Sonntag, 22. Mai 2022

Niese Nase Nöffelstiel...

...brave Kinder niesen viel

Der in Stuttgart-Cannstatt gebürtige Schriftsteller Dr. Hans Bayer veröffentlichte seine lustigen, häufig mundartlichen Arbeiten unter dem Namen Thaddäus Troll. Mir sträuben sich bei so einem Gedanken sämtliche Nackenhaare, denn ein Autor lustiger Bücher sollte sich nie, nie, nie einen lustigen Namen als Pseudonym zulegen. Das ist einfach zu viel, das ist humoristischer Overkill. Wilhelm Schüttelspeer zum Beispiel, wer lacht da heute noch, wenn er den Namen dieses Schnulzendichters hört? Oder Gottfried Gscheidle, der die launigen unter seinen Gedichten unter dem Namen Hölderlin veröffentlichte. Affig!, das.

Aber gut, was reg ich mich auf.

Wovon ich erzählen wollte ist: Dieser Thaddäus Troll hatte 1974 ein Aufklärungsbuch für Kinder von Peter Mayle aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet und zeitgleich auf Schwäbisch und Hochdeutsch veröffentlicht (geschäftstüchtig war er schon, Respekt). Die Sache mit den Blumen und den Bienen ist relativ einfach erzählt, aber wie erkläre ich einer Siebenjährigen was ein Orgasmus ist? Thaddäus Troll (eventuell vorher schon Peter Mayle) hatte eine wunderbare Idee. Orgasmus müsse sich das Kind, so schrieb er, ungefähr vorstellen wie heftiges, ungebremstes Niesen, nur viel, viel schöner. Diese Botschaft kommt rüber.

Kann ich Ihnen helfen?

In Läden kann es dir passieren, daß der Verkäuferin auf dich zukommt und dich frägt: "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" oder "Womit kann ich Ihnen helfen?" Manchmal lasse ich dann meinen gramgebeugten Nacken noch weiter zusammensacken und ich antworte abwinkend, resignativ: "Mir kann keiner mehr helfen." Das ist dann jedes Mal ein Lachen und Jauchzen.

Samstag, 21. Mai 2022

Vorgetäuschte Orgasmen und andere Seltsamkeiten

Die zu Recht weitgehend unbekannte Wochenzeitung "der Freitag" veröffentlichte zuzeiten mal ein Interview mit mehreren jungen Leuten über deren Sexualleben. Der Artikel hat die ausgesprochen arrogante Überschrift "Wir kommen anders". - Daß aber auch jede Generation meint, sie habe das Rad, oder meinetwegen auch den Sex, neu erfunden.

Ganz am Anfang wird ein Aufklärungsbuch empfohlen:

Gerade ist wieder eines erschienen: Make Love (Verlag Rogner & Bernhard, 22,95 Euro)

Das Aufklärungsbuch, respektive sein Titel macht deutlich, wie verschwiemelt das Verhältnis zumindest der jüngeren Leute zum 6 anscheinend immer noch ist. Das Buch ist, nota bene, keine Übersetzung aus dem Englischen, sondern ein deutscher Originaltext, jedenfalls schließe ich das aus den Namen der beiden Autorinnen Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski.

Und der Titel ist nicht "Mach Liebe", "Liebe machen", "Gamsen", "Schnackseln", "Vögeln", "Bumsen" oder "Ficken", sondern "Make Love". Du meine Güte, kaum geht's um 6, schon sträuben sich die Federn und die Autoren (oder der Lektor oder der Verlag oder alle zusammen) flüchten sich ins keusche Englisch, so wie man sich zu Willems Zeiten in's keusche Latein flüchtete [1]. Wer führt nicht alles nonchalant den motherfucker im Mund, während er beim Mutterficker entsetzt zusammenzucken würde.

Beim Abtippen trieb es dem Redakteur über so viel Offenheit zunächst die Schamesröte ins Gesicht...

Ach, wie rührend. Der Redakteur tippt das Band ab, nicht die "jüngste Mitarbeiterin".

