Sonntag, 11. April 2021

Von der Sinnlosigkeit des Tötens im Krieg

Aus dem Stück "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl... nein, doch nicht, sondern bloß von Wolfram Heinrich.

Im Feld-Hauptquartier vor Ort in Afghanistan

GENERAL Hömma, Obergeneral, was ich dich schon immer fragen wollte...

OBERGENERAL während er eifrig einen streng geheimen Bericht in seinen Laptop klopft Ja?

GENERAL sinnend Was machen wir hier eigentlich?

OBERGENERAL klopft weiter konzentriert auf seinen Laptop ein Wir führen Krieg, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist.

Kurzes, spöttisches Lächeln - er ist so dumm, und ich bin sein Chef - dann hämmert er weiter.

GENERAL Na ja, nun, so blöd bin nicht mal ich. Was ich meinte war - wozu führen wir diesen Krieg?

OBERGENERAL Um den Feind zu besiegen? Könnte das hinkommen?

GENERAL Ja, ja, verarsch du mich nur. Was ich mich frage: Was ist der Sinn, was ist das Ziel dieses Krieges?

Der Obergeneral blickt erstaunt auf. Sein Gesicht nimmt den Ausdruck angestrengten Nachdenkens an. Er denkt - eine zeitlang.

OBERGENERAL Hm, das ist eine gute Frage, die du da stellst.

Der Obergeneral greift zum Telefon, wählt eine Nummer und wartet. Schließlich...

OBERGENERAL Ah, du bist's. Hömma Barack, alter Nigger, was ich dich schon immer fragen wollte...

 

In einem Internet-Diskurs über den Afghanistan-Krieg meinte einer voll bitterer moralischer Resignation: "Das sinnlose Töten wird nicht nur nicht gestoppt. Es geht nicht nur einfach weiter. Es nimmt zu."

Ich versuchte, ihn zu trösten.

Das Wort vom "sinnlosen Töten" will ich nicht gehört haben!

Ja, sind das denn alles Idioten, die dort töten, töten lassen, getötet werden? Als wenn schon je - mals ein Krieg sinnlos geführt worden wäre.

Das Wort vom "sinnlosen Krieg" gehört in die "Rhetorik der Unfaßbarkeit". Wie gerne ist nicht die Rede davon, jemand habe mit unaussprechlicher, unvorstellbarer, unbeschreiblicher und, ja, unfaßbarer Grausamkeit gehandelt. Natürlich ist diese und jede andere Grausamkeit aussprechbar, beschreibbar, vorstellbar. Und alltäglich.

Alltagserfahrung und die sich nicht in die Behaglichkeit des Mysteriums zurückziehenden Teile der Philosophie lehren uns, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt einfach so geschieht, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt sinnlos ist. Der Sinn muß dabei nicht der Sinn sein, den ich oder du uns wünschen.

Von Spinoza stammt der schöne Satz: "Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit durch ihr Dasein." Das ist ganz früher, rasiermesserscharf ([1]) formulierter Darwin. Das Dasein des Pestbakteriums beruht nicht auf meiner Notwendigkeit, ich kann ganz gut ohne Pest leben, das Pestbakterium sieht das etwas anders.

Die Welt ist prinzipiell erkenn- und verstehbar.

Das ist natürlich nichts weiter als ein unbewiesener, unbeweisbarer Glaubenssatz. Ich werde diesen Satz nie beweisen können, er wäre erst dann bewiesen, wenn die Welt wirklich zur Gänze von Menschen verstanden wäre.

Aber: Der Satz ist eine Anleitung zum praktischen Denken. Ich - und das ist meine Denkmethode - tue so, als wäre der Satz richtig und bewiesen. Und ich tue das deshalb, weil mich dieser Glaubenssatz davor bewahrt, mich voreilig auf die bequem Position des prinzipiell Unerklärbaren zurückzuziehen.

Das Denken hört auf, wenn ich irgend etwas als unfaßbar, unbegreiflich, sinnlos deklariere. Die Dinge sind nicht prinzipiell unverständlich, ich kann sie lediglich von meinem Blickwinkel aus und jetzt nicht verstehen.

Zurück zu Afghanistan. Im Juni 2010 war es in allen Zeitungen zu lesen: "Ein US-Team von Geologen und Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums (!) (Ausrufezeichen von mir, T. R.) will Rohstoffvorkommen im Wert von fast einer Billion Dollar ([2]) in Afghanistan aufgespürt haben. (...) Es gehe um Lithium, Eisen, Kupfer und Gold, zitiert die Zeitung hochrangige US-Beamte. In einem internen Papier des Verteidigungsministeriums heißt es demnach sogar, Lithium könne für Afghanistan das werden, was Erdöl für Saudi-Arabien bedeutet."

Die Meldung, die uns suggerierte, es sei dies ein brandaktuelles Forschungsergebnis, wurde einige Tage lang durch das Mediendorf getrieben, dann war Ruhe. Seither habe ich nichts mehr davon gehört. Einige Sekunden lang hat der Große Zauberkünstler aus Washington seine Karten gezeigt, dann hat er mit dem Finger geschnipst und hypnotischer Schlaf hat die weltweit verbreitet Meldung wieder aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. David Copperfield ist im Vergleich dazu ein Anfänger.

Und es ist nicht das erste Mal, daß diese hochbrisante Meldung dem Vergessen anheim fiel. Am 13. 10. 2001 - einen guten Monat nach 9/11 - schrieb Hubertus Erb in heise.de diesen Artikel: "Die Hauptbeute am Hindukusch sind für den Westen riesige Öl- und Erdgasvorkommen".

