10.9.19

Der Ratz und der (Aber-)Glaube

Es gibt Leute, die den Beginn des Menschseins an dem Punkt ansetzen, wo der Mensch begonnen hat, über die sinnlich wahrnehmbare Realität hinauszudenken und magische Zusammenhänge in die Welt hineinzudenken.
Im Großen und Ganzen ist das wahrscheinlich gar kein schlechter Ansatz dachte ich jahrzehntelang, bis ich von dem austro-amerikanischen Psychologen Paul Watzlawick [Villach (Kärnten)/Palo Alto (Kalifornien)] in die Psychologie des Ratzens (rattus) eingeführt wurde.
Aberglauben gilt allgemein als eine typisch menschliche Schwäche oder als magischer Versuch, Einfluß über die kapriziöse Unberechenbarkeit der Welt und des Lebens zu gewinnen. Merkwürdigerweise aber kann Aberglauben auch in einem so unphilosophischen Lebewesen wie der Laborratte (...) experimentell herbeigeführt werden. Die Versuchsanordnung ist sehr einfach. Die Ratte wird von ihrem Käfig in einen etwa drei Meter langen und einen halben Meter breiten Raum gelassen, an dessen anderem Ende ein Futternapf steht. Zehn Sekunden nach Öffnen des Käfigs fällt Futter in den Napf, vorausgesetzt, daß die Ratte erst zehn Sekunden  nach Öffnen des Käfigs zum Napf kommt. Kommt sie in weniger als zehn Sekunden dort an, so bleibt der Napf leer. Nach einigem blinden Ausprobieren (dem sogenannten Versuchs- und Irrtumsverfahren) erfaßt die für praktische Sinnzusammenhänge sehr aufgeschlossene Ratte die offensichtliche Beziehung zwischen dem Erscheinen (beziehungsweise Nichterscheinen) von Futter und dem damit verbundenen Zeitelement. Und da sie normalerweise nur etwa zwei Sekunden für das Zurücklegen der Entfernung zwischen ihrer Käfigtür und dem Futternapf brauchen würde, muß sie die restlichen acht Sekunden in einer Weise vergehen lassen, die ihrem natürlichen Impuls, direkt zum Futter zu laufen, widerspricht. Unter diesen Umständen gewinnen diese Sekunden für sie eine pseudokausale Bedeutung. Und was pseudokausal in diesem Zusammenhang bedeutet, ist, daß jedes - auch das zufälligste  - Verhalten der Ratte in diesen Extrasekunden selbstbestätigend und selbstbestärkend und damit zu jener Handlung werden kann, von der sie »annimmt«, sie sei notwendig, um dafür durch das Auftauchen von Futter von weiß Gott woher belohnt zu werden  – und dies ist das Wesen dessen, was wir im menschlichen Bereich einen Aberglauben nennen.
Es versteht sich von selbst, daß dieses Zufallsverhalten für jedes Tier verschiedene und höchst kapriziöse Formen annehmen kann; zum Beispiel eine Art Echternacher Sprungprozession auf den Napf zu oder eine bestimmte Zahl von Pirouetten nach rechts oder links oder irgendwelche andere Bewegungen, die die Ratte zuerst eben rein zufällig ausführte, nun aber sorgfältig wiederholt, da für sie ihr Erfolg mit dem Futter ausschließlich davon abhängt. Denn jedesmal, wenn sie beim Ankommen am Napf Fressen vorfindet, bestärkt dies die »Annahme«, es sei durch ihr »richtiges« Verhalten erzeugt  worden. Es ließe sich natürlich einwenden, daß mit dieser Erklärung der Ratte eine Art menschlicher Weltanschauung zugeschrieben wird und daß dies reine Phantasie ist. Es läßt sich aber die frappierende Ähnlichkeit mit gewissen menschlichen Zwangshandlungen nicht übersehen, die auf dem Aberglauben beruhen, sie seien zur Beschwichtigung oder Günstigstimmung einer höheren Macht notwendig.
(Paul Watzlawick: "Wie wirklich ist die Wirklichkeit")

