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2.4.24

100 gr. und ein Befehl

Als im Jahre 1966 der österreichische Fernwehjodler Manfred Quinn, Sohn von Johann Quinn, einem Kaufmann irischer Abstammung den Auftrag erhielt, den Text des amerikanischen Seichlidls "The Ballad of the Green Berets" in einen gefälligen deutschen Text zu wandeln machte Manfred sich unverzüglich an die Arbeit. Kaum hatte er am Schreibtisch Platz genommen und mehr als eine kurze Weile meditiert, schickte ihn seine Frau zum Mnozil, 10 Deka Hinterkochschinken zu kaufen.

Manfred erhob sich vom Stuhl, dankbar für die Ablenkung, denn ihm war bislang noch nichts rechtes eingefallen. Die Anfangsverse "He, Loite, ho Loite, laß uns Wodka holen, denn wir sind Mongolen" hatte er als selbst für einen Schlager zu läppisch wieder verworfen. So stand er ganz vorne an der Fleischtheke beim Mnozil und winkte Hausfrau um Hausfrau, die nach ihm gekommen waren, an sich vorbei und zur Wurstfach-, ja Wurstfach-, ja Wurstfachverkäuferin hin. Als er schließlich der letzte und gleichzeitig erste Kunde in der Schlange war, konnte er sich nicht länger um eine Bestellung herumdrücken. Obwohl er selber Österreicher war, schämte er sich, die Worte "Ich hätt' gern 10 Deka Hinterkochschinken, bitte" auszusprechen und flüchtete sich stattdessen in die barsche Piefkeversion der Bestellung: "Ich krieg 100 Gramm Hinterkochschinken!"

Jetzt wußte er, wie das Lied von den grünen Baskenmützen gehen mußte...

25.9.23

Häßlich, ich bin so häßlich, so gräßlich häßlich, ich bin der Haß!

Ham Sie des gwußt, daß Friedrich Merz, der heutige Vorsitzende der CDU, in jungen Jahren sein Geld als Jodelkönig verdienen mußte?

Die Wenigsten wissen des. Jetzt wissen's ein paar mehr.

16.9.23

Aus der Berliner Stadtgeschichte: Kreuzberg

"Die Berliner sind lustig, die Berliner sind froh

Sie versaufen ihre Betten und schlafen im Stroh."

 

1853 bestieg Werner von Humboldt, der Sohn von Alexander und Wilhelm von Humboldt, erstmalig ohne Sauerstoffgerät den damals noch außerhalb von Berlin gelegenen Kreuzberg.

Ayshe und Ali Öztürk und all die anderen Eingeborenen von Kreuzberg schreiben übrigens X-Berg. Eine radikale Gruppe islamistischer Syrer wollte einmal die ortsansässigen Türken zwingen, statt X-Berg Halbmondsberg zu schreiben. Dem Vernehmen nach hat sich das nicht durchgesetzt, weil es viel zu schwer zu schreiben und vor allem zu sprechen ist.

Jahre nach der Erstbesteigung errichtete man - Werner zu Ehren - auf der anderen Seite der Spree die O2-World, in welcher Halle sensible Literatur gepflegt wurde. "Literatur beginnt dort, wo die Germanistik aufhört", ein Wort Werner von Humboldts, uns Nachgeborenen zur Mahnung. Heute heißt die Halle Mercedes-Benz-Arena (obwohl es dort gar keinen Sand gibt, jedenfalls nicht mehr als sonst in der brandenburgischen Pampa üblich) und die dargebotene Kunst ist wesentlich grobschlächtiger geworden.

13.6.23

Ein Jammer-Fox als Sonnengruß an die Yamasakis

Ein Jammer-Fox als Sonnengruß an all die Yamasakis, deren es so viele gibt. Das Wort Yamasaki ist yapanisch-sudetendeutsch und bedeutet Jammersäckchen.

