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3.11.25

Wasser trinken - leicht gemacht

1. Öffne deinen Hals

1.1. Leg deinen Kopf in einem 45-Grad-Winkel zurück. Dein Hals sollte beinahe vertikal sein. Leg den Kopf so weit in den Nacken, dass das Wasser allein durch die Schwerkraft in deinen Magen fließt. So musst du keinen einzigen Muskel bewegen, um das Wasser aktiv zu trinken. Es läuft einfach in dich hinein und du solltest dadurch besonders schnell trinken können.

1.1.1. Lass den Kopf im Nacken, bis du mit dem Trinken fertig bist. Wenn du dich bewegst, während das Wasser noch durchläuft, könnte der Wasserfluss durch Muskelkontraktionen verlangsamt werden und du verschluckst dich.

1.1.2. Trink niemals im Liegen. In einer horizontalen Position fließt das Wasser wesentlich wahrscheinlicher in deine Luftröhre und du verschluckst dich.

Obigen Text habe ich mir natürlich nicht ausgedacht, so viel Phantasie hätte ich gar nicht. Der Text ist pures und echtes und wahres Internet.

Es ist unglaublich, was du in Internet-Tutorials alles lernen kannst und unterm Lernen frägst du dich, wie die Leute vor dem Internet so ganz ohne Wasser überlebt haben. Die Antwort ist leicht: All die vielen, vielen internetlosen Leute von früher sind in Wirklichkeit tot oder werden es in Kürze sein.

Ich habe bei Gelegenheit dieses Blogbeitrages im Umfeld rescherschiert und bin auf diesen lehrreichen Dokumentarfilm gestoßen. Wie oft hab ich mich nicht schon gefragt, wie man es anstellt, zwei Flüssigkeiten zusammenzugießen, jetzt weiß ich es.

Weiters bin ich noch auf diesen Dokumentarfilm gestoßen, der Hausfrauen (m/w/d) interessieren könnte. Ein wirklich faszinierendes Gericht, dieses Rührei. Leider konnte ich es nicht nachkochen, da ich in meinem süddeutschen Haushalt keine Fanne gepfunden habe. Der Schluß des Filmes ist insofern interessant, als der Lehrkoch anscheinend bislang noch nicht auf die Idee gekommen ist, das fertige Rührei auf den Teller gleiten zu lassen, indem er die Fanne schräg hält.

P. S.: Ich gehöre übrigens einer anderen Rührei-Sekte an, ich verquirle die rohen Eier vor der Fanne und schütte dann erst das Geschleime in die Fanne (in Süddeutschland - ich erwähnte es bereits - verwenden wir allerdings Pfannen, keine Fannen. Bei uns wird - anders als in Berlin oder Hannover - die deutsche Sprache gepflegt).

10.7.25

Das Messerstechen als Schöne Kunst betrachtet

Die Amerikanerin Lauren Angela (das sind nur die beiden Vornamen) stammt aus Florida, die Mutter ist kubanischer Abstammung. Sie lebt seit über 20 Jahren im Ausland, erst dann Deutschland, dann Malaysia und jetzt wieder Deutschland. Sie hat auf YouTube einen Channel, in welchem sie aus ihrem Leben erzählt, vor allem geht sie auf die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Lebensart ein.

In diesem Video erzählt sie, sie habe seit früher Kindheit die Angewohnheit, auf ihrem Teller alles, was geschnitten werden muß zu schneiden. Dann lege sie das Messer weg und esse nur noch mit der Gabel.

Als ich noch der Waldbauernbub war hab ich das mit Messer und Gabel genauso gemacht: Erst alles schneiden, dann Messer weg und nur noch die Gabel benutzt. Meine Mutter meinte erstaunt "Du ißt ja wie ein Amerikaner". Etliche Jahre später habe ich gelesen, daß diese merkwürdige Verhaltensweise noch aus der Pionierzeit - Wilder Westen, eh schon wissen - stammt. Man hat das Essen mundgerecht geschnitten und dann mit nur einer Hand gegessen, damit man die andere Hand immer an der Waffe haben konnte.

An ganz, ganz alten Wirtshaustischen in Bayern findet man an der Unterseite der Tischplatte viele kleine, längliche Löcher. Wenn sich ein Mann - Frauen gab es damals in Wirtshäusern nur in Form der Bedienung - an den Tisch zum Saufen setzte hat er das Messer aus der Lederhose gezogen und von unten in die Tischplatte gerammt. So hatte er bei einer entstehenden Rauferei seine Waffe stets bei der Hand. Das Erstechen bei einer Rauferei ist früher erstaunlich milde bestraft worden, es sind sogar Freisprüche dokumentiert.