Der Begriff "Aberglaube"

Eine Anmerkung sei gestattet: Paul Watzlawick verwendet hier das Wort "Aberglaube" als Erklärung für das magische Verhalten der Laborratte. Damit bleibt er in einem Wortgebrauch, den auch ich oft pflege. Allerdings ist mir bei meinen gelegentlichen Anfällen philosophischen Denkens der Begriff "Aberglaube" etwas suspekt, ich mag ihn nicht sonderlich. Was nämlich, so frage ich mich, ist der Unterschied zwischen Aberglaube und Glaube, wo habe ich die Grenze zu ziehen?
Sowohl Glaube als auch Aberglaube halten Sachverhalte für existierend, die in der sinnlich wahrnehmbaren Welt nicht auffindbar sind, beide pflegen Praktiken, welche die Existenz einer metaphysischen Welt voraussetzen. Auffallend ist dabei, daß abergläubisch stets die anderen sind, während ich selber mich als gläubig bezeichne. Die Trennung zwischen Glaube und Aberglaube ist anscheinend künstlich, Aberglaube ist ein Kampfbegriff in der Diskussion.
"Die Furcht vor denjenigen unsichtbaren Mächten, welche der Staat anerkennt, ist Religion, die Furcht vor solchen, welche er nicht anerkennt, Aberglaube", heißt es in einem "Philosophischen Wörterbuch". ([1])


[1]   Ich finde die Quelle nicht mehr, das heißt genauer gesagt, der Mensch, der mir den Satz zitiert hat, hat damals nicht angegeben, welches Wörterbuch er meint. Womöglich hat er sich den Satz selbst ausgedacht, wodurch dieser natürlich nicht weniger wahr wird.

Einmal Mond und zurück

Dieses Jahr haben wir das 50jährige Jubiläum der ersten Fahrt zum Mond und wieder zurück gefeiert. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit" - eh schon wissen.
Viele Jahre später erst ist ein genialer Mensch auf die Idee gekommen, Räder unter einen Koffer zu schrauben, um sich und seinen Mitmenschen die Mühe des Kofferschleppens zu ersparen. Wenn diese Reihenfolge der Ereignisse nicht bemerkenswert ist, was ist dann bemerkenswert?
Wann wird ein weiteres Genie auf die Idee kommen, an die vier Räder eines Trolley-Koffers eine Bremse zu montieren, damit der Koffer nicht in jeder Kurve der Bahnstrecke, bei jeder Beschleunigung oder Bremsung durch's Abteil zu tanzen beginnt?

Die Mondfahrt wird heute von ziemlich vielen Menschen in Zweifel gezogen. Wie, man wagt es kaum zu denken, wäre es, wenn sich herausstellte, daß es die Trolley-Koffer gar nicht gibt?

7.9.19

Menschliche Grausamkeit - Milgram und Zimbardo

In einer Internet-Diskussion [1] hatte einst einer geschrieben: "Soziale Experimente, bei denen die Beteiligten nicht richtig eingeweiht werden, rufen bei mir Unbehagen hervor."
Hmnja, aber...
Soziale Experimente in der Psychologie funktionieren nur, weil die Versuchspersonen nicht richtig eingeweiht sind. Wüßten sie nämlich um den eigentlichen Zweck des Experiments, würden sich sehr viele Versuchspersonen nicht mehr spontan verhalten, das Ergebnis wäre verfälscht, weil die Versuchspersonen wüßten, welche Reaktion man von ihnen erwartet.
Ein harmloses Beispiel: Versuchspersonen sollen sich drauf konzentrieren, eine Situation zu beobachten und Ereignisse zu zählen.
Den kickboxenden Gorilla, der auf höchst auffällige Weise durch's Bild läuft, sehen die meisten Versuchspersonen nicht. Hätte man ihnen auch nur angedeutet, es könnte während der Zählaufgabe irgend etwas Merkwürdiges passieren, dann hätten sie den Gorilla natürlich gesehen, auf Kosten der Korrektheit der vordergründig wichtigen Aufgabe [2].
 
