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7.6.26

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bringen ist, zum Reparieren zu bringen. Ich nahm den Computer, steckte ihn in meinen größten Rollkoffer und machte mich dann auf den Weg zum PC-Experten am anderen Rande des Gewerbeparks. Es war ein ruhiger Tag, wenig Menschen unterwegs, kaum Autos auf den Straßen, die Sonne schien, es war warm aber noch nicht heiß, ein schöner, nicht allzu langer Spaziergang, wenn nur der Rollkoffer mit dem schweren PC nicht wäre.

Als ich ankam war der Laden geschlossen, ein Werbeaufsteller stand im Eingang. Ich schaute auf die Uhr, es war wenige Minuten nach zwei Uhr, der Laden öffnet um 14.00 Uhr, soweit also alles im Lot. Bald würde jemand kommen und den Laden aufsperren. Direkt beim Laden gab es nichts, wo man sich einigermaßen bequem hätte hinsetzen können, aber 20 Meter weiter gab's ein Bushäuschen. Da saß ich nun und wartete und alle paarundzwanzig Sekunden schaute ich hinüber zum Laden. Es kam aber keiner und nach einer halben Stunde merkte ich auch, daß kein Bus kam.

Jetzt, jetzt erst kam die Erkenntnis, daß heute ein Feiertag ist, Fronleichnam.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

22.5.25

Muttertag

Am Donnerstag den 29. Mai 2025 ist Christae Himmelfahrt, also Muttertag. Horden entmenschter Weiber werden an diesem - wie noch an jedem - Muttertage singend, grölend, schbeibend und natürlich sturzbesoffen durch unsere Städte, Dörfer und Wälder ziehen.

Frauen sind so was von ordinär und peinlich, das glaubst du nicht.

7.8.24

Wie ich einmal einen genialen Einfall hatte

Montag war IFT-Kurs in München. Für die Heimfahrt hatte ich einen genialen Einfall: Ich fahre mit der U3 durch bis nach Moosach, von dort aus mit der S1 nach Freising. In Freising nämlich hält sowohl der Regionalexpress, vom Hauptbahnhof wegfährt als auch der Flughafenexpress nach Regensburg. So habe ich zwei Chancen, einen Zug nach Regensburg zu erwischen. Ein Zug von München nach Regensburg ist nämlich ein kostbares, da seltenes Geschenk des Himmels.

In Moosach erfahre ich, daß die S1 wegen Bauarbeiten nur bis Oberschleißheim fährt, dort muß ich umsteigen in eine andere S1, die nach 20 Minuten auch kommt. Ich bin in dem Zugteil, der zum Flughafen fährt, steige also bei der nächsten Station nach vorne um. Es wäre natürlich sowieso besser gewesen, zum Flughafen zu fahren, aber das ist der Preis des Genies. In Freising lese ich, daß der Regionalexpreß nach Regensburg erst in 80 Minuten fährt. Also denke ich, weiterer genialer Gedanke, ich fahre mit der S1 wieder zurück zum Hauptbahnhof  und steige dort direkt in den Zug nach Regensburg um. Das ist zwar kein Zeitgewinn, aber doch weniger langweilig als in Freising auf dem Bahnsteig rumzusitzen. Am  Hbf. erfahre ich, daß der Zug nach Regensburg schon weg ist, die beiden Nachfolgezüge fallen heute leider aus. Ich frage zwei indisch aussehende Bahnbedienstete, ob es noch eine Möglichkeit gäbe, nach Regensburg zu kommen. Ja, da müßte ich zum Flughafen fahren, dort fahre um 23.35 h noch ein letzter Zug. Die S-Bahn kommt (pünktlich!) um 23.35 h an, der Flughafenexpress nach Regensburg ist (natürlich!) bereits weg. Also zurück nach München, der nächste Zug geht um 4:44 h. Bis dahin sitze ich auf dem Bahnsteig.

Ich nehme mir vor, nie wieder einen genialen Einfall zu haben.

