12.4.23

Karamel

Karamelisier ihn mir, den Apfel. Das ist natürlich ein saudummer Satz, der sich auf Deutsch auch noch saublöd anhört. Wie anders dagegen klingt er auf italienisch:

Caramella me la, la mela.

Herrn Hitlers Nachtmahr

Daß Herr Hitler die Zeit bis zum Ende der Ewigkeit in der Hölle absitzen muß dürfte niemanden verwundern. In der Hölle zeigt man Adolf Hitler in Endlosschleife Videos von Skinheads und anderen skurrilen AfD-Anhängern, denn in der Hölle ist man nicht zimperlich. Hitler leidet seitdem neben erhöhter Temperatur auch unter Dauerschluchzen. "Das sind meine Nachfolger? Das habe ich nicht gewollt", schluchzt er immer wieder.

10.4.23

Gegenderte Christstollen

Die Frage ist natürlich, ob mit diesem Spruch das Gendern in bislang unbekannte Höhen des wayne sins vorgestoßen ist oder ob sich der Werbefuzzy einen kleinen Scherz zu Lasten der Freunde der geschlechtergerächten Sprache erlaubt hat.

Die Deutsche Bahn hat das Problem der Verspätungen gelöst

Als berufstätiger Rentner habe ich öfter mal in München zu tun. Seit die linksgrün versiffte Ampelkoalition Inlandsflüge verboten hat, bin ich gezwungen, mit der Bahn [1] nach München zu fahren. Ich mein, ich könnte natürlich auch mit dem Schraublhuber bis nach Kufstein fliegen und von dort aus...

Wie auch immer, ich fahre also mit der Bahn. Die Bahn ist seit geraumer Zeit berühmt-berüchtigt für ihre Verspätungen und Zugausfälle.

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr,

Kommt irgendwo ein Lichtlein her.

Seit ein paar Wochen schaut der Hauptbahnhof Regensburg so aus:

Erst hab ich nur blöd gekichert, dann kam mit mehrwöchiger Verzögerung die Erkenntnis: Die DB hat - zumindest für ihren Bereich - die Zeit abgeschafft. Das ist zwar Hardcore-Einstein, hat aber immerhin den Vorteil, daß es hinkünftig keine Verspätungen bei der Deutschen Bahn mehr geben wird.



[1]   Das Auto kommt wegen meines ökologischen Gewissens natürlich nicht in Frage und zum Radfahren bin ich zu alt und zu faul.

Der große Mond

Vor ein paar Tagen schrieb mir meine Schwester, heute - also damals - solle der Mond besonders groß sein, da er sehr nahe an der Erde sei, Mondaufgang solle um 20:20 Uhr sein. Das ist natürlich ein eher seltenes Naturschauspiel, dergleichen lasse ich mir nicht entgehen. Als notorischer Bedenkenträger gab ich allerdings zu bedenken "Hoffentlich fallt er nicht runter! Auf der Autobahn passieren auch die grauslichsten Unfälle, wenn der eine zu dicht auf den anderen auffahrt."

Um halber Ölfe kam dann die schwesterliche Meldung, so groß sei der Mond gar nicht gewesen, kein Vergleich mit dem Vollmond von vor 20 Jahren; klar, früher war alles besser, auch der Vollmond war damals noch viel größer als wie heute.

Was für ein Glück, daß ich vergessen habe, hinzuschauen. Wenn nix los is, dann is halt nix los. Aber wenn man sich auch nix erwartet hat, ist alles natürlich noch viel, viel schöner. Das, Leute, ist Buddhismus oder sonst 1 Schmarrn.

Der Abbruch und ihm sein Verband

7.4.23

Je Textverarbeitung desto Wissenschaft

Von Karl Marx stammt der berühmte Satz "Das Sein bestimmt das Bewußtsein". Gemeint ist damit, daß Ideen nicht einfach so entstehen, neue Ideen nicht einfach so aus alten Ideen entstehen. Ideen lassen sich vielmehr aus den materiellen Gegebenheiten ableiten, in denen Menschen leben. Menschen schnitzen sich jeweils die Ideologie, die zu ihren jeweiligen materiellen Lebensbedingungen paßt.

Das gilt für die großen Ideen und für die kleinen.

Wie sehr das menschliche Denken und Handeln von ganz elementaren Bedürfnissen und Zwängen gesteuert wird, dafür gibt die Geschichte der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU)ein eindrucksvolles Beispiel.

