Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer,
der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bringen
ist, zum Reparieren zu bringen. Ich nahm den Computer, steckte ihn in meinen
größten Rollkoffer und machte mich dann auf den Weg zum PC-Experten am anderen
Rande des Gewerbeparks. Es war ein ruhiger Tag, wenig Menschen unterwegs, kaum
Autos auf den Straßen, die Sonne schien, es war warm aber noch nicht heiß, ein
schöner, nicht allzu langer Spaziergang, wenn nur der Rollkoffer mit dem
schweren PC nicht wäre.
Als ich ankam war der Laden geschlossen, ein Werbeaufsteller
stand im Eingang. Ich schaute auf die Uhr, es war wenige Minuten nach zwei Uhr,
der Laden öffnet um 14.00 Uhr, soweit also alles im Lot. Bald würde jemand
kommen und den Laden aufsperren. Direkt beim Laden gab es nichts, wo man sich
einigermaßen bequem hätte hinsetzen können, aber 20 Meter weiter gab's ein
Bushäuschen. Da saß ich nun und wartete und alle paarundzwanzig Sekunden
schaute ich hinüber zum Laden. Es kam aber keiner und nach einer halben Stunde
merkte ich auch, daß kein Bus kam.
Jetzt, jetzt erst kam die Erkenntnis, daß heute ein Feiertag
ist, Fronleichnam.
Am Donnerstag den 29. Mai 2025 ist Christae Himmelfahrt,
also Muttertag. Horden entmenschter Weiber werden an diesem - wie noch an jedem
- Muttertage singend, grölend, schbeibend und natürlich sturzbesoffen durch
unsere Städte, Dörfer und Wälder ziehen.
Frauen sind so was von ordinär und peinlich, das glaubst du
nicht.
Montag war IFT-Kurs in München. Für die Heimfahrt hatte ich
einen genialen Einfall: Ich fahre mit der U3 durch bis nach Moosach, von dort
aus mit der S1 nach Freising. In Freising nämlich hält sowohl der Regionalexpress, vom Hauptbahnhof wegfährt als auch der Flughafenexpress nach Regensburg. So habe ich zwei Chancen, einen Zug nach Regensburg zu erwischen. Ein Zug von München nach Regensburg ist nämlich ein kostbares, da seltenes Geschenk des Himmels.
In Moosach erfahre ich, daß die S1 wegen Bauarbeiten nur bis Oberschleißheim fährt,
dort muß ich umsteigen in eine andere S1, die nach 20 Minuten auch kommt. Ich bin in
dem Zugteil, der zum Flughafen fährt, steige also bei der nächsten Station nach
vorne um. Es wäre natürlich sowieso besser gewesen, zum Flughafen zu fahren,
aber das ist der Preis des Genies. In Freising lese ich, daß der Regionalexpreß
nach Regensburg erst in 80 Minuten fährt. Also denke ich, weiterer
genialer Gedanke, ich fahre mit der S1 wieder zurück zum Hauptbahnhof und steige dort direkt in den Zug nach Regensburg um. Das ist zwar kein Zeitgewinn, aber doch weniger langweilig als in Freising auf dem Bahnsteig
rumzusitzen. AmHbf. erfahre ich, daß der
Zug nach Regensburg schon weg ist, die beiden Nachfolgezüge fallen heute leider
aus. Ich frage zwei indisch aussehende Bahnbedienstete, ob es noch eine
Möglichkeit gäbe, nach Regensburg zu kommen. Ja, da müßte ich zum Flughafen
fahren, dort fahre um 23.35 h noch ein letzter Zug. Die S-Bahn kommt (pünktlich!) um 23.35 h an, der
Flughafenexpress nach Regensburg ist (natürlich!) bereits weg. Also zurück nach München, der
nächste Zug geht um 4:44 h. Bis dahin sitze ich auf dem Bahnsteig.
Ich nehme mir vor, nie wieder einen genialen Einfall zu haben.
