27.8.21

Ein Hund muß sich was dazu verdienen

1958 gefiel es einem Hund, sich "Onkel Otto" zu nennen und seinen Dienst als Werbetrenner beim regionalen Vorabendprogramm des Hessischen Rundfunks anzutreten. Genau genommen war es gar kein Hund, sondern ein Fern-Se(e/h)hund.



 Onkel Otto hat seinen Dienst brav bis heute verrichtet und drohte schließlich ein Opfer der Altersarmut zu werden. Also mußte er sich auf seine Alten Tage etwas dazuverdienen. Andere Leute in seiner Lage sammeln Pfandflaschen, ich mache Kurse für Trunkenheitsfahrer und Otto heuerte unter dem Namen
Dieter Zetsche bei Mercedes an.

Eigentlich ein schlauer Job, viel können mußt du nicht, tot arbeiten tust du dich auch nicht und mit 8 bis 9 Millionen pro Jahr müßte man über die Runden kommen.

Mein Nachbar hat sich ausgesperrt

Heute vormittags klingelt es an der Haustüre, draußen steht mein Nachbar im leichten Homedress, man kann auch Pyjama sagen. Er ist ein weißhaariger älterer Herr, was red ich, er ist ein alter Mann, noch älter sogar als ich. Er habe sich aus seiner Wohnung ausgesperrt, sagt er. So was passiert, wenn­gleich es nicht passieren sollte. Ich selber, klugscheiße ich ihn voll, stecke beim Nachhausekommen stets den Wohnungsschlüssel von innen in's Schloß und sperre ab. Wenn ich nun die Wohnung verlassen wolle, sei ich gezwungen, den Schlüssel in die Hand zu nehmen. Ich bin so was von dermaßen schlau, ich warte nur noch drauf, bis ich mich dereinst selber mal aussperre. Ach.

Ich tröste ihn, es sei ja keine Katastrophe passiert, schließlich gebe es den Schlüsseldie...

Doch halt! Seine Frau sei doch in der Arbeit, wenn er die jetzt anriefe, könne sie kommen und ihn aus der mißlichen Lage befreien. Wo sie denn arbeite? Das wisse er nicht mehr, er sei nämlich, müsse ich wissen, schon ein bisserl vergeßlich. Ich nicke verständnisvoll, das bin ich meinem Beruf und meinem ebenfalls bereits fortgeschrittenen Lebensalter schuldig. Er hat anscheinend auch sein Alter vergessen, denn sein erster Vorschlag ist, daß er über meinen Balkon zu seinem Balkon klettern wolle. Da sind aber erstens noch zwei andere Wohnungen dazwischen und zweitens geht der Nachbar bestimmt stramm auf die 80 zu. Von einem Balkon zum anderen klettern hätte ich mich nicht mal mit 30 getraut. Die Wohnungen sind im Ersten Stock, nicht hoch genug, um beim Runterfallen (auf eine Wiese) garantiert zu sterben, aber doch hoch genug, um ein Leben lang gelähmt zu bleiben. Gut, so lange würde das im konkreten Jetztfall nicht mehr dauern, aber doch...

Ob sonst noch jemand einen Zweit-, eigentlich ja Drittschlüssel habe, frage ich weiter. Ja, meint er, sein Schwager. Dessen Namen wisse er aber auch nicht mehr. Er erwies sich als ein bisserl sehr vergeßlich. Aber nein, den Schlüsseldienst wolle er nicht bemühen, das koste doch so viel Geld [1]. Ja, schon, entgegne ich, aber es sei die einzige Alternative, ansonsten müßte er stundenlang im Hausflur auf und ab gehen, bis schließlich am späten Nachmittag seine Frau heimkomme. Er blieb stur.

Irgendwann ist mir dann der Schlüsselbund aufgefallen, den er schon die ganze Zeit in der Hand gehabt hatte. Ja, nein, er wisse nicht, ob das sein Haustürschlüssel sei, wahrscheinlich nicht, denn er könne damit nicht aufsperren. Ich probiere es auch und tatsächlich brin­ge ich den Schlüssel nicht in's Schlüsselloch, so als wäre es ein Schlüssel für ein ganz anderes Schloß. Was der Schlüsselbund zu bedeuten hat, bleibt rätselhaft.