...am Ende aber war er auffallend beschwingt und zuversichtlich, dass hier eine Generation heranwächst, die genauso unsicher, genauso sehnsüchtig, genauso neugierig ist wie alle vorherigen auch.

Alles andere wäre auch höchst erstaunlich gewesen.

Und dann geht's um's Erste Mal.

Juri: Bei mir war es ein unfassbar unromantischer One-Night-Stand. Ich war in einem Club, wir haben getanzt und uns geküsst und sind irgendwann zu ihr. Ich weiß nicht einmal mehr, wie sie hieß oder wie es war.

Juri war zum Zeitpunkt des Interviews 19 Jahre alt und möchte mal später eine Familie gründen, wie er sagt. Wenn der jetzt schon so an präseniler Demenz leidet, dann mag ich ihn mir gar nicht mit 50 vorstellen. "Wie?" wird er entsetzt rufen, wenn ihn seine Frau an die ehelichen Pflichten (das Abspülen und Rasenmähen) erinnert, "Ich bin verheiratet? Wie konnte das nur passieren?" Und dann wird er rätseln, wie seine Frau heißt und ob er ein oder zwei Kinder hat. (Der Kinder wegen hoffe ich, er werde kinderlos bleiben.)

Robert: Wenn man sich nicht kennt, dann mit Kondomen.

Wenn man sich kennt, braucht man kein Kondom? Weil dann die AIDS-Viren so freundlich sind, nicht zum anderen rüberzuschwimmen? O sancta simplicitas! Ob ich ein Kondom brauche oder nicht hängt von der Art der Beziehung ab: Bin ich treu und kann ich dem Partner vertrauen, daß er treu ist?

Charlotte: Ich glaube, in der Vorstellung meines Vaters bin ich vier Jahre alt, habe ein rosa Kleidchen an und eine Schultüte in der Hand – der würde es nie verstehen, dass ich inzwischen Sex habe.

Kinderchen, es wird euch schockieren, aber ich bin jetzt mal ganz offen mit euch: Eure Eltern hatten auch schon mal Sex (ich vermute fast, sie haben ihn immer noch). Die fallen nicht ohnmächtig vom Stuhl, wenn sie hören, eine 19jährige hätte schon mal geschnackselt.

Maike: ...aber was haben denn Pornos mit Aufklärung zu tun? Die sind doch total realitätsfern!

Juri: Ja, klar, ich weiß. Aber trotzdem ist man doch dadurch viel früher mit Erotik in Berührung gekommen und hat sich dann rasch informiert, oder?

Oder. In den ganz alten Zeiten, als der Uropa noch einen Bauernhof hatte, haben die Kinder den Hahn beim Besteigen der Henne beobachtet. In den alten Zeiten, als der Papa schon in die Stadt gezogen war, haben die Kinder bemerkt, daß der Hund zweimal im Jahr wepsig wurde und - so sich Gelegenheit bot - die Hündin bestieg.

Der HABICHT fraß die WANDERRATTE,

nachdem er sie geschändet hatte.

Abgesehen davon meldet sich die Erotik, vulgo: Geilheit, ganz von selber. Wenn's den Porno zum Schnackseln bräuchte, dann gäbe es uns Menschen schon lange nicht mehr.

Juri: Was ich im Porno immer absurd finde: dass der Mann, kurz bevor er kommt, den Sex abbricht und sich über die Frau kniet, um ihr ins Gesicht zu spritzen. Darauf wäre ich nie gekommen.

Im echten & wahren Leben hat das etwas damit zu tun, daß Sex eine schmutzige, glitschige und schleimige Sache ist - oder doch zumindest sein sollte. Touch-a, touch-a, touch me, I wanna be dirty

Im Porno ist es des öfteren eine Sache der Qualitätssicherung. Der Kunde soll sich mit eigenen Augen davon überzeugen, daß der... äh, Künstler nicht simuliert, sondern wirklich und tatsächlich abspritzt. Ich mein, im Theater ist es ja auch selbstverständlicher Standard, daß Hamlet den Polonius wirklich absticht.

