2.11.23

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1.11.23

Anderkatt

Weil immer so geschimpft wird auf die Nazis, auf die historischen von anno Feldherrnhalle und auf die heutigen von "Fisch und Fleisch" sowieso: Was das Styling betrifft kann man den Nazis - zumindest denen von anno Stalingrad - nichts vorwerfen. Lange bevor das Wort "stylish" im deutschen Sprachraum in allgemeine Verwendung kam, waren die Nazis die Avantgarde der Haartracht, sie haben den Trend gesettet, man nehme nur den heute wieder hochmodischen Undercut, hier am Beispiel von Heinrich Himmler.

Der junge Mao Tse Tung hat ebenfalls diesen sexy Haarschnitt getragen, was vielleicht die Totalitarismusthese bestätigt: Kommunisten und Faschisten kommen aus derselben Familie.

Wer sich über die weißen Sterne auf blauem Grund hinter Mao Tse Tung wundert: Als junger Mann hat der in der Chinatown von San Francisco geborene und aufgewachsene Mao mehrere Jahre in einem Trainingslager des amerikanischen Geheimdienstes FPD in einem Wald in Montana verbracht, wo er in Marxismus-Leninismus und Guerillakrieg [1] ausgebildet wurde. Anschließend wurde er über China mit dem Fallschirm abgeworfen.




[1]   Der Guerillakrieg, die Strategie des Kleinen Mannes gegen die Große Frau, wurde - entgegen anderslautenden Gerüchten - nicht von Mao Tse Tung erfunden. Sondern? Sondern von den amerikanischen Siedlern im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. Die Amerikaner verweigerten sich weitgehend der offenen Feldschlacht, sie lockten den nicht landeskundigen Feind in die undurchdringlichen Wälder und Weiten des Kontinents und griffen ihn dann aus dem Hinterhalt an.

24.10.23

High durch Schmai - Hegel und der Schnupftabak

 

Hegel, der Alt- und Großmeister der Philosophie war dem Vernehmen nach ein großer Freund des Weins: "Daß He­gels Wein­rech­nun­gen bei der Firma Gebr. Ra­mann in Er­furt, die auch Goe­the be­lie­fer­te, höher waren als seine Bü­cher­rech­nun­gen bei der Ni­co­lai’schen Buch­hand­lung zu Ber­lin, ist be­kannt, be­kannt ist auch, daß seine Kol­le­ge Ar­thur Scho­pen­hau­er, des auf­ge­dun­se­nen Ge­sichts wegen, von He­gels »Bier­wirts­phy­sio­gno­mie« sprach."

Dem Vernehmen nach soll Hegel auch sehr heftig dem Schnupftabake zugesprochen haben. Schnupftabak war damals üblicherweise mit Hanf versetzt. "We­ni­ger be­kannt hin­ge­gen ist, daß zu jener Zeit der Schnupf­ta­bak, dem Hegel kräf­tig zu­sprach, mit Can­na­bis ver­setzt war [1] und damit eine rausch­haf­te Wir­kung hatte. Da­durch be­fand sich Hegel stän­dig in einem eu­pho­ri­sier­ten Zu­stand, der sicht­ba­ren und hör­ba­ren Ein­fluß auf seine Spra­che ge­habt haben muß. Wäh­rend sei­ner Vor­le­sun­gen schnupf­te er so kräf­tig, daß die Reste auf dem Ka­the­der aus­reich­ten, um seine Hörer zu er­fri­schen. (...) Die psychischen Symptome (bei Haschischkonsum) sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Vordergrund steht eine Änderung der Bewußtseinslage, Änderung des Raum- und Zeitempfindens, Ideenflucht, Euphorie, bei hoher Dosis Halluzinationen." Quelle

Ob man nicht Philosophie in den Anhang zum Betäubungsmittelgesetz aufnehmen sollte? Philosophie scheint ja so eine Art Einstiegsdroge für allerlei Substanzen zu sein. Oder sollte es umgekehrt sein? Ist Philosophie vielleicht nur durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen möglich?



[1]   High durch Schmai.

22.10.23

Waldemar und die Erfindung des analogen Selfies

Zu einer Zeit, da das Wünschen schon auch nicht mehr geholfen hat und es Deutschland noch im Doppelpack gab lebte in West-Deutschland ein Frührentner. Ein Frührentner hat - logischerweise - viel Zeit und manchmal auch ein bisserl Geld. Der Frührentner Waldemar Brummel, von dem hier die Rede sein soll, vertrieb sich die zu viele Zeit mit dem Lauern auf Leute mit einer gewissen Prominenz.
 
