem Forum, in dem vorzugsweise User mit Nie-Woh verkehren - und ein Leser hat mich auf die Handhaltung des Mädchens aufmerksam gemacht. Nanu?, dachte ich bei mir, was soll da sein? Es hat etliche Sekunden gedauert, bis mir klar geworden ist, wie anzüglich die Pantomime des Mädchens ist, und zwar an genau jener Stelle, an der sich der erigierte Penis des Jungen hätte befinden müssen, wäre der Junge für einen erigierten Penis nicht doch etwas jung gewesen. Aber, wie das gelegentlich so ist, wenn du mal etwas erkannt hast oder glaubst, etwas erkannt zu haben, wirst du die Gedankenverknüpfung nie mehr los."

Eine andere Geschichte, damals wohnte ich aus beruflichen Gründen vorübergehend bei meiner Mutter. Ich hocke also eines Tages beim Abendessen in der Küche, während meine Mutter im Wohnzimmer gerade eine Vorabendserie mit Werbeumrahmung guckt. Plötzlich höre ich vom Fernseher einen Sprecher fröhlich quaken: "Verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup macht einfach Spaß".

Eine ganze Weile sitze ich da wie vom Donner gerührt, entschließe mich dann aber, das Ganze auf einen Hörfehler meinerseits zu schieben, zu unglaublich erscheint mir das Gehörte. Tags drauf jedoch, gleiche Szene, gleicher Spruch. Und diesmal habe ich mich mit Sicherheit nicht verhört.

Ich möchte mich jetzt nicht weiter drüber auslassen, wie "verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup" rein technisch aussehen könnte, gestatte mir in diesem Zusammenhang lediglich die Anmerkung, daß es für den männlichen Maggi-Liebhaber möglicherweise - im Wortsinne - sehr eng werden könnte. Aber gut: Jeder Erwachsene kann und muß wissen, was er macht und vielleicht ist in diesen Zeiten von AIDS der Sex mit Tomatenketchup tatsächlich die gesündere Alternative zu promiskem Geschlechtsverkehr mit Frauen oder Männern, gleich welchen Geschlechts.

Kann sein.

Was ich aber nicht - und zwar überhaupt nicht - verstehen kann, ist die Tatsache, daß man einen dermaßen frivolen Werbespot im Vorabendprogramm bringt, zu einer Zeit also, da viele Jugendliche, ja Kinder, noch fleißig am Gucken sind. Man muß die Kids doch wirklich nicht auf derartige Gedanken bringen!

Es gab mal Leute - und es gibt sie dem Vernehmen nach immer noch - die Tomatenketchup essen. Vielleicht sollte die Firma Maggi ihre Kunden mal darauf aufmerksam machen.

Ich hab öfter mal völlig alberne Assoziationen. Oft ist das nur ein Scherzlein, manchmal nicht einmal das. Ab und an wird ein interessanter Gedankengang draus. (Das hier ist sicher nur ein Scherzlein, wenn überhaupt.)

In der Schule habe ich erstmals den "Bolero" von Maurice Ravel gehört und war sofort fasziniert. Ein eigentlich wahnsinnig langweiliges Stück (letztlich immer die gleiche Tonfolge), das aber trotzdem alles andere als langweilig ist. Das knistert. Jahre später habe ich gelesen, der "Bolero" sei vertonter Geschlechtsverkehr, Geschlechtsverkehr aus der Perspektive des Mannes. Ich hörte mir das Stück daraufhin wieder mal an - tatsächlich. Immer das gleiche, aber immer ein bisserl anders, schön langsam immer heftiger werdend, schließlich heftiges Rabumms, Rabumms - aus. Und dann ratzt der Saukerl wahrscheinlich weg, während die nunmehr entspannte Frau eigentlich noch über das Versmaß im klassischen Sonett diskutieren wollte.

Ähnlich ist es mit dem Heideröslein von Goethe, von selber wär ich nie darauf gekommen, daß hier die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt wird. Aber natürlich ist es genau das, Ein Gedicht darüber, wie jemand eine Blume pflückt und darüber mit der Blume ein Gespräch führt, wäre auch wirklich grundalbern.

Und dann war da noch die Sache mit den Türmen der Frauenkirche in München. Vor einigen Jahren war ich in München in einem Beratungsgespräch, anwesend waren der Klient und eine junge Kollegin, die hospitierte. Das Gespräch war an einem toten Punkt angelangt und ich deutete mit unendlich müder Geste (in welche ich den ganzen Weltschmerz des Wiener Fin de Siècle legte, den André Heller so anmutig zu zelebrieren wußte) nach hinten, wo die Türme der Frauenkirche, etwas über einen Kilometer Luftlinie entfernt zu sehen waren. "An einem diesigen Tag wo heute, wo man Einzelheiten nicht mehr so genau sieht, schauen die Türme tatsächlich wie erigierte Penisse aus." Sowohl der Klient als auch die Kollegin schauten mich irritiert an. "Jetzt dreht er durch!" mochten sie wohl denken. So hätten sie die Türme noch nie gesehen, erfuhr ich auf Nachfrage. Oha! Ich versuchte einzulenken und meinte, locker parlierend, die meisten Leute sähen die Zwillingstürme wohl tatsächlich eher weiblich, wobei ich mit einer Geste weibliche Brüste vor meinem eher flachen Oberkörper andeutete. Auch diese Assoziation, erfuhr ich nun, sei ihnen noch nie in den Sinn gekommen, sagten mir die beiden. Von nun aber, so meinten sie übereinstimmend, würde ihnen diese beiden Assoziationen auf ewig anhaften.

Jö, dachte ich mir, jetzt hast du zwei unschuldige Menschenherzen infiziert.

Andererseits...

 

Von Sigmund Freud, den man seinerzeit in Wien als den "Lustlümmel aus der Berggasse" bezeichnete ist der Spruch überliefert: "Manchmal ist eine Zigarre eben nur eine Zigarre."

Ich merke grad, daß Freud meinem zigarrerauchenden Opa sehr ähnlich schaut, meine dazugehörige Oma übrigens dem Hans Moser.

Dem Schweinen, sag ich seit Jahren, ist alles Schwein. Vor wenigen Monaten erfuhr ich dann, daß der Spruch von Friedrich Nietzsche stammt: "Dem Reinen ist Alles rein - so spricht das Volk [1]. Ich aber sage euch: deN Schweinen wird Alles Schwein!" ("Also sprach Zara Thustra", Bd. 3. Chemnitz, 1884.)

Und schon - schawupp! - war ich als Guttenberg entlarvt, wiewohl ich unschuldig bin.



[1]   Bis hier sind wir noch in der Bibel, im Paulsbrief an Titus, Titus 1:15.