7.1.23

Ich bin nackt und bekackt

Wie Werdi (1) einmal glaubte Vagner zu sein und darüber das Komponieren vergaß _________________________________ 

(1) Nicht zu verwechseln mit "Wie Waldi

14.12.22

Ich bin nackt und bekackt

Ein gewisser Werdi, der während eines schizophrenen Schubes eine zeitlang glaubte, Vagner zu heißen, hat mal ein Opernlibretto geschrieben, dann aber vergessen, den Text zu vertonen.

Ein gewisser Hans Sedlacek hat einige Jahrzehnte später Werdis Libretto aus dem Italienischen ins Deutsche übertragen und dem Text einige läppische Klavierklimpereien unterlegt, die er als Musik ausgab. Bei der Übersetzung von "L'Ambasciatore di Malta" ("Der Botschafter von Malta" ) hat Sedlacek sehr genau den würdevoll-frivolen Ton des Originals getroffen, manche meinen sogar, er habe das Original übertroffen. Viele, auch gut informierte Opernliebhaber glauben bis heute, der ursprüngliche Text sei von Sedlacek, die italienische Originalfassung nur eine mäßig geglückte Übersetzung aus dem Deutschen...

Sono nudo, son' caccato

E se non, son' ben robato.

Son' un vero diplomato.

Ich bin nackt und bekackt

Und wenn nicht, bin ich befrackt.

Ich bin ein Diieeh - plomat.

20.5.22

Am Sonntag will mein Süßer...

Als ich noch der Waldbauernbub war kam das Lied "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen" in Radio und Fernsee, gesungen von verschiedenen Interpretinnen.

Ein schmissiges Lied, man hörte es gern, dudel di die, und ich stellte mir Gitte Haenning vor, wie sie im Abendrot auf dem Segelboot das Abendbrot bereitet für ihren Süßen und für sich.

Die Zeit ging in's Land, ich wurde erwachsen und Gott sandte den Menschen in seinem Zorn die 80er Jahre. Neue Deutsche Welle, Provokation, eh schon wissen. Jetzt hörte ich genau dasselbe Lied mit genau demselben Text gesungen von einem Mann. Das Kopfkino veränderte sich.

Ich frage meinen Freund Google, was es wohl mit diesem Lied auf sich habe. Das Lidl aus den Achtzigern finde ich zwar nicht, aber ich sehe zu meiner Verblüffung, daß das Stück bereits Ende der Zwanziger Jahre entstanden ist, gesungen von mehreren Interpreten - und diesmal ist die männliche Form des Wortes richtig.

Vor wenigen Tagen nun rauscht mir das alte Lied erneut durch die Rübe, es ist ein Ohrwurm und ich trällere es in einer Tour vor mich hin. Plötzlich macht es Shklonk! in meinem Hirn und ich merke, auf welches Wort sich segeln reimt. Wie sagt der Dichter?

Woissvogi?

Südlich von des Leibes Mitte

Sah im Wald ich eine Hütte,

Fand darin ein Vögelein,

Wollte gern gemädelt sein.

 

__________________________

Ich hab noch einen Sonderbonus zum Thema "Liebe"

und einen zum Thema "Haß".

10.5.22

I wer oit und imma öiter

Früher hatte ich manchmal sogar Angst, meine Meinung zu gewissen Themen zu schreiben, aber mit zunehmendem Alter wird es mir immer gleichgültiger.

 

Ich kenne das Gefühl, es ist rauschhaft intensiv. Freedom's just another word... Eh schon wissen.

1985, als STS das Lidl "Kalt und Kälter" herausbrachten, war ich 35 und hatte gerade geheiratet. Ich habe mich damals auf die Zeit gefreut, da mir ganz Vieles ganz furchtbar wurscht sein würde. Und wirklich, es ist wunderbar, du fühlst dich so ungemein lebendig und so gar nicht kalt. Und frei, natürlich.

5.5.22

Zwanzig Turbinen

Der Kollege Shakespeare hatte einst geschrieben, es gebe mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit sich träumen lasse. Da ist was dran, mir fällt zu diesem Thema die Oper "Rinaldo" von Georg Friedrich Händel ein.

