18.5.22

Jammerlappen

Damit auch das mal gesagt ist: Eine freie Meinung kann man aktuell nur haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen ist. Alles andere wird feindlich betrachtet und muss um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden.

Dergleichen Klagen liest man auf "Fisch und Fleisch" ständig, sie sind sogar das über fast jedem Thema schwebende Leitmotiv. Weinstubenprosa. Ich schrieb dem schluchzenden FUFfi zurück:

Du bist so ein elendiglicher Jammerlappen. Früher hat man auch gerne mal die Formulierung "weibischer Jammerlappen" gebraucht. Inzwischen aber haben sowohl die Wissenschaft als auch die Alltagserfahrung herausgefunden, daß in Wahrheit die Männer das jammernde Geschlecht sind. Meine Frau (gelernte Arzthelferin und Sozialpädagogin) hat zum Thema seinerzeit angemerkt, sie wundere sich, daß ausgerechnet die Männer in den Krieg zögen, wo sie doch so wehleidig seien. Frauen sind da viel zäher und belastbarer, anders hätten sie die Jahrtausende des Patriarchats niemals durchgestanden und wir wären längst ausgestorben, worüber sich die Tiere und die Pflanzen sehr gefreut hätten.

Was ich sagen wollte... ach ja: Warum du ein elendiglicher Jammerlappen bist. Du schreibst, man könne nur dann eine freie Meinung haben, wenn man gegen Putin und für Waffenlieferungen an die Ukraine sei. Alles andere müsse um jeden Preis zum Schweigen gebracht werden. Das schreibst du hier, frei und unbehelligt und ich bin mir sicher, daß du auch künftig deswegen nicht behelligt wirst. Daß man dich auslacht, dich einen Narren heißt und dir hinten auf's T-Shirt heimlich Zettel mit höhnischen Bemerkungen klebt, ist wieder eine ganze andere Sache. Wenn du dich wie ein Depp aufführst und den Mond anheulst, dann wirst du natürlich als genau der Narr betrachtet, der du bist.

Wer sich in der Öffentlichkeit über was auch immer äußert, muß damit rechnen, verlacht oder angefeindet oder beides zu werden. Toleranz heißt schließlich nicht, jedwede Meinungsäußerung zu beklatschen, Toleranz heißt lediglich, daß ich den Schwatzkopf gewähren lasse: "Red du nur!" Ich gehe davon aus, daß auch du mich für einen Dummschwätzer hältst und bin dir deswegen nicht gram, so was ist das Normalste von der Welt. Der Franze hat gsagt, er hätt manchmal den Eindruck, er wär der einzige Idiot auf der Welt, umgeben, sagt er, von lauter Vollidioten.

Früher, als die Männer noch richtige Männer waren (du merkst, der chauvinistische Gaul geht mit mir durch), haben die Recken um den Helden Siegfried nicht geweint "Mama, der Böse Feind hat mir auf's Naserl gehaut, so daß es blutet". Die Typen haben sich vielmehr gegenseitig ihre Wunden und Narben gezeigt, und bliesen sich dabei vor Stolz auf. "Ja, ich war es dem Bösen Feinde wert, daß er auf mich eingehauen hat." Noch zu Zeiten von Kaiser Willem zwo hieß die Parole "Viel Feind', viel Ehr'!" Und heute jammern die immer noch konservativen, immer noch reaktionären Nachfahren der reaktionären Arschlöcher von einst herum, daß es nur so 1 Art hat. Und diese Weicheier haben die Stirn, andere Leute als "Gutmenschen" zu verhöhnen.

Mir balst nicht gangst

Ein FUFfi, ein anderer als der oben zitierte, hat als Avatar einen mit gekreuzten Heftpflastern verklebten Tomatenmund, dazu das Motto "Meinungsfreiheit ist in meinem Land leider nicht verfügbar". Und schreibt und schreibt im Schutze dieser  nicht vorhandenen Meinungsfreiheit.

Jammerlappen, wie gesagt.