15.10.23

Von der Tragik der unerfüllten Sehnsucht

Und von der größeren Tragik der erfüllten

Wie die Deutschen so haben es auch die Italiener fertiggebracht, die üblichen fremdenfeindlichen, ja rassistischen Denk- und Verhaltensmuster auf ihre eigenen Landsleute anzuwenden. Die Norditaliener nennen sich gerne "nordici", ein Begriff, der normalerweise auf Skandinavier angewandt wird. Die Süditaliener nennen sie dementsprechend "sudici", was ein (gewollt) böses Wortspiel ist. Das Wort "sudicio", Mehrzahl "sudici" heißt nämlich auch "Dreck, schmierig, schmutzig, schmuddelig, unflätig, verschmutzt, dreckig".

In einem zivilisierten Land wäre ein Mann wie Umberto Bossi, Chef der separatistischen Lega Nord, wegen Hochverrats steckbrieflich gesucht und bei Ergreifung nach fünfminütigem Verfahren standrechtlich erschossen worden. In Italien saß er schließlich in der Regierung.

In Deutschland verläuft die Grenze der Diskriminierung nicht mehr zwischen Nord und Süd [1] sondern zwischen West und Ost. Früher, als uns im Westen die Mauer noch zuverlässig vor all den Sachsen, Thüringern und Mecklenburgern schützte, hat man an Weihnachten Kerzen in die Fenster gestellt, um damit der geknechteten Brüder und Schwestern in der Zone zu gedenken. In der beruhigenden Gewißheit, daß dies nie geschehen werde, hat man gerufen "Macht das Tor auf!". Und dann, wie's der Deibel haben will, war das Tor plötzlich offen und all die faulen, ewig meckernden Ostdeutschen waren plötzlich mitten unter uns.

"Im Leben gibt es zwei Tragödien: die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches, die andere seine Erfüllung." (George Bernard Shaw)

Ephraim Kishon hat in den Siebzigern das Theaterstück "Es war die Lerche" geschrieben. Es spielt in Verona, 30 Jahre nach dem ganzen Geschiß um Romeo und Julia. Die beiden haben überlebt, sind jetzt ein älteres Ehepaar, das sich mit all den so gar nicht heroischen Mißlichkeiten des Ehe-Alltags herumzuschlagen hat. Dazu kommt eine pubertierende Tochter...

Wie angenehm und heiter flauschig ist dagegen Shakespeares Tragödie. Shakespeares Geschichte läuft ja zielgerichtet auf's Happy-End zu und es brauchte eine komplizierte Abfolge aberwitziger Zufälle, die sich Shakespeare hat ausdenken müssen, damit sein Happy-End doch noch in einer marktkonformen Tragödie enden konnte. Zweieinhalb Jahrhunderte später hat Richard Wagner das Kunststück wiederholt.

Dante Alighieri hat auf einer Brücke ein wunderhübsches Mädchen gesehen, ein einziges Mal in seinem Leben. Er nannte sie bei sich Beatrice und hat ihr ein Leben lang hinterhergeseufzt, ihr, der ewig jungen Schönen. Hätte er sie gefunden, wäre sie sein geworden - es wäre vielleicht eine Menschliche Komödie über das Leben, wie es wirklich ist,  geworden. So manches Gedicht wäre nie geschrieben worden, aber mei, es gibt so viele andere, man kann sie eh nicht alle lesen.

Tragisch, wirklich tragisch wird die Geschichte, wenn wir uns klarmachen, wie schnell und leicht junge Menschen ihr Leben wegwerfen. Irgendeine blöde Kuh, irgendein Scheißtyp erhört ihn/sie nicht und er/sie bringt sich um, des Liebeskummers voll. Und dann hast du alte Leute, geplagt von den schmerzlichen Erinnerungen eines langen Lebens, gepeinigt von den Mißlichkeiten des Alters und manchmal auch von entsetzlichen Beschwerden. Und sie freuen sich über jeden einzelnen Tag, den sie noch atmen, den sie noch leben können. Ist es nicht verrückt? Sollte es in einer leidlich vernünftigen Welt nicht umgekehrt sein?

___ 

Bei Gelegenheit der vergeblichen Suche nach einem Video von "Es war die Lerche" ist mir dies noch zum Thema Alter und Liebe untergekommen, das ich nicht unterschlagen möchte, weil es gar so schön ist:



[1]   Diese Grenze gab's in Deutschland schon auch mal, wenn auch deutlich milder.

25.9.23

Sexuell erregend

 "Ob der Körper einer Frau sexuell erregend ist, kann man(n) in Sekundenbruchteilen sagen..." schrieb einst einer der vielen Großdenker auf "Fisch und Fleisch".

"Sexuell erregend" ist relativ. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre las ich in der Süddeutschen Zeitung, man habe einen Gehilfen der Anatomie der Ludwig-Maximilians-Universität München verhaftet, weil sich dieser in der Silvesternacht und anläßlich der gleichnamigen Trunkenheit an der Leiche (!) einer 83(!)jährigen Frau vergangen hat. Das heißt, so alt und so tot  kannst du als Frau gar nicht sein, daß du vor männlicher Nachstellung sicher wärst.

18.1.23

Wie Chemtrails die Welt retten werden

Wir wissen es alle, die Kondensstreifen am Himmel sind der Beleg dafür, daß uns die Reichsten der Reichen vergiften wollen. Angeblich enthalten diese Chemtrails auch einen Wirkstoff zur Verschwulung der Gesellschaft. Ich weiß nicht, ob es so ist, aber wenn es so ist, würde das natürlich das Problem mit der Überbevölkerung lösen. Schwulen sollte das Inverse Mutter- bzw. Vaterkreuz verliehen werden. Ach was "verleihen", man sollte es ihnen schenken!

14.12.22

Klatsch und Tratsch

In Facebook las ich einst Folgendes: "...ich hab aus gut unterrichteten Kreisen gehört, dass sie was mit der römischen Gräfin Alessandra Borghese hat. Is scheinz zu feig zu ihrer Bisexualität zu stehen und verteufelt dann die anderen... seufz." Sie, das ist die Regensburger Fürstin Mariae Gloria von Thurn und Taxis, die eigentlich gar keine Fürstin ist, sondern die Witwe eines Fürsten. Genau genommen nicht einmal das, denn seit 104 Jahren gibt es sowohl in Österreich als auch in Deutschland keinen Adel mehr.