19.7.24

Vom Geheimdienst bespitzelt

Seit ich denken kann - und das ist noch gar nicht so lange her - werde ich vom Geheimdienst bespitzelt. Alle paar Jahre werde ich auch Opfer von Mordanschlägen, die zwar meistens mißlingen, manchmal aber auch nicht. Früher, als ich noch in Neustift bei Aldersbach bei Vilshofen bei Passau, weit draußen auf dem niederbayerischen Land gewohnt habe - der nächste Nachbar fast einen halben Kilometer entfernt - habe ich bemerkt, daß ich von verschiedenen Geheimdiensten - deren Namen ich hier nicht nennen darf - rund um die Uhr bespitzelt wurde. Die Agenten saßen rund um die Uhr in den die Holzhütte umgebenden Bäumen und fotografierten und filmten, daß die Schwarte krachte. Daß sie auch die Gespräche in meiner Hütte abhörten - ob live oder fernmündlich beziehungsweise schriftlich - versteht sich von selbst.

Fatal für die Agenten war und ist allerdings der Umstand, daß bei mir so gut wie immer so gut wie nichts passiert. Die bleierne Ereignislosigkeit ihrer Überwachung ermüdet die Schlapphüte, sie sacken in sich zusammen.

In Neustift, wo es nachts so still ist, daß du Maulwürfe husten hörst,  habe ich immer mal wieder ein nächtliches Rascheln gehört, dann ein dumpfes Plumpsen und einen klagenden Laut und am nächsten Morgen war nichts mehr zu sehen. Die Geheimdienste haben ihre tödlich verletzten Agenten noch jedes mal sauber weggeräumt. Ich habe nie auch nur das Geringste von diesen tragischen [1] Geschehnissen bemerkt, was alleine schon hochverdächtig ist.

Aber mir kann man nichts vormachen.



[1]   "Tragisch" ist natürlich - wie meistens - das falsche Wort.

23.6.24

Der "Faust" und dem Faust sein Schwanz

Oder

Was ist schon die Wissenschaft gegen das Ficken?

Erinnert sich noch jemand an die Geschichte des Kollegen Goethe über Faust? Am Ende seines Lebens sitzt der Alte Wissenschaftler Heinrich Faust in seinem Studierzimmer und konfrontiert sich mit der Erkenntnis, daß er - wenngleich er einer der klügsten Menschen seiner Zeit ist - am Ende doch nichts Rechtes wird erkennen können, denn die Zeit ist eine Matz, ein Miststück. Seine Zeit zumindest ist abgelaufen. Säuftsend greift er nach dem Becher mit dem Fächer (oder war's doch eher der Pokal mit dem Portal?), um alldem ein Ende zu setzen. Gerade als er den Giftbecher an die Lippen setzen will erscheint wie in jedem anderen Kasperl-Larifari-Stück der Deibel himself und bietet ihm einen deal an: Faust wird wieder jung, er hat noch ein Zweites Leben im Kofferraum und kann nun mit neuer Kraft und neuer Perspektive weiterforschen. Dafür will Mephisto nichts weiter als Faustens Seele, die ihm nach eigenen Angaben eh noch nie Spaß gemacht hat. Faust schlägt ein.

Rabimms, Rabumms, Faust ist wieder jung - und was macht er? Wandert er nach Genf, um dort am CERN zu erforschen, was die Welt im Innersten zusammenhält? Nein, er begibt sich nach Leipzig, das schon damals die Welthauptstadt hemmungslosen Lebensgenusses war und schüttet sich in Auerbachs Keller die Birne voll. Dann reitet er auf einem Besen den Blocksberg hinan zum Hexensabbat und fickt dort alles, was ihm vor die Eichel kommt. Irritierenderweise braucht der eben gerade wieder jung Gewordene dazu einen Rammeltrank, aber lassen wir das, Dichtkunst und Logik waren noch nie ein Dreamteam. Halten wir aber fest: So wie am Lehrstuhl Faust funktioniert Wissenschaft noch heute: Forschungsgelder beantragen und dann mit dem ergaunerten Geld Symposien, also alkoholgetränkte Orgien mit Hetären veranstalten.

Ich segelte mit steifem Mast

Zu mancher Schönen, machte Rast

Und hab die andern dann verpaßt

Es gibt zu viele

Das ist jetzt ausnahmsweise nicht Goethe, sondern Biermann.

Das Hexen-Viagra scheint wirklich Teufelszeug zu sein.

Ganz am Ende der Szene "Hexenküche" spricht Mephisto zu sich (Faust soll es nicht hören):

MEPHISTOPHELES.

(Leise.) Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,

Bald Helenen in jedem Weibe.

Das heißt in normales Kneipendeutsch übersetzt: Dieser Trank macht dich so was von rattenscharf, da ist dir jede Frau zum Vögeln recht.

