Frau aus Mecklenburg-Vorpommern erhängt sich aus Angst vor den Ausländern.
Wenn ein Ding, ein Zeug,
ein mißlicher Umstand sich zum ersten Male ereignet, so pflegt man dies spricht
der Volksmund von einem "Ärgernis". Schicken Undinger der gleichen
Art sich an, häufelhaft aufzutreten, so tritt die Bezeichnung "Gewohnheit,
schlechte" in Kraft. Schlechte Gewohnheiten aber, die in Serie gehen, vermögen
die höchste aller Kronen, welche euphemistische Semantik[1]
verleiht, zu erringen: "Trrradition".
Unfaßbar: Syrischer Asylbewerber brät Tiroler Kleinkind mit viel Knoblauch
Daß der Knoblauch mit den Gastarbeitern aus dem
Mittelmeer-Raum nach Deutschland (und Österreich, nota bene) gekommen oder
zumindest durch sie erst populär geworden sei, halte ich für ein wildes
Gerücht.
Die Tant Anna, eigentlich war sie meine Großtante, hat gerne und oft Knoblauchbrot
gegessen. Eine Scheibe Schwarzbrot, etwas Butter drauf, und darauf wieder
reichlich (!) Knoblauch; ob gepreßt oder gewürfelt weiß ich nicht mehr, auf
jeden Fall wurde das Brot im Rohr kurz überbacken. Die Tant Anna ist 1958
gestorben, also noch vor den ersten Gastarbeitern. Sie hat mir seinerzeit erzählt,
Knoblauch sei wahnsinnig gesund und man würde durch reichlichen Knoblauchkonsum
alt werden.
Das hat mich beunruhigt, denn mir war damals - und noch lange danach - der Knoblauchgeruch
ausgesprochen widerwärtig. Also würde ich, so befürchtete ich, nicht sonderlich
alt werden. Daß in der Knoblauchwurst tatsächlich Knoblauch drin ist, habe ich
nicht gerafft, meine Nase war schon damals nicht besonders zuverlässig.
Als ich so etwa dreißig war, habe ich mal von Tsatsiki genascht und war hin und
weg. Seither bin ich ausgesprochen knoblauchaffin und gebe das Zeug in rauhen
Mengen in die Gerichte.
Im übrigen darf ich dran erinnern, daß das Gebiet zwischen Erlangen und
Nürnberg seit Jahrhunderten als "Knoblauchsland" bezeichnet wird. Ich
gehe zuversichtlich davon aus, daß die fränkischen Bauern den Knoblauch nicht
wegen des möglichen Exports der Feldfrucht an's Mittelmeer angebaut haben.
Ich habe 10 Jahre lang in Kampanien gelebt, 120 km
südlich von Neapel, meine Söhne haben dort ihre maturità gemacht. Als mein
Ältester mit seiner Klasse eine Klassenfahrt nach Österreich und in die
Tschechei gemacht hat, bekam er reichlichst zu essen, denn die meisten seiner
italienischen Klassenkameraden konnten sich mit der k.u.k.-Küche nicht
anfreunden und reichten ihre Teller gern an ihn weiter. Iiih, Gulasch, das kann
ja kein Italiener fressen. Na ja. Die Klasse meines Jüngsten war mal in der
Toskana und die lieben Kinder aus Süditalien fanden die dortige Küche nahezu
ungenießbar.
Nach der Klassenfahrt habe ich mit der Gemüsefrau in Castellabate (deren
Tochter ebenfalls dabei war) gesprochen. Sie meinte, sie könnte schon
verstehen, daß die jungen Leute so reserviert gewesen wären. Sie wäre auch
schon mal in Deutschland gewesen und habe gefunden, daß die Deutschen viel zu
viel Knoblauch in ihre Gerichte täten. Meine Anmerkung, daß umgekehrt die
Deutschen sämtliche Mittelmeerländer
als typische Knoblauchländer ansähen, nahm sie sehr verwundert zur Kenntnis.
In der Community der
zurecht weitgehend unbekannten Wochenzeitung "Der Freitag" schrieb
ein Nutzer, der es längst zum ehemaligen Nutzer gebracht hat:
Im Zeitalter der
Rauchmelder kann man nicht mal mehr beim Kacken in Ruhe rauchen oder auch
umgekehrt.