Ich habe dann die Hausverwaltung angerufen, vielleicht haben die ja einen Nachschlüssel. Aber nein, die hätten keinen, wurde mir versichert. Dann habe ich beim Schlüsseldienst Löffler angerufen, der Anrufbeantworter teilt mir mit, daß sie derzeit in Urlaub seien. Ich rufe einen anderen Schlüsseldienst an, dort sagte man mir, man könne nicht tätig werden, solange der Wohnungsinhaber selbst keinen Auftrag erteile. Gleiches erfahre ich von der dann angerufenen Polizei. Was man dann machen könne? Man könne die Leute vom Bezirkskrankenhaus (vulgo: Klapse) rufen, ohne ein psychiatrisches Gutachten kommst du heutigentags nicht mehr in deine Wohnung.

Nach ca. einer halberten Stunde entschließe ich mich, auf eigene Faust den Schlüsseldienst zu rufen [2] und alles weitere später mit dem Nachbarn seiner Frau zu regeln. Ich telefonier gerade, als ein weiterer Nachbar durch meine offene Wohnungstür ruft, es habe sich inzwischen alles geregelt. Ich schau auf den Flur und richtig, da steht der erstgenannte Nachbar und winkt mir aus seiner offenen Wohnungstür zu. Nachbar zwei erklärt mir, das Türschloß sei lediglich ein wenig streng gegangen, ein Tropfen Öl habe Wunder gewirkt.

Puh, nochmal gutgelaufen!

Dann kommt der erste Nachbar gut gelaunt über den Hausflur auf mich zu. Er hat nichts in der Hand und sein Pyjama hat keine Taschen. Blitzschnell nehme ich meinen Wohnungsschlüssel in die Hand und flitze ihm entgegen, laufe an ihm vorbei und stelle mich in seine Wohnungstür, damit sie nicht bei einem Windstoß [3] zuschlagen kann. Sein Schlüssel steckt nicht im Schloß, er findet sich auch seiner Wohnung nicht.

Was lernt uns diese Geschichte?

1. Geschichten, über die man sich totlacht, wenn man sie im Film sieht, sind in echt ziemlich lästig.

2. So sehr man über Geschichten von Dementen manchmal lachen kann, es steckt immer eine Tragödie dahinter.

Säufts.

 


[1]   Es kostet 69,- , so viel ist das nicht. Woanders zahlt man 150,- oder auch schon mal 200,- .

[2]   Zum Schnäppchenpreis von 69,- €, wir erinnern uns. 

[3]   Nicht, daß ein Wind gegangen wäre.

Reisen

Warum verreisen, mir gefällt es ja schon dahoam ned.

26.8.21

Das Allerletzte

I love deadlines, I love the whooshing sound they make as they fly by.

(Oscar Wilde, wahlweise auch Douglas Adams)

 

Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig werden.

(Mark Twain)

Verpixelte Bilder

Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war als heute geschah es, daß in einem kleinen Ort bei Passau eine alte Frau spurlos verschwunden war. Unauffindbar. Zwei Monate später hat man die 81jährige gefunden - tot. Ein Leichenspürhund der Polizei hatte sie in einem Waldstück entdeckt, anscheinend ist sie eines natürlichen Todes gestorben. So weit, so gut. Na, nicht gut, aber doch unvermeidlich. Irgendwann müssen wir alle abtreten und den Zeitpunkt, jung und tragisch zu sterben, hatte die alte Dame eh bereits verpaßt.

Die "Passauer Woche", das regionale Anzeigenblatt, hat darüber berichtet und auf ihre Titelseite dieses Bild gestellt.

Was sehen wir: Eine alte Frau, an der absolut nix Auffälliges ist. Aber gut, für Verwandte oder Bekannte könnte das vielleicht eine Information sein: "Das ist doch die Tant Olga!" Damit diese einzig interessante Bildinformation nur ja nicht rüberkommt hat eine für­sorg­liche Re­dakt­i­on das Gesicht verpixelt. Jetzt könnte das Bild auch meine Tant Olga (die eigentlich meine Großtant war) darstellen, die einstige Erzieherin der Prin­zes­sinnen und Prinzen in Vaduz, Liech­tenstein [1]

Das Bild hat im Rahmen dieser Be­richt­­erstattung so viel Informa­tionswert wie ein Bild von - sagen wir mal - deiner Mumu oder meinem Schnäbi. Oder der Hinweis auf den Beruf der Tant Olga.

