Posts mit dem Label Sport werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sport werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

10.7.25

Das Messerstechen als Schöne Kunst betrachtet

Die Amerikanerin Lauren Angela (das sind nur die beiden Vornamen) stammt aus Florida, die Mutter ist kubanischer Abstammung. Sie lebt seit über 20 Jahren im Ausland, erst dann Deutschland, dann Malaysia und jetzt wieder Deutschland. Sie hat auf YouTube einen Channel, in welchem sie aus ihrem Leben erzählt, vor allem geht sie auf die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Lebensart ein.

In diesem Video erzählt sie, sie habe seit früher Kindheit die Angewohnheit, auf ihrem Teller alles, was geschnitten werden muß zu schneiden. Dann lege sie das Messer weg und esse nur noch mit der Gabel.

Als ich noch der Waldbauernbub war hab ich das mit Messer und Gabel genauso gemacht: Erst alles schneiden, dann Messer weg und nur noch die Gabel benutzt. Meine Mutter meinte erstaunt "Du ißt ja wie ein Amerikaner". Etliche Jahre später habe ich gelesen, daß diese merkwürdige Verhaltensweise noch aus der Pionierzeit - Wilder Westen, eh schon wissen - stammt. Man hat das Essen mundgerecht geschnitten und dann mit nur einer Hand gegessen, damit man die andere Hand immer an der Waffe haben konnte.

An ganz, ganz alten Wirtshaustischen in Bayern findet man an der Unterseite der Tischplatte viele kleine, längliche Löcher. Wenn sich ein Mann - Frauen gab es damals in Wirtshäusern nur in Form der Bedienung - an den Tisch zum Saufen setzte hat er das Messer aus der Lederhose gezogen und von unten in die Tischplatte gerammt. So hatte er bei einer entstehenden Rauferei seine Waffe stets bei der Hand. Das Erstechen bei einer Rauferei ist früher erstaunlich milde bestraft worden, es sind sogar Freisprüche dokumentiert.

25.9.23

Vereinswechsel mit Hindernissen

Früher, als ich noch jung war und Helmut Haller vom Ballspielclub Augsburg zum FC Bologna (1962 - 1968) und später zu Juventus Turin (1968 - 1973) wechselte, gab es ein großes Gejammer in meinem Vaterlande. Man nannte Haller einen Mutterlands- oder Sonstwie-Verräter. Das Volk schäumte, der DFB  nicht minder, aber der Vereinswechsel als solcher ging relativ zügig über die Bühne.

40 Jahre später ging das nicht mehr so einfach, die Zeiten hatten sich geändert. Als wir damals nach Italien zogen, wollte mein Sohn, damals 11 Jahre alt, beim Verein Polisportiva Santa Maria mitspielen. Ja, das ginge schon, wurde uns beschieden, das ginge schon, aber dazu müßten wir eine Bescheinigung des TB Regenstauf vorlegen, daß er dort ausgetreten sei. (Mein Sohn hatte den Fragebogen dummerweise wahrheitsgemäß ausgefüllt. Die Wahrheit macht das Leben oft unnötigerweise ärgerlich. Und vor der Übersiedlung nach Italien hatten wir, was man uns nachsehen möge, andere Sachen im Kopf als die Austrittsbescheinigung des TB Regenstauf.)

Irgendwann kam die geforderte Bestätigung aus der Oberpfalz, die nun natürlich ins Italienische übersetzt und beglaubigt werden mußte. Die übersetzte und beglaubigte Bestätigung ging zum regionalen Fußballverband in Neapel, wo sie erst mal liegenblieb. Ci vuole pazienza (frei übersetzt: Nur net hudln) ist ein oft gehörter Satz in Kampanien. Irgendwann rief ich an und fragte nach, was denn los sei (damals war ich noch nicht so erfahren im Umgang mit den... äh, Eigentümlichkeiten des mezzogiorno). Oh, erhielt ich als Antwort, die in Neapel abgestempelte Bestätigung müßte nun noch nach Rom weitergeleitet werden, was offensichtlich bislang - unerachtet der vielen, vielen seither verstrichenen Wochen - noch nicht passiert war. Irgendwann, wir hatten schon kaum mehr damit gerechnet, kam dann der Brief aus Rom, daß mein Sohn jetzt in der Kindermannschaft ganz offiziell mitspielen dürfe.

