20.7.22

Turm und Bier und Kunst

In Abensberg hat's den Kuchlbauer-Bräu, eine Brauerei mit angeschlossener Wirtschaft und einem Biergarten. Der berüchtigte österreichische Maler Friedensreich Hundertwasser ([1]) hat seinerzeit einen Turm für Kuchlbauer entworfen. Nach seinem Tod 2000 hat der ebenfalls österreichische Architekt Peter Pelikan - Heimat bist du, großer Söhne - das Projekt umgeändert und neu geplant. 2010 war der Turm fertig.

Auf dem Gelände hat Pelikan dann, weil's eh schon wurscht war, bis 2014 das Kuchlbauer-Kunsthaus erbauen lassen, ebenfalls im Hundertwasser-Stil.

 

Der Kunstfreund schnalzt mit der Zunge und sagt "hypsch". Der Ökonom dagegen wirft ein...

Du gehst zum Kuchlbauer, um dir ein paar Maß ins Hirn zu steßn, dann stehst du vor Kunst Haus und Turm und denkst dir: "Öha, ich bin ja schon hackedicht", und gehst wieder heim, ungesoffener Dinge. Das ist gut für die Volxgesundheit aber schlecht für's Geschäft.



[1]   Josef Hader hat mal behauptet, die Abwasserrohre - Hader nennt sie "Scheißrohre" - von Wien seien innen von Hundertwasser ausgemalt.

9.7.22

Die Länder dahinten im Osten

Eine Frau - wer sonst? - beklagte sich einst bei mir, sie sei nach mühvoller Recherche endlich in der Lage, Moldawien längen- und breitengradmäßig zuordnen zu können und jetzt käme ich mit Transnistrien daher. Beiseite gesprochen sei erwähnt, daß den selbständigen Staat Transnistrien nicht ich geschaffen  habe, sondern ein früheres Luxusuhrenmodel.

Ansonsten hat sie natürlich recht, wie war das früher schön, als hinter Polen und der Tschechoslowakei (die wir alle, des einfacheren Sprechens halber, nur die Tschechei nannten) nur noch die Sowjetunion lag, die wir der Einfachheit halber Rußland nannten. Und gleich hinter Rußland kam auch schon Amerika. Heute gibt es da hinten im Osten Länder, das glaubst du gar nicht.

Der Tag ist nicht weit, da wird sich Bayern von Deutschland abspalten. Und kaum ist Bayern abgespalten, wird sich Franken von Baiern abspalten. Und siehe, es wird sich Schwaben von Baiern abspalten und sich beharrlich weigern, der Autonomen Republik Württemberg beizutreten. Baden ist dann schon längst in der UNO.

Ja, spinnt der Beppi denn?

 

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P. S.: Ja, der Beppi spinnt.

4.7.22

Wie ich einmal doch nicht Kanzler geworden bin

Es ist wirklich erstaunlich, was mir so passiert, wenn der Tag lang ist. Wenige Tage erst ist's her, da ich in meinem Zimmer saß und in einer erlesenen Runde weiser Männer und einer weißen alten Frau über die Weltlage diskutierte. Ich erklärte ihnen kundig die Weltlage und skizzierte mögliche Lösungen der Situation, die derzeit - wie noch stets ‑ fatal ist. Es klingelte und auf mein Öffnen hin traten drei der schönsten Frauen ein, die ich je gesehen hatte.

Der Rat der Weisen in Berlin habe sie ausgesandt, einen neuen Kanzler zu finden, beredt, belesen und vor allem atemberaubend charismatisch. Sie dächten, sie hätten, so sagten sie, diesen Kanzler soeben gefunden. Ich sei doch dieser Odfried von Lothringen? Freilich, log ich frech. Dann aber wurde mir schlecht und ich stammelte, womöglich sei ich mit dieser Aufgabe doch überfordert. Sie aber schmeichelten mir und priesen mich über den Schellenkönig. Ich posierte vor ihnen im Trainingsanzug, den ich zuhause fast immer trage und zitierte Karl "Der Große" Lagerfeld: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Außerdem sei ich gar nicht der besagte Odfried von Lothringen.

