Donnerstag, 15. Februar 2024

Die Rache der Apfelzwergin

 

Zu einer Zeit, da die Welt zwar auch schon nicht mehr gut war, aber doch besser als heute [1] gab es hier um's Eck einen Laden, der sich auf Ramsch, Zeuch, Konkurs- und Hochwasserware spezialisiert hatte. Die oben abgebildete Apfelzwergin fand ich in diesem Schnäppchenladen mit für Zwerge riesiger Verkaufsfläche. Ich bin dran vorbeigegangen, habe die Figuren nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen und sofort gedacht "Das ist die Merkel", die damals noch Kanzlerin war. Irritierenderweise waren die Figuren aber nicht als "Merkel" ausgeschrieben und angepriesen. An der Kasse habe ich die Kassiererin drauf aufmerksam gemacht und angeregt, sie solle doch unverzüglich die Geschäftsleitung darüber informieren. Als "Merkelzwerg" könnte man mindestens zehnmal so viel für die Apfelzwergin verlangen und mindestens siebzehnmal so viel verkaufen. Nichts geschah. Nur wenig später ist der Laden Pleite gegangen. Dies habt zum Zeichen!

 


[1]   In Phasen rabenschwärzester Depression will es mir scheinen, es sei die Welt zu jeder Zeit besser gewesen als unsere heutige.

Kurbjuhn

Kurbjuhn?

 

Kurb- schon, -juhn aber nicht.

Dienstag, 16. Januar 2024

Die Wurzel aus ANS und Geometrie als Volxsport

In den frühen neunziger Jahren haben wir erstmals Urlaub gemacht mit unserer damals vergleichsweise neuen Familie. Während meine Frau schon in jungen Jahren weite Teile Europens bereist hatte, bin ich bis dato niemals auch nur auf die Idee gekommen, in den Ferien irgendwohin zu fahren. Ich war nämlich schon von der Wiege weg ein ziemlich verhockter Typ und bin es heute noch. Was soll ich in der Fremde, sagte ich mir, dort kennt mich doch keiner? Heute, wo ich mich dank Internet, Dokumentarfilm und Internet besser über Tahiti oder den Sauwald informieren kann als vor Ort, wo ich - so ich will - von zuhause aus kundiger über München und Prag machen kann als die allermeisten Einwohner der Gemeinde Hutthurm.

Manchmal jedoch siegt die Liebe über die Vernunft und so fand ich mich eines Tages auf Sardinien wieder, zusammen mit 1 Frau und 2 minderjährigen Mitbewohnern. Sardinien ist ein Stadtteil von Italien und liegt im Stadtweiher der Ortschaft. Neben Sardisch und Spanisch spricht man dort auch ein bißchen Italienisch, was aber eh wurscht ist, dann Italienisch beherrschte damals noch keiner von uns so richtig. Meine Frau konnte zwar schon ganze Sätze lesen und sogar formulieren, bei mir jedoch hat's grad mal so zum Espresso-Bestellen gereicht und bei den Kindern, die heute beide italienische Muttersprachler sind, war bei "ciao" und "ragazza" Ende der Fahnenstange. Als mein Jüngster ca. 4 Jahre alt war, ist er an meiner Hand auf einer italienischen Fähre die Treppe hinabgegangen. Uns kam ein etwa gleichaltriges Mädchen, an der Hand ihrer Mutter, entgegen. Mein Sohn, der damals noch so gut wie kein Italienisch konnte, sagte im Vorbeigehen zu dem Mädchen in absolut einwandfreier italienischer Aussprache "Ciao bella". Mich hat's herumgerissen, das Mädchen und die Mutter ebenfalls, sie starrten uns fassungslos an. Ich sollte hinzufügen, daß mein Jüngster auch heute noch vom Aussehen jederzeit als Italiener durchgehen würde. Heute geht er auch dann noch als Italiener durch, wenn er den Mund aufmacht, Italienisch ist seine zweite Muttersprache geworden.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ah, ja: In den Überschriften der Zeitungen, die an den Kiosken aushingen war erstaunlich oft von tangenti die Rede. Selbst bei den Boulevardzeitungen hieß es tangenti, tangenti, tangenti, gelegentlich war sogar von Tangentopoli, also der Stadt der Tangenten die Rede.

