24.10.21

Photographie bei Licht besehen

Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war, konnte man auch bei strahlendem Sonnenschein... Die jüngeren Leute, die kein Geld auf eine Spiegelreflexkamera haben, können sich das kaum noch vorstellen: Früher konnte man tatsächlich bei Sonnenlicht ganz normal fotografieren. Also ganz gezielt fotografieren. Den Apparat ans Auge halten, durch den Sucher schauen, den Ausschnitt wählen und dann auf den Auslöser drücken. Heute hast du einen elektronischen Fotoapparat, den mußt du auf Armeslänge von dir fernhalten und wenn die Sonne so richtig schön scheint, kannst du auf dem Display nichts mehr erkennen. Nur mit einer Spiegelreflexkamera kannst du noch so fotografieren, wie man früher fotografieren konnte. Aber, klar, so eine Spiegelreflexkamera ist sehr teuer. Man zwingt also die Leute dazu, sich eine teure Kamera zu kaufen, obwohl ihnen eigentlich eine preiswertere Kamera genügt hätte.

Terroristen und Untergrundkämpfer

BamS = Bild am Sonntag

 

Das Sammeln von Zeitungsausschnitten habe ich aufgegeben, seit ich herausgefunden habe, daß die Weltgeschichte auch dann weiterläuft, wenn ich nicht über alle Aspekte ihres Verlaufs informiert bin.

22.10.21

Hofmannsthal & Jedermann

Den "Jedermann" des berüchtigten österreichischen Schnulzendichters Hugo von Ehschonwissen habe ich nie gelesen, dies vorneweg.


Im Fernsehen aber habe ich mal (irgendwann zwischen 1983 und 1989) eine Inszenierung des "Jedermann" gesehen, Salzburger Festspiele, natürlich.

Regie Istvan Szabo, mit (unter anderem) Klaus Maria Brandauer, Marthe Keller, Will Quadflieg, Helmuth Lohner, Romuald Pekny, Susi Nicoletti,  Rudolf Wessely, Ida Krottendorf, Alfred Böhm, Hans Clarin, Rolf Hoppe, Marianne Nentwich.

Ich war begeistert. Nach nüchterner Überlegung am Ende der Aufführung aber dachte ich mir: "Was für ein Scheißstück! Was für eine Holzhammerdramaturgie mit dem moralischen Zeigefinger!" (und dieses ewige, lächerlich altertümelnde "nit") Aber: Was für eine Aufführung! Ein absolut phantastisches Team hat es geschafft, aus einem Haufen Innereiengatsch ein prächtiges Schnitzerl zu zaubern (in durchaus konventionellem Inszenierungsstil übrigens).

Wer liest schon sein eigenes T-Shirt?

Da T-Shirts heutzutage so wahnsinnig einfach zu bedrucken sind, sind der Phantasie von Textildesigner kaum noch Grenzen gesetzt. Dekorative Muster sind so altmodisch geworden, daß sie schon bald wieder modern werden. Bilder kannst du auf T-Shirts drucken, von der Mona Lisa bis zu deinem eigenen Paßfoto. Und Text natürlich.

Da gibt es Leute, die haben vorne drauf ganz dick stehen UCLA und du denkst dir: Donnerwetter!

Die Tussi hat an der University of Californa in Los Angeles studiert (oder tut es noch), während du dich in Regensburg mit dem Allernötigsten an Bildung vollmampfen mußtest.

Du sprichst sie drauf an, was sie denn in Los Angeles studiert habe und wie dort das Wetter immer so sei und sie schaut dich mit großen Augen an.

"Wie, Los Angeles? Was, studiert?" Und es stellt sich raus, daß sie von Los Angeles zwar schon gehört hat, beinahe auch schon dort gewesen ist, als sie auf den Bahamas (oder war's die Dominikanische Republik) Urlaub gemacht hat, daß ihr die dortige Uni aber so fremd ist, wie jede sonstige Uni auch.

Auf Ihren Besuch würden wir uns freuen

Durchsage im Intercity: Selbstverständlich halten wir auch diesmal in unserem Bord-Restaurant Speisen und Getränke für Sie bereit. Die Mitarbeiter des Service-Teams der Deutschen Bahn würden sich auf Ihren Besuch freuen.

