15.3.22

Die Legende vom gehamsterten Klopapier

Als sich vor zwei Jahren die Geschichte mit Corona herumgesprochen hatte, begannen viele Leute in Deutschreich und Österland Klopapier zu hamstern, daß es nur so eine Art hatte. In den Super- und Hypermärkten sah es vor zwei Jahren so aus wie hier in der Hygiene-Abteilung vom real,- um's Eck.

Jeder zweite [1] Kabarettist hat damals seine Witzchen gerissen über den analen Charakter von uns Deutschen und auf die Franzosen verwiesen, die angeblich eher Rotwein und Kondome horten würden. Was viele nicht wissen: Die Franzosen nehmen ein wönziges Schlöckchen aus der Rotweinflasche, stülpen dann ein - idealerweise ungebrauchtes - Kondom über den Flaschenhals und trinken für den Rest der Feier O-Raaschensaft.

Im Vertrauen und im Nachhinein halte ich die Geschichte mit den rotweinfickenden Franzosen sowieso für eine Erfindung der Medien.

Weil?

Weil nämlich in Deutschland im ersten Corona-Frühjahr die Umsätze von Kondomen regelrecht explodiert sind.

"Über die Social Media Kanäle verbreitet sich gerade die Meldung, dass die Franzosen sich in der aktuellen Corona-Krise mit Rotwein und Kondomen eindecken, wohingegen die Deutschen Mehl und Klopapier horten.

'Das können wir so nicht bestätigen', sagt Robert Richter, Geschäftsführer der Ritex GmbH. Die Nachfrage nach Ritex Kondomen habe sich im aktuellen Monat gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. 'Wir sehen hier sicherlich Vorratskäufe, um auch bei denkbaren Versorgungsengpässen nicht auf intime Zweisamkeit verzichten zu müssen", so Richter weiter.'" (Südwestpresse, 18. März 2020)

In Italien habe es, so wurde damals berichtet, keinen Ansturm auf's Toilettenpapier gegeben, denn in Italien habe es in fast jedem Haus, fast jeder Wohnung ein Bidet zur hygienischen Unterleibswaschung. Wie der Name nahelegt ist das Bidet eine französische Erfindung, was die Zurückhaltung der Franzosen beim Kackblatthorten erklären könnte. In Joseph Breitbachs Roman "Das blaue Bidet", 1982 mit dem großartigen Klaus Schwarzkopf für's Fernsehen verfilmt, wird das Bidet allerdings als "Geschenk des Orients an das Abendland" bezeichnet.

Ein bisserl Recherche und die Toilettenpapierlegende vom anal fixierten Deutschen bröckelt. "Unter Hashtags wie #toiletpapergate oder #toiletpapercrisis kursieren Fotos von Menschen, die Wagenladungen voller Klopapier an die Kasse schieben. Im Februar fingen Bewaffnete in Hongkong eine Lieferung Toilettenpapier im Wert von 200 Euro ab. Auf Youtube zeigt ein Video [2], wie sich in einem australischen Supermarkt drei Frauen schubsen und an den Haaren ziehen, um die letzte Packung zu ergattern."

In meinem Hause gilt: Eine Wahrheit bleibt nur solange wahr, bis es an's Abspülen geht. Beim Abspülen oder sonst einer Tätigkeit, die mein Hirn kaum beansprucht höre ich mir nämlich gerne Podcasts oder dergleichen an. In einem Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung über Fake News und ihre Bekämpfung höre ich nämlich, daß das Kackblatthorten in China begonnen hat. Eine Firma, die Toilettenpapier herstellt, habe nämlich das Gerücht ausgestreut, Toilettenpapier bestehe aus dem gleichen Material wie die Schutzmasken und werde deshalb in Kürze sehr knapp werden. Der "anale Charakter" stellt sich als ganz normaler Kapitalismus heraus.

Inzwischen soll es bereits wieder zu Hamsterkäufen von Klopapier gekommen sein, diesmal ist es offensichtlich der Krieg in der Ukraine. Der Zusammenhang zwischen Ukraine und Kackblättern ist mir nicht ganz klar, es gibt keine Kackblatt-Pipeline durch die Ukraine, auch von Kack-Stream 2 durch die Ostsee ist mir nichts bekannt. Ich vermute mal, die Leute denken, in der damaligen Krise war das Horten von Klopapier keine so ganz schlechte Idee, das machen wir wieder. Es kann aber auch anders sein, womöglich ist der Durchmesser von Klopapierrollen exakt gleich groß wie das Kaliber sowjetischer Panzerkanonen und der querdenkgeschulte Narr sieht da - wie überall sonst - einen Zusammenhang.