Wie auch immer: Manchmal, eigentlich ziemlich oft, kann ich das Wort nicht halten und so kommentierte ich:

Ich hab's damals miterlebt, wie der Hansi (vulgo: Prinz Johannes von Thurn und Taxis) in den siebziger Jahren durch die Regenwurmpresse gehechelt worden ist. Der Hansi war seinerzeit so umra 40 Jahre alt, ein Playboy der Sonderklasse. Mit seinem Lieblings-Filipino war er überall dort, wo sich die Schönen und Reichen getroffen haben (also eher selten in Regensburg). Sein Vater jedenfalls hat damals ein Machtwort gesprochen: Entweder heirate er und zeuge einen Erben (die männliche Form ist kein Zufall, sondern Adels-Algebra), oder er werde enterbt.

Wir wissen es alle: Ein Scheck ist wirkmächtiger als die allmächtige Liebe. Dem Hansi wurde Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Josephine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau als jungfräuliche Braut zugeführt und siehe, er kam über sie und sie wurde schwanger von ihm. Leider war's nur ein Weibsstück und so mußte der Hansi wieder ran an die Jungfrau. Wie's der Deibel haben will, war es wiederum ein Mädchen. Aber was tut man nicht für ein Milliardenerbe? Der Hansi teilte erneut das Beilager und diesmal erwuchs daraus endlich  ein richtiger Mensch.

Nun tat der Prinz, der in der Zwischenzeit zum Fürsten gereift war, der Welt den Gefallen, aus ihr zu verschwinden.

So, und nun füge ich deine Information zu meiner, streiche dabei das Wort Bisexualität: Ein Grund-Schwuler und eine Elementar-Lesbe werden von der Macht des Geldes kopuliert - "Oh ja, Baby, ich komme, oh mein Gott, ja ja" -  um einen Kronprinzen zu erzeugen.

Was für eine Dramödie hätte Shakespeare daraus gemacht! Ich höre gerade, der Kollege Shakespeare sei inzwischen verstorben... Soll ich die Dramödie schreiben?

28.9.22

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur...

Im Usenet geschah es, daß sich einer Gedanken darüber machte, wie man denn die verschiedenen archäologischen Schichten vergangener Geschlechtspartnerinnen bezeichnen könnte. "Ex-Freundin" etwa, "Doppel-Ex-Freundin" oder wie.

Ein anderer kam zu Hilfe: "Nochmal über dein Promiskuitätsproblem sinnierend, kam mir folgender Vorschlag in den Sinn:

- Ex

- Vor-Ex

- Vor-vor-Ex

- Vor-vor-vor-Ex"

Ich schlug eine pragmatischere und poetischere Lösung vor:

Der... äh, der Dings... ah ja, der Herr Johann aus Spanien hatte einen Diener namens Leporello und der hat ihm eine saubere Liste geführt. Jetzt brauchst du nur noch die Damen durchnumerieren und du hast eine eindeutige Terminologie: FV 217 ["Die magere Romantische"] oder FV 173 ["Die sinnliche Dicke mit den Sommersprossen"].

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur Ficken.

So ein Leporello-Archiv hat gewiß Stil, heutzutage aber nimmt man zur Datenspeicherung natürlich das SmartPhone. "Nur für die Registratur, gnädige Frau... Mit wem hatte ich eben das Vergnügen?"

Bei anderer Gelegenheit wandte eine Dame ein: "Ich finde ja, daß Vergessen die beste Option ist."

"Ich glaub ja eher," wandte nun meinerseits ich ein, "daß Don Giovanni deshalb den Weibern nachsteigt, damit Leporello sie in sein gleichnamiges Notizbücherl eintragen kann. Das bisserl Samenerguß ist für ihn eher zweitrangig, will mir scheinen. Aber immerhin, so erspart er sich wenigstens das Wichsen. Karl Kraus hat mal geschrieben, eine Frau sei bisweilen ein ganz brauchbares Surrogat für die Selbstbefriedigung, allerdings erfordere das Besteigen einer Frau ein Übermaß an Phantasie.

Hauptsach ist natürlich, daß Leporello lobsingen [1] kann, es habe Don Giovanni alleine in Spanien 1003 Weibsen flachgelegt. Es sollte keiner den Fehler machen, sich die 1003 Schicksen allein in Spanien als gescheiterte Liebesgeschichten vorzustellen. Genau so sollte das ablaufen. Wie man bei uns in Niederbayern sagt: umhaun, neihaun, abhaun. Stell dir die Katastrophe vor, wenn Don Giovanni auch nur einen Monat bei Donna Elvira geblieben wäre... 30 Alltage hintereinander... "Das hätte ich bei meinem Alten auch haben können", denkt sie sich. Don Giovannis Trick ist, daß er sich tags drauf wieder verdrückt hat, und die Frau ihm ein Leben lang nachseufzen kann und dabei nicht von seiner realen Existenz belästigt wird.

Ich habe mir Don Giovanni nie als Frauenfreund vorgestellt, ganz im Gegenteil. Frauen sind ihm zuwider und er ist manisch bestrebt, sich die Schicksen auf eine Schwanzlänge Abstand zu halten. Ein etwas schiefes Bild, gewiß, aber was tut man nicht alles für eine sprachliche Pointe... Obwohl... Jetzt, wo ich den Satz geschrieben vor mir stehen sehe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das Sprachbild wirklich so schief ist. Kann man sich eine Person nicht vielleicht gerade durch Sex vom Leibe halten? "Wir haben gevögelt, Schatz, du bist gekommen, ich bin gekommen, das muß reichen. Ich will bis auf weiteres nicht mehr von dir belästigt werden." Oder wie es die kleine Hilde gesagt hat, als sie einen herzergreifenden Roman gelesen hätte: "Hach, muß Liebe schön sein, wenn ich groß bin lieb ich auch."



[1]   Hat eigentlich schon mal jemand was von Lobsang Rampa gehört?

1.9.22

Sechs und Axelschweiß

Vor Urzeiten, als die Nebel von Avalon noch über die Welt waberten, schuf ich ein Lehrvideo über die Kunst, sich naß zu rasieren. Eine Dame mokierte sich über die schiere Länge des Monumentalfilmes: "25(!) minuten! soll nur noch einer sagen, man müsse immer auf frauen warten. in der zeit bin ich mit allem fertig, während der herr da immer noch zum friseur muss und unter den armen stinkt."

Ich antwortete ihr:

Man sagt nicht "stinkt unter den Armen" sondern spricht treffender von "maskuliner animalischer Erotik". Ganz viele Frauen mögen das, wäre es anders, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Übrigens gilt das auch für Männer, auch sie lieben "feminine animalische Erotik". Es gibt für die meisten Männer nichts Widerlicheres und sexuell Abtörnenderes als eine Frau, die in den Duft einer kostbaren Pflegelinie gehüllt ist.