17.7.24

Psychologische Diebstahlssicherung

Wenn du in den passenden Stadtvierteln spazieren gehst, siehst du an der Fassade so manchen Ladens, Geschäfts- oder Wohnhauses einen grauen oder weißen Blechkasten mit einer daran montierten Lampe, die man für das Blaulicht eines Streifenwagens halten könnte, wäre die Lampe nicht rot. Es ist der äußere Signalkasten einer Alarmanlage. Schlägt eine Diebin ein Fenster ein, bricht sie eine Türe auf, dann jodelt eine Sirene/in los, dann rotieren rote Alarmlichter. Einsteigdiebe und andere Verbrecher, die auch gerne in den besseren Vierteln spazieren gehen, wissen das zu schätzen, denn die außen montierte Alarmanlage signalisiert ihnen, daß in diesem Haus, auf diesem Grundstück etwas Stehlenswertes zu stehlen ist. Das kann Geld sein, ein Picasso oder doch wenigstens ein Maserati.

Der weltweise Mensch jedoch meidet an der Fassade sichtbare Alarmanlagen, da diese dem Strolche (m/w/d) stehlenswerte Objekte anzeigen, dadurch also Diebe, Räuber, Kidnapper und anderes Gelichter anlocken.

Aus diesem Grunde habe ich vor einigen Jahrzehnten schon das Konzept der Psychologischen Diebstahlssicherung entwickelt. Erstmals erprobt habe ich dies Konzept an meinen Autos. Die Dinger waren außen und innen so unansehnlich, wenn nicht gar versifft, so ungeil auch in der Aufpimpung, daß anständige Autodiebe die Entwendung des Fahrzeugs vermieden hatten. Ein mehrfach vorbestrafter Autoentwender, Straßenverkehrsgefährder und Trunkenheitsfahrer meinte einst zu mir: "Wolfram, wegen deinem verschissenen Ford Escort brauchst keine Angst zu haben. Kein Autodieb, der auf sich hält, klaut so eine erbärmliche Karre." Und in der Tat ist mir noch nie ein Auto gestohlen worden.

30.5.24

Geleaste Gardinen

Meine Wohnung ist so armselig, daß sie - obwohl das einzige Fenster direkt nach Süden geht - kein Rollo hat. Vor allem im Winter, wenn die Sonne tief steht und mir direkt auf den Schreibtisch strahlt, kann ich vor lauter Licht kaum die Schrift auf dem Bildschirm des Computers erkennen. Vorhänge müssen her, eventuell auch Gardinen. Gute Gardinen aber sind teuer, von den Vorhängen will ich gar nicht reden.

Gut, daß es seit einigen Jahren die Möglichkeit gibt, Vorhänge samt Gardinen für schmales Geld zu leasen. Du bist nicht mehr länger gezwungen, einen erheblichen Teil deines Vermögens in Abdunkelware für Fenster zu investieren. Einen Dauerauftrag über 53,80 € pro Monat für den Gardinenverleaser einrichten und schon kommen die Knechte des Verleasers. Sie hängen dir einen Vorhang plus Gardine vor's Fenster und schawupp! bleibt die Sonne draußen, wenn sie lästig wird. So schön kann Leben sein.

Dann aber ziehen Wolken auf am Finanzhimmel, die Börse kracht in sich zusammen und dein Aktienpaket bei der Münchener Rück wird von einem Tag auf den anderen wertlos. Du kannst deinen Leasingvertrag nicht mehr bedienen und nach einigen Mahnungen und Rechtstiteln kommen die Schergen des Verleasers und nahmen dir sowohl die Gardinen als auch die Vorhänge wieder weg.

Jetzt scheint dir nicht nur die Sonne wieder auf den Computerbildschirm, auch die Nachbarn können dir wie früher dabei zusehen, wenn du deine Unterhosen wechselst.

Ach.

7.5.24

Das Pendeln des Gleises am Bahnsteig

Gestern in München gewesen. Der Zug nach München soll um zehn Uhr irgendwann von Gleis 1 losfahren, mit einer Minute Verspätung. Um kurz vor irgendwann kommt ein Zug mit nur zwei Waggons - viel zu wenig für den Zug nach München - auf Gleis 1 eingefahren. "Bitte nicht einsteigen" steht auf dem Zug, das regt mich nicht auf, so was steht öfter auf einem Zug oder Bus und ist ganz häufig eine falsche Information. Der Lokführer lehnt sich aus dem offenen Fenster der Lok und teilt uns mit, der Zug nach München komme gleich nach seinem Zug, er fahre seinen Zug nur noch zur Abstellung. Der Lokführer hat eine ganz klar weibliche Stimme, weibliche Gesichtszüge und einen prächtigen Vollbart. Ich schwöre bei Gott und seinem Kumpel, dem Teufel, daß ich die Details der Lokführerin nicht erfunden habe, es wäre auch viel zu plump, höchstens ein Gagschreiber für einen Privatsender würde sich dergleichen ausdenken trauen.