Das Wort "sowjetisch" an dieser Stelle ist weder ein Schreibfehler noch eine Bildungslücke. Bei der russischen Armee in der Ukraine sind anscheinend sehr viele Panzer aus der Guten Alten Sowjetzeit (GAS) im Einsatz. Von der Achtziger-Jahre-Friedensbewegung lernen heißt Sparen lernen: "Keine neuen Atombomben, solange die alten noch nicht verbraucht sind!" hieß es damals. Und der hochkapitalistischen Sowjetunion von heute geht es wirtschaftlich auch nicht mehr so gut. Präsident James Bondin steht das Wasser anscheinend schon bis zum Hals, so daß er für ein paar Kröten Reklame machen muß für eine Schweizer Uhrenmarke.



[1]   Mindestens!

[2]   Dieses Video ist vielleicht noch im Netz vorhanden, es ist allerdings nicht mehr unter dem angegebenen Link erreichbar.

13.3.22

7.3.22

Schneemelcher an polnischer Grenze

Wenn in diesen Tagen von der polnischen Grenze die Rede ist, denkt so gut wie jeder nicht an die Grenze Polens zur Tschechei, der Slowakei oder zu Deutschland. Polnische Grenze meint in der aktuellen Lage die Grenze zwischen Polen und der Ukraine.

Auf der Suche nach irgend was anderem sehe ich einen Hinweis auf einen Artikel, der mit dem Titel "Schneemelcher an polnischer Grenze" meine Neugier weckt. Um Himmels Christi Willen, denke ich, was ist ein Schneemelcher? Ich kenne ziemlich viele Wörter der deutschen Sprache, aber dieses Wort ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Entsetzliche Bilder von grauenvollen Vorgängen schießen mir durch mein überhitztes Hirn.

In der Ukraine und im östlichen Polen soll es derzeit noch ziemlich kalt sein, so wurde mir berichtet (Kontinentalklima, eh schon wissen), viele, viele Flüchtlinge sind auf dem Weg nach Westen. Sind sie Opfer des Weißen Infernos geworden, des sogenannten Schneemelchers?

Oder hat das Wort "Schneemelcher" mit dem "Buttermelcher" zu tun. Buttermelcher ist, wir wissen es alle, eine Figur aus dem Drama "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller. In München gibt es unweit der Blumenstraße am Viktualienmarkt, wo viele Jahre lang die Tant Fany gewohnt hat, eine Buttermelcherstraße.  Mein Vater sprach gerne von der Buttermellechstraße, weil Buttermellech das ihm vertraute sudetendeutsche Wort für Buttermilch ist. Aber wo wär dann der Zusammenhang mit Schneemelcher?

Es war dann alles doch ganz anders.

6.3.22

Es geht nix über eine gepflegte Konversation

 



Garn und Un-Garn - Wo ist der Diktator wennst mal 1 brauchst?

Vor ein paar Jahren haben meine Schwester und mein Schwager zur Feier ihrer Verrentung eine Linienfahrt auf der Donau nach Ruh Mäh Nie! En gemacht. Ich spreche von "Linienfahrt", denn eine Fahrt einen Fluß hinab kann man schlecht Kreuzfahrt nennen, zum Kreuzen hat's da nicht den nötigen Platz, nicht auf der popeligen Donau jedenfalls. Anders sieht es natürlich bei - zum Beispiel - den sibirischen Strömen aus. Als ich noch der Waldbauernbub war hab ich die sechsteilige Verfilmung des Romans "So weit die Füße tragen" angeschaut, das war damals (zumindest fürs deutsche Fernsehen) ein Monumentalprojekt. Der Filmheld flieht in den späten Vierziger Jahren aus einem Kriegsgefangenenlager im äußersten Osten der Sowjetunion (also fast schon in den USA) und kommt irgendwann an's Meer. Er freut sich wie Hulle (ich weiß bis heute nicht, warum), bis er merkt, daß das sogenannte Meer Süßwasser führt. Er kommt zum Schluß, es müsse sich um den Strom Anadyr handeln, den kleinsten der sibirischen Ströme, der in's Beringmeer mündet, nicht in's Eismeer wie die größeren sibirischen Ströme. Der Romanheld Clemens Forell hatte sich unter anderem deshalb täuschen lassen, weil das andere Ufer nicht zu sehen war.