Cristiano Ronaldo, nur vier Jahre älter als mein Jüngster, wär das - damals, also seinerzeit - wahrscheinlich genau so passiert.

18.5.23

Muslim Style Techno Dance

Wenn du beim Surfen durch's Internet nicht höllisch aufpaßt, dann siehst du dabei die merkwürdigsten Sachen. (Wenn du höllisch aufpaßt, siehst du natürlich genau die gleichen merkwürdigen Sachen, es rettet dich kein Höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.) Auf YouTube - wo sonst? - finde ich ein Video angekündigt, das den Titel trägt Muslim Style Techno Dance. Dumm, wie ich gelegentlich bin, klicke ich auf das Video und sehe und höre das:

Ein irritierendes Video, ein Video, das Fragen aufwirft. Eine größere Gruppe Männer unterschiedlichen Alters, schwerpunktmäßig sind es gut bis sehr gut abgehangene Männer, der Volksmund nennt sie auch "Alte Säcke". Sie stampfen auf mit ihren barfüßigen Füßelein, sie schütteln ihre Köpfelein, sie... ich sag's mal vorsichtig: sie tanzen im Kreise, und über all dem liegt stampfende Techno-Musik. Eins ist klar: Der Clip und die Musik haben nix miteinander zu tun. Der Clip wirkt albern, grundalbern; hat da ein Maître de Plaisir einen Hip-Hop-Spaß inszeniert? Hat er irgendwelche Männer von der Straße weg rekrutiert, hat ihnen Bärte angeklebt, sie in immergleiche Hosen und in beschmadderte Kittelhemden gesteckt?

Möglich wär's, aber wozu? Was für ein Aufwand für einen doch sehr bescheidenen Effekt. Andererseits gibt es auch hierfür Vorbilder. Und gibt's da nicht noch die Heulenden Derwische? Einmal mißtrauisch geworden fange ich an zu suchen und für mich bedeutet "Suchen" soviel wie "Finden". Google ist mein Freund, YouTube sowieso und hier ist das Original:

26.4.23

Nazifressen

Am Sonntag wollte eigentlich mein Süßer mit mir Segeln gehn, sofern die Winde wehn, das wär so wunderschön... ichsachma: gewesen. Wer am Sonntag nicht wehte, das war die Windin, die Luft über dem See gehörte dem Flaut. Säuftsend sitz ich also vor dem Computer und versuche tränenden Auges, die Sportnachrichten zu ignorieren. Dann sehe ich auf einmal dieses Bild und bin hellwach.

Hl. Muttergottes von Tschenstochau! Ein Bild aus den dreißiger Jahren, mitten in der aktuellen Fußballberichterstattung. Und in Farbe. Bin ich durch ein Wurmloch zurückgefallen in die Vergangenheit? Was ich sehe ist eine Original-Nazifresse, von der geometrisch strengen Gasmaskenfrisur über den Entschlossenheit simulierenden Mund bis zum vorgereckten Kinn. Laß mich schweigen von der Körperhaltung, die...

Ich recherchiere ein wenig und die Reschärsche verrät mir, daß es sich um Ivan Prtajin handelt, einen Stürmer beim SV Wehen Wiesbaden, einem Verein, der schon im Vereinsnamen dem Geburtsschmerz der Frauen ein anrührendes Denkmal setzt. Prtajin, so erfahre ich weiter, kommt aus Kroatien. Das Schlimme für mich ist natürlich, daß das obige Bild mich an ein anderes Bild erinnert.

