15.3.21

Sicherheitskräfte

Bei Demonstrationen in Myanmar hätten - so lese ich es in der Süddeutschen Zeitung und anderen Medien - burmesische Sicherheitskräfte ca. 60 Menschen alleine in der alten Hauptstadt Rangun getötet. Die Zahl der Todesopfer im ganzen Land dürfte demnach erheblich höher sein.

Sicherheitskräfte...

Wie sich die burmesischen Unsicherheitskräfte aufführen, will ich gar nicht erst wissen.

8.3.21

Fremdenhaß

Meine Familie kommt aus dem Sudetenland, von ganz weit hinten, zwei Kilometer von der Grenze zu Schlesien entfernt. Der ganze Stamm bestand mütterlicher- wie väterlicherseits aus so was von Erzösterreichern, das glaubst du nicht. Da hatten sogar die Frauen einen Original-Kaiser-Franz-Joseph-Bart.

Mein Vater - im selben Jahr geboren da die "Titanic" unterging - hat erzählt, man habe sich zuzeiten zum Grenzfluß Oppa begeben und dort die Preisn (mein Vater sagte tatsächlich "Preisn", ein ganz weiches "s", während er andererseits von den "tummen Pauern" sprach) über den Fluß hinweg mit Steinen beworfen. Wozu braucht man Polen oder Tschechen, wenn man genau so gut auch die Schlesier hassen kann?

 

Das war jetzt mein Haßkommentar für dieses Jahr. Wer mehr Haß will, der muß bis 2022 warten. Oder er segelt mit der "Xarifa" auf die Malediven.

Wieso Rembrandt geschäftlich erfolgreicher war als ich es je sein werde

Der Punkt ist, daß ich nicht zeichnen kann, weder zeichnen noch malen noch Skulpturen aus Lehm oder was formen. Ich bin einfach zu ungeschickt. Wenn du mir sagst "zeichne einen Vogel", dann kann ich das nicht, bzw. der auf dem Papier entstehende Vogel wird so gottserbärmlich schematisch und uninspiriert sein, das glaubst du nicht.

Was bleibt mir also übrig? Wenn ich garantiert nicht an's Zeichnen denke, beim Telefonieren zum Beispiel, kritzele ich gedankenverloren auf einem Block. Irgendwas. Wenn ich das lange genug mache, erkenne ich schließlich - nicht immer, aber immer öfter - irgendetwas in meinem Gekrakel. Jetzt brauche ich nur noch Details in meine Grafik reinfummeln und fertig ist die Kunst. Es ist unglaublich, wieviel mir schon für meine Grafiken geboten worden sind, zehntausende, manchmal hunderttausende Euro, aber ich verkaufe sie natürlich nicht.

Der berühmte Maler Rembrandt [1] Harmenszoon van Rijn war geschäftlich viel erfolgreicher als ich, aber er hatte auch seine Frau Saskia, eine ungemein begabte Kulturmanagerin. Auf seine Einkünfte aus der Erfindung des Weinbrands

wäre er gar nicht angewiesen gewesen, so viel brachten ihm seine Bilder. Dabei war Weinbrandt auch nichts weiter als ein ganz gewöhnlicher Fleckerlmacher. Der hat ein Kleckserl Rot oder Braun oder Gelb oder wie oder was auf seinen Malerpinsel getan und dieses Kleckserl dann auf die Leinwand oder das Holz oder das wie oder was geschmiert. Das hat er geraume Zeit so gemacht und sich dabei gefreut wie ein Kind. Dann ist er zwei, drei Schritte zurückgegangen und hat gesagt "Nanu? Das bin ich ja ich."

In seiner berühmten Autobiographie "Viele Kleckserl und nur 1 Ich" hat Rembrandt geschrieben, daß er dies ständig so gemacht habe. Wenn er in der Kleckserei was erkannt habe, das ihm bekannt vorgekommen sei, habe er das Ding behalten und als Kunst weiterverkauft. Wenn nix draus geworden sei habe er das Zeug am Ende einfach verbrannt. Später habe er diese mißlungenen Klecksereien dann an einen Mann namens Poul Piekaso verschenkt, der sich darüber gefreut habe wie ein Honigkuchenpferd.


Dieser Poul Piekaso sei ein Spanier und überdies ein Spinner gewesen, der behauptet habe, er sei ein Zeitreisender aus der Zukunft. Aber mei, schreibt Rembrandt, gewundert habe ihn das nicht, denn Spanier seien bekanntermaßen Spinner.

 


[1]   Weil Rembrandt seine Geschäftsbriefe gerne mit Rembr. unterschrieb, dachte man häufig, er heiße Rembremerding und sei Baron.

6.3.21

In einem Satz eine ganze Geschichte erzählen

"Das Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das (oder der) Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. (...) Japanische Haiku bestehen meistens aus drei Wortgruppen von 5-7-5 Silben (Moren), wobei die Wörter in den Wortgruppen vertikal aneinandergereiht werden."

(Wikipedia)

Der Wikipedia-Artikel ist so kenntnisreich und gescheit, daß du als normaler Mensch nicht viel mehr als "Freibier" verstehst. Ich hab versucht, mir selber das Ganze anhand eines Beispiels klarzumachen.

