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16.8.26

Zur Politischen Ökonomie der Abtreibung

Eine ganz kurze Anmerkung

Würde sich für die Rechte geborener Kinder auch nur halb soviel eingesetzt wie für die Rechte ungeborener Föten, wäre die Welt ein besserer Ort, las ich einst in einer Internet-Diskussion.

Das ist der springende Punkt. Leute, die sich strikt gegen die Abtreibung, genauer: gegen das Recht auf straffreie Abtreibung (was etwas völlig anderes ist) aussprechen, sind durchaus für die Todesstrafe zu begeistern, sie begrüßen die rigorose Flüchtlingspolitik, soviel Opfer sie immer kosten mag, sie stehen hinter Kriegseinsätzen etc. pp.

Das bei der Abtreibung kreischend verteidigte absolute Recht auf Leben ist in anderen Zusammenhängen für dieselben Leute gar nicht so absolut. Das gibt zu denken. Was steckt dahinter?

Wenn ich im Wald Holz sammele, auf eine Wiese verbringe und dort einfach so verbrenne, dann ist das eine sinnlose Verschwendung von Brennstoffen. Nehme ich das Holz dagegen mit nachhause und heize damit meine Wohnung, so habe ich von dem Holz meinen Nutzen.

Abgetriebene Föten sind sinnlos verschwendete Arbeitskraft, sie haben noch niemandem Nutzen gebracht, noch werden sie  jemals jemandem Nutzen bringen. Geborenes Leben dagegen, das heranwächst, bringt irgendwann irgend jemandem, der ihre Arbeitskraft kauft (Sklaverei) oder mietet (Lohnarbeit) großen ökonomischen Nutzen. Wer die Möglichkeit hat, fremde Arbeitskraft für sich zu nutzen, wird sehr viel eher dazu neigen, gegen Abtreibung zu sein.

Das hört sich alles ganz entsetzlich eiskalt an, ich wollte die Eiseskälte, die mich beim Nachzeichnen dieser ökonomischen Mechanismen erfaßt hat, rüberbringen.

10.4.24

Defensive Architektur - Feindliches Design

Mein Arsch ist so was von dumm, das glaubst du nicht. Seit vielen, vielen Jahren und Jahrzehnten - seit ich denken und mein Arsch sitzen kann - hock ich mich nieder auf ein Wartebankerl, bis endlich der Bus, die Tram oder der Zug kommt und nie ist mir was aufgefallen.

Bis ich jüngst in der "taz" einen Artikel über "Feindliches Design" gelesen habe. Der Begriff Feindliches Design war mir bis dahin unbekannt, ebenso wie Defensive Architektur

Das feindliche Design ist dabei nicht gegen dich gerichtet, der du für eine begrenzte Zeit auf irgendein Öffentliches Verkehrsmittel wartest, dieses Design soll vielmehr den Leuten, die es eh schon schwer genug hat, das Leben zusätzlich erschweren. Auf eine Bank - wir wissen es alle - kann man sich setzen, man kann sich aber auch zum Schlafen hinlegen. Jedenfalls dann, wenn die Wartebank in etwa irgendwie so ausschaut:

Bänke dieser - ich sag mal: - konventionellen Art locken natürlich Menschen an, die zum Schlafen oder beschaulichen Entspannen auf Ruhemöbel dieser Art angewiesen sind. Leute, die zuhause weder ein Bett noch eine Chaiselongue, noch überhaupt ein Zuhause haben. Da man offensichtlich die Obdachlosigkeit nicht bekämpfen kann - es gäbe sie in diesem Falle ja nicht mehr - bekämpft man stellvertretend die Obdachlosen.

Wie? Zum Beispiel so:

Armlehnen, die keiner braucht, bewirken, daß der müde Penner verärgert davon schlurft. Es gibt Varianten der Schikane, diese zum Beispiel

Der Phantasie gewissenloser Designer und ihrer Auftraggeber in den Amtsstuben sind kaum Grenzen gesetzt.

Lüftungsschächte über U-Bahnhöfen oder Tiefgaragen sind als Schlafplatz vor allem im Winter begehrt, aber auch dagegen weiß man sich zu wehren:

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...