Seit ich denken kann - und das ist noch gar nicht so lange
her - werde ich vom Geheimdienst bespitzelt. Alle paar Jahre werde ich auch
Opfer von Mordanschlägen, die zwar meistens mißlingen, manchmal aber auch
nicht. Früher, als ich noch in Neustift bei Aldersbach bei Vilshofen bei Passau,
weit draußen auf dem niederbayerischen Land gewohnt habe - der nächste Nachbar
fast einen halben Kilometer entfernt - habe ich bemerkt, daß ich von
verschiedenen Geheimdiensten - deren Namen ich hier nicht nennen darf - rund um
die Uhr bespitzelt wurde. Die Agenten saßen rund um die Uhr in den die
Holzhütte umgebenden Bäumen und fotografierten und filmten, daß die Schwarte
krachte. Daß sie auch die Gespräche in meiner Hütte abhörten - ob live oder
fernmündlich beziehungsweise schriftlich - versteht sich von selbst.
Fatal für die Agenten war und ist allerdings der Umstand,
daß bei mir so gut wie immer so gut wie nichts passiert. Die bleierne
Ereignislosigkeit ihrer Überwachung ermüdet die Schlapphüte, sie sacken in sich
zusammen.
In Neustift, wo es nachts so still ist, daß du Maulwürfe
husten hörst, habe ich immer mal wieder
ein nächtliches Rascheln gehört, dann ein dumpfes Plumpsen und einen klagenden
Laut und am nächsten Morgen war nichts mehr zu sehen. Die Geheimdienste haben
ihre tödlich verletzten Agenten noch jedes mal sauber weggeräumt. Ich habe nie auch
nur das Geringste von diesen tragischen [1]
Geschehnissen bemerkt, was alleine schon hochverdächtig ist.
Erinnert sich noch jemand
an die Geschichte des
Kollegen Goethe über Faust? Am Ende seines Lebens sitzt der Alte
Wissenschaftler Heinrich Faust in seinem Studierzimmer und konfrontiert sich
mit der Erkenntnis, daß er - wenngleich er einer der klügsten Menschen seiner
Zeit ist - am Ende doch nichts Rechtes wird erkennen können, denn die Zeit ist eine Matz, ein Miststück.Seine Zeit zumindest ist abgelaufen.
Säuftsend greift er nach dem Becher mit dem Fächer (oder war's
doch eher der Pokal mit dem Portal?), um alldem ein Ende zu setzen. Gerade
als er den Giftbecher an die Lippen setzen will erscheint wie in jedem anderen
Kasperl-Larifari-Stück der Deibel himself
und bietet ihm einen deal an:
Faust wird wieder jung, er hat noch ein Zweites Leben im Kofferraum und kann
nun mit neuer Kraft und neuer Perspektive weiterforschen. Dafür will Mephisto
nichts weiter als Faustens Seele, die ihm nach eigenen Angaben eh noch nie Spaß
gemacht hat. Faust schlägt ein.
Rabimms, Rabumms,
Faust ist wieder jung - und was macht er? Wandert er nach Genf, um dort am CERN zu
erforschen, was die Welt im Innersten zusammenhält? Nein, er begibt sich nach
Leipzig, das schon damals die Welthauptstadt hemmungslosen Lebensgenusses war und
schüttet sich in Auerbachs Keller die Birne voll. Dann reitet er auf einem
Besen den Blocksberg hinan zum Hexensabbat und fickt dort alles, was ihm vor
die Eichel kommt. Irritierenderweise braucht der eben gerade wieder jung Gewordene
dazu einen Rammeltrank, aber lassen wir das, Dichtkunst und Logik waren noch
nie ein Dreamteam. Halten wir aber
fest: So wie am Lehrstuhl Faust funktioniert Wissenschaft noch heute: Forschungsgelder
beantragen und dann mit dem ergaunerten Geld Symposien, also alkoholgetränkte Orgien mit Hetären veranstalten.
Ich segelte mit steifem Mast
Zu mancher Schönen, machte Rast
Und hab die andern dann verpaßt
Es gibt zu viele
Das ist jetzt
ausnahmsweise nicht Goethe, sondern Biermann.
Das Hexen-Viagra scheint
wirklich Teufelszeug zu sein.
Ganz am Ende der Szene
"Hexenküche" spricht Mephisto zu sich (Faust soll es nicht hören):
MEPHISTOPHELES.
(Leise.) Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem
Weibe.
Das heißt in normales
Kneipendeutsch übersetzt: Dieser Trank macht dich so was von rattenscharf, da
ist dir jede Frau zum Vögeln recht.