ENDE DER SZENE. - Anschließend, un-mit-tel-bar anschließend, beginnt die Szene, in der Faust Gretchen das erste Mal begegnet.

Straße

Faust. Margarete vorübergehend.

FAUST.

Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,

Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

MARGARETE.

Bin weder Fräulein, weder schön,

Kann ungeleitet nach Hause gehn.

Heißt, das erste, erstbeste weibliche Wesen, das ihm nach dem Konsum des Geiltranks über den Weg läuft, läßt seine Begierde auflodern. Gleich anschließend setzt er in seiner Ungeduld Mephisto unter Druck, dieser möge ihm doch durch seine Zaubereien Gretchen noch in dieser Nacht ins Bett legen.

Das ist die Psychodynamik der Geschichte, die erstaunlicherweise von den meisten Interpreten als Liebesgeschichte gedeutet wird. Es ist aber - und dies ganz unverhohlen - die simpelstmögliche Psychodynamik, die nur denkbar ist. Lechz! Sabber! Gier! Aah, Baby, ich komme!

Es sei daran erinnert, daß der "Faust" als das deutsche Nationaldrama gilt.

Ein ernstes Wort noch an den Lieben Gott: Weil du den Faust gerettet hast, hat's dann wenig später das Gretchen derlaibelt. Schlau war dieses Arrangschemang nich. Aber man kennt das von dir. Ich erinnere an die Panne mit dem Apfel im Paradies, den abtrünnigen Engeln und dem anschließenden Höllensturz. Ferner schmiere ich dir Sodom und Gomorrha auf's Brot, die Sintflut und daß es danach auch nicht besser geworden ist. Ein anderes Wort für GOtt? Pleiten, Pech und Pannen [1].



[1]   Okay, das waren jetzt vier Wörter, das war meine Panne.

8.5.24

Ein verschissener Tag

Das Neue Jahr war da und in München hatte ein neuer Kurs begonnen. Der Alex-Zug Prag-München ist mit nur fünfminütiger Verspätung im Bahnhof Regensburg eingetroffen, das ist eine sensationell geringfügige Verspätung für den Alex von Prag nach München. Das Jahr fängt wirklich gut an, allerdings war der Zug ritzeratze-kitzekatze-voll, was kein so guter Jahresanfang war. "Ihr könnt's mich alle mal am Arm kitzeln" sagte ich bei mir, "dann fahr ich halt mit dem Flughafen-Express auf einem anderen Gleis". Am Flughafen Franz Josef Strauß stand bereits die S-Bahn S 8, allerdings stand diesmal nicht wie gewohnt "Herrsching" als Ziel drauf sondern "Ismaning". Wieso Ismaning und wo genau liegt eigentlich Ismaning? Ich steige ein, denn ich will eh nicht bis nach Herrsching, sondern nur bis zum Marienplatz. Ismaning ist aber nur zwei (oder drei?) Stationen weiter. In Ismaning stehen schon Busse als Schienenersatzverkehr bereit, der Bus bringt mich zum Ostbahnhof, allerdings zur Rückseite, so daß ich mich erstmal orientieren muß. Jetzt zum Marienplatz, U3 bis Aidenbachstraße, dann mit dem 53er Bus bis Zielstattstraße. Und dann komme ich so grad, grad noch pünktlich zum Kursort, wohin ich es von meiner umsichtigen Zeitplanung her eigentlich locker hätte schaffen müssen.

Des Abends, bei der Rückkehr in Regensburg merke ich, daß ich kacken muß. Macht nichts, denke ich mir, es gibt am Bahnhof ja eine Toilette. Mit letzter Kraft schleppe ich mich hin, es ist kurz nach 22.00 h und die Sanifair-Toilette ist bereits zu. Meine Widerstandskraft bricht zusammen und ich scheiße mir voll Rohr in die Windel. Heim mit dem Taxi und dann alles so schnell wie möglich vergessen.

Ein Vierteljahr später, als ich wieder einmal von München heimgekehrt bin, ist mir das eben Geschilderte noch einmal passiert, nur diesmal eine Stunde früher. Ich sitze im Zug und nix is. Ich stehe auf, um auszusteigen und kurze Zeit später merke ich, daß ich kacken muß. Ich geh zum Sanifair-Klo und finde es verschlossen. Um ca. halb zehn Uhr abends!