Es zeigt den jungen Adolf Eichmann während eines Sportfestes in Linz. Oder, warte mal... nein, nicht Eichmann ist auf dem Bild zu sehen, sondern ein anderer junger Mann auf einem Hitlerjugend-Sommerlager in den Dreißiger Jahren, in der Nähe von Österreich..

In Wirklichkeit war es natürlich ganz anders. Der Typ ganz rechts mit den weißen (!) Socken in den Sandalen bin nämlich ich und das Bild ist aus der Mitte der sechziger Jahre.

9.1.23

Die Anna Purna wird jetzt Berlinerin

Wenn es so kommt, wie ich glaube, dann braucht man für den Prenzlauer Berg in Berlin künftig Winterausrüstung, ganzjährig

11.9.22

Triathlet

Es war Ende August, die brüllende Hitze dieses Sommers war gebrochen. Es regnet, es strömt und als ich endlich im Bushäusl Zuflucht gefunden habe, hat es aufgehört zu regnen.  Die Dinge mögen mich nicht, sie machen sich lustig über mich.

Im Bushäusl reib ich mir die pitschnassen Brillengläser trocken, was nur mäßig gelingt, die Dinge mögen mich nicht, wie gesagt. Als ich wieder aufblicke humpelt schweratmend ein Mann an mir vorüber, ein dicker Mann, ein Mann, neben dem ich fast wie eine leichtfüßige Gazelle wirke. Auf dem T-Shirt-Rücken steht was, schwer zu lesen, denn der Mann trägt einen kleinen Rucksack.

Jetzt kann ich es lesen: 27. Regensburger Triathlon. Du, sage ich zu dem Mann, ohne es ihm zu sagen, wirst vermutlich nicht in der Spitzengruppe gewesen sein.

24.8.22

Verwirrung, im Grunde völlige Verwirrung

Eine historische Geschichte von früher

Als ich mich heute [1] mit knapp einer halben Stunde Verspätung in das Spiel Argentinien gegen Ghana eingeschaltet habe, ist mir zunächst nichts aufgefallen. Nach geraumer Zeit hatte ich endlich herausgefunden, wer wer ist, das dauert bei mir manchmal. Gleich anscheinend habe ich mich sehr gewundert.

Wieso, so fragte ich mich und das Universum, spielt in der ghanaischen Nationalmannschaft kein einziger Schwarzer mit? Ja, Braunhäutige schon, einige durchaus dunkelbraun, aber ein richtiger Schwarzer ist nicht dabei. Ist das Gottes Strafe dafür, daß ich einst so hartnäckig um das Wort "Neger" gestritten habe? Macht sich Gott über meinen Atheismus lustig?

Dann läßt der Kommentator das Wort "Iran" fallen und mir fällt's wie Schuppen aus den Haaren; Die Ghanaer sind in Wirklichkeit Perser.

Ghana spielt erst heut abend gegen... äh, wie hieß das Land noch gleich? Ah, Deutschland, freilich.



[1]   Die Geschichte spielt 2014 während der Fußballweltmeisterschaft in Ich-weiß-auch-nicht-mehr.

16.5.22

Ananas - mit dem Boot stromaufwärts

In der vierklassigen Volksschule Gern hatte ich mein erstes und womöglich einziges Erweckungserlebnis. Die Volksschule Gern war damals - vor den Großen Politischen Und Pädagogischen Reformen - eine vierklassige Volksschule, jeweils zwei Jahrgänge wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet. In dieser Schule habe ich in einer Vertretungsstunde vom Rektor die Kunst des Kartenlesens und -zeichnens gelernt. Seither bin ich den Landkarten, Stadtplänen und dem Reisen verfallen.

