Montag, 20. Januar 2020

Sterben

Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, daß ich sterblich bin. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Ich bin noch nie gestorben, es gibt also keinerlei empirischen Nachweis meiner Sterblichkeit. Sollte ich eines Tages vielleicht doch mal tot sein, ist die Beweislage natürlich eine völlig andere, dann müßten wir nochmal drüber diskutieren. Laß dir dann von meiner Sekretärin, dem Fräun Heleen, einen Termin geben.

Der Franze hat gsagt, der Xare wär unsterblich. Zumindest, sagt er, hat's der Xare geglaubt, bis zuletzt.


Sonntag, 19. Januar 2020

Lügenspargel

Man sagt ja nix, man red't ja bloß

Unbeirrbar

Auf www.prisma.de las ich in einem Artikel über Amedeo Modigliani den Satz "Bestens bewandert in antiker Bildhauerei, befolgte der scheinbar so labile junge Mann unbeirrbar, was man heute ein Konzept nennen würde:..."
Ich bin zusammengezuckt beim Lesen, so wie ich jedes Mal zusammenzucke, wenn ich das Wort "unbeirrbar" lese oder höre [1].
Merkwürdigerweise nämlich liest man dieses Wort so gut wie nie im Rahmen einer Beschimpfung, man liest es vielmehr häufig in Festreden und Nachrufen: "Unbeirrbar ging sie ihren Weg" oder "Unbeirrbar verfolgte er seine Ziele".
"Unbeirrbar" gilt offensichtlich als positiver Begriff. Stünde da "unbeirrt", ich könnte nicht meckern.
Wenn ich nachträglich den Lebensweg eines Menschen betrachte und feststelle, daß er eine einmal gewählte Richtung unbeirrt verfolgt hat, dann heißt das, daß er sich durch Widerstände und Anfechtungen letztlich nicht hat beirren lassen, daß er konsequent seinen Weg gegangen ist. Ich habe keine Mühe damit, in dieser Beschreibung etwas Positives zu erkennen.

Es steht da aber "unbeirrbar".
Ein unbeirrbarer Mensch dagegen erscheint mir als ein dumpfer, stumpfer Hund der Sonderklasse, als einer, der sich durch keine Vernunft, kein Argument, keine Erfahrung beirren läßt, der einfach stur seinen Weg voranschreitet, durch nichts zu beeindrucken und zu belehren. Der schaut nur direkt nach vorne, schaut nicht nach links und nicht nach rechts, nach hinten sowieso nicht. Der ist für Erfahrungen und Irritationen, die andere Leute zu einer Kurskorrektur veranlassen, nicht zugänglich.
In einer Usenet-Diskussion entgegnete mir einer, "unbeirrbar" sei für ihn auch einer, "der sich von dem üblichen Getöse, das die um ihn herum scharwenzelnden Verirrten veranstalten, nicht von seinem geraden Weg ablenken läßt. Seelenruhig, in sich gefestigt, die Ruhe selbst, eine sehr positive Eigenschaft."
Ich entgegnete ihm mit einem Zitat "Der unerschütterliche Glaube ist keine Tugend, sondern ein Laster. (BERTRAND RUSSELL)" und fuhr fort: "Daß man sich nach jedem 'öhm, aber' nicht gleich neu taufen läßt ist eine Sache. Jahrzehntelang dieselbe Überzeugung zu vertreten ist dagegen schon etwas verhaltensauffällig. Man bleibt sich treu, indem man sich ändert. Andere Leute haben auch gute Ideen und von ihnen zu lernen, ist durchaus empfehlenswert."
Aber, wie es mit dem Wortgebrauch halt manchmal ist: Bei uns und bei Leuten, die uns zustimmen, reden wir von Prinzipientreue und Konsequenz, bei Leuten, die eine andere Meinung vertreten, nennen wir dasselbe Phänomen Sturheit.
Trotzdem: Unbeirrbare Leute sind gefährliche, weil dumme Leute.