Maike: So geht es mir auch. Habt ihr eigentlich einen Trick, damit ihr nicht zu früh kommt?

Robert: Naja, ich stelle mir dann Frauen vor, die mir nicht gefallen. Oder ich denke an ein mathematisches Problem. Ich will ja nach dem Sommer mein Informatikstudium beginnen und da gibt es genügend Fragestellungen, die einen ziemlichen ablenken können.

Hl. Muttergottes von Tschenstochau! Dem Inschenjör ist doch wirklich nix zu schwör.

Charlotte: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!

Das ist ein Satz, den sollte man sich ins Kissen häkeln.

Charlotte: Also ... äh ... ich muß gestehen, ich habe wahnsinnig selten einen Orgasmus.

Und dafür all die Mühe? 

Janina: Und wie ist es, wenn ihr keinen hochkriegt?

Juri: Das ist mir mal passiert, als ich sehr viel getrunken hatte. Am nächsten Morgen war mir das wahnsinnig peinlich

Wenn du einen erigierten Schwanz brauchst, um eine Frau zu befriedigen, bist du ohnehin die allerärmste Sau. Hast du nicht Zunge, Finger, Arme, Beine, Zehen?

Leute, die Lüneburger Fickverordnung von 1387 ist nicht mehr rechtsverbindlich in der Bundesrepublik Deutschland.

Du rammst ihn rein,

Du ziehst ihn raus,

Du rammst ihn rein, fallera

Und ziehst ihn raus, fallera

Maike: Im ersten Moment denkst du als Frau: Lag es an mir?

Eine Form von Größenwahn.

Charlotte: Ich bin bei Frauen seltsamerweise viel kritischer. Bei Männern, finde ich, geht alles: Die können superdünn sein oder etwas dicker, sehr behaart oder kaum.

Die Tante Jolesch hat gesagt: "Was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus."

 

Abschließende Bemerkung:

Hinzu kommt kapitalistisch anmutender Leistungsdruck. Die Mädels sorgen sich um ihre Kurven, die Männer um ihre Performance.

Sex findet nicht im luftleeren Raum statt. Vor den Sex haben die Götter den Club gesetzt. Im Club will man sich amüsieren, will Spaß haben. Fein. In den alten, längst vergangenen Zeiten hat das Amüsement gedauert, so lange es eben gedauert hat. Wurde man müde (auch für einen jungen Menschen keine Schande am Freitagabend um 2 Uhr nachts), dann ging man eben heim, mit oder ohne Aufriß. Heute pfeift man sich Aufputschdrogen ins Hirn, um das Amüsement bis in den Morgen durchzustehen. "Durchstehen", das klingt nicht nur nach Stalingrad, das ist Stalingrad. Vergnügen ist zum Kampf geworden, so hart und grausam wie das Berufsleben. Man verläßt die Fabrikhalle mit ihrem stampfenden Rhythmus der Maschinen und stapft in den Club, die Disko, um sich dort dem stampfenden Rhythmus von Techno-Music (richtig: Techno) auszusetzen. Pardon wird nicht gegeben, wer nicht mitmacht, ist draußen, das gnadenlose Gesetz des Dschungels. Vergnügen wird zur freudlosen Fortsetzung des freudlosen Alltags. Hektik, Streß, Erotik. Hauptsach, keiner kommt zu sich.



[1]   Coito ergo sum. 

Impf 141 Ritter Orgas muß mal wieder

Den Film "Ritter Orgas muß mal wieder" gibt's wirklich. Wer's nicht glaubt soll googeln. Wie aber spricht der HErr: Selig sind die, die nicht googeln und doch glauben.

Freitag, 20. Mai 2022

Der Arbeiter, das unbekannte Wesen

In einem ansonsten durchaus löblichen Artikel zum Thema Billiglohn hat Verena Schmitt-Roschmann vor etlichen Jahren im FREITAG folgendes geschrieben:
"Es ist ein künstlich geschaffenes Billigproletariat ohne Rechte, das für uns Arbeit erledigt, die uns nichts wert ist."

