Du schreibst was, nicht viel und schon gar nichts Besonderes
und speicherst dann das Geschriebene. Womöglich hast du gar nichts geschrieben,
sondern lediglich etwas im Netz gesucht. Und plötzlich macht's Plopp und es
poppt ein Pop-Up vor dir auf. Man gratuliert dir, daß du mit einer von dir
installierten Software bereits 10.000 Anzeigen blockiert hast. Und dann bietet
man dir ein noch besseres Adblock-Programm an, mit dem du noch viel mehr
Anzeigen als die, die du gerade siehst,
blockieren kannst.
Ein guter Werbeblocker müßte sich doch selber blockieren
können! Oder versteh ich mal wieder irgendwas von Grund auf nicht?
Wie die Deutschen so
haben es auch die Italiener fertiggebracht, die üblichen fremdenfeindlichen, ja
rassistischen Denk- und Verhaltensmuster auf ihre eigenen Landsleute anzuwenden.
Die Norditaliener nennen sich gerne "nordici",
ein Begriff, der normalerweise auf Skandinavier angewandt wird. Die
Süditaliener nennen sie dementsprechend "sudici", was ein (gewollt) böses Wortspiel ist. Das Wort "sudicio", Mehrzahl "sudici" heißt nämlich auch
"Dreck, schmierig, schmutzig, schmuddelig, unflätig, verschmutzt,
dreckig".
In einem zivilisierten
Land wäre ein Mann wie Umberto Bossi, Chef der separatistischen Lega Nord,
wegen Hochverrats steckbrieflich gesucht und bei Ergreifung nach fünfminütigem
Verfahren standrechtlich erschossen worden. In Italien saß er schließlich in der
Regierung.
In Deutschland
verläuft die Grenze der Diskriminierung nicht mehr zwischen Nord und Süd [1] sondern zwischen West und Ost. Früher, als
uns im Westen die Mauer noch zuverlässig vor all den Sachsen, Thüringern und
Mecklenburgern schützte, hat man an Weihnachten Kerzen in die Fenster gestellt,
um damit der geknechteten Brüder und Schwestern in der Zone zu gedenken. In der
beruhigenden Gewißheit, daß dies nie geschehen werde, hat man gerufen
"Macht das Tor auf!". Und dann, wie's der Deibel haben will, war das
Tor plötzlich offen und all die faulen, ewig meckernden Ostdeutschen waren
plötzlich mitten unter uns.
"Im Leben gibt es zwei Tragödien: die eine
ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches, die andere seine Erfüllung."
(George Bernard Shaw)
Ephraim Kishon hat in
den Siebzigern das Theaterstück "Es
war die Lerche" geschrieben. Es spielt in Verona, 30 Jahre nach dem
ganzen Geschiß um Romeo und Julia. Die beiden haben überlebt, sind jetzt ein
älteres Ehepaar, das sich mit all den so gar nicht heroischen Mißlichkeiten des
Ehe-Alltags herumzuschlagen hat. Dazu kommt eine pubertierende Tochter...
Wie angenehm und
heiter flauschig ist dagegen Shakespeares Tragödie. Shakespeares
Geschichte läuft ja zielgerichtet auf's Happy-End
zu und es brauchte eine komplizierte Abfolge aberwitziger Zufälle, die sich
Shakespeare hat ausdenken müssen, damit sein Happy-End doch noch in einer
marktkonformen Tragödie enden konnte. Zweieinhalb Jahrhunderte später
hat Richard
Wagner das Kunststück wiederholt.
Dante Alighieri hat
auf einer Brücke ein wunderhübsches Mädchen gesehen, ein einziges Mal in seinem
Leben. Er nannte sie bei sich Beatrice und hat ihr ein Leben lang
hinterhergeseufzt, ihr, der ewig jungen Schönen. Hätte er sie gefunden, wäre
sie sein geworden - es wäre vielleicht eine Menschliche Komödie über das Leben,
wie es wirklich ist, geworden. So manches Gedicht wäre nie geschrieben
worden, aber mei, es gibt so viele andere, man kann sie eh nicht alle lesen.
Tragisch, wirklich
tragisch wird die Geschichte, wenn wir uns klarmachen, wie schnell und leicht
junge Menschen ihr Leben wegwerfen. Irgendeine blöde Kuh, irgendein Scheißtyp
erhört ihn/sie nicht und er/sie bringt sich um, des Liebeskummers voll. Und
dann hast du alte Leute, geplagt von den schmerzlichen Erinnerungen eines
langen Lebens, gepeinigt von den Mißlichkeiten des Alters und manchmal auch von
entsetzlichen Beschwerden. Und sie freuen sich über jeden einzelnen Tag, den
sie noch atmen, den sie noch leben
können. Ist es nicht verrückt? Sollte es in einer leidlich vernünftigen Welt
nicht umgekehrt sein?
___
Bei Gelegenheit der vergeblichen
Suche nach einem Video von "Es war die Lerche" ist mir dies noch zum
Thema Alter und Liebe untergekommen, das ich nicht unterschlagen möchte, weil
es gar so schön ist:
[1]Diese Grenze gab's in Deutschland schon auch mal, wenn auch
deutlich milder.