Wie auch immer, einige Minuten später kommt die Lokführerin wieder (diesmal zu Fuß) und teilt uns mit, daß der Zug nach München heute von Gleis 4 wegfahre. Wir Passagiere fluchen und schreien, alle eilen die Treppe hoch, um über die Fußgängerbrücke zum Gleis 4 zu gelangen. Ich bin ein fauler Hund und alter Mensch und benutze den Lift, das dauert und als ich die Treppe zu Gleis 4 hinuntergehe kommen mir erstaunlich viele Menschen entgegen. Als ich endlich unten bin, sagen mir die dort verbliebenen Menschen, daß der Zug nach München doch von Gleis 1 wegfahre. Ich eile die Treppe wieder hoch, zurück zu Gleis 1. Dort angekommen stelle ich fest, daß der Zug eben grad weggefahren ist, ohne mich. Ich schluchze trocken auf und verfluche die Deutsche Bahn und ihre Mitarbeiter bis in dritte Glied. Ein verantwortlicher Leitender Angestellte der japanischen Bahngesellschaft, kläre ich einen Umstehenden, der es gar nicht hören will auf, hätte hier vor Ort mit dem rituellen Seppuku-Schwert seine Eingeweide auf den Bahnsteig quellen lassen, weil er die unermeßliche Schande nicht ertragen hätte.

Beauty Weeks beim Oberpollinger in der Neuhauserstraße

Beim Oberpollinger am Stachus in München sind zur Zeit die Beauty Weeks. Wahrscheinlich bin ich nur reaktionär, aber wenn ich so greislich ausschauen täterte wie der arme Latex-Mensch auf dem Plakat, würd vermutlich selbst ich das Schönheitsangebot vom Oberpol­lin­ger wahrnehmen.

1.12.23

Kein Schwein ruft mich an

In einem Film vom Woody Allen (kann sein es war "Manhattan") gibt es folgenden running gag: Ein junger Geschäftsmann taucht zusammen mit Woody Allen an den verschiedensten Orten auf. Und überall, wo er auftaucht, besteht seine erste Handlung darin, daß er zum nächsten Telefon eilt, sein Büro anruft und die Telefonnummer des Apparates durchgibt, von dem aus er grad anruft. Bis voraussichtlich so und so lang sei er unter dieser Nummer zu erreichen.

Der Witz besteht nun darin, daß dieser junge Mann während des ganzen Films niemals von seinem Büro aus angerufen wird. Auch wenn er dort anruft, um die Telefonnummer durchzugeben, teilt man ihm niemals irgendeine wichtige Nachricht mit oder bittet ihn um eine Entscheidung oder ähnliches. Das heißt. der Fall, dessentwegen er ständig seine Erreichbarkeit durchgibt, tritt nie ein, das Ganze ist nichts weiter als Wichtigtuerei.

Heute hast du für sinnlose Kommunikation ein Handy oder gar ein Smartphone. Das heißt, "Kommunikation" ist vielleicht ein zu großes Wort für das, was vor allem die jüngeren Leute mit ihren Smartphones machen. Alle haben sie mindestens 1 Smartphone, wenn du sie aber anrufen willst, geht kein Schwanz ran.

Einige hier werden es wissen... ich mache staatlich verordnete Kurse, Führerschein, Saufen, Kiffen etc. pp.. Der eine Kurs ist speziell für Fahranfänger, die bei laufender Probezeit mit einem Alkohol- oder sonstigen Drogendelikt aufgefallen sind (in Deutschland gilt während der Probezeit die 0,0-Grenze). Im Frühjahr hing mehrere Wochen lang das feurige Schwert des Erzengels Weselsky drohend über uns, viermal mußte ein Kurstermin verschoben werden. Das ist lästig, weiter aber kein Problem, denkst du. Dann rufst du halt die Teilnehmer der Reihe nach an und informierst sie, die Handynummern hast du. Denkst du.

Zwei der zehn Teilnehmer erreichst du auf Anhieb, sie sind also schon mal informiert; vier weiteren Teilnehmern sprichst du auf den Anrufbeantworter, wenn er sich denn öffnet, der Rest bleibt im Ozean des Internets verschollen. Die jungen Leute besitzen, wie bereits erwähnt, mindestens ein Smartphone [1], aber sie gehen nicht ran, wenn man sie anruft. Das heißt, wenn ihre Freunde borgward1 bis borgward317 anrufen gehen sie schon ran, ist der Anrufer allerdings nicht in ihrem Telefonregister gespeichert, wird er weggedrückt oder gar automatisch blockiert. So schließt sich der Kreis: Vor lauter Kommunikationsmöglichkeit kommt keine Kommunikation mehr zustande.