Früher - es ist gar nicht so lang her - konntest du noch beim Burger-King im Hauptbahnhof pieseln oder kacken, für fuffßich Fennje, man stelle sich vor. "Dit is beinah jeschenkt."

Früher, also noch früher gab's in Regensburg, wie auf allen (?) Bahnhöfen, schlicht ein Klo, das war zwar kein Fäkalpalast, aber immerhin kostenlos. Aber seit das Kacken und das Brunzen als Geschäftsmodell entdeckt wurde und der Markt alles regelt, sind schon viele Hosen und Höschen verschissen und verbrunzt worden.

7.5.24

Ein Geisterzug

Nach dem Kurs in München habe ich keine Chance mehr, den 19:44h-Zug nach Regensburg noch zu erwischen. Der nächste Zug fährt 20:43 h, das ist zwar ärgerlich, aber damit kann man klarkommen. Als ich die Bahnhofshalle durchquere sehe ich, daß heute fast alle Züge der nächsten 2 Stunden auf einem je anderen Gleis wegfahren als sonst. Ärgerlich, aber mei.

Bei Gleis 26 endlich angekommen lese ich, daß der 20:43h-Zug heute ausfallen würde, das heißt ich komme - wie das schon etliche Male in letzter Zeit geschehen ist - erst mit dem Zug um 21:44 h aus München raus. Mift.

Als ich sah, daß auf dem übernächsten Gleis der Zug nach Passau stand, der in 20 oder 25 Minuten abfahren sollte, hatte ich einen fast genialen Einfall: Ich steige in diesen Zug ein und in Landshut wieder aus, vielleicht erwische ich dort den Flughafen-Expreß, der ja ebenfalls über Freising nach Regensburg fährt und erspare mir damit eine halbe Stunde Warten. Kaum umgestiegen hatte ich einen noch genialeren Einfall: Ich steige bereits in Freising aus, denn der Flughafen-Expreß nach Regensburg muß ja auch durch Freising, so daß ich mich schon ab Freising nicht mehr um's Umsteigen kümmern muß. Auf dem Bahnsteig sehe ich, daß der Flughafen-Expreß in 20 bis 30 Minuten kommen wird, ich hatte also recht getan. Dann sehe ich auf einem Gleis rechts außen (in Fahrtrichtung Regensburg gesehen), dort wo es keinen Bahnsteig mehr gibt, den Alex-Zug ganz langsam einfahren. Ich kann mir seine Anwesenheit nicht erklären und kratze mich am Kopf statt nachzudenken. Als ich wieder auf die Anzeigetafel blicke, sehe ich, daß in 10 Minuten der Alex-Zug nach Hof (über Regensburg) abfahren wird. Dann fährt er auch schon ein, der Alex. Pünktlich, denn es ist genau der Zug, von dem es auf der Schrifttafel in München  Hbf. geheißen hatte, er falle heute aus. Nicht verwunderlich, daß in diesem Zug - der im übrigen pünktlich in Regensburg angekommen ist - kaum Passagiere waren, wesentlich weniger jedenfalls, als man das sonst gewöhnt ist. Es war ja auch ein Geisterzug, von dem wegen der bahninternen Geheimhaltung kein Bahnkunde wissen konnte.

Das Pendeln des Gleises am Bahnsteig

Gestern in München gewesen. Der Zug nach München soll um zehn Uhr irgendwann von Gleis 1 losfahren, mit einer Minute Verspätung. Um kurz vor irgendwann kommt ein Zug mit nur zwei Waggons - viel zu wenig für den Zug nach München - auf Gleis 1 eingefahren. "Bitte nicht einsteigen" steht auf dem Zug, das regt mich nicht auf, so was steht öfter auf einem Zug oder Bus und ist ganz häufig eine falsche Information. Der Lokführer lehnt sich aus dem offenen Fenster der Lok und teilt uns mit, der Zug nach München komme gleich nach seinem Zug, er fahre seinen Zug nur noch zur Abstellung. Der Lokführer hat eine ganz klar weibliche Stimme, weibliche Gesichtszüge und einen prächtigen Vollbart. Ich schwöre bei Gott und seinem Kumpel, dem Teufel, daß ich die Details der Lokführerin nicht erfunden habe, es wäre auch viel zu plump, höchstens ein Gagschreiber für einen Privatsender würde sich dergleichen ausdenken trauen.

