Mit letzter Sicherheit
ist es nicht erwiesen, daß Jesus Baier war, wenn auch höchst wahrscheinlich.
Schließlich spricht Jesus die Worte "Einer von Aich wird mich
verraten." Aich ist ein Ortsteil der Gemeinde Gangkofen (Niederbayern). Gangkofen
ist zum einen deshalb bemerkenswert, weil ich dort geboren wurde, zum anderen hat Gangkofen 171
Ortsteile, also wahrscheinlich mehr als Berlin. Darunter sind so illustre
Gebiete wie Abessen, Aich (!), Asbach (prost!), Fatzöd, Flexöd, Fußöd, Giglöd,
Holzwoferl, Öd, Rauschöd, Spielberg und Wüst. Daß allerdings, wie gelegentlich
auch behauptet wird, Niederbayern schon vor Christi Geburt katholisch
gewesen sei, darf bezweifelt werden.
3.7.19
2.7.19
Haßanwälte
Frau EDEKA, so geht's nicht! Ich mein, die Welt ist voller
Haß, da muß man nicht noch Avocados, also Rechtsanwälte ins Feuer gießen.
Stopft euch eure Hass-Avocados
doch sonst wo hin.
Kulturvakzine und andere Boxenluder
Der Vater eines Schulfreundes war Amtstierarzt. In dessen
Hause schnappte ich das Wort "Kulturvakzine"
auf. Ich stellte mir unter einer Kulturvakzine
eine Frau vor, die sich jung, schön - und verrucht, versteht sich - auf
Theaterpremieren, Vernissagen und Dichterlesungen herumtreibt, um dort die -
meist bereits gut abgehangenen - Genies zu vernaschen. Eine Art Boxenluder für Intellektuelle.
Es war dann aber doch ganz anders.
Es war dann aber doch ganz anders.
Apropos a priori
A: Was heißt eigentlich "a priori"?
B: "A priori"
heißt "von vornherein".
A: wird rot Oh, jetzt
weiß ich endlich, was "apropos"
heißt.
Der Witz ist natürlich absolut niewohlos, und politisch
unkorrekt, das sowieso. Er ist nicht
zur Weitergabe an Kinder und Jugendliche freigegeben.
30.6.19
Kafka ist tot
Im Internet - wo sonst? - machte mich einer auf einen Spruch
von Franz Kafka [1]
aufmerksam:
Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes
zu erkennen, wird nie alt werden.
Das hört sich hypsch
an, womöglich bedeutet es sogar was. Wie auch immer: Kafka hat das dann auch
konsequent durchgezogen und ist tatsächlich nicht alt geworden. Ein Hund war er
schon, der Franze.
27.6.19
Anarchie führt ins Chaos
Ich stelle eine Frage
und bitte um eine schnelle, spontane und ehrliche Antwort.
Frage: Führt
Anarchie ins Chaos?
Ich
vermute mal, die meisten werden geantwortet haben: "Freilich, wohin soll
Chaos auch sonst führen?"
Das letzte Mal, daß in
Deutschland das genaue Gegenteil von Anarchie herrschte, war von 1949 bis 1989
in der DDR.
Das Ende vom Lied war
das Chaos, der Zusammenbruch. Vom vorletzten Mal, 1933 bis 1945, will ich gar
nicht erst reden.
Jeder weiß, daß Zucht und Ordnung ins Chaos führen,
noch jedes Mal. Aber keiner will
auch nur einmal ausprobieren, ob Anarchie vielleicht besser
funktioniert. Weil nämlich jeder Narr weiß, beziehungsweise zu wissen glaubt,
daß es gar nicht funktionieren kann.
Der Franze hat gsagt, eine Anarchie wär gar nicht schlecht.
Allerdings, sagt er, müßte ein strenger Ober-Anarch an der Spitze sein.
Warum in Afghanistan gekämpft wird
Aus dem Stück "Die
letzten Tage der Menschheit" von Karl... nein, doch nicht, sondern
bloß von Wolfram Heinrich
Im Feld-Hauptquartier
vor Ort in Afghanistan
GENERAL Hömma, Obergeneral, was ich dich schon immer fragen
wollte...
OBERGENERAL während er
eifrig einen streng geheimen Bericht in seinen Laptop klopft Ja?
GENERAL sinnend Was
machen wir hier eigentlich?
OBERGENERAL klopft
weiter konzentriert auf seinen Laptop ein Wir führen Krieg, wie dir
vielleicht schon aufgefallen ist.
Kurzes, spöttisches
Lächeln - er ist so dumm, und ich bin sein Chef - dann hämmert er weiter.
GENERAL Na ja, nun, so blöd bin nicht mal ich. Was ich
meinte war - wozu führen wir diesen Krieg?
OBERGENERAL Um den Feind zu besiegen? Könnte das hinkommen?
GENERAL Ja, ja, verarsch du mich nur. Was ich mich frage:
Was ist der Sinn, was ist das Ziel dieses Krieges?