Ach.



[1]   Ohne Smartphone bist du heutigentags definitiv kein Mensch, du wirst als gallertartige Qualle eingestuft.

1.11.23

Anderkatt

Weil immer so geschimpft wird auf die Nazis, auf die historischen von anno Feldherrnhalle und auf die heutigen von "Fisch und Fleisch" sowieso: Was das Styling betrifft kann man den Nazis - zumindest denen von anno Stalingrad - nichts vorwerfen. Lange bevor das Wort "stylish" im deutschen Sprachraum in allgemeine Verwendung kam, waren die Nazis die Avantgarde der Haartracht, sie haben den Trend gesettet, man nehme nur den heute wieder hochmodischen Undercut, hier am Beispiel von Heinrich Himmler.

Der junge Mao Tse Tung hat ebenfalls diesen sexy Haarschnitt getragen, was vielleicht die Totalitarismusthese bestätigt: Kommunisten und Faschisten kommen aus derselben Familie.

Wer sich über die weißen Sterne auf blauem Grund hinter Mao Tse Tung wundert: Als junger Mann hat der in der Chinatown von San Francisco geborene und aufgewachsene Mao mehrere Jahre in einem Trainingslager des amerikanischen Geheimdienstes FPD in einem Wald in Montana verbracht, wo er in Marxismus-Leninismus und Guerillakrieg [1] ausgebildet wurde. Anschließend wurde er über China mit dem Fallschirm abgeworfen.




[1]   Der Guerillakrieg, die Strategie des Kleinen Mannes gegen die Große Frau, wurde - entgegen anderslautenden Gerüchten - nicht von Mao Tse Tung erfunden. Sondern? Sondern von den amerikanischen Siedlern im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. Die Amerikaner verweigerten sich weitgehend der offenen Feldschlacht, sie lockten den nicht landeskundigen Feind in die undurchdringlichen Wälder und Weiten des Kontinents und griffen ihn dann aus dem Hinterhalt an.

28.7.23

Jagdszenen aus der südlichen Oberpfalz

Mine Wohnung geht ziemlich genau nach Süden raus, die Südwand (die einzige Fensterwand) besteht aus einem breiten Fenster und einer Glastür, die auf den Balkon führt. Vor dem Haus ist eine Wiese mit Sträuchern und Bäumen. Vor der Balkontür hängt ein sogenanntes Fliegennetz, welches mir des abends, wenn ich das elektrische Licht einschalten muß und trotzdem frische Luft hereinlassen will, Mücken und andere Insekten vom Leibe hält. Das Plastiknetz ist inzwischen einige Jahre alt, es wirft Falten und die Lamellen schließen deshalb nicht mehr an allen Stellen dicht ab: Der eine oder andere Muck findet nächtens seinen Weg in meine Wohnung.

Gestochen werde ich zwar selten, aber das Gesirre dicht am Ohr, das aufdringliche Tanzen einen halben Meter von meinen Augen entfernt ist manchmal doch recht lästig. Wenn ich die Insekten im Flug vor mir sehe, klatsche ich die Hände zusammen und zermautschele so die Viecher, die allerdings fast immer fixer reagieren als ich und damit der tödlichen Falle entkommen. Eine andere Methode ist es, den Muck mit den Augen zu verfolgen, während ich mit der Hand nach der Fliegenklatsche fingere. Landet das Untier dann auf dem Schreibtisch oder auf dem Drucker - batsch! Das funktioniert oft, der Nachteil ist jedoch, daß es häufig zu Kollateralschäden kommt. Die auf Schreibtisch und Drucker herumliegenden Dinge hätten dort nicht liegen sollen, lagen dort aber und sind jetzt beschädigt. Warten, bis das Insekt auf der Wand rastet hört sich gut an, hinterläßt im Erfolgsfalle aber häßliche Leichenflecken an der Wand.

Da gibt's doch, kam mir in den Sinn, elektrische Fliegen­klat­schen. Sie sehen aus wie Federball­schlä­ger, sind aber mit einem Metallnetz bespannt, im Griff sind Batterien. Nähert sich dir das lästige Insekt, drückst du auf den Knopf, das Gitternetz steht unter Strom und du brauchst den Schläger nur noch dem Insekt in den Weg zu halten, gegebenenfalls elegant in seine Richtung zu wedeln. Ein winziger bläulicher Funken, ein leise sirrendes Britzeln und wieder ist ein von Gott geschaffenes Leben ausgelöscht.

