16.11.18

Tradition

Frau aus Mecklenburg-Vorpommern erhängt sich aus Angst vor den Ausländern.

Wenn ein Ding, ein Zeug, ein mißlicher Umstand sich zum ersten Male ereignet, so pflegt man dies spricht der Volksmund von einem "Ärgernis". Schicken Undinger der gleichen Art sich an, häufelhaft aufzutreten, so tritt die Bezeichnung "Gewohnheit, schlechte" in Kraft. Schlechte Gewohnheiten aber, die in Serie gehen, vermögen die höchste aller Kronen, welche euphemistische Semantik [1] verleiht, zu erringen: "Trrradition".



[1]        Selbst ein Euphemismus.

Knoblauch

Unfaßbar: Syrischer Asylbewerber brät Tiroler Kleinkind mit viel Knoblauch

Daß der Knoblauch mit den Gastarbeitern aus dem Mittelmeer-Raum nach Deutschland (und Österreich, nota bene) gekommen oder zumindest durch sie erst populär geworden sei, halte ich für ein wildes Gerücht.
Die Tant Anna, eigentlich war sie meine Großtante, hat gerne und oft Knoblauchbrot gegessen. Eine Scheibe Schwarzbrot, etwas Butter drauf, und darauf wieder reichlich (!) Knoblauch; ob gepreßt oder gewürfelt weiß ich nicht mehr, auf jeden Fall wurde das Brot im Rohr kurz überbacken. Die Tant Anna ist 1958 gestorben, also noch vor den ersten Gastarbeitern. Sie hat mir seinerzeit erzählt, Knoblauch sei wahnsinnig gesund und man würde durch reichlichen Knoblauchkonsum alt werden.
Das hat mich beunruhigt, denn mir war damals - und noch lange danach - der Knoblauchgeruch ausgesprochen widerwärtig. Also würde ich, so befürchtete ich, nicht sonderlich alt werden. Daß in der Knoblauchwurst tatsächlich Knoblauch drin ist, habe ich nicht gerafft, meine Nase war schon damals nicht besonders zuverlässig.
Als ich so etwa dreißig war, habe ich mal von Tsatsiki genascht und war hin und weg. Seither bin ich ausgesprochen knoblauchaffin und gebe das Zeug in rauhen Mengen in die Gerichte.
Im übrigen darf ich dran erinnern, daß das Gebiet zwischen Erlangen und Nürnberg seit Jahrhunderten als "Knoblauchsland" bezeichnet wird. Ich gehe zuversichtlich davon aus, daß die fränkischen Bauern den Knoblauch nicht wegen des möglichen Exports der Feldfrucht an's Mittelmeer angebaut haben.
Ich habe 10 Jahre lang in Kampanien gelebt, 120 km südlich von Neapel, meine Söhne haben dort ihre maturità gemacht. Als mein Ältester mit seiner Klasse eine Klassenfahrt nach Österreich und in die Tschechei gemacht hat, bekam er reichlichst zu essen, denn die meisten seiner italienischen Klassenkameraden konnten sich mit der k.u.k.-Küche nicht anfreunden und reichten ihre Teller gern an ihn weiter. Iiih, Gulasch, das kann ja kein Italiener fressen. Na ja. Die Klasse meines Jüngsten war mal in der Toskana und die lieben Kinder aus Süditalien fanden die dortige Küche nahezu ungenießbar.
Nach der Klassenfahrt habe ich mit der Gemüsefrau in Castellabate (deren Tochter ebenfalls dabei war) gesprochen. Sie meinte, sie könnte schon verstehen, daß die jungen Leute so reserviert gewesen wären. Sie wäre auch schon mal in Deutschland gewesen und habe gefunden, daß die Deutschen viel zu viel Knoblauch in ihre Gerichte täten. Meine Anmerkung, daß umgekehrt die Deutschen sämtliche Mittelmeerländer als typische Knoblauchländer ansähen, nahm sie sehr verwundert zur Kenntnis.