Den Wenigsten scheint es aufzufallen, aber seit die Chemie imstande ist, wohlriechende Pflegedüfte kostengünstig auf den Markt zu werfen und damit intensive Körperpflege auch für die kleine Frau/den kleinen Mann zugänglich geworden ist, ist die Vermehrungsrate in unseren Breiten immer mehr zurück gegangen. Welche Frau mit Geschmack und Leidenschaft will sich schon mit einem Mann paaren, der nicht mehr stinkt wie ein Wiesel? Wer mit einer wohlriechenden Frau? Seit Kosmetika immer wohlfeiler und damit verbreiteter geworden sind, seit es Schmuck zum Schweinefüttern gibt und die Naßrasur auch den weiblichen Intimbereich erobert hat, sind naturbelassene Frauen (auch unter Öko-Tussies) zu einer kostbaren, gar nicht hoch genug zu schätzenden Rarität geworden. Naturbelassene Männer sind häufiger zu finden, aber auch hier geht der Trend in eine fatale Richtung.

Du magst einwenden, gefickt werde erfahrungsgemäß trotzdem, ich aber wöhne und das arg, daß es schlicht immer weniger naturbelassene Frauen gibt (wann hast du zuletzt eine Frau ohne Lippenstift gesehen?), die Männer also notgedrungen die wohlduftenden Tussen begatten müssen, wollen sie überhaupt je zum Schusse kommen. Die vielgerühmte Erotik ist heutigentags kein Spaß mehr.

Ob Parfümeure Agenten des Vatikan sind, die Unzucht einzudämmen?

Ich bin ja schon froh, wenn eine Frau nicht nach Insektenspray riecht. Nein, das ist jetzt keine alberne Bemerkung, bloß damit eine alberne Bemerkung gemacht wird. Vor vielen Jahren ist es mir mehrmals passiert, daß mir im Bus oder wo eine Frau begegnet ist, die einen Duft verströmt hat, der mich zurückschrecken ließ. Das war nicht mangelhafte Körperpflege sondern riechbar Parfüm. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Duft identifizieren konnte - Insektenspray.

Wieso parfümiert sich eine Frau mit Insektenspray, und nicht nur eine Frau, sondern anscheinend etliche? Die erste Hypothese, es handle sich hier um einen ganz raffinierten Schachzug, sich vor sexueller Belästigung zu schützen, ließ ich bald wieder fallen. Dann kam ich drauf: Was die Frauen verströmten, war nicht wirklich der Geruch von Insektenspray. Die Wirkstoffe von Insektenspray sind vermutlich so unangenehm, daß man sie mit Duftstoffen zudeckt. Und genau so ein Duftstoff war offensichtlich mal eine zeitlang in Mode bei Herstellern von Insektensprays: "Psy 9, sprühen ohne sich zu scheu'n" hieß es einst in der Werbung.

Im übrigen gilt: Wenn du ein Parfüm bewußt riechen kannst, ist es in Überdosis aufgetragen worden.

Als ich 2010 aus Italien zurückgekehrt bin, lebte ich in einem Holzhaus weit draußen auf dem niederbayerischen Land. Der einzige, der sich damals in meinem Haushalt parfümiert hat, war mein Hund. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist nämlich das Parfümieren, das Überdecken des Eigengeruchs, keine Sache, die erst mit dem Menschen in die Welt gekommen ist.

Wer einen Hund hat und mit ihm auf dem Land spazieren geht, hat oft seine liebe Mühe damit, das Zamperl davon abzuhalten, sich lustvoll in Kuhfladen, Pferdeäpfeln oder sonstigen Exkrementen von Pflanzenfressern zu wälzen. Gegebenenfalls ist der Hund auch mit einer toten Maus oder ähnlichem zufrieden.

Nun gab es bei uns draußen keine freilaufenden Rinder, es gab überhaupt in der ganzen Gegend dort kaum noch Rinder, die Bauern haben sich auf den Anbau von Feldfrüchten und Solarstrom spezialisiert. Keine Fladen also in erreichbarer Nähe. Herumliegendes Aas wurde, sollte es wirklich mal herumliegen, von mir rasch entsorgt, der Hund mußte sich also mit Gras begnügen, in dem er sich in der Tat sehr gerne suhlte.

Hunde - und andere Raubtiere - parfümieren sich, um damit beim Anschleichen an die Beute den eigenen Raubtiergeruch zu überdecken. Bei Frauen (und Männern, notabene) ist das nicht anders. Ob es zielführend ist, darüber kann man phil vielosofieren. Weil...

Vor einigen Jahren habe ich im italienischen Fernsehen einen Werbespot für ein Deospray gesehen. Der Spot ist - für eine Kosmetikwerbung - sehr ungewöhnlich aufgemacht: In einem offensichtlich menschenleeren (nächtlichen) Bürohochhaus wird eine junge Frau von zwei Männern gehetzt, Bluthunde an der Leine. In einem Treppenhaus, kurzfristig außer Sichtweite ihrer Verfolger, kann sie sich über das Treppengeländer schwingen. Sie klammert sich an einer Metallverstrebung fest, frei über einem gähnenden Abgrund hängend, von oben unsichtbar. Die Frau hängt im hautengen schwarzen Dress da, erregt atmend. Arme, Gesicht und Achselhöhle sind mit einem dicken Schweißfilm überzogen. Du riechst buchstäblich die Schweißwolke dieser angsterregten Frau. Obwohl die Frau nicht eigentlich schön ist - jedenfalls nicht nach meinem Geschmack - strahlt sie in diesem einen Bild eine enorme erotische Wirkung aus.

Die Verfolger kommen mit ihren Hunden ums Eck gelaufen - und laufen trotz der Hunde über der unter ihnen hängenden Frau an ihr vorbei.

Eine Schrift erscheint, welche verspricht, daß man nach Benutzung des beworbenen Sprays keinerlei Geruch mehr ausströme - nessun odore.

Nagle mich jetzt keiner auf eine genaue Stelle fest, aber irgendwo bei Ludwig Thoma habe ich mal gelesen, seinerzeit hätten sich die Bauernburschen, wenn sie zum Tanz gegangen seien, ihr Taschentücherl unter der schweißnassen Achselhöhle durchgezogen und es dann ins Brusttascherl gesteckt, um die Mädels kirre zu machen. Und von Napoleon sagt man, er habe seiner Josephine bei der Rückkehr von einem Feldzug einen Boten vorausgeschickt mit der Nachricht "Wasch dich nicht, ich komme."

Und heute? Alles sauber, alles keimfrei, auch der Sex. Ach.

Toucha, toucha, touch me, I wanna be dirty

Seit es das Internet gibt sind die Menschen weitgehend von der Vögelpflicht befreit, der Trend geht mehr und mehr zum "virtual sex". Das meint jetzt weniger das klassische Sich-einen-abwichsen anhand einer zweckmäßigen Vorlage, sondern vielmehr das wechselseitige Masturbieren via Webcam. "Oh ja, Erwin, ramm ihn mir rein" stöhnt die holde Hilde in Wien-Ottakring, während ihr der in Hamburg-Ottensen ansässige Erwin dabei zusieht, wie sie sich ein irgend geartetes Stangerl ins Möserl steckt und sich seinerseits 1 abrubbelt. Ich mein, "Romeo und Julia" ist eine Geschichte mit Happy-End im Vergleich.

