Dienstag, 27. Juli 2021

An die im Feld Gefallenen

Als Kind hörte ich öfter meine Eltern und Großeltern davon reden, mein Onkel Kurt sei 1945 im Feld gefallen und dann haben alle furchtbar geweint. Ich hab gedacht, das sei doch sehr übertrieben. Wie oft war ich nicht schon auf dem Feld hingefallen und hab mir das Knie angehaut? So was ist mißlich, gewiß, aber gleich so ein Geschiß drum machen...

Gendern auf Teufelin komm raus

Die Frauenbeauftragte der Berliner Humboldt-Universität hat durchgesetzt, daß die Klinik für Onkologie an der Charité künftighin Klinik für Tantologie heißen wird.

Ich hab nix gegen Frauen, ihr Schlampen, aber das geht zu weit.

Montag, 26. Juli 2021

Der Mensch an der Siedlungsgrenze

Mein erstes und womöglich einziges Erweckungserlebnis hatte ich an der Volksschule Gern. Die Volksschule Gern war eine vierklassige Volksschule, jeweils zwei Jahrgänge wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet.

Die Volksschule Gern gibt es längst nicht mehr, so wenig wie es die Gemeinde Gern noch gibt. Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war, gab es dagegen sogar zwei Gerns. Die Gemeinde Gern I bestand aus vier Ortschaften, im Jahr 1961 hatte die Gemeinde 861 Einwohner und eine Fläche von 222,4 Hektar. Gern II, die ländliche Version von Gern, bestand aus 21 (!) Orten, im Jahr 1961 hatte die Gemeinde 252 (!) Einwohner und eine Fläche von 482,48 (!) Hektar. Der Gemeindesitz war zu dieser Zeit in Oberdax, damals hatte fast jeder Einödhof seinen eigenen Bürgermeister. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde 1972 aufgelöst und in die Gemeinden Eggenfelden und Hebertsfelden eingegliedert.

Aber, klar, kein Schwein interessiert sich heute noch für die weiland Gemeinden Gern I und II, es hat sich schon damals kein Schwanz außerhalb von Gern I und II für Gern I und Gern II interessiert.

Warum ich dennoch davon erzähle liegt daran, daß irgendwann das Fräulein Treml krank wurde und der Rektor ihretwegen zwei Vertretungsstunden in unserer Klasse hatte. Der Rektor war normalerweise in der 7. und 8. Klasse zugange und hatte vermutlich deswegen keinen Plan, was er uns in der 3. und 4. Klasse hätte erzählen können. Er stellte zwei Tische zusammen, nahm die Schiefertafel aus dem Gestell und legte sie waagrecht auf die Tische. Er nahm weiße und bunte Tafelkreiden und kerbte mit seinem scharfen Taschenmesser die Spitzen jeweils so ein, so daß er jetzt mit einer einzig Bewegung zwei parallellaufende Striche hinzeichnen konnte.

Er nahm die weiße Kreide und zog ei­nen Doppel­strich quer über die liegende Ta­fel. Das, meinte er, solle die durch den Ortskern von Gern führende Straße dar­stellen. Dann setzte er ein rotes Viereck auf die Tafel, direkt an die Straße grenzend und sagte, das solle das Schulhaus sein, in dem wir uns grade befänden. Wir nick­ten verständig und er fragte uns, welche Straßen und Bäche und sonstige Dinge wir noch kennten. Er trug die­se Dinge dann in den all­mählich ent­ste­henden Ortsplan ein und so ent­stand vor un­seren Augen ei­ne Landkarte unserer unmittelbaren Umgebung. Nachhaltig beeindruckt hat mich, daß ich die Entstehung des Ortsplans miterleben durfte, der Zusammenhang zwischen der Welt und dem Bild von ihr hat sich mir unmittelbar erschlossen. Was für ein Lernerfolg!

Von da an war ich Landkarten und Stadtplänen verfallen. Auf der Couch liegend lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erschien mir unnötig, die Welt zu bereisen, es erscheint mir dies noch heute. Zu viele Globetrotter habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen [1] keine Ahnung hatten, welche von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug wußten.

1958, ich war 8 Jahre alt, war die Fußballweltmeisterschaft in Schweden, Weltmeister wurde Brasilien und der Stern von Pelè ging auf. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor den Stammgästen im Lokal von Brasilien. Diese Stammgäste meinten, ich solle doch nicht so daherreden, ich wüßte doch nicht mal, wo dieses Brasilien liege. Und ich erzählte ihnen von Brasilien und seiner Lage in Südamerika, dort spräche man Portugiesisch, anders als im übrigen Lateinamerika.  

Abends machte ich gerne ausgedehnte Reisen. Ich hatte damals ein Motorboot mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel. Weder die Giftpfeile der Eingeborenen konnten mir etwas anhaben, noch die Gewehrkugeln irgendwelcher Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie ein Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Amazonas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben.

Warum sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gab, die dies schon vor mir getan hatten und mir gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

Auf dem Gymnasium hatten wir den Diercke-Weltatlas, dort gab es eine Reihe exemplarischer Detailkarten diverser Weltgegenden. Eine der Karten trug den Titel "Der Mensch an der Siedlungsgrenze", sie zeigte eine Estancia im argentinischen Teil von Feuerland. Das Klima ist auf Feuerland dermaßen rauh, daß dort kein wirtschaftlicher Anbau von Getreide, Gemüse etc. möglich ist, sondern lediglich Viehzucht. Das Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäuden war eingezeichnet, selbst die Weidezäune. Ich liebe solche Detailpläne, wie gesagt.

Feuerland, das Land an der Siedlungsgrenze, liegt auf 54° südlicher Breite. Bei 54° nördlicher Breite landen wir in Schleswig-Holstein, nahe der dänischen Grenze. Forscher, die Schleswig-Holstein bereist haben, berichten, dort gäbe es durchaus Landwirtschaft. Und nördlich von Schleswig-Holstein liegt noch ganz Skandinavien. Das alles hat der Golfstrom gemacht.



[1]    Wußten Sie schon, daß Urologen zwar keine Ahnung von Tuten haben, umso mehr aber von Blasen?

Donnerstag, 15. Juli 2021

Chinesische Weisheit

 Ein Pils sagt mehr als 1000 Worte.



