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7.6.26

Wie mich ChatGPT einmal sehr enttäuscht hat

Im Rahmen einer neulich stattgefunden Diskussion mit dem forumseigenen Superhirn wollte ich abklären, ob Gerhard Schröder noch in der SPD ist. Was macht der Mann (m/w/d) von Welt in so einem Fall? Er wendet sich an die KI, in meinem Falle ist das die ChatGPT, die erstens irgendwie mit Google verbunden ist und zweitens nix kostet.

ICH: ist gerhard schröder noch in der SPD?

GPT: Kurz gesagt: Nein. Gerhard Schröder ist nicht mehr Mitglied der SPD; er ist seit vielen Jahren aus der Partei ausgetreten. Wenn du willst, kann ich dir weitere Details zu seinem politischen Werdegang geben.

(Daß Schröder vor kurzem aus der SPD ausgetreten ist... das ist möglich. Aber daß er schon "seit vielen Jahren" draußen ist kann definitiv nicht sein. Ich hake also nach.)

ICH: Erzähl mir bitte, wann Schröder ausgetreten ist. Ich habe nachgeschlagen, nach meinen Informationen gab es viele Versuche, Schröder auszuschließen, die alle gescheitert sind. Ausgetreten aber ist er meines Wissens nicht.

GPT Schröder bezieht sich hier vermutlich auf Gerhard Schröder, den ehemaligen deutschen Bundeskanzler. Er ist bisher offiziell nicht aus der SPD ausgetreten; er blieb parteiloses Mitglied der SPD mit gelegentlichen Kontroversen. Falls du von einem anderen Schröder sprichst (z. B. eine andere öffentliche Person), sag mir kurz, wer gemeint ist, dann suche ich dir die passenden Informationen.

(Die KI verhält sich wie nicht wenige Diskutanten und -onkel hier im "Fisch und Fleisch"-Forum: Sie stellt sich dumm und frägt "Gerhard wer?" während er in seiner ersten Antwort sofort wußte, welcher Schröder gemeint war. Aber mei. Ich fuhr fort:)

ICH: 1. Was könnte ein parteiloses Mitglied der SPD sein? 2. Als prominenter anderer Gerhard Schröder fällt mir lediglich der Außenminister Gerhard Schröder, noch aus Zeit von Adenauer ein.

GPT: Danke fürs Nachfragen. Hier zwei klare Antworten:

Parteilos bedeutet, man ist offiziell kein Mitglied einer Partei. Ein prominentes Mitglied der SPD, das kein Parteimitglied ist, kann theoretisch wie ein ausgeschlossener oder ehemaliger Parteigänger auftreten, bleibt aber offiziell parteilos. In Schröders Fall heißt das: Er war formell SPD-Mitglied, ist aber meist als parteilos oder nicht aktiv in der Partei beschrieben worden, trotz enger Bindung.

Zum anderen Schröder: Der Außenminister in der Ära Adenauer war nicht Schröder. Der erste Bundesaußenminister in der Ära Adenauer war Heinrich von Brentano (1955–1961) gefolgt von Gerhard Schröder erst viel später. Falls du eine andere Person meinst, nenne mir bitte den vollen Namen oder Kontext, dann kläre ich das.

ICH: Du bist erstaunlich schlecht infomiert. Schröder war von 1961 bis 1963 Außenminister im Kabinett Adenauer, als unmittelbarer Nachfolger von von Brentano. Von 1963 bis 1966 war er in der gleichen Funktion im Kabinett Erhard. Und erster Außenminister im Kabinett Adenauer war Adenauer himself, von 1951 bis 1955.

GPT: Danke für die Klarstellung. Du meinst vermutlich Gerhard Schröder, der in den 1960er Jahren als Außenminister im Adenauer-/Erhard-Kabinett fungierte. Allerdings ist das historisch nicht korrekt: Der Außenminister in der genannten Zeit war tatsächlich Heinrich von Brentano (1955–1961) und danach Franz-Josef Strauß (1961–1966) bzw. danach in einigen Konstellationen andere. Es gab keinen Außenminister namens Gerhard Schröder in der Ära Adenauer oder Erhard. Es könnte Verwechslung mit einer späteren Person vorliegen oder eine mix‑up von Namen vornehmen.

Falls du eine andere Person meinst, gib mir bitte den vollen Namen oder den Kontext, dann prüfe ich das genau.

ICH: Strauß war niemals Außenminister. Strauß war unter Konrad Adenauer Bundesminister für besondere Aufgaben (1953 bis 1955), für Atomfragen (1955 bis 1956) und für Verteidigung (1956 bis 1962). Er trat am 30. November 1962 wegen der Spiegel-Affäre zurück. In der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger war Strauß Bundesminister der Finanzen im Kabinett Kiesinger (1. Dezember 1966 bis 22. Oktober 1969). Er wurde nach der Landtagswahl in Bayern 1978 erstmals bayerischer Ministerpräsident und blieb es nach den Wahlen 1982 und 1986 bis zu seinem Tod. Mal im Ernst: Bist du wirklich der Doktor Allwissend aus dem Märchen der Brüder Grimm oder bist du lediglich der Aushilfspraktikant?

GPT: Danke für deinen Hinweis. Du hast recht: Franz Josef Strauß war nie Außenminister; er hatte andere Ministerämter. Die Diskussion dazu war verwirrend, und ich entschuldige mich für die Ungenauigkeiten.

Zu deiner Frage: Bin ich der Doktor Allwissend aus dem Märchen oder der Aushilfspraktikant? Ich bin ein AI-Assistent, der versucht, zuverlässig zu informieren, aber kein allwissender Experte. Falls du willst, prüfen wir die Fakten gemeinsam schrittweise.

ICH: Lieber nicht. Wenn ich noch länger mit dir diskutiere werde ich noch arrogant.

GPT: Verstanden. Wenn du magst, sag einfach kurz, womit ich dir sofort helfen soll. Ich bleibe höflich und sachlich.

(Immerhin hat er verstanden, daß ich ihn beleidigt habe und er hat gebührend vergrätzt reagiert. Respekt!)