Es traf sich gut, daß mir eben zu dieser Zeit der Osterhase ein Boot geschenkt hatte, mit dem ich dann ausgedehnte Reisen unternahm. Es war ein Motorboot mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel, weder die Giftpfeile irgendwelcher Eingeborenen [1] konnten mir etwas anhaben, noch die Gewehrkugeln irgendwelcher Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie mit einem Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Ananas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben. Und wenn ich dann aufwachte, war ich wieder daheim und mußte in die Schule. Der Trick funktionierte zuverlässig.

Auf diese Weise lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erschien mir unnötig, die Welt tatsächlich zu bereisen, es erscheint mir dies noch heute. Zu viele Globetrotter habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen [2] keine Ahnung hatten, welche von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug wußten, den sie sich bereits zuhause angelesen hatten. Warum also sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gibt, die dies schon vor mir getan hatten und mir nur zu gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es einst Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

1958, ich war 8 Jahre alt, war die Fußballweltmeisterschaft in Schweden, Weltmeister wurde Brasilien und der Stern von Pelé ging auf. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor den Stammgästen im Lokal von Brasilien. Diese Stammgäste meinten, ich solle doch nicht so daherreden, ich wüßte doch nicht mal, wo dieses Brasilien liege. Und ich erzählte ihnen von Brasilien und seiner Lage in Südamerika, dort spräche man Portugiesisch, anders als im übrigen Latein(!)amerika. 

Ich wäre allerdings glücklicher gewesen, hätte Gott nicht in seinem namenlosen Zorn István Zsolt erschaffen. István Zsolt war ein stadtbekannter Kommunist, Trunkenbold und leider auch Fußballschiedsrichter. Zsolt leitete 1958 das Halbfinalspiel Schweden-Deutschland in Göteborg. Beim Stande von 1:1 verwies der Serienlustmörder Zsolt den Düsseldorfer Erich Juskowiak wegen eines Revanchefouls vom Platz, nachdem Kurt Hamrin [3] ihm einen Tritt verpasst hatte. Hamrin wurde aber nicht vom Platz gestellt. Nachdem Fritz Walter wenig später schwer gefoult wurde und er sich dadurch am Knöchel verletzte, was vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde, spielte die deutsche Mannschaft praktisch nur noch mit neun Spielern (damals waren Auswechslungen noch nicht erlaubt und Walter konnte kaum mehr am Geschehen teilhaben) und verlor das Spiel mit 1:3. In Deutschland wurde schon vor dem Spiel Kritik laut, dass die FIFA einen ungarischen Schiedsrichter für das Spiel ausgewählt hatte. Vier Jahre zuvor hatte nämlich Deutschland gegen Ungarn das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 gewonnen, "Das Wunder von Bern". Nach diesem Spiel war die kommunistische Weltverschwörung offenbar geworden und der Kalte Krieg wurde angepfiffen.

Ich wünsche Herrn Zsolt immer noch die Pest an den Hals, aber leider hat sich der feine Herr meinem Haß durch feigen Tod entzogen, 1991. Mit 70 Jahren, man stelle sich vor, was schon damalszutage kein Alter, sondern  nur ein Vorwand war, sich dem Unbill des Lebens durch frühzeitigen Tod zu entziehen.

Irgendwann - um auch das noch zu erwähnen - hat mir einer der Professoren an der Uni gesagt, es hieße gar nicht Ananas, sondern Amazonas. Ananas sei vielmehr der Schwiegervater von Kaiphas gewesen, der damals die Kreuzigung Jesu betrieben hat und sich dadurch unsterbliche Verdienste um das Seelenheil aller  nachfolgenden Generationen erworben hat. Wikipedia nennt zwar den Schwiegervater von Kaiphas beharrlich Hannas, aber das ist nur eine Machenschaft von IHNEN! Ich aber habe SIE! durchschaut.