Mittwoch, 7. Juli 2021

Der Affentanz um das gegrillte Kalb

Die Meldung von dem Afrikaner [1], der in einem Wald in Oberbayern ein ganzes Kalb gegrillt hat, ist laut google bis heute in nur vier Medien aufgetaucht:

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/gaissach-ort28705/gaissach-mann-grillt-im-wald-ganzes-kalb-im-offenen-feuer-90807762.html

https://alpenwelle.de/regionale-nachrichten/gaissach-kalb-bei-offenem-feuer-im-wald-gegrillt/

https://www.journalistenwatch.com/2021/06/18/fremde-laender-sitten/

(Journalistenwatch ist eine Website, die von Ungarn (!!!) aus die Meinungsfreiheit im deutschsprachigen Raum verteidigt.)

https://www.fischundfleisch.com/ulrich-h-dittmann/ein-ganzes-kalb-im-wald-gegrillt-72434

Der "Münchner Merkur" ist das einzige halbwegs seriöse Medium, das über den Vorfall berichtet. Was aber wirklich auffällt ist das völlige Fehlen des Boulevard. Meldungen wie diese sind erfahrungsgemäß ein gefundenes Fressen für die regionalen Klatsch- und Tratschblätter, wie etwa die BILD-Zeitung, die Abendzeitung oder die "tz". (Die "tz" ist übrigens das Schwesterblatt des "Münchner Merkur").

Warum so gut wie die gesamte Lügenpresse den Vorfall verschweigt erklärt sich wahrscheinlich aus der Natur eines Kalbes. Ab 300 kg Lebendgewicht nennt man ein junges Rind nicht mehr Kalb, sondern Jungrind. Seien wir großzügig und nehmen wir an, das Kalb von Gaißach habe etwas über 200 kg gehabt. Der Kopf fehlte, also runden wir auf 200 kg ab. 200 kg, das sind zwei ziemlich schwergewichtige Menschen. Diese beiden Fettsäcke transportierst du nun gedanklich in einem Kinderwagen(!). Du merkst schon, daß die ganze Geschichte nicht stimmen kann, die Naturgesetze stellen sich quer. Die Geschichte ist erstunken und erlogen, der Redakteur hat sie sich aus den Fingern gesogen.

Und der Blogautor von "Fisch und Fleisch" war so einfältig, die Story zu glauben.



[1]   Der Afrikaner ist inzwischen als ein gewisser Roger Whittaker https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Whittaker https://www.youtube.com/watch?v=sGWs1HK8iDU identifiziert worden.

Dienstag, 1. Juni 2021

Baaderstraße und Meinhofplatz

Den 2. Juni kennt natürlich jeder, der 2. Juni ist jener Tag, der auf den 1. Juni folgt. An den 2. Juni 1967 dagegen können sich die wenigsten noch erinnern, vor allem nicht die Jüngeren.

Am 2. Juni 1967 war der Schah von Persien zu Besuch in Berlin, damals eine unbedeutende Provinzstadt zwischen Polen und Potsdam. Es gab Unmutsäußerungen gegen den Schah, im Zuge dieser Unmutsäußerungen erschoß Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras, im Nebenberuf Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Staatssicherheitsdienstes (StaSi), den Studenten Benno Ohnesorg.

Von diesem 2. Juni 1967 nahm die Terrororganisation [1] "Bewegung 2. Juni" ihren Namen, aus der "Bewegung 2. Juni" entstand dann die "Rote Armee-Fraktion (RAF)", aka "Baader-Meinhof-Gruppe", in Sicherheitskreisen gerne auch "Baader-Meinhof-Bande" genannt.

 

Wie auch immer: Wenn du in München Bus fährst, kommst du in der Nähe des Gärtnerplatzes an die Haltestelle "Baaderstraße" und du freust dich schon auf den Meinhofplatz, der aber nie kommt. Daß diese Bayern aber auch nie was ordentlich zu einem Ende bringen können.

Anonyme Gscheidhaferl [2] haben mich drauf hingewiesen, daß die Baaderstraße merkwürdigerweise nicht nach dem allseits bekannten Andreas Baader benannt ist, sondern nach einem gewissen Franz von Baader, den heute, im Gegensatz zu Andreas, kein Schwein mehr kennt. Aber gut, dafür sind Straßennamen schließlich da, daß sie an Leute erinnern, die man längst vergessen hatte.

In München etwa gibt es die Paul-Heyse-Straße, mit der Paul-Heyse-Unterführung unter dem Hauptbahnhof. Frag mal in München einen Passanten nach Paul Heyse... Wenn du nicht grad zufällig einen Germanisten erwischt, dann erntest du als Antwort nur ein Achselzucken. Dabei war der Heyse Paul immerhin Literaturnobelpreisträger (1910).

Aus Übermut habe ich nach einem Meinhofplatz gesucht und eine Ulrike-Meinhofstraße in 17248 Lärz gefunden, die zum Müritz-Flugplatz führt.

Der Casus schien mir denn doch zu toll und ich recherchierte ein bißchen. Ich fand eine Karte, die mir zeigte, daß in die Ulrike-Meinhofstraße der Ho-Chi-Minh-Pfad mündet. Ich mein, ich bin ja ein ziemlich gutgläubiger Mensch, nicht selten hart an der Grenze zur Einfalt, aber das glaub nicht einmal ich.



[1]   Was immer eine Terrororganisation genau ist. "Ein Terrorist ist jemand, der eine Bombe besitzt, aber keine Luftwaffe." (Ein "Guardian"-Leser am 23.04.86)

[2]   Die Anonymität nützt ihnen gar nix, ich kenne sie alle!


Sonntag, 30. Mai 2021

Impf 65 Eberhard Im Paradies

Gut wenn du Schwein hast, vor allem im Paradies.

 

Montag, 17. Mai 2021

Der Diercke-Weltatlas, der Knochenbrecher

Als ich noch der Wald­bau­ern­bub war hatten wir in der Schule den Diercke-Welt­atlas. Der Diercke Welt­atlas galt als Kno­chen­brecher, denn zwei- bis viermal die Woche muß­ten wir ihn im Schulranzen von zuhause in die Schule schleppen und wieder zu­rück. Viele von uns haben die Schulzeit trotzdem oh­ne größere Schäden hinter sich gebracht, einige dagegen hat es bös erwischt. Sie sind mißgestaltet und müssen sich als Glööckler durch's fernere Leben schlagen.

Das Bemerkenswerte an un­se­ren Schul­ran­zen war der Umstand, daß die Ranzen umso praller gefüllt und deshalb schwerer waren, je jünger die Kinder waren. Vor Schulen und an Schulbus­haltestellen kannst du Zehnjährige beobachten, die den Diercke-Weltatlas und die ganze Last menschlicher Existenz auf ihren niedergedrückten Buckeln tragen, es ist zum Gotts­erbarm. Vor einigen Jahren habe ich an einer Bushaltestelle (wo sonst?) zu einer Gruppe junger Menschen an der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen gepredigt, alle hatten sie Ranzen und die meisten davon waren ersichtlich schwer. "Höret, Kinder", sagte ich ihnen, "laßt euch an Weihnachten oder zum nächsten Geburtstag einen Einkaufstrolley schenken. [1] Dann könnt ihr künftig den Diercke-Weltatlas ebenso bequem hinter euch herziehen wie ich."