Unermüdlich

Als die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. bekannt worden war, gab die Bayerische Staatskanzlei eine Pressemitteilung von Ministerpräsident Seehofer heraus. Darin hieß es unter anderem: "Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert."
Als ich den Satz in den Nachrichten - indirekt zitiert - das erste Mal hörte, ließ er mich zusammenzucken. "Unermüdlicher Einsatz"... Dabei geht doch die ganze Rücktrittsgeschichte des Papstes genau darum, daß sein Einsatz ermüdlich war. Alter, Krankheit, zu viel Arbeit für einen Mann dieses Alters und Gesundheitszustandes, all das zusammen hat seine Kraft ermüden lassen.

Untrennbar

Anfang der achtziger Jah­re war in einer Lüneburger Zeitung dieses Bild samt merkwürdiger Unterschrift zu sehen.
Genaugenommen sind natürlich weder das Bild noch die Unterschrift merkwürdig. Sehr merkwürdig allerdings wird es, wenn man weiß, daß das Bild einen Artikel illustrierte, in dem es darum ging, daß die Lüneburger Saline nunmehr - nach eben über 1000 Jahren - wegen Unrentabilität geschlossen wird.
Unter dem Motto der untrennbaren Verbundenheit berichtet die Zeitung darüber, daß Lüneburgs Verbindung mit der Saline nicht nur doch trennbar ist, sondern demnächst auch tatsächlich getrennt wird.
Weiß Gott, wieviel hundert Jahre lang Lüneburger Festredner bei weiß Gott welchen Gelegenheiten die Worthülse von der untrennbaren Verbindung von Stadt und Saline schon verwendet haben. So oft jedenfalls, daß der Zeitungsredakteur die Unsterblichkeit der Verbindung auch dann noch betont, wenn er von deren Tod berichtet.


[1]   Daß es "verfolgte" heißen müßte statt "befolgte" lassen wir hier mal außen vor. Daitsches Sprak nix leicht fir daitsches Schurnalist.

Ethnische Mathematik

Wenn's denn wirklich sein muß - aber echt nur dann - spreche ich Deutsch so, daß es sich für jedermann anhört, als spräche ich Deutsch. Österreicher, vor allem jene, die das nicht können, bezeichnen mich deshalb öfter mal als Piefke.

Das ist so ein Kreuz mit diesem Piefketum. Eigentlich bin ich als Deutscher ja ein Piefke, wenn auch nur ein halberter, als Bayer. Andererseits bin ich als Abkömmling einer durch und durch sudetendeutschen Familie nur ein halber Bayern, dagegen jedoch ein voller Österreicher.
Ein halberter Deutscher, ein halberter Bayer und dann noch ein voller Österreicher... irgendwas stimmt da nicht

Dienstag, 14. Januar 2020

Kindersex - Schockierend!

Kindersex?
 Mir doch Banane. (Man achte auf die rechte Hand des Mädchens.)

Inhaltliche Diskussionen

Zu meiner Studentenzeit haben sich die Linken mit persönlichen Anwürfen gezofft wie Sau. Da damals jeder Linke seine eigene Partei war (oder doch seine eigene Fraktion in der jeweiligen Partei), war seinerzeit ein Geschimpfe, daß es nur so eine Art hatte. Der Klassenfeind, also das Kapitalistenschwein oder der willfährige Knecht des Schweinesystems war zwar theoretisch der Hauptfeind, aber den Klassenfeind bekämpfte man nur aus Pflichtgefühl. Der Linke, der sich von einem anderen Linken lediglich um ein Bitzele unterschied, war dagegen das voll leidenschaftlich gehaßte Objekt.
Immer allerdings, wenn ein Linker aus einem Schäumend-vor-Wut-Anfall aufwachte, blickte er irritiert um sich und wollte dann von seinem emotionalen Ausbruch ablenken. Dann hat er mit großer Emotion gefordert, man sollte gefälligst inhaltlich diskutieren. Seither zucke ich jedes Mal unangenehm berührt zusammen, wenn jemand das Wort "inhaltlich" verwendet.  Das ist natürlich eine schwer emotionale Reaktion.

Samstag, 11. Januar 2020

Der Impfluenzer - Rasieren

Trockenrasieren kann jeder Depp... Also fast jeder. Zum Naßrasieren dagegen braucht es eine gründliche Ausbildung.

