14.10.11
Zonenmensch
Der Franze hat gsagt, der Zonenmensch wär voller Vorurteile. Deswegen, sagt er, kann er den Zonenmenschen nicht ausstehen.
11.10.11
Meisterwerke aussortiert
Über Original, Kopie und Schönheit
In den neunziger Jahren hatte ein gewisser Ely Sakhai ein
interessantes Geschäftsmodell entwickelt. Er verschaffte einer kleinen,
handverlesenen Schar von Kunstfreunden ein exquisites ästhetisches Vergnügen
bereitete, ein Vergnügen, das diese Kunstfreunde allerdings mit einem herben
finanziellen Verlust bezahlen mußten.
Sakhai kaufte Meisterwerke der klassischen Moderne, die
durch Echtheitszertifikate als Originale beglaubigt waren. Anschließend ließ er
von diesen echten Werken jeweils eine hervorragende Kopie anfertigen und
verkaufte diese Kopie als echtes Bild an Kunstsammler - das originale
Echtheitszertifikat hatte er ja. Die Kopien waren damit zu Fälschungen
geworden. Das echte Gemälde verkaufte er bei nächstpassender Gelegenheit wieder
weiter. Die Masche funktionierte mindestens ein Dutzend mal, ehe Sakhai im Jahr
2000 aufflog: Ein von ihm weiterverkauftes Original und eine seiner Fälschungen
wurden gleichzeitig bei zwei Auktionen in London und New York angeboten.
Diese Art von Betrug - nämlich das Fälschen tatsächlich existierender Werke bekannter Künstler - funktioniert
natürlich nur bei den weniger bekannten Werken der großen Meister, bzw. bei
Werken weniger bekannter Künstler. Die berühmtesten Werke der ganz großen
Meister kann man nicht als Fälschung anbieten. Auch ein wenig sachkundiger
Sammler wird sich nicht die "Mona Lisa" oder das
"Nachtcafé" von Van Gogh andrehen lassen, weiß er doch, wo die
jeweiligen Originale hängen.
Eine ganz andere Art von Betrug im Kunstgeschäft ist die Stilfälschung. Das heißt jemand fertigt
ein völlig neues Bild an, das so aussieht - und auch so verkauft wird - als ob es
ein bislang nicht bekanntes Bild eines sehr bekannten Künstlers wäre.
Gerard Vaughan, Direktor der Nationalgalerie des
südaustralischen Bundesstaates Victoria, mußte 2006 in dieser Hinsicht eine
böse Erfahrung machen.
1940 hatte die
Nationalgalerie in Melbourne das Gemälde "Kopf eines Mannes" von Vincent
Van Gogh erworben. Es war eine gute Investition, über 65 Jahre lang haben
Millionen von Kunstfreunden das Gemälde bewundert, es war das Prachtstück
des Museums. Der "Kopf eines Mannes" hat heute einen Schätzwert von 15
bis 20 Millionen Dollar - das heißt: hatte.
Denn im Sommer 2006 lieh die Galerie das Gemälde an ein
Museum in London aus. Dort untersuchten Kunstsachverständige von "Art
Watch UK" das Gemälde und fanden "zahlreiche
Hinweise, dass es sich um ein übermaltes Werk handele. Das Bild sehe Gemälden
des Niederländers nur ähnlich." Bitterer Kommentar von Vaughan: "Wenn es ein falscher Van Gogh ist (...) verliert
dieses Stück Leinwand all seinen Wert."
Inzwischen ist der Fall entschieden. Auf der Website des
Van-Gogh-Museums in Amsterdam (www.vggallery.com)
wird das Bild zwar noch aufgelistet, allerdings mit dem lakonischen Zusatz: "Note: No longer attributed to Vincent van Gogh. Artist unknown".
Nun sind Fälschungen keine Randerscheinungen des
Kunstbetriebs, die halt immer mal wieder passieren. Eher könnte man sagen,
Fälschungen bildeten das Kerngeschäft des Kunsthandels.
Die Kunsthistorikerin Fiona Seidler schreibt auf der Website
Artfiler.de:
"Im Durchschnitt ist jedes zweite am
Markt angebotene Werk eine Fälschung. Zu dieser Erkenntnis kommen Fachleute von
internationalem Rang: Hans. A. Lüthi, ehemals Leiter des Schweizerischen
Instituts für Kunstwissenschaft, oder Thomas Hoving, früher Direktor des New
Yorker Metropolitan Museums, schätzen beispielsweise, dass zwischen 40 und 60
Prozent des am Markt kursierenden Kunstgutes falsch seien. Christian
Herchenröder, Marktbeobachter des Handelsblattes, rechnet hoch, dass auf jede
entdeckte Fälschung neun weitere kommen."
Sachkundig gemachte Fälschungen sind nämlich schwer zu
entdecken und manchmal... ja manchmal weigert sich die Fachwelt auch schlicht,
eine Fälschung als Fälschung zu erkennen.
Der Holländer Han van Meegeren hatte während der deutschen
Besatzung im Zweiten Weltkrieg das Bild "Christus und die Ehebrecherin" von Jan Vermeer van Delft für einen
ziemlich hohen Preis an Reichsmarschall Hermann Göring verkauft. Nach
dem Krieg, bereits Ende Mai 1945, wurde Van Meegeren als Kollaborateur und
Veräußerer nationalen Kulturgutes der Niederlande an den Feind verhaftet. Ihm
drohte eine langjährige Zuchthausstrafe und so gestand er ziemlich bald, daß er
diesen und weitere Vermeers gefälscht habe. Man hielt dieses Geständnis
für eine allzu durchsichtige Schutzbehauptung und glaubte ihm nicht. So also
mußte Van Heegeren in der Untersuchungshaft innerhalb von drei Monaten einen
weiteren Vermeer malen, "Jesus unter
den Schriftgelehrten".