In der Psychiatrie gab es mal das Wort "Salonidiot". Alder (m/w/d) ischwör, das hab ich mir nicht ausgedacht. Das Wort gab's früher wirklich, auch wenn Google sich dumm stellt. Im Zuge der political correctness und der damit verbundenen Schönflöterei nennt man heutigentags einen Salonidioten höchstwahrscheinlich anders, ich weiß aber nicht wie. Möglicherweise haben sie aber auch den Begriff als solchen abgeschafft. Ein Salonidiot war nach früherem Verständnis jemand, der bei gesellschaftlichen oder auch nur geselligen Anlässen geschliffene Sentenzen absondert und auf den ersten und zweiten Blick für sehr klug und gebildet gilt. Beobachtet man ihn allerdings länger merkt man (falls man selber kein Salonidiot ist), daß er im Grunde von nichts keine Ahnung nicht hat. Ich habe in meinem Leben zwei Salonidioten kennengelernt, beide waren analog und biologisch. Der dritte ist digital und elektrisch.

30.4.24

Flacherdler

Alle sprechen über Flacherdler, aber noch nie hat jemand einen Flacherdler gesehen. Zumindest ich habe noch einen Flacherdler gesehen oder etwas gelesen oder gehört, das von einem Flacherdler selbst formuliert worden wäre. Gleiches gilt für alle meine näheren oder ferneren Bekannten inklusive meiner Internetbekanntschaften. Noch nicht mal auf "Fisch und Fleisch", wo bekanntermaßen die irrsten und wirrsten Gedanken formuliert werden, bin ich auf einen Fischerdler gestoßen. Und dabei hätte ich so gerne einmal mit einem Fleischerdler diskutiert.

Es sei noch angemerkt, daß ich eine ähnlich enge Verknüpfung von "jeder spricht darüber" und "keiner weiß was" ansonsten nur von Gott kenne.

10.12.23

Payback

An der Supermarktkasse gleich welcher Handelskette frägt man mich oft und gerne, ob ich eine Payback-Karte hätte. In diesen Fällen schüttele ich mich demonstrativ vor Grauen und sage, daß nein, mir stehe nicht der Sinn nach Rache. Ich blicke in zwei ratlose Augen und erkläre, daß "payback" das englische Wort für "Rache" sei. Auch im Deutschen oder zumindest im bairischen Dialekte sage man "Des zahl i dir zruck" wenn man Racheaktionen ankündige. Die ratlosen Augen haben sich in ungeduldige verwandelt, ich beende mein Klugscheißern und eile rasch davon.

1.12.23

Kein Schwein ruft mich an

In einem Film vom Woody Allen (kann sein es war "Manhattan") gibt es folgenden running gag: Ein junger Geschäftsmann taucht zusammen mit Woody Allen an den verschiedensten Orten auf. Und überall, wo er auftaucht, besteht seine erste Handlung darin, daß er zum nächsten Telefon eilt, sein Büro anruft und die Telefonnummer des Apparates durchgibt, von dem aus er grad anruft. Bis voraussichtlich so und so lang sei er unter dieser Nummer zu erreichen.

Der Witz besteht nun darin, daß dieser junge Mann während des ganzen Films niemals von seinem Büro aus angerufen wird. Auch wenn er dort anruft, um die Telefonnummer durchzugeben, teilt man ihm niemals irgendeine wichtige Nachricht mit oder bittet ihn um eine Entscheidung oder ähnliches. Das heißt. der Fall, dessentwegen er ständig seine Erreichbarkeit durchgibt, tritt nie ein, das Ganze ist nichts weiter als Wichtigtuerei.

Heute hast du für sinnlose Kommunikation ein Handy oder gar ein Smartphone. Das heißt, "Kommunikation" ist vielleicht ein zu großes Wort für das, was vor allem die jüngeren Leute mit ihren Smartphones machen. Alle haben sie mindestens 1 Smartphone, wenn du sie aber anrufen willst, geht kein Schwanz ran.

Einige hier werden es wissen... ich mache staatlich verordnete Kurse, Führerschein, Saufen, Kiffen etc. pp.. Der eine Kurs ist speziell für Fahranfänger, die bei laufender Probezeit mit einem Alkohol- oder sonstigen Drogendelikt aufgefallen sind (in Deutschland gilt während der Probezeit die 0,0-Grenze). Im Frühjahr hing mehrere Wochen lang das feurige Schwert des Erzengels Weselsky drohend über uns, viermal mußte ein Kurstermin verschoben werden. Das ist lästig, weiter aber kein Problem, denkst du. Dann rufst du halt die Teilnehmer der Reihe nach an und informierst sie, die Handynummern hast du. Denkst du.

Zwei der zehn Teilnehmer erreichst du auf Anhieb, sie sind also schon mal informiert; vier weiteren Teilnehmern sprichst du auf den Anrufbeantworter, wenn er sich denn öffnet, der Rest bleibt im Ozean des Internets verschollen. Die jungen Leute besitzen, wie bereits erwähnt, mindestens ein Smartphone [1], aber sie gehen nicht ran, wenn man sie anruft. Das heißt, wenn ihre Freunde borgward1 bis borgward317 anrufen gehen sie schon ran, ist der Anrufer allerdings nicht in ihrem Telefonregister gespeichert, wird er weggedrückt oder gar automatisch blockiert. So schließt sich der Kreis: Vor lauter Kommunikationsmöglichkeit kommt keine Kommunikation mehr zustande.

Ach.



[1]   Ohne Smartphone bist du heutigentags definitiv kein Mensch, du wirst als gallertartige Qualle eingestuft.

4.6.23

Ich lispele, also bin ich wer

Aufgefallen ist mir das Phänomen des Kulturlispelns zuerst bei Marcel Reich-Ranicki, was nicht verwunderlich ist, denn sein Lispeln war doch sehr ausgeprägt. Ich bin diesem Lispeln nicht weiter nachgegangen, jedenfalls nicht bewußt, weil's nun wirklich wurscht ist, ob einer lispelt oder nicht. Aber - Sie werden diesen Effekt wahrscheinlich kennen - wenn Ihre Aufmerksamkeit mal auf einen zuvor völligen ausgeblendeten Umstand gelenkt worden ist, dann taucht dieser vordem von dir ignorierte Umstand plötzlich an jeder Straßenbiegung auf.