Die Damen verschwanden in einer Schwefelwolke und ich war gerade nochmal davongekommen.

30.6.22

Die Philosophie der Skepsis

Die Wenigsten werden es wissen, aber ich habe seinerzeit - in den Siebzigern - das Hörbuch erfunden. Ich habe immer schon gerne Vorträge über WeißderHenkerwas, Features zum gleichen Thema und Hörspiele sowieso angehört. Irgendwann hatte ich ein Tonbandgerät und gleich darauf eine Idee: Nimm dir die Features und Vorträge, Hörspiele sowieso auf und hör sie dir dann bei passender Gelegenheit an. So eine Gelegenheit war zum Beispiel das Abspülen, das Hängen der Wäsche in den Schrank oder das entspannende Liegen [1] in der Wanne. Es hat eine Weile gedauert, aber schließlich hatte ich mehrere hundert Tonkassetten gesammelt. Später wurde durch den Computer das Aufnehmen und Archivieren wesentlich leichter, aber wem erzähl ich das.

Heute habe ich etliche Podcasts abonniert, deren jeweils neuen Beitrage ich mir auf den IPod herunterladen lasse. Archivieren tu ich sie nicht mehr, ich tät dran ersticken, denn täglich kommen neue Stückerl, die anzuhören sich lohnen würde.

Wie auch immer, Willy Wimmer: Ich liege eines späten Abends in der Wanne, lasse es mir wohl sein und höre mir eine Sendung über die Philosophie der Skepsis an: Nichts ist wirklich wahr. Das Wasser ist heiß, gerade noch erträglich, wie es sein soll, das Haus ist ruhig und ich höre mir mit skeptischem Sinn an, was mir die Philosophie sagen will. Aaah!

Doch halt! Etwas stimmt nicht, ein Geräusch... ein leises Geräusch, nicht zu bestimmen aber doch definitiv nicht zum Haus gehörend. Nicht zu einem normal funktionierenden Haus gehörig. Grummelt es im Wasserrohr oder in den elektrischen Leitungen und können elektrische Leitungen überhaupt grummeln? Das Geräusch wird lauter und dadurch bedrohlicher. Ist die Bedrohung nunmehr bereits in meinem Badezimmer selber? Entspannend ist dieses heiße Schaumbad inzwischen nicht mehr.

Als das Geräusch noch lauter wird ist klar: Das Geräusch kommt aus meinem IPAD. Ein entmenschter Regisseur hat es für eine Gute Idee gehalten, eine völlig sinnfreie... ich sag mal: Musik über den Vortrag des Sprechers zu legen. Warum? Das Thema des Features braucht keine Musik. Wieso schickt GOtt der Herr nicht seinen Würgeengel durch die Rundfunk- und Fernsehanstalten auf die Jagd nach genialen Regisseuren?



[1]   Ich habe jetzt tatsächlich "das entspannende Lieben in der Wanne" hingeschrieben. Dergleichen Fehlleistungen sollte man lieber keinen Psychologen wissen lassen.

27.6.22

Von den Verbrechen, vom Penis und von der Arroganz

Einige hier haben es immer schon gewußt, die meisten dieser Wissenden haben es auch gesagt, mir und anderen: Daß ich nämlich ein bissi dumm bin und zuzeiten auch ziemlich arrogant. Schön ist es nicht, wenn dir so was gesagt wird, noch schlimmer aber ist es, wenn es stimmt.

Aber was willst machen?

Der Italiener Cesare Beccaria war ein bedeutender Rechtsphilosoph und Strafrechtsreformer im 18. Jahrhundert. Im Zeitalter der Aufklärung war er einer der Vorkämpfer für die Abschaffung der Folter und der Todesstrafe. Als sein Hauptwerk gilt das Buch "Von den Verbrechen und von den Strafen". Ich hatte mir das Buch in den späten Siebzigern oder in den Achtzigern gekauft, gelesen habe ich es bis heute nicht, seit einigen Jahren ist es ohnehin bei mir aus dem Regal verschwunden.

