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7.6.26

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bringen ist, zum Reparieren zu bringen. Ich nahm den Computer, steckte ihn in meinen größten Rollkoffer und machte mich dann auf den Weg zum PC-Experten am anderen Rande des Gewerbeparks. Es war ein ruhiger Tag, wenig Menschen unterwegs, kaum Autos auf den Straßen, die Sonne schien, es war warm aber noch nicht heiß, ein schöner, nicht allzu langer Spaziergang, wenn nur der Rollkoffer mit dem schweren PC nicht wäre.

Als ich ankam war der Laden geschlossen, ein Werbeaufsteller stand im Eingang. Ich schaute auf die Uhr, es war wenige Minuten nach zwei Uhr, der Laden öffnet um 14.00 Uhr, soweit also alles im Lot. Bald würde jemand kommen und den Laden aufsperren. Direkt beim Laden gab es nichts, wo man sich einigermaßen bequem hätte hinsetzen können, aber 20 Meter weiter gab's ein Bushäuschen. Da saß ich nun und wartete und alle paarundzwanzig Sekunden schaute ich hinüber zum Laden. Es kam aber keiner und nach einer halben Stunde merkte ich auch, daß kein Bus kam.

Jetzt, jetzt erst kam die Erkenntnis, daß heute ein Feiertag ist, Fronleichnam.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

15.3.26

Wenn ein Gerücht zur Offenbarung wird

Je weniger du weißt, desto fester glaubst du daran

Wenn du in "Fisch und Fleisch" liest kann es passieren, daß dir aus dem Rechner die Wahrheit oder auch das Gegenteil entgegenlächelt. "Je länger ein historisches Ereignis zurückliegt, desto eher werden Tatsachen durch Meinungen ersetzt."

Ich mache eher die umgekehrte Beobachtung. Nimm an, ich käme heutzutage mit einem Bogen Papier vom Berg zurück und würde behaupten, auf diesem Papier habe mir Gott eine wichtige Botschaft notiert. Man würde mich höchstwahrscheinlich für einen durch­ge­knallten Spinner halten. Dabei ist meine Geschichte sehr gut dokumentiert, x Kameras haben mich gefilmt, wie ich vom Berg zurückkomme, man kann das Papier und die Schrift darauf analysieren, ich stehe für Interviews und Talkshows zur Verfügung, in denen mich jeder befragen und meine Darlegungen auf innere und äußere Glaubwürdigkeit abklopfen könnte.

Je älter eine solche Geschichte dagegen ist, je weniger gut sie dokumentiert ist, umso glaubwürdiger wird sie. Nimm die uralte Geschichte von Moses und dem Sinai, die uns überliefert ist von einem, der einen gekannt, welcher der Schwager eines guten Bekannten war, der wiederum der Ur-ur-ur-ur-Enkel von Moses gewesen sein soll... Sie wird ernst genommen als enthielte sie... äh,... Gottes Wort.

Und je öfter schon irgendwelche Leute an dieser alten Geschichte herum geändert haben für desto authentischer gilt sie. Man deutelt frohgemut an jedem Buchstaben des Textes, der, wie gesagt, bekanntermaßen x-mal redigiert worden ist. Theologie ist über ganz weite Strecken eine Gerüchtologie.

Die Bibel ist unmittelbar Gottes Wort, sie ist vom HErrn den menschlichen Autoren direkt in die Feder diktiert worden. - Woher weißt du das? - So steht's doch in der Bibel selbst, die ihrerseits Gottes Wort ist. Okay, ein bisserl interpretieren muß man schon...

Es gibt nichts Leichtgläubigeres als einen klugen Menschen, der glauben will, weil er sich dann besser fühlt. Der Mensch muß sich die Welt erklären, anders erträgt er sie nicht, anders kann er nicht in dieser Welt leben. Jede Theorie - buchstäblich und wortwörtlich: jede - ist besser als keine Theorie. Religionsstifter und Philosophen haben das erkannt und die Marktlücke mit Sinn gefüllt.

Ende der siebziger Jahre bin ich auf der Autobahn in Regensburg nach Norden gefahren. Das Autoradio war eingeschaltet und ich hörte gerade Nachrichten auf einem UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks. Dann kam der Pfaffensteiner Tunnel und so ganz allmählich wurde der Empfang immer schlechter, bis schließlich im Inneren der Tunnelröhre überhaupt nichts mehr zu hören war.

Als die Ausfahrt näher kam, setzte das Programm wieder ein. Musik erst und dann sprach einer über die Musik - auf Polnisch! Kein Sprechgesang, sondern eine ganz normale Ansage, wie vor jeder Sendung, nur eben diesmal auf Polnisch.

Innerhalb von Sekunden hatte ich mir eine Theorie zurechtgelegt; daß nämlich bei bestimmten Wetterlagen Überreichweiten bei UKW-Sendern auftreten könnten (das ist tatsächlich so), daß ferner topographische Besonderheiten an der Nordseite des Berges diese Überreichweiten verstärken würden, so daß jetzt eben grade ein polnischer Sender in hervorragender Qualität zu empfangen sei.

