11.9.22

Vermeerung

Im Hinblick darauf, daß im Meerwasser kein Leben möglich ist, könnte man die Vermeerung auch als Verwüstung bezeichnen, wenn's nicht eh ein Schmarrn wär.

Der Temposünder als Triebtäter

Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut aber doch besser war als heute hatte ich einen Punktetäter (alles Verstöße im Zusammenhang mit Schnellfahren) bei der Beratung, der dann anschließend seine MPU gemacht hat. Er ist dort durchgefallen, was mich nicht gewundert hat. Anschließend haben wir - das gehört zum kostenlosen Service - das Gutachten analysiert, das heißt ich habe ihm erklärt, warum er durchgefallen ist.

Im Gutachten wurde eine Äußerung über seine Ziele für die Zukunft so wiedergegeben: "...und wenn wo 30 steht, dann fahre ich 30, aber es ist eben keiner mit einem Heiligenschein geboren, die 20 km/h werde ich nie mehr überschreiten". So weit, so gut, wenn auch die Bemerkung mit dem Heiligenschein schon wieder eine sehr bedenkliche Äußerung ist. Dann aber fährt er fort: "auch meine Lebensgefährtin fährt ganz ruhig, auch wenn ich neben ihr tobe, daß sie zufahren soll, fährt sie nicht schneller." 

Ich habe ihm gesagt, mit diesem Satz alleine, auch wenn sonst alles einwandfrei gewesen wäre, habe er sich sein Grab geschaufelt. Ich denke, auch einem Laien ist unmittelbar klar, warum das so ist. Da hat er (anscheinend) die allerbesten Vorsätze, aber als Beifahrer (notgedrungen, sein Führerschein ist weg) treibt er die Fahrerin an, doch gefälligst schneller zu fahren.

In MPU, Kursen und Beratung habe ich die Erfahrung gemacht, daß Promillefahrer sehr rückfallgefährdet sind, außer sie hören mit dem Saufen auf. Und ich habe auch gelernt, daß Punktetäter (aus dem Bereich "Rasches Vorwärtskommen") noch sehr viel beratungsresistenter sind als Promillefahrer. Manchmal kommen mir diese Leute wie Triebtäter vor.

Es ist ja auch klar: Sie verlieren ihren Führerschein sehenden Auges. Der Promillefahrer tut etwas Verbotenes und er wird nicht und nicht erwischt, sein Verhalten ist erfolgreich und so setzt er es fort. Wird er dann irgendwann doch erwischt, so kommt gleich die große Keule auf ihn zu - der Führerschein ist weg.

Der Punktetäter macht von der Struktur her das Gleiche. Er setzt ein erfolgreiches Verhalten immer weiter fort. Wird er irgendwann erwischt (Radarfallen sind wahnsinnig selten, aber irgendwo sind sie halt doch), so folgt nicht gleich die große Katastrophe. Er muß Bußgeld bezahlen, er bekommt 2 Punkte, ärgerlich, aber nicht fatal. Er könnte daraus lernen, viele tun das, etliche aber nicht. Sie fahren weiter schnell, viel zu schnell, man wird ja fast nie erwischt. Bis sie zum zweiten Mal erwischt werden. Diesmal haben sie bereits 5 Punkte auf ihrem Konto. Ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Und so geht das weiter.

Für den Promillefahrer kommt das Verhängnis jäh und unvermutet (es ist ja so, so lange gut gegangen), der Punktetäter sieht auf seinem Weg zum Führerscheinentzug ständig Warnsignale. Achtung, du hast bereits 5 Punkte! Irgendwann kommt die Ermahnung der Führerscheinstelle, dann eine weitere. Und trotzdem erreichen sie irgendwann 8 Punkte, und ihr Führerschein, den sie lieben wie sonst nichts auf der Welt, ist auf einmal weg. Nein, nicht auf einmal, sondern planmäßig.

Ein Fun-Fact am Rande: 90 % aller Autofahrer mit deutschem Führerschein haben keinen Eintrag in Flensburg. Von den verbleibenden 10 % haben fast alle nur einen einzigen Eintrag. Nur eine verschwindend winzige Gruppe sammelt Punkte.

Triathlet

Es war Ende August, die brüllende Hitze dieses Sommers war gebrochen. Es regnet, es strömt und als ich endlich im Bushäusl Zuflucht gefunden habe, hat es aufgehört zu regnen.  Die Dinge mögen mich nicht, sie machen sich lustig über mich.

Im Bushäusl reib ich mir die pitschnassen Brillengläser trocken, was nur mäßig gelingt, die Dinge mögen mich nicht, wie gesagt. Als ich wieder aufblicke humpelt schweratmend ein Mann an mir vorüber, ein dicker Mann, ein Mann, neben dem ich fast wie eine leichtfüßige Gazelle wirke. Auf dem T-Shirt-Rücken steht was, schwer zu lesen, denn der Mann trägt einen kleinen Rucksack.