In den Siebzigern und bis in die Achtziger Jahre hinein war die Medizinisch-Psychologische Untersuchung zum Thema Alkohol ein Papiertiger. Eine Positivquote von 80 bis 90 Prozent ließ die MPU in den Köpfen der Menschen fast zu einer bloßen Formalität werden. Wenn der Alkoholmißbrauch bislang noch keine schwerwiegenden medizinischen Schäden hinterlassen hatte, wenn der Kandidat sich einigermaßen reuig und änderungsbereit gab, war der MPU-Gutachter optimistisch und schrieb ein positives Gutachten.

Diese Zeiten sind vorbei. Seit Mitte der Achtziger Jahre ist die Positivquote sehr schnell gesunken und liegt heute bei ca. 20 bis allenfalls 30 Prozent.

Womit ist diese dramatische Veränderung zu erklären? Haben Medizin, Biochemie oder klinische Psychologie auf dem Gebiet der Alkoholforschung im Laufe von zehn, fünfzehn Jahren so gewaltige Fortschritte gemacht, daß dadurch dieser enorme Wandel in den Beurteilungskriterien plausibel würde?

Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, was auch nicht weiter verwunderlich ist. Schließlich ist Alkohol in unserem Kulturkreis die verbreitetste Rauschdroge, Alkoholiker die besterforschten Betäubungsmittelkonsumenten. Man kennt die biochemischen, medizinischen und psychologischen Auswirkungen des Alkohols schon zu lange, als daß wirklich große Überraschungen noch zu erwarten wären.

Auch vor zwanzig Jahren schon wußte der Allgemeine und Klinische Psychologe sehr gut um die Effekte der Alkoholgewöhnung, um die Hartnäckigkeit von Gewohnheitsbildung und schließlich Sucht Bescheid. Nur der Verkehrspsychologe tat, als hätte er nie davon gehört und verbreitete in seinen Gutachten einen haarsträubenden Optimismus.

Die Erklärung für diese äußerst merkwürdige Gutgläubigkeit liegt in der Schreibmaschine.

In den Siebziger Jahren, als Computer noch Ungetüme von den Ausmaßen eines Schrankes waren und in der Preisklasse eines Mittelklassewagens lagen, war die elektronische Textverarbeitung für ein normales Büro absolut unerschwinglich. Eine IBM-Kugelkopfmaschine war noch Anfang der Achtziger Jahre das höchste an Schreibkomfort.

In der guten alten Zeit der MPU bestand ein Positivgutachten aus einem Formblatt, auf welchem der Gutachter lediglich einige Informationen anzukreuzen hatte, ergänzt durch ein, zwei frei formulierte Sätze. Mehr Platz war auf dem Formblatt für eine individuelle Beurteilung nicht. Auch mit einer Schreibmaschine war ein positives Gutachten innerhalb weniger Minuten fertig geschrieben.

Das Negativgutachten war im Gegensatz dazu eine wirklich individuell abgefaßte mehrseitige maschinegeschriebene Beurteilung. Zwar standen ganze Absätze dieser Beurteilung fertig formuliert in einem Aktenordner zur Auswahl vor, aber auch diese immer wiederkehrenden Floskeln und Standardformulierungen mußten von einer Schreibkraft jeweils neu abgetippt werden.

Eine Heidenarbeit, die insgesamt Stunden in Anspruch nahm.

Seit Mitte der Achtziger Jahre wurde die elektronische Textverarbeitung mittels PC in den Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstellen des TÜV eingeführt. Für die vorgeschriebenen Formeln, die Floskeln und die immer wiederkehrenden Argumentationslinien gab es nun Textblöcke, die aus dem Computer mit wenigen Kennbuchstaben abzurufen waren. Negativgutachten waren jetzt (fast) genauso schnell und ökonomisch zu schreiben wie Positivgutachten. Und die Beurteilungskriterien verschärften sich.

Eine Negativquote, wie sie jetzt üblich ist, wäre mit der Technologie der Kugelkopfschreibmaschine nicht zu schaffen gewesen. 70/80 Prozent negative Gutachten oder Gutachten mit Kurszuweisung - die Arbeit einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstelle wäre zusammengebrochen.

Kein praktisch tätiger Verkehrspsychologe hätte sich vor 15 oder 20 Jahren die heute gängigen Erkenntnisse über Alkoholmißbrauch und Rückfallgefahr leisten können, denn diese Erkenntnisse wären nicht in praktische Arbeit umzusetzen gewesen. Man konnte sich damals die heutigen Erkenntnisse nicht leisten - also leistete man sie sich ganz einfach nicht.

Von der Struktur her ist das derselbe Mechanismus, den wir beim Trinker finden, der sein Alkoholproblem vor sich selbst verharmlost. Würde ich mir mein Alkoholproblem schonungslos klarmachen, müßte ich etwas dagegen unternehmen. Für Gegenmaßnahmen bin ich momentan aber noch zu schwach, also gibt es kein Alkoholproblem bei mir.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...