Damit war ich vorerst zufrieden und fing an, mich wieder zu entspannen, als der seinerzeit wohlbekannte Moderator Ado Schlier vom Bayerischen Rundfunk seine Stimme erhob und kundtat, es folge nun, in einer Übernahme vom polnischen Rundfunk, die Übertragung eines Jazzfestivals aus Zoppot.

Ach so, so einfach.

Schade um meine schöne Theorie, sie wäre soviel hypscher gewesen.

11.9.25

Wie das Böse in die Welt kam und warum es blieb

In dem Schwarz-Weiß-Film "Der Haustyrann" aus dem Jahre 1959 spielt Heinz Erhardt einen gestreßten Kaffeehausbesitzer. Beim Mittagstisch macht der kleine Junge eine freche Bemerkung über seinen Vater und fängt sich dafür eine (eher symbolische) Watschn ein. Zu seiner Tante, die ihn trösten will, meint der Junge schluchzend: "Wenn ich mal groß bin, dann hau ich meine Kinder auch."

Viel mehr an Weisheit kannst du aus der Psychologie nicht herausholen.

10.10.24

Wie schön, ein Selbstmordtreppenhaus

Form follows function ist seit 1852 der Leitsatz von Architekten und Produktdesignern. "Ein guter Leitsatz" sagst du, bis dich Erfahrung eines Besseren belehrt. Zu meinen Lieblings-Gewaltphantasien gehört es seit alters, einmal eine Designerin (m/w/d) mit einem nassen Handtuch zu erschlagen.

* In den neueren Modellen der Zugwaggons findest du Gepäckablagen, die sind so elegant, daß du kein Gepäck dort unterbringst. Allenfalls ebenfalls elegante Aktenköfferchen passen in die schmalen Ablagen, bei Koffern auch von bescheidener Größe hast du keine Chance.

* An den Fenstern neuerer Waggonmodelle hängen keine Vorhänge, dich gegen blendende Sonne zu schützen, wie es ganz früher war. Auch herabzuziehende Rollos suchst du vergeblich.

* Mein Computer hat ein pechschwarzes Gehäuse, darin sich unter anderem zwei Löchlein befinden, Kopfhörer oder Mikrophon anzuschließen. Die Löchlein sind schwarz umrandet, von gleicher Pechschwärze wie das Gehäuse. Ist es heller Tag ist das kein Problem, strahlt dagegen die Sonne, siehst du nix mehr und mußt die Löchlein mit den Fingern ertasten oder die Taschenlampe fragen, ob sie dir vielleicht leuchten möge. Mein Zimmer geht nämlich nach Süden, Rollos gibt's nicht und die Vorhänge sind nicht wirklich lichtdicht.

* Viele Webdesigner, vor allem die kreativen, finden es langweilig und wenig kreativ, Texte schwarz auf weiß ins Netz zu stellen. Weil? Weil schwarz auf weiß ist langweilig und unkreativ. Also gestalten sie ihre Website so, daß ein Text in dunkelgrauer Schrift auf hellgrauem Hintergrund erscheint.

Lesen kann man den Text zwar schon noch, aber es ist waaahnsinnig müselig. Unnötig myselig, so als wyrde man 1 Täkst one Rächtschraibunk... Ach.

Das Prinzip ist klar? Ihr versteht jetzt meinen Drang, Designerinnen zu erschlagen?

In den letzten fünfzig Jahren habe ich neben die Designer auch noch die Architektinnen in mein blutrünstiges Nachtgebet eingeschlossen. Passiert ist es, weil mir eines Tages die wunderschönen und hellen offenen Treppenhäuser in größeren Gebäuden aufgefallen sind. Selbstmordtreppenhäuser nenne ich sie seitdem. Wie krank muß ein Hirn sein, dem so etwas einfällt?

Mir ist klar, daß das Wort "Selbstmordtreppenhaus" ein durchaus fragwürdiges Wort ist, nicht das "Treppenhaus" natürlich, sondern der "Selbstmord". Wenn sich einer hamdraht, also Hand an sich legt, ist das Wort "Mord" für diesen Vorgang alles andere als selbstverständlich. Der Begriff Selbstmord, den auch ich oft gedankenlos verwende, ist nämlich ein ideologischer Begriff. Im Wort wird die Nähe zu einem Verbrechen nahegelegt, das Verhalten also als negativ gebrandmarkt, was uns Heutigen eigentlich merkwürdig vorkommen müßte. Es gab aber Zeiten, und das meint fast die gesamte Menschheitsgeschichte von der wir wissen, da war der Suizid genau wie der richtige Mord mit der Todesstrafe bedroht. Suizidanten, deren Selbsttötung mißlungen war, wurden aufgepäppelt, dann zum Tode verurteilt und schließlich aufgehängt. Selbst bei geglückter Selbsttötung hat man die Leiche zur allgemeinen Schande am Galgen aufgehängt und dann außerhalb des Friedhofs verscharrt.

