27.11.19

Der Franze an sich I

Der Franze hat gsagt, das Ding an Sich glänzt zwar wie poliert, aber, sagt er, hinter dem Ding an Sich schaut's aus wie bei Kants unterm Sofa.

Wahnsinn

A Du?
B Ja.
A Ich glaube, ich werde allmählich wahnsinnig.
B Ach?
A Ja, wirklich. Ich entdecke an mir alle Anzeichen für Schizophrenie.
B Schmarrn! Du bist ja verrückt.

Stuhl and the Gang

Wo ein Wille ist, ist auch eine Konservendose.
https://www.fischundfleisch.com/theodor-rieh/das-unsichtbare-kunstwerk-oder-kuenstlerscheisse-39958
(Wer auf das Bild klickt erfährt mehr über das Geheimnis der Dose)
Das hier allerdings ist eine plumpe Fälschung:
Mit dem Heiligen Stuhl aber - wisset - verhält es sich folgendermaßen:
"Die Päpstin Johanna wurde, wie die Sage berichtet, als die Tochter eines englischen Missionärs zu Mainz (nach andern zu Ingelheim) geboren. Sie erwarb sich durch ihre Neigung zu den Wissenschaften sowie durch ihre Schönheit bald den Ruf eines Wunders der Zeit, entfloh mit einem Mönch aus dem Kloster Fulda in männlicher Kleidung nach England und bereiste später Frankreich, Italien und Griechenland, wo sie in Athen sich griechische Bildung aneignete, bis ihr Geliebter starb. Johanna ging nun nach Rom, unter dem Namen Johann Anglicus die männliche Rolle fortspielend, legte daselbst eine Schule an und wurde nach dem Tod Leos IV. (855) wegen ihrer Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Sittsamkeit einstimmig vom Klerus und von dem Volk als Johann VIII. auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Nachdem sie fast zwei Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit regiert hatte, kam sie während eines öffentlichen Aufzugs auf der Straße zwischen dem Amphitheater und der Klemenskirche nieder, gab jedoch vor Scham auf der Stelle samt ihrem Kinde den Geist auf. Auf dem Platz ihrer Niederkunft wurde eine Kapelle nebst Denksäule errichtet; doch vermieden seitdem die Päpste bei der Krönung und bei Prozessionen die Stelle beim Kolosseum, wo dieser Vorfall stattgehabt hatte. Um indessen für die Zukunft einem ähnlichen Skandal vorzubeugen, mußte sich fortan jeder Papst vor seiner Ordination auf eine Art Nachtstuhl (sella stercoraria) setzen, um von einem der jüngsten Diakonen sein Geschlecht prüfen zu lassen. Dieser machte sodann das günstige Resultat mit dem dreimaligen Ausruf "Habet!" bekannt, worauf Klerisei und Volk mit einem frohlockenden "Deo gratias!" antworteten. Diese Erzählung, die zuerst Marianus Scotus (gest. 1083) in seinem "Chronicon", ausgeschmückter dann Sigbert von Gembloux (gest. 1113), am vollständigsten Martin Polonus (gest. 1278) mitteilte, galt bis in das 16. Jahrh. als historische Wahrheit, bis David Blondel 1649 ihren Ungrund darlegte. Es ist geschichtlich bewiesen, daß auf Leo IV. unmittelbar Benedikt III. folgte. Die Sage ist wohl eine Satire auf das Weiberregiment (Pornokratie), welches in Rom herrschte, als die Päpste Johann X. bis Johann XII. (914-963) den päpstlichen Stuhl innehatten. Sie lieferte den Stoff zu einem der ältesten und berühmtesten deutschen Dramen, zu Th. Schernbecks "Ein schön Spiel von Fraw Jutten" (1480, gedruckt Eisleb. 1565); in der Neuzeit dichtete Achim von Arnim ein Schauspiel: "Die Päpstin Johanna" (1823). Das Vorhandensein der sella stercoraria ist allerdings erwiesen, aber auch ihr Zweck. Wenn nämlich ein Kardinal zum Papst erwählt wurde, setzte man ihn zuerst auf diesen Stuhl, und während er von ihm aufstand und sich auf einen andern, prächtigen Sessel niederließ, sang man die Worte: "Suscitat de pulvere egenum et de stercore erigit pauperem" (Ps. 103, 7. 8). Der Gebrauch kam im 16. Jahrh. ab. Vgl. Döllinger, Die Papstfabeln des Mittelalters (Münch. 1863)."
Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, 1885-1892

Glück und Schlaf und Liebe

Nietzsche bemerkte einmal, dass wir wohl gerne die Kühe nach dem Geheimnis ihres Glücklichseins fragen wollten, aber es wäre zwecklos, weil sie die Frage schon vergessen hätten, bevor sie uns antworten könnten.
Das ist ein sehr schöner Gedanke von Nietzsche. Wer über das Glück nachdenkt, kann es schon deswegen nicht finden.
Wir haben, glaube ich, schon alle mal die Erfahrung gemacht, daß man manche Dinge nur dann bekommt, wenn man nichts dafür tut, sie zu bekommen. Nimm nur mal den Schlaf, dem du mit Eifer vergeblich hinterher jagst, während er problemlos kommt, wenn du dich absichtslos hinlegst.
Oder die Liebe, die sowieso. Wenn du um die Liebe kämpfen mußt, dann hast du sie damit in die Tonne getreten. Liebe kriegst du entweder geschenkt oder du kriegst sie nie. Durch erkämpfte Liebe hast du vielleicht einen Partner aber keine Liebe.