Das ginge nicht, sagte man mir. - Weil? - Weil wegen diesem und jenem und aus vielerlei anderen Gründen. In Wirklichkeit, sehen wir die Dinge doch mal realistisch, sind Trolleys so was von uncool, das glaubst du nicht. Trolleys sind Nachzieh-Rollatoren. Inzwischen habe ich meine Geschichte von der Trolley-Predigt einigen Leuten erzählt und noch jeder hat behauptet, was ich denn hätte, es gäbe inzwischen doch schon nicht wenige Schüler, die von Ranzen auf Trolleys umgestiegen seien. Die Sache erinnert ein bisserl an das Ungeheuer von Loch Ness - jeder kann was darüber erzählen, gesehen hat es noch keiner.

Der letzte Satz gilt im übrigen - merk ich grad - ebenso für den Lieben Gott.



[1]   Viele Jahre, nachdem es der Menschheit gelungen war, auf dem Mond zu landen, war ein genialer Erfinder auf die Idee gekommen, einen Satz Räder unter Koffer und ähnliche Behältnisse zu schrauben, um damit den Transport erheblich zu erleichtern.

Freitag, 14. Mai 2021

Herrensprache

Im Herbst 2020 habe ich unter dem Titel "Die Bürde des Menschen ist unantastbar" einen kleinen Artikel zu einem Nebenaspekt der Kolonialgeschichte  hier eingestellt. Ich hatte nämlich in der Wikipedia folgendes Bild gefunden:

Die Bildunterschrift von Wikipedia ist "Britischer Kaufmann, von einer Frau aus Sikkim, West-Bengalen, auf ihrem Rücken getragen, ca. 1903"

Der Großintellektuelle von "Fisch und Fleisch", Wirtschaftsexperte und Philosoph, hatte hierzu einen Kommentar unter sich fallen gelassen: "Der Gentleman hat der Dame einen ehrlichen Job verschafft, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen kann. Ein Revoluzzer würde stattdessen den Herrn erschießen, und die Dame anschließend in Würde verhungern lassen. Beides ist doof, aber letzteres tödlich. Wer nur mit dem Herzen denkt, denkt gar nicht."

Eine Dame antwortete ihm: "Entweder man erschießt den 'Gentleman' (...) oder die Dame verhungert. Das ist Logik vom Feinsten."

Ich antwortete wiederum ihr, denn dem Großintellektuellen, Wirtschaftsexperten und Philosophen antworte ich schon länger nicht mehr direkt:

Das ist Herrenlogik. Das Weltbild der Herren (m/w/d) geht davon aus, daß sie es sind, die Ordnung in eine ansonsten wilde und heillos wirre Welt bringen. Daß sie es sind, die dem Volk Arbeit geben, weswegen sie sich auch Arbeitgeber nennen, die Arbeiter dagegen Arbeitnehmer, ganz so als seien Arbeiter Empfänger einer großzügigen Spende, ganz so, als würde der Arbeitgeber den Arbeiter "in Lohn und Brot setzen" und nicht umgekehrt [1].

Die Sprachlüge geht weiter. Bei den Sozialabgaben gibt es einen Arbeitgeber-Anteil, ganz so, als würde der Chef die Hälfte meiner Arbeitslosen- und Krankenversicherung aus seiner Tasche bezahlen. In Wirklichkeit ist es so, daß ich 100 % Arbeitsleistung (Mehrwert) gebe und als Entlohnung 70 oder 80 oder 90 % des von mir erarbeiteten Mehrwerts erhalte. Das ist das Grundgesetz des Kapitalismus, wäre es anders gäbe es für mich als Unternehmer nicht mehr den allermindesten Grund, Leute einzustellen. Auch der Arbeitgeber-Anteil ist vom Arbeitnehmer erarbeitet, natürlich.

Es muß inzwischen auch dem allergrößten Idioten aufgefallen sein, daß Unternehmer umso reicher sind, je mehr Arbeiter sie beschäftigen. Das muß einen Grund haben, wer ihn rausfindet ist danach ein Stückerl schlauer.



[1]   An dieser Stelle möchte ich anmerken, daß ich fast mein ganzes Berufsleben lang Unternehmer war. Ich war der Kapitalist und gleichzeitig mein eigener (und einziger) Prolet. Du merkst den Denkfehler, den ich gemacht habe?

Montag, 10. Mai 2021

Ein Blumenstock und die Sprache

Noch heute hört man in diesem Land ganz, ganz merkwürdige Laute, hier zum Beispiel über die Stadien des Eingehens eines Blumenstockes, den man nicht mehr gießt:

Zerscht dadrickadada

Na dadiadada

Und dann dabräsldada.

Sonntag, 9. Mai 2021

Cuchulainni

Vor einem Monat war es Urumtschi, heute ist es Cuchulainni. Ich wache nach dem Mittagsschläfchen auf und im Kopf ist das Wort "Cuchulainni". Wie schon bei "Urumtschi" habe ich keine Ahnung, was das Wort bedeuten könnte. Aber ich bin mir sicher, daß es das Wort gibt und so befrage ich das O'Rakel von Google.

Cuchulainni gibt's nicht, aber: "Cú Chulainn [kuːxuɫin̠ʲ] (irisch: "Hund des Culann", nichtirische Schreibung auch Cuchulain, Cúchulainn, Cuchulinn oder Cuchullin) ist eine Figur aus der keltischen Mythologie Irlands. Er ist der bedeutendste Kämpfer und Held der Kriegervereinigung vom „Roten Zweig“, den Gefolgsleuten von Conchobar mac Nessa, einem sagenhaften König von Ulster, der um Christi Geburt regierte. Cú Chulainns Taten wurden im irisch-gälischen Ulster-Zyklus, einer Sammlung alt- und mittelirischer Erzählungen, aufgezeichnet. (Wikipedia).

Also, geht doch.

Montag, 3. Mai 2021

Gottesmutter süße

Meerstern ich dich grüße, oh Maria hilf!

Gottesmutter süße, oh Maria hilf!

Dieses Lied hat mich schon als Bub irritiert, und ich war ein sehr frommer Bub, wollte Priester werden. Ich mein, "Süße" sagt man zu seinem Schatzili, aber doch nicht zu einer Respektsperson wie immerhin der Mutter Gottes. So traust du dich ja nicht mal die Merkel anzureden.