15.11.18

Rauchen und Nebeneffekte

In der Community der zurecht weitgehend unbekannten Wochenzeitung "Der Freitag" schrieb ein Nutzer, der es längst zum ehemaligen Nutzer gebracht hat:
Im Zeitalter der Rauchmelder kann man nicht mal mehr beim Kacken in Ruhe rauchen oder auch umgekehrt.
Ich versuchte, ihn zu trösten.
"Ach ja, der Tugendterror. Auf meinem Hajsl aber ist noch kein Rauchmelder.
Von einer Schlafwagen... nein, daß ich nicht lüge,... von einer Liegewagenschaffnerin habe ich erfahren, daß die Bahn seit der Abschaffung der Raucherabteile vermehrt mit Bränden in den Toiletten konfrontiert ist. Wer es von Berlin bis München nicht ohne Glimmstengel schafft, der verzieht sich, wie in längst vergangenen Jugendtagen, auf die Toilette. Einige der Scheißhausraucher scheinen sich bei der Entsorgung ihrer Brennstäbe nicht ganz sachgerecht zu verhalten...
Was lernt uns das? Das lehrt uns, daß wohlmeinende Vorschriften manchmal - gar nicht selten, will mir scheinen - Nebeneffekte haben, die oftmals verheerender sind als die Effekte, die man bekämpfen will.
Aber das scheint eine zu runde Überlegung für manche eckigen Köpfe zu sein."
 

14.11.18

Isolde & Wagner & Tristan

Der bekannte Komponist und Revolutionär Richard Wagner war Rauschgiftproduzent und Rauschgiftgroßhändler. Auf die Gefahr hin, daß ich mich strafbar mache gebe ich euch hiermit ein Probebeutelchen von Wagners exzellentem Stoff:
Das Schöne an Wagner aber ist, daß er, der Dealer, dir zwar den Stoff für aberwitzige musikalische Ekstasen liefert, gleichzeitig aber auch das Gegengift. Ein auch nur flüchtiger Blick in die Libretti und der Blick wird wieder klar.
Nimm nur mal den "Tristan". Die Musik macht dich besoffen, wie es Alkohol oder Heroin nie könnten, die Story dagegen, die mit dieser berauschenden Musik übergossen wird, ist ein hanebüchener Scheisendreck der Sonderklasse. Im "Tristan" von Gottfried von Straßburg geht es um Sex, Sex, Sex. Der Liebestrank macht Isolde und Tristan so was von dermaßen geil aufeinander, daß sie alle möglichen Hindernisse überwinden. Der verzweifelte König Marke, Isoldes Gemahl, schützt Isoldes Schlafgemach und Bett mit einer Dornenhecke - wurschtegal, irgendwie überwindet Tristan die Hürde und fickt Isolde, wieder und wieder. Was immer sich Marke einfallen läßt, es hilft nichts.
In der noch älteren Tristan-Sage verläßt Tristan Cornwall und geht in die Bretagne. Er heiratet dort Isolde Weißhand. Eine schwere Verletzung zwingt Tristan, nach Isolde, der Großen Heilerin von Wunden zu schicken. Mit dem Schiffsführer wurde verabredet, daß er ein weißes Segel hissen solle, wenn er Isolde bei sich habe und ein schwarzes, wenn er ohne sie komme. Ein Schiff erscheint, es hat weiße Segel, aber die andere Isolde erzählt dem bettlägerigen Tristan, es sei ein schwarzes Segel. Tristan verzweifelt und tötet sich, bevor Isolde das Land erreichen und an sein Lager eilen kann. Kurze Zeit später folgt ihm Isolde in den Tod.
Das ist keine lustige, aber eine logisch nachvollziehbare Geschichte, eine Tragödie im strengen Sinne.
Was macht Wagner, dieser Vollpfosten, der von Musik so viel und von Literatur so gar nichts verstand? Isoldes Schiff nähert sich, die medizinische und libidinöse Rettung naht. Hinter ihrem Schiff fährt das Schiff Markes, von dem wir später erfahren, daß er Isolde und Tristan verziehen hat, nun, da er von der Geschichte mit dem Liebestrank weiß. Er, der archaische König, versteht das psychologische Problem, ganz, als wäre er ein moderner Mann und Gutmensch. Er, der archaische König, ist als archaischer König nach archaischen Maßstäben bis auf die Knochen blamiert, er müßte schäumen vor Wut über die Demütigung. Aber, scheiß drauf, er ist großzügig. Die Geschichte von Tristan und Isolde nähert sich einem - unlogischen, aber was soll's? - Happy End.
Der bettlägerige Tristan erfährt von seinem treuen Diener und Freund Kurwenal, daß Isolde sich nähert und ihr Schiff jeden Moment landen wird. Kurwenal ermahnt ihn noch mal eindringlich, nur ja brav im Heiabettchen liegen zu bleiben, dann eilt er davon, Isolden zu begrüßen. Was macht Tristan, der Narr? Er springt vom Lager, kaum daß Kurwenal das Zimmer verlassen hat. Er reißt sich die Binde von der Wunde, das Blut sprudelt munter und Tristan stirbt in Isoldens Armen.
In der Barock-Oper gab es den "deus ex machina". Wenn die Handlung sich unrettbar verstrudelt hatte und selbst mit abenteuerlicher Logik kein Heil mehr für die Helden in Sicht war, erschien irgendein Gott (in einer Bühnenmaschine, daher der Name) und löste den Konflikt auf und die Helden konnten ihr Glück in einer strahlenden Arie besingen. Ein billiger dramaturgischer Hausierertrick.
Wagner hat im "Tristan" den "diabolus ex machina" erfunden. Alles treibt in seiner Geschichte, die doch als Tragödie angelegt war, auf ein Happy End zu, womit seine Oper im Arsch gewesen wäre. Wagner fällt nichts Besseres ein, als seinen Helden kurz vor dem Happy End völlig unmotiviert Selbstmord begehen zu lassen. Kurz vor dem Scheißhaus macht einer - aus freien Stücken, nicht vom Fäkaldrang übermannt - doch noch in die Hosen.
Ach.