Diese Aussage ist teils richtig. Was mich an dem Satz aber zusammenzucken läßt, das ist die Wortwahl. Da ist zum einen das Billigproletariat, da sind zum anderen "wir", die wir Leistungen entgegennehmen, die uns nicht viel wert sind. Wo verläuft die Trennlinie zwischen uns und denen? Wer ist eigentlich dieses "wir"? Sind wir die Unternehmer, die ihren Schnäppchen-Proleten zu wenig Lohn zahlen? Ich gebe zu Protokoll, daß ich nicht zu diesem Wir gehöre. Oder sind wir die Staatsbürger? Und wer sind dann die Billig-Proletarier, wenn wir ja schon die Staatsbürger sind?
Vor vielen, vielen Jahren hat mal Hermann L. Gremliza in der "konkret" einen Artikel aus der ZEIT zerlegt. Der ZEIT-Artikel hatte die Überschrift "Der Arbeiter, das unbekannte Wesen" (oder so ähnlich). Im Artikel selber hatte der Autor geschrieben, es werde derzeit viel über den Arbeiter geschrieben und geredet, kaum einer aber kenne den Arbeiter wirklich.
Gremliza hat nun sehr sarkastisch drauf hingewiesen, daß die Arbeiter die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Wer nun behaupte, kaum einer kenne den Arbeiter, der konstruiere sich eine Gemeinschaft, eine Allgemeinheit, in welcher Arbeiter nicht vorkämen, bzw. nur als außerhalb der Allgemeinheit stehende Gruppe. Denn klar: Wären die Arbeiter Bestandteil dieser Gemeinschaft, so wäre die Behauptung, kaum einer kenne die Arbeiter, Bockmist der Sonderklasse. Ich muß jetzt nicht erklären, warum das Bockmist wäre, oder?

Am Sonntag will mein Süßer...

Als ich noch der Waldbauernbub war kam das Lied "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen" in Radio und Fernsee, gesungen von verschiedenen Interpretinnen.

Ein schmissiges Lied, man hörte es gern, dudel di die, und ich stellte mir Gitte Haenning vor, wie sie im Abendrot auf dem Segelboot das Abendbrot bereitet für ihren Süßen und für sich.

Die Zeit ging in's Land, ich wurde erwachsen und Gott sandte den Menschen in seinem Zorn die 80er Jahre. Neue Deutsche Welle, Provokation, eh schon wissen. Jetzt hörte ich genau dasselbe Lied mit genau demselben Text gesungen von einem Mann. Das Kopfkino veränderte sich.

Ich frage meinen Freund Google, was es wohl mit diesem Lied auf sich habe. Das Lidl aus den Achtzigern finde ich zwar nicht, aber ich sehe zu meiner Verblüffung, daß das Stück bereits Ende der Zwanziger Jahre entstanden ist, gesungen von mehreren Interpreten - und diesmal ist die männliche Form des Wortes richtig.

Vor wenigen Tagen nun rauscht mir das alte Lied erneut durch die Rübe, es ist ein Ohrwurm und ich trällere es in einer Tour vor mich hin. Plötzlich macht es Shklonk! in meinem Hirn und ich merke, auf welches Wort sich segeln reimt. Wie sagt der Dichter?

Woissvogi?

Südlich von des Leibes Mitte

Sah im Wald ich eine Hütte,

Fand darin ein Vögelein,

Wollte gern gemädelt sein.

 

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Ich hab noch einen Sonderbonus zum Thema "Liebe"

und einen zum Thema "Haß".

Mittwoch, 18. Mai 2022

Jammerlappen

Damit auch das mal gesagt ist: Eine freie Meinung kann man aktuell nur haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen ist. Alles andere wird feindlich betrachtet und muss um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden.

