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28.6.18

Die Steirer sind unser Unglück

Irgendwann hat mal irgendwer, womöglich war's ich selber, aus irgendwelchen Gründen geschrieben: "Wer hat eigentlich diese Steirer seinerzeit nach Österreich hineingelassen?"
Daraufhin hat die Silvia Jelincic geantwortet: "Das waren bestimmt so Leut wie du..."
Womöglich hat sie recht, dachte ich bei mir. Wahrscheinlich war es genau so. Ich stell mir das so vor, daß gerade ein Rudel Gutmenschen Dienst hatte am Zaun an der Außengrenze des Christlichen Abendlandes, am sogenannten antisteirischen Schutzwall.
Plötzlich rummst es am Tor. Ein Gutmensch schaut raus beim Fensterl.
GUTMENSCH Wer seids na ihr?
STEIRER Mir san Stei... also, ich mein, mir san Tiroler.
GUTMENSCH (skeptisch) So so, Tiroler seids ihr.
STEIRER Freilich.
GUTMENSCH Und was macht's ihr da draußen?
STEIRER Mir warn Schwammerlbrocken bei den Slowenen, und weil wir einen Schliwowitz getrunken haben, ist es später geworden.
GUTMENSCH (irritiert) Aber später wird's doch auch ohne Schliwowitz.
STEIRER Schon, aber nicht so schnell.
Der Gutmensch übersieht das für Steirer typische tückische Flackern im Auge des Steirers und sperrt das Tor auf.
GUTMENSCH (sperrt das Tor auf) Gut, dann kommt's halt rein. Aber ihr reists sofort weiter nach Tirol, göj?
STEIRER Freilich. (Der Steirer beugt sein Haupt, damit man nicht sieht, wie es ihn vor Lachen schüttelt)
So also kam das Unglück über Österreich und die Steiermark wurd gegründet. Jahrhunderte später hat der Hl. Jörg von Kärnten den Steirerfluch gesprochen, aber genützt hat es nichts mehr.
Heit auf dNacht
Wern dSteirer umbracht.
Wer a Steirerfleisch mog
Soi komma de Dog.
Die obenstehende Szene ist ein kurzer Auszug aus dem Heimatdrama "Wie wir einmal die Österreicher hereingelegt haben", das anläßlich der Grazer Steirertage uraufgeführt werden soll. Bei schönem Wetter wird das österreichische Bundesheer mit blankem Säbel gegen die Grazer Einwohnerschaft vorgehen und ein Blutbaderl anrichten.
P. S.: Wenn ich aus dem Wort "Steirer" das Tee-Ei rausnehme und durch ein Üppsilon ersetze, steht auf einmal "Syrer" da. Das erklärt manches.

2.7.18

Läppidoitsch

Läppidoitsch ist eine Sprachmode, die sich zunehmend breit macht. Jeder Einfall, der nicht ersichtlich schwachsinnig ist, jedes Produkt, an dem es, abgesehen vom üblichen, nichts zu meckern gibt, ist heute "genial". Jede Sache, die nicht ausgesprochen schlecht ist, vielleicht sogar gut, ist heute (das heißt schon seit über zwanzig Jahren) "super". Und weil "super" ja viel zu schwer zu schreiben und vor allem zu sprechen ist, nennt man das auch gerne "supi".
Und diese... nein, nicht Kinder-, sondern Babysprache (1), breitet sich aus. Der Stuttgarter Platz in Berlin ist der Stutti, das Kottbuser Tor ist das Kotti und was das "Kutschi" ist, habe ich noch nicht rausgefunden. Meiner Erinnerung nach kam das so richtig fett (umgangssprachlich für "deutlich", "weit verbreitet";) in den neunziger oder vielleicht sogar schon späten achtziger Jahren auf. Damals ging der Studi in die Bibi, Schumi profilierte sich als Rennfahrer und Klinsi war der Trainer, Schweini sein Star im Fusi. Der Depri neigt unter diesen Umständen zum Sui. (Nein, auch das mit dem "Depri" und dem "Sui" habe ich nicht erfunden, sondern im Internet gefunden. Es bedeutet genau das, was du dir jetzt in deinen wilden Fieberphantasien denkst.)