Die Oper ist von 1711, das Originallibretto ist von Giacomo Rossi in italienischer Sprache. Die Oper selbst ist nicht mehr so rasend bekannt, zwei Arien daraus sind aber über die Maßen berühmt geworden. Die eine ist Lascia ch'io pianga / Mia cruda sorte (Lass mich beweinen / Mein grausames Schicksal).

Diese Fassung ist aus dem Film Farinelli, der Kastrat von 1994. Da es heute - gottlob! - keine hochmusikalisch ausgebildeten Kastraten mehr gibt wurde für den Film die Singstimme Farinelli elektronisch gezaubert. Der US-amerikanische Countertenor Derek Lee Ragin einerseits und die polnische Koloratursopranistin Ewa Małas-Godlewska andererseits sangen die Partien und die Aufnahmen wurden dann elektronisch gemischt.

Das andere Gustostückerl aus dieser Oper ist die Arie Venti Turbini (Zwanzig Turbinen).

Das Bemerkenswerte daran ist der Umstand, daß in der Entstehungszeit der Oper (1711, wie erwähnt) an Turbinen noch gar nicht zu denken war. Zwar hatte der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler 1707 - 1783 noch im 18. Jahrhundert mit der Eulerschen Turbinengleichung die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung von Turbinen gleich welcher Art gelegt, aber erst 1827 ist es dem Ingenieur Benoît Fourneyron gelungen, die erste Wasserturbine zu entwickeln, die wirklich funktionsfähig war. Und die Turbine, wie wir sie heute kennen wurde 1912 von Viktor Kaplan erfunden.

Bis heute haben weder Musik- noch Wissenschaftshistoriker eine Erklärung für dieses verblüffende Vorauswissen von Giacomo Rossi gefunden. Die von Experten bevorzugte Theorie eines Besuchs von Außerirdischen konnte zwar nicht bewiesen werden, scheint aber die einzig mögliche Theorie zu sein.

25.4.22

Parkplatzgedicht

(mit In- und Ausbrunst zu singen)

Früher, als die Kinder noch klein und ich noch jünger war, sang ich den Kindern beim Wickeln und auch später noch gerne das Lied vom Parkplatz und dem Frühtau vor:


 Im Frühtau am Parkplatz wir spein, fallera,

Bekotzen uns Hohose und Hemd, fallera,

Denn wir sind sturzbesoffen,

Das macht uns nicht betroffen,

Wir lieben das Saufen, holjo fallera.

22.4.22

Dein ist mein ganzes Heim

Dein ist mein ganzes Heim,

Du bist mein Reim auf Schleim

REIM AUF SCHLEIM

Ich suchte neulich einen Reim

Auf das schöne Wörtchen Schleim

Doch weil ich ihn nicht finden sollte,

Das Werk nicht fertig werden wollte.

Schade! Er wäre so fein.

Er-

Der Reim,

Auf Schleim

(Dieter Paul aka Piano Paul)

31.3.22

Salzburger Festspiele in München

Es soll ja Leute geben, die Beethoven für einen Österreicher halten, Hitler dagegen für einen Deutschen. Darüber lächeln viele.

Noch verrückter ist (und darüber lächeln nicht mehr so viele, weil sie es nicht wissen): Es gibt Leute, die Mozart für einen Österreicher halten!

Okay, lassen wir das, wir wollen den österreichischen Patriotismus nicht mehr als unbedingt nötig verspotten. Mozart, ich mein jetzt Leopold, hatte 1 Migrationshintergrund. Er kam aus der Freien Reichsstadt Augsburg und suchte sein Glück in der nahegelegenen bairischen Residenzstadt München, wo er sich um die Stelle eines Hofkapellmeisters oder wie oder was bewarb. Er wurde abgelehnt, zog weiter und ließ sich schließlich notgedrungen in Salzburg nieder. So hatte also München die Chance vertan, Mozartstadt zu werden und daran viel Geld zu verdienen.