Dergleichen Klagen liest man auf "Fisch und Fleisch" ständig, sie sind sogar das über fast jedem Thema schwebende Leitmotiv. Weinstubenprosa. Ich schrieb dem schluchzenden FUFfi zurück:

Du bist so ein elendiglicher Jammerlappen. Früher hat man auch gerne mal die Formulierung "weibischer Jammerlappen" gebraucht. Inzwischen aber haben sowohl die Wissenschaft als auch die Alltagserfahrung herausgefunden, daß in Wahrheit die Männer das jammernde Geschlecht sind. Meine Frau (gelernte Arzthelferin und Sozialpädagogin) hat zum Thema seinerzeit angemerkt, sie wundere sich, daß ausgerechnet die Männer in den Krieg zögen, wo sie doch so wehleidig seien. Frauen sind da viel zäher und belastbarer, anders hätten sie die Jahrtausende des Patriarchats niemals durchgestanden und wir wären längst ausgestorben, worüber sich die Tiere und die Pflanzen sehr gefreut hätten.

Was ich sagen wollte... ach ja: Warum du ein elendiglicher Jammerlappen bist. Du schreibst, man könne nur dann eine freie Meinung haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen an die Ukraine sei. Alles andere müsse um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden. Das schreibst du hier, frei und unbehelligt und ich bin mir sicher, daß du auch künftig deswegen nicht behelligt wirst. Daß man dich auslacht, dich einen Narren heißt und dir hinten auf's T-Shirt heimlich Zettel mit höhnischen Bemerkungen klebt, ist wieder eine ganze andere Sache. Wenn du dich wie ein Depp aufführst und den Mond anheulst, dann wirst du natürlich als genau der Narr betrachtet, der du bist.

Wer sich in der Öffentlichkeit über was auch immer äußert, muß damit rechnen, verlacht oder angefeindet oder beides zu werden. Toleranz heißt schließlich nicht, jedwede Meinungsäußerung zu beklatschen, Toleranz heißt lediglich, daß ich den Schwatzkopf gewähren lasse: "Red du nur!" Ich gehe davon aus, daß auch du mich für einen Dummschwätzer hältst und bin dir deswegen nicht gram, so was ist das Normalste von der Welt. Der Franze hat gsagt, er hätt manchmal den Eindruck, er wär der einzige Idiot auf der Welt, umgeben, sagt er, von lauter Vollidioten.

Früher, als die Männer noch richtige Männer waren (du merkst, der chauvinistische Gaul geht mit mir durch), haben die Recken um den Helden Siegfried nicht geweint "Mama, der Böse Feind hat mir auf's Naserl gehaut, so daß es blutet". Die Typen haben sich vielmehr gegenseitig ihre Wunden und Narben gezeigt, und bliesen sich dabei vor Stolz auf. "Ja, ich war es dem Bösen Feinde wert, daß er auf mich eingehauen hat." Noch zu Zeiten von Kaiser Willem zwo hieß die Parole "Viel Feind', viel Ehr'!" Und heute jammern die immer noch konservativen, immer noch reaktionären Nachfahren der reaktionären Arschlöcher von einst herum, daß es nur so 1 Art hat. Und diese Weicheier haben die Stirn, andere Leute als "Gutmenschen" zu verhöhnen.

Mir balst nicht gangst

Ein FUFfi, ein anderer als der oben zitierte, hat als Avatar einen mit gekreuzten Heftpflastern verklebten Tomatenmund, dazu das Motto "Meinungsfreiheit ist in meinem Land leider nicht verfügbar". Und schreibt und schreibt im Schutze dieser  nicht vorhandenen Meinungsfreiheit.

Jammerlappen, wie gesagt.

Montag, 16. Mai 2022

Diffamierung mit fragwürdigen Methoden

Ampfang des Jahres behauptete ein FUFfi hier auf "Fisch und Fleisch", wo sonst?, die Süddeutsche Zeitung griffe Nils Melzer - wer immer Nils Melzer ist - mit einem Rufmord-Artikel an. Ich betone hiermit aus- und nachdrücklich, daß mich die sachlichen Hintergründe dieser Diffamierung oder auch Nicht-Diffamierung in diesem Zusammenhang nicht interessieren. Mir geht's hier um einen sprachlichen Leckerbissen in diesem Blogbeitrag. Er beginnt nämlich mit dem folgenden Satz:

"Mit fragwürdigen Methoden arbeiten die beiden Süddeutsche-Journalisten Ronen Steinke und Thomas Kirchner bei der Erstellung eines Diffamierungs-Artikels."