21.7.22

Basken und Athabasken

Früher, als ich noch jünger war (bis vor zwei Wochen, um genau zu sein), glaubte ich allen Ernstes, die Lachse zögen zum Laichen aus ihrer Heimat - den Oberläufen der europäischen und nordamerikanischen Flüsse - in die Sargassosee. In Wirklichkeit, Sie ahnen es wahrscheinlich schon, ist es genau umgekehrt. Die Lachse, genauer die Atlantischen Lachse treiben sich im Nordatlantik herum und zum Laichen kehren sie an den Ort ihrer Geburt in einem der europäischen und nordamerikanischen Flüsse zurück. Der Fisch mit der Sargassosee ist der Aal, genauer der Europäische Aal.  

Aus Aalen wird das vor allem in Großbritannien und Irland gern getrunkene, gleichnamige Bier gefertigt. Die weit verbreitete und sich immer weiter verbreitende Trunksucht in den beiden Ländern hat den Bestand auch der nordamerikanischen Aale inzwischen so weit reduziert, daß die Aale vom Aussterben bedroht sind.

Der Kasus macht mich weinen, aber wie auch immer, ich wollte eh von den Vermehrungsgewohnheiten der Athabasken erzählen. Die Athabasken sind eine indigene Bevölkerungsgruppe (vulgo: Indianer) in Alberta (Kanada). Wenn die Paarungszeit gekommen ist, ziehen die Athabasken samt zugehörigen Weibchen (siehe Bild oben) nach Osten, bis sie die Atlantikküste erreichen. Dort fällen sie Bäume, aus denen sie Einbäume schnitzen, mit denen sie wiederum den Atlantik überqueren und schließlich im Baskenland (teils Frankreich, teils Spanien) ankommen. Dort wird gerimmelt und gerammelt, daß die Baskenmütze qualmt. Die Athabasken kehren dann mit den frisch geschwängerten Weibchen in ihr Heimatland zurück, wofür sie sich heutzutage des Shuttle-Services der Air Athabasca bedienen.

2.6.22

Meister Häublein und Carlo Vagina

 Die fröhliche Wissenschaft

"Forscht, wo ihr zu Forschen findet. Das Unerforschbare aber laßt unerforscht." Das ist nicht von Goethe, wie so mancher jetzt fast reflexhaft gerufen hat [1], sondern von - immerhin - Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer.

Na, wie auch immer. Es gab mal eine Zeit, in der ich den SPIEGEL zwar nicht abonniert hatte, ihn aber doch regelmäßig las. Die Zeiten sind lang vorbei, ich bin inzwischen ein anderer geworden und der SPIEGEL erst recht. An Zeitungskiosken gehe ich vorbei, ohne den Blick zu heben. So kommt es, daß ich den SPIEGEL von anno seinerzeit erst heute in die Hand bekommen habe. Meine Schwester nämlich hat den SPIEGEL abonniert und sie hat mir vor etlicher Zeit besagtes Heft in die Hand gedrückt. Ich habe mich artig bedankt und das Heft erst mal weggelegt. Heute nahm ich es wieder zur Hand [2] und bin erstarrt:

 

"Forscher vermessen die Lust der Frauen." Ich mein, als Frau  machst sowieso was mit, und jetzt auch noch das. "Forscht, wo ihr zu Forschen findet...", wie gesagt.

Apropos Frauenforschung. Auf der Platte (ja, buchstäblich Platte, sie ist 1967 erschienen) "Im Wunderland Der Triebe - Der Tönende Sexreport" von Lützel Jeman (alias Robert Gernhardt), F.-K. Waechter und F. W. Bernstein ist ein Schulfunk-Beitrag über Meister Häublein zu hören.

Am Beginn der Neuzeit begibt sich Meister Häublein auf die Suche nach der legendären "erogensten aller erogenen Zonen" bei der Frau. Griechische Quellen berichten davon, inzwischen aber ist ihr Wissen verlorengegangen und die Lage dieser Zone ist so unbekannt wie die von Atlantis oder Ultima Thule. Nach vielen Jahren mühseliger Forschungsarbeit hat Meister Häublein diese Zone entdeckt. Da erreicht ihn die erschütternde Nachricht, daß der Italiener Carlo Vagina diese sagenhafte Zone entdeckt habe, sie liege zwischen den Beinen der Frau. So kommt es, daß diese Zone noch heute Vagina genannt wird und nicht Häublein.

Eine Frau - wer sonst? - schrieb mir auf diesen Blogbeitrag hin, sie stelle sich gerade vor, sie hieße wirklich so (sie, die Vagina).

Ich versuchte sie zu trösten.

Das wäre fein, wenn dem so wäre. Häublein ist wirklich eine sehr charmante Bezeichnung für das... äh, ich sag mal: Ding.

Was bin ich als Kind zusammengezuckt, als plötzlich in der Karfreitagsmesse, die damals noch auf Lateinisch gehalten wurde, das Wort "vagina" auftauchte. Ich hatte gottlob den Großen Schott dabei, in welchem die gesamte lateinische Liturgie verzeichnet war.

Tatsächlich, da war es: "dixit ergo Iesus Petro mitte gladium in vaginam" - Und also sprach Jesus zu Petrus: "Stecke dein Schwert in die Scheide".

Als Katholik machst was mit.

Übrigens teilt sich Mösien auf in Obermösien und Niedermösien.



[1]   Der Spruch von  Goethe heißt: "Das höchste Glück des denkenden Menschen ist es, das Erforschliche erforscht zu haben, und das Unerforschliche ruhig zu verehren."

[2]   Es war im Weg gewesen und mußte woanders hin.

8.5.22

Von Machos und Mammakraten

Je machohafter eine Kultur, desto mehr Einfluß haben die Frauen auf die Kinder. Zana Ramadani (die heißt wirklich so) hat vor kurzem mit einem Buch Furore gemacht, in dem sie behauptet hat, an der Frauenverachtung sehr vieler moslemischer Männer trügen ihre Mütter ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Zum machismo neigende Männer kümmern sich frühestens ab dem vierten Lebensjahr intensiver um ihre Kinder. Nach drei Jahren ist aber die wesentliche psychologische Prägung der Rotznasen abgeschlossen, alles, was danach kommt ist vergleichsweise ein Lercherlschaas.