Ich mein, daß Italien eine lange, weit zurückliegende geistige und wissenschaftliche Tradition hat, viel weiter als bei uns, war mir schon klar. Olio Dante hat die italienische Hochsprache um 1320 herum erfunden, während wir noch zweihundert Jahre länger auf die deutsche Sprache warten mußten. Aber - Leutz! - daß in italienischen BILD-Zeitungen leidenschaftlich über Geometrie diskutiert wird... Donnerwetter! Ich zog damals meinen Hut vor dem italienischen Geist und hab ihn bis heute nicht wieder aufgesetzt.

Und weil ich grad dabei bin: Kennt irgendeiner die Wurzel aus ANS? Es scheint immer mehr Menschen zu geben, welche sich dazu bekennen, Anhänger der Wurzel aus ANS zu sein. Auf T-Shirts sieht man das geheimnisvolle Wort, auf Pullis, Sweatshirts und dergleichen auch. Was aber ist die Wurzel aus ANS? Eins ist klar: Setze ich die Wurzel aus ANS in's Quadrat, dann erhalte ich ANS als Ergebnis. Aber hilft mir das weiter?


Scheißkapitalismus oder Wie schön wäre Wien ohne Wiener

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Mich erinnert das ein bißchen an das Geschäftsmodell seriöser Firmen, die gute alte Schutzgeldzahlung der Mafia.

Samstag, 16. Dezember 2023

Verlust der Mitte

Konservative beklagen oft und gerne den Verlust der Mitte. Im Regelfall ist das, wie das meiste, was Konservative von sich geben, hanebüchener Scheisendreck.

Manchmal stimmt's aber doch.

Sonntag, 10. Dezember 2023

Geld macht die Welt rundumeindum gehen

"Ein Geld muß eins da sein", hieß es mal in einem dieser dumpfen und stinklangweiligen Fassbinder-Filme (ich glaub es war "Katzelmacher", so ziemlich der dumpfeste seiner Filme). Ohne 1 Geld gibt’s auch keine Kunst und 1 Musik spielt ohne 1 Geld sowieso nicht.

Wenn's um Einsparungen geht, dann ist die Kunst immer in der ersten Reihe, denn - samma sich doch mal ehrlich - wer braucht schon Kunst, solange es RTL gibt? Und wenn's hart auf hart kommt, dann werden die Geigen eingeschmolzen und zu Kanonen gegossen.

Andererseits bringt 1 Geld Sonne in alle Herzen. Hier eine kleine Bonuszahlung an alle treuen und untreuen Fisch- & Fleischisten, nur echt in der handlichen Abreißrolle.

DSCHURNALIST: Herr Heinrich, sind solche Geldgeschenke nicht billigster Populismus?

HERR HEINRICH: Popolismus, Herr Arsenbauer.

Wie sagt der österreichische Volksmund wenn jemand politische Dienstleistungen für Geld feilbietet? Auf den Strach gehen.

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Eh ich's vergesse: "Egoist: Person minderen Geschmacks; mehr an sich interessiert als an mir." (AMBROSE BIERCE)

Payback

An der Supermarktkasse gleich welcher Handelskette frägt man mich oft und gerne, ob ich eine Payback-Karte hätte. In diesen Fällen schüttele ich mich demonstrativ vor Grauen und sage, daß nein, mir stehe nicht der Sinn nach Rache. Ich blicke in zwei ratlose Augen und erkläre, daß "payback" das englische Wort für "Rache" sei. Auch im Deutschen oder zumindest im bairischen Dialekte sage man "Des zahl i dir zruck" wenn man Racheaktionen ankündige. Die ratlosen Augen haben sich in ungeduldige verwandelt, ich beende mein Klugscheißern und eile rasch davon.