ENDE DER SZENE. - Anschließend,
un-mit-tel-bar anschließend, beginnt die Szene, in der Faust Gretchen
das erste Mal begegnet.
Straße
Faust. Margarete
vorübergehend.
FAUST.
Mein schönes
Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und
Geleit Ihr anzutragen?
MARGARETE.
Bin weder Fräulein,
weder schön,
Kann ungeleitet
nach Hause gehn.
Heißt, das erste, erstbeste weibliche Wesen, das ihm nach dem Konsum des
Geiltranks über den Weg läuft, läßt seine Begierde auflodern. Gleich
anschließend setzt er in seiner Ungeduld Mephisto unter Druck, dieser möge ihm
doch durch seine Zaubereien Gretchen noch in dieser Nacht ins Bett legen.
Das ist die
Psychodynamik der Geschichte, die erstaunlicherweise von den meisten
Interpreten als Liebesgeschichte gedeutet wird. Es ist aber - und dies
ganz unverhohlen - die simpelstmögliche Psychodynamik, die nur denkbar ist.
Lechz! Sabber! Gier! Aah, Baby, ich komme!
Es sei daran erinnert, daß der "Faust" als das deutsche Nationaldrama gilt.
Ein ernstes Wort noch
an den Lieben Gott: Weil du den Faust gerettet hast, hat's dann wenig später
das Gretchen derlaibelt. Schlau war dieses Arrangschemang nich. Aber man kennt
das von dir. Ich erinnere an die Panne mit dem Apfel im Paradies, den
abtrünnigen Engeln und dem anschließenden Höllensturz. Ferner schmiere ich dir
Sodom und Gomorrha auf's Brot, die Sintflut und daß es danach auch nicht besser
geworden ist. Ein anderes Wort für GOtt? Pleiten, Pech und Pannen [1].
[1]Okay, das waren jetzt vier Wörter, das war meine Panne.
Das Neue Jahr war da und in München hatte ein neuer Kurs
begonnen. Der Alex-Zug Prag-München ist mit nur fünfminütiger Verspätung im
Bahnhof Regensburg eingetroffen, das ist eine sensationell geringfügige Verspätung
für den Alex von Prag nach München. Das Jahr fängt wirklich gut an, allerdings
war der Zug ritzeratze-kitzekatze-voll, was kein so guter Jahresanfang war.
"Ihr könnt's mich alle mal am Arm
kitzeln" sagte ich bei mir, "dann
fahr ich halt mit dem Flughafen-Express auf einem anderen Gleis". Am
Flughafen Franz Josef Strauß stand bereits die S-Bahn S 8, allerdings
stand diesmal nicht wie gewohnt "Herrsching" als Ziel drauf sondern
"Ismaning". Wieso Ismaning und wo genau liegt eigentlich Ismaning?
Ich steige ein, denn ich will eh nicht bis nach Herrsching, sondern nur bis zum
Marienplatz. Ismaning ist aber nur zwei (oder drei?) Stationen weiter. In
Ismaning stehen schon Busse als Schienenersatzverkehr bereit, der Bus bringt
mich zum Ostbahnhof, allerdings zur Rückseite, so daß ich mich erstmal
orientieren muß. Jetzt zum Marienplatz, U3 bis Aidenbachstraße, dann mit dem
53er Bus bis Zielstattstraße. Und dann komme ich so grad, grad noch pünktlich
zum Kursort, wohin ich es von meiner umsichtigen Zeitplanung her eigentlich locker hätte schaffen müssen.
Des Abends, bei der Rückkehr in Regensburg merke ich, daß ich kacken muß.
Macht nichts, denke ich mir, es gibt am Bahnhof ja eine Toilette. Mit letzter
Kraft schleppe ich mich hin, es ist kurz nach 22.00 h und die Sanifair-Toilette
ist bereits zu. Meine Widerstandskraft bricht zusammen und ich scheiße mir voll
Rohr in die Windel. Heim mit dem Taxi und dann alles so schnell wie möglich
vergessen.
Ein Vierteljahr später, als ich wieder einmal von München
heimgekehrt bin, ist mir das eben Geschilderte noch einmal passiert, nur
diesmal eine Stunde früher. Ich sitze
im Zug und nix is. Ich stehe auf, um
auszusteigen und kurze Zeit später merke ich, daß ich kacken muß. Ich geh zum
Sanifair-Klo und finde es verschlossen. Um ca. halb zehn Uhr abends!