Mein Multiplex-Boot hatte Atomantrieb, wie der funktionierte, war mir schon damals nicht recht klar. Irgendwann, bei einem sehr unerfreulichen Zwischenfall - den ich hier nicht schildern möchte, umso weniger als ich mich nicht mehr dran erinnere - sind mir einige Krümelchen Atom über Bord gegangen. Die Krümelchen haben sich vermehrt und die so entstandenen Atomkrümelkrümelchen desgleichen und so weiter, und so fort. Und so ist aus dem Ananastiefland [4] inzwischen ein riesiges Atommüllzwischenlager geworden. Wegen der Atomhitze brennen die Wälder ab, wegen der Atomstrahlen sterben Mensch und Tier und in wenigen Jahren wird es keinen Ananas-Regenwald mehr geben. Brasilien wird die Ausfuhr von Sauerstoff stoppen und wir werden alle ersticken. Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes (angebratene Kochsalamiwürfel mit Weißen Bohnen und Spiegeleiern) werden wir schon nicht mehr hören. Drum, Leute, Bayreuth, Bayreuth [5]!

Ich geh jetzt mal kacken, das Ankündigen der Apokalypse ist doch sehr verdauungsfördernd, deswegen heißt es auch bis auf den heutigen Tag "Scheißweltuntergang".



[1]   Irgendwer ist ja immer irgendwann irgendwo geboren. Ich zum Beispiel kam seinerzeit als Eingeborener von Trizonesien zur Welt, heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela- tschimmela-bumm!

[2]   Wußten Sie schon, daß Urologen zwar keine Ahnung von Tuten haben, umso mehr aber von Blasen?

[3]   Wie allgemein bekannt sein dürfte ist Kurt ein türkischer Vorname, der soviel bedeutet wie "Wolf". Mein bürgerlicher Vorname lautet Wolfram, mein im Krieg getöteter Onkel Kurt hieß mit Vornamen Kurt. Daraus läßt sich viel über die Welt und die Zusammenhänge in ihr ableiten.

[4]   Ich möchte keine Reklame für die Leuteschinder-Firma amazon machen und nenne den Fluß weiterhin Ananas.

[5]   Auf Hebräisch heißt das "Beirut, Beirut", auf Deutsch sagt man, glaub ich, "bereut, bereut".

30.1.22

Proletenpolo

Die wenigsten werden es wissen (ich weiß es ja selbst kaum noch), daß ich mal Sozialreferent im AStA [1] der Uni Regensburg war. Wir hatten unterhalb der Mensa ein Büro, was praktisch ist, wenn man Hunger hat.

In diesen jungen Jahren habe ich das Proletenpolo (wir waren ein linker AStA) erfunden. Polo, Sie wissen's vielleicht, ist eine Art Fußball zu Pferde. Statt der eigenen Füße nimmt man zum Laufen die Beine des Pferdes und zum Kicken eine Art Hockeyschläger. Pferde hätten wir niemals in's AStA-Büro gebracht, außerdem konnten die wenigsten von uns reiten und vollgeschissen hätten die Rösser das Büro auch. Also, so mein genialer Gedanke, nahmen wir die Bürostühle mit Rollen als Pferde, auf die wir uns rücklings setzten. Als Schläger nahmen wir die Papprollenkerne des Papiers, auf das wir die revolutionären Parolen pinselten und als Ball diente uns zerknülltes Papier.

Es war ein Heidenspaß mit ganz kleinem Aufwand. Wir hatten ja damals nichts, Bayern war ein Agrarland, Bayern war gewissermaßen die DDR der BRD. Bei BMW schraubten sie noch Montorräder zusammen, das Spitzenauto von BMW war die Isetta mit Vorderradeinstieg.



[1]   AStA - Allgemeiner Studenten-Ausschuß, gibt's schon lang nicht mehr, also in Bayern nicht. Auf Englisch sagte man damals CST, was nicht Christopher Street Tay hieß, sondern Common Students' Trash.