Acht Stunden hat er einmal - so hat er es erzählt - auf Robert Plant von Led Zeppelin [1] gewartet, sechs auf Mick Jagger. Wenn der Prominente dann erschien trat Waldemar Brummel auf ihn zu und fragte höflich: "Hätten Sie etwas dagegen, mit mir photographiert zu werden?". In den allermeisten Fällen hatte der Prominente nichts dagegen, er kann kaum was dagegen haben, denn das Prominentsein des Prominenten beruht meist darauf, daß der Prominente so oft wie möglich photographiert oder gefilmt wird. Der Prominente lebt von den Medien wie der Vampir vom Blut.

Ca. 1400 Bilder hat Herr Brummel aus Köln auf diese Weise gesammelt, Otto Waal­kes, Christine Kaufmann, Gerd Fröbe, Richard von Weizsäcker, Waldemar und Luis Trenker. Und immer und immer wieder Waldemar. "Dieses Buch dreht die Wirklichkeit um", schrieb Axel Hacke 1987 in der Süddeutschen Zeitung in einer Buchkritik, der ich die meisten Fakten hier verdanke.

"Im Leben ist der Star immer die Hauptperson und die Waldemars drängeln sich um ihn. Für den Moment des Bildes stehen sie gleichberechtigt nebeneinander, das Buch aber versammelt sie zu einer Prominentenmasse, zu einem Haufen von Leuten, neben denen es nur eine wichtige Person gibt - Waldemar mit dem immer gleichen routinierten, satt-zufriedenen Lächeln. Waldemar, der so berühmt ist, daß es sich kein Mensch von Rang und Namen erlauben könnte, von ihm nicht erlegt worden zu sein. Pro­minent ist, wer mit Waldemar aufs Bild durfte."

Wer sich ein bisserl in der Welt und den Medien auskennt, seufzt jetzt: Poldi Waraschitz, der Schnorrerkönig. In der Tat.

Waldemar und...Arm in Arm mit den Größen un­serer Zeit. Edition Braun, Heidelberg. 120 Seiten, 100 farbige Abbildungen, 14,80 Mark. (Autoren: Waldemar Brummel/Uwe Zündorf)

Das Buch scheint derzeit vergriffen zu sein, antiquarisch könnte man vielleicht Glück haben.



[1]   So ein Glück, daß ich auf meine Alten Tage noch von seiner Existenz erfahren habe.

19.10.23

Der Rattenfangende von Hameln

Im Blogbeitrag eines Users, dessen Name hier nicht genannt werden darf (und der im übrigen auch keine Rolle spielt) kommentierte ein anderer User:

>>Man kuscht offenbar vor den rechten Rattenfangenden der AfD und FPÖ.<<

"Rattenfangende", die Formulierung ist so süß! Sie macht dir klar, daß die Suche nach der korrekten Sprache immer mehr zu ihrer eigenen Karikatur wird. Der Rattenfangende von Hameln. Hl. Muttergottes von Tschenstochau!

Sex oder Die Geschichte vom denkenden Schwein

In der Alten Zeit, da die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war als die Welt von heute, stellte ich einen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag ein:

Kindersex - Schockierend!

Mir doch Banane. (Man achte auf die rechte Hand des Mädchens.)

Für diesen kleinen, harmlosen (wie ich dachte) Blogbeitrag wurde ich heftig gerügt: "Du denkst an Sex, wenn du die rechte Hand des Mädchens siehst? (...) ...aber wenn ich das Mädchen sehe und auf ihre rechte Hand blicke, denke ich nicht an Sex."

"Du wirst lachen", schrieb ich zurück, "auch ich habe auf die rechte Hand des Mädchens geblickt und nicht an Sex gedacht. Ich habe das Bild vor etlichen Jahren im Netz gefunden und mir ist natürlich sofort die Banane aufgefallen, welche das Mädchen dem Jungen in den Mund steckt. Das kommt davon, wenn man zu viel von und über Freud liest, den alten Schla-Wiener.

