11.4.22

Merdissima - Mein schönstes Allah-Heiligen-Erlebnis

An Allerheiligen - vor inzwischen auch schon wieder etlichen Jahren - war ich in Regensburg, meinem Sohn beim Umzug von da nach dort zu helfen. Des Abends, die Arbeit war getan, setzte ich mich in mein Auto, nach Neustift bei Aldersbach bei Vilshofen bei Passau zu fahren, wo ich damals gewohnt habe.

Nur einen Kilometer nach Fahrtbeginn meldete sich mein Unterleib und signalisierte mir, er müsse jetzt bald eine Kackladung in die Umwelt setzen, anderenfalls er platze. Ich hätte jetzt ganz leicht umkehren können, um in der neuen Wohnung meines Sohnes meines Sohnes eine Abkackung vorzunehmen. Ich aber, wahrlich ich sage euch, bin optimistisch. Vor mir lagen die Arcaden Regensburg, wo sich, wie ich wußte, ein McDonalds befand und immer noch befindet. Was immer man auch gegen McDonalds sagen mag, abkacken kann man dort auf hohem Niewoh.

Ich blinke links, ich biege links ab und eile zu McDonalds, denn ein deutsches Lokal muß ein eigenes Klo haben, so wußte ich. Bei McDonalds sagt man mir, man habe kein eigenes Scheißhaus, die Gäste könnten das Hajsl im Arcaden-Einkaufszentrum benützen. - Ah, wunderbar! - Jetzt natürlich nicht, denn jetzt sei Allah-Heiligen, Feiertag also und das Einkaufszentrum geschlossen. - Verdammt!

Guter Rat war - wie noch stets - teuer, doch Rettung war nah. Hundert Meter vom McDonald's gab's - und gibt es noch - das CinemaxX-Multiplex-Kino [1]. Meine Frage nach dem Hajsl wurde freundlich beantwortet, als ich mich dorthin auf den Weg machte, wurde mir allerdings der Zugang verwehrt. Das kinoeigene Scheißhaus sei nur für Besucher des Kinos zugänglich, erklärte man mir, die Thoa-Letten befänden sich nämlich bereits hinter der Zahlgrenze. Für meine Unterhose wurde die Situation allmählich bedrohlich. Ich hätte mir - ischwör! - sogar eine Kinokarte für den Scheißfilm gekauft, wenn ich nur hätte kacken dürfen.

Nachdem ich den Heiligen Schwur getan hatte, ein eventuell zugestandenes Scheißprivileg nicht zu mißbrauchen und das Kino sofort nach dem Abkacken zu verlassen, durfte ich tun, was ein Mann gelegentlich tun muß. Alle Abteile waren frei, der Film hatte anscheinend schon begonnen.

Aaaaah! Wer schon mal mit zugekniffenen Arschbacken durch die Welt getaumelt ist und schließlich Erlösung fand, wird es mir nachfühlen. Nur ein Orgasmus ist schöner, obwohl auch hier die Meinungen auseinandergehen.

Als ich nach dem Klopapier tastete und mich schließlich umschaute, mußte ich feststellen, daß keins da war, nicht in meinem Abteil. Die Toiletten waren - wie erwähnt - außer mir menschenleer. Mit heruntergelassener Hose schlurfte ich zur Abteiltür - mehr als Schlurfen war wegen der um die Knöchel schlackernden Hose nicht drin. Ich schlurfte weiter zum Nebenabteil, das zwar zum Gottserbarmen versifft war, gottlob aber eine Rolle Kackblätter enthielt. Happy End.

Sie merken, daß meine Sprache zum Ende zu immer spiritueller und gottpreisender geworden ist. Not lehrt beten.


Mit diesem Scheiß machst was mit, ich sag's euch.



[1]   Namen und Schreibweisen denken sich die Leute aus...

Die Fußstapfen von Stephen Hawking

Ich sitz am Gerät und schau mir auf YouTube das Video "LIVE: Das Leben, das Universum und Harald Lesch [REUPLOAD [1]]" an, in welchem Harald Lesch in einem Livestreaming online gestellte Zuschauerfragen beantwortet. Irgendwann (ich bin da optimistisch) erklärt mir einer, was ein Live-Streaming ist und inwiefern sich ein Streaming von einem normal anzuschauenden und herunterladbaren Video unterscheidet. Es gibt noch viele Rätsel in diesem Kosmos zu lösen. Apropos "Kosmos"... in den sechziger Jahren gab's mal aus dem Franckh-Verlag die Zeitschrift KOSMOS, herausgegeben von "KOSMOS - Gesellschaft für Naturfreunde". Der Pauli, ein Schulfreund von mir, gründete daraufhin eiskalt den Verein "SOMSOK - Gesellschaft für Naturgegner". Seit damals, seit den später sechziger Jahren geht es tatsächlich der Natur schlechter und immer schlechter und eines nicht mehr fernen Tages werden die SOMSOK-Leute die Natur besiegt haben und die Weltherrschaft übernehmen.