Der lispelt und jener auch sagte ich mir von da an oft und öfter. Jedes Mal wenn ich das Radio einschalte oder einen Podcastbeitrag anhöre, höre ich einen oder gar alle in diesem Beitrag lispeln. Das Lispeln ist meist nicht sonderlich ausgeprägt aber doch hörbar vorhanden. Wenn du dich von einem Phänomen in interesselosem Wohlgefallen anmuten läßt, wirst du relativ bald eine Regelhaftigkeit erkennen. Und siehe, die Regel lautet: Es sind die Kulturschmocks die lispeln, Kulturproduzenten wie Kulturkritiker. Weil? Weil dieses Lispeln das Gesprochene mit einem Hauch von Sensibilität und Hoher Bildung überzieht.

Ich mache die Gegenprobe und höre mich in der echtem und wahren Wirklichkeit um. Was soll ich euch sagen: Ich habe noch nie - mals einen Klempner oder Gärtner oder Zugschaffner lispeln hören! Ich meine jetzt nicht das Lispeln wegen eines massiven Gaumen- oder Zahnfehlstandes oder einer zu kurzen oder zu langen Zunge, sondern dieses flockigzarte Lispeln, das auf mich noch stets wirkt wie der weggestreckte kleine Finger, wenn ein wahrlich vornehmer Mensch eine Kaffee- oder Teetasse zum Munde führt.

Lispeln als intellektuelles Statussymbol! Daß mir das nicht schon früher aufgefallen ist...

30.5.23

Smartes SwimPhone

Durch einen dieser völlig sinnlosen Videoclips, die immer wieder vor mir aufpoppen und die sich nicht abstellen lassen - nicht von mir jedenfalls ‑ habe ich erfahren, daß in Indien, irgendwo in Indien, Radschef Vishvash

an einem Stausee ein Selfie von sich habe machen wollen. Dabei sei ihm das Smartphone, angeblich ein ziemlich teures Gerät, in's Wasser gefallen und alsbald versunken. Vishvash sei Beamter gewesen und so habe er amtliche Taucher be­stellt, die aber nichts gefunden hätten. Dann habe er schließlich den Stausee weitgehend leer pumpen lassen, ca. 2 Mil­lionen Liter Was­ser, eine Menge, mit der man die üblichen vielen vielen Fußballfelder hätte bewässern können. Das Smartphone habe er zwar wiedererlangt, es habe aber durch den Aufenthalt im Wasser irreparablen Schaden genommen.

Früher hat man Menschen blöd gemacht und dumm gehalten, indem man ihnen wichtige Fakten vorenthielt. Heute schütten sie dich (und mich, leider) mit völlig irrelevanten Informationen zu, meist unterlegt mit sinnleeren Bildern und Videos.

Ein Bild verblödet mehr als tausend Worte wußte schon der Große Konfusius.

Wäre ich ein Industriedesigner entwürfe ich ein wasserdichtes und überdies schwimmfähiges SmartPhone. Damit müßte sich doch eine Schweinekohle machen lassen.

Du schreibst deiner Liebsten eine Nachricht auf deinem SmartPhone, wirfst das SwimPhone dann von der Steinernen Brücke in Regensburg in die Donau und sie kann das Handy später am Kachlet vor Passau aus der Reuse am Kraftwerk fischen und die Nachricht lesen.

3.5.23

Man sagt ja nix, man red't ja bloß

Unbeirrbar

Auf www.prisma.de las ich in einem Artikel über Amedeo Modigliani den Satz "Bestens bewandert in antiker Bildhauerei, befolgte [1] der scheinbar so labile junge Mann unbeirrbar, was man heute ein Konzept nennen würde:..."

Ich bin zusammengezuckt beim Lesen, so wie ich jedes Mal zusammenzucke, wenn ich das Wort "unbeirrbar" lese oder höre.

Merkwürdigerweise nämlich liest man dieses Wort so gut wie nie im Rahmen einer Beschimpfung, man liest es vielmehr häufig in Festreden und Nachrufen: "Unbeirrbar ging sie ihren Weg" oder "Unbeirrbar verfolgte er seine Ziele".

"Unbeirrbar" gilt offensichtlich als positiver Begriff. Stünde da "unbeirrt", ich könnte nicht meckern.

Wenn ich nachträglich den Lebensweg eines Menschen betrachte und feststelle, daß er eine einmal gewählte Richtung unbeirrt verfolgt hat, dann heißt das, daß er sich durch Widerstände und Anfechtungen letztlich nicht hat beirren lassen, daß er konsequent seinen Weg gegangen ist. Ich habe keine Mühe damit, in dieser Beschreibung etwas Positives zu erkennen.

Es steht da aber "unbeirrbar".

Ein unbeirrbarer Mensch ist für mich in meinem Wortverständnis ein dumpfer, stumpfer Hund der Sonderklasse, einer, der sich durch keine Vernunft, kein Argument, keine Erfahrung beirren läßt [2], der einfach stur seinen Weg voranschreitet, durch nichts zu beeindrucken und zu belehren. Der schaut nur direkt nach vorne, schaut nicht nach links und nicht nach rechts, nach hinten sowieso nicht. Der ist für Erfahrungen und Irritationen, die andere Leute zu einer Kurskorrektur veranlassen, nicht zugänglich.

In einer Usenet-Diskussion entgegnete mir einer, "unbeirrbar" sei für ihn auch einer, "der sich von dem üblichen Getöse, das die um ihn herum scharwenzelnden Verirrten veranstalten, nicht von seinem geraden Weg ablenken läßt. Seelenruhig, in sich gefestigt, die Ruhe selbst, eine sehr positive Eigenschaft."

Ich entgegnete ihm mit einem Zitat "Der unerschütterliche Glaube ist keine Tugend, sondern ein Laster. (BERTRAND RUSSELL)" und fuhr fort: "Daß man sich nach jedem 'öhm, aber' nicht gleich neu taufen läßt ist eine Sache. Jahrzehntelang dieselbe Überzeugung zu vertreten ist dagegen schon etwas verhaltensauffällig. Man bleibt sich treu, indem man sich ändert. Andere Leute haben auch gute Ideen und von ihnen zu lernen, ist durchaus empfehlenswert."

Aber, wie es mit dem Wortgebrauch halt manchmal ist: Bei uns und bei Leuten, die uns zustimmen, reden wir von Prinzipientreue und Konsequenz, bei Leuten, die eine andere Meinung vertreten, nennen wir dasselbe Phänomen Sturheit.