Der genannte Internet-Diskutant fährt fort: Ich erinnere an das berühmte Milgram-Experiment, bei dem die Studenten ihren Schülern durch vermeintliche Stromschläge Schmerzen zufügen sollten. Tenor: Die Menschen gehorchen nicht ihrem Gewissen sondern einer Autorität. Über 50 Jahre hatte niemand an den Ergebnissen gezweifelt. Dieses Wissen galt als gesichert.
Nun sind Zweifel aufgetreten als ein australisch-britisches Forscherteam die Originalunterlagen sichtete. Die Studenten handelten nicht als Befehlsempfänger. Sie waren der Auffassung, sie agierten für eine gute Sache für die Wissenschaft. Denn Milgrim hatte das ihnen zuvor eingeimpft.

Es ist unglaublich, es ist absolut unglaublich, mit welchem Scheisendreck man in die Zeitung kommt. Ein australisch-britisches Forscherteam hat also die Originalunterlagen gesichtet und dabei aufgedeckt...
Hl. Muttergottes von Tschenstochau! Milgram hat sein Experiment 1963 gemacht (oder veröffentlicht, ich weiß nicht mehr). 1970 hat Hans Lechleitner (zusammen mit dem amerikanischen Psychologen David Marc Mantell und dem deutschen Psychiater Paul Matussek den Dokumentarfilm "Abraham - Ein Versuch" produziert, der Film lief im Fernsehen, er wurde in Schulen und Universitäten gezeigt. Sowohl in dem Film als auch in der Veröffentlichung von Milgram wurde arschklar deutlich gemacht, daß man den Versuchspersonen erzählt hatte, sie nähmen an einem wichtigen wissenschaftlichen Experiment teil. Milgram hatte ihnen das nicht "eingeimpft", er hat es ihnen schlicht gesagt. Wenn Versuchspersonen abbrechen wollten, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben, dann hat der Versuchsleiter sie nicht angebrüllt und mit Konsequenzen gedroht (welche auch, es bestand ja keinerlei Abhängigkeitsverhältnis zwischen Versuchsperson und Versuchsleiter), er hat lediglich mit sanfter Stimme gesagt "Machen Sie bitte weiter".
2010 hat ein französischer Dokumentarfilmer namens Christophe Nick Milgrams Experiment wiederholt, diesmal nicht in einem Forschungslabor sondern in einem Fernsehstudio. Kein Dienst an der Wissenschaft mehr, sondern vielmehr eine (fiktive) Unterhaltungsshow.
Keine wissenschaftliche Autorität gab Anweisungen, es war einfach nur Spaß. Das heißt, genau genommen wollten die Versuchspersonen das Casting für eine angeblich neue Fernsehshow bestehen. Sie haben ihre Mit"spieler" zu Tode gequält, weil sie in die Show wollten.
Bei Milgram gingen 61 Prozent der Probanden soweit, Schläge bis zur wahrscheinlich tödlichen Höchststufe von 450 Volt zu erteilen, in der französischen Fernsehshow haben bereits 81 Prozent der Versuchspersonen die "Höchststrafe" vollstreckt. Wenn das nicht lustig ist, was dann?