Das Gericht setzte darüber hinaus eine siebenköpfige
internationale Kommission ein, welche zwei Jahre lang die Vermeer- und
Frans-Hals-Bilder, die Han van Meegeren als seine Fälschungen benannt hatte,
nach allen Regeln der Kunst und Wissenschaft untersuchte, um abzuklären, ob die
Gemälde zeitgenössische Fälschungen sind. Mikrochemische Untersuchungen ergaben
schließlich, daß die verwendeten Farben mindestens zwei Substanzen enthielten,
die eindeutig erst im 20. Jahrhundert hergestellt wurden. Dennoch blieben die Untersuchungsergebnisse
noch lange Zeit umstritten, ehe neuere Untersuchungstechniken sie 1967 bestätigten.
Die Nationalgalerie von Melbourne und Hermann Göring sind
betrogen worden und wenn sie darüber empört sind, wird man ihnen die Bitternis
gut nachfühlen können ([1]),
denn sie haben einen herben betriebswirtschaftlichen Verlust erlitten. Sie
hatten für viel Geld einen geldwerten Gegenstand erworben, der nun nach seiner
Enttarnung als Fälschung nahezu wertlos geworden ist.
Nun sind aber Kunstsammler und Museumsdirektoren nicht nur
Kaufleute und Geldverwalter, sie sind auch und vor allem - worauf viele von
ihnen großen Wert legen - Kunstfreunde. Und für einen Kunstfreund, der sich an
der Schönheit und gelungenen Gestaltung von Kunstwerken erfreut, hat sich durch
die Entlarvung eines falschen Picasso, eines falschen Van Gogh eigentlich
nichts geändert. Das schöne Bild ist immer noch das gleiche schöne Bild wie
zuvor, nichts hat sich dran verändert. War es zuvor schön, ist es das jetzt
immer noch. War es zuvor ein Meisterwerk, so ist es das immer noch. Kein
Pinselstrich hat sich verändert.
Zwar ist im Falle des "Kopf eines Mannes" ein
Gemälde von Van Gogh aus der Liste seiner Werke verschwunden, andererseits ist
das meisterhafte Bild eines noch unbekannten Künstlers in der internationalen
Kunstwelt erschienen. Der Kunstmarkt hat ein wertvolles Handelsobjekt verloren,
der Kunstwelt ist ein wunderbares Bild Werk erhalten geblieben; offenbar ein
Meisterwerk, da es ansonsten nicht 65 Jahre lang als Van Gogh durchgegangen
wäre.
Und: Nicht ein Kunstexperte hat aufgrund seines Sachverstandes
den falschen Van Gogh entlarvt. Niemand ist aufgestanden und hat sein
geschultes ästhetisches Empfinden ins Spiel gebracht: "Das kann kein Van
Gogh sein, dem Bild fehlt die Faszination der Bilder des großen
Niederländers." Es blieb der Naturwissenschaft vorbehalten, das Bild als
Fälschung zu entlarven.
Ja klar, wenn die Fälschung oder falsche Zuschreibung einmal
enttarnt ist, dann kommen die Experten daher und behaupten, es im Grunde immer
schon gewußt zu haben.
Was der Louvre in Paris für Frankreich ist, das ist der
Prado in Madrid für Spanien. Und was die Mona Lisa für den Louvre ist, das ist
"Der Koloß" von Francisco Goya für den Prado. "Der Koloß" gilt
als das Meisterwerk Goyas, der uns
so viele andere Meisterwerke hinterlassen hat. Das Bild ist das Schmuckstück
des Prado und es zählt zu einem der am meisten von der Fachliteratur behandelten
Gemälde.
Alles Vergangenheit, dies. Denn, wie es im Leben manchmal so
geht: Vor einiger Zeit entdeckte man in einer Ecke des Bildes ein
verstecktes Kürzel, das von den Experten als die Initialen "AJ" identifizierten.
Das Bild ist inzwischen 200 Jahre alt und der Laie frägt sich natürlich, wieso
diese Entdeckung in einem Bild, das schon Legionen von Experten sehr, sehr
genau untersucht haben, nicht schon längst gemacht worden ist.
Wie auch
immer:
Das Kürzel "AJ" deutet nicht auf Francisco Goya hin, das
wurde selbst den Experten klar, sondern vielmehr auf Asensio Juliá, einen
Schüler Goyas, der - klar - auch in Goyas Werkstatt gearbeitet hat.
Und nun gingen den Experten die Augen auf: Das Prado-Museum
veröffentlichte ein Gutachten, das ein Team von Experten verfaßt hatte, welche
den "Koloß" mehre Monate lang untersucht hatten. Das Werk passe nicht
zum Stil Goyas, hieß es dort und: "Es
gibt markante Unterschiede zwischen dem "Koloss" und den Meisterwerken
Goyas, deren Urheberschaft dokumentiert ist. (...) Bei richtigem Licht betrachtet wird deutlich, dass die dürftige
Technik, das Licht und die Farbtöne nicht dem Niveau Goyas entsprechen."
Die Gutachter hoben ferner hervor, dass das Gemälde perspektivische Fehler
aufweise, die einem Perfektionisten wie Goya niemals unterlaufen wären.
Das sind starke Worte, kühne Worte. Dem großen Meisterwerk Goyas, das zu den bedeutendsten
Meisterwerken der Malerei gezählt wurde, wird nun auf einmal "dürftige
Technik" nachgewiesen, man findet jetzt plötzlich Fehler in der
Perspektive, die einem Perfektionisten wie Goya niemals unterlaufen wären.
Waren die Leute vorher alle blind?