16.5.22

Diffamierung mit fragwürdigen Methoden

Ampfang des Jahres behauptete ein FUFfi hier auf "Fisch und Fleisch", wo sonst?, die Süddeutsche Zeitung griffe Nils Melzer - wer immer Nils Melzer ist - mit einem Rufmord-Artikel an. Ich betone hiermit aus- und nachdrücklich, daß mich die sachlichen Hintergründe dieser Diffamierung oder auch Nicht-Diffamierung in diesem Zusammenhang nicht interessieren. Mir geht's hier um einen sprachlichen Leckerbissen in diesem Blogbeitrag. Er beginnt nämlich mit dem folgenden Satz:

"Mit fragwürdigen Methoden arbeiten die beiden Süddeutsche-Journalisten Ronen Steinke und Thomas Kirchner bei der Erstellung eines Diffamierungs-Artikels."

Ein Spruch, den man sich in's Kopfkissen häkeln sollte. Mit welchen Methoden denn soll einer arbeiten, wenn er einen Diffamierungs-Artikel erstellen will? Einen Diffamierungs-Artikel zu erstellen ist per se eine fragwürdige Aktion, wenn ich dabei mit fragwürdigen Methoden arbeite, dann ist das der perfekte Einklang von Inhalt und Form, nach dem die Dichter streben (sollten).

Bislang handelte mein Lieblingshäkelspruch für's Kopfkissen vom Sex. Die zu Recht weitgehend unbekannte Wochenzeitung "der Freitag" veröffentlichte zuzeiten mal ein Interview mit mehreren jungen Leuten über deren Sexualleben. Charlotte, eine damals noch junge Frau, die heute nur unwesentlich älter ist, gestand seinerzeit: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!

Ananas - mit dem Boot stromaufwärts

In der vierklassigen Volksschule Gern hatte ich mein erstes und womöglich einziges Erweckungserlebnis. Die Volksschule Gern war damals - vor den Großen Politischen Und Pädagogischen Reformen - eine vierklassige Volksschule, jeweils zwei Jahrgänge wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet. In dieser Schule habe ich in einer Vertretungsstunde vom Rektor die Kunst des Kartenlesens und -zeichnens gelernt. Seither bin ich den Landkarten, Stadtplänen und dem Reisen verfallen.

Es traf sich gut, daß mir eben zu dieser Zeit der Osterhase ein Boot geschenkt hatte, mit dem ich dann ausgedehnte Reisen unternahm. Es war ein Motorboot mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel, weder die Giftpfeile irgendwelcher Eingeborenen [1] konnten mir etwas anhaben, noch die Gewehrkugeln irgendwelcher Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie mit einem Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Ananas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben. Und wenn ich dann aufwachte, war ich wieder daheim und mußte in die Schule. Der Trick funktionierte zuverlässig.

Auf diese Weise lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erschien mir unnötig, die Welt tatsächlich zu bereisen, es erscheint mir dies noch heute. Zu viele Globetrotter habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen [2] keine Ahnung hatten, welche von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug wußten, den sie sich bereits zuhause angelesen hatten. Warum also sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gibt, die dies schon vor mir getan hatten und mir nur zu gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es einst Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

1958, ich war 8 Jahre alt, war die Fußballweltmeisterschaft in Schweden, Weltmeister wurde Brasilien und der Stern von Pelé ging auf. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor den Stammgästen im Lokal von Brasilien. Diese Stammgäste meinten, ich solle doch nicht so daherreden, ich wüßte doch nicht mal, wo dieses Brasilien liege. Und ich erzählte ihnen von Brasilien und seiner Lage in Südamerika, dort spräche man Portugiesisch, anders als im übrigen Latein(!)amerika. 

Ich wäre allerdings glücklicher gewesen, hätte Gott nicht in seinem namenlosen Zorn István Zsolt erschaffen. István Zsolt war ein stadtbekannter Kommunist, Trunkenbold und leider auch Fußballschiedsrichter. Zsolt leitete 1958 das Halbfinalspiel Schweden-Deutschland in Göteborg. Beim Stande von 1:1 verwies der Serienlustmörder Zsolt den Düsseldorfer Erich Juskowiak wegen eines Revanchefouls vom Platz, nachdem Kurt Hamrin [3] ihm einen Tritt verpasst hatte. Hamrin wurde aber nicht vom Platz gestellt. Nachdem Fritz Walter wenig später schwer gefoult wurde und er sich dadurch am Knöchel verletzte, was vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde, spielte die deutsche Mannschaft praktisch nur noch mit neun Spielern (damals waren Auswechslungen noch nicht erlaubt und Walter konnte kaum mehr am Geschehen teilhaben) und verlor das Spiel mit 1:3. In Deutschland wurde schon vor dem Spiel Kritik laut, dass die FIFA einen ungarischen Schiedsrichter für das Spiel ausgewählt hatte. Vier Jahre zuvor hatte nämlich Deutschland gegen Ungarn das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954 gewonnen, "Das Wunder von Bern". Nach diesem Spiel war die kommunistische Weltverschwörung offenbar geworden und der Kalte Krieg wurde angepfiffen.