In Berlin-Kreuzberg (2) findet man das hier dokumentierte "Späti am Schlesi". Das "Schlesi" ist das Schlesische Tor, ein "Späti" ist... wie erklär ich's nur? Ein Späti ist ein Spätkauf, also ein Laden, der bis in die späte (!) Nacht hinein (3) Waren des täglichen Bedarfs verkauft. (Hier ein Blick in einen Berliner Späti.)

Die Spätis sind noch ein Relikt aus der Inselzeit von West-Berlin (4). Damals galt das bundesdeutsche Ladenschlußgesetz nicht in Berlin, die Geschäfte konnten öffnen und schließen, wie sie lustig waren. Heute gilt das Ladenschlußgesetz zwar auch in Berlin, aber Berlin ist das Neapel von nördlich der Alpen: Gesetze sind unverbindliche Empfehlungen. Wenn der Berliner um 11 Uhr meint, er bräuchte für den Mitternachtskrimi noch gesalzene Erdnüsse, dann geht er zum Späti und kauft sich welche. Deswegen hat der Berliner bis heute nicht gelernt, 24 Stunden im voraus zu denken.
Das Aufmerksamkeitsfenster eines Berliners ist irgendwo zwischen 3 Sekunden und sieben Minuten. Die mit den sieben Minuten gelten bereits als Spitzen-Intellektuelle, die aber aus jeder anderen deutschen Universität rausflögen.

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(1) Ich habe mit meinen Kindern nie-mals Babysprache gesprochen, sondern - buchstäblich und wortwörtlich von der Nabelschnur weg - gepflegtes Hochdeutsch. Den Dialekt, dachten wir uns damals, lernen sie auf der Straße sowieso. Und so war's dann auch.
(2) Ayshe und Ali Öztürk und all die anderen Eingeborenen von Kreuzberg schreiben übrigens X-Berg. Eine radikale Gruppe islamistischer Syrer wollte einmal die ortsansässigen Türken zwingen, statt X-Berg Halbmondsberg zu schreiben. Dem Vernehmen nach hat sich das nicht durchgesetzt, weil es viel zu schwer zu schreiben und vor allem zu sprechen ist. Zudem sollen die Syrer bald schon als Steirer entlarvt worden sein.
(3) Einige der Spätis haben rund um die Uhr geöffnet.
(4) Auch in der DDR hat's Spätis gegeben, obwohl die dort keinen so läppischen Namen hatten.

29.12.22

Klaus Maria Brandauer macht ein Selfie

Eine Männin, die obiges Bild gesehen hatte meinte, Klaus Maria Brandauer werde auch immer publikumsscheuer, was nicht ganz richtig ist. Publikumsscheu war der Brandauer nämlich schon immer. Was viele nicht wissen, K. M. Brandauer ist extrem kurzsichtig und versteht als Steirer ohne auch nur elementare Schulbildung kein Wort Deutsch. Man hat ihm stets den Text der Stücke vorgelesen und ihn so lange nachsprechen lassen, bis er seinen Text auswendig konnte. Dann hat man ihn auf die Bühne hinausgeführt und ihm eingeredet, er sei daheim im Weinkeller und die Geräusche des Publikums seien sein persönlicher Tinnitus.

Bevor ich es vergesse: Ventilatoren ohne Flügel verbrauchen erheblich weniger Energie als Ventilatoren mit Flügel.