Wo war ich stehengeblieben? Ah: Weil heutigentags kein Schwein mehr die Zeit und die Geduld hat, auf der Donau auch noch bergwärts zu fahren und sich deshalb die Tickets für eine solche Fahrt so schwer verkaufen wie gequirlter Scheibenkleister, zerlegt man an der Mündung in's Schwarze Meer die Schiffe in handliche Einzelteile und transportiert sie mit traditionellen Treidelschiffen zurück nach Regensburg. Die Passagiere treten die Heimreise per Flugzeug oder Bahn an. Meine Schwester und mein Schwager reisten mit der Bahn und waren auf dem Weg von Rumänien nach München für einige Stunden in Budapest. Sie standen am Ufer der hochwasserführenden Donau und blickten auf den reißenden Fluß, in dem neben Ausflugsschiffen immer mal wieder auch ganze Baumstämme - und keine kleinen (!) - schwammen. Nach einer Weile meinte mein Schwager, Ingenieur, wie meine Schwester, er wundere sich, warum man bei diesen wirklich gefährlichen Wasserverhältnissen weiter die Schiffe fahren ließe.

Wenige Stunden später ist dann das Unglück mit 28 Toten passiert. Der Kapitän des für das Unglück verantwortlichen Schiffes ist seinerzeit verhaftet worden, man warf ihm gravierende Fehler vor. Daß er trotz Verbotes gefahren sei, warf ihm keiner vor, denn es gab nämlich kein Verbot.

König Victor I. [1] gibt sich gerne als Garant für Sicherheit und Recht und Ordnung aus. Wennst du aber mal wirklich einen Diktator brauchst, ist keiner da. Wahrscheinlich dürfen im anarchodiktatorischen Ungarn die Dackel ungestraft auf's Pflaster scheißen.

Ach!



[1]   Gleich nach Attila das Entsetzlichste, das Ungarn der Welt geschenkt hat.

Wohin mit der Römer Mauer?

 Früher war ich noch jung und sah das Leben eher als Chance und weniger als Bedrohung. Jahrzehntelang dachte ich, es sei die Welt bei meiner Geburt perfekt gewesen und werde mit jedem Jahr schlimmer und grauenvoller. Seit ca. 45 bis 50 Jahren ist sogar die Schwerkraft stärker geworden. Wenn du früher, als die Welt noch in Ordnung war, einen Hupferer getan hast, dann hat's dich einen halben Meter hochgeschnalzt. Tust du heute denselben Hupferer, dann zieht's dich nach 10 Zentimetern schon gnadenlos nach unten. Und, Sie werden's bemerkt haben: In der Lügenpresse findest du kein einziges Wort über dieses wahrhaft bemerkenswerte Phänomen.

Kein Wunder also, daß es mir - je älter ich wurde umso mehr - die Mundwinkel nach unten zog. Als ich dann eines Tages als "Frau Merkel" angeredet wurde und man mich um die Begnadigung eines zum Tode Verurteilten bat, wurde mir klar, daß es Zeit sein müsse für irgendwas.

Was ich jedoch eigentlich sagen wollte: Früher dachte ich, man  habe noch früher sehr viel Wert auf korrekte Rechtschreibung gelegt, später habe man viel Wert draufgelegt und heute schreibe jeder Narr nach Narrenart. Heute liege die Rübenrausch-Orthographie genauso im Trend wie die Rübenrausch-Philosophie. Jeder huste auf Papier oder Festplatte, was immer ihm gerade durch die Rübe rauscht. Eben noch war einer Experte in Epidemiologie, jetzt ist er Militärexperte für die Ukraine.

Vor ein paar Tagen aber erwachte ich aus meinem Traum.

"Römer Mauer", nach US-amerikanischer Art auseinandergeschrieben, noch nicht mal zu einem Bindestrich hat's gereicht. Und dieser Frevel wurde nicht in einem Brief an die Tante Trudel verewigt, sondern stolz in aller Öffentlichkeit präsentiert. Und das in den fünfziger Jahren, man stelle sich vor!

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...