Als Van Meegeren bewiesen hatte, daß die Bilder (Motiv,
Bildkomposition und Details) von ihm waren, war der ganze Zauber aus den
Bildern raus. Nix mehr von wegen der großartige Vermeer usw. sondern nur noch -
Kujau. Als der "Koloß" nicht länger Goya zugeschrieben wurde, hatte das
Bild plötzlich handwerkliche Mängel, wie sie angeblich einem Maler von minderem
Rang passieren.
Dabei hatten die Bilder selbst sich in der Zwischenzeit überhaupt
nicht verändert. Was nichts anderes heißt, als daß bei der Bewertung von
Kunstwerken durch Betrachter, Schöngeister oder Experten das Kunstwerk selber
nur ein Faktor ist und offensichtlich
noch nicht mal der entscheidende. Entscheidender ist das Drumherum, das Gewese,
Getue, die Legende. Etwas, das im Kopf des Betrachters vorhanden ist und seine
Empfindung mehr lenkt als das Werk selbst.
[1] Gut, bei Hermann Göring dürfte sich die
Betrübnis über den Betrug in Grenzen gehalten haben, er war damals bereits
Gefangener der Alliierten und hatte andere Sorgen. Er wurde später zum Tode
verurteilt und beging noch vor der Hinrichtung Selbstmord.
9.10.11
Kritik des Dichters anhand seines Hauses
Die Fotografin Lillian Birnbaum hat über etliche Jahre
hinweg immer mal wieder den Schriftsteller Peter Handke in dessen Haus in der
Nähe von Paris besucht. Bei diesen Gelegenheiten hat sie - so sind's, die
Fotografen - viele Bilder von Handkes Haus gemacht.
Jetzt hat sie einen Bildband über Handkes Haus
herausgebracht, "Peter Handke. Portrait des Dichters in seiner Abwesenheit". In der Wochenzeitung "DER FREITAG" hat Alexander Schimmelbusch, selber Schriftsteller und 36 Jahre
alt, eine Kritik
des... nein, nicht des Buches sondern des Hauses von Peter Handke
geschrieben
Peter Handke lebt, so erfährt man, in einem verfallenen Häuschen zwischen einer Bahnlinie und einer
Landstraße an der Pariser Peripherie. Sobald die Dämmerung über die Vorstadt
fällt, huscht Handke in die nahen Wälder, auf der Suche nach Pilzen, Nüssen, Eicheln,
Ästen, Federn, Schwämmen, Moosen und Flechten, die er in großen Mengen zusammenklaubt,
um sie in seinem Haus zu horten.
Die Fotografien im Buch offenbaren (...) eine beklemmende
Verwahrlosung, als sei der Komposthaufen auf einer Woge aus Weltschmerz in die
Wohnräume hinein geschwappt. Seit Jahren schon hat nach Schimmelbuschs
scharfsinniger Analyse der Dichter nicht
mehr zum Scheuerlappen gegriffen. Nirgends im Haus ist ein Abfalleimer zu
sehen, das Haus selbst ist der Abfalleimer. Es sieht aus wie bei einem auf sich
selbst gestellten Pensionär, dessen Rente zum Erwerb herkömmlicher Lebensmittel
nicht ausreicht, sodass er zum Überleben auf öffentliche Waldflächen angewiesen
ist. Auf staubigen Tischplatten drängen sich Schalen mit Nüssen und Pilzen und
Schnecken und diversen Nachtschattengewächsen in unterschiedlichen Stadien der
Verwesung. Eines ist ihm sicher: kein
Besen hat Handkes Hexenhäuschen in den letzten Jahren von innen gesehen.
Ich habe mir einige der Bilder aus diesem Buch, soweit sie
im Internet zugänglich sind, genauer angeschaut.
Dies vorab: Ich bin kein Fan von Peter Handke, genau
genommen könnte man sogar sagen, daß ich ihn nicht mag. Wahrscheinlich liegt
das daran, daß ich so gut wie nichts von ihm gelesen habe. Und das kam so: Als
er damals, 1966, mit seinem Stück "Publikumsbeschimpfung" groß herauskam,
war er öfter mal im Fernsehen, lange Haare, sensibles Gesicht und sanfte
Sprache.
Nun ist es so, daß mich damals Sensiblinge mit sanfter Sprechweise ziemlich aggressiv gemacht haben (heute bin ich da deutlich milder in meinem Urteil). Ich mochte ihn halt nicht. Punkt. Gelegenheiten, ihn, das heißt sein Werk, später kennenzulernen habe ich nicht genutzt.
Nun ist es so, daß mich damals Sensiblinge mit sanfter Sprechweise ziemlich aggressiv gemacht haben (heute bin ich da deutlich milder in meinem Urteil). Ich mochte ihn halt nicht. Punkt. Gelegenheiten, ihn, das heißt sein Werk, später kennenzulernen habe ich nicht genutzt.
Das ist natürlich pures Ressentiment und sagt viel über mich
und letztlich gar nichts über Peter Handke aus. Erwähnt habe ich das nur
deshalb, damit klar ist, daß ich kein Handke-Verehrer bin. Imponiert hat mir
allerdings, daß er damals, als aus deutschen Supermärkten die
Serbische Bohnensuppe verschwand und als Bohnensuppe nach
Balkan-Art (so etwa bei Aldi) gehandelt wurde... daß er also damals
die serbische Sicht der höchst unerfreulichen Dinge einem verhetzten Publikum
zu erklären versuchte.
Soweit das.
Als ich den Artikel von Alexander Schimmelbusch zum ersten
Mal gelesen hatte, war mir klar, daß er nicht ernst gemeint sein konnte. Eine
völlig abseitige Vorstellung, die Kritik an einem Künstler am Zustand seiner
Wohnung festzumachen. Wer hätte dergleichen bei einem Saufkopf wie Charles
Bukowski unternommen? Ganz klar, das ist Satire. Wenn aber Satire, wogegen
richtet sie sich und vor allem, wo ist der Witz? Also doch ernstgemeint.