Und dann seh' ich neulich dieses Bild. Sechs österreichische Polizeibeamte posieren vor dem Photographen, um ihre Trauer über den Tod eines Mädchens auszudrücken. Womöglich wollten sie auch nur ihrer politischen Meinung Ausdruck verleihen. Egal, sie haben sich hingestellt, um mit ihrem Gesicht für etwas zu stehen, sind nicht zufällig vor eine neugierige, indiskrete Linse geraten. Der österreichische "eXXpress"  [2] bringt das Bild und macht die Gesichter der Beamten unkenntlich. Die Beamten wollten etwas zeigen (demonstrieren), der eXXpress aber hat so wenig Respekt vor ihnen, daß er ihnen die Demonstration verbietet. Und so ganz nebenbei macht er auch noch Stimmung gegen "linke Aktivisten", welche die nackten Gesichter von Menschen öffentlich gemacht haben.

Wieviel Scheiße muß man eigentlich in die Hirne von Redakteuren schaufeln, damit die auf so was kommen? Wie weit geht der Hirnfraß noch?



[1]   Wanderer, kommst du nach Liechtenstein / Tritt nicht daneben, tritt mitten rein.

[2]   Kann es sein, daß der "eXXpress" ein extrem dubioses Publikationsorgan ist?

Erasmus von Rotterdam auf meinem Scheißhaus

Zugegeben: Ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch... (Günter Grass, "Die Blechtrommel", erster Satz)

Gottlob reicht das Blickfeld des Gucklochs nicht in meine heimische Naß- und Kackzelle, welche sich um 90 Grad links von der Tür weg befindet. Sitze ich auf dem Hygiene-Thron kann ich mich unbeobachtet fühlen und ich tue es. Direkt vor der Kackschüssel steht ein Holzregal.

Ich habe mein Geschäft verrichtet und schaue und denke nichts. Plötzlich schießt mir der Name Erasmus von Rotterdam durch den Kopf. Nanu? Wie das? Was hat der selige Erasmus mit meinem Hajsl zu tun? Irritiert schaue ich mich um, sehe nichts und sehe es dann doch:


Er war so gebildet, daß er jedes Mal wenn da stand "angenommen" Agamemnon las.

24.8.21

Patriotische Leiberl

Als in Österreich - wie das jährlich geschah - der dortige National Fire Day drohte, hatten die Grünen wieder einmal einfach auf ihre geliebte Heimat geschissen, was auf "Fisch und Fleisch" beklagt wurde. Es hieß unter anderem: "Einen schöneren Grund, ein rot-weißes Flaggerl aufzuziehen, fällt mir gar nicht ein."

Mir schon - Fasching. Ja, an Fasching kann jeder Österreicher als "patriotisches Zebra" [1] gehen, ohne als der Narr aufzufallen, der er ist.

Mit obigem Kostüm kannst du auch noch bei den Bayern punkten, wenn du die weiß-blauen Strümpfe trägst. Das untenstehende Königlich-Bayerische Kopftuch erwähne ich nur am Rande.

Als der Politaktivist und Yippie Abbie Hoffman (Mitbegründer der Youth International Party) es seinerzeit (1968) wagte, vor einem Gerichtshof in Chicago mit einem Hemd zu erscheinen, das aus den Stars & Stripes geschneidert war, stürzten sich erboste Polizisten auf ihn und rissen es ihm vom Leib. Doch sie staunten nicht schlecht, was sie mit ihrem gewalttätigen Übergriff zum Vorschein brachten. Unter den Stoffetzen tauchte eine weitere Flagge auf, die des Vietcong. Damals galt Hoffmans Verhalten noch als staatszersetzender Schabernack, inzwischen trägt man solche Textilien auch auf hochpatriotischen Veranstaltungen.

Und am Strand, natürlich.



[1]   In einem der Kottan-Filme erscheint Schrammel nach durchgefeierter Faschingsnacht in einem rotweißrot-gestreiften T-Shirt im Revier und wird von Kottan als patriotisches Zebra bezeichnet.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...