Das Töten in Afghanistan ist aus dem Blickwinkel kühl rechnender... äh, Investoren so sinnvoll, wie nur irgendwas auf dieser Welt sinnvoll sein kann.



[1]   Den Namen Occam habe ich überhört, Occam hat mit unseren Überlegungen nix zu tun.

[2]   Gemeint ist eine Billion nach deutschem Wortgebrauch, nicht nach amerikanischem. "A billion dollar" wäre nur eine schlappe Milliarde.

Samstag, 10. April 2021

Schnorris und Hulbis

Wenn es wieder mal - wie so oft - darum geht, Moslems als hochgefährliche Mörder zu entlarven, kramt man in der Hl. Schrift und findet dort Koranstellen wie "Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet."

Es gibt andere Koranstellen, welche das Gegenteil besagen, so wie es in der Bibel Stellen gibt, welche das Reinhauen, Totmachen, Schänden preisen, ja befehlen und wieder andere Stellen, welche Freundlichkeit und Sanftmut predigen. Das ist ja das Angenehme für den Praktiker, daß er in den Hl. Schriften viele Regeln findet und immer auch das genaue Gegenteil dieser Regeln.

Wenn es opportun scheint, andere Länder zu überfallen oder sich das Eigentum der Ungläubigen im eigenen Land zu rauben, so bedient man sich der Stelle mit den Ungläubigen, die zu töten seien. Legt die historische Situation größere Gelassenheit nahe, kramt man die anderen Stellen hervor.

Wie auch immer: Theorien führen nie zu Massenmord. Die Hulbis erschlagen doch nicht die Schnorris, weil die Hulbis eine Theorie haben, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. So rum wird ein Schuh draus: Den Hulbis stehen die Schnorris im Weg, die Hulbis wollen die Häuser der Schnorris. Die Schnorris einfach erschlagen und in die Häuser ziehen wäre zwar möglich, brächte aber die eigene Rechtsordnung in Schwierigkeiten. Besser ist, ein angemieteter Philosoph erfindet mir eine Theorie, die besagt, daß die Schnorris alles erschlagenswerte Mistsäue sind. Diese Theorie glaube ich dann und jetzt kann's losgehen.

Die Theorie macht den Mord leichter durchführbar, aber sie erzeugt den Mord nicht.

Impf 56 Warum Rembrandt wirtschaftlich erfolgreicher war als ich es jemals sein werde

 
Im Video recke ich unter anderem ein Bild von Paul Piekaso in die Kamera und behaupte frech, es sei von Pablo Picasso, während es in Wirklichkeit von einer gewissen Nora Shepley ist.

Pardongnemoa!

Donnerstag, 8. April 2021

Neue Leute kennenlernen

Die alte Frau Mitterwieser hat gsagt, seit sie kaum noch rausdarf lernt sie keine neuen Leut mehr kennen. Sie hofft jetzt, sagt sie, auf die Demenz.

Dienstag, 6. April 2021

Helikopter-Hausmeister

Die Vegetationsphase hat begonnen, die Pflanzen sind aus ihrem Winterschlaf erwacht, s'oschtrelet [1].

Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird, bis ich in diesem Jahr zum ersten Mal wieder drauf reinfalle.

Worauf ich reinfalle? Es ist immer die gleiche Situation:

Ich sitze zuhause am Schreibtisch, die Sonne scheint, draußen ist es warm oder doch wenigstens so erträglich, daß ich die Balkontür offenstehen lassen kann. Frühling halt. Dann kommt immer dieser Hubschrauber, Hubschrauber hört man hier nicht so wahnsinnig oft, aber doch immer mal wieder. Ein Rettungshubschrauber, ein Polizeihubschrauber. Dieser Hubschrauber aber bleibt, er entfernt sich nicht wesentlich von der Stelle überm Haus. Ist der Unfall in unmittelbarer Nähe passiert und sucht der Schraublhuber nun nach einer geeigneten Stelle zum Landen? Sucht die Polizei nach einem Mörder, der sich hier in unmittelbarer Nähe rumtreibt?

Irgendwann wird's mir zu blöd und ich gehe auf den Balkon, die Situation selbst in Augenschein zu nehmen. Zu sehen ist nichts am Himmel, unter mir aber biegt der Aufsitzrasenmäher des Hausmeisters um's Eck. Das also war des Pudels Kern, noch jedes Mal falle ich drauf rein.

Immer wenn die Blumenpracht auf der Wiese hinterm Haus am schönsten ist, wird der Hausmeister zum Schaf: Mäh, Mäh. Seit kurzem aber läßt er einige der schönsten Blütenflecken noch eine Gnadenfrist lang stehen. Immerhin.




[1]   Analog zum deutschen "es weihnachtet" hat der Schwabe - nur der Schwabe - die Wortbildung "es ostert" erfunden. Gott alleine weiß, wie ich die Schwäbin und ihren gleichnamigen Mann um dieses Wort beneide.

Impf 55 Aus meinem Liederbüchlein

 

Nicht länger als 3 Minuten - viel weiter reicht die Aufmerksamkeitsspanne nicht. Nöch.

Impf 54 Ein Lobgesang auf Walter Ulbricht

Ohne Walter Ulbricht keine Bildung.

Impf 53 Gewichtszunahme beim Daten

Die Frage ist natürlich, ob man vom Ficken dick wird.

Impf 52 Jesus Nein danke

Impf 51 Sexuelle Belästigung und Kunst