Handke sollte ausreichend verdient haben, sich eine
anständige Behausung zu leisten. Wenn er jetzt in einem verfallenen Haus,
zwischen Bahndamm und Landstraße lebt, in der Dämmerung durch die Wälder
schleicht, dort Pilze und Nüsse zu sammeln, von denen er sich nährt, dann kann
das nur heißen, daß Handkes psychischer Zustand nicht sehr stabil ist, gelinde
gesagt. Ich war schon etwas erschüttert, zu erfahren, daß aus Handke inzwischen
ein wirrer alter Mann geworden ist. Die Beschreibung von Schimmelbusch hatte
ich nämlich so genommen, wie er sie hingeschrieben hat (ich bin manchmal ziemlich
einfältig, ich weiß), der Artikel enthält ja nur ein einziges, noch dazu
kleines, schlecht auflösendes Bild.
Dann aber schaue ich mir das Bild etwas genauer an und ich
sehe einen Tisch mit weißer Tischdecke. Trotz des Umstands, daß der Hausherr
gerade mit seinen "ledrigen Literatenhänden" an Pilzen rummacht ist
der Tisch bemerkenswert sauber. Ein verkommener Haushalt sieht anders aus,
denke ich mir. (Und ein 69jähriger darf schon mal ledrige Hände haben.)
Jetzt wollte ich es wissen und ich habe im Netz nach Bildern
aus diesem Buch gesucht und habe dann den Text noch einmal gelesen.
"Verfallenes Haus", das hört sich nach Wind an,
der durch Fensterritzen pfeift, nach Schimmel an den Wänden, undichtem Dach.
Und dann sehe ich das verfallene Haus
und denke bei mir "Mein Gott, was für ein wunderschönes
Haus, ein Traumhaus." Ich sehe den Garten
und bin hin und weg. Was für ein gemütliches Fleckchen. Auf
den ersten Blick ein wenig schlampig, sieht man genauer hin merkt man, daß der
Garten durchaus mit Liebe und Sachkunde gepflegt ist.
Und dann die beklemmend verwahrloste Wohnung, "als sei
der Komposthaufen auf einer Woge aus Weltschmerz in die Wohnräume hinein
geschwappt."
Mir ist schon klar, daß Handke mit dieser Anordnung nicht
den Ehrenpreis der Zeitschrift "schöner wohnen" bekommen wird. Ich
habe dergleichen Unordnung schon oft gesehen (und verursacht!) und mir geht das
Herz auf, wenn ich dergleichen sehe. Dinge, die man mag, will man sehen, man
versteckt sie nicht in Schränken; Bücher, man immer wieder braucht, verräumt man
nicht in Regale.
Bleibt zum Schluß die Sache mit Besen, Scheuerlappen und
Abfalleimer, Dinge, an welche die ordentliche deutsche Hausfrau - gleich
welchen Geschlechts - höchste Maßstäbe anlegt.
Ich weiß nicht, wie es bei Schimmelbusch ist, in den meisten
Haushalten dürfte der Abfalleimer dezent versteckt unter der Küchenspüle
stehen. "...eines ist sicher: kein Besen hat Handkes
Hexenhäuschen in den letzten Jahren von innen gesehen.
Nun schaue man sich mal das Bild mit den Bücherstapeln
nochmal an: Auf der braunlackierten Ablage links im Bild ist keinerlei Spur von
Staub zu sehen. Läge dort Staub, dann hätte die horizontale Fläche eine
deutlich mattere Farbe als die vertikale. Auch auf dem Teppich sind keine
Staubflöckchen zu sehen und es wären welche zu sehen, wenn dort eine Woche oder
gar 14 Tage nicht mehr gesaugt oder gekehrt worden wäre. Staub neigt zur
Flöckchenbildung und diese lagern sich in einem bewohnten Raum vor allem an den
Rändern und Ecken ab.
Ich erwähne nur kurz das Schäufelchen an der Eingangsstiege,
das auf säubernde Hände schließen läßt und lenke die Aufmerksamkeit auf das
kleine Stück Fliesen am Eingang. Und? Sieht hier einer Dreck?
Ich lebe selber auf dem Land, und weiß, wovon ich rede. Wenn
du jetzt im Herbst, wo es oft regnet, das Haus verläßt, dann patscht du
unvermeidlicherweise in Dreck. Kommst du zurück ins Haus, dann schleppst du
auch dann, wenn du dir gleich hinter der Haustür die Schuhe ausziehst, eine
Menge Dreck ins Haus. Eines ist sicher: In einem Hexenhäuschen, das "in
den letzten Jahren kein Besen von innen gesehen" hat, müßte der
Eingangsbereich vor Schmutz nur so starren. Tatsächlich aber ist er
blitzsauber.
Wenn ich mir das eben Geschriebene nochmal durchlese, dann
stelle ich mit einiger Erbitterung fest, daß ich soeben eine Wohnungskritik
geschrieben habe, in Form der Kritik einer Wohnungskritik eines Anderen. Ich
hoffe, es passiert mir nie wieder, daß ich öffentlich die Wohnung eines anderen
Menschen durchhechele.
Damit ich es nicht vergesse - Handke trägt wirres
langes Haar, wirft ihm Schimmelbusch vor.