Geweichtes Wasser

Würde man die Wasserwerfer der Polizei mit Weihwasser befüllen, so würden sich bei einer Demonstration von Rechtsradikalen vor einer Flüchtlingsunterkunft ca. 20 % der Demonstranten (so hoch schätze ich den Anteil der Sendboten des Satans ein) unter gräßlichem Gezisch in Luft auflösen. Die restlichen 80 % würden, von Panik erfaßt, davonlaufen.


26.11.19

Frohen Totensonntag, nachträglich noch

Bevor der November, der graue Monat des Todes von uns geht, noch schnell ein Lied über die Vergänglichkeit des Lebens.

25.11.19

Von der Keuschheit der lateinischen Sprache

Vor einigen Tagen beklagte sich eine Userin, deren Namen aus den bekannten Gründen nicht genannt werden darf, es würden gerade diejenigen, "die sich die TOLERANZ so demonstrativ auf´s Hirn nageln" (...) "alles, was nicht in ihr Weltbild passt, reflexartig als böse, rechtsextrem, xenophob, menschenverachtend und was weiß ich noch alles diffamieren."
Allen Kommunikationspsychologen hier fällt natürlich sofort das Wort "xenophob" auf. Das Wort ist griechischen Ursprungs und heißt auf Deutsch so viel wie "fremdenfeindlich". Warum verwendet die Userin, die sonst gar nicht zu übermäßigem Fremdwortgebrauch neigt, so ein Wort?
Mein (Kommunikations-)Psychologie-Professor von anno seinerzeit - im übrigen ein Schla-Wiener, das nur nebenbei - hat dergleichen unnötigen [1] Fremdwortgebrauch als "Flucht ins keusche Latein" bezeichnet: Jemand verwendet lateinische, griechische, neuerdings auch englische Fachtermini, wenn er über kitzlige Dinge spricht."Motherfucker" geht leicht über die Zunge, das entsprechende deutsche Wort "Mutterficker" dagegen hört man eher selten.
Ein Wort aus einer fremden Sprache hat im Deutschen nicht diese unmittelbaren Konnotationen wie ein deutsches Wort. Das Wort "Koitus" ist klinisch sauber, "Ficken" oder selbst das neutralere "Geschlechtsverkehr" dagegen sind sehr viel konkreter, laß sagen schmuddeliger. "Faeces" hört sich netter an als "Scheiße".
In Wörtern aus dem Lateinischen, Griechischen oder einer anderen Fremdsprache steckt sehr viel mehr Verschleierungspotential als im entsprechenden deutschen Wort. Ein Fremdwort bringt nämlich bei einem deutschen Muttersprachler nichts bzw. nur sehr wenig zum Klingen.
"Shoa" und "Holocaust" etwa sind erst in den siebziger, bzw. achtziger Jahren in die deutsche Sprache gekommen, zuvor waren sie allenfalls Fachleuten geläufig. Im SPIEGEL-Archiv taucht 'Shoah' erstmalig 1986 auf, nachdem der gleichnamige Film von Lanzmann in Deutschland gezeigt worden war. Zuvor scheint das Wort auch in den führenden Medien nicht im Gebrauch gewesen zu sein. Ähnliches gilt für 'Holocaust', hier ist der früheste Treffer im SPIEGEL-Archiv von 1977 - eine Meldung, daß in Berlin einige Szenen für die amerikanische Fernsehserie 'Holocaust' gedreht würde. Daß ich nicht lüge: Es gibt einen Ausreißer aus dem Jahre 1962, ein Zitat aus dem Amerikanischen in einem Artikel über die Rhetorik John F. Kennedys: "...eine 'Wahl zwischen Demütigung und Zerstörung' (humiliation and holocaust)...".
Einmal in der deutschen Sprache angekommen, haben "Shoah" und "Holocaust" rasend schnell das zuvor verwendete Wort "Judenvernichtung" auf die Plätze verwiesen. Weil? Weil "Shoah" und "Holocaust" einem deutschen Muttersprachler so schön angenehm - weil fremdsprachig und also abstrakt - aus dem Mund flutschen, während "Judenvernichtung" in seiner Brutalität (weil Bildkraft) richtiggehend ins Fleisch schneidet.
Schriebe ich in einem Zeitungsartikel "...und sie feierten ausgelassen das Shoahfest", ich wäre neugierig, wie viele Leser überhaupt darüber stolpern und, falls ja, wie lange sie brauchen, um zu merken, warum da was nicht stimmt.
"Bei der Defäkation hebt der Priester beide Hände zum Himmel und ruft..." - wieder so ein Satz, bei dem viele Leute gar nichts oder erst nach ein, zwei Stutzsekunden etwas merken. Defäkation [2] klingt so vornehm, es könnte auch Teil eines religiösen Rituals sein.
Ein Witz, zwo, drei:
Eine Dame aus Husum ist zum ersten Mal in ihrem Leben in Hamburg. In der Nähe der Landungsbrücken sieht sie einige ziemlich aufgedonnerte Frauen herumstehen. Sie frägt einen Polizisten.
"Sagen Sie mal, Herr Schutzmann, was sind denn das für Frauen da drüben?"
"Die? Ach das sind Prostituierte."
"Prostituierte?" wiederholt die Frau nachdenklich. "Na, ob da man nich 'n paar Nutten bei sind."
"Prostituierte" hört sich in der Tat an wie ein akademischer Titel.



[1]   Nicht wenige Fremdwörter, vor allem Fachbegriffe sind schlicht knackiger und präziser als entsprechende deutsche Wörter, sie sind nützlich und sinnvoll. Nicht selten ist es aber nur Blähsprech, Imponiergehabe.
[2]   Defäkation, lateinisch für Abkacken.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...