Ich habe 10 Jahre lang in Italien gelebt, nicht in der Toskana oder wo, sondern 120 km südlich von Neapel, im Cilento. Das Cilento ist der mit Abstand schönste Teil Italiens. Kaum ein Deutscher oder Österreicher kennt das Cilento, wer es kennt, kommt immer wieder oder bleibt gleich ganz da.

Was ich sagen wollte: In unserem zweiten oder dritten Jahr in Castellabate waren wir anläßlich der festa della donna (Weltfrauentag) in einem Lokal. Irgendwann stupst mich meine Frau an und meint, es sei doch höchst erstaunlich, wie selbstbewußt die Frauen hier seien.

Ich stutzte, mir war es bislang nicht aufgefallen, aber ich bin ein Mann und auch sonst ein bisserl blöd. Ich schaute daraufhin etwas genauer hin und in der Tat, es waren die Weibers, welche die Szene beherrschten. Die anderen Familien kannten wir nicht, aber die Mischpoke der Gemüsefrau war uns bekannt. Die hatte die Fäden in der Hand, der ihr sein Mann war nix weiter als der Mann von der Gemüsefrau. Ich nehme an, das lag daran, daß ab den sechziger Jahren viele Süditaliener nach Norden gingen, um dort zu arbeiten - von Mailand bis nach Schweden. Die Frauen mußten sich alleine um die Kinder kümmern, die Olivenbäume, den Weingarten. Und sie haben entdeckt, welch wichtige Aufgabe sie doch haben. So was macht selbstbewußt. In Italien habe ich - anders als in Deutschland - so gut wie keine verhuschten und niedergedrückten Frauen kennengelernt.

4.5.22

Sexy

Ein ausgesprochen alltägliches Bild. Eine Frau [1] sitzt auf einem Stuhl an einer nicht weiter interessanten Meerespromenade, raucht eine Zigarette und gestikuliert dabei lebhaft mit den Händen. Keine allzu junge Frau mehr, keine ungewöhnlich attraktive Frau, gekleidet in bequemen und keinesfalls auf sexuelle Attraktivität spekulierenden schlabbrigen Klamotten.

Und doch: Ich kann mir nicht helfen, dieses Bild wirkt auf mich unheimlich sexy.

Woran kann es liegen? Vielleicht an der männlichen Sitzhaltung mit den weit geöffneten Schenkeln. Eine Sitzhaltung, die man tatsächlich fast nur bei Männern oder dann wiederum bei alten Frauen findet. Wahrscheinlich aber liegt es vor allem daran, daß ich eine Vorliebe für abgebrezelte Frauen habe. "Abgebrezelt" heißt "naturbelassen": Schlabbrige Kleidung, keine Schminke, kein Ohrringerl, kein Halsketterl, kein Fingerringerl, kein Dingsbumserl... bloß eine Frau. Im Zweifelsfall darf sie auch nackt sein, ich bin da nicht dogmatisch.

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[1]   Daß es sich laut Bildunterschrift in der Originalzeitung um Isabella Rossellini handelt, die Tochter von Roberto Rossellini und Ingrid Bergmann, spielt keine Rolle.

18.1.22

1 Homer, 2 Schlangen und ein bißchen Sex

Vom Dichter Homer erzählt man sich, er sei einst zur Strafe, weil er Schlangen beim Sex beobachtet habe, für einige Jahre in eine Frau verwandelt worden. (Das Aufjaulen der Feministinnen und Feministen wird ignoriert.) Anschließend sei er gefragt worden, ob die Lust beim Geschlechtsverkehr als Mann oder als Frau intensiver sei und er soll seufzend geantwortet haben, als Frau habe er diese Lust um ein Mehrfaches intensiver erlebt. (Das Beifallklatschen der Feministinnen wird ignoriert.)

16.3.21

 Auf Facebook gefunden:

Gewichtstsunami beim Dayton

Das aus dem amerikanischen Englisch (dayton) entlehnte Wort "daten" bedeutete zunächst nix anderes als "sich mit Irgendwem irgendwo zu irgendwas verabreden". Ich mein, anständige Leute haben natürlich nicht gesagt "Ich date den Erwin beim Unterwirt zum Schach", sondern sie drückten sich vornehmer aus: "I treff mi mim Erwin und den anderen Saufköpfen beim Unterwirt zum Schafkopfen."

Wörter verändern ihre Bedeutung durch Gebrauch. Inzwischen - seit längerem schon, wenn ich's genau bedenke - bedeutet "daten" soviel wie "ficken".

Und dann - so lange kann's noch nicht her sein - seh ich auf "Fisch und Fleisch" diese Anzeige:

"Nanu!", denke ich mir, "wie könnte jemand durch Pudern zunehmen?" Eigentlich, sagt mir der "Gesunde Menschenverstand®, sollte es doch umgekehrt sein. Pudern ist eine sportliche Veranstaltung, du verbrauchst dadurch Kalorien, deutlich mehr jedenfalls als du durch die Zigarette danach wieder drauflegst. Ein guter Hahn, sagt man, wird nicht fett. Wie also könnte jemand durch Daten zunehmen?

Ich erkläre es mir so: Auf dem Photo ist ein Männchen beim Balzfüttern eines Weibchens zu sehen. Balzfüttern ist ein durchaus verbreitetes Verhalten im Tierreich, Affen etwa, die einem Weibchen Früchte oder Fleisch abgäben, kommen deutlich öfter zum Schuß als Männchen, dies nicht tun. Balzfüttern ist die noch nicht so organisierte Vorstufe zur Prostitution. Karl Marx nannte eine Eheschließung, die in erster Linie der Versorgung der Frau diene, die "Bürgerliche Prostitution". Da hatte er mal wieder recht.

Wenn du heutigentags eine Frau anbaggerst, mußt du sie zum Essen einladen, sonst geht schon mal gar nichts. Sie frißt sich an, du frißt dich an und zum - kalorienreichen [1] - Saufen sollte auch ausreichend vorhanden sein. Klar wirst du fett und sie wird fett und die Leber ächzt. Ob's nicht sinn- und stilvoller wäre, eine Frau gradheraus zu fragen, ob sie Lust zum Knattern hätte? Gesünder wär's auf jeden Fall. Aber, wie gesagt, balzfütternde Männchen kommen deutlich öfter zum Schuß, nicht nur bei Affen.

Säufts.

P. S.:Der Franze hat gsagt, wenn er mit einer Schnepfen zweimal groß ausgehen muß, eh er sie flachlegen kann, dann, sagt er, käm ihn der Puff billiger.


[1]   0,7 l Weinbrand etwa enthalten ca. 1600 Kilokalorien.

