Bevor der November, der graue Monat des Todes von uns geht,
noch schnell ein Lied über die Vergänglichkeit des Lebens.
26.11.19
25.11.19
Von der Keuschheit der lateinischen Sprache
Vor einigen Tagen beklagte sich eine Userin, deren Namen aus
den bekannten Gründen nicht genannt werden darf, es würden gerade diejenigen,
"die sich die TOLERANZ so
demonstrativ auf´s Hirn nageln" (...) "alles, was nicht in ihr Weltbild passt, reflexartig als böse,
rechtsextrem, xenophob, menschenverachtend und was weiß ich noch alles
diffamieren."
Allen Kommunikationspsychologen hier fällt natürlich sofort das
Wort "xenophob" auf. Das
Wort ist griechischen Ursprungs und heißt auf Deutsch so viel wie
"fremdenfeindlich". Warum verwendet die Userin, die sonst gar nicht
zu übermäßigem Fremdwortgebrauch neigt, so ein Wort?
Mein (Kommunikations-)Psychologie-Professor von anno
seinerzeit - im übrigen ein Schla-Wiener, das nur nebenbei - hat dergleichen
unnötigen [1] Fremdwortgebrauch als "Flucht ins keusche Latein" bezeichnet: Jemand verwendet lateinische, griechische, neuerdings auch englische Fachtermini, wenn er über kitzlige Dinge spricht."Motherfucker" geht leicht über die Zunge, das entsprechende deutsche Wort "Mutterficker" dagegen hört man eher selten.
Ein Wort aus einer fremden Sprache hat im Deutschen nicht
diese unmittelbaren Konnotationen wie ein deutsches Wort. Das Wort "Koitus" ist klinisch sauber,
"Ficken" oder selbst das neutralere "Geschlechtsverkehr"
dagegen sind sehr viel konkreter, laß sagen schmuddeliger. "Faeces" hört sich netter an als
"Scheiße".
In Wörtern aus dem Lateinischen, Griechischen oder einer
anderen Fremdsprache steckt sehr viel mehr Verschleierungspotential als im
entsprechenden deutschen Wort. Ein Fremdwort bringt nämlich bei einem deutschen
Muttersprachler nichts bzw. nur sehr wenig zum Klingen.
"Shoa"
und "Holocaust" etwa sind
erst in den siebziger, bzw. achtziger Jahren in die deutsche Sprache gekommen,
zuvor waren sie allenfalls Fachleuten geläufig. Im SPIEGEL-Archiv taucht 'Shoah' erstmalig 1986 auf, nachdem der
gleichnamige Film von Lanzmann in Deutschland gezeigt worden war. Zuvor scheint
das Wort auch in den führenden Medien nicht im Gebrauch gewesen zu sein.
Ähnliches gilt für 'Holocaust', hier
ist der früheste Treffer im SPIEGEL-Archiv von 1977 - eine Meldung, daß in
Berlin einige Szenen für die amerikanische Fernsehserie 'Holocaust' gedreht
würde. Daß ich nicht lüge: Es gibt einen Ausreißer aus dem Jahre 1962, ein
Zitat aus dem Amerikanischen in einem Artikel über die Rhetorik John F.
Kennedys: "...eine 'Wahl zwischen Demütigung und Zerstörung' (humiliation
and holocaust)...".
Einmal in der deutschen Sprache angekommen, haben "Shoah" und "Holocaust" rasend schnell das zuvor
verwendete Wort "Judenvernichtung" auf die Plätze verwiesen. Weil?
Weil "Shoah" und "Holocaust" einem deutschen
Muttersprachler so schön angenehm - weil fremdsprachig und also abstrakt - aus
dem Mund flutschen, während "Judenvernichtung" in seiner Brutalität
(weil Bildkraft) richtiggehend ins Fleisch schneidet.
Schriebe ich in einem Zeitungsartikel "...und sie
feierten ausgelassen das Shoahfest", ich wäre neugierig, wie viele Leser
überhaupt darüber stolpern und, falls ja, wie lange sie brauchen, um zu merken,
warum da was nicht stimmt.