Der Grund ist klar: In einer Zeit, da die allermeisten Menschen ihrem Sklavenhalter oder Grundherrn leibeigen, das heißt zur Arbeit für ihren Herrn verpflichtet waren, war Selbsttötung tatsächlich ein schwerer Raub am Grundherrn. Ich habe mit meiner Selbsttötung meinen Grundherrn um einen erheblichen Vermögenswert gebracht.

"Suizidtreppenhaus" wollte ich nicht schreiben, "Suizid" klingt mir dann doch zu eitel und akademisch.

 

Einen Kalauer hab ich noch: Milizid

Milizid wäre der passende Name für einen Kampfstoff, der ausschließlich oder doch vor allem Soldaten tötet.

28.8.24

Was das einzig Gute an Träumen ist

Kleiner Mittagsschlaf. Im Traum versuche ich, Leuten, die mit einer aus Holz gefer­tig­ten Rakete in's Weltall starten wollen, ihr Vorhaben als unrealistisch und höchst gefährlich auszureden. Und falls sie es doch tun wollten, gab ich ihnen Gute Ratschläge, was sie dabei be­achten müßten. Hört sich irgendwie sozial­de­mo­kratisch an, ich weiß aber auch nicht genau. Jedenfalls, als ich gerade dabei war, ihnen die Sache zu erklären, bin ich aufgewacht. Ich hatte meine Argumentationslinie noch nicht fertig gestaltet, da gab es noch dran zu feilen. Und ich feilte, wach wie ich inzwischen war. Es hat eine Minute, vielleicht auch deutlich länger gedauert, bis ich endlich gemerkt hatte, daß es meine Gesprächspartner gar nicht gab, nie gegeben hatte, mein weiteres Mühen also sinnlos war. Mir balst nicht gangst, bleibts mir bloß weg mit den Träumen.

Das einzige Gute an Träumen ist noch, daß man die meisten Träume gottlob verschläft.

7.8.24

Wie ich einmal einen genialen Einfall hatte

Montag war IFT-Kurs in München. Für die Heimfahrt hatte ich einen genialen Einfall: Ich fahre mit der U3 durch bis nach Moosach, von dort aus mit der S1 nach Freising. In Freising nämlich hält sowohl der Regionalexpress, vom Hauptbahnhof wegfährt als auch der Flughafenexpress nach Regensburg. So habe ich zwei Chancen, einen Zug nach Regensburg zu erwischen. Ein Zug von München nach Regensburg ist nämlich ein kostbares, da seltenes Geschenk des Himmels.

In Moosach erfahre ich, daß die S1 wegen Bauarbeiten nur bis Oberschleißheim fährt, dort muß ich umsteigen in eine andere S1, die nach 20 Minuten auch kommt. Ich bin in dem Zugteil, der zum Flughafen fährt, steige also bei der nächsten Station nach vorne um. Es wäre natürlich sowieso besser gewesen, zum Flughafen zu fahren, aber das ist der Preis des Genies. In Freising lese ich, daß der Regionalexpreß nach Regensburg erst in 80 Minuten fährt. Also denke ich, weiterer genialer Gedanke, ich fahre mit der S1 wieder zurück zum Hauptbahnhof  und steige dort direkt in den Zug nach Regensburg um. Das ist zwar kein Zeitgewinn, aber doch weniger langweilig als in Freising auf dem Bahnsteig rumzusitzen. Am  Hbf. erfahre ich, daß der Zug nach Regensburg schon weg ist, die beiden Nachfolgezüge fallen heute leider aus. Ich frage zwei indisch aussehende Bahnbedienstete, ob es noch eine Möglichkeit gäbe, nach Regensburg zu kommen. Ja, da müßte ich zum Flughafen fahren, dort fahre um 23.35 h noch ein letzter Zug. Die S-Bahn kommt (pünktlich!) um 23.35 h an, der Flughafenexpress nach Regensburg ist (natürlich!) bereits weg. Also zurück nach München, der nächste Zug geht um 4:44 h. Bis dahin sitze ich auf dem Bahnsteig.

Ich nehme mir vor, nie wieder einen genialen Einfall zu haben.

19.7.24

Vom Geheimdienst bespitzelt

Seit ich denken kann - und das ist noch gar nicht so lange her - werde ich vom Geheimdienst bespitzelt. Alle paar Jahre werde ich auch Opfer von Mordanschlägen, die zwar meistens mißlingen, manchmal aber auch nicht. Früher, als ich noch in Neustift bei Aldersbach bei Vilshofen bei Passau, weit draußen auf dem niederbayerischen Land gewohnt habe - der nächste Nachbar fast einen halben Kilometer entfernt - habe ich bemerkt, daß ich von verschiedenen Geheimdiensten - deren Namen ich hier nicht nennen darf - rund um die Uhr bespitzelt wurde. Die Agenten saßen rund um die Uhr in den die Holzhütte umgebenden Bäumen und fotografierten und filmten, daß die Schwarte krachte. Daß sie auch die Gespräche in meiner Hütte abhörten - ob live oder fernmündlich beziehungsweise schriftlich - versteht sich von selbst.