16.2.21

(Ab-)Arten der Sexualität

Dekoration einer Talk-Show. Der Moderator, Anselm Riemerschmid, betritt federnden Schrittes unter dem donnernden Applaus des Publikums die Szene. Anselm Riemerschmid ist korrekt, fast bieder gekleidet. Nur die üppige, hochgeföhnte Haartracht läßt ihn leicht tuntig wirken.

ANSELM Hallo, meine Freunde! Mein Name ist Sex ohne Tabu und ich freue mich riesig, daß ihr auch heute wieder dabei seid bei einer neuen Folge von Anselm Riemerschmid.

Die Mikrofonstimme des Regisseurs schaltet sich aus dem Off ein.

STIMME Mach es andersrum, Anselm.

ANSELM Ich verbitte mir diese schlüpfrigen, ausgesprochen niveaulosen Anspielungen in meiner eigenen Show.

STIMME Du sollst es andersrum sagen.

ANSELM Was andersrum sagen?

Die Stimme aus dem Off stöhnt gequält auf.

STIMME Deine Anmoderation. Sie muß andersrum kommen.

ANSELM Ich weiß zwar nicht, was das soll, aber bitte: Langsam, Wort für Wort Riemerschmid Anselm von Folge neuen einer bei seid dabei wieder heute auch ihr daß riesig mich freue ich und Tabu ohne Sex ist Name mein. Freunde meine hallo. Wieder im normalen Tonfall War das jetzt rich­tig? Ge­reizt Zufrieden? Ja?

STIMME Schicksalsergeben Fang an mit der Show. Die Zeit läuft uns da­­von.

Umständlich Hose und Jackett zurechtzupfend nimmt Anselm in seinem Sessel Platz. Währenddessen:

ANSELM Die Redaktion hat mir wieder aus den Wäschekörben vol­ler Fanpost einige Briefe herausgepickt, die ich Ihnen vor­lesen möchte.

Anselm beugt sich zu seinem Tischchen, das aber bis auf einen klei­nen, einsamen Zettel leer ist. Anselm guckt irritiert und hilfesuchend im Stu­dio umher. Ein mit Block, Stift und Kopfhörer als Studioassistent ver­kleideter Studioassistent eilt auf Anselm zu und flüstert ihm etwas ins Ohr. Anselm schaut ungläubig.

ANSELM Keine Post? Kein einziges, winziges... Macht mit Daumen und Zei­gefinger die Winz-Geste ...Briefchen für mich?

Der Studioassistent schüttelt, bereits im Enteilen begriffen, den Kopf.

ANSELM An manchen Tagen erweist es sich als Riesenfeh­ler, überhaupt aufgestanden zu sein.

Anselm schaut einen Moment lang bedrückt ins Leere, dann gewinnt der Pro­fi in ihm die Oberhand.

ANSELM Professionell heiter Diese kleine Panne... Be­deu­tungs­volle Pause ...der Post gibt uns etwas mehr Zeit für un­se­ren heutigen Studiogast. Es ist Herr...

Anselm holt sich von seinem Tischchen den vorbereiteten Zettel.

ANSELM ...Bantz. Hugo Bantz macht Sex... Blickt auf seinen Zettel, liest ab ..mit... Schreit ...ARD-Eisbären?

Anselm schaut rundum, wendet sich schließlich irgendwohin, an das gesamte Studioteam.

ANSELM Hört mal, wenn das ein Witz sein soll, ist es ein schlechter.

STIMME Anselm, das ist kein Witz, sondern ein Irrtum. Da muß dem... Man hört aus dem Mikrophon ein klatschendes Geräusch, einen leisen, schmerzhaf­ten Aufschrei ...Regieassistenten ein Übertragungsfehler pas­siert sein. Es muß heißen: "Hugo Bantz macht Sex mit Erdbeereis."

ANSELM Fassungslos Mit Erdbeereis? Pause Ohne Sahne, nehme ich an. Kichert Anfangs.

STIMME Leider ist Herr Bantz heute verhindert.

ANSELM Wütend Verhindert? Herr Bantz ist verhindert. Die Post ist un­fähig, Briefe zuzustellen, die die Fans zu faul sind, zu schrei­ben. Kann mir einer sagen, warum ich heute aufgestanden bin? Deprimiert Kann mir einer sagen, warum ich lebe?

Anselm schaut in die Runde, dann nach oben, wo er etwas von der Stimme des Regisseurs erwartet. Nichts. Stille.

ANSELM Allerstinkigster Arbeitgebertonfall Was hat Herr Bantz zu seiner Entschuldigung anzuführen?

STIMME Herr Bantz ist krank. Er leidet an einer fiebrigen Unterküh­lung des Unterleibs.

ANSELM Trocken Mit Döner wär' das nicht passiert.

Anselm erhebt sich aus seinem Sessel. Hörbare Erleichterung, daß diese unter einem Unglücksstern stehende Sendung endlich zu Ende ist:

ANSELM Ja, meine lieben Freunde, damit ist die heutige Sendung leider et­was kürzer geraten als sonst. Wir sehen uns nächste Woche um die gleiche...

STIMME Wir haben einen Ersatzgast gefunden.

Anselm atmet enttäuscht aus.

ANSELM Ihr wollt mich heut fertigmachen? Ja?

STIMME Wir wollen die Sendung fertigmachen. Dein Ersatzgast Un­deut­lich, da Rascheln von Papier Julia Gall macht Sex mit Frau­en.

ANSELM Entsetzter Aufschrei Waas? Julia macht Sex mit Frauen? Ihr wollt mir hier eine stinknormale Lesbe als Studiogast zumuten? Mir, Anselm Riemerschmid, dem Brecher sexueller Tabus?

STIMME Beruhige dich, Anselm. Julia ist ein Ersatzgast, den wir sehr kurzfristig für diese Sendung gewinnen konnten.

ANSELM Leise, resigniert Oh, mein Gott!

STIMME Ebenfalls leise, nicht sehr zuversichtlich Zieh es durch, Anselm!

Anselm erhebt sich, um seinen Gast pflichtgemäß zu begrüßen. Energischen Schrit­tes betritt eine große, dicke Frau mit Glatze und Nietzsche-Schnurr­bart das Stu­dio. Anselm ist zunächst irritiert, dann siegt die Routine. Er hat schon zuviele bizarre Figuren das Studio betreten sehen.

ANSELM Deutet auf die Besuchercouch Bitte sehr, Julia.

JULIA Danke, Anselm.

Julia und Anselm nehmen Platz.

ANSELM Ans Publikum gewandt, mit professioneller Begeisterung Ja, meine lieben Freunde, nach mancherlei Verzögerung und Miß­verständnis darf ich also unseren heutigen Studiogast...

Julia verbeugt sich artig ins Publikum.

ANSELM ...nun doch noch begrüßen. Unser Gast heißt Julia Gall und macht... Ab hier übergangslos ganz sachlicher und nüchterner Ton­fall ...Sex mit Frauen.