Mehr als hundert Jahre nach Leopold Mozart hat dann ein weiterer Migrant den bayerischen König gebeten, sein Festspielhaus in München errichten zu dürfen, am Isarhochufer, ungefähr dort, wo heute der Gasteig steht. Bei Ludwig II. hat Wagner natürlich offene Türen eingerannt, die Münchner Bürgerschaft aber hat ihm das Festspielhaus verweigert. Man stelle sich vor, München wäre heute die Mozartstadt und in München fänden überdies alljährlich die Wagner-Festspiele am Isarhochufer statt. Es flöße ein Strom Geldes nach München, der seinesgleichen nicht hätte.

Lechz, sabber, gier!

.

Vorbei, vertan!

25.2.22

Die alte Sau, das geile Schwein

 Mit der verletzten Ehre mancher Menschen ist es manchmal eine ganz eigene Sache. So eigen, daß manchmal der energische Schutz vor Beleidigung beleidigender ist als die Beleidigung, vor der man jemanden schützen wollte.

Das glaubst du nicht? Das ist dir zu abstrakt, zu allgemein? Dann laß dir eine Geschichte erzählen.

In den frühen achtziger Jahren, als Franz Josef Strauß noch über die Erde wandelte, als wäre er einer von uns, gab es im Allgäu eine Rock-Band namens "Checkpoint Charlie". Auf YouTube gibt's noch ein bisserl Musik von den Jungs, mein Geschmack ist es nicht, genaugenommen ist in meinen Ohren diese Musik so grottenschlecht wie die ganz überwiegende Mehrheit der Rock-Musiknummern grottenschlecht ist. Wie auch immer, wenn die Band nicht gerade musizierte, züchtete sie auf ihrem Bauernhof Schweine. In sich schlüssig also, daß die Buben sich aus Pappe und Pinselstrich eine Sau bauten, diese Papp-Sau dann zu ihrem Wappentier ernannten und - ach ja! - auf den Namen "Franz Josef" tauften. Bei ihren Bühnenauftritten stellten sie ihr Maskottchen jeweils vor der Bühne auf.

Eines Tages wurden sie angezeigt und ein Kemptener Staatsanwalt verfaßte eine Anklageschrift, in welcher er u. a. schrieb: "Zur Erklärung sagten sie dem Publikum, das sei ihr Maskottchen Franz Josef. Irgendeine Ähnlichkeit mit einem lebenden Schwein sei rein zufällig. Die Angeschuldigten brachten dann einen Textvorschlag, in dessen Refrain es heißt: 'Franz Josef, die Sau, Franz Josef, die alte Sau, Franz Josef, das geile Schwein'. Dies bezog sich, wie für jeden Zuschauer offenkundig (!!!; T. R.) war, auf den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Franz Josef Strauß."

Hm. Der Staatsanwalt wollte mit diesem letzten Satz sagen: "Bleibt mir mit dem allerunvergeßlichsten Bart-Kaiser Franz Joseph I. von Österreich (Sissi, eh schon wissen) vom Hals. Das einzige geile Schwein, die einzige alte Sau, die ich kenne und die auf den Namen Franz Josef hört, ist der bayerische Ministerpräsident." Ohne diese Logik bliebe der letzte Satz ohne Sinn.

In einer aufsteigenden Vision sah ich damals den alten Atheisten Sigmund Freud neben dem Lieben Gott sitzen, sah, wie die beiden kicherten und sich in die Seiten pufften. Amüsiert warteten sie darauf, daß der eifrige Staatsanwalt ob seiner respektlosen Assoziationen einen gehörigen Anschiß von ganz oben bekommt. Passiert ist damals nichts und jetzt ist der damalige Staatsanwalt längst pensioniert oder tot.

21.2.22

Doitsche Sprach - kann, muß nicht

In dem zurecht weitgehend unbekannten Internet-Forum "Fisch und Fleisch" schrieb vor einiger Zeit jemand: "Bin schon froh, dass ich Hochdeutsch kann, mit all seinen überflüssigen Fällen und Artikeln. Wurde nur erfunden, um stets dem gemeinen Volk seine Dummheit vor Augen führen zu können."