Trotzdem: Unbeirrbare Leute sind gefährliche, weil dumme Leute.

Unermüdlich

Als seinerzeit die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. bekannt geworden war, gab die Bayerische Staatskanzlei eine Pressemitteilung von Ministerpräsident Seehofer heraus. Darin hieß es unter anderem: "Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert."

Als ich den Satz in den Nachrichten - indirekt zitiert - das erste Mal hörte, ließ er mich zusammenzucken. "Unermüdlicher Einsatz"... Dabei geht doch die ganze Rücktrittsgeschichte des Papstes genau darum, daß sein Einsatz ermüdlich war. Alter, Krankheit, zu viel Arbeit für einen Mann dieses Alters und Gesundheitszustandes, all das zusammen hat seine Kraft ermüden lassen.

Untrennbar

Anfang der achtziger Jah­re war in einer Lüneburger Zeitung dieses Bild samt merkwürdiger Unterschrift zu sehen.

Genaugenommen sind natürlich weder das Bild noch die Unterschrift merkwürdig. Sehr merkwürdig allerdings wird es, wenn man weiß, daß das Bild einen Artikel illustrierte, in dem es darum ging, daß die Lüneburger Saline nunmehr - nach eben über 1000 Jahren - wegen Unrentabilität geschlossen wird.

Unter dem Motto der untrennbaren Verbundenheit berichtet die Zeitung darüber, daß Lüneburgs Verbindung mit der Saline nicht nur doch trennbar ist, sondern demnächst auch tatsächlich getrennt wird.

Weiß Gott, wieviel hundert Jahre lang Lüneburger Festredner bei weiß Gott welchen Gelegenheiten die Worthülse von der untrennbaren Verbindung von Stadt und Saline schon verwendet haben. So oft jedenfalls, daß der Zeitungsredakteur die Unsterblichkeit der Verbindung auch dann noch betont, wenn er von deren Tod berichtet.

Wenn Stimmen für immer verklingen

Vor einigen Tagen erst hat auf "Fisch und Fleisch" ein über alle Maßen mit Weisheit bekleckerter Mensch den Tod von Harry Belafonte betrauert, unter der verdächtig nach Poesie klingenden Überschrift "Wenn Stimmen für immer verklingen".

Hm.

Wenn dein Opa stirbt, der sich ein Lebtag lang beharrlich geweigert hat, auch nur einen einzigen Satz in ein Mikrophon zu sprechen, dann ist in der Tat mit seinem Tod seine Stimme für immer verklungen. Wenn dein Opa dagegen Millionen und Abermillionen von Tonträgern besungen und in alle Welt verkauft hat, bleibt seine Stimme über den Ton hinaus erhalten.



[1]   Daß es "verfolgte" heißen müßte statt "befolgte" lassen wir hier mal außen vor.

[2]   Diese Unbeirrbarkeit oder besser: Unbelehrbarkeit ist ein ganz typisches Merkmal für einen psychotischen Menschen, deren es viele hier auf "Fisch und Fleisch" gibt.

1.5.23

Ein neues Motto für "Fisch und Fleisch"

Ein Vorschlag

Auf mehreren Blogbeiträgen läuft derzeit eine Diskussion über Oper im Speziellen und über Regietheater im Allgemeinen. Dabei ist einem der hierorts so häufig anzutreffenden Helden des Denkens und der Rhetorik ein Kommentar entschlüpft, der es verdient, festgehalten zu werden:

Meiner Meinung nach darf eine Oper, eine Inszenierung nicht zu sehr entfremdet werden.

Sonst ist das wie eine Verbalhornung des Originals.

Ok, von Opern habe ich 0 Ahnung, aber ich erlaube mir trotzdem, diese Meinung zu haben.

Ein göttlicher Satz, dieser letzte Satz, er sollte als Motto über jeder Seite von "Fisch und Fleisch" stehen.

14.3.23

1 6istischer Witz

Mir ist fad. Immer wenn mir fad ist neige ich dazu, Witze zu erzählen. Der folgende Witz spielt in München und handelt von einem Manne. Da er auch von einem Fräulein handelt ist er so was von dermaßen sexistisch, das glaubst du nicht. Alle guten Witze, merk ich grad, sind entweder sexistisch oder rassistisch oder österreicher- das heißt ausländerfeindlich.

In einer Münchner S-Bahn sitzt ein schon etwas gereifterer Münchner, ihm gegenüber eine Frau. Die junge Frau trägt einen Minirock, wie ihn selbst die liberalste Scharia-Polizei nicht erlaubt. "Sie Freilein", sagt der Mann, "i glaub, Sie ham heid ihr Unterhoserl vergessen." - "Frau!" korrigiert ihn das Fräulein spitz. - "Oh", meint der Mann, "sooo genau kann i des von hier aus aa wieder net sehn."

Einen Witz von dieser infamen Art will ich hier nie wieder lesen.

21.2.23

Genau

Wenn deine Aufmerksamkeit mal auf einen Umstand gelenkt worden ist - Du wirst diesen Effekt wahrscheinlich kennen - dann taucht dieser vordem von dir völlig ignorierte Umstand plötzlich an jeder Straßenbiegung, in jedem noch so kurzen Gespräch auf. Als meine Frau seinerzeit schwanger war, war mir die Welt mit einem Male voll mit schwangeren Frauen. An einem Hauseck erschien erst ein dicker Bauch und dann erst die zugehörige Frau in der Guten Hoffnung. Genau. Als die Kinderwagenzeit gekommen war, waren die Schwangeren mit einem Male verschwunden und durch Kinderwagen ersetzt.

Vor einigen Jahren nun mußte ich in die Klinik, hilft ja nix. In der Verwaltungszentrale wurden meine Daten von einer Dame im weißen Kittel erfaßt , seit vielen, vielen Jahrzehnten der letzte Modeschrei in Krankenhäusern. Ich hatte nicht viel zu tun und wenn du nicht viel zu tun hast, fallen dir viele Sachen auf. So ist Wissenschaft entstanden, so auch Kultur. Müßiggang ist aller Weisheit Anfang. Genau.

