Posts mit dem Label Theologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Theologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15.3.26

Wenn ein Gerücht zur Offenbarung wird

Je weniger du weißt, desto fester glaubst du daran

Wenn du in "Fisch und Fleisch" liest kann es passieren, daß dir aus dem Rechner die Wahrheit oder auch das Gegenteil entgegenlächelt. "Je länger ein historisches Ereignis zurückliegt, desto eher werden Tatsachen durch Meinungen ersetzt."

Ich mache eher die umgekehrte Beobachtung. Nimm an, ich käme heutzutage mit einem Bogen Papier vom Berg zurück und würde behaupten, auf diesem Papier habe mir Gott eine wichtige Botschaft notiert. Man würde mich höchstwahrscheinlich für einen durch­ge­knallten Spinner halten. Dabei ist meine Geschichte sehr gut dokumentiert, x Kameras haben mich gefilmt, wie ich vom Berg zurückkomme, man kann das Papier und die Schrift darauf analysieren, ich stehe für Interviews und Talkshows zur Verfügung, in denen mich jeder befragen und meine Darlegungen auf innere und äußere Glaubwürdigkeit abklopfen könnte.

Je älter eine solche Geschichte dagegen ist, je weniger gut sie dokumentiert ist, umso glaubwürdiger wird sie. Nimm die uralte Geschichte von Moses und dem Sinai, die uns überliefert ist von einem, der einen gekannt, welcher der Schwager eines guten Bekannten war, der wiederum der Ur-ur-ur-ur-Enkel von Moses gewesen sein soll... Sie wird ernst genommen als enthielte sie... äh,... Gottes Wort.

Und je öfter schon irgendwelche Leute an dieser alten Geschichte herum geändert haben für desto authentischer gilt sie. Man deutelt frohgemut an jedem Buchstaben des Textes, der, wie gesagt, bekanntermaßen x-mal redigiert worden ist. Theologie ist über ganz weite Strecken eine Gerüchtologie.

Die Bibel ist unmittelbar Gottes Wort, sie ist vom HErrn den menschlichen Autoren direkt in die Feder diktiert worden. - Woher weißt du das? - So steht's doch in der Bibel selbst, die ihrerseits Gottes Wort ist. Okay, ein bisserl interpretieren muß man schon...

Es gibt nichts Leichtgläubigeres als einen klugen Menschen, der glauben will, weil er sich dann besser fühlt. Der Mensch muß sich die Welt erklären, anders erträgt er sie nicht, anders kann er nicht in dieser Welt leben. Jede Theorie - buchstäblich und wortwörtlich: jede - ist besser als keine Theorie. Religionsstifter und Philosophen haben das erkannt und die Marktlücke mit Sinn gefüllt.

Ende der siebziger Jahre bin ich auf der Autobahn in Regensburg nach Norden gefahren. Das Autoradio war eingeschaltet und ich hörte gerade Nachrichten auf einem UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks. Dann kam der Pfaffensteiner Tunnel und so ganz allmählich wurde der Empfang immer schlechter, bis schließlich im Inneren der Tunnelröhre überhaupt nichts mehr zu hören war.

Als die Ausfahrt näher kam, setzte das Programm wieder ein. Musik erst und dann sprach einer über die Musik - auf Polnisch! Kein Sprechgesang, sondern eine ganz normale Ansage, wie vor jeder Sendung, nur eben diesmal auf Polnisch.

Innerhalb von Sekunden hatte ich mir eine Theorie zurechtgelegt; daß nämlich bei bestimmten Wetterlagen Überreichweiten bei UKW-Sendern auftreten könnten (das ist tatsächlich so), daß ferner topographische Besonderheiten an der Nordseite des Berges diese Überreichweiten verstärken würden, so daß jetzt eben grade ein polnischer Sender in hervorragender Qualität zu empfangen sei.

Damit war ich vorerst zufrieden und fing an, mich wieder zu entspannen, als der seinerzeit wohlbekannte Moderator Ado Schlier vom Bayerischen Rundfunk seine Stimme erhob und kundtat, es folge nun, in einer Übernahme vom polnischen Rundfunk, die Übertragung eines Jazzfestivals aus Zoppot.