Wie auch immer, die Allermeisten hier werden es wissen: Weil du etwas nicht gelesen hast und du nur die Sekundärliteratur kennst und selbst die nur vom Hörensagen, ist dies noch lange kein Grund, darüber zu schweigen. Ich war schon damals - als es "Fisch und Fleisch" noch gar nicht gab - ein echter FUFfi und schwadronierte munter drauflos. Jedem, der es hören wollte (viele waren das nicht) erzählte ich von Cesare Beccaria und seinem Hauptwerk. Und weil ich zuzeiten ein rechter Angeber bin vergaß ich nie, den Buchtitel auch auf Italienisch anzuführen: "Dei delitti e del pene". Mein Italienisch ging damals nicht wesentlich über mare, amore und gelato hinaus und anscheinend haben alle Menschen, mit denen ich damals zu tun hatte, ebenfalls keine Ahnung von der italienischen Sprache gehabt. Jedenfalls hat keiner gelacht, denn "Dei delitti e del pene" muß man, so leid es mir tut, mit "Von den Verbrechen und vom Penis" übersetzen, was manchmal einen Sinn ergibt, in diesem Falle aber nicht.

Ach.

Nachbemerkung: Etwas nicht zu wissen ist keine Schande, mit dem was ich alles nicht weiß, könnte man ganze Bibliotheken füllen... und in der Tat: man tut es.

26.6.22

Dahoam is dahoam, auch im Krieg

Eine hier namentlich nicht genannt sein gedurft habende Userin hat vor einiger Zeit in einem ebenfalls unzunennenden Blogbeitrag geschrieben: "Kriege, über den Bildschirm, schrecklich faszinierend. Der auf den Knopf drückt und die Rakaten startet, sitzt irgendwo in einem großen Büro, kann aber auch am Küchentisch sitzen, drückt auf einem Knopf und irgendwo explodiert ein ganzes Dorf!"

Seit es die ferngesteuerte Kriegführung gibt [1], gibt es diese Klage. Ferngesteuerte Kriegführung sei unfair und feige, heißt es. Unmenschlich sowieso. Man stelle sich nur die englischen Langbogenschützen bei Azincourt vor, Gemeine Männer zu Fuß allesamt, die mit ihren relativ weitrechenden Pfeilen einen Großteil des französischen Adels ausgelöscht haben; außerhalb der Reichweite der Lanzen und Schwerter der französischen Ritter. Der Drohnenpilot ist der Bogenschütze der heutigen Kriegführung.

Die Drohnenpilotin ist dabei noch viel feiger als der Bogenschütze. Der Bogenschütze ging immerhin noch das Risiko ein, daß ein Teil der angreifenden Ritter den Pfeilhagel überstand, durchkam und dann die ungepanzerten Bogenschützen niedermetzelte. Die Drohnenpilotin dagegen sitzt sicher und anonym in Ramstein. Niemand außerhalb der Air Base kennt Name und Anschrift der Warrior Queen am Joystick. Und auch innerhalb des Camps wissen nur ganz wenige, was sie während der Dienstzeit macht [2].

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Wer sollte ihr wehtun können oder auch nur wollen?

Drohnenpiloten sind feige oder sagen wir besser: risikominimierend. Deswegen - unter anderem deswegen - wird angestrebt, die Kriegführung mit Hilfe von Kampfdrohnen zu ächten. Mithilfe von Artillerie eine Stadt zu Klump zu hauen geht in Ordnung, desgleichen die Bombardierung einer Stadt vom Flugzeug aus. Dergleichen mit Kampfdrohnen zu erledigen soll dagegen verwerflich sein? Verwerflicher als das Erdrosseln oder die Tötung durch einen Scharfschützen? Wieviel Heldenmut mag es wohl erfordern, eine in die Luft ballernde afghanische Hochzeitsgesellschaft zu bombardieren? Okay, das war jetzt nicht sonderlich sachlich, es war polemisch.