Bei der Gelegenheit fällt mir die Hl. Teresa ein. Teresa von Avila [1] war eine Frau von immer schon äußerst schwacher Gesundheit (was sie nicht gehindert hat, 67 Jahre alt zu werden, sehr viel für damalige Zeiten). Als ganz junge Frau war sie sogar schon mal für tot gehalten worden. Sie trat in den Orden der Karmeliterinnen ein, nahm also (ganz offensichtlich freiwillig) ein Leben ohne Sexualität und irdische Erotik auf sich. Erfahrung lehrt uns, daß leibliche Begierden nicht einfach dadurch verschwinden, daß man sie nicht mehr haben möchte.

Wo also geht dieser nicht ausgelebte Trieb hin? Bei frommen Menschen geht er nicht selten in die Liebe zu Gott, zu Christus, zur Madonna (zur richtigen Madonna, nicht zu Madonna Louise Ciccone), ich sag das jetzt ganz ohne Spott und Häme.

Der spanische Film-Regisseur Luis Buñuel wurde in einer Jesuitenschule erzogen. Er erzählt, die Mönche dort hätten ihre Zöglinge dazu ermuntert... Also, wenn sie denn schon unbedingt masturbieren müßten, dann sollten sie dies vor einem (realen oder vor­ge­stell­ten) Bildnis Mariens tun. Das klingt jetzt sehr nach Blasphemie, der längst zum Atheisten gewordene Buñuel selbst zeigte aber im Rückblick viel Verständnis für diesen Trick seiner Erzieher. Ein absolut genialer Schachzug, meinte er, unvermeidliche fleischliche Begierden, die - aus welchen Gründen immer - nicht sachgemäß befriedigt werden können oder dürfen, auf eine spirituelle Ebene zu heben.

Was ich gerne mal anmerke: Katholische Frömmigkeit ist nichts für Weicheier.

Als ich noch der Waldbauernbub war habe ich mich unsterblich in diese Frau verliebt. Es war eine tragische, eine hoffnungslose Liebe, Uta von Bal­lenstedt war eine verheiratete Frau, zudem eine Adelige. Vom Alters­un­terschied (ca. 950 Jahre) will ich gar nicht erst reden. Wenn ich an sie denke entringt sich mir noch heute ein stilles Schluchzen.

Ach.



[1]   Teresa starb übrigens in der Nacht vom 4. auf den 15. Oktober 1582. Astronomisch gesehen war es eine ganz normale Nacht, allerdings griff am selben Tag die Gregorianische Kalenderreform.

De mortuis nil nisi bene

StGB [1] § 189 Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener

Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wer denkt sich eigentlich solche Gesetze aus? Als ich noch der Waldbauernbub war, hab ich mich - unter anderem wegen dieses Spruches - oft gefragt, ob die Erwachsenen nicht allesamt verrückt sind. Wie lang, so fragte ich mich damals, muß eins tot sein, damit man über ihn ungestraft schimpfen darf? Gut, daß man auf der Beerdigung vom Lindinger Sepp keine Rede halten sollte, in welcher der Sepp als genau der Sauhund dargestellt wird, der er im Leben war - das hat mir schon eingeleuchtet. Aber wenn er mal eine Woche tot ist... ist das noch zu früh für die Wahrheit? Oder braucht's dazu einen Monat, ein Jahr?

Oder nimm Osama Bin Laden. Osama Bin Laden ist tot [2], ist es pietätlos zu sagen, daß die Welt ohne ihn ein winzebißchen freundlicher geworden ist durch seinen Tod? Oder Idi Amin Dada, Hanns-Martin Schleyer, Adolf Hitler, Leopold II. von Belgien [3].

De mortuis nil nisi bene... freilich. Aber, noch mal: Wie lang muß einer tot sein, ehe man ihn wieder so kritisch beurteilen darf, als lebte er noch? 



[1]   Deutsches Strafgesetzbuch.

[2]   Fast hätte ich geschrieben: "...zweifellos", aber bei Bin Laden weiß man das nie so genau, so oft wie der schon tot war.

[3]   Kongo, eh schon wissen.

Kein Führerschein für Ostfriesen

Die Geschichte dieses Friesen könnte man zur Not in der Rubrik "Lustig" einsortieren. Um die gleiche Zeit las ich von einem Menschen in Kalifornien, der 40 Jahre in der Psychiatrie verbringen mußte, weil er sich in keiner anständigen Sprache verständlich machen konnte. Ein Psychiater kam schließlich hinter das Rätsel: Der Mann war Chinese.

Systematischer Fehler beim Depperltest

Bei der MPU [1] müssen die Probanden einen ziemlich anstrengende Reaktionstest absolvieren. Sie bekommen verschiedene Farb‑/Lichtsignale, auf die Sie entsprechend reagieren müssen, dazu zwei Töne. Ertönt der dumpfe Brummton drücken Sie auf die Taste mit dem Buchstaben T für tief, hören Sie dagegen den schrillen Pfeifton, so drücken Sie auf H wie hoch.

Nun waren mir immer wieder Testauswertungen mit relativ schlechtem Gesamtergebnis aufgefallen, die gute bis sehr gute Ergebnisse bei den optischen Signalen zeigten, bei den beiden Tönen dagegen dramatisch abfielen, ganz auffallend viele Fehler und Verzögerungen zeigten. Meine erste Vermutung war Schwerhörigkeit, die sich aber nie bestätigte. Auf Nachfrage, woher das schlechte Ergebnis bei den Tönen und nur bei den Tönen kommen könnte, zeigten sich die Probanden selber ratlos.

Erst nach einiger Zeit kam ich auf die Lösung.

Das Wort "hoch", das sich auf den schrillen Pfeifton bezieht, ist ein dumpfes Wort mit einem tiefen "O" als Vokal. Das Wort "tief" dagegen, an das ich bei dem dumpfen Brummton denken soll, ist ein schrilles Wort mit einem hohen "I" als einzigem Vokal. Leicht denkbar, daß sich gerade musikalische Menschen mit einem Gefühl für Töne von diesen Worten, die so gar nicht zu den Dingen passen wollen, die sie beschreiben, irritieren lassen.

Ich machte die Probe aufs Exempel. Ich befestigte einen Zettel neben dem "T", auf den ich das Wort "Brumm" schrieb, zusätzlich versehen mit einer schönen, runden Sinuskurve. Neben die Taste mit dem "H" schrieb ich "schrill", zusätzlich noch mit einer zackigen, harten Linie.

Und tatsächlich änderte sich bei diesem zweiten Versuch das Testergebnis dramatisch. Die Werte für die Töne hatten sich jetzt den übrigen Werten angepaßt, das Gesamtergebnis war deutlich besser geworden.

Tags drauf war der Zettel wieder verschwunden.



[1]   Medizinisch-Psychologische Untersuchung, auch als Depperltest/Idiotentest bekannt.