Ich wünsche Herrn Zsolt immer noch die Pest an den Hals, aber leider hat sich der feine Herr meinem Haß durch feigen Tod entzogen, 1991. Mit 70 Jahren, man stelle sich vor, was schon damalszutage kein Alter, sondern  nur ein Vorwand war, sich dem Unbill des Lebens durch frühzeitigen Tod zu entziehen.

Irgendwann - um auch das noch zu erwähnen - hat mir einer der Professoren an der Uni gesagt, es hieße gar nicht Ananas, sondern Amazonas. Ananas sei vielmehr der Schwiegervater von Kaiphas gewesen, der damals die Kreuzigung Jesu betrieben hat und sich dadurch unsterbliche Verdienste um das Seelenheil aller  nachfolgenden Generationen erworben hat. Wikipedia nennt zwar den Schwiegervater von Kaiphas beharrlich Hannas, aber das ist nur eine Machenschaft von IHNEN! Ich aber habe SIE! durchschaut.

Mein Multiplex-Boot hatte Atomantrieb, wie der funktionierte, war mir schon damals nicht recht klar. Irgendwann, bei einem sehr unerfreulichen Zwischenfall - den ich hier nicht schildern möchte, umso weniger als ich mich nicht mehr dran erinnere - sind mir einige Krümelchen Atom über Bord gegangen. Die Krümelchen haben sich vermehrt und die so entstandenen Atomkrümelkrümelchen desgleichen und so weiter, und so fort. Und so ist aus dem Ananastiefland [4] inzwischen ein riesiges Atommüllzwischenlager geworden. Wegen der Atomhitze brennen die Wälder ab, wegen der Atomstrahlen sterben Mensch und Tier und in wenigen Jahren wird es keinen Ananas-Regenwald mehr geben. Brasilien wird die Ausfuhr von Sauerstoff stoppen und wir werden alle ersticken. Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes (angebratene Kochsalamiwürfel mit Weißen Bohnen und Spiegeleiern) werden wir schon nicht mehr hören. Drum, Leute, Bayreuth, Bayreuth [5]!

Ich geh jetzt mal kacken, das Ankündigen der Apokalypse ist doch sehr verdauungsfördernd, deswegen heißt es auch bis auf den heutigen Tag "Scheißweltuntergang".



[1]   Irgendwer ist ja immer irgendwann irgendwo geboren. Ich zum Beispiel kam seinerzeit als Eingeborener von Trizonesien zur Welt, heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela- tschimmela-bumm!

[2]   Wußten Sie schon, daß Urologen zwar keine Ahnung von Tuten haben, umso mehr aber von Blasen?

[3]   Wie allgemein bekannt sein dürfte ist Kurt ein türkischer Vorname, der soviel bedeutet wie "Wolf". Mein bürgerlicher Vorname lautet Wolfram, mein im Krieg getöteter Onkel Kurt hieß mit Vornamen Kurt. Daraus läßt sich viel über die Welt und die Zusammenhänge in ihr ableiten.

[4]   Ich möchte keine Reklame für die Leuteschinder-Firma amazon machen und nenne den Fluß weiterhin Ananas.

[5]   Auf Hebräisch heißt das "Beirut, Beirut", auf Deutsch sagt man, glaub ich, "bereut, bereut".

13.5.22

Wie umgehe ich das Jugendverbot

Eine Handreichung für die reifere Jugend

Es ist noch nicht lange her, da geschah es, daß ich mir in der  ZDF-Mediathek einen Edgar-Wallace-Krimi aus den sechziger Jahren anschauen wollte, garantiert in Schwarzweiß und in Mono. Als ich den Film zum späteren Anschauen herunterladen wollte, erschien mir eine Tafel.

