9.12.08

Parvenüs

Alte Adelsgeschlechter, ob es sich nun um Geld- oder Adel-Adel handelt, sehen gerne auf die sog. Parvenüs, die Emporkömmlinge herab. Beim Geldadel, also dem bürgerlichen Adel ist das etwas verwunderlich, lautet doch die bürgerliche Weisheit seit alters, daß dem Tüchtigen die Welt gehöre. Eigentlich müßte man also heute demjenigen, der von unten nach oben gestiegen ist, mehr Respekt zollen als demjenigen, der sich für seinen Reichtum nur die Mühe machen mußte, geboren zu werden.
Wie auch immer: Alte Adelsgeschlechter sind stolz auf ihre Vorfahren, sie verehren sie und sie verehren natürlich vor allem den ruhmreichen Gründer des ruhmreichen Geschlechtes derer von Weißnichtwer. Zwei Minuten mäßig angestrengten Nachdenkens genügen für die Erkenntnis, daß dieser Gründer des Adelsgeschlechtes, wie weit immer man ihn in der Geschichte zurückverfolgen kann, ein Parvenü gewesen sein muß. Er nämlich kann ja noch nicht aus einem alten Adelsgeschlecht gestammt haben, ansonsten er ja nicht der Gründer eines solchen gewesen sein könnte. Der Urururopa Vorfahr muß also vor der Gründung des Geschlechtes irgendein kleiner Mann gewesen sein, der sich dann hochgearbeitet, bzw. hochgemetzelt hat.
Diese simple Logik ist vielleicht der Grund, warum sich viele ganz alte Adelsgeschlechter gerne mythische Vorfahren erfunden haben, die oft bis zu den Göttern selbst zurückreichen. Ersatzweise (besser als nix) tun's dann auch die Trojaner. Obwohl man sich auch bei denen natürlich fragen muß, was denn der trojanische Urahn war, bevor er zum Urahn wurde.

Paulaner

In den frühen achtziger Jahren sah ich bei einem Besuch in München einmal ein Plakat einer Münchner Brauerei. Ich glaube, es war die Paulaner Brauerei und es war eine Reklame für Paulaner Pils. Ein Säugling lag in seiner Wiege, proper, glücklich und zufrieden. Um die Wiege herum standen die Eltern und Großeltern, blickten verzückt und glücklich in die Wiege mit dem kleinen Wonneproppen. Alles schön, alles gediegen, alles wohlhabend. Eine Idylle. Auf dem Plakat standen die Worte:

"Irgendwann wird auch er sein erstes Paulaner Pils trinken."

Eine knallharte Drohung. Das Plakat will uns sagen: „Du, kleiner Säugling, magst jetzt noch ahnungslos und zufrieden in deiner Wiege liegen und von Muttermilch träumen. Täusche dich nicht - wir kriegen auch dich, so wie wir bisher noch fast jeden gekriegt haben!“

Du kommst dem Bier nicht aus!

Sportler

Ist es dir schon mal aufgefallen? Wenn du (und wann immer du) einen leidenschaftlichen Sportler triffst, ist er müde, abgekämpft, fertig. Daß er um irgendein Körperteil irgendwelche Bandagen trägt, also irgendwie verletzt ist, fällt dir als Bekannter von Sportlern schon gar nicht mehr auf. Frägst du ihn, so wird er dir sagen, er habe gestern oder letzte Woche oder eben grade sehr heftig trainiert und dieses Training stecke ihm noch in den Knochen.

Du hingegen, leidenschaftlicher Nicht-Sportler und Faulpelz in allen Dingen körperlicher Ertüchtigung, bist fit, ausgeruht und leistungsfähig.

Könnte es sein, daß Sportler nicht, wie sie dies selber gerne glauben, dank ihres Trainings fit und leistungsfähig sind, sondern, daß sie ganz unglaublich fit und leistungsfähig wären, wenn sie nicht ständig so viel und heftig Sport trieben.

Schärfer formuliert: Es sind womöglich nicht jene Leute leistungsfähig, die Sport treiben, sondern Sport treiben diejenigen Leute, die von Haus aus leistungsfähig sind. Und sie wären noch viel, viel leistungsfähiger, wenn sie nicht ständig so viel Sport trieben.

Nur mal so als Denkanstoß.

Die schöngeflötete Reichskristallnacht

Seit den achtziger Jahren erscheint vielen wohlmeinenden Menschen in Deutschland der Begriff " Reichskristallnacht " als bedenklic...