"Bei der Defäkation
hebt der Priester beide Hände zum Himmel und ruft..." - wieder so ein
Satz, bei dem viele Leute gar nichts oder erst nach ein, zwei Stutzsekunden
etwas merken. Defäkation [2]
klingt so vornehm, es könnte auch Teil eines religiösen Rituals sein.
Ein Witz, zwo, drei:
Eine Dame aus Husum ist zum ersten Mal in ihrem Leben in
Hamburg. In der Nähe der Landungsbrücken sieht sie einige ziemlich
aufgedonnerte Frauen herumstehen. Sie frägt einen Polizisten.
"Sagen Sie mal, Herr Schutzmann, was sind denn das für
Frauen da drüben?"
"Die? Ach das sind Prostituierte."
"Prostituierte?"
wiederholt die Frau nachdenklich. "Na, ob da man nich 'n paar Nutten bei
sind."
"Prostituierte"
hört sich in der Tat an wie ein akademischer Titel.
19.11.19
Von der Frau zur Wildsau ist nur ein Schritt
Ich mein, daß wir Menschen nicht einfach so auf die Welt
kommen und dann spontan und naturwüchsig das sind, was wir dann sind, ist sogar
mir schon aufgefallen. Jeder, wirklich ein Jeglicher von uns ist in nahezu
seinen sämtlichen Lebensäußerungen kulturell überformt, sei es nun eine Frau
oder eine... Herrgottsnein, wie nennt man das jetzt? ...ah, ja, ein Mann. Sogar
Tiere, die im Einflußbereich des Menschen leben, sind kulturell überformt, das
gilt nicht nur für Haus- oder Nutztiere. In den Städten leben inzwischen Wildtiere teilweise in dichterer Population als auf dem Land, wo sie von der intensiven
Landwirtschaft bedroht sind.
Wildschweine rauschen durch die Nacht,
Graueisige Geschwader.
Ob es letztlich nicht wundervoll ist: Du denkst über Frauen
nach und kommst schließlich auf Wildschweine. Wahrscheinlich ist es umgekehrt
genau so.
Was ich noch sagen wollte: So schlimme - da bis zum Anschlag
abgelutschte - Worte wie "kapitalistische Verwertungslogik" oder gar
"Frau" [1]
will ich nie wieder hören! In den siebziger Jahren, da ich noch jung war und
also der Wahnsinn mein Herz noch unmittelbar berühren konnte, habe ich ein Buch
aufgeschlagen oder ein Flugblatt umgewendet und mir sind schockierende Wörter
wie "ficken" oder "Frau" oder eben
"Verwertungslogik" entgegen gesprungen. Und wenn ich dann in meiner
Ver2flung den Heiligen Schwur getan habe, nie wieder ein Buch aufzuschlagen,
dann habe ich auf Transparenten gelesen "Für freie Sexualität [2],
gegen kapitalistische Verwer..."
(eh schon wissen).
Wenn ich mir vorstelle, es würde in diesem Zusammenhang das Geisreiter Mariandl aus
Teisendorf Schuhplattln, während ihr bemerkenswerterweise anonym
gebliebener Tanzpartner beim Bübldrahn seine Röcke fliegen ließe...
Obwohl, interessant wär das schon.
Obwohl, interessant wär das schon.
[1] Alleine das Wort "Frau" ist schon
ein Schlag ins Gesicht jeder... äh, Person weiblichen Geschlechts.
"Frau" heißt im Althochdeutschen "frouwa" (auch "vrouwe" - "Herrin" und ist die feminisierte Form von "fro" oder "fron" - "Herr" (siehe z. B. "Frondienst" oder "Fronleichnam"). Wie im Englischen ("man" - "wo-man") so besitzt auch im Deutschen die Frau kein eigenes, eigenständiges Wort, sondern existiert sprachlich nur als Funktion, als Ableitung des Mannes (wenn auch mittlerweile etwas verschleierter als im Englischen).