Fatal für die Agenten war und ist allerdings der Umstand, daß bei mir so gut wie immer so gut wie nichts passiert. Die bleierne Ereignislosigkeit ihrer Überwachung ermüdet die Schlapphüte, sie sacken in sich zusammen.

In Neustift, wo es nachts so still ist, daß du Maulwürfe husten hörst,  habe ich immer mal wieder ein nächtliches Rascheln gehört, dann ein dumpfes Plumpsen und einen klagenden Laut und am nächsten Morgen war nichts mehr zu sehen. Die Geheimdienste haben ihre tödlich verletzten Agenten noch jedes mal sauber weggeräumt. Ich habe nie auch nur das Geringste von diesen tragischen [1] Geschehnissen bemerkt, was alleine schon hochverdächtig ist.

Aber mir kann man nichts vormachen.



[1]   "Tragisch" ist natürlich - wie meistens - das falsche Wort.

17.7.24

Psychologische Diebstahlssicherung

Wenn du in den passenden Stadtvierteln spazieren gehst, siehst du an der Fassade so manchen Ladens, Geschäfts- oder Wohnhauses einen grauen oder weißen Blechkasten mit einer daran montierten Lampe, die man für das Blaulicht eines Streifenwagens halten könnte, wäre die Lampe nicht rot. Es ist der äußere Signalkasten einer Alarmanlage. Schlägt eine Diebin ein Fenster ein, bricht sie eine Türe auf, dann jodelt eine Sirene/in los, dann rotieren rote Alarmlichter. Einsteigdiebe und andere Verbrecher, die auch gerne in den besseren Vierteln spazieren gehen, wissen das zu schätzen, denn die außen montierte Alarmanlage signalisiert ihnen, daß in diesem Haus, auf diesem Grundstück etwas Stehlenswertes zu stehlen ist. Das kann Geld sein, ein Picasso oder doch wenigstens ein Maserati.

Der weltweise Mensch jedoch meidet an der Fassade sichtbare Alarmanlagen, da diese dem Strolche (m/w/d) stehlenswerte Objekte anzeigen, dadurch also Diebe, Räuber, Kidnapper und anderes Gelichter anlocken.

Aus diesem Grunde habe ich vor einigen Jahrzehnten schon das Konzept der Psychologischen Diebstahlssicherung entwickelt. Erstmals erprobt habe ich dies Konzept an meinen Autos. Die Dinger waren außen und innen so unansehnlich, wenn nicht gar versifft, so ungeil auch in der Aufpimpung, daß anständige Autodiebe die Entwendung des Fahrzeugs vermieden hatten. Ein mehrfach vorbestrafter Autoentwender, Straßenverkehrsgefährder und Trunkenheitsfahrer meinte einst zu mir: "Wolfram, wegen deinem verschissenen Ford Escort brauchst keine Angst zu haben. Kein Autodieb, der auf sich hält, klaut so eine erbärmliche Karre." Und in der Tat ist mir noch nie ein Auto gestohlen worden.

13.6.24

Die aus Holz gezimmerte Weltraumrakete

Letzten Sonntag habe ich versucht, Leuten, die mit einer aus Holz gefer­tig­ten Rakete in's Weltall starten wollen, ihr Vorhaben - weil unrealistisch und höchst gefährlich auszureden. Und falls sie es doch tun wollten, gab ich ihnen Gute Ratschläge, was sie dabei in jedem Falle be­achten müßten. Hört sich irgendwie sozial­de­mo­kratisch an, ich weiß aber auch nicht genau. Jedenfalls, als ich gerade dabei war, ihnen die Sache zu erklären, bin ich aufgewacht. Ich hatte meine Argumentationslinie noch nicht fertig gestaltet, da gab es noch dran zu feilen. Und ich feilte, wach wie ich inzwischen war. Es hat eine Minute, vielleicht länger gedauert, bis ich endlich gemerkt hatte, daß es meine Gesprächspartner gar nicht gab, nie gegeben hatte, mein weiteres Mühen also sinnlos war. Mir balst nicht gangst, bleibts mir bloß weg mit den Träumen. Das einzige Gute an Träumen ist noch, daß man die meisten Träume verschläft.

9.6.24

Jeder mag Donald, den unverschämten Kerl

Heute feiert Donald Duck, der unverschämte Kerl aus Entenhausen, den jeder mag, seinen 90. Geburtstag. Natürlich mag jeder Donald Duck, denn jeder ist froh, daß es Donald Duck nur im Zeichentrickfilm oder im Comic-Heft gibt. In der eigenen Nachbarschaft möchte dagegen niemand Donald oder gar Dagobert haben. Oder glaubt jemand ernsthaft, daß auch nur ein einziger Mensch seinen Namensvetter Donald Trump lieben und herzlich über ihn lachen würde, wenn es Donald Trump in Wirklichkeit gäbe?