Der Casus machte mich lachen. Beim ZDF geht man anscheinend noch davon aus, daß 15jährige oder meinetwegen auch 7jährige um 10 Uhr bereits schlafen und sie deswegen vom Krimischauen ausgeschlossen sind. Denn der Fernseher steht im Wohnzimmer und wenn das Kind das Gerät einschaltet, hören das die Eltern, kommen gerannt und züchtigen das Kind. Zum Unter-der-Decke-schauen ist der Fernseher viel zu groß und zu schwer. Und Smartphones werden erst in 30 Jahren erfunden, bis dahin sind die Kinder längst volljährig.

Wie auch immer, ich kann mich nicht kostenlos anmelden & sofort schauen, denn mir ist die Alterskontrolle viel zu kompliziert. Macht aber nix, denn ich hab ja MediathekView auf meinem Rechner. Ich probier's und tatsächlich kann ich damit auch um 13:23 h den "Zinker" anschauen. Und wenn ich das kann, kann das eine Siebenjährige zweimal.

Das Jugendverbot und alle Reaktionäre sind Papiertiger!

Kiffen für die Freiheit

Der perfekt glatzköpfige Herr ohne Krawatte und mit dem starren, verspannten Gesicht [1] ist Andreas Deffner, seinerzeit einer von 5 (!) Pressesprechern von Bundesgesundheitsminister Gröhe im Kabinett Merkel III.

Vor Zeiten stellten sich fünf Mitglieder der Grünen Jugend vor das Gesundheitsministerium in Berlin-Mitte, rauchten demonstrativ einen Joint, jeder seinen eigenen, versteht sich und forderten die Freigabe von Cannabis. Nur durch Legalisierung seien Drogenprobleme überhaupt in den Griff zu bekommen. Deffner hält dagegen: Eine Legalisierung würde suggerieren, die Droge sei nicht gefährlich. Das wäre ein völlig falsches Signal und ein gesellschaftliches Experiment mit unklarem Ausgang.

Was für eine krause Argumentation! Ist Alkohol legal? Ist Alkohol gefährlich? Tabak ist legal und gefährlich, niemand macht sich Illusionen. Dasselbe gilt für Autos, für die Bundeswehr, für die ostasiatische Brenzelfanne [2]. Die Aussage "Cannabis ist weniger gefährlich als Alkohol" ist einerseits richtig, andererseits heißt "weniger gefährlich" nicht "ungefährlich". Und was das "gesellschaftliche Experiment mit unklarem Ausgang" angeht: Experimente macht man in der Wissenschaft genau deswegen: Der Ausgang ist unklar und das Experiment soll Klarheit bringen. Experimente mit klarem Ausgang sind die Lehrexperimente, die wir aus der Schule kennen, aber selbst die verlaufen manchmal anders als geplant.

Abgesehen davon wäre es ja keinesfalls eine völlig neue Erfahrung, die unsere Gesell­schaft mit legalem Cannabiskonsum machen würde. Ich möchte dran erinnern, daß es gerade mal etwas mehr als 90 Jahre her ist, seit in Deutschland und in vielen anderen Ländern des westlichen Kulturkreises Köst­lichkeiten wie Opium, Morphium, Kokain oder Cannabis verboten wurden. Vorher waren sie frei in jeder Apotheke oder sonst einem Ladengeschäft erhältlich, keiner machte ein Geschiß darum.

Sherlock Holmes setzte sich die 7-Prozent-Lösung Kokain, Thomas de Quincey veröffentlichte unbehelligt seine "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", Hegel schnupfte seinen mit Cannabis versetzten Tabak (High durch Schmai) und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel rauchte des abends gemütlich seine Pfeife Knaster, also einen mit Hanfsamen aufgepeppten Tabak.

Um 1905 rum brachte die Firma Bayer ein neuartiges Medikament gegen die Opiumsucht auf den Markt - Heroin. Schnaps gegen Biersucht. Kein Satiriker traut sich so was auszudenken. Außer Jaroslav Hašek: Von Hašek gibt's eine Geschichte ("Alkoholikeridylle"), in der ein Prager Apotheker Schnaps als Medikament gegen übermäßigen Bierkonsum anbietet, womit es eine besorgte Ehefrau schafft, aus einem sehr mäßigen Biertrinker einen haltlosen Schnapsalkoholiker zu machen.