13.2.19

Die Tücken der Schönflöterei

Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber immerhin besser war, hatten wir vergleichsweise präzise Bezeichnungen für verschiedene Begriffe. Präzis genug jedenfalls für den Hausgebrauch: "Neger", "Zigeuner", "Eskimos" etc. pp.
Dann kam der Ruf nach politisch korrekteren Neubenennungen über den Großen Teich zu uns. Die bringen uns häufig in die semantische Bredouille. Früher hat man "Neger" gesagt und gut war. Heute hast du Afroamerikaner vor dir, Schwarzafrikaner, Afro-Österreicher, Afro-Schweden (Martin Dahlin etwa, der ehemalige schwedische Fußballnationalspieler, eine Art früher Alaba).
Natürlich hast du, wenn plötzlich ein Neger vor dir auftaucht, nicht die leiseste Ahnung, welcher Nationalität er ist. Und dann sollst du eine Aussage vor der Polizei machen...
"Wissns, Herr Inspekta..." - Inspekta gibt's kaan."... Ach, du Hl. Scheiße, jetzt hast du noch das zusätzliche Problem vor dir, wie man einen österreichischen Kriminalhauptkommissar (im Volksmund "Kottan" genannt) korrekt anredet. Wer zu Zeiten von Oberinspektor Marek mit dem Austriakenkrimischauen aufgehört hat, schaut blöd aus der Wäsche. Wer am Ball geblieben ist, weiß, daß es "Major" heißen muß. (Oder habts ihr euch schon wieder einen neuen Schmarrn ausgedacht?)
Zurück zur Aussage: "Wissns, Herr Major, ich seh da diesen Afro-Steirer vor mir..." - "Er hat 1 gültigen Paß von Namibia."
Spätestens hier wird jeder leidlich vernünftige Mensch die Aussage verweigern und sich auf ein verstocktes "Leckts-mich-doch-alle-am-Oasch"-Gefühl zurückziehen.
Zigeuner war früher eine klare Ansage, während du heute rätselst, ob der Typ, der ausschaut wie ein Zigeuner ein Sinto ist oder ein Rom (oder Michel Friedman).

Dabei nützt die Schönflöterei eh nichts, was viel mit der Euphemismus-Tretmühle zu tun hat.
"Die Euphemismus-Tretmühle (engl. euphemism treadmill) ist eine sprachwissenschaftliche Hypothese. Sie besagt, dass jeder Euphemismus irgendwann die negative Konnotation seines Vorgängerausdrucks annehmen wird, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern.
Häufig handelt es sich bei den betroffenen Ausdrücken um gesellschaftlich relevante und konnotativ aufgeladene Begriffe. So werden etwa ethnische Minderheiten wiederholt mit neuen Wörtern benannt, um negative Assoziationen zu vermeiden. (...)
Der Begriff der „Euphemismus-Tretmühle“ wurde von Steven Pinker eingeführt. Er beobachtete den Effekt, dass euphemistische Wortneubildungen alle negativen Assoziationen jener Wörter aufnahmen, die sie ersetzten, also eine Bedeutungsverschlechterung erlebten. Nach Pinker zeige die Euphemismus-Tretmühle, dass nicht Wörter – wie variable euphemistische Bezeichnungen –, sondern Begriffe im Geist des Menschen primär (vorrangig) seien. Deshalb bewirkten diese primären Begriffe die Bedeutungsübertragung auf die sekundären (nachrangigen) Bezeichnungen."
Ich werde es wahrscheinlich nicht mehr erleben, ansonsten würde ich dir eine Wette anbieten: In 15, spätestens 20 Jahren wird "Afro-Deutscher" (wahlweise auch "Afro-Österreicher") auf der Liste der zu vermeidenden Unwörter stehen. In den neunziger Jahren wurde der Begriff "Person mit Migrationshintergrund" geprägt, um als abwertend empfundene Wörter wie "Gastarbeiter", "Ausländer" etc. pp. zu ersetzen. Mit "Ausländer" meint man umgangssprachlich ja nicht Österreicher oder Franzosen, sondern Türken, Araber oder Schwarze, also alle Ausländer, die aus den hochverdächtigen Scheißhausländern kommen. Früher war die hochverdächtige Himmelsrichtung der Süden (das fing schon mit Italien südlich von Rom an), heute ist der Osten dazu gekommen.
Die Nationale Armutskonferenz hat eine Liste sozialer Unwörter erstellt. Darin taucht 2012 auch das Wort "Person mit Migrationshintergrund" auf, in einer Reihe mit "Sozialschmarotzer". Nicht einmal 20 Jahre hat es gedauert, bis aus dem schönen, manierlichen Ersatzwort für Ausländer seinerseits ein Unwort geworden ist. Sic transit gloria verbi.
Die Euphemismus-Tretmühle war wieder mal wirksam geworden.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...