Ich versuchte, ihn zu trösten.
"Ach ja, der Tugendterror. Auf meinem Hajsl aber ist noch kein Rauchmelder.
Von einer Schlafwagen... nein, daß ich nicht lüge,... von einer Liegewagenschaffnerin
habe ich erfahren, daß die Bahn seit der Abschaffung der Raucherabteile
vermehrt mit Bränden in den Toiletten konfrontiert ist. Wer es von Berlin bis
München nicht ohne Glimmstengel schafft, der verzieht sich, wie in längst
vergangenen Jugendtagen, auf die Toilette. Einige der Scheißhausraucher
scheinen sich bei der Entsorgung ihrer Brennstäbe nicht ganz sachgerecht zu
verhalten...
Was lernt uns das? Das lehrt uns, daß wohlmeinende Vorschriften manchmal - gar
nicht selten, will mir scheinen - Nebeneffekte haben, die oftmals verheerender
sind als die Effekte, die man bekämpfen will.
Aber das scheint eine zu runde Überlegung für manche eckigen Köpfe zu sein."
Der bekannte Komponist und Revolutionär Richard Wagner war
Rauschgiftproduzent und Rauschgiftgroßhändler. Auf die Gefahr hin, daß ich mich
strafbar mache gebe ich euch hiermit ein Probebeutelchen von Wagners
exzellentem Stoff:
Das Schöne an Wagner aber ist, daß er, der Dealer, dir zwar
den Stoff für aberwitzige musikalische Ekstasen liefert, gleichzeitig aber auch
das Gegengift. Ein auch nur flüchtiger Blick in die Libretti und der Blick wird
wieder klar.
Nimm nur mal den "Tristan".
Die Musik macht dich besoffen, wie es Alkohol oder Heroin nie könnten, die
Story dagegen, die mit dieser berauschenden Musik übergossen wird, ist ein
hanebüchener Scheisendreck der Sonderklasse. Im "Tristan" von Gottfried
von Straßburg geht es um Sex, Sex, Sex. Der Liebestrank macht Isolde und
Tristan so was von dermaßen geil aufeinander, daß sie alle möglichen
Hindernisse überwinden. Der verzweifelte König Marke, Isoldes Gemahl, schützt
Isoldes Schlafgemach und Bett mit einer Dornenhecke - wurschtegal, irgendwie
überwindet Tristan die Hürde und fickt Isolde, wieder und wieder. Was immer
sich Marke einfallen läßt, es hilft nichts.
In der noch älteren Tristan-Sage verläßt Tristan Cornwall
und geht in die Bretagne. Er heiratet dort Isolde Weißhand. Eine schwere
Verletzung zwingt Tristan, nach Isolde, der Großen Heilerin von Wunden zu
schicken. Mit dem Schiffsführer wurde verabredet, daß er ein weißes Segel
hissen solle, wenn er Isolde bei sich habe und ein schwarzes, wenn er ohne sie
komme. Ein Schiff erscheint, es hat weiße Segel, aber die andere Isolde erzählt
dem bettlägerigen Tristan, es sei ein schwarzes Segel. Tristan verzweifelt und
tötet sich, bevor Isolde das Land erreichen und an sein Lager eilen kann. Kurze
Zeit später folgt ihm Isolde in den Tod.
Das ist keine lustige, aber eine logisch nachvollziehbare
Geschichte, eine Tragödie im strengen Sinne.
Was macht Wagner, dieser Vollpfosten, der von Musik so viel
und von Literatur so gar nichts verstand? Isoldes Schiff nähert sich, die
medizinische und libidinöse Rettung naht. Hinter ihrem Schiff fährt das Schiff
Markes, von dem wir später erfahren, daß er Isolde und Tristan verziehen hat,
nun, da er von der Geschichte mit dem Liebestrank weiß. Er, der archaische
König, versteht das psychologische Problem, ganz, als wäre er ein moderner Mann
und Gutmensch. Er, der archaische König, ist als archaischer König nach
archaischen Maßstäben bis auf die Knochen blamiert, er müßte schäumen vor Wut
über die Demütigung. Aber, scheiß drauf, er ist großzügig. Die Geschichte von
Tristan und Isolde nähert sich einem - unlogischen, aber was soll's? - Happy
End.