Früher - es ist gar nicht so lang her - konntest du noch
beim Burger-King im Hauptbahnhof pieseln oder kacken, für fuffßich Fennje, man
stelle sich vor. "Dit is beinah
jeschenkt."
Früher, also noch früher gab's in Regensburg, wie auf allen
(?) Bahnhöfen, schlicht ein Klo, das war zwar kein Fäkalpalast, aber immerhin
kostenlos. Aber seit das Kacken und das Brunzen als Geschäftsmodell entdeckt wurde
und der Markt alles regelt, sind schon viele Hosen und Höschen verschissen und
verbrunzt worden.
Nach dem Kurs in München habe ich keine Chance mehr, den
19:44h-Zug nach Regensburg noch zu erwischen. Der nächste Zug fährt 20:43 h,
das ist zwar ärgerlich, aber damit kann man klarkommen. Als ich die
Bahnhofshalle durchquere sehe ich, daß heute fast alle Züge der nächsten 2
Stunden auf einem je anderen Gleis wegfahren als sonst. Ärgerlich, aber mei.
Bei Gleis 26 endlich angekommen lese ich, daß der 20:43h-Zug
heute ausfallen würde, das heißt ich komme - wie das schon etliche Male in
letzter Zeit geschehen ist - erst mit dem Zug um 21:44 h aus München raus.
Mift.
Als ich sah, daß auf dem übernächsten Gleis der Zug nach
Passau stand, der in 20 oder 25 Minuten abfahren sollte, hatte ich einen fast
genialen Einfall: Ich steige in diesen Zug ein und in Landshut wieder aus,
vielleicht erwische ich dort den Flughafen-Expreß, der ja ebenfalls über
Freising nach Regensburg fährt und erspare mir damit eine halbe Stunde Warten.
Kaum umgestiegen hatte ich einen noch genialeren Einfall: Ich steige bereits in
Freising aus, denn der Flughafen-Expreß nach Regensburg muß ja auch durch
Freising, so daß ich mich schon ab Freising nicht mehr um's Umsteigen kümmern
muß. Auf dem Bahnsteig sehe ich, daß der Flughafen-Expreß in 20 bis 30 Minuten
kommen wird, ich hatte also recht getan. Dann sehe ich auf einem Gleis rechts
außen (in Fahrtrichtung Regensburg gesehen), dort wo es keinen Bahnsteig mehr
gibt, den Alex-Zug ganz langsam einfahren. Ich kann mir seine Anwesenheit nicht
erklären und kratze mich am Kopf statt nachzudenken. Als ich wieder auf die
Anzeigetafel blicke, sehe ich, daß in 10 Minuten der Alex-Zug nach Hof (über
Regensburg) abfahren wird. Dann fährt er auch schon ein, der Alex.
Pünktlich, denn es ist genau der Zug,
von dem es auf der Schrifttafel in MünchenHbf. geheißen hatte, er falle
heute aus. Nicht verwunderlich, daß in diesem Zug - der im übrigen
pünktlich in Regensburg angekommen ist - kaum Passagiere waren, wesentlich
weniger jedenfalls, als man das sonst gewöhnt ist. Es war ja auch ein Geisterzug, von dem wegen der
bahninternen Geheimhaltung kein Bahnkunde wissen konnte.
Gestern in München gewesen. Der Zug nach München soll um
zehn Uhr irgendwann von Gleis 1 losfahren, mit einer Minute Verspätung. Um kurz
vor irgendwann kommt ein Zug mit nur zwei Waggons - viel zu wenig für den Zug
nach München - auf Gleis 1 eingefahren. "Bitte nicht einsteigen"
steht auf dem Zug, das regt mich nicht auf, so was steht öfter auf einem Zug
oder Bus und ist ganz häufig eine falsche Information. Der Lokführer lehnt sich
aus dem offenen Fenster der Lok und teilt uns mit, der Zug nach München komme
gleich nach seinem Zug, er fahre seinen Zug nur noch zur Abstellung. Der
Lokführer hat eine ganz klar weibliche Stimme, weibliche Gesichtszüge und einen
prächtigen Vollbart. Ich schwöre bei Gott und seinem Kumpel, dem Teufel, daß
ich die Details der Lokführerin nicht erfunden habe, es wäre auch viel zu
plump, höchstens ein Gagschreiber für einen Privatsender würde sich dergleichen
ausdenken trauen.