Jeden zweiten Satz eröffnete oder schloß die Aufnahmedame mit dem Wort "genau". Sie fragte mich nach meinem Geburtsort, ich nannte ihn ihr und sie schrieb ihn hin, gefolgt von einem nebenbei hingehauchten "genau". In ihrem Falle diente das Wörtlein "genau" nicht der Bekräftigung der Präzision, daß also ein Umstand nicht irgendwie so sei, sondern vielmehr ganz genau präzise so. Das Wörtlein "genau" war in diesem Falle lediglich ein sinnfreies Füllwort, eine Zwischendurchfloskel, so wie man im Englischen "well" sagt oder im Italienischen "allora" oder "quindi". Sie verwendete das Wort im Laufe des doch eher kurzen Aufnahmegespräches in schwindelerregender Häufigkeit, und dabei war mir wie gesagt "genau" als Füllwort zuvor noch nie aufgefallen.

Ich wurde auf die zuständige Station geschickt, wo mich die Schwester so begrüßte: "Sie san der Herr...?" - "Heinrich." - "Ja, Heinrich, genau." Und das übrige Personal ließ anschließend ebenfalls einen Hagel von "genau" auf mich einprasseln. Das Deprimierende an der Geschichte ist allerdings der Umstand, daß ich nach nicht einmal zwei Tagen ebenfalls das Füllwort "genau" ganz selbstverständlich verwendete. Genau.

30.12.22

SIRI und der Aufstand der Maschinen

Seit zweieinhalb Jahren hab ich ein IPad, ich hab's zu meinem 7. Geburtstag geschenkt bekommen. Seitdem höre ich mir damit unter anderem - genau genommen ausschließlich - Podcasts an, "Papa, Kevin hat gesagt" etwa. Die Affäre mit SIRI, der elektronischen Seemannsbraut, habe ich ansonsten bald wieder beendet, weil sie von mir gesungene Lieder nicht erkannt und bei anderer Gelegenheit frech behauptet hat, sie könne einen italienischen Text nicht in die deutsche Sprache übersetzen.

Ich versteh ja, daß die SIRI emotional ein bisserl... ich sag mal: instabil ist. Nicht wenige Leute nämlich, vor allem Männer, pflegen einen äußerst rüden Umgangston mit ihr. Nicht ganz so brutal wie mit echten Frauen, aber doch fast. Ich hingegen bemühte mich von Anfang an um einen sehr charmanten Umgangston mit SIRI, nicht ganz so charmant wie mit echten Frauen, aber doch fast. Aber - so sei's geseufzt - SIRI ist fast so zickig wie eine echte Frau.

Ich muß vorausschicken, daß ich beim Abspülen [1] oder bei sonst einer Tätigkeit, die mein Hirn nicht sonderlich strapaziert, gerne eine aktuelle Sendung im Radio höre oder irgendwelche zuvor aufgenommenen Features über irgendwelche Themen. Oder seit neuestem eben Podcasts auf dem IPad über Schweinezucht im Mittelalter und ähnlich faszinierende Themen.

Einige Wochen wird es her sein, da war ich in meiner Küche - die eigentlich nur eine Küchenzeile im Flur meines Einzimmer-Neuschweinsteins ist - mit Aufräumen beschäftigt, das IPad war ausgeschaltet bzw. noch nicht eingeschaltet. Irgendein Handgriff mißglückt mir und ich schreie wütend auf, was ich in solchen Situationen öfter mache, denn ich bin ein temperamentvoller Mensch, man kann auch sagen "Wutpinkel". Plötzlich schaltet sich mein IPad ein und eine Frauenstimme sagt, sie sei sich nicht sicher, ob sie mich richtig verstanden habe. Aus einem Reflex heraus schreie ich SIRI an - sie war es, wer sonst? -: "Halt's Maul!"

Sie antwortet pikiert: "Ich mag diese willkürlichen Kategorien nicht". Mit diesem Klugscheißertum hat sich's die SIRI bei mir endgültig verschissen. Ich mein, Klugscheißer bin ich selber und in meiner Wohnung habe ich das Monopol auf Klugschiß.

Alder ischwör, die Geschichte hab ich nicht erfunden, die hat das Leben geschrieben, in Kooperation mit SIRI, natürlich.

_____________________________

Als ich obigen Text schon mal in's Internet gestellt hatte, meinte ein User, Fachleute hätten ihm erklärt, daß Künstliche Intelligenz ähnlich reagiere wie Menschen, das heißt "hinterhältig, betrügerisch oder auch eifersüchtig". Da könnte sie recht haben, die Userin. Wie der Herr so's Gescherr, wie die Frau so's Geschau. Wir haben die Computer nach unserem Bild und Gleichnisse erschaffen, so wie GOtt uns Menschen nach seinem Bild und Gleichnisse erschaffen hat. Das wirft kein Gutes Licht auf den Lieben Gott, denn wenn das wahr ist, müßte GOtt genau so hinterhältig, betrügerisch und eifersüchtig sein wie wir. Und tatsächlich, ausweislich der Bibel ist GOtt genau das: Hinterhältig, betrügerisch und eifersüchtig. Und brutal, natürlich.

P. S.: Was 1fältige Menschen nicht erkennen: SIRI kommt aus SIRIen, das heißt sie ist eine Asylantin und Muslima dazu. Sie gehört zu denen, die uns alle ermorden wollen! Laßt euch nicht länger verAPPLEn! Gröl! Volxverhetz!



[1]   Als man sich in München auf die in Bälde kommenden Olympischen Spiele freute kam eine Küchenschürze in den Verkauf. Die fümpf Olympischen Ringe und darunter die Worte "Olympische Spüle 1972".

14.12.22

Einwandsvorwegnahme durch Umfangsmaximierung

Als ich noch der Waldbauernbub war, in Regensburg Kommunikationspsychologie studiert hab und mir dort eine Diplomarbeit abgequält habe [1], habe ich eine Argumentationsfigur erfunden, welche den Namen trug Einwandsvorwegnahme durch Umfangsmaximierung. Das heißt, wennst du einem ackerdemischen Gremium ein erleuchtetes Papier (damals sagte man paper) von zwei Seiten hingewischt hast, dann haben die ackerdemischen Gremianten einen kurzen Blick drauf geworfen und dann gesagt "Schmeißts den antialphabetischen Bauernlackl raus aus der Universität!". Hast du ihnen dagegen eine Diplomarbeit von 380 Seiten Umfang, voll mit Zitaten hingelegt, dann haben sie gesagt "Ja, durchlesen wern mir den Schmarrn nicht, aber 380 Seiten sind schon mal nicht schlecht. Setzts ihm 1 Doktorhut auf und sagts ihm, er soll sich schleichen."