Ach so, so einfach.

Schade um meine schöne Theorie, sie wäre soviel hypscher gewesen.

17.7.24

Lenins sterbliche Überreste in Lignano

Die Deutsche Kommunistische Partei DKP kennt heutigentags kaum noch jemand, die UZ (Unsere Zeit), die Zeitschrift der DKP ist noch viel unbekannter. Apropos Lenin und tot: In den 70er Jahren habe ich in der UZ mal gelesen, im Moskauer Kreml befänden sich die Sterblichen Überreste Lenins. Mein Tag war gerettet, ich bin vor Lachen fast vom Stuhl gefallen: Die Sterblichen Überreste eines Atheisten! Ganz so, als gäbe es von einem Atheisten auch Unsterbliche Anteile.

Aber Loits, so ist das oftmals: Du hast aus langer Gewohnheit bestimmte Formulierungen oder auch Denkschemata im Kopf und du verwendest diese Schemata und Formulierungen ohne weiter nachzudenken. Der Badeort Lignano Sabbiadoro an der italienischen Adriaküste war seinerzeit der bevorzugte Aufenthaltsort der niederbayerischen Bevölkerung im Sommer (und ist es wahrscheinlich noch). Der Ort wurde ausgesprochen wie Lig-nano, und wenn du - korrekterweise - den Ort "Linjano" genannt hast, dann hast du riskiert, daß man nicht verstanden hat, wovon du sprichst. Ähnliches geschieht, wenn du im deutschsprachigen Raum korrekterweise vom Eiernmän-Wettbewerb sprichst, mit dem - falschen - Wort Eironmän kommst du dagegen überall zwischen Kiel und Eisen(!)stadt durch.

3.6.24

Wien - Ein Nachruf

"Ich wollte heute", schrieb gestern ein Besorgter Würger, "die Online-Infos der Stadt Wien abrufen, aber es gibt keine: die Stadt Wien ist online 'derzeit nicht erreichbar'. Und das schon seit Stunden."

Sehen wir der Wahrheit in's Antlitz: Die Website www.wien.at ist nicht erreichbar, weil die Stadt Wien verschwunden ist. Mir vorliegenden Berichten eines Reitenden Boten zufolge hat sich am Sonntag Nachmittag die Erde aufgetan und Wien ist mitsamt den Wienern und der Donau in jenem riesigen Loch verschwunden, das die Alten Schriften seit Jahrtausenden prophezeien [1]. Die Donau oberhalb des ehemaligen Wien ist bereits bis Linz trockengelaufen. Hier ein aktuelles Photo der Donau aus der Wachau:

Von Budapest aus ist eine Hilfsflotte ins Katastrophengebiet unterwegs, aber ab Esztergom muß man die Hilfsgüter mangels Donau auf Kamele umladen.

In Innsbruck bereitet man sich zur Stunde darauf vor, die neue Hauptstadt Österreichs zu werden.

P. S.: Ein halt- und zügelloser Bußprediger schrieb mir noch gestern abend: "Wien ist untergegangen, wie schon zuvor Konstantinopel untergegangen ist und als islamisiertes Istanbul wiederauferstanden ist." Was natürlich 1 Schmarrn ist: Konstantinopel ist nie untergegangen, es sind nur andere Leute in die Häuser gezogen.

 


[1]   Die Geschichte vom drohenden Weltuntergang ist seit tausenden von Jahren ein running gag in Kabarettkellern und Kirchen.

22.3.24

Sit mens Rama in corpore Sanella

Was ich bislang nicht wußte (und du wahrscheinlich auch nicht): Genau heute vor 240 Jahren wurde in einer von König Rama I. angeführten Prozession der Smaragd-Buddha in die Tempel­anlage Wat Phra Kaeo in Bangkok, der neuen Hauptstadt Siams, gebracht.