5.5.24

Das veraltete Formular

Vor wenigen Tagen erreichte mich eine E-Mail von Frau F. aus der Hauptstadt: "Lieber Herr H., danke für die Erstellung und Übersendung des Auditprotokolls (...). Leider haben Sie eine alte Vorlage benutzt. Diese nimmt uns die Behörde nicht ab. Bitte übertragen Sie zeitnah die Daten in das angehängte aktuelle Protokollformular und unterschreiben das Ganze."

Dazu muß man wissen, daß ich das monierte Auditformular aus Berlin selber habe. Ich schaue nach, worin der Unterschied zwischen der alten und der neuen Vorlage besteht und finde nichts. Fast nichts, denn ganz unten steht ganz klein geschrieben: "V.8" auf meinem Formular und "V.9" auf dem übersandten neuen Formular.

So viel zum Thema "Dipferlscheißerei".

Der prinzipientreue Busfahrer

Und wieder war ein Kurs in München. Um halb zehn Uhr abends erwische ich in Regensburg noch den 8er-Bus und kann mir dadurch das Taxigeld (16,00 , immerhin) sparen. Ich habe sogar meinen Lieblingsplatz be­kom­men, schräg rechts hinter dem Busfahrer, von wo aus ich die Straße vor uns überblicken und dem Busfahrer telepathische Anweisungen geben kann. Der Bus kommt an eine Haltestelle, eine ältere Dame (vielleicht so alt wie ich, also schon ziemlich alt und nicht mehr so ganz sicher auf den Beinen) kommt von weiter hinten und will vorne aus dem Bus aussteigen.

Ich habe den Kopfhörer auf den Ohren, höre mir gerade irgendeinen Podcast über irgendein Thema an und kann deshalb den Dialog Dame-Busfahrer nur eingeschränkt verfolgen. Was ich mitbekomme ist, daß der Busfahrer der Dame die Tür nicht öffnet. Er deutet mit dem Finger auf den Platz über der Tür, dorthin wo früher mal stand "Kein Ausstieg", heute nicht mehr. Ich schaue hin und glaube es kaum... in diesem Bus klebt das blaue Schild immer noch. Vorne ist tatsächlich kein Ausstieg und der Busfahrer öffnet die Tür nicht. Die alte Dame muß - relativ μsam - durch den halben Bus zurückgehen und in der Mitte aussteigen.

Jetzt platzt mir der Kragen. "So was Engstirniges!" poltere ich los, "So was Kleingeistig-Spießiges! Prinzipienreiterei!" Und dann kommt die ultimative Beleidigung, die man sich nur ausdenken kann: "So was Deutsches!" Der Witz an der Sache ist nämlich, daß der Busfahrer, ein junger Mensch von vielleicht 30 Jahren, arabischer Herkunft zu sein scheint, und zwar ein Bilderbucharaber wie aus den Kara-Ben-Nemsi-Geschichten von Karl May.

Ob nicht, so frage ich mich, unser Bestreben, Ausländer in unsere Leitkultur zu integrieren, fehlgeleiteter Ehrgeiz ist? Irgendwann haben wir dann nämlich aus Arabern Deutsche gemacht und dann haben wir den Salat. Und aus dem durchaus bedenkenswerten Konzept der Umvolkung wird dann natürlich erst recht nichts.

4.4.24

Kinder und Betrunkene sagen oft die Wahrheit

 Der Kickl Herbert hat auf "Twitter" geschrieben:

https://pbs.twimg.com/media/GGkbr5TXYAAzmTA?format=jpg&name=small

"FPÖler sind Nazis"... Diese Aussage wäre kaum zu glauben, käme sie nicht vom FPÖ-Vorsitzenden persönlich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Freudscher_Versprecher

27.11.23

Zeitungsarchiv

Als ich noch der Waldbauernstudent war und also Zeit und darüber hinaus auch ein bißchen Geld hatte, hatte ich eine Tageszeitung abonniert, andere Tageszeitungen las ich gelegentlich und am Wochenende habe ich mir stets DIE ZEIT und die Wochenende-Ausgaben von Süddeutscher Zeitung, WELT, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Mittelbayerischer Zeitung gekauft. Interessante Artikel habe ich ausgeschnitten, aufgeklebt und in Ordnern fein säuberlich gesammelt. Das Sammeln von Zeitungsausschnitten habe ich aufgegeben, als ich eines Tages herausgefunden habe, daß die Weltgeschichte auch dann weiterläuft, wenn ich nicht über alle Einzelheiten ihres Verlaufs informiert bin.

19.10.23

Sex oder Die Geschichte vom denkenden Schwein

In der Alten Zeit, da die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war als die Welt von heute, stellte ich einen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag ein:

Kindersex - Schockierend!

Mir doch Banane. (Man achte auf die rechte Hand des Mädchens.)

Für diesen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag wurde ich heftig gerügt: "Du denkst an Sex, wenn du die rechte Hand des Mädchens siehst? (...) ...aber wenn ich das Mädchen sehe und auf ihre rechte Hand blicke, denke ich nicht an Sex."