8.12.21

Fitness und Einfalt

Ist der Mensch nicht ein völlig verrücktes Lebewesen? Da will der Mensch durch körperliche Anstrengung Fitness erlangen und Fett verlieren. Und was macht er? Er baut eine sündteure Elektronik in das Laufband ein. Oder er will durch Radfahren Gewicht verlieren und Kondition aufbauen; er will nicht mit dem Radl zur Oma fahren. Würde er trainingshalber mit dem Drei- oder gar Ein-Gangrad der Oma fahren, müßte er lediglich eine relativ moderate Distanz radeln, um eine bestimmte Menge Fett zu verbrennen, denn das alte Radl der Oma ist schwer und tritt sich schwer. Er aber kauft sich ein sündteures, superleichtes Alu- oder Carbon-Rad mit 24 oder was Gängen und muß nun natürlich die x-fache Zahl an Kilometern runterreißen, um die gleiche Menge Kalorien abzubauen. Und als wäre das nicht genug setzt er sich mit einem kackerlbunten Outfit noch dem Spott der Passanten aus.

Als ich von dem Film "Dumm gelaufen" hörte, dachte ich allen Ernstes und das geraume Zeit, der Filmtitel bedeute, daß jemand vom vielen Joggen blöd geworden wär. Aber ich bin natürlich auch bissi 1fältig. Ganz ohne Sport.

Etwa um dieselbe Zeit kam auch der Film "Lola rennt" raus. Gott, was hatte ich Mitleid mit der armen dummen Lola.

31.3.21

Der Schußkanal in der Inkontinenzwindel

Im Internet - du glaubst es nicht - findest du manchmal Sachen, die sind so interessant, da fallen dir die Augen aus den gleichnamigen Höhlen.

Vor wenigen Dingsen, ist noch gar nicht so lange her, habe ich einen Wahn­sinns-Kurzfilm gefunden, dessen Autor angeblich mehr als über zwanzig Abonnenten auf seinem YouTube-Channel hat. Bei dem Weg: Man sagt heute nicht mehr "Kurzfilm" [1] sondern Video-Clip. Man sagt übrigens auch nicht mehr "Wahnsinn".

In diesem Video erklärt ein schmuddeliger alter Mann der heranwachsenden Jugend, wie man sich mit einfachsten Mitteln einen Ball basteln kann.

Ich bin der Bauanleitung gefolgt und habe so jeden Tag einen neuen Ball. Wenn ich genug damit genug gespielt habe (es ist mit Sicherheit niewohvoller als das Lesen von "Fisch und Fleisch"-Blogbeiträgen mitsamt den Kommentaren) werfe ich die Bälle vom Balkong aus auf die Wiese, seit einem halben Jahr.

Bisher ist das Angebot von den hier wohnenden Kindern noch nicht angenommen worden, nur den Hausmeister hör ich gelegentlich fluchen, wenn er die Windelbälle aufsammelt, von Woche zu Woche flucht er lauter.

Die Windeln verhalten sich wie Bälle, klar, man kann sie sehr weit werfen, das heißt der Abwurfort ist schwer zu identifizieren. Es ist nicht wie im Fernsee: "Herr Kommissar, wenn ich vom Schußkanal in der Leiche ausgehe, dann muß der Schütze auf einem dieser beiden Balkone", deutet vage in eine Richtung, "gestanden haben." So bin ich sicher vor einer Strafverfolgung durch den Hausmeister.



[1]   Viele Österreicher hatten sich bei Dudens beschwert. Sie wollten wenigstens beim Videoclipanschauen nicht an ihren Bundeskanzler erinnert werden.

25.2.21

Angeln als Hochrisikosport

Was die Jagd betrifft, so halte ich es meist mit den Tieren, den Jägern drücke ich die Daumen nicht. Wenn in der Zeitung oder im Internet steht, ein Wildschwein habe einen Lodenmantel samt Inhalt zerrissen, dann schmunzele ich vergnügt und summe den Jägerchor aus dem "Freischütz". Das Waidwerk nenne ich dann "edel", wenn die Überlebenschancen für Wild und Jäger ungefähr fifty-fifty sind. Wenn am Ende der Jagd 10 Hasen im Gras liegen, neben ihnen 8 bis 12 tote Jäger, dann nenne ich das sportlich. Wenn bei einer Corrida im Schnitt für jeden getöteten Stier so umra 1 Matador (wörtlich "Schlächter" im Sand liegt, dann nenne ich das ausgewogen. Jedem überlebenden Stier - so stelle ich mir seufzend vor - werfen die Herren Blumen in die Arena, die Damen ihre feuchten Slips. Dem toten Torero werden die Hoden abgeschnitten, so - und nur so! - bleibt der Kosmos im Gleichgewicht.