8.9.23

Der Deibel und dem Deibel sein Kumpel

Vor gar nicht so langer Zeit hat sich ein ungenannt zu bleibender FuFler Gedanken gemacht über Tauben und den Teufel. "Ein gefallener Engel ist ein von Gott verstoßener Engel. (...) Der sich gegen die göttliche Ordnung auflehnende Engel wird aus dem Himmel verbannt und stürzt zur Erde. (...) Da es sich bei dem Anführer der abtrünnigen Geistwesen um den Teufel höchstpersönlich handelt, stürzt dieser naturgemäß in sein neues Reich, in die Hölle."

Der theologischen Korrektheit halber nutze ich die Gelegenheit, das gängige Bild des Teufels im Bewußtsein der Menschen ein bisserl zurechtzurücken. Der Teufel ist - das machen sich die wenigsten Leute klar - nicht der Widersacher Gottes sondern sein Schoßhündchen. Der eine und einzige, allwissende und allmächtige Gott hat nämlich keinen Gegenspieler, er kann gar keinen Gegenspieler haben, ansonsten er ja nicht allmächtig wäre. Er ist der Gott, ohne dessen Willen kein Haar von meinem Kopfe fällt und der sollte ein Huhgespenst wie den Teufel als Widersacher auf Augenhöhe haben?

Der Teufel darf nur solange und so weit "huhu!" machen, wie Gott meint, daß es gut ist. Ansonsten macht Gott einmal fingerschnipp und aus ist mit Teufel.

Diese Ein-Gott-Religionen sind ein dramaturgisches Desaster, ich weiß nicht, wer sich so einen Scheisendreck als erste ausgedacht hat. Auf dem Olymp, da sind sich die unterschiedlichsten Gottheiten noch gegenübergestanden und der eine Gott hat gegen den anderen intrigiert und der eine wollte was und der andere was andres und rausgekommen ist - wie hier unten auf Erden - etwas, das keiner so gewollt hat.

Ein allmächtiger und allwissender Gott - das läuft sich fest. Das ist wie mit Superman. Einer der über Superkräfte verfügt und so auch noch die stärksten Schurken besiegt ist erstmal eine feine Sache. Dann aber wird die Sache langweilig, denn Geschichten von einem, der seinen Gegenspielern so überlegen ist, daß die gar keine reelle Chance mehr haben will keiner auf Dauer hören oder lesen. Und so sah man sich gezwungen, dem Superhelden Superman Superschurken als Gegenspieler zu erfinden, die dann auf etwa gleichem Superniveau aufeinander eindreschen konnten.

Gott und der Teufel sind Kumpel, sie sind dieselbe Partei. Wenn Gott es wollte, bräuchte er bloß - wie weiland die "Bezaubernde Jeannie" - mit den Augen zwinkern und Satan hätte ausgeteufelt. Daß Gott nicht zwinkert heißt lediglich, daß ihm der Teufel durchaus ins Konzept paßt.

Die ganze Geschichte mit Gut und Böse ist ein riesiges Kaschperltheater für uns Doldis hier unten. Alles Böse kommt von Gott und nur von Gott, der Teufel ist nur ein billiger Laiendarsteller, der so tut als ob.

Wenn ich meinen Gott immer mächtiger und schließlich allmächtig mache, dann sitze ich in der Falle. Dann habe ich nämlich die Blasphemie aller Blasphemien begangen. "Alles hat Gott gemacht..." heißt es in einem schönen Kirchenlied. Mein lieber Schwan, wenn das richtig wäre...

6.9.23

Sexuelle Belustigung

Dieses noch zum Thema "Religion und sexuelle Belästigung"

 [1]



[1]   Die Zeichnung ist wahrscheinlich von F. K. Waechter oder Robert Gernhardt, auf jeden Fall aber aus der "Neuen Frankfurter Schule".

12.7.23

Je Friseur desto Schwermut

Der Spruch "Post coitum omne animal triste" (Nach dem Ficken ist Mensch wie Tier schlecht drauf) wird gerne gesprochen, wenn Ackerdemiker bei einer Foyerzangenbowle am bullernden Kamin beisammen sitzen und mit jedem Schluck besoffener werden. Der Spruch wird Aristoteles zugeschrieben, wahlweise auch dem antiken Arzt Galen, Cicero, Ovid oder auch Augustinus. Nachzuweisen ist der Spruch allerdings erst für das 16. Jahrhundert und inhaltlich ist der Satz sowieso ein Scheisendreck. Was stimmt - zumindest für mich - ist dagegen der Spruch "Post tonsorem omne animal triste" (Nach dem Friseurbesuch ist der Mensch von Schwermut erfüllt).