Aber klar, ich hab natürlich noch etwas viel lustigeres auf der Pfanne.
1971 hatte der Psychologie-Professor Philip Zimbardo von der Stanford-Universität sich etwas unglaublich Lustiges ausgedacht. Professor Zimbardo lobte 15 $ pro Versuchsperson und Tag aus und wählte 21 "ganz normale junge Leute aus dem Mittelstand", die sich auf Zeitungsannoncen hin gemeldet hatten. Elf sollten den Part der Wärter, zehn den der Häftlinge übernehmen. Ganz überraschend wurden dann die zehn von der - echten - Polizei Palo Altos wegen "Verdachts auf Raubüberfall" in ihren Wohnungen verhaftet, mit Handschellen gefesselt, durchsucht und schließlich mit verbundenen Augen in ihre Gefängniszellen gesteckt. In Wirklichkeit waren die mit vergitterten Fenstern, Pritschen und Kotkübeln hergerichteten Zellen Kellerräume im Universitätsgebäude.
Die uniformierten Wärter, die reflektierende Sonnenbrillen trugen, um als kalt und unpersönlich zu erscheinen, gaben sich wirklichkeitsnah hart: Die Zelleninsassen mußten sich nackt ausziehen, wurden mit Entlausungspuder bestäubt, bekamen numerierte Häftlingskleidung und hatten Sprechverbot bei den Mahlzeiten, während der Ruhestunden und nach zehn Uhr abends. Jede Nacht um 2.30 Uhr - so sahen es Zimbardos Spielregeln vor - sollten sie zum Appell geweckt werden.
(...)
Schon am zweiten Tag begannen die Zwischenfälle. Einige der Inhaftierten verbarrikadierten sich in ihren Zellen, andere weigerten sich zu essen. Um weiterer Rebellion zuvorzukommen, beschlossen die Wärter von sich aus, die Häftlinge gegeneinander auszuspielen. Die Insassen einer Zelle bekamen zusätzliche Essens- und Wasserrationen, während es in der Nachbarzelle überhaupt nichts zu essen gab.
(...)
Ihre frisch gewonnene Macht nutzten die Wärter weidlich aus; Sie beschimpften die Häftlinge, schlugen sie und hielten sie nach dem Nachtappell stundenlang wach. Schließlich versteigen sich die Aufseher zu brutalem Sadismus: Die Insassen mußten ihre Kotkübel mit der Hand leeren und säubern.
Als einige der Versuchs-Häftlinge mit hysterischen Weinkrämpfen zusammenbrachen und um Schonung baten, die Wärter ihrerseits aber immer mehr Spaß an sadistischen Quälereien bekamen, brach der Professor seinen Versuch ab.
stern, 12. 11. 1971
Das ist das Milgram-Experiment in Hardcore. Beim Milgram-Experiment bekamen die Versuchspersonen die Anweisung, grausam zu sein und die meisten gehorchten. Bei Zimbardo ist davon nicht die Rede. Sein "Trick" ist, nichts zu machen, gar nichts. Die "Wärter" leisten sich Übergriffe gegenüber den "Gefangenen" und der Versuchsleiter greift nicht ein. Die Übergriffe werden grausamer, der Versuchsleiter läßt die "Wärter" gewähren. Das heißt, im Gegensatz zum Milgram-Experiment sind hier die Versuchspersonen aus sich heraus grausam, niemand befiehlt es ihnen, niemand verführt sie auch nur dazu. Die einzige Verführung besteht darin, daß die Grausamkeiten nicht sanktioniert werden.
Das System Auschwitz.
Das ganz besonders Bemerkenswerte besteht darin, daß sämtliche beteiligten Personen wußten, daß es sich hier um ein Spiel handelte. Den "Wärtern" war klar, daß die "Gefangenen" nicht echte Verbrecher waren, die wegen weiß Gott welcher Scheußlichkeiten verurteilt worden waren, sondern ganz normale Leute von der Straße.

Die Frage ist: Warum quälen die "Wärter" die unschuldigen "Gefangenen"?
Die Antwort ist: Weil sie es können.


[1]   Ich merke gerade, ich schreibe immer dasselbe.
[2]   So hatte ich gedacht, inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher. Für diesen Blogbeitrag habe ich mir das verlinkte Video zum x-ten Male angeschaut. Ich wußte, was mich erwartet und ich habe den Gorilla trotzdem nicht gesehen.