Etwas irritiert hat mich nun die Nachricht, daß anscheinend jetzt ausgerechnet beim eher lahmarschigen Angeln [1] meine Vision Wahrheit zu werden beginnt. Ich meine damit nicht das Hochsee-Angeln, bei dem es immer mal passieren kann, daß dich ein Speerfisch viele, viele Stunden lang durch die Karibik zieht [2]. Nein, ich rede vom ganz normal-dösigen Angeln an der Donau und ihren Nebenflüssen.



[1]   Angeln gilt gemeinhin als Corrida für die ganz, ganz alten Männer, denen selbst Golf zu anstrengend ist. Entgegen dem Augenschein ist aber Angeln eine abgrundtief brutale und verrohte Freizeitbeschäftigung. Man stelle sich nur mal vor, man würde Katzen jagen, indem man tote Mäuse auf die Wiese legt, wobei in den Mäusen ein Widerhaken steckt. Schnappt sich die Katze die Maus, bohrt sich der Widerhaken in den Gaumen der Katze und der im Gebüsch lauernde Katzenangler zieht nun die vor Angst und Schmerz schreiende Katze mit der Angelrute zu sich heran, um ihr am Ende mit einem Metallschlegel die Hirnschale zu zertrümmern. Das Pech des Fisches ist, daß er erstens nicht so süß ausschaut und zweitens seinen Schmerz und seine Angst nicht herausschreien kann.

[2]   Richtig, ich spiele auf den bekannten Kurzroman "Der alte Hemingway und das Mehr" von Bobby Fischer an.

4.9.20

Waidgerechte Jagd

Immer wieder - sehr selten, aber manchmal halt doch - findet man in den Medien auch erfreuliche Nachrichten. Auf der Website "heute" etwa stand: "In Oregon wurde ein erfahrener Jäger von einem Hirsch, den er Stunden zuvor angeschossen hatte, aufgespießt und getötet. Mark David aus Hillsboro hatte sich am Samstag auf einem Privatgrundstück in Tillamook mit Pfeil und Bogen auf die Pirsch begeben. Aus seinem Versteck entdeckte er einen kapitalen Wapiti-Hirsch (...) und schoss. (...) Der Pfeil traf den Bullen, doch das schwer verletzte Tier rannte in Panik davon und verschwand im Unterholz. Der 66-Jährige stellte seiner Beute bis zum Einbruch der Dunkelheit nach, doch ohne Erfolg. Am nächsten Morgen brach der Amerikaner mit dem Grundstückseigentümer zur Nachsuche auf. Gegen 9.15 Uhr fanden sie den verletzten Wapiti und David spannte schon seinen Bogen, um das Tier zu töten, als dieses plötzlich angriff.

Der Hirsch attackierte den Waidmann mit seinem Geweih - Jäger sprechen hierbei von "forkeln" [1] - und rammte ihm eine der Spitzen mitten in den Hals. Sein Begleiter versuchte noch den 66-Jährigen zu retten, doch er konnte ihm nicht mehr helfen. Der Mann verstarb noch an der Unglücksstelle an der schweren Verletzung." (heute.at)

 