Du sagst der Friseuse, wie du die Haare gerne hättest und sie schneidet dir die Haare nach eigenem Gutdünken. Und zwar so, daß deine Mutter erst, später deine Frau und noch später deine Typberaterin meint "Jetzt schaust wieder wie ein anständiger Mensch aus."

Martin Luther seligen Angedenkens bekam auf dem Reichstag zu Worms 1521 ordentlich die Haar gewaschen und geschnitten und er hat sich danach dermaßen geschämt, daß er ein Jahr lang nicht mehr unter Leute ging. Er versteckte sich auf der Wartburg und übersetzte dort aus Langeweile das Neue Testament in's Deutsche. Noch heute endet die Bibel mit der Apokalypse und diese wiederum mit den Worten: Vom Barbier kömmt die Schwermut, von der Schwermut der Wermut und vom Wermut die Trunksucht.

30.6.23

Die Hadsch im Lichte des Kirchenrechts

In Grinzing und Umgebung wird man es nicht so mitbekommen, deswegen erzähle ich es hier: In Mekka ist zur Zeit der Teufel los, es ist die Zeit der Großen Hadsch, der Pilgerfahrt zu den Heiligsten Stätten des Islam, die jeder Moslem (m/w/d), dem es gesundheitlich und finanziell irgend möglich ist, mindestens einmal im Leben gemacht haben sollte.

Siebenmal umrunden sie im Gegenuhrzeigersinn die Kaaba, den schwarzen Würfel im Zentrum von Mekka, an einem anderen Tag schlappt man die 20 km hinaus zum Berge [1] Arafat (nicht Ararat, damit keine Mißverständnisse aufkommen), betet dort und sammelt sieben Kieselsteine [2], mit denen man an wieder einem anderen Tag drei Betonsäulen bewirft, welche die Versuchungen des Teufels darstellen.

Ohne die Teilnahme an der Verweilzeremonie (wuqūf) in Arafāt hat die Hadsch keine Gültigkeit, sagt mir die Wikipedia.

Inzwischen kann man die laufenden Ereignisse in Mekka auf mehreren YouTube-Kanälen auch live miterleben. Zugegeben, die Tonspur ist ein bisserl eintönig und auf Dauer auch sehr nervig, aber mei... Religion ‑ gleich welcher Art - ist halt nur was für die ganz harten Marlboro-Cowboys.

Beim Nachdenken über die Hadsch und die Hadschis (m/w/d) bin ich in's Grübeln gekommen [3]. Die Hadsch ist die fünfte der fünf Grundsäulen des Islam, also wahnsinnig wichtig. Jeder Moslem (m/w/d) sollte mit aller Kraft danach trachten, den Ehrentitel Hadschi zu erlangen, der natürlich in dem Moment aufhörte, ein Ehrentitel zu sein, wenn die allermeisten Moslems Hadschis wären. Mit dem Ehrentitel Inhaber der Fahrerlaubnis der Klasse B kannst du schließlich auch keinen Eindruck schinden beim Aufriß von Frauen (m/w/d). Du verstehst?

Wirklich Kopfzerbrechen aber macht mir die Frage, wie das mit dem Hadschititel (m/w/d) bei Einwohnern von Mekka und dem näheren Umland ist. Ich mein, wenn jemand aus der Keupstraße in Köln nach Mekka radelt und dort den Teufel steinigt, dann ist das eine be8liche sportliche und spirituelle Leistung. Wie aber verhält es sich bei Bürgern der Stadt und des Landkreises Mekka? Du steigst in die Tram, fährst vier Haltestellen weiter bis zur Großen Moschee, wo du dann siebenmal um einen Steinwürfel läufst. Damit kannst du niemanden wirklich be1drucken.