"Du wirst lachen", schrieb ich zurück, "auch ich habe auf die rechte Hand des Mädchens geblickt und nicht an Sex gedacht. Ich habe das Bild vor etlichen Jahren im Netz gefunden und mir ist natürlich sofort die Banane aufgefallen, welche das Mädchen dem Jungen in den Mund steckt. Das kommt davon, wenn man zu viel von und über Freud liest, den alten Schla-Wiener.

Vor einigen Jahren habe ich das Bild schon mal als Kuriosität eingestellt - nicht hier, sondern in einem Forum, in dem vorzugsweise User mit Nie-Woh verkehren - und ein Leser hat mich auf die Handhaltung des Mädchens aufmerksam gemacht. Nanu?, dachte ich bei mir, was soll da sein? Es hat etliche Sekunden gedauert, bis mir klar geworden ist, wie anzüglich die Pantomime des Mädchens ist, und zwar an genau jener Stelle, an der sich der erigierte Penis des Jungen hätte befinden müssen, wäre der Junge für einen erigierten Penis nicht doch etwas jung gewesen. Aber, wie das gelegentlich so ist, wenn du mal etwas erkannt hast oder glaubst, etwas erkannt zu haben, wirst du die Gedankenverknüpfung nie mehr los."

Eine andere Geschichte, damals wohnte ich aus beruflichen Gründen vorübergehend bei meiner Mutter. Ich hocke also eines Tages beim Abendessen in der Küche, während meine Mutter im Wohnzimmer gerade eine Vorabendserie mit Werbeumrahmung guckt. Plötzlich höre ich vom Fernseher einen Sprecher fröhlich quaken: "Verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup macht einfach Spaß".

Eine ganze Weile sitze ich da wie vom Donner gerührt, entschließe mich dann aber, das Ganze auf einen Hörfehler meinerseits zu schieben, zu unglaublich erscheint mir das Gehörte. Tags drauf jedoch, gleiche Szene, gleicher Spruch. Und diesmal habe ich mich mit Sicherheit nicht verhört.

Ich möchte mich jetzt nicht weiter drüber auslassen, wie "verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup" rein technisch aussehen könnte, gestatte mir in diesem Zusammenhang lediglich die Anmerkung, daß es für den männlichen Maggi-Liebhaber möglicherweise - im Wortsinne - sehr eng werden könnte. Aber gut: Jeder Erwachsene kann und muß wissen, was er macht und vielleicht ist in diesen Zeiten von AIDS der Sex mit Tomatenketchup tatsächlich die gesündere Alternative zu promiskem Geschlechtsverkehr mit Frauen oder Männern, gleich welchen Geschlechts.

Kann sein.

Was ich aber nicht - und zwar überhaupt nicht - verstehen kann, ist die Tatsache, daß man einen dermaßen frivolen Werbespot im Vorabendprogramm bringt, zu einer Zeit also, da viele Jugendliche, ja Kinder, noch fleißig am Gucken sind. Man muß die Kids doch wirklich nicht auf derartige Gedanken bringen!

Es gab mal Leute - und es gibt sie dem Vernehmen nach immer noch - die Tomatenketchup essen. Vielleicht sollte die Firma Maggi ihre Kunden mal darauf aufmerksam machen.

Ich hab öfter mal völlig alberne Assoziationen. Oft ist das nur ein Scherzlein, manchmal nicht einmal das. Ab und an wird ein interessanter Gedankengang draus. (Das hier ist sicher nur ein Scherzlein, wenn überhaupt.)

In der Schule habe ich erstmals den "Bolero" von Maurice Ravel gehört und war sofort fasziniert. Ein eigentlich wahnsinnig langweiliges Stück (letztlich immer die gleiche Tonfolge), das aber trotzdem alles andere als langweilig ist. Das knistert. Jahre später habe ich gelesen, der "Bolero" sei vertonter Geschlechtsverkehr, Geschlechtsverkehr aus der Perspektive des Mannes. Ich hörte mir das Stück daraufhin wieder mal an - tatsächlich. Immer das gleiche, aber immer ein bisserl anders, schön langsam immer heftiger werdend, schließlich heftiges Rabumms, Rabumms - aus. Und dann ratzt der Saukerl wahrscheinlich weg, während die nunmehr entspannte Frau eigentlich noch über das Versmaß im klassischen Sonett diskutieren wollte.

Ähnlich ist es mit dem Heideröslein von Goethe, von selber wär ich nie darauf gekommen, daß hier die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt wird. Aber natürlich ist es genau das, Ein Gedicht darüber, wie jemand eine Blume pflückt und darüber mit der Blume ein Gespräch führt, wäre auch wirklich grundalbern.