Das Frosch-Haiku von Matsuo Bashō gilt eh als das meistzitierte Haiku der Welt.

1. Der alte Weiher: / Ein Frosch springt hinein. / Oh! Das Geräusch des Wassers

2. (Übersetzungsvariante) Uralter Teich. / Ein Frosch springt hinein. / Plop.

Wenige Wörter, aber es entsteht sofort eine Geschichte im Kopf. In jedem Kopf eine andere Geschichte, aber so ist das halt, das ist bei einem 1000‑seitigen Roman nicht anders.

Und dann gibt's da noch diese Tuschezeichnungen aus Japan oder China, ganz wenige Pinselstriche nur, aber du siehst einen Garten, eine Seerose oder einen Drachen. Es sieht aus wie mühelos hingekleckst und braucht doch so viel Konzentration und Übung.

Wer erkennt's? Dies ist die - zugegebenermaßen - raffinierte Fälschung eines japanischen Originals.

So was wollt ich immer können, hab's aber nie können gelernt. Also, Zeichnen sowieso nicht, aber auch mit Wörtern... Ich hatte immer schon den Ehrgeiz, eine ganze Geschichte in einem Satz erzählen zu können, aber ich hab's nie hingebracht. Auch jetzt nicht, im Alter, wo ich eigentlich gereift genug sein müßte. Die beiden folgenden Ja-wenn-das-so-ist-Kürzestgeschichten habe ich mir leihen müssen und ich weiß noch nicht mal von wem.

Ja, wenn das so is und Sie der Oberförster san, na stell ich den Christbaum glei wieder hi.

Ja, wenn das so is und de Sach fuchzg Markln kost, na ziag i mei Hosn glei wieder a.

Oberförster und andere Hochstapler

Da gibt's 1 angeblich wahre Geschichte:

Die Schwester von Friedrich Nietzsche - ja, genau die, die Nietzsches Philosophie in Richtung Blut und Boden und Rassismus gedreht hat - hatte einen Herrn Förster geheiratet und war mit ihm wie alle Deutschnationalen nach Südamerika gegangen. Nach Deutschland zurückgekehrt und glücklich verwitwet hatte sie ihrem Ehenamen Förster noch einen Bindestrich-Nietzsche drangehängt, um von der Prominenz ihres inzwischen verstorbenen Bruders zu profitieren.

Eines Tages war sie auf einen Empfang geladen, so richtig mit Schmackes, so wie's früher war, wir kennen das aus Hans-Moser-Filmen. Jeder der geladenen Gäste reicht dem Oberhofzeremonienmeister am Fuße der Treppe seine Visitenkarte und der Grüßgustav schmettert "Seine Durchlaucht Graf Robert von Cvrkal und Gemahlin", "Seine Exzellenz, Botschafter Franz Maeterlingk", "Medizinalrat Muthesius" etc. pp. Dann eine Visitenkarte "Frau Elisabeth Förster-Nietzsche". Der Oberhof erbleicht, droht zu verohn­machten, faßt sich dann aber wieder und ruft, zu retten, was zu retten war: "Frau Oberförster Nietzsche".

 

All die durchlauchtigsten Grafen, Exzellenzen und Medizinalräte sind - bedenken wir es wohl - doch auch nichts anderes als Hochstapler. In Österreich gibt es zwar längst keinen Hof mehr, wohl aber noch Hofräte, und - um den austriakischen Kaschperln die Krone (!) aufzusetzen gibt's noch Wirkliche Hofräte.

Gschamster Diener, Eier Gnoden.

3.3.21

Deepfake - Flatfake

Allmählich scheint sich die Geschichte mit dem Deepfake zwar herumzusprechen, aber für die, die's noch nicht wissen oder nicht so genau wissen, sei es nochmal dargelegt, sicherheitshalber.

"Deepfakes (Kofferwort, zusammengesetzt aus den Begriffen „Deep Learning“ und „Fake beschreiben realistisch wirkende Medieninhalte (Foto, Audio und Video), welche durch Techniken der künstlichen Intelligenz abgeändert und verfälscht worden sind. Obwohl Medienmanipulation kein neues Phänomen darstellt, nutzen Deepfake-Methoden des maschinellen Lernens, genauer künstliche neuronale Netzwerke, um Fälschungen weitgehend autonom zu erzeugen.

(...)

Der erste und derzeit häufigste Einsatz von Deepfakes findet im Bereich des „face swapping“ statt. Hierbei wird in visuellem Material (z. B. Videos oder Fotos) das Gesicht einer Person mit einem generierten Gesicht einer anderen Person getauscht um eine Zielperson in einem anderen Kontext darzustellen. Die so entstehenden Inhalte haben großes destruktives Potential, wie zum Beispiel gefälschte pornografische Inhalte. Deepfakes gehen allerdings weit über die Anwendung des „face-swapping“ hinaus und beinhalten die Manipulation auditorischer Inhalte (z. B. „voice swapping“) und die als „body-puppetry“ bekannte Übertragung von Körperbewegungen auf andere Personen in Videomaterial."

