17.7.23

Das Schockierende am Sandwich und wie ich es rausgefunden habe

In den fünfziger Jahren kam das vordem weitgehend unbekannte englische Wort "Sandwich" in die deutsche Sprache. In den fünfziger Jahren war ich noch der Waldbauernbub und für Jahre war "Sandwich" für mich das Fürst-Pückler-Eis zwischen zwei Waffeln. 

 Ich hab überhaupt merkwürdige und manchmal ausgesprochen hartnäckige Assoziationen. Noch heute stelle ich mir, wenn ich das Wort "Luxus" höre, erst mal das gleichnamige Vanille-Stangerl-Eis mit Schokoglasur von Jopa vor.

Auf dem Gumminasium haben wir dann gelernt, daß es im sehr, sehr südlichen Südatlantik die Sandwichinseln gibt. Was haben wir damals gelacht, allerdings weiß ich heute nicht mehr, was wir uns seinerzeit unter einer Sandwichinsel vorgestellt haben. Mit Sand und mit Hexe hat's jedenfalls nichts zu tun, so viel war allen klar.

"Die Sandwichinseln sind benannt nach John Montagu, dem 4. Earl of Sandwich (* 13. November 1718, + 30. April 1792 in Chiswick). Montagu war ein britischer Diplomat und Staatsmann. Er ist heute vor allem bekannt durch das nach ihm benannte belegte Brot, das Sandwich." (Wikipedia)

Das nach dem "Earl of Sandwich (...) benannte belegte Brot" hat mich  jahrzehntelang und geradewegs in die Irre geführt. Nach meinem Sprachverständnis ist nämlich ein Belegtes Brot ein mit Wurst, Käse,  Gürkchen oder was immer belegtes (oder meinetwegen auch bestrichenes) Brot, und "Brot" meint hier Scheiben mehr oder weniger dunklen Brotes im Sinne der Reichsunmittelbaren Brotverordnung Karls III.

Ein "Sandwich" aber ist - wiederum in meinem Sprachverständnis - 1 2gliedriges Ensemble aufeinandergelegter 3eckiger Toastbrotscheiben. Toastbrot - weiß jeder - schmeckt wie Arsch und Friederich, es ist Watte auf Weizenbasis, eine reiz- und geschmacklose Trägersubstanz für allerlei Zeug. Getoastet aber kann man es schon runterwürgen.

Im Supermarkt kriegst du zweierlei Arten von Weißestbrot: Einerseits das Toastbrot, das tatsächlich zum Anbraten im elektrischen Anbrater gedacht ist und andererseits das American-Sandwich-Brot, das im Querschnitt ein gutes Stück größer ist als das Toastbrot. Und dieses Brot ist zum Rohessen bestimmt. An Bahnhöfen und anderen höchst dubiosen Orten bekommst du diese Sandwiches divers belegt und in Plastikdreiecke eingeschweißt.

Ich muß jetzt aufhören, mir ist schlecht. Oder wie Rilke einst schrieb:

Mir ist übel / Bringt mir einen Kübel

Mir ist schlecht / Bringt mir einen Specht

Heil Undercut!

Eine der Hauptursachen von Depressionen sind Friseure, meinte schon im frühen 16. Jahrhundert der Schweizer Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Paracelsus. Von ihm stammt das geflügelt gewordene Wort "Post tonsorem omne animal triste" (Nach dem Friseurbesuch ist der Mensch von Schwermut erfüllt).

Du sagst der Friseuse, wie du die Haare gerne hättest, sie aber schneidet dir die Haare nach eigenem Gutdünken. Und zwar so, daß deine Mutter erst, später deine Frau und noch später deine Typberaterin meint "Jetzt schaust wieder wie ein anständiger Mensch aus." In Normaldeutsch übersetzt heißt der Satz "Du hast jetzt ein Arschgesicht / Ein arschgesicht'res findst du nicht."

Martin Luther seligen Angedenkens bekam auf dem Reichstag zu Worms 1521 ordentlich die Haare gewaschen und geschnitten und er hat sich danach dermaßen geschämt, daß er ein Jahr lang nicht mehr unter Leute ging. Er versteckte sich auf der Wartburg und übersetzte dort aus Langeweile das Neue Testament in's Deutsche. Noch heute endet die Bibel mit der Apokalypse und diese wiederum mit den Worten: Vom Barbier kömmt die Schwermut, von der Schwermut der Wermut und vom Wermut die Trunksucht.

https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiddY0_mKys2gksCtlEPGK9Zkmss7JdYFsma3mH7dv4ci1DHdMw0VIonJ6n0nu-NqcWrfYY93BIHmTDNSoidx-4CXPxa1dfXrjMclOmgQkIXssjs68VgjQGuV-Jgiscybk1XK-nKKEWzfS1Siars7bylgCZyPxnRGB4J0WMxwwzNAA4_40p5hYMyqoDir2Y/w374-h536/Snoor.jpg 

Die Frisur, die der depressive Herr weiter oben auf dem Photo trägt, nannte man früher Topfschnitt, weil die Mutter, wahlweise auch die Großmutter einem da einen Topf überstülpte und alles wegschnitt, was unten rausguckte. Heute nennt sich die Frisur Undercut und ist wahnsinnig trendy und stylish.

Die Wikipedia meint zum Undercut (Ein Uppercut ist übrigens ganz was anderes): "Der Haarschnitt war bereits von den 1920er bis zu den 1940er Jahren populär und wurde daher 2012 in der Süddeutschen Zeitung als „HJ-Frisur“ bezeichnet".

Und genauso ist es,

wenngleich der Herr auf diesem Bild aus dem HJ-Alter schon ein wenig heraus ist. Nichtsdestotrotz: ss rulez!

Dieser Herr trägt eine Original-Nazifresse zur Schau, von der geometrisch strengen Gasmaskenfrisur über den Entschlossenheit simulierenden Mund bis zum vorgereckten Kinn. Laß mich schweigen von der Blitzkrieg-Körperhaltung.

Minutenkurze Reschärsche hat mir verraten, daß es sich bei diesem Herrn um Ivan Prtajin handelt, einen Stürmer beim SV Wehen Wiesbaden, einem Verein, der schon im Vereinsnamen dem Geburtsschmerz der Frauen ein anrührendes Denkmal setzt. Prtajin, so erfahre ich weiter, kommt aus Kr******. Auch das noch.

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...