Schimpfliches Gejammere

Unlängst habe ich auf Facebook - wo sonst? - gelesen:

Erschrocken bin ich zusammengezuckt. So schlimm ist es schon?

Zuerst hatte ich nämlich gelesen: "Jede Minute werden 438 Menschen geschimpft". Das kommt davon, weil mich

* immer

* jeder

* wegen allem

schimpft.

Mittwoch, 28. April 2021

Wie ich erneut als Rassist und Haßprediger enttarnt worden bin

Weil ich so geschickt bin, kann ich mich normalerweise hinter meiner erprobten Maske aus frecher Freundlichkeit und tückischer Toleranz ganz gut verstecken. Aber manchmal kommen sie mir halt doch dahinter, zum Beispiel YouTube, und davor war es die Redaktion des Freitag. Vor einigen Jahren ham sie mich nämlich beim "Freitag" wegen Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit endgültig rausgeworfen, nachdem ich zuvor bereits einige zeitlich begrenzte Sperren kassiert hatte. Seither muß ich mich als Ewig Verfluchter in einem Schmuddelforum wie "Fisch und Fleisch" herumtreiben. Gut, andererseits erspart mir das vermutlich tausende von Jahren im Fegefeuer.

Was war passiert?

Anfang September '20 hatte ich in meinen YouTube-Channel "Der Impfluen­zer" den Video-Clip "Das beleidigende Wort 'Farbiger'" eingestellt.

Dieser Clip wurde kurz darauf von YouTube vom Netz genommen, weil er gegen die Community-Richtlinien verstoße.

Der einzig denkbare Grund für diese Maßnahme ist mein Untertitel: "Im Vergleich zu 'Farbiger' hört sich 'Nigger' richtig nett an." Aber auch diese Begründung wäre sehr merkwürdig, deuten doch die Anführungszeichen darauf hin, daß es in diesem Video gar nicht um den "Nigger" als böses Schimpfwort geht, sondern um das Wort "Nigger". Vermutlich hat - wie das bei YouTube, Facebook etc. pp. häufig vorkommt - ein automatisches Bäh-Wort-Erkennungsprogramm zugeschlagen.

Die Argumentation im Video selber geht nämlich in etwa so:

"Farbiger" ist alles andere als PC-konform. Mit der Vokabel "Farbiger" bezeichnet man gemeinhin ja nicht nur einen "Neger", wie dunkel oder hell seine Haut immer sein mag, sondern jeden, der kein Europäer vom "kaukasischen Typ" [1] ist, also Menschen aller möglichen Hautfarben. Damit teilt man die Menschheit in zwei Gruppen ein: Die Weißen [2] einerseits und andererseits die anderen, all die anderen. Wir sind die Referenz-Menschen, an denen alle anderen gemessen werden. Rassistischer geht es nicht mehr.

Ich habe mich bei YouTube beschwert und aus obigen Gründen um eine Rücknahme der Löschung gebeten. Man antwortete mir: "Vielen Dank für das Einreichen deiner Videobeschwerde bei YouTube. Nach einer weiteren Prüfung haben wir festgestellt, dass dein Video gegen unsere Community-Richtlinien verstößt. Dein Kanal hat deshalb eine Verwarnung erhalten."

Whoops, das war's. Eher nämlich geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als daß du bei einem Kommunikations-Giganten Gehör findest.



[1]   Was immer das ist.

[2]   Was immer das ist.

Samstag, 24. April 2021

Impf 63 Ungefähre Wahrheit

Der Kunstgriff, kleine Abweichungen von der Wirklichkeit für die Wirklichkeit selbst zu nehmen, worauf die ganze Differentialrechnung beruht...

Impf 62 So vermeide ich Trunkenheit

Ein Glas nach dem andern und trotzdem nüchtern bleiben

Impf 61 Wie ich einmal fast ein Kulturschmock geworden wäre

Über den Zusammenhang zwischen Rauchen, Saufen und Kreativität

Donnerstag, 15. April 2021

Schuhlos in der Fremde

Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Dachboden im Haus meiner Mutter ein paar wunderschöne Schuhe gefunden, Wildleder, Marke Mephisto [1]. Es seien, hieß es, Schuhe meines Vaters, der vor damals 12 Jahren verstorben ist. Da die Schuhe ausgezeichnet erhalten waren, kaum Gebrauchsspuren zeigten [2], habe ich sie mitgenommen, um sie künftig als "gute Schuhe" für besondere Anlässe zu nutzen.

Wenige Wochen später war der Anlaß für gute Schuhe gegeben, ein beruflicher Termin in Berlin. Hei, wie war ich froh, daß ich so schöne Schuhe hatte.

 

Spät am Abend bin ich also zum Bahnhof gefahren und während ich auf den Zug wartete, bin ich nach meiner Gewohnheit auf dem Bahnsteig auf und ab gegangen, denn sitzend zu warten macht mich meist sehr ungeduldig. Der Zug kam und ich stieg ein. Als ich im Zug, noch an der Einstiegsplattform, den ersten Schritt gemacht habe, hatte ich das merkwürdige Gefühl, es klebe etwas ziemlich Großes und Weiches an meiner linken Sohle und behindere mich beim Gehen. Scheiße? Ich bin auf dem Bahnsteig in Scheiße getreten? Wär's möglich?

Ich schaute nach und mußte feststellen, daß diesmal - und ausnahmsweise - die Scheiße unschuldig war an meinem Problem. Vielmehr hatte sich die Sohle des rechten Schuhs teilweise gelöst und hing nun zur Hälfte, locker schwingend, herunter. Notgedrungen schlurfend mußte ich zu einem Sitzplatz gehen, mir dort die Bescherung näher zu betrachten.

Die Sohle hatte sich nicht etwa glatt vom Schuh gelöst, sondern der ganze Bereich zwischen dem eigentlichen Schuh und der Sohle war durchlöchert und zerfressen, so als hätten sich Mäuse oder gar Ratten drüber hergemacht. Und: Beim linken Schuh war genau das gleiche zu sehen, die Sohle war zwar noch dran, aber es war klar, daß das nicht mehr lange gut gehen würde.

Während ich nun fuhr und saß und Zeit hatte, nachzudenken, tat ich genau das, ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen.

Als ich Wochen später meiner Schwester davon erzählte, meinte sie, ja, das kenne sie. Dasselbe sei ihr mal während einer Wanderung zu einer Berghütte passiert.  Das liege an irgendwelchen Weichmachern in der Plastiksohle, die Weichmacher entwichen im Laufe der Jahr und irgendwann sei dann die Schuhsohle so spröde, daß sie sich vom eigentlichen Schuh löse.

Seither ziehe ich ständig einen Einkaufstrolley hinter mir her, in welchem sich ein paar Ersatzschuhe befinden, sicherheitshalber ganz aus Leder.