Egal. Ende der zwanziger Jahre kam dann das Verbot all dieser Drogen, in den USA wurde sogar die gefährlichste aller Rauschdrogen, der Alkohol verboten. Heroin, ein Produkt der Firma Bayer gegen Morphiumsucht, wurde allerdings erst in den späten 30er Jahren verboten, Pervitin, heute bekannt als Crystal Meth, noch viel später. Die nunmehr verbotenen Drogen waren damit nicht verschwunden, sie wurden durch das Verbot nur wesentlich teurer und wesentlich gefährlicher, denn keine neutrale staatliche Zulassungsbehörde kontrollierte nun noch die Einhaltung von Standards bei der Herstellung. Ist seither das Drogenproblem geringer geworden?

Der austro-amerikanische Psychologe Paul Watzlawick hat zusammen mit Kollegen das Problemlösungskonzept des Mehr desselben formuliert.

Drogen sind gefährlich, klar, also besteht verantwortliches Handeln darin, Drogen zu verbieten. Ich ziehe Bilanz und stelle fest, daß das mit dem Verbot so recht nicht funktioniert, was daran liegt, daß ich nicht konsequent genug gegen den Drogenhandel vorgegangen bin. Ich verschärfe die Gesetze, ich ziehe Bilanz und stelle fest, daß es immer noch nicht funktioniert. Das geht eine Weile so und schließlich muß ich beobachten, daß die Gefährlichkeit der Drogen durch das Verbot gestiegen ist.

Als Heroin von der Firma Bayer auf den Markt gebracht worden ist, wurde es oral eingenommen und galt als probates Hustenmittel, auch und gerade für kleine Kinder. Es wurde - übrigens lange nach dem Verbot von Cannabis - schließlich verboten. Nun verschwindet eine Droge nicht einfach durch ein Verbot, solange es Bedarf danach gibt, wird sie weiter gehandelt, nun auf dem Schwarzmarkt. Die Preise steigen, drastisch. Was macht der Konsument in diesem Falle? Er wird versuchen, mit der gleichen Menge Stoff eine höhere Wirkung zu erzielen, klar. Er zerbröselt die Tabletten und schnieft das Heroin durch die Nase. Ein anderer kommt auf die Idee, den Wirkstoff aufzulösen und ihn sich direkt in die Vene zu injizieren, nochmalige Potenzierung der Wirkung. Ah, jetzt ist das Heroin wirklich gefährlich geworden, ein weiterer Grund, die Drogengesetze zu verschärfen.

Durch das Verbot hat keine Aufsichtsbehörde mehr die Möglichkeit, die Qualität des in den Handel gelangenden Stoffes zu kontrollieren, als Junkie kannst du nur noch beten, daß dich der eben erworbene Stoff nicht umbringt. Damit du dich als Junkie über die Runden bringst (das Zeug ist inzwischen schweineteuer geworden), mußt du einbrechen, rauben, Apotheken überfallen oder dich prostituieren - Beschaffungskriminalität. Du rutscht nahezu zwangsläufig in das gesundheitliche und soziale Elend. Die Droge selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle, viel gefährlicher als die Droge ist das Betäubungsmittelgesetz.

Du krepierst irgendwann, nicht so sehr an der Droge sondern an deren Verbot.

Logischerweise müssen die Drogengesetze verschärft werden, damit dergleichen nicht weiter passiert... Es ist 1 Jammer und es passiert tagtäglich unter den Augen wahnsinnig gescheiter Idioten.



[1]   Mich erinnert Deffner auf diesem Photo an den Udo Lattek seiner letzten Trainerjahre. Der hat seinerzeit auch zum Gottserbarm ausgeschaut, die Zähne zusammengepreßt, den inneren Schmerz niederzukämpfen. "Junge, kiff doch", dachte ich damals, "oder pfeif dir andere entspannende Drogen rein, das ist ja nicht mehr mit anzusehen.

[2]   "Ostasiatische Brenzelfanne" steht hier für "Alles Mögliche, das nicht ausdrücklich verboten ist."

Staatsanwalt

Was ich immer schon mal wissen wollte: Wenn ich einen Strafantrag gegen den Lindinger Sepp stelle, weil der mich "Staatsanwalt" genannt hat, brummt dann der echte Staatsanwalt mir eine Anklage wegen Beleidigung auf? Gibt's bei Juristen so was wie "Beleidigung über Bande" eigentlich?

Wenn ich mal im Lotto gewinne, probier ich's, glaub ich, einfach aus. Experimentelle Rechtswissenschaft.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...