Wiewohl ich öfter mal [2] als Gutmensch beschimpft werde bin ich im Grunde meines gutmenschlichen Herzens doch ein ungewöhnlich roher, fast schon brutaler Mensch. Ich lese gerne von Jagdunfällen, wenn etwa wenn ein Jäger von einem anderen Jäger erschossen oder von einer Wildsau dersteßn wurde. Gelegentlich tut's auch der eigene Dackel, der mit der Pfote auf den Abzug einer ungesicherten Waffe gekommen ist. Ich bin andererseits aber auch jemand, der Fairneß über die Maßen schätzt. Jagd ist für mich dann waidgerecht, wenn die Chancen, getötet zu werden, für Mensch und Tier fifty-fifty sind.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nichts gegen bewaffnete Förster, auch nichts gegen Bauern mit Jagdschein, die in ihrem Wald nach dem Rechten sehen. Ich bin der Sohn eines Metzgers, habe direkt neben dem Schlachthaus meine Kindheit und Jugend verbracht. Mein Verhältnis zum Töten von Tieren ist nicht übertrieben sentimental, wie bei den meisten Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind.

Ich lese im übrigen auch gerne von Toreros, die es bei der corrida derlaibelt hat. Was geschieht in einem solchen Falle? Wird der tote Torero im Triumph durch die Arena geschleift? Werden ihm Ohren und Schwanz abgeschnitten? Werfen die hochmögenden Damen ihre feuchten Slips dem überlebenden Stier zu?

 

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, daß ich die arroganten Bewegungen eines Toreros so was von abstoßend finde? Sie scheinen mir noch widerwärtiger zu sein als die ebenfalls arroganten Bewegungen von Flamenco-Tänzern (m/w/d). Manche Menschen nennen diese Bewegungen "würdevoll".



[1]   Jetzt weiß ich also endlich, wie der Waidmann das waidgerechte Aufgespießtwerden durch einen Hirschen mit einer Mistgabel (niederdeutsch "Forke", italienisch "forca") nennt.

[2]   Gerade hier auf "Fisch und Fleisch". 

 


15.4.20

Laufband selbst gemacht

In diesen Zeit, da die Landpflegerin von Deutschland ein Ausgehver- und ein Abstandsgebot erlassen hatte, mußten alle Fitneß-Center schließen, so daß Laufbänder ein Traum bleiben mußten. Stattdessen nach alter Mütter Sitte draußen zu laufen ging auch nicht.
In dieser Lage ist guter Rat gottlob nicht teuer, sondern vielmehr wohlfeil.

11.5.19

Verspäteter Nachtrag zum Weltfrauentag

Alle Reaktionäre und alle anderen Reaktionäre sind Papiertiger! Es lebe der 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas! Lang lebe der Große Vorsitzende Mao Tse Tung!

Das sind Aufnahmen vom Großen Slutwalk in Peking. Wenn diese Mädels gemeinsam schwofen gehen - und sei es in den übelst beleumdeten Club von Berlin oder gar Wien - würde sich kein Schowie-Schwein trauen, sie 6uell zu belästigen. Also, ich schon mal nicht.

1.7.18

Stadionbesuch? Scheif auf das Stadion

Das Stadion ist so ziemlich der unkomfortabelste Ort, sich ein Fußballspiel anzuschauen. Wie anders dagegen das Anschauen daheim vor dem Fernsee.
Mußt du pinkeln, hast du bloß ein paar Meter, die Wahrscheinlichkeit, ein Tor zu verpassen ist minimal. Das heimische Sofa ist sehr viel bequemer als die Plastikarschwannen im Stadion (von Stehplätzen red ich schon gar nicht). Die Temperaturen daheim sind allemal erträglicher als die in Manaus oder Semipalatinsk. Der Kommentator erklärt dir, was du auf dem Bildschirm siehst (ich selber würde nie und nimmer ein 4-3-3-System erkennen, selbst wenn es mir erklärt wird).
Und - last but not least - wenn ich nach 30 Minuten (oder weniger) erkenne, daß ich grad ein Scheißspiel anschaue, kann ich den Kasten ausschalten und stattdessen 1 Buch lesen.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...