14.2.09

Tempora mutantur et nos mutamur in illis

"Keine Atomwaffen für Westdeutschland und keine Abschußrampen für Atomraketen! Deutschland muß atomfrei bleiben! Deutschland weiß, was Trümmer und Ruinen bedeuten! Keiner von uns kann die Verant­wortung tragen, ja zu sagen ... Keine Macht der Welt, auch nicht die NATO, kann uns gegen unseren Willen dazu zwingen ... Es ist deshalb Zeit für die deutsche Politik, sich zu einer atomfreien Zone in Mitteleuropa zu bekennen."

Keine Frage, aus welchem Dunstkreis dieser flammende Appell stammt.

Keine Frage?

Es ist dies ein Auszug aus einem Kommentar der BILD-Zeitung vom 21. 11. 1958. Der polnische Außenminister Rapacki hatte damals vorgeschlagen, in der Bundesrepublik und in einem breiten Gürtel des Ostblocks auf Atomwaffen zu verzichten. Zum großen Kummer der BILD-Zeitung wurde dieser Vorschlag dann aber als kommunistische Demagogie, als hinterlistiger Anschlag der Roten auf die Freiheit entlarvt. "Tempora mutantur et nos mutamur in illis" ([1]), meinten damals die alten Römer.

Und: "Der Apel ist schon ein armer Hund: in den 50er Jahren ist er in die SPD eingetreten, weil er gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik war und heute ist er Verteidigungsminister", meinte einmal Willy Brandt.

Und schließlich: "Wer noch einmal ein Gewehr ergreift, dem soll die Hand verdorren", schrieb Ende der 40er Jahre der Schongauer Landrat und Lateinlehrer Franz Josef Strauß, ehe auch er vom schönen Beruf des Verteidigungsministers ergriffen wurde.

Tempora mutantur ... wie gesagt.



[1] Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen.

Denkverbote

Robert McNamara, der unter John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten war, als solcher den Vietnam-Krieg hocheskaliert hat, steht weit über jedem Verdacht, ein Pazifist, Kommunist, ein Liberaler oder sonst ein Lump zu sein.
Dieser über jeden Verdacht erhabene McNamara, der in den achtziger Jahren längst nicht mehr im Amt war, meinte damals, die Bevölkerung der Bundesrepublik davor warnen zu müssen, der gegenwärtigen nuklearen NATO-Strategie zu folgen. "Worüber sich die Westdeutschen klar werden müssen, das ist, daß ihr Kulturkreis völlig verwüstet werden wird, wenn sie sich weiter an die NATO-Strategie halten." Für den Fall eines konventionellen Angriffs der Sowjetunion auf Westeuropa gebe es keinen einzigen Plan zur nuklearen Vergeltung, der nicht eine hohe Wahrscheinlichkeit von Selbstmord in sich schlösse.
Der frühere Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde der USA, Admiral Gayler, meinte in derselben Fernsehsendung, Europa sei zwar nuklear in kürzester Zeit zu zerstören, nicht aber zu verteidigen. Die westliche Drohung mit einer nuklearen Verteidigungsstrategie für Westeuropa sei "ein monströser Bluff". Merk-würdig, daß den Fachleuten des Sachzwanges die simpelsten Zusammenhänge erst dann klar werden, wenn sie nicht mehr im Amt sind.
Willy Brandt gestand einmal: Als er nicht mehr Bundeskanzler gewesen sei, habe er bemerkt, daß er sich früher - als er noch OCFJ der BRD (Oberster Chef fons Janze) war - Denkverbote auferlegt habe; daß er Gedanken, die ihn in Konflikt mit den - von außen herangetragenen -Erwartungen an sein Amt hätten bringen können, gar nicht erst gedacht habe, daß er solche störenden Ideen einfach ausgeblendet habe.
Das wird's wohl sein.
Glücklich gepriesen seien jene Politiker, die sich Gedanken gar nicht erst zu verbieten brauchen.

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