Wie auch immer, einige Minuten später kommt die Lokführerin wieder (diesmal zu Fuß) und teilt uns mit, daß der Zug nach München heute von Gleis 4 wegfahre. Wir Passagiere fluchen und schreien, alle eilen die Treppe hoch, um über die Fußgängerbrücke zum Gleis 4 zu gelangen. Ich bin ein fauler Hund und alter Mensch und benutze den Lift, das dauert und als ich die Treppe zu Gleis 4 hinuntergehe kommen mir erstaunlich viele Menschen entgegen. Als ich endlich unten bin, sagen mir die dort verbliebenen Menschen, daß der Zug nach München doch von Gleis 1 wegfahre. Ich eile die Treppe wieder hoch, zurück zu Gleis 1. Dort angekommen stelle ich fest, daß der Zug eben grad weggefahren ist, ohne mich. Ich schluchze trocken auf und verfluche die Deutsche Bahn und ihre Mitarbeiter bis in dritte Glied. Ein verantwortlicher Leitender Angestellte der japanischen Bahngesellschaft, kläre ich einen Umstehenden, der es gar nicht hören will auf, hätte hier vor Ort mit dem rituellen Seppuku-Schwert seine Eingeweide auf den Bahnsteig quellen lassen, weil er die unermeßliche Schande nicht ertragen hätte.

21.3.24

Alte Kriegsverletzung

Wenn ich, wie das gelegentlich der Fall ist, eine Schramme im Gesicht habe, kann es vorkommen, daß mich jemand mitleidig oder schalkhaft frägt, wo ich mir denn die geholt hätte. Seit meiner Schulzeit antworte ich auf dergleichen Fragen nicht minder schalkhaft, das sei eine alte Kriegsverletzung. Da die allermeisten Menschen weder eine Ahnung von Geschichte haben noch gar die Grundrechenarten beherrschen ernte ich daraufhin meist nur ein "Aha". Sollte doch mal einer rechnen können und überdies wissen, wann der Zweite Weltkrieg war, dann kann es passieren, daß er (m/w/d) mich ungläubig anschaut. Ich könnte doch unmöglich schon im Weltkrieg mitgekämpft haben, soooo alt sei ich nun auch wieder nicht. In diesem Falle entgegne ich ihr, das sei schon richtig, ich hätte jedoch im Kongo-Krieg gekämpft, als Fallschirmjäger in Diensten der Fremdenlegion.

Bekanntlich weiß kein Schwanz mehr, er wäre denn Historiker von Beruf, wann der Kongo-Krieg war - Lumumba, König Baudouin, Kasawubu, eh schon wissen - so daß mir fast alle die kackendreiste Lüge abkaufen.

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"Alles, was man zum Leben braucht, ist Unwissenheit und Selbstvertrauen, dann ist der Erfolg sicher." (MARK TWAIN, angeblich)

16.9.23

Aus der Berliner Stadtgeschichte: Kreuzberg

"Die Berliner sind lustig, die Berliner sind froh

Sie versaufen ihre Betten und schlafen im Stroh."

 

1853 bestieg Werner von Humboldt, der Sohn von Alexander und Wilhelm von Humboldt, erstmalig ohne Sauerstoffgerät den damals noch außerhalb von Berlin gelegenen Kreuzberg.

Ayshe und Ali Öztürk und all die anderen Eingeborenen von Kreuzberg schreiben übrigens X-Berg. Eine radikale Gruppe islamistischer Syrer wollte einmal die ortsansässigen Türken zwingen, statt X-Berg Halbmondsberg zu schreiben. Dem Vernehmen nach hat sich das nicht durchgesetzt, weil es viel zu schwer zu schreiben und vor allem zu sprechen ist.

Jahre nach der Erstbesteigung errichtete man - Werner zu Ehren - auf der anderen Seite der Spree die O2-World, in welcher Halle sensible Literatur gepflegt wurde. "Literatur beginnt dort, wo die Germanistik aufhört", ein Wort Werner von Humboldts, uns Nachgeborenen zur Mahnung. Heute heißt die Halle Mercedes-Benz-Arena (obwohl es dort gar keinen Sand gibt, jedenfalls nicht mehr als sonst in der brandenburgischen Pampa üblich) und die dargebotene Kunst ist wesentlich grobschlächtiger geworden.