Der bettlägerige Tristan erfährt von seinem treuen Diener
und Freund Kurwenal, daß Isolde sich nähert und ihr Schiff jeden Moment landen
wird. Kurwenal ermahnt ihn noch mal eindringlich, nur ja brav im Heiabettchen
liegen zu bleiben, dann eilt er davon, Isolden zu begrüßen. Was macht Tristan,
der Narr? Er springt vom Lager, kaum daß Kurwenal das Zimmer verlassen hat. Er
reißt sich die Binde von der Wunde, das Blut sprudelt munter und Tristan stirbt
in Isoldens Armen.
In der Barock-Oper gab es den "deus ex machina". Wenn die Handlung sich unrettbar verstrudelt
hatte und selbst mit abenteuerlicher Logik kein Heil mehr für die Helden in
Sicht war, erschien irgendein Gott (in einer Bühnenmaschine, daher der Name)
und löste den Konflikt auf und die Helden konnten ihr Glück in einer
strahlenden Arie besingen. Ein billiger dramaturgischer Hausierertrick.
Wagner hat im "Tristan" den "diabolus ex machina" erfunden.
Alles treibt in seiner Geschichte, die doch als Tragödie angelegt war, auf ein
Happy End zu, womit seine Oper im Arsch gewesen wäre. Wagner fällt nichts Besseres
ein, als seinen Helden kurz vor dem Happy End völlig unmotiviert Selbstmord
begehen zu lassen. Kurz vor dem Scheißhaus macht einer - aus freien Stücken,
nicht vom Fäkaldrang übermannt - doch noch in die Hosen.
Seit dem Sommersemester 2018 bin ich Ordentlicher Student an
der Universität Regensburg [1].
Neulich bin ich, da ich zwischenzeitlich (viel zu viel) Zeit hatte, durch die
naturwissenschaftlichen Gebäudekomplexe auf dem Campus gewandert.
Wenn du von der Mensa kommst ist die erste Abteilung die
Mathematik, die nährende Mutter aller Naturwissenschaften. Und was da drunter
steht ist tatsächlich so wahr wie trocken Brot.
Ich wandle weiter und ich bin schockiert:
Die Nazis unterschieden seinerzeit zwischen jüdischer
Physik - Relativitätstheorie etc., eh schon wissen - und einer arischen Physik.
Ich war schockiert, wie gesagt. Sind wir schon wieder so weit? Westliche
Naturwissenschaften vs. östlicher Karma-Hokuspokus?
Ein Herr, der mir Professor zu sein schien klärte mich auf.
Der Begriff "westlich" sei hier topologisch zu verstehen, alle
Institute, die im Westteil des Gebäudes untergebracht seien.
Wieder kein Skandal. Wie gut, daß ich nicht Investigativ-Journalist
geworden bin. Obwohl... behaupten könnte ich es in diesen Zeiten alternativer
Fakten natürlich trotzdem.
Ich hatte einst meinen Sohn Sebastian für seine wirklich
unverschämt guten Photos gelobt. Dabei ist er von Beruf eigentlich
Textredakteur, noch dazu im ziemlich spröden Ressort "Politik".
Er antwortete mir: "Nichts
mehr als zwei Privilegien der späten Geburt, Papa: 1.) Quasi unbegrenzt viele
Fotos schießen können und 2.) Instagram."
Ich antwortete ihm: "Ich halte es ja für ein wildes Gerücht, daß die Möglichkeit zum
unbegrenzten Schießen von Photos deren Qualität steigert. Heute kann jeder Depp
fotografieren, daß es nur so staubt und, in der Tat, fast jeder Depp tut es
auch und stellt die Bilder dann ins Netz. Und weil jeder andere Depp das auch
so hält, schaut keiner mehr die Bilder an, weder die der anderen noch die
eigenen. Was in aller Regel auch gut so ist.
Früher war alles
besser, und wenn nicht, so ist es doch schon lange her."