[1]   Der Schleswig-Holsteiner wird andächtig den Berg betrachten, einen Österreicher beeindrucken die 61 Meter, die sich das Hügelchen über der Ebene erhebt, wahrscheinlich nicht so sehr.

[2]   Ich gehe davon aus, daß die saudischen Behörden in der staaden Zeit zwischen den Pilgertagen Unmengen von Kieselsteinen zum Heiligen Berg bringen müssen.

[3]   So ist das manchmal... du denkst dir nix Böses, schmunzelst so vor dich hin und plötzlich mußt du feststellen, daß du nachgedacht hast.

12.6.23

Atombombe auf dem Mond explodiert

Die Russen - wer sonst? - haben eine Atombombe auf dem Mond zur Explosion gebracht. Seht selbst. 

Die Folgen werden schwerwiegend und grauenvoll sein, das Ende wird kommen!

Bayreuth! Bayreuth!

9.6.23

Wie wieder einmal die Welt untergegangen ist

Sonntag auf Montag war ich auf einem Kreuzfahrtschiff. Plötzlich hat es vom Himmel Steine oder sonst etwas Ärgerliches geregnet, geblitzt und gedonnert hat's wohl auch. Die ganze Elektrik und Elektronik des Schiffes hat auf einmal nicht mehr funktioniert. Das Bemerkenswerte war, daß ganz schnell jedem klar war, daß von jetzt an überall auf der Welt die gleiche Art von Chaos herrscht und dieses Chaos sich auf keine Weise wieder besser würde. Ganz, ganz viele Menschen würden in relativ kurzer Zeit sterben, denn ohne Elektrizität funktioniert die heutige Welt nicht und zwar gar nicht mehr. 8 Milliarden Menschen können ohne Elektrizität nicht überleben.

Nach dem Erwachen dauerte es mehrere Minuten bis mir wirklich klar war, daß in meinem Zimmer die Elektrizität noch da war. Der Rest von Verstand, der noch in mir war, bewahrte mich davor, mich bei der Steckdose neben dem Bett mit Cunnilingus zu bedanken.

12.4.23

Herrn Hitlers Nachtmahr

Daß Herr Hitler die Zeit bis zum Ende der Ewigkeit in der Hölle absitzen muß dürfte niemanden verwundern. In der Hölle zeigt man Adolf Hitler in Endlosschleife Videos von Skinheads und anderen skurrilen AfD-Anhängern, denn in der Hölle ist man nicht zimperlich. Hitler leidet seitdem neben erhöhter Temperatur auch unter Dauerschluchzen. "Das sind meine Nachfolger? Das habe ich nicht gewollt", schluchzt er immer wieder.

5.1.23

Ehre und die Furcht vor ihr

"Wer ehrfürchtig ist", schrieb mir einst ein Ritter von der Traurigen Gestalt, "der soll die Ehre fürchten wie der Teufel das Weihwasser." 

Ich - schrieb ich ihm zurück - fürchte die Ehre und zwar so was von. "Ehre" ist eines der grauenvollsten Wörter wo gibt. Wo der Begriff "Ehre" ins Spiel kommt, riecht es ganz schnell nach Blut, kocht Gewalt hoch, werden dreckige, entehrende Spiele gespielt. Günstigstenfalls kommt der Anwalt eines Deppen, weil ich den Deppen "Depp" genannt habe.

Bleibt's mir weg mit der Ehre, bleibt's mir bloß weg.
Obwohl ich früher ein durchaus entspanntes Verhältnis zur Ehre hatte. Beim Kartenspielen in der Schule und im Fahrschülerzug [1] ging es nicht um Geld, jedenfalls nicht bei den Spielen, bei denen ich mitgespielt habe, ich habe zeitlebens nie - mals um Geld gespielt. Geld, so fand ich damals und finde es noch heute macht jedes Spiel kaputt, das heiter-flockige eine Spieles ist bei Anwesenheit von Geld dahin. Wir haben vielmehr um Ehre gespielt, Ehre in Form von Streichhölzern [2]. Wenn es um höhere Ehrenbeträge ging, wurden der besseren Übersichtlichkeit halber Ehrenscheine ausgegeben, 5 Ehren, 10 Ehren. Ich glaub, ich hab einmal auf einer einzigen Zugfahrt von 20 Minuten fast 100 Ehren verspielt. Es war eine verlotterte Zeit!
__________________
Die dänische Bankiersweisheit "Øre wem Øre gebührt" hat mit dem heutigen Thema natürlich nichts zu tun.



