31.10.22

Kinderleicht

Wenn etwas ganz furchtbar wahnsinnig einfach ist, dann nennt man dieses gerne "kinderleicht".

Wir hatten damals zuhause ein Kochbuch für Kinder mit dem Titel "Kin­der­leich­te Kochrezepte für kleine Leute".

Eigentlich eine Beleidigung, dieses Wort, wenn es auf Kinder angewandt oder in Gegenwart von Kindern gebraucht wird. Es bedeutet dann ja nichts anderes als: Das ist so leicht, das können sogar wir Deppen!

Bei meinen Kindern habe ich es erlebt, wie sie früher in der Schule Sachen, die sie als sehr einfach empfanden "babyleicht" oder einfach nur "baby" nannten.

Klar: kinderleicht konnte es ja nicht sein, für sie als Kinder.

Cappuccino und Pizza

In der Süddeutschen Zeitung vom 05.12.98 hatte ich einen Artikel über die italienische Bar gelesen und eingescannt. Das Wort "Cappuccino" kam in dem Artikel zweimal vor, einmal in der eben zitierten Schreibweise, ein anderes mal als "Capuccino". Wie das so ist: Wenn man erst mal über so was nachdenkt, weiß man mit einem Male das Selbstverständlichste nicht mehr. Also habe ich in Wahrigs "Wörterbuch der Deutschen Sprache" nachgeschaut, wie man das Wort nun wirklich schreibt. Zu meiner Verblüffung mußte ich feststellen, daß - in der Ausgabe von Mitte der 80er Jahre - dieses Wort dort noch nicht verzeichnet war.

Völlig abseitige Wörter sind im Wahrig drin, aber Cappuccino nicht. Gab es in den Achtzigern in Deutschland tatsächlich noch keinen Cappuccino?

Ich weiß noch, wie Anfang der sechziger Jahre in der Fernsehshow "Hotel Victoria" Vico Torriani ein gesungenes (!) Pizzarezept vorstellte und dabei erst mal den Zuschauern das Wort "Pizza" erläutern mußte.

Heute ist Pizza neben Döner das deutsche Nationalgericht.

Katze inne Kuhle

1994 hatten wir Urlaub in Silvi Marina gemacht, Region Abruzzen, im Hotel "Abruzzo Marina".

Eines Tages sitzen wir in einem Aufenthaltsraum, außer uns sind nur noch zwei oder drei italienische Kinder anwesend, vielleicht sieben oder acht Jahre alt und nach der Dialektfärbung vermutlich Neapolitaner (Es waren damals im Hotel relativ viele Neapolitaner). Sie sprachen ständig etwas, das sich für uns, die wir damals allesamt noch kaum italienisch sprachen (meine Frau konnte es damals schon ein bißchen, aber eben nur ein bißchen), wie "Katze inne Kuhle" anhörte. Dabei warfen sie immer wieder kichernd interessierte Blicke in unsere Richtung, ob wir darauf irgendwie reagieren würden. Wir interpretierten dies so, daß sie uns wohl als Deutsche identifiziert hatten, daß sie irgendwann einen deutschen Satz aufgeschnappt hatten, in dem von einer Katze in einer Kuhle (oder was immer) die Rede war.

Erst Jahre später hatten wir, nachdem wir erstmals in Paestum, dann in Castellabate, beides in Campanien, Urlaub gemacht hatten, mitbekommen, daß im neapolitanischen Dialekt Substantivendungen auf "o" oder auch auf "a" wie "e" ausgesprochen werden. Auch hatten wir inzwischen mitbekommen, daß cazzo im Italienischen soviel heißt wie "Dreck", "Scheiße", "Mist", "Unfug", aber auch: "Schwanz". Und culo heißt nichts anderes als "Arsch".

"Katze inne Kuhle" müßte man also cazze in cule schreiben, auf Italienisch cazzo in culo. Und dann wird klar, warum die neapolitanischen Kinder immer wieder interessiert und kichernd in unsere Richtung schauten - und vermutlich wahnsinnig enttäuscht waren, daß wir so gar nicht auf diese Provokation reagierten. Scheiß-Ausländer halt.

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...