Nu sachma, bekommste mit solchen Strümpfen nich auch Lust, in Polen einzumarschieren? Oder läuft nur meine Phantasie heiß?
22.3.21
21.3.21
Sallust und die Coronazeitung
Nicht, daß ich die "Kronenzeitung" täglich läse - es gibt Grenzen des Wahnsinns. Gelegentlich aber werde ich von jemandem drauf aufmerksam gemacht, was in der "Kronenzeitung" gestanden hätte und jedesmal - je-des-mal - greife ich in den schandbarsten Schlamm. Schlimmer als die BILD-Zeitung, und das heißt was.
In einem von einer ungenannt bleiben müssenden Userin verlinkten Artikel lese ich: "Denn genau jener junge Mann (für ihn gilt die Unschuldsvermutung), der mit Van der Bellen und dem grünen Landesrat Anschober vor den Kameras stand, wird nun ein Fall für den Verfassungsschutz. Auf seiner Facebook-Seite soll sich der Flüchtling mutmasslich als Fan der libanesischen Terrororganisation Hisbollah gezeigt haben. Auch dem Iran-Regime sei er nicht abgeneigt."
Heißt: Ich weiß gar nichts, schreib's aber mal hin. Der Österreicher Johann Nestroy hätte geschrieben: "Dös is klassisch"
Wenn du in der Schul Latein gehabt hast, dann kennst du wahrscheinlich den Sallust. Wenn nicht, suchst du dir einen Querbalken und hängst dich dran auf. Ich nehme zum Exempel die alte Klatschtante Gaius Sallustius Crispus, weil der Fall Catilina inzwischen doch jede Tagesaktualität verloren hat:
Sallust nämlich schrieb einst: "Meines Wissens glaubten manche Leute, daß die Jugend, die in Catilinas Haus verkehrte, sich in entehrender Weise schamlos benommen habe; das wußte zwar niemand zuverlässig, doch aus verschiedenen Gründen hielt sich dieses Gerücht."
Das ist Berichterstattung nach Art der Kronenzeitung: Er ist sich nicht sicher (1. Stufe des Gerüchts), ob manche Leute glauben (2. Stufe des Gerüchts), daß die Jugend ... sich ... schamlos benommen habe (3. Stufe des Gerüchts). Dann betont er noch mal, daß das alles wilde Gerüchte seien und zieht schließlich die Trumpfkarte: "Doch aus verschiedenen Gründen hielt sich dieses Gerücht." Ich weiß gar nichts, nicht mal ansatzweise, aber ich erzähl's euch halt mal.
Sallust gilt unter Altphilologen immer noch als lateinischer Klassiker und zitierenswerter Geschichtsschreiber.
Ich mein, daß Gaius Sallustius Crispus als Mensch eine Drecksau gewesen sein muß (und zwar so drecksäuig, daß man ihn der Jugend zweitausend Jahre später definitiv nicht mehr zumuten sollte), ist eine Sache. Daß er als Schriftsteller (eigentlich ja Chronist seiner Zeit) ein Totalausfall war, unerachtet dessen aber immer noch hoch geschätzt wird, ist ausgesprochen betrüblich. Anscheinend gilt tatsächlich das Gesetz: Je länger ein Schriftsteller bereits tot ist, desto nachsichtiger sind wir in seiner Beurteilung.
18.3.21
Vegane Schnitzel und andere Perversitäten
Beim real,- in Regensburg-Reinhausen haben sie im Kühlregal [1] ganz hinten, also ganz links und ganz unten zwei kleinere Fächer, in denen Produkte liegen, die in Bälde ihr Ablaufdatum erreicht haben werden. Gleich drüber werden vegetarische und vegane "Fleisch"-Produkte angeboten.
Immer mal wieder stehe ich vor den Fächern mit den Schnäppchen, immer mal wieder sehe ich fast zwangsläufig auch das Fake-Fleisch. Und jedes Mal wird mir dabei ganz melancholisch um's Herz, denn - klar - ein Vegetarier, der einen Veggie-Döner ißt, ist nur ein sogenannter Vegetarier. Wer ein vegetarisches Schnitzerl verspeist, trägt seine Lust auf Fleisch zur Schau. Ein Beispiel, um klarzumachen, was ich meine: Sähe ich einen trockenen Alkoholiker, der seinen Eistee aus dem Cognacschwenker schlürft, dann muß ich kein scharfsinniger Psychologe sein, um mir große Sorgen über die Dauerhaftigkeit seiner Abstinenz zu machen. In einer kleinen Stadt in den Abruzzen sah ich einst einen Mann, der während eines Gespräches einen Stift hielt, als wäre dieser eine Zigarette, der immer wieder einen Zug aus dieser fiktiven Zigarette machte und zwischendurch gedankenverloren die Asche vom Glimmstengel streifte. Der Mann hatte offensichtlich mit dem Rauchen aufgehört, allerdings erst vor kurzem und seine Abstinenz war alles andere als stabil. Seine Seele rauchte immer noch.