 



[1]   Mephisto ist der typische Rentnerschuh, was ich damals aber noch nicht wußte.

[2]   Wann hätte ich meinen Vater je mit Wildlederschuhen gesehen?

Mittwoch, 14. April 2021

Bilder auf Deibel komm raus

Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war als heute ist einmal in einem kleinen Ort bei Passau eine alte Frau spurlos verschwunden. Zwei Monate später hat man die 81jährige gefunden - tot. Ein Leichenspürhund der Polizei hatte sie in einem Waldstück entdeckt, anscheinend ist sie eines natürlichen Todes gestorben. So weit, so gut. Na, nicht gut, aber doch unvermeidlich. Irgendwann müssen wir alle abtreten und den Zeitpunkt, jung und tragisch zu sterben, hatte die alte Dame eh bereits verpaßt.

Die "Passauer Woche", das regionale Anzeigenblatt, hat darüber berichtet und auf ihre Titelseite dieses Bild gestellt. Was sehen wir: Eine alte Frau, an der absolut nix Auffälliges ist. Aber gut, für Verwandte oder Bekannte könnte das vielleicht eine Information sein: "Das ist doch die Tant Olga!" Damit diese einzig interessante Information nur ja nicht rüberkommt hat eine fürsorgliche Re­dakt­i­on das Gesicht verpixelt. Jetzt könnte das Bild auch meine Tant Olga (die eigentlich meine Großtant war) darstellen, die einstige Erzieherin der Prinzessinnen  und Prinzen  in Vaduz, Liech­tenstein [1].

Das Bild hat im Rahmen dieser Berichterstattung so viel Informationswert wie ein Bild von - sagen wir mal - deiner Mumu oder deinem Schnäbi.

 

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[1]   Wanderer, kommst du nach Liechtenstein / Tritt nicht daneben, tritt mitten rein.

Dienstag, 13. April 2021

Ein Duschkopf aus Österreich

Ich mein, das ist ja erfreulich, daß ein Glatzkopf so viel von was auch immer verkauft.

Aber ihn deswegen als Duschkopf zu verhöhnen ist vielleicht doch ein bisserl respektlos.

Meine Firmung

Ich habe noch mein Kommunionbild. Jetzt ist es sogar im Internet zu besichtigen, leugnen ist also zwecklos. Sie sehen, wie verkrümmt, ja frivol ich dastehe, als würde ich im nächsten Moment lostanzen, wie in einem Broadway-Musical. Am streng lotrecht fal­len­den Vorhang im Hintergrund kann man erkennen, wie schief ich die Kommunionkerze halte. Ich kann mich noch erinnern, wie der Photograph mit bewundernswerter Geduld versucht hat, sowohl mich als auch die Kerze in korrekt lotrechte Position zu bringen. Wenn es ihm gelungen war, ist er zur Kamera geeilt, den Auslöser zu drücken. Ein kurzer Blick in den Sucher... und er hat nicht abgedrückt. Es ist ihm nicht gelungen, mich für auch nur wenige Sekunden gerade zu biegen, er mußte dann das Bild nehmen, auf dem die Kerze und ich noch am wenigsten schief standen.

Damit wir uns recht verstehen: Ich liebe die Geometrie, ich schätze den rechten Winkel hoch, aber nur auf dem Rechenblock, nicht im wirklichen Leben. Bei der Erstkommunion habe ich es noch geschafft, dem Terror des Rechten Winkels zu entgehen, bei der Firmung zwei Jahre später hat es mich dann aber doch erwischt.


Ich erschrecke noch heute, wenn ich mein Firmbild sehe und ich erschrecke noch mehr, wenn ich Kommunion- und Firmbild gegenüberstelle. Was für ein unbändiger, fröh­licher Bub in dem einen Bild und was für ein Schrat im anderen. Mein eigener Opa hat damals lebenslustiger auf seine Mitmenschen gewirkt als ich hier. Ich schaue aus, als wäre ich bemüht, überhaupt keine körpersprachlichen Signale auszusenden: "Überseht mich einfach!"

Gott, was hatte ich an diesem Tag aber auch aus­zu­ste­hen. Das ging mit dem Anziehen des Guten Anzugs los, das entsetzliche Schmieserl dann. Noch heute drücke ich mich vor dem Anlegen des Guten Anzugs, wann immer es möglich ist. Gottlob ist es oft möglich, nur bei Beerdigungen und Hochzeiten kommst du dem Anzugterror kaum noch aus.

Beim Betrachten meines Firmbildes meinte bei anderer Gelegenheit jemand: "Mit den weißen Schuhen erscheinst Du modisch derart weit vorne, dass es nur so scheppert." Noch heute zucke ich verstimmt zusammen, wenn mich jemand "modisch gekleidet" oder "schick" schilt. Okay, inzwischen habe ich es geschafft, daß kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dergleichen Urteile über mich zu sprechen.

 

Um zu guter Letzt doch noch auf die theologischen Gesichtspunkte der Firmung zu kommen:

Die Firmungszeremonie dauerte etwa drei Stunden (kein Witz), man hatte - damit die Feier nicht gestört würde - die Kirchentüren verschlossen (auch kein Witz) und kündigte dies auch zu Beginn der Feierlichkeiten an. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, bei mir führt das auch nur indirekte Andeuten möglichen Harndrangs zum sofortigen Einschießen des Harnes in den Harnleiter. "Am Harne hängt, zum Harne drängt doch alles", meinte hierzu der Altmeister.

Wenige Minuten nach Beginn der Zeremonie verspürte ich das Bedürfnis zu urinieren, ein Bedürfnis, das im Laufe der drei Stunden nicht milder wurde, sondern stärker und stärker und mich verhinderte, an Gott zu denken. Wiewohl ich damals ein frommer Junge war, war all mein Denken in diesen drei Stunden auf Penis, Harnleiter und Blase gerichtet und jegliche Konzentration galt dem Bemühen, den Schließmuskel dicht zu halten. Jetzt nur nicht, mitten in der Kirche und mitten in der Firmung einbrunzen! Der anschließende Besuch des Pissoirs und das Abschlagen des überreichlich gewordenen Wassers war einer der schönsten Momente meines Lebens und ist es bis heute geblieben.

Am Nachmittag besuchte ich mit meinem Firmgöd, dem Ramerscheid, diverse Wirtshäuser zwischen Wurmannsquick und Eggenfelden. Ich kannte weder die Wirtschaften noch die Männer, die dort hockten, wohl aber kannte diese mein Firmgöd, der dort in gemütlicher Runde jeweils reichlich Bier zu sich nahm. Von Straßenverkehr und Alkohol wußte ich damals noch nicht viel, noch kannte ich den Zusammenhang zwischen Alkoholisierung und Fahrtüchtigkeit, so daß mir wenigstens die Angst bei den Fahrten erspart blieb.