Ich verschwatz mich schon wieder, was ich sagen wollte: Ich schenk mir grad einen Tee ein (TWININGS-Tea "Prince of Wales"), als die Moderatorin Jasmina Neudecker dem Lesch die Zuschauerfrage weitergibt, ob er einen Kosmologen kenne, der in die Fußstapfen von Stephen Hawking treten könne. Mich hebt's aus dem Stuhl, gottlob war ich mit dem Einschenken schon fertig gewesen, so daß ich nichts verschüttet hab. Stephen Hawkings Fußstapfen... Dazu muß man wissen, daß Hawking seit seinem 26. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen war, das mit den Fußstapfen also nicht so ganz passend war.

Weder der Lesch noch die Neudecker haben was gemerkt, sie haben ganz normal weitergeredet, während ich vor Lachen vor mich hingluckste. So schnell kann es gehen, daß du in das schwärzeste aller Schwarzen Löcher, das Metaphernloch stolperst und auf ewig drin verschwindest. Obwohl... Der Zahn der Zeit, der schon so viele Tränen getrocknet hat, wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.



[1]   Kennt von den Jüngeren noch jemand den Reup Loadl aus Ruhpolding?

Die Marktlücken im Sinnhandel

Überlieferungen sind umso zuverlässiger, je größer der Abstand zwischen damals und heute ist. Wenn ich heute nach einem Aufstieg auf den Brotjacklriegl in die Stadt zurückkomme, zwei Blätter Computerausdrücke unterm Arm, und verkünde, ich sei dort oben GOtt begegnet, der mir zehn Gebote geoffenbart habe, auf daß ich sie Jedermann verkünde, dann riskiere ich damit die Einweisung in die Psychiatrie.

Dabei ist meine Geschichte sehr gut dokumentiert, x Kameras haben mich gefilmt, wie ich vom Berg zurückkomme, man kann das Papier und die Schrift darauf analysieren, ich stehe für Interviews und Talkshows zur Verfügung, in denen mich jeder befragen und meine Darlegungen auf innere und äußere Glaubwürdigkeit abklopfen könnte.

Je älter eine solche Geschichte dagegen ist, je weniger gut sie dokumentiert ist, desto glaubwürdiger wird sie. Nimm die uralte Geschichte von Moses und dem Sinai, die uns überliefert ist von einem, der einen gekannt, welcher der Schwager eines guten Bekannten war, der wiederum der Ur-ur-ur-ur-Enkel von Moses gewesen sein soll... Sie wird ernst genommen als enthielte sie... äh,... Gottes Wort.

Und je öfter schon irgendwelche Leute an dieser alten Geschichte herum geändert haben für desto authentischer gilt sie. Man deutelt frohgemut an jedem Buchstaben des Textes, der, wie gesagt, bekanntermaßen x-mal redigiert worden ist. Theologie ist über weite Strecken eine Gerüchtologie.

Es gibt nichts Leichtgläubigeres als einen klugen Menschen, der glauben will, weil er sich dann besser fühlt. Der Mensch muß sich die Welt erklären, anders erträgt er sie nicht, anders kann er nicht in ihr leben. Jede Theorie - buchstäblich und wortwörtlich: jede - ist besser als keine Theorie. Religionsstifter und Philosophen haben das erkannt und die Marktlücke mit Sinn gefüllt. Mit irgendeinem Sinn.

Wo tu ich nur all die Österreicher hin?

Der Österreicher - wir wissen es alle - hat einen Hang zum Unterirdischen, dort bewahrt er auch gerne seine Nachkommen auf. Ich gehe fest davon aus, daß es ca. doppelt so viele Österreicher gibt als in den amtlichen Statistiken aufgeführt. Die andere Hälfte ist im väterlichen Keller Anders brächte man niemals so viele Leute in dieses winzige, schnitzelförmige Land.

Vom Beifallklatschen

Wenn du ein paar Jahre bei "Fisch und Fleisch" mitliest und gelegentlich auch mitschreibst, dann glaubst du irgendwann, du wärst inzwischen - und das gleich mehrfach - in die tiefsten Höhlen des Irrsinns hinabgestiegen und so schnell könnte dich nichts mehr verwundern.

Und dann findest du diesen Kommentar:

Wie bei "Fisch und Fleisch" üblich gibt dieser Kommentar nicht an, auf was er sich bezieht, man kann den Bezug auch nicht erraten, dafür ist der Kommentar zu kurz. Aber das ist noch nicht das eigentlich Verwunderliche. Bemerkenswert ist vielmehr, daß immerhin zwei User diesem absolut sinnlosen Kommentar zwei grüne Hände der Zustimmung geben.

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...