Ein Spruch, den man sich in's Kopfkissen häkeln sollte. Mit welchen Methoden denn soll einer arbeiten, wenn er einen Diffamierungs-Artikel erstellen will? Einen Diffamierungs-Artikel zu erstellen ist per se eine fragwürdige Aktion, wenn ich dabei mit fragwürdigen Methoden arbeite, dann ist das der perfekte Einklang von Inhalt und Form, nach dem die Dichter streben (sollten).

Bislang handelte mein Lieblingshäkelspruch für's Kopfkissen vom Sex. Die zu Recht weitgehend unbekannte Wochenzeitung "der Freitag" veröffentlichte zuzeiten mal ein Interview mit mehreren jungen Leuten über deren Sexualleben. Charlotte, eine damals noch junge Frau, die heute nur unwesentlich älter ist, gestand seinerzeit: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!

Ananas - mit dem Boot stromaufwärts

In der vierklassigen Volksschule Gern hatte ich mein erstes und womöglich einziges Erweckungserlebnis. Die Volksschule Gern war damals - vor den Großen Politischen Und Pädagogischen Reformen - eine vierklassige Volksschule, jeweils zwei Jahrgänge wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet. In dieser Schule habe ich in einer Vertretungsstunde vom Rektor die Kunst des Kartenlesens und -zeichnens gelernt. Seither bin ich den Landkarten, Stadtplänen und dem Reisen verfallen.

Es traf sich gut, daß mir eben zu dieser Zeit der Osterhase ein Boot geschenkt hatte, mit dem ich dann ausgedehnte Reisen unternahm. Es war ein Motorboot mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel, weder die Giftpfeile irgendwelcher Eingeborenen [1] konnten mir etwas anhaben, noch die Gewehrkugeln irgendwelcher Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie mit einem Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Ananas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben. Und wenn ich dann aufwachte, war ich wieder daheim und mußte in die Schule. Der Trick funktionierte zuverlässig.

Auf diese Weise lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erschien mir unnötig, die Welt tatsächlich zu bereisen, es erscheint mir dies noch heute. Zu viele Globetrotter habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen [2] keine Ahnung hatten, welche von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug wußten, den sie sich bereits zuhause angelesen hatten. Warum also sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gibt, die dies schon vor mir getan hatten und mir nur zu gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es einst Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

1958, ich war 8 Jahre alt, war die Fußballweltmeisterschaft in Schweden, Weltmeister wurde Brasilien und der Stern von Pelé ging auf. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor den Stammgästen im Lokal von Brasilien. Diese Stammgäste meinten, ich solle doch nicht so daherreden, ich wüßte doch nicht mal, wo dieses Brasilien liege. Und ich erzählte ihnen von Brasilien und seiner Lage in Südamerika, dort spräche man Portugiesisch, anders als im übrigen Latein(!)amerika. 

Ich wäre allerdings glücklicher gewesen, hätte Gott nicht in seinem namenlosen Zorn István Zsolt erschaffen. István Zsolt war ein stadtbekannter Kommunist, Trunkenbold und leider auch Fußballschiedsrichter. Zsolt leitete 1958 das Halbfinalspiel Schweden-Deutschland in Göteborg. Beim Stande von 1:1 verwies der Serienlustmörder Zsolt den Düsseldorfer Erich Juskowiak wegen eines Revanchefouls vom Platz, nachdem Kurt Hamrin [3] ihm einen Tritt verpasst hatte. Hamrin wurde aber nicht vom Platz gestellt. Nachdem Fritz Walter wenig später schwer gefoult wurde und er sich dadurch am Knöchel verletzte, was vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde, spielte die deutsche Mannschaft praktisch nur noch mit neun Spielern (damals waren Auswechslungen noch nicht erlaubt und Walter konnte kaum mehr am Geschehen teilhaben) und verlor das Spiel mit 1:3. In Deutschland wurde schon vor dem Spiel Kritik laut, dass die FIFA einen ungarischen Schiedsrichter für das Spiel ausgewählt hatte. Vier Jahre zuvor hatte nämlich Deutschland gegen Ungarn das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 gewonnen, "Das Wunder von Bern". Nach diesem Spiel war die kommunistische Weltverschwörung offenbar geworden und der Kalte Krieg wurde angepfiffen.