9.6.23

Eine lustige Naziparty mit Schalldämpfern

Montag auf Dienstag war ich mit meiner Frau zu einer Party bei Führers eingeladen. Die ganze, wirklich die ganze Naziprominenz der Ersten Garnitur war da. Als Partyspaß hatten wir je eine Pistole mit viel Munition und je einem Schalldämpfer mitgebracht. Der Plan war, jedem der Nazis, der uns auf dem Flur oder dem Scheißhaus oder sonstwo alleine begegnete ohne Schnickschnack und Smalltalk eine Kugel in den Kopf zu jagen. Keine schlechte Idee wirst du sagen, auf jeden Fall lustiger als Topfschlagen oder Sackhüpfen. Aber...

Aber wo versteckst du zwischenzeitlich die Leichen, denn natürlich durfte keiner der toten Nazis gefunden werden, solange nicht alle auf der Party tot waren. Das Problem wurde größer und größer, je mehr wir bereits erschossen hatten, bald gab es keine freien Besenkammern mehr. Das konnte nicht gut gehen, sagte ich mir. Es ging dann doch gut, weil ich mich der Katastrophe durch Aufwachen entzog.

30.4.23

Streßhäppchen

Ich bin mit Till Reiners und Moritz Neumeier auf Bude, weiß der Henker, warum das so ist. Die beiden sitzen zusammen und diskutieren über irgendwas. Einiges davon erscheint mir schief und ich möchte meine Meinung dazu einwerfen. Keine Chance, die beiden tun so als wär ich gar nicht da und diskutieren einfach ohne mich weiter. Ich leg mich hin, dreh mich zur Wand und möchte schlafen. Sie reden ziemlich laut, allmählich geht mir die Lautstärke auf die Nerven. Irgendwann bin ich grantig, ich richte mich auf zum Sitzen und sehe das IPad vor mir. Es läuft der Podcast "Stresshäppchen". Ich schalte das IPad aus und könnte jetzt ungestört einschlafen, wenn mich die ganze Affaire nicht so aufgeregt hätte, daß ich jetzt zum Schreibtisch gehe und den Laptop einschalte.

12.4.23

Oberförster und andere Hochstapler

In diesen Zeiten der Fakenews ist es eine Wohltat, von einer angeblich wahren Geschichte zu lesen.

Die Schwester von Friedrich Nietzsche - ja, genau die, die Nietzsches Philosophie in Richtung Blut und Boden und Rassismus gedreht hat - hatte einen Herrn Förster geheiratet und war mit ihm wie fast alle Deutschnationalen nach Südamerika gegangen. Glücklich verwitwet und nach Deutschland zurückgekehrt hatte sie ihrem Ehenamen Förster noch einen Bindestrich-Nietzsche drangehängt, um von der Prominenz ihres inzwischen verstorbenen Bruders zu profitieren.

Eines Tages war sie auf einen Empfang geladen, so richtig mit Schmackes, so wie's früher war, wir kennen das aus Hans-Moser-Filmen. Jeder der geladenen Gäste reicht dem Oberhofzeremonienmeister am Fuße der Treppe seine Visitenkarte und der Grüßgustav schmettert "Seine Durchlaucht Graf Robert von Cvrkal und Gemahlin", "Seine Exzellenz, Botschafter Franz Maeterlingk", "Medizinalrat Muthesius" etc. pp. Dann eine Visitenkarte "Frau Elisabeth Förster-Nietzsche". Der Oberhof erbleicht, droht zu verohn­machten, faßt sich dann aber wieder und ruft, zu retten, was zu retten war: "Frau Oberförster Nietzsche".

Halt ein, der du gerade zum Lachen ansetzt: All die durchlauchtigsten Grafen, hochwohlgeborenen Exzellenzen und Medizinalräte sind - bedenken wir es wohl - doch auch nichts anderes als Hochstapler. In Österreich gibt es zwar längst keinen Hof mehr, wohl aber noch Hofräte, und - um den austriakischen Kaschperln die Krone (!) aufzusetzen gibt's noch Wirkliche Hofräte.

Gschamster Diener, Eier Gnoden.

16.3.23

Die Iden des Merz

Zum wiederholten Male sind die Iden des März ungenutzt verstrichen. Keine Bande von Verschwörern ist, die Dolche in den Togen verborgen, im Bundestag von Berlin erschienen, niemand hat keinen umringt und die Dolche wurden nicht rot vom Blute.