Der Obergeneral blickt
erstaunt auf. Sein Gesicht nimmt den Ausdruck angestrengten Nachdenkens an. Er
denkt - eine zeitlang.
OBERGENERAL Hm, das ist eine gute Frage, die du da stellst.
Der Obergeneral greift
zum Telefon, wählt eine Nummer und wartet. Schließlich...
OBERGENERAL Ah, du bist's. Hömma Barack, alter Nigger, was
ich dich schon immer fragen wollte...
In einem Internet-Diskurs über den Afghanistan-Krieg meinte
einer voll bitterer moralischer Resignation: "Das sinnlose Töten wird nicht nur nicht gestoppt. Es geht nicht nur
einfach weiter. Es nimmt zu."
Ich versuchte, ihn zu trösten.
Das Wort vom "sinnlosen Töten" will ich nicht
gehört haben!
Ja, sind das denn alles Idioten, die dort töten, töten
lassen, getötet werden? Als wenn schon je
- mals ein Krieg sinnlos geführt worden wäre.
Das Wort vom "sinnlosen Krieg" gehört in die
"Rhetorik der Unfaßbarkeit". Wie gerne ist nicht die Rede davon,
jemand habe mit unaussprechlicher, unvorstellbarer, unbeschreiblicher und, ja,
unfaßbarer Grausamkeit gehandelt. Natürlich ist diese und jede andere Grausamkeit aussprechbar, beschreibbar, vorstellbar.
Und alltäglich.
Alltagserfahrung und die sich nicht in die Behaglichkeit des
Mysteriums zurückziehenden Teile der Philosophie lehren uns, daß nichts, aber
auch überhaupt nichts auf dieser
Welt einfach so geschieht, daß nichts, aber auch überhaupt nichts auf dieser Welt sinnlos ist. Der Sinn muß dabei
nicht der Sinn sein, den ich oder du uns wünschen.
Von Spinoza stammt der schöne Satz: "Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit
durch ihr Dasein." Das ist ganz früher, rasiermesserscharf [1]
formulierter Darwin. Das Dasein des Pestbakteriums beruht nicht auf meiner Notwendigkeit, ich kann ganz gut
ohne Pest leben, das Pestbakterium sieht das etwas anders.
Die Welt ist prinzipiell erkenn- und verstehbar.
Das ist natürlich nichts weiter als ein unbewiesener,
unbeweisbarer Glaubenssatz. Ich werde diesen Satz nie beweisen können, er wäre
erst dann bewiesen, wenn die Welt wirklich zur Gänze von Menschen verstanden
wäre.
Aber: Der Satz ist eine Anleitung zum praktischen Denken.
Ich - und das ist meine Denkmethode - tue
so, als wäre der Satz richtig und bewiesen. Und ich tue das deshalb, weil
mich dieser Glaubenssatz davor bewahrt, mich voreilig auf die bequem Position
des prinzipiell Unerklärbaren zurückzuziehen.
Das Denken hört auf, wenn ich irgend etwas als unfaßbar,
unbegreiflich, sinnlos deklariere. Die Dinge sind nicht prinzipiell
unverständlich, ich kann sie
lediglich von meinem Blickwinkel aus
und jetzt nicht verstehen.
Zurück zu Afghanistan. Im Juni 2010 war es in allen
Zeitungen zu lesen: "Ein US-Team von Geologen und Mitarbeitern des
Verteidigungsministeriums (!; Ausrufezeichen von mir, W. H.) will Rohstoffvorkommen
im Wert von fast einer Billion Dollar [2]
in Afghanistan aufgespürt haben. (...) Es gehe um Lithium, Eisen, Kupfer und
Gold, zitiert die Zeitung hochrangige US-Beamte.
In einem internen Papier des Verteidigungsministeriums heißt
es demnach sogar, Lithium könne für Afghanistan das werden, was Erdöl für
Saudi-Arabien bedeutet." (DER SPIEGEL)
Die Meldung, die uns suggerierte, es sei dies ein
brandaktuelles Forschungsergebnis, wurde einige Tage lang durch das Mediendorf
getrieben, dann war Ruhe. Seither habe ich nichts mehr davon gehört. Einige
Sekunden lang hat der Große Zauberkünstler aus Washington seine Karten gezeigt,
dann hat er mit dem Finger geschnipst und hypnotischer Schlaf hat die weltweit
verbreitet Meldung wieder aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. David Copperfield
ist im Vergleich dazu ein Anfänger.
Und es ist nicht das erste Mal, daß diese hochbrisante
Meldung dem Vergessen anheim fiel. Am 13. 10. 2001 - einen guten Monat nach
9/11 - schrieb Hubertus Erb in heise.de diesen Artikel: "Die Hauptbeute am Hindukusch sind für den Westen riesige Öl- und Erdgasvorkommen"
Das Töten in
Afghanistan ist aus dem Blickwinkel kühl rechnender... äh, Investoren so
sinnvoll, wie nur irgendwas auf dieser Welt sinnvoll sein kann.
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