Vor einigen Jahren habe ich das Bild schon mal als Kuriosität eingestellt - nicht hier, sondern in einem Forum, in dem vorzugsweise User mit Nie-Woh verkehren - und ein Leser hat mich auf die Handhaltung des Mädchens aufmerksam gemacht. Nanu?, dachte ich bei mir, was soll da sein? Es hat etliche Sekunden gedauert, bis mir klar geworden ist, wie anzüglich die Pantomime des Mädchens ist, und zwar an genau jener Stelle, an der sich der erigierte Penis des Jungen hätte befinden müssen, wäre der Junge für einen erigierten Penis nicht doch etwas jung gewesen. Aber, wie das gelegentlich so ist, wenn du mal etwas erkannt hast oder glaubst, etwas erkannt zu haben, wirst du die Gedankenverknüpfung nie mehr los."

Eine andere Geschichte, damals wohnte ich aus beruflichen Gründen vorübergehend bei meiner Mutter. Ich hocke also eines Tages beim Abendessen in der Küche, während meine Mutter im Wohnzimmer gerade eine Vorabendserie mit Werbeumrahmung guckt. Plötzlich höre ich vom Fernseher einen Sprecher fröhlich quaken: "Verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup macht einfach Spaß".

Eine ganze Weile sitze ich da wie vom Donner gerührt, entschließe mich dann aber, das Ganze auf einen Hörfehler meinerseits zu schieben, zu unglaublich erscheint mir das Gehörte. Tags drauf jedoch, gleiche Szene, gleicher Spruch. Und diesmal habe ich mich mit Sicherheit nicht verhört.

Ich möchte mich jetzt nicht weiter drüber auslassen, wie "verbotene Liebe mit Maggi-Tomatenketchup" rein technisch aussehen könnte, gestatte mir in diesem Zusammenhang lediglich die Anmerkung, daß es für den männlichen Maggi-Liebhaber möglicherweise - im Wortsinne - sehr eng werden könnte. Aber gut: Jeder Erwachsene kann und muß wissen, was er macht und vielleicht ist in diesen Zeiten von AIDS der Sex mit Tomatenketchup tatsächlich die gesündere Alternative zu promiskem Geschlechtsverkehr mit Frauen oder Männern, gleich welchen Geschlechts.

Kann sein.

Was ich aber nicht - und zwar überhaupt nicht - verstehen kann, ist die Tatsache, daß man einen dermaßen frivolen Werbespot im Vorabendprogramm bringt, zu einer Zeit also, da viele Jugendliche, ja Kinder, noch fleißig am Gucken sind. Man muß die Kids doch wirklich nicht auf derartige Gedanken bringen!

Es gab mal Leute - und es gibt sie dem Vernehmen nach immer noch - die Tomatenketchup essen. Vielleicht sollte die Firma Maggi ihre Kunden mal darauf aufmerksam machen.

Ich hab öfter mal völlig alberne Assoziationen. Oft ist das nur ein Scherzlein, manchmal nicht einmal das. Ab und an wird ein interessanter Gedankengang draus. (Das hier ist sicher nur ein Scherzlein, wenn überhaupt.)

In der Schule habe ich erstmals den "Bolero" von Maurice Ravel gehört und war sofort fasziniert. Ein eigentlich wahnsinnig langweiliges Stück (letztlich immer die gleiche Tonfolge), das aber trotzdem alles andere als langweilig ist. Das knistert. Jahre später habe ich gelesen, der "Bolero" sei vertonter Geschlechtsverkehr, Geschlechtsverkehr aus der Perspektive des Mannes. Ich hörte mir das Stück daraufhin wieder mal an - tatsächlich. Immer das gleiche, aber immer ein bisserl anders, schön langsam immer heftiger werdend, schließlich heftiges Rabumms, Rabumms - aus. Und dann ratzt der Saukerl wahrscheinlich weg, während die nunmehr entspannte Frau eigentlich noch über das Versmaß im klassischen Sonett diskutieren wollte.

Ähnlich ist es mit dem Heideröslein von Goethe, von selber wär ich nie darauf gekommen, daß hier die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt wird. Aber natürlich ist es genau das, Ein Gedicht darüber, wie jemand eine Blume pflückt und darüber mit der Blume ein Gespräch führt, wäre auch wirklich grundalbern.