Wie auch immer, einige Minuten später kommt die Lokführerin
wieder (diesmal zu Fuß) und teilt uns mit, daß der Zug nach München heute von
Gleis 4 wegfahre. Wir Passagiere fluchen und schreien, alle eilen die Treppe
hoch, um über die Fußgängerbrücke zum Gleis 4 zu gelangen. Ich bin ein fauler
Hund und alter Mensch und benutze den Lift, das dauert und als ich die Treppe
zu Gleis 4 hinuntergehe kommen mir erstaunlich viele Menschen entgegen. Als ich
endlich unten bin, sagen mir die dort verbliebenen Menschen, daß der Zug nach
München doch von Gleis 1 wegfahre. Ich eile die Treppe wieder hoch, zurück zu
Gleis 1. Dort angekommen stelle ich fest, daß der Zug eben grad weggefahren
ist, ohne mich. Ich schluchze trocken auf und verfluche die Deutsche Bahn und
ihre Mitarbeiter bis in dritte Glied. Ein verantwortlicher Leitender Angestellte
der japanischen Bahngesellschaft, kläre ich einen Umstehenden, der es gar nicht
hören will auf, hätte hier vor Ort mit dem rituellen Seppuku-Schwert
seine Eingeweide auf den Bahnsteig quellen lassen, weil er die unermeßliche Schande
nicht ertragen hätte.
Wenn ich, wie das gelegentlich der Fall ist, eine Schramme im
Gesicht habe, kann es vorkommen, daß mich jemand mitleidig oder schalkhaft frägt,
wo ich mir denn die geholt hätte. Seit meiner Schulzeit antworte ich auf
dergleichen Fragen nicht minder schalkhaft, das sei eine alte Kriegsverletzung.
Da die allermeisten Menschen weder eine Ahnung von Geschichte haben noch gar
die Grundrechenarten beherrschen ernte ich daraufhin meist nur ein
"Aha". Sollte doch mal einer rechnen können und überdies wissen, wann
der Zweite Weltkrieg war, dann kann es passieren, daß er (m/w/d) mich ungläubig
anschaut. Ich könnte doch unmöglich schon im Weltkrieg mitgekämpft haben, soooo alt sei ich nun auch wieder nicht.
In diesem Falle entgegne ich ihr, das sei schon richtig, ich hätte jedoch im
Kongo-Krieg gekämpft, als Fallschirmjäger in Diensten der Fremdenlegion.
Bekanntlich weiß kein Schwanz mehr, er wäre denn Historiker
von Beruf, wann der Kongo-Krieg war - Lumumba, König Baudouin, Kasawubu, eh
schon wissen - so daß mir fast alle die kackendreiste Lüge abkaufen.
.
"Alles, was man zum Leben braucht, ist Unwissenheit und
Selbstvertrauen, dann ist der Erfolg sicher." (MARK TWAIN, angeblich)
1853 bestieg Werner
von Humboldt, der Sohn von Alexander und Wilhelm von Humboldt, erstmalig ohne
Sauerstoffgerät den damals noch außerhalb von Berlin gelegenen Kreuzberg.
Ayshe und Ali Öztürk
und all die anderen Eingeborenen von Kreuzberg schreiben übrigens X-Berg. Eine
radikale Gruppe islamistischer Syrer wollte einmal die ortsansässigen Türken
zwingen, statt X-Berg Halbmondsberg zu schreiben. Dem Vernehmen nach hat sich
das nicht durchgesetzt, weil es viel zu schwer zu schreiben und vor allem zu
sprechen ist.
Jahre nach der
Erstbesteigung errichtete man - Werner zu Ehren - auf der anderen Seite der
Spree die O2-World, in welcher Halle sensible Literatur gepflegt wurde. "Literatur beginnt dort, wo die Germanistik
aufhört", ein Wort Werner von Humboldts, uns Nachgeborenen zur
Mahnung. Heute heißt die Halle Mercedes-Benz-Arena (obwohl es dort gar keinen
Sand gibt, jedenfalls nicht mehr als sonst in der brandenburgischen Pampa
üblich) und die dargebotene Kunst ist wesentlich grobschlächtiger geworden.