Seit einigen Tagen bin ich Besitzer eines solchen Mordgerätes, seit einigen Tagen finde ich keinerlei Fluginsekten mehr in meiner Wohnung. Nun, da ich den Elektroschlächter im Haus habe, möchte ich ihn auch ausprobieren, ich will sehen, wie eine vom Blitz getroffene Mücke entseelt zu Boden sinkt, aber die Beute ist in einen unbefristeten Streik getreten.

17.7.23

Das Schockierende am Sandwich und wie ich es rausgefunden habe

In den fünfziger Jahren kam das vordem weitgehend unbekannte englische Wort "Sandwich" in die deutsche Sprache. In den fünfziger Jahren war ich noch der Waldbauernbub und für Jahre war "Sandwich" für mich das Fürst-Pückler-Eis zwischen zwei Waffeln. 

 Ich hab überhaupt merkwürdige und manchmal ausgesprochen hartnäckige Assoziationen. Noch heute stelle ich mir, wenn ich das Wort "Luxus" höre, erst mal das gleichnamige Vanille-Stangerl-Eis mit Schokoglasur von Jopa vor.

Auf dem Gumminasium haben wir dann gelernt, daß es im sehr, sehr südlichen Südatlantik die Sandwichinseln gibt. Was haben wir damals gelacht, allerdings weiß ich heute nicht mehr, was wir uns seinerzeit unter einer Sandwichinsel vorgestellt haben. Mit Sand und mit Hexe hat's jedenfalls nichts zu tun, so viel war allen klar.

"Die Sandwichinseln sind benannt nach John Montagu, dem 4. Earl of Sandwich (* 13. November 1718, + 30. April 1792 in Chiswick). Montagu war ein britischer Diplomat und Staatsmann. Er ist heute vor allem bekannt durch das nach ihm benannte belegte Brot, das Sandwich." (Wikipedia)

Das nach dem "Earl of Sandwich (...) benannte belegte Brot" hat mich  jahrzehntelang und geradewegs in die Irre geführt. Nach meinem Sprachverständnis ist nämlich ein Belegtes Brot ein mit Wurst, Käse,  Gürkchen oder was immer belegtes (oder meinetwegen auch bestrichenes) Brot, und "Brot" meint hier Scheiben mehr oder weniger dunklen Brotes im Sinne der Reichsunmittelbaren Brotverordnung Karls III.

Ein "Sandwich" aber ist - wiederum in meinem Sprachverständnis - 1 2gliedriges Ensemble aufeinandergelegter 3eckiger Toastbrotscheiben. Toastbrot - weiß jeder - schmeckt wie Arsch und Friederich, es ist Watte auf Weizenbasis, eine reiz- und geschmacklose Trägersubstanz für allerlei Zeug. Getoastet aber kann man es schon runterwürgen.

Im Supermarkt kriegst du zweierlei Arten von Weißestbrot: Einerseits das Toastbrot, das tatsächlich zum Anbraten im elektrischen Anbrater gedacht ist und andererseits das American-Sandwich-Brot, das im Querschnitt ein gutes Stück größer ist als das Toastbrot. Und dieses Brot ist zum Rohessen bestimmt. An Bahnhöfen und anderen höchst dubiosen Orten bekommst du diese Sandwiches divers belegt und in Plastikdreiecke eingeschweißt.

Ich muß jetzt aufhören, mir ist schlecht. Oder wie Rilke einst schrieb:

Mir ist übel / Bringt mir einen Kübel

Mir ist schlecht / Bringt mir einen Specht

15.1.23

Patriotisches Zebra

Gestern, ich hatte gerade die Balkontür zum Lüften geöffnet, kam ein Vögerl geflogen und setzte sich nieder auf die Balkonbrüstung. "Höre", so tschilpte das Vögerl, "es ist Fasching. Gehe hin in alle Welt, lehre alle Völker und verkündige ihnen den Frohsinn." Ich überdachte eine Weile die Worte des Vogels, schloß dann wieder die Türe und setzte mich sodann in meinen Fauteuil und beschloß, bis Aschermittwoch darin sitzen zu bleiben. Die Welt ist mir ganz einfach zu groß, um dorthin zu fahren, vom Kosmos gar nicht zu reden.

Für den nationalbewußten Österreicher (immerhin mehr als die Hälfte aller Austriaken) habe ich zum Trost den Faschings-Mode-Tip dieser Saison:

Und wenn beim Ball der große Hunger zwischendurch kommt:

Der kultivierte Österreicher, das freilich, ißt das Fahnderl nicht mit. Aber welcher Österreicher ißt schon kulti4t?

28.9.22

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur...