Und dann war da noch die Sache mit den Türmen der Frauenkirche in München. Vor einigen Jahren war ich in München in einem Beratungsgespräch, anwesend waren der Klient und eine junge Kollegin, die hospitierte. Das Gespräch war an einem toten Punkt angelangt und ich deutete mit unendlich müder Geste (in welche ich den ganzen Weltschmerz des Wiener Fin de Siècle legte, den André Heller so anmutig zu zelebrieren wußte) nach hinten, wo die Türme der Frauenkirche, etwas über einen Kilometer Luftlinie entfernt zu sehen waren. "An einem diesigen Tag wo heute, wo man Einzelheiten nicht mehr so genau sieht, schauen die Türme tatsächlich wie erigierte Penisse aus." Sowohl der Klient als auch die Kollegin schauten mich irritiert an. "Jetzt dreht er durch!" mochten sie wohl denken. So hätten sie die Türme noch nie gesehen, erfuhr ich auf Nachfrage. Oha! Ich versuchte einzulenken und meinte, locker parlierend, die meisten Leute sähen die Zwillingstürme wohl tatsächlich eher weiblich, wobei ich mit einer Geste weibliche Brüste vor meinem eher flachen Oberkörper andeutete. Auch diese Assoziation, erfuhr ich nun, sei ihnen noch nie in den Sinn gekommen, sagten mir die beiden. Von nun aber, so meinten sie übereinstimmend, würde ihnen diese beiden Assoziationen auf ewig anhaften.

Jö, dachte ich mir, jetzt hast du zwei unschuldige Menschenherzen infiziert.

Andererseits...

 

Von Sigmund Freud, den man seinerzeit in Wien als den "Lustlümmel aus der Berggasse" bezeichnete ist der Spruch überliefert: "Manchmal ist eine Zigarre eben nur eine Zigarre."

Ich merke grad, daß Freud meinem zigarrerauchenden Opa sehr ähnlich schaut, meine dazugehörige Oma übrigens dem Hans Moser.

Dem Schweinen, sag ich seit Jahren, ist alles Schwein. Vor wenigen Monaten erfuhr ich dann, daß der Spruch von Friedrich Nietzsche stammt: "Dem Reinen ist Alles rein - so spricht das Volk [1]. Ich aber sage euch: deN Schweinen wird Alles Schwein!" ("Also sprach Zara Thustra", Bd. 3. Chemnitz, 1884.)

Und schon - schawupp! - war ich als Guttenberg entlarvt, wiewohl ich unschuldig bin.



[1]   Bis hier sind wir noch in der Bibel, im Paulsbrief an Titus, Titus 1:15.

Es war die Lerche - Die Bürokratie als Schmeichlerin

Bei Gelegenheit einer kleinen Plauderei über die Tragik der unerfüllten Sehnsucht und der größeren Tragik der erfüllten kam ich auch auf Ephraim Kishons Stück "Es war die Lerche" zu sprechen. Die Handlung geht so: Julia und Romeo haben damals ihren tragischen Doppelselbstmord überlebt, Shakespeare hat ein bisserl geschummelt und das peinliche Happy-End zugeschmiert. Julia hat nach ihrem Fake-Suizid eine Minute zu früh die Augen geöffnet, noch ehe Romeo am offenen Grab Juliens Gift nehmen und sie sich seinen Dolch in den Leib stoßen konnte. 30 Jahre nach dem von Shakespeare vertuschten Happy-End beginnt Kishons Stück.

Ich hatte das Stück mal vor Jahrzehnten im ORF gesehen und bekam jetzt Appetit drauf, es nochmal anzuschauen. Ich hab es mir im Internet bestellt, wurde aber bei der Bestellung drauf hingewiesen, daß das Stück, bzw. diese Inszenierung niemals eine Jugendschutzeinstufung bekommen hätte. Ich bekäme die DVD nur persönlich ausgehändigt, gegen Vorlage meines Personalausweises. Als der Paketbote klingelte war ich gerade auf der Treppe, den Müll runterzutragen. Ich griff nach dem Packerl mit der launigen Bemerkung, ich müßte mich doch bestimmt nicht ausweisen, so wie ich aussähe. Doch, das müßte ich. Ich also zurück in die Wohnung, den Personalausweis geholt. Der arme Packerlbote mußte meine Ausweisnummer notieren und alle die sonstigen Daten. Anderenfalls hätte mir der Staat nicht geglaubt, daß ich nicht mehr minderjährig bin. Der Staat ist ein arger Schmeichler.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...