Es muß natürlich heißen: "über". Auf meinen Besuchen freuen würde man sich dann, wenn mein, speziell mein Besuch angekündigt wäre und die Mitarbeiter speziell diesen Besuch von mir als ganz besonderes Glück einschätzen würden.

 

Die Sprache Deutsch scheint mir mehr und mehr aus der Mode zu kommen.

21.10.21

Von Nutz und Frommen der Philosophie

Wenn ich des nachts um drei Uhr aufwache - meist des Harndrangs wegen -sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schießen:

* Wer bin ich?

* Wo komme ich her?

* Wo gehe ich hin?

* Was ist der Sinn des Lebens?

Nach zwei bis fünf Minuten stelle ich mit Erleichterung fest, daß die aufgezählten Gedanken philosophische Fragen sind. Philosophische Fragen können, das sagt mir meine Lebenserfahrung locker noch bis morgen oder übermorgen oder bis zum St. Nimmerleinstag warten.

Mit fortschreitendem Alter und der damit verbundenen Weisheit wird mir klarer und klarer, daß Philosophie was für Leute ist, die viel zuviel Zeit haben. Beamtete Philosophen etwa.

Oder Rentner, wie ich einer bin.

Missa Luba

Obzwar ich ein alter, verstockter Atheist bin liebe ich Sakrale Musik.


Als ich noch ein junger, verstockter Atheist war, hat uns der Musiklehrer eine jüngst von der Schule erworbene Platte vorgestellt. Dazu muß man wissen, daß sich das Gymnasium Pfarrkirchen um diese Zeit rum eine HiFi-Stereo-Anlage geleistet hatte. HiFi und Stereo waren in der Mitte der sechziger Jahre keine Selbstverständlichkeit, sondern gerade im Kommen.

Was wir im Musikunterricht hörten war die Missa Luba.

"Die Missa Luba ist eine lateinische Messe in volkstümlichen kongolesischen Rhythmen und Melodien der Luba zu Kamina, einer Bantu-Ethnie in der Demokratischen Republik Kongo. Die Messe wurde 1957 durch den belgischen Franziskaner-Missionar Pater Guido Haazen (1921-2004) aufgezeichnet.

Der Aufbau der Messe entspricht dem traditionellen Ordinarium der Heiligen Messe der römisch-katholischen Kirche. Demgegenüber entstammt die Musik der Messe rein kongolesischer Tradition und ist frei von Einflüssen des europäischen oder modernen Musikverständnisses."

Wikipedia

Ich war sofort fasziniert, vor wenigen Jahren  habe ich die Missa Luba wieder im Internet  gefunden, genau die Aufnahme von damals, von Les troubadours du Roi Baudouin.

Apropos König Baudouin. Beim Staatsakt zur Unabhängigkeit des Kongo hat König Balduin eine Rede gehalten, in welcher er die Wohltaten der Kolonialherrschaft für den Kongo betonte. "Kongos Unabhängigkeit stellt die Krönung des Werkes dar, das König Leopolds eigenes Genie ersann, das er mit hartnäckigem Mut unternahm und an dem Belgien unverdrossen weiter arbeitete. (...) Kein Wort zu den unvorstellbaren Greueltaten an der kongolesischen Bevölkerung seit dem späten 19. Jahrhundert. Baudouin ergeht sich lieber in einem überschwenglichen Lob der Kolonisierung. Die Kongolesen sollten das belgische Vermächtnis ehren, fordert der König. Heute werde das Erbe seines Großonkels gekrönt. Leopold II. sei schließlich nicht als Eroberer gekommen. Nein, er habe dem Kongo die Zivilisation geschenkt. Deutschlandfunk

Der damalige (erste) Ministerpräsident des Kongo Patrice Lumumba hat ihm unmittelbar geantwortet, indem er - höflich zwar, aber doch - hervorhob, daß er, der König, eben ziemlichen Scheisendreck geredet habe.

Der König war, verständlicherweise, stinkegrantig, ein halbes Jahr später war Lumumba tot, ermordet von einem Killerteam unter Führung eines belgischen Offiziers.

Mehr über die Kolonialgeschichte des Kongo findest du hier in der Dokumentation "Schatten über dem Kongo". Ein bisserl lang, aber absolut lohnend.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...