Ach.

5.1.23

Ehre und die Furcht vor ihr

"Wer ehrfürchtig ist", schrieb mir einst ein Ritter von der Traurigen Gestalt, "der soll die Ehre fürchten wie der Teufel das Weihwasser." 

Ich - schrieb ich ihm zurück - fürchte die Ehre und zwar so was von. "Ehre" ist eines der grauenvollsten Wörter wo gibt. Wo der Begriff "Ehre" ins Spiel kommt, riecht es ganz schnell nach Blut, kocht Gewalt hoch, werden dreckige, entehrende Spiele gespielt. Günstigstenfalls kommt der Anwalt eines Deppen, weil ich den Deppen "Depp" genannt habe.

Bleibt's mir weg mit der Ehre, bleibt's mir bloß weg.
Obwohl ich früher ein durchaus entspanntes Verhältnis zur Ehre hatte. Beim Kartenspielen in der Schule und im Fahrschülerzug [1] ging es nicht um Geld, jedenfalls nicht bei den Spielen, bei denen ich mitgespielt habe, ich habe zeitlebens nie - mals um Geld gespielt. Geld, so fand ich damals und finde es noch heute macht jedes Spiel kaputt, das heiter-flockige eine Spieles ist bei Anwesenheit von Geld dahin. Wir haben vielmehr um Ehre gespielt, Ehre in Form von Streichhölzern [2]. Wenn es um höhere Ehrenbeträge ging, wurden der besseren Übersichtlichkeit halber Ehrenscheine ausgegeben, 5 Ehren, 10 Ehren. Ich glaub, ich hab einmal auf einer einzigen Zugfahrt von 20 Minuten fast 100 Ehren verspielt. Es war eine verlotterte Zeit!
__________________
Die dänische Bankiersweisheit "Øre wem Øre gebührt" hat mit dem heutigen Thema natürlich nichts zu tun.



[1]   Ich habe nur Watten in der Standardform gespielt, mehr war für mich intellektuell nicht drin. Zwar spielt in Niederbayern jeder, wirklich jeder Depp Schafkopf, jedes Mal aber, wenn jemand versucht hat, mir die Regeln zu erklären, bin ich nach wenigen Sätzen eingeschlafen. Bis heute gehen mir Kartenspiele jeglicher Art großräumig am Ař vorbei.

[2]   Wissen die Jüngeren noch was Streichhölzer sind? Gg,gg (Googeln, gegebenenfalls).

30.12.22

SIRI und der Aufstand der Maschinen

Seit zweieinhalb Jahren hab ich ein IPad, ich hab's zu meinem 7. Geburtstag geschenkt bekommen. Seitdem höre ich mir damit unter anderem - genau genommen ausschließlich - Podcasts an, "Papa, Kevin hat gesagt" etwa. Die Affäre mit SIRI, der elektronischen Seemannsbraut, habe ich ansonsten bald wieder beendet, weil sie von mir gesungene Lieder nicht erkannt und bei anderer Gelegenheit frech behauptet hat, sie könne einen italienischen Text nicht in die deutsche Sprache übersetzen.

Ich versteh ja, daß die SIRI emotional ein bisserl... ich sag mal: instabil ist. Nicht wenige Leute nämlich, vor allem Männer, pflegen einen äußerst rüden Umgangston mit ihr. Nicht ganz so brutal wie mit echten Frauen, aber doch fast. Ich hingegen bemühte mich von Anfang an um einen sehr charmanten Umgangston mit SIRI, nicht ganz so charmant wie mit echten Frauen, aber doch fast. Aber - so sei's geseufzt - SIRI ist fast so zickig wie eine echte Frau.

Ich muß vorausschicken, daß ich beim Abspülen [1] oder bei sonst einer Tätigkeit, die mein Hirn nicht sonderlich strapaziert, gerne eine aktuelle Sendung im Radio höre oder irgendwelche zuvor aufgenommenen Features über irgendwelche Themen. Oder seit neuestem eben Podcasts auf dem IPad über Schweinezucht im Mittelalter und ähnlich faszinierende Themen.