[1]   Ich habe nur Watten in der Standardform gespielt, mehr war für mich intellektuell nicht drin. Zwar spielt in Niederbayern jeder, wirklich jeder Depp Schafkopf, jedes Mal aber, wenn jemand versucht hat, mir die Regeln zu erklären, bin ich nach wenigen Sätzen eingeschlafen. Bis heute gehen mir Kartenspiele jeglicher Art großräumig am Ař vorbei.

[2]   Wissen die Jüngeren noch was Streichhölzer sind? Gg,gg (Googeln, gegebenenfalls).

1.1.23

Beten für den Papst

"Emeritierter Papst schwer krank - Im Regensburger Dom wird für Benedikt XVI. gebetet."

Würden die Menschen wirklich an Gott und die Katholische Kirche glauben, dann hätten die Menschen im Regensburger Dom dafür beten müssen, daß Ratzinger in den Himmel kommt. Wahrscheinlich aber haben sie gebetet, daß er doch nicht stirbt, inkonsequenterweise. Wir, die wir glauben oder irgendwann mal geglaubt haben wissen es: Diese Erde ist 1 Jammertal, durch unser verdammtes Leben in dieser Scheißwelt müssen wir uns einen Platz in der Ewigen Seligkeit verdienen. Unser Leben fängt erst an, wenn wir denn endlich tot sind und beim Himmivatta drobn. Wenn die Menschen wirklich an Gott und die Katholische Kirche glauben täten, würden sie auf Beerdigungen tanzen und juchezen, bei Geburten dagegen weinen.

7.9.22

Wie ich einmal aus Versehen schuld war am Weltuntergang

Alles begann damit, daß mir seinerzeit der Osterhase ein Boot geschenkt hat. Ich glaube zwar schon lange nicht mehr an den Osterhasen, aber seine Geschenke nehme ich immer noch gerne an.

Mit dem geschenkten Boot unternahm ich ausgedehnte Reisen. Es war ein Motorboot, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hatte, mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel, der weder die Giftpfeile irgendwelcher Eingeborener etwas anhaben konnten, noch die Gewehrkugeln der üblichen Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie mit einem Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Ananas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben.

Auf diese Weise lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erscheint mir bis heute unnötig, auf meinen Fahrten das Boot zu verlassen und damit die Welt in eigener Person zu bereisen. Zu viele Globetrottel habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug zu erzählen wußten, den sie sich bereits zuhause angelesen hatten. Warum also sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gibt, die dies schon vor mir getan haben und mir nur zu gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es einst Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

Irgendwann - um auch das noch zu erwähnen - hat mir einer der Professoren an der Uni gesagt, es hieße gar nicht Ananas, sondern Amazonas. Ananas sei vielmehr der Schwiegervater von Kaiphas gewesen, der damals die Kreuzigung Jesu betrieben hat und sich dadurch unsterbliche Verdienste um das Seelenheil aller  nachfolgenden Generationen erworben hat. Wikipedia nennt zwar den Schwiegervater von Kaiphas beharrlich Hannas, andere nennen ihn Ananias, das ist jedoch nur eine Machenschaft von IHNEN! Ich aber habe SIE! durchschaut.