Daß der Ramerscheid gar nicht Ramerscheid hieß erfuhr ich erst auf seiner Beerdigung, wenige Jahre später. Auf dem Land in Niederbayern ist es nämlich - immer noch, wie mir versichert wurde - üblich, einen Bauern nicht mit dem Familiennamen zu bezeichnen, sondern mit dem Flurnamen seines Hofes. Hättest du in Hebertsfelden gefragt, wo denn der Herr Hopper wohne, so hättest du ratloses Schulterzucken geerntet, wenn du nicht zufällig den Postboten oder den Standesbeamten der Gemeinde gefragt hättest.

Die Ästhetik der Fabrikhalle

Was mag wohl dieses Bild darstellen? Wenn du nicht so ganz genau hinsiehst, magst du es auf den ersten Blick für einen Ausschnitt aus einer Werkshalle halten. Diese kühle, blitzende Eleganz, die dich frösteln läßt. An diesem eiskalten Eindruck vermag auch die merkwürdige Pflanze im Vordergrund wenig zu ändern. Genau genommen verstärkt sie den Eindruck bloß, weil natürlich durch den Kontrast die Wirkung des blitzenden Me­talls nur umso stärker rauskommt.
Und dann die Werkshalle aus einer anderen Perspektive und mit "Arbeiterin".

Es ist ein Fitness-Studio, verdammt, tatsächlich ein Fitness-Studio. Und was das wirklich Verrückte an der Sache ist: die beiden Fotos stam­men nicht etwa aus einer kritischen Illustriertenreportage über eiskalte Fit­neß­fab­riken, sondern aus dem Werbeprospekt eines Regensburger Fitneß-St­udios.

Abenteuerlich, so was! Da verbringen die Leute ihre Arbeitstage in irgendwelchen Fabrikhallen, wo irgendwelche Maschinen vor sich hinstampfen oder in Büros, wo blitzende Computer ihnen einen fremden Rhythmus aufzwingen - und kaum sind sie draußen, in der heiß ersehnten Freizeit, setzen sie sich in ihre Autos, fahren zum nächsten Fitness-Center und setzen das enervierende rhythmische Stampfen fort. Aber was willst du auch von Leuten erwarten, die sich freiwillig in einer Disco [1] dem Stampfen der Techno-Musik [2] aussetzen?

 



[1]   Hoppala, man sagt jetzt Club, wurde mir hinterbracht.

[2]   Für Techno-Musik sagt man inzwischen bestimmt auch anders. Heutigentags sagt man alle 20 Jahre anders. Statt Burma sagt man jetzt Myanmar, statt Hysterie heißt es jetzt dissoziative Störung und histrionische Persönlichkeitsstörung, für Neger sagt man... wie eigentlich? In Babylon - die Älteren werden sich noch erinnern - mußte noch GOtt einschreiten und die Sprache der Menschen verwirren, so daß keiner mehr den anderen verstand, heute müssen das die Menschen (GOtt ist tot!) selber machen.

Sonntag, 11. April 2021

Von der Sinnlosigkeit des Tötens im Krieg

Aus dem Stück "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl... nein, doch nicht, sondern bloß von Wolfram Heinrich.

Im Feld-Hauptquartier vor Ort in Afghanistan

GENERAL Hömma, Obergeneral, was ich dich schon immer fragen wollte...

OBERGENERAL während er eifrig einen streng geheimen Bericht in seinen Laptop klopft Ja?

GENERAL sinnend Was machen wir hier eigentlich?

OBERGENERAL klopft weiter konzentriert auf seinen Laptop ein Wir führen Krieg, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist.

Kurzes, spöttisches Lächeln - er ist so dumm, und ich bin sein Chef - dann hämmert er weiter.

GENERAL Na ja, nun, so blöd bin nicht mal ich. Was ich meinte war - wozu führen wir diesen Krieg?

OBERGENERAL Um den Feind zu besiegen? Könnte das hinkommen?

GENERAL Ja, ja, verarsch du mich nur. Was ich mich frage: Was ist der Sinn, was ist das Ziel dieses Krieges?

Der Obergeneral blickt erstaunt auf. Sein Gesicht nimmt den Ausdruck angestrengten Nachdenkens an. Er denkt - eine zeitlang.

OBERGENERAL Hm, das ist eine gute Frage, die du da stellst.

Der Obergeneral greift zum Telefon, wählt eine Nummer und wartet. Schließlich...

OBERGENERAL Ah, du bist's. Hömma Barack, alter Nigger, was ich dich schon immer fragen wollte...

 

In einem Internet-Diskurs über den Afghanistan-Krieg meinte einer voll bitterer moralischer Resignation: "Das sinnlose Töten wird nicht nur nicht gestoppt. Es geht nicht nur einfach weiter. Es nimmt zu."

Ich versuchte, ihn zu trösten.

Das Wort vom "sinnlosen Töten" will ich nicht gehört haben!

Ja, sind das denn alles Idioten, die dort töten, töten lassen, getötet werden? Als wenn schon je - mals ein Krieg sinnlos geführt worden wäre.

Das Wort vom "sinnlosen Krieg" gehört in die "Rhetorik der Unfaßbarkeit". Wie gerne ist nicht die Rede davon, jemand habe mit unaussprechlicher, unvorstellbarer, unbeschreiblicher und, ja, unfaßbarer Grausamkeit gehandelt. Natürlich ist diese und jede andere Grausamkeit aussprechbar, beschreibbar, vorstellbar. Und alltäglich.

Alltagserfahrung und die sich nicht in die Behaglichkeit des Mysteriums zurückziehenden Teile der Philosophie lehren uns, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt einfach so geschieht, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt sinnlos ist. Der Sinn muß dabei nicht der Sinn sein, den ich oder du uns wünschen.

Von Spinoza stammt der schöne Satz: "Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit durch ihr Dasein." Das ist ganz früher, rasiermesserscharf [1] formulierter Darwin. Das Dasein des Pestbakteriums beruht nicht auf meiner Notwendigkeit, ich kann ganz gut ohne Pest leben, das Pestbakterium sieht das etwas anders.

Die Welt ist prinzipiell erkenn- und verstehbar.

Das ist natürlich nichts weiter als ein unbewiesener, unbeweisbarer Glaubenssatz. Ich werde diesen Satz nie beweisen können, er wäre erst dann bewiesen, wenn die Welt wirklich zur Gänze von Menschen verstanden wäre.

Aber: Der Satz ist eine Anleitung zum praktischen Denken. Ich - und das ist meine Denkmethode - tue so, als wäre der Satz richtig und bewiesen. Und ich tue das deshalb, weil mich dieser Glaubenssatz davor bewahrt, mich voreilig auf die bequem Position des prinzipiell Unerklärbaren zurückzuziehen.