Freilich, wozu auch brauche ich eine differenzierte deutsche Sprache, wenn es doch reicht, irgendwas in die Welt zu grunzen. Mein Gesprächspartner wird sich schon denken können, wenn er denn denken kann, was ich gemeint haben könnte. Wenn er nicht denken kann - wovon ich hier bei "Fisch und Fleisch" bis zum Beweis des Gegenteils zunächst mal ausgehen muß - ist es schon zweimal wurscht, was ich auf den Server in Wien rülpse. Abgesehen davon ist mindestens die Hälfte von dem, was im Internet und vor allem hierzuforum mitgeteilt wird, sowieso gelogen, ein dritter Grund, warum Sprache nicht mehr wichtig ist.

Ich stelle mir grad vor, es wäre ein ausländischer Zuwanderer gewesen, der sich so wie der oben zitierte User über einen differenzierten Gebrauch der deutschen Sprache geäußert hätte. Groß wäre das Geheul aus der rechten Ecke gewesen über diesen Scheißkanacken, der bibergleich das Fundament abendländisch-christlich-jüdischer Kultur zernagt. Ich mach ihn Krankenhaus, dann sieht er scheiße aus.


Der aufmerksame Leser wird's bemerkt haben: Ich singe hier das weltberühmte "Ich mach dich Krankenhaus, dann siehst du scheiße aus" auf das bekannte Motiv aus der Ouvertüre von "La Paloma" von Giuseppe Pferdi.

Dein Knie hätte ich auch nie sehen dürfen.

"Ich hab dein Knie gesehn / Das durfte nie geschehn" mag alles Mögliche sein, deutsch ist es nicht. "Das hätte nie geschehen dürfen" müßte es eigentlich heißen, aber sing da mal was drauf, auf welche Melodie immer. So macht Lyrik aus uns allen Sprachfälscher.

Weil's jetzt auch schon wurscht ist... In einem Kurs für Stenographie (volle Verkehrsschrift) hatten die Schüler mal folgenden Satz zu schreiben: "Sind der Ring und die Spange Anna genehm?" Im Lateinunterricht sollten sie folgendes auf Caesareisch übersetzen: "Glaubst du, daß dem Gaius Sempronius Gracchus vor eingemachten Bilchmäusen geekelt haben würde?"

Zur Not kommt man aber auch ohne Deutsch aus. "Sorry, my bad", schrieb mal einer im Usenet, "War wohl eher meine Font als Dein Encoding", worauf ich antwortete: "So schön kann die Deutsche Sprache sein, wenn man sie nicht benutzt."

21.10.21

Missa Luba

Obzwar ich ein alter, verstockter Atheist bin liebe ich Sakrale Musik.


Als ich noch ein junger, verstockter Atheist war, hat uns der Musiklehrer eine jüngst von der Schule erworbene Platte vorgestellt. Dazu muß man wissen, daß sich das Gymnasium Pfarrkirchen um diese Zeit rum eine HiFi-Stereo-Anlage geleistet hatte. HiFi und Stereo waren in der Mitte der sechziger Jahre keine Selbstverständlichkeit, sondern gerade im Kommen.

Was wir im Musikunterricht hörten war die Missa Luba.

"Die Missa Luba ist eine lateinische Messe in volkstümlichen kongolesischen Rhythmen und Melodien der Luba zu Kamina, einer Bantu-Ethnie in der Demokratischen Republik Kongo. Die Messe wurde 1957 durch den belgischen Franziskaner-Missionar Pater Guido Haazen (1921-2004) aufgezeichnet.

Der Aufbau der Messe entspricht dem traditionellen Ordinarium der Heiligen Messe der römisch-katholischen Kirche. Demgegenüber entstammt die Musik der Messe rein kongolesischer Tradition und ist frei von Einflüssen des europäischen oder modernen Musikverständnisses."

Wikipedia

Ich war sofort fasziniert, vor wenigen Jahren  habe ich die Missa Luba wieder im Internet  gefunden, genau die Aufnahme von damals, von Les troubadours du Roi Baudouin.