Und dann war da noch die Sache mit den Türmen der Frauenkirche in München. Vor einigen Jahren war ich in München in einem Beratungsgespräch, anwesend waren der Klient und eine junge Kollegin, die hospitierte. Das Gespräch war an einem toten Punkt angelangt und ich deutete mit unendlich müder Geste (in welche ich den ganzen Weltschmerz des Wiener Fin de Siècle legte, den André Heller so anmutig zu zelebrieren wußte) nach hinten, wo die Türme der Frauenkirche, etwas über einen Kilometer Luftlinie entfernt zu sehen waren. "An einem diesigen Tag wo heute, wo man Einzelheiten nicht mehr so genau sieht, schauen die Türme tatsächlich wie erigierte Penisse aus." Sowohl der Klient als auch die Kollegin schauten mich irritiert an. "Jetzt dreht er durch!" mochten sie wohl denken. So hätten sie die Türme noch nie gesehen, erfuhr ich auf Nachfrage. Oha! Ich versuchte einzulenken und meinte, locker parlierend, die meisten Leute sähen die Zwillingstürme wohl tatsächlich eher weiblich, wobei ich mit einer Geste weibliche Brüste vor meinem eher flachen Oberkörper andeutete. Auch diese Assoziation, erfuhr ich nun, sei ihnen noch nie in den Sinn gekommen, sagten mir die beiden. Von nun aber, so meinten sie übereinstimmend, würde ihnen diese beiden Assoziationen auf ewig anhaften.

Jö, dachte ich mir, jetzt hast du zwei unschuldige Menschenherzen infiziert.

Andererseits...

 

Von Sigmund Freud, den man seinerzeit in Wien als den "Lustlümmel aus der Berggasse" bezeichnete ist der Spruch überliefert: "Manchmal ist eine Zigarre eben nur eine Zigarre."

Ich merke grad, daß Freud meinem zigarrerauchenden Opa sehr ähnlich schaut, meine dazugehörige Oma übrigens dem Hans Moser.

Dem Schweinen, sag ich seit Jahren, ist alles Schwein. Vor wenigen Monaten erfuhr ich dann, daß der Spruch von Friedrich Nietzsche stammt: "Dem Reinen ist Alles rein - so spricht das Volk [1]. Ich aber sage euch: deN Schweinen wird Alles Schwein!" ("Also sprach Zara Thustra", Bd. 3. Chemnitz, 1884.)

Und schon - schawupp! - war ich als Guttenberg entlarvt, wiewohl ich unschuldig bin.



[1]   Bis hier sind wir noch in der Bibel, im Paulsbrief an Titus, Titus 1:15.

Es war die Lerche - Die Bürokratie als Schmeichlerin

Bei Gelegenheit einer kleinen Plauderei über die Tragik der unerfüllten Sehnsucht und der größeren Tragik der erfüllten kam ich auch auf Ephraim Kishons Stück "Es war die Lerche" zu sprechen. Die Handlung geht so: Julia und Romeo haben damals ihren tragischen Doppelselbstmord überlebt, Shakespeare hat ein bisserl geschummelt und das peinliche Happy-End zugeschmiert. Julia hat nach ihrem Fake-Suizid eine Minute zu früh die Augen geöffnet, noch ehe Romeo am offenen Grab Juliens Gift nehmen und sie sich seinen Dolch in den Leib stoßen konnte. 30 Jahre nach dem von Shakespeare vertuschten Happy-End beginnt Kishons Stück.

Ich hatte das Stück mal vor Jahrzehnten im ORF gesehen und bekam jetzt Appetit drauf, es nochmal anzuschauen. Ich hab es mir im Internet bestellt, wurde aber bei der Bestellung drauf hingewiesen, daß das Stück, bzw. diese Inszenierung niemals eine Jugendschutzeinstufung bekommen hätte. Ich bekäme die DVD nur persönlich ausgehändigt, gegen Vorlage meines Personalausweises. Als der Paketbote klingelte war ich gerade auf der Treppe, den Müll runterzutragen. Ich griff nach dem Packerl mit der launigen Bemerkung, ich müßte mich doch bestimmt nicht ausweisen, so wie ich aussähe. Doch, das müßte ich. Ich also zurück in die Wohnung, den Personalausweis geholt. Der arme Packerlbote mußte meine Ausweisnummer notieren und alle die sonstigen Daten. Anderenfalls hätte mir der Staat nicht geglaubt, daß ich nicht mehr minderjährig bin. Der Staat ist ein arger Schmeichler.

17.9.23

Bestialität statt Humanität!

Gewalt, also innerartliche Aggression, ist beim Menschen sehr viel virulenter als bei jedem anderen Raubtier. Als mein Hund, ein Rüde, ein gutes Dreivierteljahr alt war, ist ein anderer Rüde ähnlichen Alters in unser umzäuntes Grundstück eingedrungen [1], hat also das Revier meines Hundes eklatant verletzt. Als ich das bemerkte war ich besorgt, ich erwartete heftigste, womöglich blutige Revierkämpfe. Was ich vorfand war, daß die beiden Rüden (die sich an diesem Tag erstmals getroffen hatten) ganz friedlich miteinander balgten und spielten, ganz so als wären sie aus dem gleichen Wurf und miteinander aufgewachsen

Bestialität statt Humanität!



[1]   Aber was heißt schon "eingedrungen"? Die Gartentür war nicht richtig zugedrückt.