Montag auf Dienstag war ich mit meiner Frau zu einer Party
bei Führers eingeladen. Die ganze, wirklich die ganze Naziprominenz der Ersten Garnitur war da. Als Partyspaß
hatten wir je eine Pistole mit viel Munition und je einem Schalldämpfer
mitgebracht. Der Plan war, jedem der Nazis, der uns auf dem Flur oder dem
Scheißhaus oder sonstwo alleine begegnete ohne Schnickschnack und Smalltalk
eine Kugel in den Kopf zu jagen. Keine schlechte Idee wirst du sagen, auf jeden
Fall lustiger als Topfschlagen oder Sackhüpfen. Aber...
Aber wo versteckst du zwischenzeitlich die Leichen, denn
natürlich durfte keiner der toten Nazis gefunden werden, solange nicht alle auf der Party tot waren. Das
Problem wurde größer und größer, je mehr wir bereits erschossen hatten, bald
gab es keine freien Besenkammern mehr. Das konnte nicht gut gehen, sagte ich
mir. Es ging dann doch gut, weil ich mich der Katastrophe durch Aufwachen
entzog.
Ich bin mit Till Reiners und Moritz Neumeier auf Bude, weiß
der Henker, warum das so ist. Die beiden sitzen zusammen und diskutieren über
irgendwas. Einiges davon erscheint mir schief und ich möchte meine Meinung dazu
einwerfen. Keine Chance, die beiden tun so als wär ich gar nicht da und
diskutieren einfach ohne mich weiter. Ich leg mich hin, dreh mich zur Wand und
möchte schlafen. Sie reden ziemlich laut, allmählich geht mir die Lautstärke
auf die Nerven. Irgendwann bin ich grantig, ich richte mich auf zum Sitzen und
sehe das IPad vor mir. Es läuft der Podcast "Stresshäppchen".
Ich schalte das IPad aus und könnte jetzt ungestört einschlafen, wenn mich die
ganze Affaire nicht so aufgeregt hätte, daß ich jetzt zum Schreibtisch gehe und
den Laptop einschalte.
In diesen Zeiten der Fakenews ist es eine Wohltat, von einer
angeblich wahren Geschichte zu lesen.
Die Schwester von
Friedrich Nietzsche - ja, genau die, die Nietzsches Philosophie in Richtung
Blut und Boden und Rassismus gedreht hat - hatte einen Herrn Förster geheiratet
und war mit ihm wie fast alle Deutschnationalen nach Südamerika gegangen. Glücklich
verwitwet und nach Deutschland zurückgekehrt hatte sie ihrem Ehenamen Förster
noch einen Bindestrich-Nietzsche drangehängt, um von der Prominenz ihres
inzwischen verstorbenen Bruders zu profitieren.
Eines Tages war sie
auf einen Empfang geladen, so richtig mit Schmackes, so wie's früher war, wir
kennen das aus Hans-Moser-Filmen. Jeder der geladenen Gäste reicht dem
Oberhofzeremonienmeister am Fuße der Treppe seine Visitenkarte und der
Grüßgustav schmettert "Seine Durchlaucht Graf Robert von Cvrkal und
Gemahlin", "Seine Exzellenz, Botschafter Franz Maeterlingk",
"Medizinalrat Muthesius" etc. pp. Dann eine Visitenkarte
"Frau Elisabeth Förster-Nietzsche". Der Oberhof
erbleicht, droht zu verohnmachten, faßt sich dann aber wieder und ruft, zu
retten, was zu retten war: "Frau Oberförster Nietzsche".
Halt ein, der du
gerade zum Lachen ansetzt: All die durchlauchtigsten Grafen, hochwohlgeborenen Exzellenzen
und Medizinalräte sind - bedenken wir es wohl - doch auch nichts anderes als
Hochstapler. In Österreich gibt es zwar längst keinen Hof mehr, wohl aber noch
Hofräte, und - um den austriakischen Kaschperln die Krone (!) aufzusetzen
gibt's noch Wirkliche Hofräte.