Jetzt kann ich es lesen: 27. Regensburger Triathlon. Du, sage ich zu dem Mann, ohne es ihm zu sagen, wirst vermutlich nicht in der Spitzengruppe gewesen sein.

Leicht verdientes Geld

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, wie Vincent van Gogh so viele Selbstporträts "malen" konnte.

Bei Rembrandt haben sie einen Anfangsverdacht auf unerlaubte Kontakte zur niederländischen Schnaps-Mafia.

Und Joan Miró spottet sowieso jeder Beschreibung.

Lernet Holenia!

Das Erzherzogtum Holenia auf dem habsburgischen Balkan - wo sonst? - ist die kommende Großmacht, deshalb ist es eine weise Maßnahme, jetzt schon die holenische Sprache, das Holenia zu lernen. Der österreichische Schriftsteller Clemens Neydisser hat schon vor vielen, vielen Jahren die Eltern der heranwachsenden Jugend dazu ermahnt.

8.9.22

Herrschaftssprache - Nehmen und Verlangen

Vor einigen Monaten hat jemand geseufzt: "So ein Anwalt nimmt 1000 Dollar die Stunde. das muß man sich mal vorstellen."

In der Tat, 1000 Dollar sind ein Haufen Geld, da muß ein alter Mann lang für stricken.

Aber ist dir das schon mal aufgefallen: Wenn dir der Klempner das Scheißhaus freibläst, verlangt er (sagen wir mal) 30 EU die Stunde. Ein Rechtsanwalt oder Psychoanalytiker oder so nimmt 1000 EU die Stunde. Der Prolet ist ein Rüpel, er fordert, der vornehme Anwalt ist so freundlich und nimmt. Herrschaftssprache.

7.9.22

Wie ich einmal aus Versehen schuld war am Weltuntergang

Alles begann damit, daß mir seinerzeit der Osterhase ein Boot geschenkt hat. Ich glaube zwar schon lange nicht mehr an den Osterhasen, aber seine Geschenke nehme ich immer noch gerne an.

Mit dem geschenkten Boot unternahm ich ausgedehnte Reisen. Es war ein Motorboot, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hatte, mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel, der weder die Giftpfeile irgendwelcher Eingeborener etwas anhaben konnten, noch die Gewehrkugeln der üblichen Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie mit einem Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Ananas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben.

Auf diese Weise lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erscheint mir bis heute unnötig, auf meinen Fahrten das Boot zu verlassen und damit die Welt in eigener Person zu bereisen. Zu viele Globetrottel habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben und von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug zu erzählen wußten, den sie sich bereits zuhause angelesen hatten. Warum also sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gibt, die dies schon vor mir getan haben und mir nur zu gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es einst Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

Irgendwann - um auch das noch zu erwähnen - hat mir einer der Professoren an der Uni gesagt, es hieße gar nicht Ananas, sondern Amazonas. Ananas sei vielmehr der Schwiegervater von Kaiphas gewesen, der damals die Kreuzigung Jesu betrieben hat und sich dadurch unsterbliche Verdienste um das Seelenheil aller  nachfolgenden Generationen erworben hat. Wikipedia nennt zwar den Schwiegervater von Kaiphas beharrlich Hannas, andere nennen ihn Ananias, das ist jedoch nur eine Machenschaft von IHNEN! Ich aber habe SIE! durchschaut.

Mein Multiplex-Boot hat Atomantrieb, wie der funktioniert ist mir nie klar geworden, ich habe das Boot regelmäßig zur Inspektion gebracht, das mußte reichen. Irgendwann, bei einem sehr unerfreulichen Zwischenfall - den ich hier nicht schildern möchte, umso weniger als ich mich nicht mehr dran erinnere - sind mir einige Krümelchen Atom über Bord gegangen. Die Krümelchen haben sich vermehrt und die so entstandenen Atomkrümelkrümelchen desgleichen und so weiter, und so fort. Und so ist aus dem Ananastiefland [1] inzwischen ein riesiges Atommüllzwischenlager geworden. Wegen der Atomhitze brennen die Wälder ab, wegen der Atomstrahlen sterben Mensch und Tier und in wenigen Jahren wird es keinen Ananas-Regenwald mehr geben. Brasilien wird die Ausfuhr von Sauerstoff stoppen und wir werden alle ersticken. Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes (angebratene Kochsalamiwürfel mit Weißen Bohnen und Spiegeleiern) werden wir schon nicht mehr hören. Drum, Leute, Bayreuth, Bayreuth [2]!

Ich geh jetzt mal kacken, das Ankündigen der Apokalypse ist doch sehr verdauungsfördernd, deswegen heißt es auch bis auf den heutigen Tag "Scheißweltuntergang".

 


[1]   Ich möchte keine Reklame für die Leuteschinder-Firma amazon machen und nenne den Fluß weiterhin Ananas.

[2]   Auf Hebräisch heißt das "Beirut, Beirut", auf Deutsch sagt man, glaub ich, "bereut, bereut".

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...