Apropos König Baudouin. Beim Staatsakt zur Unabhängigkeit des Kongo hat König Balduin eine Rede gehalten, in welcher er die Wohltaten der Kolonialherrschaft für den Kongo betonte. "Kongos Unabhängigkeit stellt die Krönung des Werkes dar, das König Leopolds eigenes Genie ersann, das er mit hartnäckigem Mut unternahm und an dem Belgien unverdrossen weiter arbeitete. (...) Kein Wort zu den unvorstellbaren Greueltaten an der kongolesischen Bevölkerung seit dem späten 19. Jahrhundert. Baudouin ergeht sich lieber in einem überschwenglichen Lob der Kolonisierung. Die Kongolesen sollten das belgische Vermächtnis ehren, fordert der König. Heute werde das Erbe seines Großonkels gekrönt. Leopold II. sei schließlich nicht als Eroberer gekommen. Nein, er habe dem Kongo die Zivilisation geschenkt. Deutschlandfunk

Der damalige (erste) Ministerpräsident des Kongo Patrice Lumumba hat ihm unmittelbar geantwortet, indem er - höflich zwar, aber doch - hervorhob, daß er, der König, eben ziemlichen Scheisendreck geredet habe.

Der König war, verständlicherweise, stinkegrantig, ein halbes Jahr später war Lumumba tot, ermordet von einem Killerteam unter Führung eines belgischen Offiziers.

Mehr über die Kolonialgeschichte des Kongo findest du hier in der Dokumentation "Schatten über dem Kongo". Ein bisserl lang, aber absolut lohnend.

21.9.21

Ein affengeiler Klingelton für's Handy

Wilhelm Busch hat seinerzeit gedichtet:

Musik wird als störend oft empfunden,

Weil stets sie mit Geräusch verbunden.

 

Die Wissenschaft, sie bleibt nicht stehen und steht uns helfend zur Seite. Nicht-störende Musik, kann's Schöneres geben?

Es könnte DER Renner als Klingelton sein.

22.8.21

Mozarts Mutter

Als ich jung war... Ich frage mich manchmal, ob ich jemals jung gewesen bin, schon allein deswegen, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Aber man hat mir mehrmals von kompetenter Seite versichert, das müßte wohl schon so gewesen sein. Einen schlüssigen Beweis dafür gibt es gleichwohl nicht. Man hat mir zwar Bilder vorgelegt und behauptet, der darauf abgebildete Bub sei ich in jungen Jahren, aber das kann natürlich genau so gut nur eine dreiste Behauptung gewesen sein.

Wie auch immer: Als ich jung war, hatte ich ein kleines Kofferradio und ein Spulentonbandgerät. Mehr brauchte ich nicht zur Ohrenpflege, mehr wollte ich nicht. Schallplatten gingen mir am Ars vorbei, mir hat das Gedudel aus dem Radio gereicht, von welcher Musik ich einiges aufgenommen habe im Laufe der Zeit.

Mit 30 Jahren - inzwischen zum Diplom-Psychologen gesalbt - habe ich mir den ersten Plattenspieler meines Leben gekauft und, weil ich eh grad am Geldausgeben war, noch eine Schallplatte dazu. Mit wenig Sachkenntnis habe ich mir eine Langspielplatte mit zwei Violinkonzerten von Mozart ausgesucht, KV 216 und KV 219. Beide Aufnahmen sind von den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan, die Solovioline spielte die damals 15-/16jährige Anne-Sophie Mutter, ausweislich der Plattenhülle ein süßes Mäderl mit Babyspeck. Zuhause habe ich die Platte aufgelegt - und war sofort hin und weg. Leck mich am Arsch, ist das eine Musik! Und das alles in Stereo, zum ersten mal für mich.

Kurz drauf sehe ich in einer Grabbelkiste eine Audiokassette mit genau den beiden Violinkonzerten, gespielt von einem mir damals und bis heute unbekannten ungarischen Orchester. Ich hab's mir angehört und wußte seitdem, daß selbst ich den Unterschied zwischen einem normalen professionellen Orchester und einem Klangkörper der Spitzenklasse erkenne.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...