Mein Multiplex-Boot hat Atomantrieb, wie der funktioniert ist mir nie klar geworden, ich habe das Boot regelmäßig zur Inspektion gebracht, das mußte reichen. Irgendwann, bei einem sehr unerfreulichen Zwischenfall - den ich hier nicht schildern möchte, umso weniger als ich mich nicht mehr dran erinnere - sind mir einige Krümelchen Atom über Bord gegangen. Die Krümelchen haben sich vermehrt und die so entstandenen Atomkrümelkrümelchen desgleichen und so weiter, und so fort. Und so ist aus dem Ananastiefland [1] inzwischen ein riesiges Atommüllzwischenlager geworden. Wegen der Atomhitze brennen die Wälder ab, wegen der Atomstrahlen sterben Mensch und Tier und in wenigen Jahren wird es keinen Ananas-Regenwald mehr geben. Brasilien wird die Ausfuhr von Sauerstoff stoppen und wir werden alle ersticken. Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes (angebratene Kochsalamiwürfel mit Weißen Bohnen und Spiegeleiern) werden wir schon nicht mehr hören. Drum, Leute, Bayreuth, Bayreuth [2]!

Ich geh jetzt mal kacken, das Ankündigen der Apokalypse ist doch sehr verdauungsfördernd, deswegen heißt es auch bis auf den heutigen Tag "Scheißweltuntergang".

 


[1]   Ich möchte keine Reklame für die Leuteschinder-Firma amazon machen und nenne den Fluß weiterhin Ananas.

[2]   Auf Hebräisch heißt das "Beirut, Beirut", auf Deutsch sagt man, glaub ich, "bereut, bereut".

27.4.22

Gebetsteppich im S-Bahnhof

Am Montag [1] sah ich im Untergeschoß Hauptbahnhof der Münchner S-Bahn einen ziemlich grauhaarigen, ziemlich alten Mann, der trotz seines Alters jünger war als ich. Er hatte ein buntes, zartduftiges Stück Stoff in den Händen, das er auswedelte und dann sorgfältig auf dem Steinfußboden ausbreitete.

Nanu.

Dann kniete er auf dem Stück Stoff nieder und beugte den Rücken tief nach unten. Die Szene, die mir eben noch als sehr bizarr und sinnlos erschienen war, bekam plötzlich einen Sinn. Der Mann war offensichtlich Moslem und jetzt war anscheinend eines der fünf täglichen Gebete fällig. Ich war nicht draufgekommen, denn ich hatte mir unter einem Gebetsteppich noch stets ein Stück Auslegware vorgestellt. Der Teppich hier sah mir eher wie ein kunstseidenes Halstuch aus. Ein echt seidenes Tuch war es sicher nicht, der Mann sah nicht aus, als müßte er sein Geld beisammenhalten.

Erst wollte ich mich innerlich über den Typen und sein bizarres Ritual lustig machen, dann fing er an, mir Respekt einzuflössen. Ich hätte wahrscheinlich nicht den Mumm, in aller Öffentlichkeit so was durchzuziehen. Es war keine religiöse Demonstration, er machte kein Tamtam er tat einfach.



[1]   Es spielt keine Rolle, welcher Montag es war, nicht zuletzt deshalb weil es bei genauerem Erinnern eh ein Dienstag war.

22.4.22

Gott und der Berliner Flughafen

Dieser Gott - Gott sei seiner armen Seele gnädig - hatte generell kein glückliches Händchen mit seiner Schöpfung. Ganz am Anfang passiert ihm das Malheur mit den abtrünnigen Engeln, die er in die Hölle stürzen muß, damit sie dort als Teufel den Betrieb übernehmen. Dann setzt er die Menschen ins Paradies, aber es haut nicht hin, er muß die Menschen wieder rausschmeißen. In seiner Verwirrung schmeißt er die Tiere gleich mit raus. Als Angestellter fliegst du wegen so was aus der Probezeit, einem allwissenden und allmächtigen Gott sollte so was nicht passieren.

Dann läuft ihm die aus dem Paradies geworfene Menschheit aus dem Ruder, er ertränkt fast alle Menschen und - in seiner Verwirrung - die Tiere gleich mit. Danach geht's genau so bescheiden weiter wie zuvor. Habe ich bereits Sodom und Gomorrha erwähnt?

Ein anderes Wort für GOtt? Pleiten, Pech und Pannen [1]

Ich wöhne arg, daß der Projektleiter für den Berliner Flughafen Gott persönlich war. Das würde einiges erklären.

 


[1]   Okay, das waren jetzt vier Wörter, das war meine Panne.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...