Mal abgesehen davon, daß zum einen das Haar gar nicht wirr
ist, daß sich zum anderen bei den meisten Männern in Handkes Alter die Frage
nach gefälliger Frisur längst von selbst in Wohlgefallen aufgelöst hat - was
ist das für eine Zeit? Damals, als Schimmelbusch noch nicht mal angedacht war,
hat meine Generation von den Eltern und Großeltern herbe und herbste Kritik an
ihrer Haartracht hinnehmen müssen. Nach einer Weile hat sich das gelegt, jetzt
wirst du von einem 35jährigen Schriftsteller (!) gescholten, wenn du nicht so schön
und adrett gekämmt bist wie der Staubflöckchenkritiker des FREITAG:
Mal abgesehen davon, daß zum einen das Haar gar nicht wirr
ist, daß sich zum anderen bei den meisten Männern in Handkes Alter die Frage
nach gefälliger Frisur längst von selbst in Wohlgefallen aufgelöst hat - was
ist das für eine Zeit? Damals, als Schimmelbusch noch nicht mal angedacht war,
hat meine Generation von den Eltern und Großeltern herbe und herbste Kritik an
ihrer Haartracht hinnehmen müssen. Nach einer Weile hat sich das gelegt, jetzt
wirst du von einem 35jährigen Schriftsteller (!) gescholten, wenn du nicht so schön
und adrett gekämmt bist wie der Staubflöckchenkritiker des FREITAG:6.10.11
Der Leingschwendner Sepp
Der Grieche.
Ja mei, der Grieche. Seit diesem... wie heißt er noch?
Genau, Homer. Seit diesem Homer also spinnt doch der Grieche. Später haben sich
die Römer die Griechen gekauft und seither spinnt der Römer. Und dann ham die
Römer die Firma "Christliches Abendland GbR" gegründet und seither
spinnt... Genau.
"Ihr seids alles Spinner", hat seinerzeit der
Leingschwendner Sepp gerufen und hat dann in seinem Suff versucht, die Venus
von Milo zu begatten. Sie ham ihn dann allerdings aus dem Lou Fre
hinausgeschmissen und seither schimpft er gegen die Franzosen.
Mei, der Leingschwendner Sepp. Er weiß es halt nicht besser,
hat es nie besser gewußt und wird es nie besser wissen.
"Ja, wenn das so ist", sagt der Franze,
"wieso ist er dann nicht Bundeskanzler?"
Stimmt, wieso eigentlich nicht?
...und links, zwei, drei...
Gespräch mit dem Verkehrsexperten Volker Völz
Herr Völz, seit einigen Jahren sind auf deutschen Autobahnen die notorischen Linksfahrer zu einem echten Problem geworden.
Linksfahrer sind nicht neu. Seit es Autobahnen gibt, halten sich manche Autofahrer nahezu ausschließlich auf der linken Spur auf.
Inzwischen aber sind die notorischen Linksfahrer zu einem ausgesprochenen Massenphänomen geworden. In schöner Regelmäßigkeit kann man sie auf zwar dicht befahrenen, vom Kollaps aber noch ein Stück entfernten Autobahnabschnitten beobachten. Während die rechte Fahrspur nur von einigen Lkw und Kleinst-Pkw benutzt wird, drängeln sich auf der linken Überholspur die Wagen - und keiner kommt mehr richtig voran, weil die Autobahn künstlich verstopft ist, da sie nur noch zur Hälfte genutzt wird. Ist doch verrückt, so was.
Das Wort "verrückt" erklärt nichts. Wer es benutzt, weigert sich, über die Gründe für ein bestimmtes Verhalten nachzudenken.
Dann erklären Sie mir bitte die möglichen Gründe für so ein "verrücktes" Verhalten der Linksfahrer.
Alle verhalten sich "verrückt", weil alle es für wahnsinnig "verrückt" halten, wie sich alle verhalten.
Entschuldigen Sie, aber ein Paradox zu verwenden, ist mindestens genauso ausweichend wie die Verwendung des Wortes "verrückt".
Also gut: Wenn Sie als Autofahrer auf eine solche halb genutzte...
...halb verstopfte...
...Autobahn kommen - was machen Sie dann?
Ich ärgere mich.
Das ist Ihr Gemütszustand. Was aber tun Sie? Welche Spur benutzen Sie?
Die linke natürlich.
Natürlich, weil die linke Spur die immer noch schnellere ist.
Nun, eigentlich... eigentlich ist sie das irgendwann nicht mehr.
Dann könnten Sie aber "eigentlich" auf die rechte Spur wechseln. Die ist, wenn nicht schneller, so doch immerhin sicherer, wegen der größeren Abstände zwischen den Wägen.
Nun...
Aber Sie tun es nicht. Richtig?
Richtig. Jetzt, wo Sie das sagen... Eigentlich merkwürdig.
Versuchen wir, der Sache auf die Spur zu kommen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer noch normal funktionierenden Autobahn. Weil Sie entschlossen sind, sich an Vernunft und Straßenverkehrsordnung zu orientieren, fahren Sie rechts und halten die empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h ein. Bevor Sie den Lkw vor Ihnen überholen, blinken Sie - und werden von einer sich ungemein rasch nähernden Lichtorgel angeflammt. Die Lichtorgel entpuppt sich als 7er-BMW, der gerade sein Menschenrecht auf 260 km/h wahrnimmt.
Rücksichtslos, wie solche Leute sind, läßt er mich natürlich nicht raus.
Der ist nicht rücksichtslos, sondern einfach wahnsinnig schnell. Der könnte Sie gar nicht mehr reinlassen, selbst wenn er wollte.
Ich verstehe.
Ist der BMW vorüber, können Sie den Lkw überholen, um anschließend brav auf die rechte Spur zurückzukehren.
Ein einfacher Vorgang.