Vom Wert der Frauen

Ich habe zehn Jahre lang mit meiner Familie in Castellabate, Provincia di Salerno, 120 km südlich von Neapel gelebt. An Vorinformation, nenne es ruhig Vorurteil, habe ich mitgebracht, daß man im Süden Italiens die jungen Frauen wenig schätzt, die Großmütter dagegen sehr. Der absolute Chef in der Familie ist la mamma. Wenn der papà Streit mit dem, sagen wir mal, pubertierenden Sohn hat, dann droht eventuell eine Prügelei zwischen beiden, wenn jedoch la mamma auch nur die Augenbraue hebt, dann ist der widerspenstige Sohn ruhig, und zwar so was von.

Ganz am Anfang unseres Aufenthalts in Castellabate waren wir anläßlich der festa della mamma - ich muß mich korrigieren, es war nicht der Muttertag, sondern die festa della donna, also der Weltfrauentag. Wir waren also anläßlich dieses Festtages in einem ristorante, außer uns nur Einheimische, unter anderem die Gemüsefrau, die wir schon ein bißchen besser kannten, mit ihrer Familie.

Meine Frau, die für dergleichen Dinge einen sehr viel schärferen Blick als ich hatte, sagte mir - auf deutsch, damit es keiner sonst verstehe - sie habe noch nie, auch nicht in Deutschland, derart selbstbewußte Frauen gesehen wie hier.

Der Eindruck verstetigte sich im Laufe der zehn Jahre.

Das mag noch wenige Generationen zuvor anders gewesen sein, wirtschaftliche Not aber hat süditalienische Männer gezwungen, in Norditalien, in Deutschland oder noch weiter nördlich Arbeit zu suchen. Die Frauen blieben (vorerst?) zurück und sie mußten die Familie und die kleine Landwirtschaft alleine managen. Sie haben gelernt, wieviel sie wert sind und sie haben das nie wieder vergessen.

Kinder und so

Kinder seien, so höre ich es öfter mal, das Schönste, was einem passieren kann. Das ist so eine Aussage, die ich zwar vom Kopf her nachvollziehen kann, nicht aber vom Bauch. Ich hatte niemals (bis heute nicht) auch nur das allermindeste Bedürfnis, Kinder zu haben. Nun habe ich aber, verdammt, zwei - inzwischen erwachsene - Kinder, beide habe ich mir von meiner Frau aufschwatzen lassen.

Und - jetzt wird's spannend - wenn die Kinder nun mal da sind, dann sind sie da. Sie in die Mülltonne zu werfen wär nun doch ein bisserl arg grob. Was machst du also als Mann, der du sie eh nicht stillen kannst? Richtig, du ziehst mit ihnen im Kinderwagen durch den Stadtpark und schwatzt mit den anderen Müttern, du wickelst sie und singst ihnen dabei etwas vor:

Du hast ja Scheiße in der Wi-hi-hindel,

Diese Scheiße muß heraus.

Diese Scheiße in der Wi-hi-hindel,

Diese Scheiße muß heraus.

Und wenn sie abends nicht und nicht einschlafen wollen, dann erfindest du ihnen Geschichten, notfalls welche von einem großen, rosaroten Schwein mit schwarzem Hut, gegebenenfalls auch welche von blutrünstigen Piraten.

Es ist gar nicht so einfach, Kinder nicht zu mögen.

6.9.23

Die Meßbarkeit von Liebe

In meinen Kursen für alkoholauffällige Kraftfahrer komme ich irgendwann an den Punkt, wo ich ihnen sage: "Entgegen anderslautenden Gerüchten ist Liebe - zu einem Menschen, zu einem Tier, einem Ding - meßbar. Liebe kann man messen oder zumindest recht gut abschätzen. Ein sehr brauchbarer Maßstab für Liebe sind die Mühen, Entbehrungen, Risiken, die einer für das geliebte Objekt auf sich nimmt. Wegen einer Liebelei wechselt keiner Arbeit oder Wohnort, während er für die große Liebe seines Lebens durchs Feuer geht."

Weil es bei den Kursen um das Thema "Alkohol am Steuer" geht, fahre ich dann fort: "Um nicht auf den Genuß großer Mengen Alkohol verzichten zu müssen, setzen die notorischen Trunkenheitsfahrer - und Zwei-Promille-Fahrer sind immer notorische Trunkenheitsfahrer - Leben und Gesundheit, Auto und Führerschein und möglicherweise auch ihre berufliche Existenz aufs Spiel. Kein Mensch, dem Alkohol wenig bedeutet, wird trinken, obwohl er weiß, daß er noch fahren muß."

Eine Skala, auf der ich dann eintragen kann "7,9 Lib" (auf der nach oben offenen Libidoskala) gibt’s freilich nicht. Aber als Psychologe ist man Kummer eh gewohnt. "Nasty little subject, all one cares to know lies outside", sagte einst William James, einer der Begründer der wissenschaftlichen Psychologie, über sein Fach.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...