Einige Wochen wird es her sein, da war ich in meiner Küche - die eigentlich nur eine Küchenzeile im Flur meines Einzimmer-Neuschweinsteins ist - mit Aufräumen beschäftigt, das IPad war ausgeschaltet bzw. noch nicht eingeschaltet. Irgendein Handgriff mißglückt mir und ich schreie wütend auf, was ich in solchen Situationen öfter mache, denn ich bin ein temperamentvoller Mensch, man kann auch sagen "Wutpinkel". Plötzlich schaltet sich mein IPad ein und eine Frauenstimme sagt, sie sei sich nicht sicher, ob sie mich richtig verstanden habe. Aus einem Reflex heraus schreie ich SIRI an - sie war es, wer sonst? -: "Halt's Maul!"

Sie antwortet pikiert: "Ich mag diese willkürlichen Kategorien nicht". Mit diesem Klugscheißertum hat sich's die SIRI bei mir endgültig verschissen. Ich mein, Klugscheißer bin ich selber und in meiner Wohnung habe ich das Monopol auf Klugschiß.

Alder ischwör, die Geschichte hab ich nicht erfunden, die hat das Leben geschrieben, in Kooperation mit SIRI, natürlich.

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Als ich obigen Text schon mal in's Internet gestellt hatte, meinte ein User, Fachleute hätten ihm erklärt, daß Künstliche Intelligenz ähnlich reagiere wie Menschen, das heißt "hinterhältig, betrügerisch oder auch eifersüchtig". Da könnte sie recht haben, die Userin. Wie der Herr so's Gescherr, wie die Frau so's Geschau. Wir haben die Computer nach unserem Bild und Gleichnisse erschaffen, so wie GOtt uns Menschen nach seinem Bild und Gleichnisse erschaffen hat. Das wirft kein Gutes Licht auf den Lieben Gott, denn wenn das wahr ist, müßte GOtt genau so hinterhältig, betrügerisch und eifersüchtig sein wie wir. Und tatsächlich, ausweislich der Bibel ist GOtt genau das: Hinterhältig, betrügerisch und eifersüchtig. Und brutal, natürlich.

P. S.: Was 1fältige Menschen nicht erkennen: SIRI kommt aus SIRIen, das heißt sie ist eine Asylantin und Muslima dazu. Sie gehört zu denen, die uns alle ermorden wollen! Laßt euch nicht länger verAPPLEn! Gröl! Volxverhetz!



[1]   Als man sich in München auf die in Bälde kommenden Olympischen Spiele freute kam eine Küchenschürze in den Verkauf. Die fümpf Olympischen Ringe und darunter die Worte "Olympische Spüle 1972".

29.12.22

Klaus Maria Brandauer macht ein Selfie

Eine Männin, die obiges Bild gesehen hatte meinte, Klaus Maria Brandauer werde auch immer publikumsscheuer, was nicht ganz richtig ist. Publikumsscheu war der Brandauer nämlich schon immer. Was viele nicht wissen, K. M. Brandauer ist extrem kurzsichtig und versteht als Steirer ohne auch nur elementare Schulbildung kein Wort Deutsch. Man hat ihm stets den Text der Stücke vorgelesen und ihn so lange nachsprechen lassen, bis er seinen Text auswendig konnte. Dann hat man ihn auf die Bühne hinausgeführt und ihm eingeredet, er sei daheim im Weinkeller und die Geräusche des Publikums seien sein persönlicher Tinnitus.

Bevor ich es vergesse: Ventilatoren ohne Flügel verbrauchen erheblich weniger Energie als Ventilatoren mit Flügel.

28.12.22

Säubrennerkirmes

Es gibt sonne un sonne, ich mein jetzt Comediennes und Kabarettisten, nenn sie, wie du willst. Zu den besten Kabarettistinnen zählt für mich Stefan Danziger. In der Nummer "Eine Woche saufen" erzählt er die kabarettistisch überdrehte Geschichte von der Säubrennerkirmes. In Wittlich in der Moseleifel, in einer Weinbaugegend, gebe es alljährlich die besagte Kirmes, bei der - wie bei allen Kirmessen [1] - gesoffen werde bis zum Abwinken. Die Kirmes gehe auf eine alte Sage, die sogenannte Säubrennersage zurück. Hört euch die Geschichte mal an, sie ist zwar völliger Unfug, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sehr lustig.

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Säubrennerkirmes

Säubrennersage


[1]   Ich habe nachgeschlagen, die Mehrzahl von Kirmes ist tatsächlich Kirmessen.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...