Schon. In Wirklichkeit aber gibt es auf einer gutbesuchten Autobahn viele Wägen, die teils erheblich schneller sind als Ihre 130 km/h, denn wegen der fehlenden Geschwindigkeitsbeschränkung auf deutschen Autobahnen liegen die gefahrenen Geschwindigkeiten sehr weit auseinander, irgendwo zwischen 70 km/h und Gebrüder Schumacher. Alle schnelleren Wägen sind logischerweise häufiger am Überholen als Sie selbst. Sie werden also bei jedem Überholversuch erst mal mehrere schnellere Wägen vorbeilassen müssen.
Ärgerlich, so was.
Mehr als das. Denn während Sie drauf warten, daß Sie auf die linke Spur wechseln können, fahren Sie notgedrungen mit der langsameren Geschwindigkeit Ihres Vordermannes. Ihre Durchschnittsreisegeschwindigkeit sinkt dadurch um ein gutes Stück. Was machen Sie?
Was soll ich schon machen?
Sie sind ein geduldiger Mensch, ich weiß. Andere sind nicht so geduldig wie Sie. Was werden die machen?
Sie werden... Ich beginne zu verstehen: Sie werden länger auf der linken Spur bleiben, um den Vorteil des schnelleren Fahrwegs nicht so rasch wieder zu verlieren.
Und dabei werden sie merken, daß Linksfahren eine gute Idee ist. Noch.
Woraus folgt, daß sie sich auf der linken Spur festsetzen werden.
Richtig. Was für Sie auf der rechten Spur heißt, daß Sie wegen der nunmehr dichter befahrenen linken Spur noch länger warten müssen, ehe Sie endlich überholen können. Das kann, wenn Sie Pech haben, jedes Mal Minuten dauern. Ihre Durchschnittsreisegeschwindigkeit sinkt weiter drastisch ab. Was werden Sie machen?
Hm, irgendwann ist der Punkt erreicht, wo ich die Geduld verliere.
So ist es. Irgendwann verliert jeder die Geduld. Und dann macht er das, was die ungeduldigeren schon längst vor ihm gemacht haben.
Auch er setzt sich auf der linken Spur fest.
Wodurch - bei leerer und leerer werdender rechter Spur - die linke Spur immer mehr verstopft. Die Geschwindigkeit dort wird zwangsläufig immer niedriger.
Warum aber läßt mich dann, wenn die Geschwindigkeit ohnehin schon gesunken ist, keiner von rechts nach links rüberfahren?
Weil die anderen im Recht sind. Wer grad am Überholen ist, hat Vorfahrt.
"Grad am Überholen" ist gut. Diese Art von "Überholen" zieht sich über viele Kilometer.
Ich sehe, Sie haben die Spielregel kapiert. Zig Kilometer Vorfahrt - gibt's Schöneres für einen Autofahrer?
Demnach sind diese Leute also doch rücksichtslos?
Wenn Sie es unbedingt moralisch sehen wollen. Aber es ist natürlich auch eine Frage der Sicherheit. So langsam man immer auf der linken Spur fährt, man ist, bezogen auf die Abstände zwischen den einzelnen Autos, immer noch zu schnell dran, um sich unnötige Bremsmanöver leisten zu können.
Aber dadurch ist nur die halbe Autobahn ausgelastet.
Bedauerlicherweise.
Und es bleibt nichts mehr zum wirklichen Überholen.
Weswegen viele Strecken dreispurig ausgebaut sind.
Damit dort die linke und die mittlere Spur voll sind.
So ist es.
Das ist doch Wahnsinn.
Nein, sondern tragische Unausweichlichkeit.
Das glaube ich nicht. Wenn diejenigen, die gerade links fahren, jene, die vor ihnen zum Überholen nach links wechseln wollen, herausließen, dann würde die Situation gar nicht entstehen.
Dann müßte jener aber von vorneherein langsamer sein, damit er überhaupt noch reagieren kann.
Ja und?
Auf der Autobahn will jeder so schnell fahren, wie er nur kann.
Hm. Insgesamt gesehen kommt er so aber langsamer voran. Es wäre demnach vorteilhafter für ihn, auf sein Recht zu verzichten und vor ihm Überholende rauszulassen.
Vorteilhaft wäre es nur dann, wenn es alle machen würden. Solange nur er es macht, zahlt er drauf.
Warum machen es nicht alle?
Weil keiner damit anfängt. Gehe ich zu weit, wenn ich behaupte, daß man auf deutschen Autobahnen deshalb so langsam vorankommt, weil man auf deutschen Autobahnen so schnell fährt?
2.10.11
Muschi, Maria Theresia und Fotze
Als die Grünen 1987 erstmalig in den Bundestag einzogen, war
unter den Neulingen im Hohen Haus auch der Kreuzeder Hias, ein damals
38jähriger Biobauer aus der Nähe von Freilassing [1].
Kreuzeder ist längst nicht mehr bei den Grünen, was ihn ehrt. Zur
konstituierenden Sitzung war er in landestypischer Lederhose erschienen, in der
Messertasche den Hirschfänger. Bei seiner ersten Rede sprach er Bairisch, und
zwar nicht so wie im "Tatort" aus München, sondern so, wie er auch
daheim auf seinem Hof gesprochen hätte. Auf den Hinweis der irritierten Bundestagsvizepräsidentin
Annemarie Renger hin, er möge doch bitte Hochdeutsch sprechen, meinte Kreuzeder
trocken, es sei nicht seine Schuld, wenn einige im hohen Haus Bildungslücken
hätten. "I versteh euer Preißisch ja aa", sagte er und setzte seine
Rede auf Bairisch fort.
Heimlich kichert der Preiß über Roman Herzog, weil der zwar
Hochdeutsch spricht, aber halt mit leichtem landshuterischen Akzent und
bairischer Sprechmelodie. Er selber aber...