"Frau" heißt im Althochdeutschen "frouwa" (auch "vrouwe" - "Herrin" und ist die feminisierte Form von "fro" oder "fron" - "Herr" (siehe z. B. "Frondienst" oder "Fronleichnam"). Wie im Englischen ("man" - "wo-man") so besitzt auch im Deutschen die Frau kein eigenes, eigenständiges Wort, sondern existiert sprachlich nur als Funktion, als Ableitung des Mannes (wenn auch mittlerweile etwas verschleierter als im Englischen).
[2] In ein Universitätsseminar zu gehen, um sich
6uell zu befreien statt einfach mit irgendwem irgendwie zu vögeln... auf so was
muß man kommen. Dazu braucht's die Matura, ein normales Waldbauernmädel oder
ein Waldbauernbub
kommt auf so einen Scheisendreck natürlich nicht.
Sex, Sabber, Gier
Es gibt widersprüchliche Aussagen von der Vögelfront, gewiß.
Ich aber gehe davon aus, daß den Mädels das Pudern (wienerisch für Vögeln)
genau so viel Spaß macht als wie uns. Ich habe sogar den Verdacht, daß die
Mädels aus dem Pudern unglaublich viel mehr Spaß rausholen als wir mit unserem
schlichten "Ah, Baby, ah, ich komme, aaaaah!"
Glaubse nich, wa? Muß ich dir mit humanistische Bildung inne
Fresse haun?
Homer, nicht der Simpson-Vater, sondern der gleichnamige Dichter,
soll einmal Schlangen bei der Kopulation beobachtet haben, was damals
anscheinend als unschicklich galt. Er ist dann angeblich zur Strafe für diesen
Frevel für sieben Jahre in eine Frau verwandelt worden. (Das Aufjaulen der
Feministinnen und Feministen wird ignoriert.)
Wieder in seinem richtigen Leib befindlich hat ihn ein
Reporter vom "Athener Tagblatt" interviewt und gefragt, ob die Lust
beim Geschlechtsverkehr als Mann oder als Frau intensiver sei und er soll
seufzend geantwortet haben, als Frau habe er diese Lust um ein Mehrfaches
intensiver erlebt. (Das Beifallklatschen der Feministen und Feministinnen wird
ignoriert.)
Von der Behaglichkeit des Leids
Ein gewisser Axel Brüggemann schrieb einst in der Rezension
einer Aufführung von Tristan & Isolde von Katharina Wagner [1]:
"Thielemann
verweigert dem Publikum, dem Orchester und sich selbst den Kontrollverlust
durch pure Schönheit. Stattdessen quält er, tut weh, erhebt die Musik selber
zum Momentum des Leidens, der Qual, der Ausweglosigkeit."
Hypsch. Wie behaglich und wohlig muß jemand leben, der eine
große Summe Geldes hingibt, um für ein paar Stunden Elend und Qual zu genießen?
"...eine ungreifbare, in sich
geschlossene, ausweglose Todesbewegung..."
Ist sie nicht wunderbar herzerwärmend, so eine Tragödie?
Tristan verzweifelt, Isolde nicht minder und der Deibel lacht sich ins
Fäustchen. Ich aber verlasse mit meiner Begleiterin gut gelaunt das Opernhaus
auf dem Grünen Hügel, beklage bei Prosecco und Lachsschnittchen die Brüchigkeit
menschlicher Existenz und das Geworfensein des Menschen in eine kaltes
Universum und kann damit rechnen, sie (das heißt meine Begleiterin) am Ende des
Abends zum Beischlaf überredet zu haben. Mehr kann und sollte man von Kunst
nicht erwarten. Nichts macht so absolut rattenscharf wie das Elend anderer
Leute.
In Komödien sollte man nur mit Personen gehen, die einem eh
schon angetraut oder sonstwie verpflichtet sind. Für einen Aufriß empfehle ich
erschötternde Tragik. Schubi du.
Miss Handlung
Irgendwann werde ich als Blogthema die Frage aufwerfen: Darf
man einem Faschisten einfach eine reinhauen?
(Man beachte das Schicksal der kleinen Maus, links unten in den
Bildern. Ach ja, der Cartoon ist von Lützel Jeman alias Robert
Gernhardt, 1969 erstmals in "Welt im Spiegel" veröffentlicht.)
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