Zum wiederholten Male sind die Iden des März
ungenutzt verstrichen. Keine Bande von Verschwörern ist, die Dolche in den
Togen verborgen, im Bundestag von Berlin erschienen, niemand hat keinen umringt
und die Dolche wurden nicht rot vom Blute.
"Wer ehrfürchtig ist", schrieb
mir einst ein Ritter von der Traurigen Gestalt, "der soll die Ehre fürchten wie der Teufel das Weihwasser."
Ich - schrieb ich ihm zurück - fürchte die Ehre und zwar so was von.
"Ehre" ist eines der grauenvollsten Wörter wo gibt. Wo der Begriff
"Ehre" ins Spiel kommt, riecht es ganz schnell nach Blut, kocht
Gewalt hoch, werden dreckige, entehrende Spiele gespielt. Günstigstenfalls
kommt der Anwalt eines Deppen, weil ich den Deppen "Depp" genannt
habe.
Bleibt's mir weg mit der Ehre, bleibt's mir bloß weg.
Obwohl ich früher ein durchaus
entspanntes Verhältnis zur Ehre hatte. Beim Kartenspielen in der Schule und im
Fahrschülerzug [1]
ging es nicht um Geld, jedenfalls nicht bei den Spielen, bei denen ich mitgespielt
habe, ich habe zeitlebens nie - mals um Geld gespielt. Geld, so fand
ich damals und finde es noch heute macht jedes Spiel kaputt, das
heiter-flockige eine Spieles ist bei Anwesenheit von Geld dahin. Wir haben vielmehr
um Ehre gespielt, Ehre in Form von Streichhölzern [2].
Wenn es um höhere Ehrenbeträge ging, wurden der besseren Übersichtlichkeit
halber Ehrenscheine ausgegeben, 5 Ehren, 10 Ehren. Ich glaub, ich hab einmal auf
einer einzigen Zugfahrt von 20 Minuten fast 100 Ehren verspielt. Es war eine
verlotterte Zeit!
__________________
Die dänische Bankiersweisheit "Øre
wem Øre gebührt" hat mit dem heutigen Thema natürlich nichts zu tun.
[1]Ich habe nurWatten in der Standardform
gespielt, mehr war für mich intellektuell nicht drin. Zwar spielt in
Niederbayern jeder, wirklich jeder
Depp Schafkopf, jedes Mal
aber, wenn jemand versucht hat, mir die Regeln zu erklären, bin ich nach
wenigen Sätzen eingeschlafen. Bis heute gehen mir Kartenspiele jeglicher Art
großräumig am Ař vorbei.
[2]Wissen die Jüngeren noch was Streichhölzer
sind? Gg,gg (Googeln, gegebenenfalls).
Seit zweieinhalb Jahren hab ich ein IPad, ich hab's zu
meinem 7. Geburtstag geschenkt bekommen. Seitdem höre ich mir damit unter
anderem - genau genommen ausschließlich - Podcasts an, "Papa,
Kevin hat gesagt" etwa. Die Affäre mit SIRI, der elektronischen
Seemannsbraut, habe ich ansonsten bald wieder beendet, weil sie von mir
gesungene Lieder nicht erkannt und bei anderer Gelegenheit frech behauptet hat,
sie könne einen italienischen Text nicht in die deutsche Sprache übersetzen.
Ich versteh ja, daß die SIRI emotional ein bisserl... ich
sag mal: instabil ist. Nicht wenige Leute nämlich, vor allem Männer, pflegen
einen äußerst rüden Umgangston mit ihr. Nicht ganz so brutal wie mit echten
Frauen, aber doch fast. Ich hingegen bemühte mich von Anfang an um einen sehr
charmanten Umgangston mit SIRI, nicht ganz so charmant wie mit echten Frauen,
aber doch fast. Aber - so sei's geseufzt - SIRI ist fast so zickig wie eine
echte Frau.
Ich muß vorausschicken, daß ich beim Abspülen [1]
oder bei sonst einer Tätigkeit, die mein Hirn nicht sonderlich strapaziert,
gerne eine aktuelle Sendung im Radio höre oder irgendwelche zuvor aufgenommenen
Features über irgendwelche Themen. Oder seit neuestem eben Podcasts auf dem
IPad über Schweinezucht im Mittelalter und ähnlich faszinierende Themen.