(Wikipedia)

Mit der entsprechenden Software (angeblich leicht zu handhaben) kann (fast) jeder Depp die Mona Lisa zum Sprechen bringen oder Hitler und Stalin gemeinsam singen lassen. Das ist in diesen Fällen lustig, denn jeder weiß sofort, daß es sich hier um übermütigen Spaß handelt, aber wenn du zum Beispiel Hauptdarsteller einer Pornoszene bist, wirst du es vermutlich nicht mehr ganz so lustig finden.

Es gibt allerdings auch sehr viel einfachere Methoden, jemanden ganz schlecht aussehen zu lassen.

Da tritt etwa George W. Bush - 2006, als er noch Präsident war - vor die Kamera und lallt mit schwerer Zunge. Das wiegt umso schwerer, da allgemein bekannt ist, daß Bush (angeblich trockener) Alkoholiker ist. Craig Ferguson, der Moderator einer Late Night Show führt Bush vor, er macht ihn knallhart lächerlich (auch wenn die Lacher offensichtlich vom Band kommen). Vor Jahren habe ich dieses Video selber weiterverbreitet nach dem Motto "Was für ein Heuchler ist doch dieser Bush".

Und jetzt mach folgendes: Geh mit dem Cursor auf das Zahnradzeichen ganz unten, das vierte von rechts. Klicke drauf und es öffnet sich ein Menü, mit dem du unter anderem die Wiedergabegeschwindigkeit verändern kannst. Gehe von "Standard" auf 1,75fache Geschwindigkeit und schau dir den Clip nochmal an. Der Moderator spricht jetzt lächerlich schnell, während Bush plötzlich... normal spricht. Keine Anzeichen von Trunkenheit mehr in seiner Sprechweise.

Flatfake - so einfach kannst du jeden, auch dich selbst, als versoffenen Idioten hinstellen.

2.3.21

Dumm oder bösartig?

Vom Umgang mit den Quellen bei "Fisch und Fleisch"

In einem Blogbeitrag mit dem reißerischen Titel "Der Tod der Senioren nach der Impfung" schreibt ein User auf "Fisch und Fleisch":

"Weltweit gibt es Berichte über Todesfälle alter Menschen nach der Corona-Impfung, besonders in Altenheimen."

Nun, weltweit gibt es auch Berichte über Erscheinungen von Engeln, besonders im Falle von religiösen Menschen. Ein Argument für irgendwas ist das nicht, es ist lediglich leeres Wortgeklingel.

Es geht weiter: "113 Todesfälle wurden allein vom deutschen Paul-Ehrlich-Institut untersucht."

Im verlinkten Artikel des NDR heißt es: "Laut Paul-Ehrlich-Institut sind in Deutschland bislang 113 Menschen nach einer Corona-Impfung verstorben." Unmittelbar an diesen Satz anschließend heißt es weiter: "Nach Panorama-Recherchen gibt es aber nicht einen einzigen belegten Fall, in dem die Impfung zum Tod führte."

Dies ist eine Art der Argumentation, die wir bei den Super-Tschornalisten in "Fisch und Fleisch" Tag um Tag finden: Erwin oder Hildegunde wollen etwas belegen, von dem sie eh überzeugt sind. Sie verweisen auf eine Quelle, die ihre Behauptung nicht nur nicht stützt, sondern ausdrücklich verwirft! Entweder sind Hildegunde oder Erwin so was von dermaßen wirr im Hirn, das glaubst du nicht. Oder sie haben von ihrer Quelle lediglich die Überschrift gelesen ("Corona: Tod nach Impfung" ), die unmittelbar darunter stehenden Sätze aber schon nicht mehr. Oder sie vertrauen kackendreist darauf, daß eh keiner bei "Fisch und Fleisch" irgendwelche Quellen anklickt und aufmerksam durchliest.

Weiter im Text:

"Die Cayetano Heredia Universität, die eine Studie zum chinesischen Impfstoff Sinopharm durchführte, musste eine lokale peruanische Studie unterbrechen, nachdem ein Teilnehmer an einer COVID-19-bedingten Lungenentzündung gestorben war, wie Reuters berichtet.

Das kann man alles hier nachlesen:"

Richtig. Wiederum unmittelbar nach dem oben zitierten Satz heißt es bei der Deutschen Welle weiter: Nach der Entblindung der Studie - also der Offenlegung der Gruppenzugehörigkeit, welche Teilnehmer den Wirkstoff und welche ein Placebo erhielten - stellte sich heraus, dass der verstorbene Proband nicht mit dem Impfstoff geimpft wurde, sondern in der Placebogruppe war. In einer Erklärung sagte die Universität: "Es ist wichtig, festzustellen, dass der Tod der Teilnehmerin nicht mit dem Impfstoff in Verbindung steht, da sie das Placebo erhielt."

Es sind tatsächlich aberwitzig dumme Leute in "Fisch und Fleisch" unterwegs, vielleicht sind es aber nur extrem bösartige Menschen. "NUR bösartige Menschen" schreibe ich deshalb, weil bösartige Menschen theoretisch gutartig werden können, dumme Menschen dagegen nur äußerst selten klug.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...