Von der Bestie unterscheidet uns Menschen die Grausamkeit

Ein ehemaliger User von "Fisch und Fleisch" hat mal geschrieben: "Mörder sind Mörder, und sind keine Freunde von normalen Menschen."

Wenn du anfängst, darüber nachzudenken, was denn ein normaler Mensch sei, dann gerätst du nach zwei Denkumdrehungen bereits an einen Punkt, wo du schreckensbleich zum Scheißhaus wankst, dich dort zu übergeben.
Was uns Menschen von der Bestie unterscheidet, - nehmen wir nur mal beispielshalber den Wolf und seine Sippschaft -
das ist der Mord, die Folter, die Mißhandlung. Psychologen und Verhaltensforscher nennen das die "innerartliche Aggression". Kein Hund, kein Wolf, keine Katze, kein Löwe wird einen Artgenossen töten, ihn einsperren, ihn systematisch foltern. Es gibt eine ganze Menge an interner Aggression bei den in Gruppen lebenden Säugetieren, nehmen wir nur mal die zyklisch sich wiederholenden Rangkämpfe innerhalb eines Rudels. Diese Rangkämpfe enden allerdings selten und dann eher zufällig mit dem Tod des unterlegenen Tieres.
Beim Menschen ist das anders, der Mensch ist ein Viech, eine Redensart, die angesichts der obig angerissenen Überlegungen natürlich ein Schmarrn ist. Die conditio humana ist die absolut zügellose Grausamkeit gegenüber den Artgenossen.
Mörder sind die allernormalsten Menschen wo gibt.

...und Terroristen sind solche, die anderen das Menschschein absprechen, weil sie nur aus Rache und Wohllust morden ....

Wollust, aha. Im "Guardian" vom 21.04..86 schrieb ein gewisser Robin Wilson am in einem Leserbrief: "Heute wollte mein noch nicht siebenjähriger Sohn den Unterschied zwischen einem Soldaten und einem Terroristen wissen. Ich weiß nicht recht, was ich ihm sagen soll. Ich nehme an, ein Terrorist kämpft für etwas, an das er glaubt, während ein Soldat für etwas kämpft, an das jemand anderer glaubt."
Zwei Tage später antwortete ihm ein anderer Leser: "Ein Terrorist ist jemand, der eine Bombe besitzt, aber keine Luftwaffe."
Das genau ist der Punkt. Hierzulande nennt man das Phänomen "Terrorismus" und suggeriert damit, es seien Terroristen irgendwelche merkwürdigen Leute, die aus unerfindlichen Gründen (sie sind halt böse, aus sich heraus) Vergnügen daran finden, andere Leute und vielleicht auch sich selbst zu töten.
Terroristen sind keine Verbrecher, wie etwa Haarmann mit dem Hackebeilchen, Terroristen sind vielmehr Kämpfer in einem Krieg. Der Terrorismus ist der Krieg des kleinen Mannes (zunehmend auch der kleinen Frau). Wer nicht das Geld und die Infrastruktur hat, Flugzeuge oder Raketen loszuschicken, um eine Stadt zu bombardieren, der ist gezwungen, die Bombe von Hand in die Stadt zu tragen und sie dort zu zünden.
Machen wir uns nichts vor, der Dritte Weltkrieg ist längst im Gange.

Homo homini lupus - Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf sagt man gerne. Ach, wenn's doch nur so wäre! Wölfe sind ausgesprochen harmlos im Vergleich mit Menschen. Kein Wolf kommt auf die Idee, einen Artgenossen einzusperren oder zu quälen. Sogar das Töten von Artgenossen ist unter Wölfen ausgesprochen selten, während das Töten von Artgenossen beim Menschen DIE conditio humana ist.
LUPITÄT STATT HUMANITÄT!