Der Umstand, daß fleischfreie Wurst hergestellt, verkauft und verzehrt wird gibt zu denken. Kannst du dir vorstellen, daß ein Fleischesser sich danach sehnt, sein Wienerl, optisch und geschmacklich als Karfiol gestaltet zu verzehren? Der Fleischesser mag entweder auch Blumenkohl, dann ißt er ihn, oder er mag ihn nicht, dann ißt er ein anderes Gemüse zur Wurst.
Wenn der Vegetarier vegetarisches Döner ißt, dann macht er damit dem Wolf in sich eine Freude. "Eigentlich würde ich jetzt am liebsten richtiges Döner essen", sagt er uns, "aber eine gottverschissene dreckige Möhrenmümmelideologie hindert mich daran."
Es liegt so viel Traurigkeit und menschliches Elend in einem Veggie-Burger. Alleine wenn ich mir vorstelle, wie viel künstliche Gewürze und Farbstoffe, wieviel Nahrungsmittelergänzungen man in einen Gemüsepapp geben muß, damit er optisch und geschmacklich so leidlich als Fleisch durchgeht,
In den sechziger Jahren gab es bei Tengelmann (ich denk jedenfalls, daß es Tengelmann war) Sojafleisch [2] zu kaufen. Ich bin in einem Metzgerhaushalt [3] aufgewachsen, Mein Vater war ein neugieriger Mensch und so gab es eines Tages Sojafleisch. Jeder hat gekostet und wir haben viel gelacht. "Schmeckt scheiße, das Zeug" war das einhellige Urteil. Wobei... so schlecht war das Zeug eigentlich gar nicht. Wäre es als Sojakügelchen oder wie oder was angeboten worden, man hätte sich damit anfreunden können. So aber mußte das arme Ding sich als etwas ausgeben, das es nicht war. Sojafleisch, ein Fleischersatz. (Fast) jeder Ersatz fällt gegenüber dem Original deutlich ab, außer vielleicht das Wichsen. Bei uns in Niederbayern hat man seinerzeit auf dem Bau gesagt: "Ficken kann gar nicht so schön sein, wie du's dir beim Wichsen vorstellst." [4]
Denk da mal darüber nach.
P. S.: Hast du dir je klargemacht, daß Wodka und Wixi streng vegan sind, Stillen aber nicht? Prost!
Damits ihr allesamt nicht dumm sterbts, noch ein kleines Kapitelchen Kunstgeschichte. Der Österreicher Giuseppe Arcimboldo [5] hat anno seinerzeit ein Topferl Gemüse, das ihm seine Frau auf dem Markt von Prag oder wo gekauft hatte, gemalt.
Viele Jahrhunderte später erst hat ein Forscher-Team der Università Federico II. in Napoli herausgefunden, daß es sich in Wirklichkeit um das Porträt eines Vegetariers handelte.
[1] regalo da culo sagt man auf Italienisch.
[2] Kein Mensch wußte damals, was Soja ist, sowenig wie Jute. Als Zehnjähriger mußte ich beim Erlernen des Zehnfingermaschinenschreibens Geschäftsbriefe abtippen, in welchen einem Kunden Jutesäcke angeboten wurden. "Aha", sagte ich mir. Vorstellen, so richtig vorstellen konnte ich mir unter "Jute" aber nix.
[3] Meine Mutter hat sich stets (und vergeblich) bemüht, mir Gemüse und Salat schmackhaft zu machen. "Iß, Junge, das ist sooo gesund."
[4] Niederbayern sind grobschlächtig, Bauarbeiter auch... Nur damit du einen Begriff bekommst von der Grobheit niederbayerischer Bauarbeiter.
[5] Arcimboldo wurde 1526, vielleicht auch erst 1527 in Mailand geboren. 1525 war Mailand habsburgisch geworden und blieb dies jahrhundertelang, bis 1866 ein gewisser Giuseppe Garibaldi erst den Schnellkochtopf und wenig später Italien erfunden hat.
