3.10.12

Oi vita, oi core

Jeder Fußballverein, der auf sich hält, hat seine eigene Vereinshymne. Jeder Fan kennt sie und singt sie bei gegebenem Anlaß mit.
Die Hymne des SSC Neapel ist einigermaßen merkwürdig. Hier wird sie gesungen vom Hl. Diego Armando Maradona.
Kritische Anmerkungen zur musikalischen Performance von Señor Maradona können hier im Blog gefahrlos abgeladen werden, in Neapel sollte man bei dergleichen vorsichtig sein. Den Stadtheiligen, San Gennaro, kann man schon mal beschimpfen (vor allem wenn das Blutwunder mal wieder nicht funktioniert), Maradona aber ist absolut sakrosankt. Zurecht.
Was Maradona hier singt zu singen versucht, ist "O surdato nnamurato" (il soldato innamorato hieße das auf Italienisch), das Lied vom verliebten Soldaten. Es handelt von einem Soldaten im Ersten Weltkrieg, der fern der Heimat an die zurückgelassene Geliebte schreibt, die er womöglich niemals wiedersehen wird. Ein todtrauriges Lied also. Und so was als Hymne eines Fußballvereins? Ist der Neapolitaner verrückt?
Gewiß ist er das. In Neapel klingen selbst schwarzgallige Lieder der Sehnsucht lebenspraller als deutsche Karnevalsgesänge.

Das dachte ich zumindest geraume Zeit. Bis ich dann per Zufall auf diese Aufnahme stieß, wiederum von Massimo Ranieri, aber ungefähr dreißig Jahre später aufgenommen. Hier singt er das Lied so, wie man es eigentlich singen müßte.

So, Leute, ich muß jetzt aufhören. Mich hat der Napoli-Blues voll erwischt, das Heimweh schnürt mir das Herz zu und macht mir die Augen feucht und blind.

Tschornalismus

Gestern hatte ich beruflich in München zu tun. Am frühen Morgen, noch vor der Abreise, höre ich im Radio, daß der Comedian Dirk Bach am Vortag in einer Wohnung tot aufgefunden worden sei. Über die Todesursache sei noch nichts bekannt. Als ich dann in München aus dem Zug gestiegen war, werde ich mit den Schlagzeilen der Münchner Boulevardzeitungen konfrontiert, alle hatten mit Dirk Bachs Tod aufgemacht. Die tz meldete den Tod und schrieb dann drunter "Das Herz?". Die BILD-Zeitung tat das gleiche, schrieb unter der Todesnachricht aber "Das Herz!" Beide Blätter müssen zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses auf dem gleichen Informationsstand gewesen sein. BILD aber hat wahrscheinlich bei seinem Freien Mitarbeiter, dem Herrgott, angerufen und nähere Informationen bekommen.

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...