Wanderungen durch den Universitäts-Campus Regensburg

Seit dem Sommersemester 2018 bin ich Ordentlicher Student an der Universität Regensburg [1]. Neulich bin ich, da ich zwischenzeitlich (viel zu viel) Zeit hatte, durch die naturwissenschaftlichen Gebäudekomplexe auf dem Campus gewandert.
Wenn du von der Mensa kommst ist die erste Abteilung die Mathematik, die nährende Mutter aller Naturwissenschaften. Und was da drunter steht ist tatsächlich so wahr wie trocken Brot.

Ich wandle weiter und ich bin schockiert:
 Die Nazis unterschieden seinerzeit zwischen jüdischer Physik - Relativitätstheorie etc., eh schon wissen - und einer arischen Physik. Ich war schockiert, wie gesagt. Sind wir schon wieder so weit? Westliche Naturwissenschaften vs. östlicher Karma-Hokuspokus?
Ein Herr, der mir Professor zu sein schien klärte mich auf. Der Begriff "westlich" sei hier topologisch zu verstehen, alle Institute, die im Westteil des Gebäudes untergebracht seien.
Wieder kein Skandal. Wie gut, daß ich nicht Investigativ-Journalist geworden bin. Obwohl... behaupten könnte ich es in diesen Zeiten alternativer Fakten natürlich trotzdem.



[1]   Gott ja, was man halt so ordentlich nennt.

9.11.18

Lügenpresse

Entgegen anderslautenden Gerüchten hat der Schuhbeck Alfons nichts mit der Lügenpresse zu tun, umso mehr dagegen mit der Knoblauchpresse.

8.11.18

Photographie und Wahnsinn

Ich hatte einst meinen Sohn Sebastian für seine wirklich unverschämt guten Photos gelobt. Dabei ist er von Beruf eigentlich Textredakteur, noch dazu im ziemlich spröden Ressort "Politik".
Er antwortete mir: "Nichts mehr als zwei Privilegien der späten Geburt, Papa: 1.) Quasi unbegrenzt viele Fotos schießen können und 2.) Instagram."
Ich antwortete ihm: "Ich halte es ja für ein wildes Gerücht, daß die Möglichkeit zum unbegrenzten Schießen von Photos deren Qualität steigert. Heute kann jeder Depp fotografieren, daß es nur so staubt und, in der Tat, fast jeder Depp tut es auch und stellt die Bilder dann ins Netz. Und weil jeder andere Depp das auch so hält, schaut keiner mehr die Bilder an, weder die der anderen noch die eigenen. Was in aller Regel auch gut so ist.
Früher war alles besser, und wenn nicht, so ist es doch schon lange her."

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...