Er selber sagt, ohne mit der Wimper (oder was immer zu
zucken) im Bundestag oder im Fernsee: "Was
Sie uns hier zum Thema Flejeversicherung auf den Tüsch geleecht haben ist
unertreechlich. Damit können Sie allenfalls der Anaacho-ßene imponieren"
und glaubt dann allen Ernstes, er habe eben Hochdeutsch gesprochen.
Daß er kein "i" und kein "pf" in
"schümfen" hinbringt, veranlaßt den Preißn nicht, sich in
logopädische Behandlung zu begeben. In Rhetorik lernt er es auch nicht, weil der
Rhetoriklehrer selber 1 Preiß ist und nicht weiß, wie man spricht.
So ist der Preiß gebaut: Wenn ihm einer was verzählt, was er
nicht versteht, dann ist nicht er, der Preiß, schuld, daß er keine Ahnung nicht
hat, sondern der Verdacht liegt erst mal beim anderen, weil der Sachen sagt,
die über den Horizont eines Preißn hinausgehen.
Was hat man nicht seinerzeit gelacht über den Stoiber
Edmund, weil der erzählt hatte "...ich
habe es mir auch angewöhnt, daß ich jeden Tag in der Früh in den Garten schaue
und vielleicht eine Blume hinrichte oder aufrichte. Ja, und ein bißchen mähen
tu' ich. Und ansonsten sag' ich meiner Frau, was ich alles tun würde. Und dann
macht sie es bzw. mit dem Gärtner zusammen." Gar kein Ende wollte die
Heiterkeit nehmen, als Stoiber bei anderer Gelegenheit seine Frau Karin "Muschi" nannte. "Der Stoiber
hat einen Schlag", sagte sich der Preiß und kam in seiner Einfalt gar
nicht auf die Idee, daß vielmehr das Problem seine eigene Unkenntnis bairischer
Semantik sein könnte.
Was ich sagen will: Daß der Preiß nicht weiß, wie man in
Bayern spricht, ist ja nicht weiter verwunderlich, das kann ihm keiner
vorwerfen. Bemerkenswert ist jedoch, daß er gar nicht auf die Idee kommt, er könnte irgend etwas nicht wissen. Wenn ihm etwas merkwürdig oder auch nur
ungewohnt vorkommt, dann stutzt der Preiß nicht, und denkt oder frägt dann
nach, wie es ein verständiger Mensch machen würde. Nein, er hält erst mal den
Anderen für einen Idioten und lacht dabei wie ein Depp.
Sodala, das war jetzt die routinemäßige Preißnbeschimpfung,
jetzt kommt der pädagogische Teil:
Ein schiefes Ding, Blume oder Bild oder was, hinrichten
(also in die gewünschte Ordnung bringen) ist ganz normaler Sprachgebrauch in
Bayern. "Richten" überhaupt als Bezeichnung für Reparieren ist
geläufig, trotz des Reparaturverbots in der Bibel: "Richtet nicht, auf daß
ihr nicht gerichtet werdet".
"Muschi" ist im Bairischen nichts anderes als die
kosende Bezeichnung für eine Katze, ähnlich dem englischen "pussy".
Abgeleitet davon ist es auch die kosende Bezeichnung für eine Frau oder ein
Mädchen, und zwar für eine Frau in toto.
Ich kannte einst ein Mädchen, das von ihrer Familie und all ihren Bekannten
ganz selbstverständlich "Muschi" gerufen wurde und kein Schwanz hat
sich etwas Obszönes dabei gedacht. Daß "Muschi" auch das weibliche
Geschlechtsteil bezeichnet, ist ein relativ später Import aus dem Norden,
womöglich indirekt aus dem Englischen.
Auch dieses "es mit einem machen" und dabei unter
"es" den Geschlechtsverkehr verstehen, ist aus dem Norden
importiertes Schwiemeldeutsch. Der Baier führt da eine geradlinigere Sprache, er
spricht von gamsen, schnackseln, pudern [2].
Der Preiß aber is a Sau, die bei allem möglichen dreckig lacht und der Baier
muß es ausbaden.
Es ist 1 Schande, daß ich auf meine Alten Tage jetzt noch
den Stoiber verteidigen muß.
Seit einiger Zeit jedoch ist die Muschi Zug um Zug bis nach
Österreich gedrungen.
Wer hier singt ist Elisabeth (Lisl) Gehrer, ehemalige
österreichische Kultusministerin.
Sie hat das Lied vor ihrer Karriere als Politikerin aufgenommen,
als sie noch Sängerin und dann Darstellerin in Soft-Porno-Filmen von Franz
Antel war: "Frau Wirtin hat auch einen Grafen", "Frau Wirtin
bläst auch gern Trompete", "Liebe durch die Hintertür" oder
"Wenn Mädchen zum Manöver blasen".
Tu felix austria.
Daß irgendwann eine ähnliche Aufnahme von Ursula von der
Leyen auftaucht, wird wohl ein Traum bleiben. Für solche bezaubernden
Inkonsequenzen und Brüche ist der Preiß viel zu geradlinig. ("Ich versteh
das nicht, ich bin aus Hannover" - Bülent Ceylan.)
Man erinnert sich vielleicht an den "Prinzen von
Homburg" (von Kleist). Dieser handelt als Truppenführer einem Befehl des
Kurfürsten zuwider; aus schlafwandlerischer Verwirrung heraus, nicht aus
aufsässiger Gesinnung heraus, wie oft geschrieben wird. Er gewinnt mit diesem
befehlswidrigen Handeln die Schlacht und wird vom Kurfürsten zum Tode
verurteilt. Befehl ist Befehl und Kotzequenz unser Gott.