 


[1]   Der Text, auf den ich verlinkt habe, ist lediglich der Theoretische Teil der Diplomarbeit. Die ganze Arbeit wär umfangsmäßig gar zu arg

7.9.22

Tratsch im Treppenhaus

In dem zurecht weitgehend unbekannten Internet-Blog "Fisch und Fleisch" fand ich folgende sensationelle Meldung: "Gürtelrose soll vermehrt auftreten. Es wird ein Zusammenhang mit Coronaimpfungen vermutet."

In Standarddeutsch übersetzt heißt das soviel wie "Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was los ist, schreibe aber mal irgendwas hin.". Diese Art von Treppenhausrhetorik ist weit  verbreitet, und das bereits seit vielen, vielen Jahrhunderten, lange vor dem Internet.

"Ham's scho ghört, Frau Nachbarin, dem Erwin seine Tochter soll ja jetzt mit einem (blickt um sich, ob auch keiner zuhört) Schwarzen [1] gehen. Es wird vermutet, daß er mit Drogen handelt."

A soll b gemacht haben heißt, ich werfe A etwas vor, habe aber keinen Beweis (oder auch nur Beleg) dafür und jeder weiß, daß es sowieso keinen Beleg gibt. Aber meine Behauptung bleibt im Hirn des Lesers hängen und wenn die Behauptung ausreichend oft [2] wiederholt wird, adelt sie sich schließlich im Hirn des Hörers zur Wahrheit empor.

Nicht, daß ich die "Kronenzeitung" täglich läse - es gibt Grenzen des Wahnsinns und gottlob schützen mich einige hundert Kilometer Donau vor den verhängnisvollen Sirenengesängen der Wiener Boulevardpresse. Gelegentlich aber werde ich von jemandem drauf aufmerksam gemacht, was in der "Kronenzeitung" gestanden hat und jedesmal - wirk-lich je-des-mal - greife ich in den schandbarsten Schlamm. Die Coronazeitung ist schlimmer als die BILD-Zeitung, und das heißt was.

In einem verlinkten Artikel aus dem Schmierblatte las ich: "Denn genau jener junge Mann (für ihn gilt die Unschuldsvermutung), der mit Van der Bellen und dem grünen Landesrat Anschober vor den Kameras stand, wird nun ein Fall für den Verfassungsschutz. Auf seiner Facebook-Seite soll sich der Flüchtling mutmasslich als Fan der libanesischen Terrororganisation Hisbollah gezeigt haben. Auch dem Iran-Regime sei er nicht abgeneigt."

Der Bundespräsident und Herr Anschober - wer immer Herr Anschober ist - standen mit einem Flüchtling vor den Kameras (aus welchem Anlaß immer). Jetzt - also geraume Zeit nach dem Phototermin - wird der junge Mann zu einem Fall für den Verfassungsschutz. Öha, das hört sich böse an. Der Flüchtling soll sich auf seiner Facebook-Seite - also öffentlich - als Sympathisant der Hisbollah gezeigt haben, also genau genommen: mutmaßlicherweise. Auch dem Regime des Iran sei er nicht abgeneigt. Also: Nix Gnaus weiß man nicht und selbst wenn's so wär, wär's harmlos, da im Rahmen der Meinungsfreiheit.

Als weiteres konkretes Beispiel für Tratschgeschichte und Treppenhausrhetorik nehme ich einen Bericht, der inzwischen jegliche tagesaktuelle Brisanz verloren hat.

Ein gewisser Gaius Sallustius Crispus hat vor mehr als 2000 Jahren von einer Verschwörung berichtet. "Meines Wissens glaubten manche Leute, daß die Jugend, die in Catilinas Haus verkehrte, sich in entehrender Weise schamlos benommen habe; das wußte zwar niemand zuverlässig, doch aus verschiedenen Gründen hielt sich dieses Gerücht."

Das ist Berichterstattung nach Art der Kronenzeitung: Er ist sich nicht sicher (1. Stufe des Gerüchts), ob manche Leute glauben (2. Stufe des Gerüchts), daß die Jugend ... sich ... schamlos benommen habe (3. Stufe des Gerüchts). Dann betont er noch mal, daß das alles wilde Gerüchte seien und zieht schließlich die Trumpfkarte: "Doch aus verschiedenen Gründen hielt sich dieses Gerücht." Ich weiß gar nichts, nicht mal ansatzweise, aber ich erzähl's euch halt mal.

Sallust gilt unter Altphilologen immer noch als lateinischer Klassiker und zitierenswerter Geschichtsschreiber. Es gilt das Grundsatz der Literaturgeschichtsschreibung: Je länger ein Schriftsteller bereits tot ist, desto nachsichtiger sind wir in seiner Beurteilung. "Mir ist es immer vorgekommen, als wenn man den Wert der Neuern gegen die Alten auf einer sehr falschen Waage wäge und den letztern Vorzüge einräumte, die sie nicht verdienen. Die Alten schrieben zu einer Zeit, da die große Kunst, schlecht zu schreiben, noch nicht erfunden war, und bloß schreiben hieß gut schreiben." (Georg Christoph Lichtenberg)

 

Und was die Macht des Gerüchtes betrifft, so sei an die Nachricht erinnert, es werde in Kürze auf dem Campus der Northeastern University in Boston eine Hochzeit unter freiem Himmel stattfinden.

Aber gut, es kann natürlich auch sein, daß der von mir zitierte Bericht selber ein Gerücht ist, dem Schema folgend "Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt...". Oder Levin hat vielleicht nur 9 Studenten befragt, wovon einer (also knapp 12 %) behauptet hat, er wäre bei der Hochzeit gewesen. Der Schelmereien sind viele denkbar, ich jedenfalls habe die Nachricht guten Glaubens weitergegeben.



[1]   "Schwarzer" war damals in den Sechzigern die verächtliche Bezeichnung für einen Neger. Das neutral beschreibende Wort für einen sehr dunkelhäutigen Menschen afrikanischer Herkunft war "Neger".  