5.9.19

Sprachliche Mißverständnisse

Naturzuhälter
Ein anerkannter Lehrberuf, der jedoch irreführenderweise immer wieder als Fremdenverkehrsfachwirt bezeichnet wird.
SchonGAU
Stadt im bayerischen Oberland, unweit von München und nicht der Fachausdruck für einen gerade noch glimpflich verlaufenen atomaren Unfall.
Raummordungsverfahren
Wenn Sie jetzt "Raumordnungsverfahren" gelesen haben, haben Sie sich geirrt. Andererseits haben Sie natürlich durchaus recht, in einem Höheren Sinne.
Einlaufstelle
In Gerichten und anderen Behörden ist es sinnvoll eingerichtet, daß sich direkt neben der Einlaufstelle die Geschäftsstelle befindet.
Freilassing
Stadt im südlichen Oberbayern, nicht das deutsch/englische Wort für Amnestie. Obwohl... "Freilassing - Seit Ende Juli 2009 ist die sogenannte Amnestieregelung nach dem Waffengesetz in Kraft."
Obertraubling
Ein Ort in der Nähe von Regensburg und nicht die Bezeichnung für den Reichs-Winzerführer im Dritten Reich.
Plattling
Stadt in Niederbayern, nicht die Bezeichnung für einen garantiert arischen Disc-Jockey.

Unglaublich

Viele glaubhafte Tatsachen sind falsch. Davon leben Betrüger. Viele unglaubliche Dinge sind richtig. Das macht die Wissenschaft so interessant.

3.9.19

Discotheken

Ich bin mal als Student mit einer Frau, an der mir was lag, weggewesen und über die Häuser gezogen. Irgendwann meinte sie, man sollte unbedingt noch in die Discothek "Dingsbumslamdei" gehen. Ich bin dumpfbeutelig hinter ihr hermarschiert (mir lag, wie gesagt, an ihr) und wurde dort erstmals in meinem jungen Leben (ich ging auf die dreißig zu) mit einer Gesichts- und Outfitkontrolle konfrontiert. Erstaunlicherweise kam ich durch, obwohl ich noch nie (und dies bis heute nicht) angesagte Bekleidung oder gar eine trendige (heute sagt man wohl stylishe) Frisur getragen habe. Damals habe ich den Hl. Schwur getan, nie wieder ein Etablissement zu betreten, an dessen Pforte ein Türheiliger Auschwitz-Rampe spielt und nur die Guten ins Himmelreich läßt.
Was ich noch sagen wollte, liebe Kinder: Damals hießen Clubs noch Discotheken, womöglich noch nicht mal das. Und als euer Opa ganz jung war, gab es in Schulen einen Raum, auf dessen Tür stand "Diskothek". Dort wurden die für den Unterricht benötigten Schallplatten aufbewahrt. Das Wort "Schallplatte" müßt ihr jetzt selber ergoogeln. Und: Wem aufgefallen ist, daß beim dritten Mal das Wort "Discothek" mit "k" geschrieben wurde, bekommt von mir ein wirrtülles Bussi.
Als mir dann zu Ohren kam, es würden nicht wenige Discotheken (heute gerne Clubs genannt) gottgefällige Frauen auch ohne Eintrittsgeld hineinlassen, habe ich mehrere Frauen, allesamt Feministen, daß es nur so rauschte, gefragt, ob sie wüßten, warum man ihnen freien Eintritt gewähre, worauf sie mich wütend anblitzten.
Frauen halt.
Und die Kerls? Die Kerls gehen natürlich nicht zum Tanzen in die Disco, sondern um Weiber aufzureißen. Ersatzweise dröhnen sie sich mit erlesenen Substanzen die Birne weg. Wenn in einer Discothek Männerüberhang ist, läßt man die Weibers umsonst rein, denn sie sind das Frischfleisch, mit dem man Männer anlockt.
Der Franze sagt "Fickfleisch", aber der Franze ist auch ein selten grober Hund.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...