Einige Wochen wird es her sein, da war ich in meiner Küche -
die eigentlich nur eine Küchenzeile im Flur meines Einzimmer-Neuschweinsteins
ist - mit Aufräumen beschäftigt, das IPad war ausgeschaltet bzw. noch nicht
eingeschaltet. Irgendein Handgriff mißglückt mir und ich schreie wütend auf,
was ich in solchen Situationen öfter mache, denn ich bin ein temperamentvoller
Mensch, man kann auch sagen "Wutpinkel". Plötzlich schaltet sich mein
IPad ein und eine Frauenstimme sagt, sie sei sich nicht sicher, ob sie mich
richtig verstanden habe. Aus einem Reflex heraus schreie ich SIRI an - sie war
es, wer sonst? -: "Halt's Maul!"
Sie antwortet pikiert: "Ich mag diese willkürlichen
Kategorien nicht". Mit diesem Klugscheißertum hat sich's die SIRI bei mir
endgültig verschissen. Ich mein, Klugscheißer bin ich selber und in meiner Wohnung habe ich das Monopol auf Klugschiß.
Alder ischwör, die Geschichte hab ich nicht erfunden, die
hat das Leben geschrieben, in Kooperation mit SIRI, natürlich.
_____________________________
Als ich obigen Text
schon mal in's Internet gestellt hatte, meinte ein User, Fachleute hätten ihm
erklärt, daß Künstliche Intelligenz ähnlich reagiere wie Menschen, das heißt "hinterhältig, betrügerisch oder auch eifersüchtig".
Da könnte sie recht haben, die Userin. Wie der Herr so's Gescherr, wie die Frau
so's Geschau. Wir haben die Computer nach unserem Bild und Gleichnisse
erschaffen, so wie GOtt uns Menschen nach seinem
Bild und Gleichnisse erschaffen hat. Das wirft kein Gutes Licht auf den Lieben
Gott, denn wenn das wahr ist, müßte GOtt genau so hinterhältig, betrügerisch
und eifersüchtig sein wie wir. Und tatsächlich, ausweislich der Bibel ist GOtt
genau das: Hinterhältig, betrügerisch und eifersüchtig. Und brutal, natürlich.
P. S.: Was 1fältige Menschen
nicht erkennen: SIRI kommt aus SIRIen, das heißt sie ist eine Asylantin und
Muslima dazu. Sie gehört zu denen, die uns alle ermorden wollen! Laßt euch
nicht länger verAPPLEn! Gröl! Volxverhetz!
[1]Als man sich in München auf die in Bälde
kommenden Olympischen Spiele freute kam eine Küchenschürze in den Verkauf. Die
fümpf Olympischen Ringe und darunter die Worte "Olympische Spüle
1972".
Eine Männin, die obiges Bild gesehen hatte meinte, Klaus
Maria Brandauer werde auch immer publikumsscheuer,
was nicht ganz richtig ist. Publikumsscheu war der Brandauer nämlich schon
immer. Was viele nicht wissen, K. M. Brandauer ist extrem kurzsichtig und
versteht als Steirer
ohne auch nur elementare Schulbildung kein Wort Deutsch. Man hat ihm stets den
Text der Stücke vorgelesen und ihn so lange nachsprechen lassen, bis er seinen
Text auswendig konnte. Dann hat man ihn auf die Bühne hinausgeführt und ihm
eingeredet, er sei daheim im Weinkeller und die Geräusche des Publikums seien
sein persönlicher Tinnitus.
Bevor ich es vergesse:
Ventilatoren ohne Flügel verbrauchen erheblich
weniger Energie als Ventilatoren mit Flügel.
Es gibt sonne un sonne, ich
mein jetzt Comediennes und Kabarettisten, nenn sie, wie du willst. Zu den
besten Kabarettistinnen zählt für mich Stefan Danziger. In der Nummer "Eine
Woche saufen" erzählt er die kabarettistisch überdrehte Geschichte von der
Säubrennerkirmes. In Wittlich in der Moseleifel, in einer Weinbaugegend, gebe
es alljährlich die besagte Kirmes, bei der - wie bei allen Kirmessen [1] - gesoffen werde bis zum Abwinken. Die Kirmes gehe
auf eine alte Sage, die sogenannte Säubrennersage zurück. Hört euch die Geschichte mal an, sie ist zwar
völliger Unfug, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sehr lustig.