In Österreich gab es den Maria-Theresia-Orden. "Er war
bis zum Ende der Habsburgermonarchie die höchste Tapferkeitsauszeichnung des
Landes." (...) "Diese besondere Auszeichnung wurde für aus eigener Initiative unternommene,
erfolgreiche und einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentaten, die ein
Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können, verliehen."
Das heißt, der höchste militärische Orden im alten
Österreich wurde an den verliehen, der ohne Befehl oder gar befehlswidrig handelte
und damit Erfolg hatte. Völlig inkonsequent, die Sache. Österreichisch halt,
bairisch, mediterran.
Oder nimm die Geschichte mit Peppone (den aus den
Don-Camillo-Geschichten). Als sein kleiner Sohn auf den Tod liegt kauft dieser
Kommunist und Atheist eine riesige Kerze, schleicht nachts in die Kirche und
entzündet die Kerze vor der Madonna (ausdrücklich nicht vor ihrem Sohn, denn
der hält es zu sehr mit der Reaktion). Ein völlig irres Verhalten für einen
konsequent denkenden Menschen. Peppone aber hat es in diesem Moment geholfen.
Der Balkan fängt irgendwo in der Gegend von Tirschenreuth
an, die nördliche Küstenlinie des Mittelmeers liegt in der Gegend von
Regensburg. Wer nördlich davon aufgewachsen ist, wird die charmanten
Inkonsequenzen dieser Lebensart nie wirklich verstehen können, es wäre denn,
eine südliche Muse hätte sich einst verflogen und ihn in der Wiege schon sanft
auf die Stirne geküßt.
Und weil ich schon dabei bin und es jetzt auch nicht mehr
drauf zammkommt: Das bairische Wort "Fotzn" hat ebenfalls nichts mit
dem weiblichen Geschlechtsteil zu tun, es meint das Antlitz, lateinisch
"facies" (ja, der Baier ist vornehm, hier spricht noch der letzte
Kuhhirte Latein), beziehungsweise einen Schlag in dieses Antlitz.
30.9.11
Love Story
Neulich habe ich einen Leitenden Angestellten eines großen
Buchverlags mit angeschlossener Filmproduktion besucht. "He, Leitender
Angestellter", sagte ich, "ich hab da eine wahnsinnig gute Idee für
einen Roman oder ein Drehbuch."
"Aha", sagte der Leitende Angestellte,
"erzählen Sie mal."
Einem lebensweisen Menschen ist klar, daß mein Besuch in
diesem Verlag eine erfundene Geschichte sein muß. Kein Leiter oder auch nur
Halbleiter eines Medienunternehmens wird einem Unbekannten, der vorgibt, eine gute
Idee zu haben, zum Weitersprechen ermuntern. Jeder Angestellte eines
Medienunternehmens träumt zwar davon, einmal im Leben ein neues Genie zu
entdecken, aber niemand will das wirklich. Genie-Entdecken ist wie
Goldsand-Sieben, die Mühe macht sich keiner mehr, der einen festen
Arbeitsvertrag hat.
Wie auch immer: Ich trage also dem erfundenen Leitenden
Angestellten meine Idee vor:
"Die Geschichte handelt von einer Nonne", sage ich
und sehe, wie der Leitende Angestellte im Stuhl zusammensackt. "Diese Nonne
verliebt sich in einen Arzt, wird seine Geliebte, verläßt das Kloster und
heiratet ihn."
Der zusammengesackte Medienmann richtet sich in seinem
Chefsessel auf und sieht mich an, wie man einen völlig Verrückten anschaut, von
dem man nicht genau weiß, ob er eine Pistole bei sich trägt.
"Äh", sagt er in sanftem Ton, um mich nicht zu
provozieren, die eventuell vorhandene Pistole zu ziehen, "diese Geschichte
gibt es schon. 87mal als Roman und 218mal als Film."
"Ja, schon", antworte ich, "aber meine
Geschichte handelt von einer 63jährigen Äbtissin und einem 72jährigen Arzt. Der
Arzt ist seit kurzem verwitwet, sucht im Kloster Trost und Beistand und
verliebt sich dabei..."
Der Leitende Angestellte hat inzwischen meine Kleidung mit
den Augen abgetastet und ist jetzt sicher, daß ich keine Pistole bei mir habe.
"Hören Sie mal", sagt er, "Seniorengeschichten laufen inzwischen ja recht gut, auch über Seniorensex ließe ich mit mir reden. Aber Ihre Geschichte ist so was von an den Haaren herbeigezogen, so unrealistisch, so ein hanebüchener Scheißdreck, daß es nicht zu sagen ist."
"Hören Sie mal", sagt er, "Seniorengeschichten laufen inzwischen ja recht gut, auch über Seniorensex ließe ich mit mir reden. Aber Ihre Geschichte ist so was von an den Haaren herbeigezogen, so unrealistisch, so ein hanebüchener Scheißdreck, daß es nicht zu sagen ist."
"Ach, übrigens", fügt er hinzu und spielt mit einem
langen, scharfgeschliffenen Brieföffner, "die Tür ist zwei Meter hinter
ihnen."
In diesem Moment bedauere ich es aufs Höchste, meinen Colt
Derringer nicht eingesteckt zu haben und verlasse das Büro.
Abonnieren
Posts (Atom)
Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld
I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...
-
Am 8. Januar habe ich eine E-Mail der FREITAGs-Moderation erhalten, in der mir mitgeteilt wurde, daß mein Account für drei Monate gesp...
-
Die Amerikanerin Lauren Angela (das sind nur die beiden Vornamen) stammt aus Florida, die Mutter ist kubanischer Abstammung. Sie lebt seit...
-
Wäre ich ein Philosoph, also einer mit Diplom, ein Diplom-Philosoph mit Philosophen-Diplom, und wäre ich Teil des Lehrkörpers einer Uni...