16.3.21
Gewichtstsunami beim Dayton
Das aus dem amerikanischen Englisch (dayton) entlehnte Wort "daten" bedeutete zunächst nix anderes als "sich mit Irgendwem irgendwo zu irgendwas verabreden". Ich mein, anständige Leute haben natürlich nicht gesagt "Ich date den Erwin beim Unterwirt zum Schach", sondern sie drückten sich vornehmer aus: "I treff mi mim Erwin und den anderen Saufköpfen beim Unterwirt zum Schafkopfen."
Wörter verändern ihre Bedeutung durch Gebrauch. Inzwischen - seit längerem schon, wenn ich's genau bedenke - bedeutet "daten" soviel wie "ficken".
Und dann - so lange kann's noch nicht her sein - seh ich auf "Fisch und Fleisch" diese Anzeige:
"Nanu!", denke ich mir, "wie könnte jemand durch Pudern zunehmen?" Eigentlich, sagt mir der "Gesunde Menschenverstand®, sollte es doch umgekehrt sein. Pudern ist eine sportliche Veranstaltung, du verbrauchst dadurch Kalorien, deutlich mehr jedenfalls als du durch die Zigarette danach wieder drauflegst. Ein guter Hahn, sagt man, wird nicht fett. Wie also könnte jemand durch Daten zunehmen?
Ich erkläre es mir so: Auf dem Photo ist ein Männchen beim Balzfüttern eines Weibchens zu sehen. Balzfüttern ist ein durchaus verbreitetes Verhalten im Tierreich, Affen etwa, die einem Weibchen Früchte oder Fleisch abgäben, kommen deutlich öfter zum Schuß als Männchen, dies nicht tun. Balzfüttern ist die noch nicht so organisierte Vorstufe zur Prostitution. Karl Marx nannte eine Eheschließung, die in erster Linie der Versorgung der Frau diene, die "Bürgerliche Prostitution". Da hatte er mal wieder recht.
Wenn du heutigentags eine Frau anbaggerst, mußt du sie zum Essen einladen, sonst geht schon mal gar nichts. Sie frißt sich an, du frißt dich an und zum - kalorienreichen [1] - Saufen sollte auch ausreichend vorhanden sein. Klar wirst du fett und sie wird fett und die Leber ächzt. Ob's nicht sinn- und stilvoller wäre, eine Frau gradheraus zu fragen, ob sie Lust zum Knattern hätte? Gesünder wär's auf jeden Fall. Aber, wie gesagt, balzfütternde Männchen kommen deutlich öfter zum Schuß, nicht nur bei Affen.
Säufts.
P. S.:Der Franze hat gsagt, wenn er mit einer Schnepfen zweimal groß ausgehen muß, eh er sie flachlegen kann, dann, sagt er, käm ihn der Puff billiger.15.3.21
Sicherheitskräfte
Bei Demonstrationen in Myanmar hätten - so lese ich es in der Süddeutschen Zeitung und anderen Medien - burmesische Sicherheitskräfte ca. 60 Menschen alleine in der alten Hauptstadt Rangun getötet. Die Zahl der Todesopfer im ganzen Land dürfte demnach erheblich höher sein.
Sicherheitskräfte...
Wie sich die burmesischen Unsicherheitskräfte aufführen, will ich gar nicht erst wissen.
8.3.21
Fremdenhaß
Meine Familie kommt aus dem Sudetenland, von ganz weit hinten, zwei Kilometer von der Grenze zu Schlesien entfernt. Der ganze Stamm bestand mütterlicher- wie väterlicherseits aus so was von Erzösterreichern, das glaubst du nicht. Da hatten sogar die Frauen einen Original-Kaiser-Franz-Joseph-Bart.
Mein Vater - im selben Jahr geboren da die "Titanic" unterging - hat erzählt, man habe sich zuzeiten zum Grenzfluß Oppa begeben und dort die Preisn (mein Vater sagte tatsächlich "Preisn", ein ganz weiches "s", während er andererseits von den "tummen Pauern" sprach) über den Fluß hinweg mit Steinen beworfen. Wozu braucht man Polen oder Tschechen, wenn man genau so gut auch die Schlesier hassen kann?
Das war jetzt mein Haßkommentar für dieses Jahr. Wer mehr Haß will, der muß bis 2022 warten. Oder er segelt mit der "Xarifa" auf die Malediven.
Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld
I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...
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