Ich wünsche Herrn Zsolt immer noch die Pest an den Hals, aber leider hat sich der feine Herr meinem Haß durch feigen Tod entzogen, 1991. Mit 70 Jahren, man stelle sich vor, was schon damalszutage kein Alter, sondern  nur ein Vorwand war, sich dem Unbill des Lebens durch frühzeitigen Tod zu entziehen.

Irgendwann - um auch das noch zu erwähnen - hat mir einer der Professoren an der Uni gesagt, es hieße gar nicht Ananas, sondern Amazonas. Ananas sei vielmehr der Schwiegervater von Kaiphas gewesen, der damals die Kreuzigung Jesu betrieben hat und sich dadurch unsterbliche Verdienste um das Seelenheil aller  nachfolgenden Generationen erworben hat. Wikipedia nennt zwar den Schwiegervater von Kaiphas beharrlich Hannas, aber das ist nur eine Machenschaft von IHNEN! Ich aber habe SIE! durchschaut.

Mein Multiplex-Boot hatte Atomantrieb, wie der funktionierte, war mir schon damals nicht recht klar. Irgendwann, bei einem sehr unerfreulichen Zwischenfall - den ich hier nicht schildern möchte, umso weniger als ich mich nicht mehr dran erinnere - sind mir einige Krümelchen Atom über Bord gegangen. Die Krümelchen haben sich vermehrt und die so entstandenen Atomkrümelkrümelchen desgleichen und so weiter, und so fort. Und so ist aus dem Ananastiefland [4] inzwischen ein riesiges Atommüllzwischenlager geworden. Wegen der Atomhitze brennen die Wälder ab, wegen der Atomstrahlen sterben Mensch und Tier und in wenigen Jahren wird es keinen Ananas-Regenwald mehr geben. Brasilien wird die Ausfuhr von Sauerstoff stoppen und wir werden alle ersticken. Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes (angebratene Kochsalamiwürfel mit Weißen Bohnen und Spiegeleiern) werden wir schon nicht mehr hören. Drum, Leute, Bayreuth, Bayreuth [5]!

Ich geh jetzt mal kacken, das Ankündigen der Apokalypse ist doch sehr verdauungsfördernd, deswegen heißt es auch bis auf den heutigen Tag "Scheißweltuntergang".



[1]   Irgendwer ist ja immer irgendwann irgendwo geboren. Ich zum Beispiel kam seinerzeit als Eingeborener von Trizonesien zur Welt, heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela- tschimmela-bumm!

[2]   Wußten Sie schon, daß Urologen zwar keine Ahnung von Tuten haben, umso mehr aber von Blasen?

[3]   Wie allgemein bekannt sein dürfte ist Kurt ein türkischer Vorname, der soviel bedeutet wie "Wolf". Mein bürgerlicher Vorname lautet Wolfram, mein im Krieg getöteter Onkel Kurt hieß mit Vornamen Kurt. Daraus läßt sich viel über die Welt und die Zusammenhänge in ihr ableiten.

[4]   Ich möchte keine Reklame für die Leuteschinder-Firma amazon machen und nenne den Fluß weiterhin Ananas.

[5]   Auf Hebräisch heißt das "Beirut, Beirut", auf Deutsch sagt man, glaub ich, "bereut, bereut".

Samstag, 14. Mai 2022

Mordnilap

¿Trug Tim eine so helle Hose nie mit Gurt