Im Usenet geschah es, daß sich einer Gedanken darüber machte, wie man denn die verschiedenen archäologischen Schichten vergangener Geschlechtspartnerinnen bezeichnen könnte. "Ex-Freundin" etwa, "Doppel-Ex-Freundin" oder wie.

Ein anderer kam zu Hilfe: "Nochmal über dein Promiskuitätsproblem sinnierend, kam mir folgender Vorschlag in den Sinn:

- Ex

- Vor-Ex

- Vor-vor-Ex

- Vor-vor-vor-Ex"

Ich schlug eine pragmatischere und poetischere Lösung vor:

Der... äh, der Dings... ah ja, der Herr Johann aus Spanien hatte einen Diener namens Leporello und der hat ihm eine saubere Liste geführt. Jetzt brauchst du nur noch die Damen durchnumerieren und du hast eine eindeutige Terminologie: FV 217 ["Die magere Romantische"] oder FV 173 ["Die sinnliche Dicke mit den Sommersprossen"].

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur Ficken.

So ein Leporello-Archiv hat gewiß Stil, heutzutage aber nimmt man zur Datenspeicherung natürlich das SmartPhone. "Nur für die Registratur, gnädige Frau... Mit wem hatte ich eben das Vergnügen?"

Bei anderer Gelegenheit wandte eine Dame ein: "Ich finde ja, daß Vergessen die beste Option ist."

"Ich glaub ja eher," wandte nun meinerseits ich ein, "daß Don Giovanni deshalb den Weibern nachsteigt, damit Leporello sie in sein gleichnamiges Notizbücherl eintragen kann. Das bisserl Samenerguß ist für ihn eher zweitrangig, will mir scheinen. Aber immerhin, so erspart er sich wenigstens das Wichsen. Karl Kraus hat mal geschrieben, eine Frau sei bisweilen ein ganz brauchbares Surrogat für die Selbstbefriedigung, allerdings erfordere das Besteigen einer Frau ein Übermaß an Phantasie.

Hauptsach ist natürlich, daß Leporello lobsingen [1] kann, es habe Don Giovanni alleine in Spanien 1003 Weibsen flachgelegt. Es sollte keiner den Fehler machen, sich die 1003 Schicksen allein in Spanien als gescheiterte Liebesgeschichten vorzustellen. Genau so sollte das ablaufen. Wie man bei uns in Niederbayern sagt: umhaun, neihaun, abhaun. Stell dir die Katastrophe vor, wenn Don Giovanni auch nur einen Monat bei Donna Elvira geblieben wäre... 30 Alltage hintereinander... "Das hätte ich bei meinem Alten auch haben können", denkt sie sich. Don Giovannis Trick ist, daß er sich tags drauf wieder verdrückt hat, und die Frau ihm ein Leben lang nachseufzen kann und dabei nicht von seiner realen Existenz belästigt wird.

Ich habe mir Don Giovanni nie als Frauenfreund vorgestellt, ganz im Gegenteil. Frauen sind ihm zuwider und er ist manisch bestrebt, sich die Schicksen auf eine Schwanzlänge Abstand zu halten. Ein etwas schiefes Bild, gewiß, aber was tut man nicht alles für eine sprachliche Pointe... Obwohl... Jetzt, wo ich den Satz geschrieben vor mir stehen sehe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das Sprachbild wirklich so schief ist. Kann man sich eine Person nicht vielleicht gerade durch Sex vom Leibe halten? "Wir haben gevögelt, Schatz, du bist gekommen, ich bin gekommen, das muß reichen. Ich will bis auf weiteres nicht mehr von dir belästigt werden." Oder wie es die kleine Hilde gesagt hat, als sie einen herzergreifenden Roman gelesen hätte: "Hach, muß Liebe schön sein, wenn ich groß bin lieb ich auch."



[1]   Hat eigentlich schon mal jemand was von Lobsang Rampa gehört?

14.8.22

Ordnung und Unordnung

Wenn noch einer behauptet, bei mir in der Wohnung hätt's 1 Saustall,

den werfe ich meinem Rechtsanwalt zum Fraße vor.

22.5.22

Kann ich Ihnen helfen?

In Läden kann es dir passieren, daß der Verkäuferin auf dich zukommt und dich frägt: "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" oder "Womit kann ich Ihnen helfen?" Manchmal lasse ich dann meinen gramgebeugten Nacken noch weiter zusammensacken und ich antworte abwinkend, resignativ: "Mir kann keiner mehr helfen." Das ist dann jedes Mal ein Lachen und Jauchzen.