Stell dir vor, du wärst - aus welchen Gründen immer - bei der Bundeswehr und du erhältst den Auftrag, das Rathaus im beschaulichen Städtchen Voitsberg in der Steiermark zu zerstören - aus welchen Gründen immer. Du könntest dir jetzt ein Sprengstoffpackerl um den Leib winden, als Tourist verkleidet das Rathaus betreten... und WUMM. Der Auftrag wäre damit zwar erfüllt, aber deine Überlebenschancen wären doch eher gering. Du leihst dir stattdessen einen Panzer von der Bundeswehr aus und fährst nach Voitsberg. Von einem Hügel aus kannst du dann bequem das Rathaus zu Klump schießen. Schon besser. Allerdings riskierst du, daß die Austriaken mißtrauisch werden, wenn sie einen unangemeldeten deutschen Panzer durch Österreich rumpeln sehen. Da du auf Zuruf naturgemäß nicht anhältst wird die tapfere ÖVA (Österreichische Volksbefreiungs-Armee) deinen Panzer grillen, wobei du höchstwahrscheinlich irreparablen Schaden nimmst.

Besser ist da schon ein Drüsenjäger, mit dem du schnell mal über das kleine Land hoppst und dann das Rathaus zermautschelst. Allerdings bleibt auch hier die - wenn auch geringe - Gefahr, daß dich die österreichische Flugabwehr erwischt und dich samt Drüsenjäger in die Einzelteile zerlegt. Wieviel netter, geräuschärmer und risikoloser ist dagegen der Angriff mittels einer Kampfdrohne.



[1]   Wer ganz korinthenkackerisch sein will (und wer will das nicht?), der muß die ferngesteuerte Kriegführung mit dem ersten Steinwurf auf einen Mitmenschen beginnen lassen.

[2]   Amerikanische Wissenschaftler - wer sonst? - haben herausgefunden, daß Kriegsdrohnenpiloten so gut wie nie in ihrer Freizeit Ego-Shooter-Spiele spielen. Das ist immerhin schon was.

Die AfD ist eine rotgrün-versiffte Bande

Es ist noch keine zwei Jahre her, daß die rechtsradikale Partei Afd Knall auf Fall ihren Pressesprecher Christian Lüth rausgeworfen hat, weil der gesagt hatte: "Wir können die (Migranten, T. R.) nachher immer noch alle erschießen, das ist überhaupt kein Thema, oder vergasen, oder wie du willst, mir egal".

Hut ab vor der AfD.

Nur wenige Tage zuvor hatte ein in Faschkreisen bekannter Faschist und Rassist im "Fisch und Fleisch"-Forum einen Blogbeitrag veröffentlicht, in welchem er schrieb: "Das Boot Europa hat schon beträchtliche Schlagseite bekommen. Doch irgendetwas muss passieren, denn es ist leider nicht mehr möglich, friedlich den Strom illegaler Migranten nach Europa zu stoppen."

Das ist, grob gesagt, genau das, was auch Lüth gemeint hat. Was ist daraufhin geschehen? Ist der Blogger, der von immerhin 73 Usern gefischt wird, exkommuniziert worden? Wurde er eine zeitlang gesperrt? Wurde sein Blogbeitrag offline genommen? Wurde er wenigstens - ich werde immer bescheidener - öffentlich von der Moderation für seinen Aufruf zum Töten gerügt? Geraume Zeit ist nichts geschehen, inzwischen ist der Blogbeitrag offline, der Filmemacher und mehrfache Buchautor (Selbstverlag, versteht sich) mit der verwegenen Grammatik dagegen ist immer noch auf "Fisch und Fleisch" höchst aktiv.

Damit's auch mal gesagt ist: Verglichen mit "Fisch und Fleisch" ist die AfD eine links-grün-versiffte Bande. Das mein ich ernst.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...