Das Denken hört auf, wenn ich irgend etwas als unfaßbar, unbegreiflich, sinnlos deklariere. Die Dinge sind nicht prinzipiell unverständlich, ich kann sie lediglich von meinem Blickwinkel aus und jetzt nicht verstehen.

Zurück zu Afghanistan. Im Juni 2010 war es in allen Zeitungen zu lesen: "Ein US-Team von Geologen und Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums (!) (Ausrufezeichen von mir, T. R.) will Rohstoffvorkommen im Wert von fast einer Billion Dollar [2] in Afghanistan aufgespürt haben. (...) Es gehe um Lithium, Eisen, Kupfer und Gold, zitiert die Zeitung hochrangige US-Beamte. In einem internen Papier des Verteidigungsministeriums heißt es demnach sogar, Lithium könne für Afghanistan das werden, was Erdöl für Saudi-Arabien bedeutet."

Die Meldung, die uns suggerierte, es sei dies ein brandaktuelles Forschungsergebnis, wurde einige Tage lang durch das Mediendorf getrieben, dann war Ruhe. Seither habe ich nichts mehr davon gehört. Einige Sekunden lang hat der Große Zauberkünstler aus Washington seine Karten gezeigt, dann hat er mit dem Finger geschnipst und hypnotischer Schlaf hat die weltweit verbreitet Meldung wieder aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. David Copperfield ist im Vergleich dazu ein Anfänger.

Und es ist nicht das erste Mal, daß diese hochbrisante Meldung dem Vergessen anheim fiel. Am 13. 10. 2001 - einen guten Monat nach 9/11 - schrieb Hubertus Erb in heise.de diesen Artikel: "Die Hauptbeute am Hindukusch sind für den Westen riesige Öl- und Erdgasvorkommen".

Das Töten in Afghanistan ist aus dem Blickwinkel kühl rechnender... äh, Investoren so sinnvoll, wie nur irgendwas auf dieser Welt sinnvoll sein kann.



[1]   Den Namen Occam habe ich überhört, Occam hat mit unseren Überlegungen nix zu tun.

[2]   Gemeint ist eine Billion nach deutschem Wortgebrauch, nicht nach amerikanischem. "A billion dollar" wäre nur eine schlappe Milliarde.

Samstag, 10. April 2021

Schnorris und Hulbis

Wenn es wieder mal - wie so oft - darum geht, Moslems als hochgefährliche Mörder zu entlarven, kramt man in der Hl. Schrift und findet dort Koranstellen wie "Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet."

Es gibt andere Koranstellen, welche das Gegenteil besagen, so wie es in der Bibel Stellen gibt, welche das Reinhauen, Totmachen, Schänden preisen, ja befehlen und wieder andere Stellen, welche Freundlichkeit und Sanftmut predigen. Das ist ja das Angenehme für den Praktiker, daß er in den Hl. Schriften viele Regeln findet und immer auch das genaue Gegenteil dieser Regeln.

Wenn es opportun scheint, andere Länder zu überfallen oder sich das Eigentum der Ungläubigen im eigenen Land zu rauben, so bedient man sich der Stelle mit den Ungläubigen, die zu töten seien. Legt die historische Situation größere Gelassenheit nahe, kramt man die anderen Stellen hervor.

Wie auch immer: Theorien führen nie zu Massenmord. Die Hulbis erschlagen doch nicht die Schnorris, weil die Hulbis eine Theorie haben, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. So rum wird ein Schuh draus: Den Hulbis stehen die Schnorris im Weg, die Hulbis wollen die Häuser der Schnorris. Die Schnorris einfach erschlagen und in die Häuser ziehen wäre zwar möglich, brächte aber die eigene Rechtsordnung in Schwierigkeiten. Besser ist, ein angemieteter Philosoph erfindet mir eine Theorie, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. Diese Theorie glaube ich dann und jetzt kann's losgehen.

Die Theorie macht den Mord leichter durchführbar, aber sie erzeugt den Mord nicht.

Impf 56 Warum Rembrandt wirtschaftlich erfolgreicher war als ich es jemals sein werde

 
Im Video recke ich unter anderem ein Bild von Paul Piekaso in die Kamera und behaupte frech, es sei von Pablo Picasso, während es in Wirklichkeit von einer gewissen Nora Shepley ist.

Pardongnemoa!

Donnerstag, 8. April 2021

Neue Leute kennenlernen

Die alte Frau Mitterwieser hat gsagt, seit sie kaum noch rausdarf lernt sie keine neuen Leut mehr kennen. Sie hofft jetzt, sagt sie, auf die Demenz.

Dienstag, 6. April 2021

Helikopter-Hausmeister

Die Vegetationsphase hat begonnen, die Pflanzen sind aus ihrem Winterschlaf erwacht, s'oschtrelet [1].

Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird, bis ich in diesem Jahr zum ersten Mal wieder drauf reinfalle.

Worauf ich reinfalle? Es ist immer die gleiche Situation:

Ich sitze zuhause am Schreibtisch, die Sonne scheint, draußen ist es warm oder doch wenigstens so erträglich, daß ich die Balkontür offenstehen lassen kann. Frühling halt. Dann kommt immer dieser Hubschrauber, Hubschrauber hört man hier nicht so wahnsinnig oft, aber doch immer mal wieder. Ein Rettungshubschrauber, ein Polizeihubschrauber. Dieser Hubschrauber aber bleibt, er entfernt sich nicht wesentlich von der Stelle überm Haus. Ist der Unfall in unmittelbarer Nähe passiert und sucht der Schraublhuber nun nach einer geeigneten Stelle zum Landen? Sucht die Polizei nach einem Mörder, der sich hier in unmittelbarer Nähe rumtreibt?

Irgendwann wird's mir zu blöd und ich gehe auf den Balkon, die Situation selbst in Augenschein zu nehmen. Zu sehen ist nichts am Himmel, unter mir aber biegt der Aufsitzrasenmäher des Hausmeisters um's Eck. Das also war des Pudels Kern, noch jedes Mal falle ich drauf rein.

Immer wenn die Blumenpracht auf der Wiese hinterm Haus am schönsten ist, wird der Hausmeister zum Schaf: Mäh, Mäh. Seit kurzem aber läßt er einige der schönsten Blütenflecken noch eine Gnadenfrist lang stehen. Immerhin.




[1]   Analog zum deutschen "es weihnachtet" hat der Schwabe - nur der Schwabe - die Wortbildung "es ostert" erfunden. Gott alleine weiß, wie ich die Schwäbin und ihren gleichnamigen Mann um dieses Wort beneide.