25.4.22

Mein Trolley ist weder vom Esterhazy noch vom Nikolausi, sondern vom Osterhasi

Seit ich kein Auto mehr habe, weil ich in der Stadt keines brauche habe ich einen Einkaufstrolley. Ein Einkaufstrolley ist ein ganz wunderbares Gerät, es bewahrt dich davor, daß eines Tages deine Arme so lang sind, daß du dich in den Kniekehlen kratzen kannst, ohne dich im Oberleib zu verkrümmen. Er bewahrt dich auch vor einem verkrümmten Rücken, den du vom ständigen Rucksacktragen bekommst. Diese Scheißrucksäcke ([1]), die dich im Supermarkt oder im Bus gegen die Wand drücken wenn der Besitzer eine Drehbewegung macht. Und das bloß, weil Fahrradkörbe auf Rennrädern nicht so geil ausschauen.

Als ich noch der Wald­bau­ern­bub war hatten wir in der Schule den Diercke-Welt­atlas. Der Diercke Welt­atlas galt als Kno­chen­brecher, denn zwei- bis viermal die Woche muß­ten wir ihn im Schulranzen von zuhause in die Schule schleppen und wieder zu­rück. Viele von uns haben die Schulzeit trotzdem oh­ne größere Schäden hinter sich gebracht, was die Evolutionstheorie vom Überleben der Fittesten glorreich bestätigt. Einige jedoch hat es bös erwischt, verschärft durch den Umstand, daß sie überlebt haben. Sie sind mißgestaltet und müssen sich als Glööckler von Notre Dame durch's fernere Leben schlagen.

Das Bemerkenswerte an un­se­ren Schul­ran­zen war der Umstand, daß die Ranzen umso praller gefüllt und deshalb schwerer waren, je jünger die Kinder waren. Vor Schulen und an Schulbus­haltestellen kannst du Zehnjährige beobachten, die den Diercke-Weltatlas und die ganze Last menschlicher Existenz auf ihren niedergedrückten Buckeln tragen, es ist zum Gottserbarm. Je größer und kräftiger die Damen und Herren Schüler werden, desto leichter wird ihre Schultasche.

Vor einigen Jahren habe ich an einer Bushaltestelle (wo sonst?) zu einer Gruppe junger Menschen an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen gepredigt, alle hatten sie Ranzen und die meisten davon waren ersichtlich schwer. "Höret, Kinder", sagte ich ihnen, "laßt euch an Weihnachten oder zum nächsten Geburtstag einen Einkaufstrolley schenken. Dann könnt ihr künftig den Diercke-Weltatlas und das gesammelte Wissen unserer Zeit ebenso bequem hinter euch herziehen wie ich meine Einkäufe. Singend und tanzend würdet ihr durch die Straßen ziehen, so wie ich."

Das ginge nicht, sagte man mir. - Weil? - Weil wegen diesem und jenem und aus vielerlei anderen Gründen. In Wirklichkeit, sehen wir die Dinge doch mal realistisch, sind Trolleys so was von uncool, das glaubst du nicht. Trolleys sind Nachzieh-Rollatoren. Inzwischen habe ich meine Geschichte von der Trolley-Predigt einigen Leuten erzählt und noch jeder hat behauptet, was ich denn hätte, es gäbe inzwischen doch schon nicht wenige Schüler, die von Ranzen auf Trolleys umgestiegen seien. Ich aber, wahrlich, ich habe noch niemals einen Schüler mit einem Trolley gesehen. Die Sache erinnert ein bisserl an das Ungeheuer von Loch Ness: Jeder kann was darüber erzählen, gesehen hat es noch keiner.

Der letzte Satz gilt im übrigen - merk ich grad - ebenso für den Lieben Gott.

So ab dem 13., 14. Lebensjahr hatten wir dann Schultaschen statt der Ranzen, was die Sache nicht besser machte. Ich hatte als Schüler Schwielen an den Händen wie ein Bauarbeiter, an beiden Händen, weil ich in regelmäßigen Abständen die sauschwere Schultasche von der rechten in die linke Hand geschwungen hatte und wieder zurück.

1969, ich hatte gerade Abitur gemacht, sind erstmals Menschen auf dem Mond gelandet. Im Jahr darauf hatte Bernard Sadow eine Idee, auf die er 1972 ein Patent bekam. "Er befestigte vier Rollen unter der Längsseite des Koffers, brachte noch ein flexibles Band zum Ziehen an und meldete die Konstruktion unter dem Namen "Rolling Luggage" zum Patent an. Im April 1972 erhielt er es unter der Nummer 3.653.474." Ich hatte so ein Ding mal, es funktionierte so lala auf absolut glatter Bodenfläche, bei Unebenheiten auf einem ganz normalen Gehsteig etwa, kippte der Koffer gerne um, von Kopfsteinpflaster will ich gar nicht erst reden.