Hinweis: Die Person im Video bin nicht ich, sondern Klaus Maria Brandauer, nachdem ihn eine begnadete Maskenbildnerin schöner gemacht hat als er eigentlich ist.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Der Impfluenzer - Geheimbotschaft

Gestern kamen drei ausgesprochen orientalisch aussehende Herren zu mir. Zwei der Herren ähnelten vom Typ her ziemlich deutlich dem österreichischen Bundeskanzler, der dritte Herr sah mir verdächtig nach einer Frau aus. Sie ließen schöne Grüße von der Genossin Kalaschnikow ausrichten und baten mich nachdrücklich, dieses Bekennervideo im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wer sich hier zu was bekennt und in welcher Sprache, aber ich denke, daß es schon seinen Sinn hat, weil sonst wär's ja sinnlos.



Mittwoch, 8. Januar 2020

Das Einschlafen bewußt erleben

Als ich noch der Waldbauernbub war, wollte ich eine zeitlang den Moment des Einschlafens bewußt erleben. Ich hab's damals fast geschafft, aber Sekundenbruchteile vor dem Einschlafen bin ich eingeschlafen. Derzeit grübele ich über die für mich passenden Letzte Worte nach, also zum Beispiel "Mehr Licht!" vom Altmeister Goethe. Führende Goethologen meinen allerdings, der Meister habe "Mer licht hier so unbequem" gesagt, sei aber wegen des sterbensbedingten Nuschelns mißverstanden worden.
In den dunklen Momenten rabenschwärzester Depression fürchte ich, es werde im Augenblick meines Hinscheidens - wenn das Leben sekundenkurz an mir vorüberrollt, ehe es verlischt - eh kein Schwanz da sein, meine Letzten Worte zu protokollieren.



Kunst und Erektion

Ein "Fisch und Fleisch"-User, der hier - wie üblich - nicht genannt werden darf, hatte vor gar nicht so langer Zeit geschrieben:
Ich habe während meines Studiums auch Aktstudien - hüstel - genießen dürfen.
Dies hat, verständlicherweise, meine Empörung hervorgerufen.
"Daß du dich nicht schämst," schrieb ich ihm, "als Inschenjör. Sauereien für die Wissenschaft anschauen dürfen nur Künstler, Theaterwissenschaftler und Psychologen. Im Radio hab ich dieser Tage gehört, in Paderborn [1] würde man im Seminar für Kommunikationswissenschaft Pornos analysieren. Oh Jahrhundert, oh Wissenschaft!
Es ging aber weiter: Derb gesprochen: erst wenn du den Steifen in der Hose bezwingst, erst dann! können sich dir Form, Rhythmus, Proportion, Schönheit usw einer Weibsperson offenbaren.
Ist es nicht entsetzlich? Da investiert eine Weibsperson unheimlich viel Zeit und Mühe in Form, Rhythmus, Proportion und Schönheit und dann hat das Mannsbild schlicht einen Steifen in der Hose und ist für Kunst am Weib nicht im Mindesten empfänglich. Ehrlicherweise muß angemerkt werden, daß all diese Mühe aufgewendet wird, damit beim Manne - jeglichem Manne - ein Steifer in und gegebenenfalls auch außerhalb der Hose erzeugt wird. Einige werden jetzt empört sein über meine offenen Worte, aber, liebe Kinder, ihr seid ja schon groß.
Im übrigen brauchen "echte Männer"® ohnehin weder Proportion und Schönheit, noch Form und Rhythmus. Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre las ich in der Süddeutschen Zeitung, man habe einen Gehilfen der Anatomie der Universität München verhaftet, weil sich dieser in der Silvesternacht und anläßlich der gleichnamigen Trunkenheit an der Leiche (!) einer 83(!)jährigen Frau vergangen hat. Das heißt, so tot und so alt kannst du als Frau gar nicht sein, daß du vor männlicher Nachstellung sicher wärst.
Herr Dr. Giesebrecht und überhaupts alle Männer sind ja wohl das Mieseste und Primitivste...



[1]   Gegen Paderborn ist selbst Altötting evangelisch.