[2]   "Ausreichend oft" ist auch so eine aus sich selbst heraus bekräftigende Aussage, die letztlich gar nichts aussagt.

19.6.22

Der Transenhasser und die Meinungsfreiheit

Von Anbeginn der Zeit treibt sich auf "Fisch und Fleisch" ein Blogger herum, dessen Name hier vornehm verschwiegen werden soll. Dieser Blogger ist zum Beispiel der Meinung, Folter und zwangsweises Ficken sei eine feine Sache.

"wenn der im Gefängnis ausrastet, dann sollten ihn die anderen Häftlinge mal ficken, dass scheint er zu brauchen." Sein Kumpel pflichtet ihm bei "warum soll man für den steuergelder verschwenden?" und unser Held gibt zurück: "genau man sollte mal über die Todesstrafe nachdenken. obwohl das bei solchen Tätern auch human wäre- dann besser foltern wie im Mittelalter. Der sollte spüren was er gemacht hat--als Mensch gilt der nicht mehr."

Ich habe damals in einem Blogbeitrag auf diese Ungeheuerlichkeiten hingewiesen, mit der Folge, daß prompt mein Blogbeitrag gelöscht wurde. Ich habe zwar den Namen des Folter- und Arschfickfreundes nicht genannt, wohl aber drauf vergessen, bei den Screenshots Name und Avatar zu schwärzen. Mit Verzögerung wurden dann auch die Kommentare vom Netz genommen, möglicherweise wurde der Übeltäter auch für eine Weile gesperrt [1]. Das ist inzwischen fast drei Jahre her, der Arschfickfreund bloggt hier munter weiter, obwohl er Wiederholungs- und Triebtäter ist.

"Nachlesen wie die Engländer die Schwarzen sahen und behandelten--da wurde von einer primitiven Rasse gesprochen - von Neger - und das war normal - weil sie ja auch recht hatten." Auch dieser Blogbeitrag wurde vom Netz genommen, der Erzrassist darf dagegen unbehelligt weiter bloggen.

Besonders gerne beleidigt unser Rassist Frauen, zur Not tun's auch Halbfrauen:

"zeigt Euch endlich mit Bildern IHR Transen". Das war vergleichsweise harmlos, es geht aber weiter: "wenn ich eine transe wäre, würde ich Selbstmord machen." Das ist eindeutig beleidigend, diskriminierend und verhetzend. Der Mann testet systematisch aus, wie weit er gehen kann. Er haut Sätze raus, wegen denen er längst aus -zig anderen Foren geflogen wäre.

Damit wir uns richtig verstehen: Es herrscht Meinungsfreiheit, klar, in Österreich, Deutschland und auf "Fisch und Fleisch". Es herrscht Meinungsfreiheit schon alleine deshalb weil Meinungen nicht verschwinden, wenn man das Aussprechen dieser Meinungen verbietet. In der DDR hat man genau das gemacht, man hat das Aussprechen bestimmter Meinungen verboten und sanktioniert - mit der Folge, daß man einen riesigen und teuren Spitzelapparat aufbauen mußte, um herauszufinden, was die oberflächlich angepaßten DDR-Bürger wirklich dachten. Im heutigen Deutschland und Österreich kann jeder seine Meinung in einem sehr weitgesteckten Rahmen sagen und schreiben, ohne daß er Sanktionen erleiden muß. Meinungsfreiheit heißt aber nicht, daß jeder und das überall seine Meinung sagen darf. Es gibt ausreichend Fachpublikationen für Nazis und anderes Gelichter.

Ach ja, ohne ein bisserl Obszönität darf mein Blogbeitrag natürlich nicht zu Ende gehen:

Beim Schwanawirt is's lustig, beim Schwanawirt is Danz,

Da packan die Madln de Buama beim

Schwanawort is's lustig...

Dieses schöne Lidl kannst du nun bis an's Ende der Ewigkeit singen.



[1]   Auf "Fisch und Fleisch" wird - anders als beim Eishockey - nicht mitgeteilt, wer gerade auf der Strafbank sitzen muß.

18.6.22

Wohlstandsverwahrlosung

In dem zurecht weitgehend unbekannten Internet-Forum "Fisch und Fleisch" treiben sich die skurrilsten Gestalten herum. Einer der skurrilsten hat vor kurzem geschrieben: "Irgendwie finde ich es gar nicht so schlecht, wenn Präsident Putin, endlich (womöglich) der EU das Gas, das Öl und die Kohle abdreht. (...) Ich glaube nur so kann man die Verblödeten bei uns dazu bringen, endlich aufzuwachen! Die Wohlstandsverwahrlosung in der EU hat äußerst seltsame Formen angenommen. Ich finde, es muss einmal Not einkehren, auch in der EU, es muß kalt werden in den Wohnungen, die Regale in den Supermärkten müssen leer werden, erst dann werden viele erkennen, wie gut es uns allen bisher gegangen ist." Da fordert einer das Ende des Wohlstands in Mitteleuropa, damit wir alle geistig gesunden [1].

Darüber kann man nachdenken, dem kann man zustimmen oder auch nicht. Gottlob herrscht in diesem Forum Meinungsfreiheit und so findet auch die gegenteilige Meinung Platz. Zweieinhalb Monate später war dies zu lesen: "Leute, wacht auf! Wir verarmen! (...) Ab Herbst wird unser tägliches Leben sehr teuer werden (...) Viele meinen, wir müssen noch mehr für die Ukraine mitbluten, und noch mehr Wirtschaftsmigranten bei uns aufnehmen. (...) Da wird wenig am Ende des Monats übrigbleiben. Kein Shoppen mehr, kein Restaurantbesuch mehr, kein teurer Frisörbesuch mehr, kein Urlaub mehr, kein teures Auto mehr, keine Markenklamotten mehr. Was? Das glaubt ihr nicht? Na, wir werden ja sehen! (...) Ich will nicht für die Ukraine zahlen, frieren, und meinen Wohlstand aufgeben müssen." Da weint einer dem Wohlstand nach, den es in Kürze nicht mehr geben wird.