Das kommt alles vom Saufen

In den siebziger Jahren sang Ulrich Roski von den fatalen Folgen des Alkoholmißbrauchs:

Roski drückt sich dabei um die Kernfrage der Reihenfolge: Kommt das Unheil vom Saufen oder kommt vielmehr das Saufen vom Unheil? Und ist nicht das Saufen seinerseits ein Unheil, das wiederum zum Saufen führt? Der Achternbusch Herbert sagte einst in einem seiner Filme: "Familie und Beruf, beides führt zum Suff".

Der eifrige "Fisch und Fleisch"-User weiß indes, daß alles Unheil vom Ausländer kommt.

Freitag, 1. Dezember 2023

Kein Schwein ruft mich an

In einem Film vom Woody Allen (kann sein es war "Manhattan") gibt es folgenden running gag: Ein junger Geschäftsmann taucht zusammen mit Woody Allen an den verschiedensten Orten auf. Und überall, wo er auftaucht, besteht seine erste Handlung darin, daß er zum nächsten Telefon eilt, sein Büro anruft und die Telefonnummer des Apparates durchgibt, von dem aus er grad anruft. Bis voraussichtlich so und so lang sei er unter dieser Nummer zu erreichen.

Der Witz besteht nun darin, daß dieser junge Mann während des ganzen Films niemals von seinem Büro aus angerufen wird. Auch wenn er dort anruft, um die Telefonnummer durchzugeben, teilt man ihm niemals irgendeine wichtige Nachricht mit oder bittet ihn um eine Entscheidung oder ähnliches. Das heißt. der Fall, dessentwegen er ständig seine Erreichbarkeit durchgibt, tritt nie ein, das Ganze ist nichts weiter als Wichtigtuerei.

Heute hast du für sinnlose Kommunikation ein Handy oder gar ein Smartphone. Das heißt, "Kommunikation" ist vielleicht ein zu großes Wort für das, was vor allem die jüngeren Leute mit ihren Smartphones machen. Alle haben sie mindestens 1 Smartphone, wenn du sie aber anrufen willst, geht kein Schwanz ran.

Einige hier werden es wissen... ich mache staatlich verordnete Kurse, Führerschein, Saufen, Kiffen etc. pp.. Der eine Kurs ist speziell für Fahranfänger, die bei laufender Probezeit mit einem Alkohol- oder sonstigen Drogendelikt aufgefallen sind (in Deutschland gilt während der Probezeit die 0,0-Grenze). Im Frühjahr hing mehrere Wochen lang das feurige Schwert des Erzengels Weselsky drohend über uns, viermal mußte ein Kurstermin verschoben werden. Das ist lästig, weiter aber kein Problem, denkst du. Dann rufst du halt die Teilnehmer der Reihe nach an und informierst sie, die Handynummern hast du. Denkst du.

Zwei der zehn Teilnehmer erreichst du auf Anhieb, sie sind also schon mal informiert; vier weiteren Teilnehmern sprichst du auf den Anrufbeantworter, wenn er sich denn öffnet, der Rest bleibt im Ozean des Internets verschollen. Die jungen Leute besitzen, wie bereits erwähnt, mindestens ein Smartphone [1], aber sie gehen nicht ran, wenn man sie anruft. Das heißt, wenn ihre Freunde borgward1 bis borgward317 anrufen gehen sie schon ran, ist der Anrufer allerdings nicht in ihrem Telefonregister gespeichert, wird er weggedrückt oder gar automatisch blockiert. So schließt sich der Kreis: Vor lauter Kommunikationsmöglichkeit kommt keine Kommunikation mehr zustande.

Ach.



[1]   Ohne Smartphone bist du heutigentags definitiv kein Mensch, du wirst als gallertartige Qualle eingestuft.