JULIA Sehr stimmlos, sehr konsonantisch N, N.

ANSELM Verständnislos wiederholend N, N?

JULIAN Julia-n Betont das "n" am Ende überdeutlich Ich heiße Ju­lia-n. Juli-a... Betont das "a" am Ende überdeutlich ...ist doch ein Frauenname.

ANSELM Ja, heißt das: Du bist gar keine Frau?

JULIAN Streicht stolz über seinen mächtigen Schnurrbart Nö.

ANSELM Und warst auch nie eine?

Julian mustert Anselm sehr ungeniert und ausführlich, als mache er sich Ge­danken, ob Anselm verrückt geworden wäre - oder immer schon gewesen sei. Dann, lakonisch:

JULIAN Nö.

ANSELM Und machst Sex mit Frauen?

JULIAN Verblüfft Mit wem denn?

ANSELM Nun, mit Männern, Hunden... Neckisch lachend ...Erdbeereis.

JULIAN Mein lieber Anselm: Ich habe nichts gegen Männer, ich mag Hun­de und ich liebe... Streicht zärtlich über seinen Bauch ...Erd­beereis. Aber ich... Sehr bestimmt ...ficke weder Erdbeereis, noch Hunde oder gar Männer.

ANSELM Das heißt, du bevorzugst beim... Windet sich etwas verschämt ...Geschl-ächz-verkehr bestimmte Praktiken?

JULIAN Gott... Praktiken - also Mehrzahl - ist eigentlich schon über­trieben.

Anselm reibt sich in Vorfreude auf pikante Enthüllungen die Hände.

ANSELM Und? Verrate doch unseren Zuschauern - und mir,... Windet sich nec­kisch ...wie du's machst, beim Sex.

Julian schaut Anselm prüfend an, ob der ihn vielleicht veralbern will.

JULIAN Im Ernst?

ANSELM In begeisterter Vorfreude Aber ja, aber ja.

JULIAN Also: der Mann hat zwischen den Beinen ein Gießkännchen, wäh­rend die Frau dort ein Beutelchen hat. Und ab und zu, wenn das Gießkännchen des Mannes schön hart und das Beutelchen der Frau schön feucht ist, nimmt der Mann sein Gießkännchen, steckt es in das Beutelchen der Frau und reibt das steife...

Anselm unterbricht Julian mit wedelnder Handbewegung.

ANSELM Genug.

JULIAN Genau. Bis es ihm und ihr genug ist.

ANSELM Das wissen wir doch alles.

JULIAN Ach?

ANSELM Wir sind doch keine Anfänger.

Anselm blickt zustimmungheischend ins Publikum.

JULIAN Dann frag was für Fortgeschrittene.

ANSELM Das will ich ja, das will ich ja. Zum Beispiel das Vorspiel.

JULIAN Verständnislos Vorspiel?

ANSELM Ja, was macht ihr denn beim Vorspiel, du und deine Freundin?

Julian wedelt aufgeregt mit dem Zeigefinger herum.

JULIAN Nix da, Freundin. Ich hab keine Freundin.

ANSELM Aufs höchste erstaunt, beinahe ungläubig Keine Freundin? Aber mit wem...? Ach so, ich verstehe, du hast eine Gummibraut.

JULIAN Gummibraut? Wieso Gummibraut? Ich bin verheiratet.

ANSELM Ungläubig Verheiratet - und machst Sex mit deiner eigenen Frau?

JULIAN Na ja, deswegen habe ich ja...

ANSELM Winkt ungeduldig ab Um nochmal auf das Vorspiel zurückzu­kommen...

JULIAN Ans Publikum gewandt Was der immer mit seinem Vorspiel hat? Wieder zu Anselm Also Samstags wird bei uns immer gebadet und an­schließend... na, du weißt schon.

ANSELM Und... spielt ihr da bestimmte Spiele?

JULIAN Nö. Keine Zeit. Wir wollen ja... du weißt schon. Und das dau­ert dann meistens doch von neun bis Mitternacht.

ANSELM Bewundernd, neidisch So lang? Donnerwetter, dann habt ihr al­so doch bestimmte Spiele.

JULIAN Was denn für Spiele? Fünfmal Rammeln... Selbst erschrocken über das rüde Wort ... pardon... dauert eben seine Zeit. Wenn man die Zigaretten- und Pinkelpausen dazwischen mitrechnet.

ANSELM Fünfmal? Boa ey!

JULIAN Na ja, weißt du, ich war jahrelang auf Montage gewesen und da gings nur am Wochenende. Das haben wir dann aus alter Ge­wohn­heit beibehalten, weil am Sonntag auch einfach genügend Zeit ist zum Ausschla­fen. In sechs fleischlosen Tagen staut sich na­türlich was an - und das muß dann raus.

ANSELM Neckisch He, he, das muß raus. Verstehe, verstehe. Stutzt Aber: dann versäumt ihr ja "Sex ohne Tabu"?

JULIAN Was für "Sex ohne Tabu"?

ANSELM Fassungslos Du kennst "Sex ohne Tabu" nicht?

JULIAN Nö. Ist die Sendung gut?

ANSELM Fast sprachlos Ob die Sendung gut... Du bist eben in der Sendung.

JULIAN Ach? Aber jetzt ist doch nicht Samstag abend, oder?

ANSELM Schüttelt den Kopf, dann leise, fast unhörbar Das ist eine Aufzeichnung.

JULIAN Erleichtert Na, dann ist's ja gut. Sonst hätte ich schön was zu hören be­kommen von mei­ner Emma. Und Streit mit Emma, bloß weil ich... Lacht ...einer überspannten Schwuch­tel im Fernse­hen merkwürdige Fragen beant­wortet habe...

Anselm ist nun wirklich und endgültig sauer. Er springt aus seinem Sessel auf, dann mit gekünstelter Fröhlichkeit in die Kamera:

ANSELM Ja, liebe Freunde. Damit reicht's dann endgültig für heu­te. Bis zur nächsten Sendung also... Winkt ...und bis dahin leckt ihr mich alle.

STIMME Scharf Anselm!

ANSELM Äh... liebe ich euch alle.

* * *

Nachbemerkung:

Diesen Sketch habe ich seinerzeit auf gut Glück für die "Wochenshow" geschrieben, das heißt, ich wollte Brainpool den Sketch verkaufen und mich gleichzeitig als ständiger Freier Autor empfehlen. Wer die "Wochenshow" kennt, wird unschwer das Grundmuster von "Sex TV" mit Brisko Schneider im Sketch erkennen.

Bei Brainpool waren sie damals nicht dran interessiert, so daß ich jetzt zwar die Namen geändert habe, sonst aber nicht viel.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...