1987 erfand dann Robert Plath, ein Verkehrspilot, den Trolley, wie wir ihn heute kennen: Die Räder (meistens nur zwei) an der Schmalseite des Koffers, ein Teleskopgriff zum Ziehen. (Der Spiegel, 01.12.2011)

Das heißt, die Mondlandung kam vor dem Rollkoffer, bemannte (m/w/d) Raumfahrt war für den menschlichen Geist leichter zu machen als ein bequemer Koffer. Wenn diese Reihenfolge der Ereignisse nicht bemerkenswert ist, was ist dann bemerkenswert?

Wann wird ein weiteres Genie auf die Idee kommen, an die vier Räder eines Trolley-Koffers eine Bremse zu montieren, damit der Koffer nicht in jeder Kurve der Bahnstrecke, bei jeder Beschleunigung oder Bremsung durch's Abteil zu tanzen beginnt?

Die Mondfahrt wird heute von ziemlich vielen Menschen in Zweifel gezogen. Wie, man wagt kaum zu atmen bei dem Gedanken, wäre es, wenn sich eines Tages herausstellte, daß es die Trolley-Koffer so wenig gibt wie Zar Rasputin von Rußland?

Zum Osterfeste nun - mehr wollte ich eigentlich gar nicht erzählen - hat mir der Osterhase einen neuen Trolley gebracht, mit Treppensteigrädern und einem ausklappbaren Sitz, wenn mal am Bushäusl kein Platz mehr frei ist. Manchmal bietet mir ein freundlicher junger Mensch seinen Sitzplatz an, ich aber winke generös ab und klappe meinen Altersruhesitz auf.



[1]   Nix gegen die Rucksäcke, die du nun mal brauchst, wenn du auf dem Nanga Parbat oder der Anna Purna spazierengehen willst. (Vor der Notdurft, nach dem Essen / Darfst das Gendern nicht vergessen. - Jussuf von Eichendorff).

22.4.22

Vom tieferen Sinn der Jagd

Der Jäger ist ein notwendiges Element zur Korrektur der Natur, inbesonders zum Schutz der Gehölze, hat er seinerzeit gemeint.

Das ist eine derart kackendreiste Lüge, daß mir die Luft wegbleibt. Jedes Jahr werden viele, viele Wildtiere aus ihren Gehegen in die Freiheit entlassen, damit im Herbst der Herr Chefarzt und die Frau Rechtsanwältin aus der Stadt genügend Fleisch zum Abknallen hat.

Und er fährt weiter: Jagd ist nicht nur und nicht einmal in erster Linie Beute machen“ und erst recht kein Schießsport, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe im Dienste der Nachhaltigkeit

Wenn die Jagd dies wäre und nichts als das, so würde man diese - nehmt alles nur in allem: - lästige Aufgabe berufsmäßigen Förstern überlassen. Es geht aber in Wirklichkeit um den Spaß am Töten, um sonst nix. Nix gegen Förster, nix gegen Bauern mit Jagdschein, die ihren Wald in Ordnung halten, alles dagegen gegen das Gesindel, das Jagdpacht zahlt, sonst nichts tut und im Herbst im Lodenmantel auf die Jagd geht.

Mein Vater war Metzgermeister. Wann immer Schlachttag war, hat er sich verdrückt, er ist erst dann wieder ins Schlachthaus zurück gegangen als die Viecher tot waren. Er wußte, wie man einem Schwein die Gurgel durchschneidet, sonst hätte er nie die Prüfungen bestanden. Als er es sich leisten konnte, hat er die notwendige Barbarei seinen Angestellten überlassen.

Als er schon in Rente war, hat er einen jungen Rehbock gefunden, der beim Mähen verletzt worden war. Er hat ihn "Hansi" genannt, hat ihn zu sich genommen und wie ein Familienmitglied behandelt.

Wie anders dagegen die Bestien [1] mit Jagdschein, die im Herbst in die Landschaft ziehen, um zu töten, töten, töten. Einfach so, aus Spaß.

Du kennst wahrscheinlich die Geschichte aus dem "Struwwelpeter", wo der Hase auf den Jäger anlegt. Ich war schon als Kind sehr traurig, daß der Hase den Jäger nicht erschossen hat.

Im übrigen: Wenn ich - viel zu selten - davon lese, daß ein Stier einen Torero in seine Einzelteile zerlegt hat, dann schenke ich mir einen Tee ein und grunze vor Behagen, wenn ich mir vorstelle, wie die Damens ihre feuchten Hoserl dem Stier zuwerfen.



[1]   "Bestien" ist natürlich das falsche Wort, verzeiht mir, liebe Raubtiere, die ihr nichts anderes macht, als euren Lebensunterhalt zu erjagen.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...