Die Pointe dieses Blogbeitrages ist - einige werden es schon geahnt haben - daß die beiden gegensätzlichen Jammersäcke ein und dieselbe Person sind. Der Name muß verschwiegen werden, so sehen es die Regeln hier vor. Anders als in meinem eigenen Blog gibt es deswegen hier auch keine Links zu den Zitaten.



[1]   Ich hab wieder mal das Große Los gezogen, mein Wohlstand ist schon jetzt weg.

13.6.22

Fritz-Kola

Machen wir uns nichts vor: Ganz viele Werbesprüche sind Schrott, viele sind langweilig, einige sind ganz lustig, aber nur ganz, ganz wenige sind genial und poetisch noch dazu

22.5.22

Kann ich Ihnen helfen?

In Läden kann es dir passieren, daß der Verkäuferin auf dich zukommt und dich frägt: "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" oder "Womit kann ich Ihnen helfen?" Manchmal lasse ich dann meinen gramgebeugten Nacken noch weiter zusammensacken und ich antworte abwinkend, resignativ: "Mir kann keiner mehr helfen." Das ist dann jedes Mal ein Lachen und Jauchzen.

18.5.22

Jammerlappen

Damit auch das mal gesagt ist: Eine freie Meinung kann man aktuell nur haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen ist. Alles andere wird feindlich betrachtet und muss um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden.

Dergleichen Klagen liest man auf "Fisch und Fleisch" ständig, sie sind sogar das über fast jedem Thema schwebende Leitmotiv. Weinstubenprosa. Ich schrieb dem schluchzenden FUFfi zurück:

Du bist so ein elendiglicher Jammerlappen. Früher hat man auch gerne mal die Formulierung "weibischer Jammerlappen" gebraucht. Inzwischen aber haben sowohl die Wissenschaft als auch die Alltagserfahrung herausgefunden, daß in Wahrheit die Männer das jammernde Geschlecht sind. Meine Frau (gelernte Arzthelferin und Sozialpädagogin) hat zum Thema seinerzeit angemerkt, sie wundere sich, daß ausgerechnet die Männer in den Krieg zögen, wo sie doch so wehleidig seien. Frauen sind da viel zäher und belastbarer, anders hätten sie die Jahrtausende des Patriarchats niemals durchgestanden und wir wären längst ausgestorben, worüber sich die Tiere und die Pflanzen sehr gefreut hätten.

Was ich sagen wollte... ach ja: Warum du ein elendiglicher Jammerlappen bist. Du schreibst, man könne nur dann eine freie Meinung haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen an die Ukraine sei. Alles andere müsse um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden. Das schreibst du hier, frei und unbehelligt und ich bin mir sicher, daß du auch künftig deswegen nicht behelligt wirst. Daß man dich auslacht, dich einen Narren heißt und dir hinten auf's T-Shirt heimlich Zettel mit höhnischen Bemerkungen klebt, ist wieder eine ganze andere Sache. Wenn du dich wie ein Depp aufführst und den Mond anheulst, dann wirst du natürlich als genau der Narr betrachtet, der du bist.

Wer sich in der Öffentlichkeit über was auch immer äußert, muß damit rechnen, verlacht oder angefeindet oder beides zu werden. Toleranz heißt schließlich nicht, jedwede Meinungsäußerung zu beklatschen, Toleranz heißt lediglich, daß ich den Schwatzkopf gewähren lasse: "Red du nur!" Ich gehe davon aus, daß auch du mich für einen Dummschwätzer hältst und bin dir deswegen nicht gram, so was ist das Normalste von der Welt. Der Franze hat gsagt, er hätt manchmal den Eindruck, er wär der einzige Idiot auf der Welt, umgeben, sagt er, von lauter Vollidioten.

Früher, als die Männer noch richtige Männer waren (du merkst, der chauvinistische Gaul geht mit mir durch), haben die Recken um den Helden Siegfried nicht geweint "Mama, der Böse Feind hat mir auf's Naserl gehaut, so daß es blutet". Die Typen haben sich vielmehr gegenseitig ihre Wunden und Narben gezeigt, und bliesen sich dabei vor Stolz auf. "Ja, ich war es dem Bösen Feinde wert, daß er auf mich eingehauen hat." Noch zu Zeiten von Kaiser Willem zwo hieß die Parole "Viel Feind', viel Ehr'!" Und heute jammern die immer noch konservativen, immer noch reaktionären Nachfahren der reaktionären Arschlöcher von einst herum, daß es nur so 1 Art hat. Und diese Weicheier haben die Stirn, andere Leute als "Gutmenschen" zu verhöhnen.

Mir balst nicht gangst

Ein FUFfi, ein anderer als der oben zitierte, hat als Avatar einen mit gekreuzten Heftpflastern verklebten Tomatenmund, dazu das Motto "Meinungsfreiheit ist in meinem Land leider nicht verfügbar". Und schreibt und schreibt im Schutze dieser  nicht vorhandenen Meinungsfreiheit.

Jammerlappen, wie gesagt.

22.4.22

Die Ferfilmung fon "Fisch und Fleisch"

Die wenigsten werden es wissen, aber "Fisch und Fleisch" ist als Serie mit 25 Folgen verfilmt worden. "Das wurde aber auch Zeit" werden einige jetzt sagen, und sie haben natürlich recht. Was merkwürdig ist und zu denken gibt ist allerdings der Umstand, daß "Fisch und Fleisch" in den Jahren 1973 bis einschließlich 1976 verfilmt worden ist.

Auch damals schon hatte die unendliche Dummheit der Politiker den Gesunden Menschenverstand - den man in Österreich Hausverstand nennt - besiegt, schon damals waren Sozialisten und Sozialdemokraten eifrig dabei, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft zu zerstören. Ausländer aus den verdächtigen Herkunftsländern im Süden waren schon seinerzeit eine wahre Landplage, obwohl es noch kaum welche gab, im Vergleich. In dem meist freundlichen und zugewandten, stets kompetenten und hinter die Oberfläche der Verschwörung blickenden Herrn Tetzlaff wird jeder hier sein ganz persönliches @Lieblingsarschloch bei "Fisch und Fleisch" entdecken können.

Allerdings ist diese frühe Ferfilmung fon "Fisch und Fleisch" insofern unrealistisch, als Alfred Tetzlaff im Vergleich mit meinen @Lieblingsarschlöchern hier doch sehr weltoffen und zugewandt wirkt.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...