8.5.10

Anzugkinder

Auf dem Blog von Fabio De Masi habe ich das nebenstehende Photo gefunden, auf dem ausweislich des Bildtitels Joschka Fischer im Alter von 12 Jahren abgebildet ist. 12 Jahre, das ist das Alter, in dem katholische Kinder in Deutschland gefirmt werden und die Buben sich zu diesem Anlaß in einen richtigen Anzug zwängen müssen. Auch von mir gibt es ein Bild aus dieser Zeit, ebenfalls im Anzug, nur halt mit Fliege statt mit Krawatte.

Wir sind fast gleichaltrig, die zwei Jahre, die Herr Fischer älter ist als ich spielen in unseren vorgerückten Jahren keine Rolle mehr. Unsere Eltern sind Heimatvertriebene, seine aus Ungarn, meine aus dem Sudetenland, unser beider Väter waren Metzger, beide waren wir katholisch.

Und nun schau sich mal einer die Bilder der beiden Buben an. Zwei ganz ähnliche Bilder (diese Brillen, die man damals trug!) und doch so verschieden, wie zwei Bilder bei gleichem Motiv nur immer verschieden sein können.

Joschka... ich darf den zwölfjährigen Ex-Außenminister doch mit dem Vornamen bezeichnen? Joschka also in lässiger Pose, selbstbewußt in Gesichtsausdruck und überkreuzten Armen, das Gewicht auf dem Standbein, das Spielbein locker abgespreizt. Ein Bub, der im Anzug zur Welt gekommen sein scheint, mit so selbstverständlicher Eleganz weiß er ihn zu tragen.

Ich dagegen stehe stocksteif da, das Unbehagen, an diesem festlichen Tag einen Anzug (mit Schmieserl, man stelle sich vor) tragen zu müssen, hat mich erstarren lassen, Unbehagen in Gesicht und Haltung. Ich weiß noch sehr gut, wie mich als Bub das Anlegenmüssen formeller Kleidung belastet hat, wie froh ich war, wenn mich kein Gleichaltriger, den ich kannte, darin sehen konnte, zu sehr hätte ich mich geschämt.

Für mich waren Anzug und Krawatte immer Maschkera, also eine Faschingsverkleidung und sie sind es noch. Die Faschingsverkleidung von Joschka Fischer dagegen waren, das wird aus seinem Jugendbildnis deutlich, Jeans und Turnschuhe.

Kein Wunder, daß aus ihm was geworden ist und aus mir nicht.

18.4.10

Wahrheit

Ja, is des iatz wahr, ha? Des waar ja da Wahnsinn, bal des wahr waar. Ah, werd wahscheinle net wahr sei.

Zufall

A: Ich hoaß Schmutzler und wie hoaßt na du?
B: Ja, i hoaß aa Schmutzler.
A: Jo, des is aber a Zufall.
B: Na, des is koa Zufall, des is gelogen. I hoaß gar net Schmutzler.
A: A so a Zufall: I aa net.

15.4.10

Geographie und Sauerkraut

Inzwischen ist es auch schon wieder 1 Weile her, daß ich die Sendung gesehen habe. Es war "stern-tv" von Günter Jauch und sie haben dort Leuten auf der Straßen einige Fragen zum Allgemeinwissen gestellt, u. a. die, an welchem Fluß wohl Frankfurt an der Oder liege. "Nein", sagte die Befragte, "nein, das wisse sie jetzt leider gerade nicht.
Dann kam ein junger Mann daher, der in Kürze seinen Abschluß als Landwirt (!) machen wollte, und man fragte ihn, wie denn - so ungefähr - Sauerkraut aussähe, wenn es noch nicht Sauerkraut sei, sondern noch auf dem Feld wachse. Hingemalt hat der ein Würzelchen, aus dem lauter dünne Fädchen nach oben wuchsen. Auf die irritierte Nachfrage der Reporterin meinte er, diese Fädchen würden dann erdnah abgeschnitten... Nein, der junge Mann blieb dabei ganz ernst.

Manchmal ist es beruhigend zu sehen, daß nicht nur Akademiker dumm sind.

Oh, wie erfinderisch sind Narrenhirne

Im Usenet, es war wohl in der Koch-Newsgroup de.rec.mampf. meinte eine Diskutantin, beim Nudelkochen könne man ja nun wirklich nichts falsch machen.

Ich sah mich gezwungen, ihren Optimismus zu dämpfen:

Es gibt keine narrensicheren Sachen, weil die Narren so verdammt erfinderisch sind. Ich kannte mal einen, der wollte von mir wissen, wie man Kaffee kocht (mit der Kaffeemaschine!). Zuhause hat das Mama gemacht, bei der Bundeswehr die Kantine und dann die Verlobte. Und jetzt war grad niemand von denen greifbar... Ja, gut, Nescafé machen konnte er.

Und einer hat mir mal geklagt, er habe vergeblich versucht, Wiener Schnitzel zuzubereiten. Von seiner Mutter habe er gewußt, daß man dazu Mehl, Eier und Semmelbrösel brauche. Diese Zutaten habe er sich besorgt, säuberlich miteinander vermischt und dann habe er das Schnitzel in der entstandenen Masse gewälzt. Allerdings sei es ihm nicht und nicht gelungen, die Mischung aus Mehl, Eiern und Salz dauerhaft am Schnitzel zu befestigen.

14.4.10

Dichte, wem Gedicht gegeben

Das höchste Glück des dichtenden Menschen ist, alles Dichtbare gedichtet zu haben und das Nichtdichtbare ruhig zu verprosen.

Jay Doubleyou Göthe

31.3.10

Immer das Gschiß mit der Kunst

Unter dem Vorwand einer dringenden Fahndung hat sich der Monaco Franze um das "Rheingold" noch herumdrücken können. Die Information, wer das "Rheingold" nicht gesehen habe, könne den Rest des "Rings des Nibelungen" nicht mehr recht verstehen, stimmt ihn zuversichtlich, daß er dem "Ring" ganz auskommt. Aber bereits bei der "Walküre" derlaibelt es ihn trotzdem, es gibt keinen Ausweg mehr, er muß mit seinem Spatzl in die Oper. Dabei ist es gar nicht so sehr die Oper an sich, die er fürchtet (die schon auch, allein wegen ihrer puren Länge). Vor allem aber fürchtet er das gemütliche Beisammensein nach der Oper, bei der er sich vor dem berüchtigten Schöngeist Dr. Schönferber und seiner Bande wahrscheinlich, wie meist, blamieren wird.
Und in dieser Herzensnot spricht er zum Kopfeck Manne, seinem Freund und Kollegen, die klassischen Worte:

Ich muß irgendwie einen Weg finden, wie ich irgendwas sagen kann, ohne daß mir das gleich als eine eigene Meinung ausgelegt wird. Was irgendwie interessant klingt, aber so daß's keiner versteht, verstehst? Dann san nämlich die andern die Deppen und das ist das wichtigste, verstehst? Daß nicht ich am Schluß der Depp bin, sondern die andern.

Im Dschungel der Kultur hat halt derjenige die Arschkarte gezogen, der von Kunst nix versteht. Also wird gnadenlos jegliche Kunsthervorbringung verstanden. Man will halt kein Depp nicht sein.
(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Um zum Monaco Franze zurückzukehren: Der Franze macht sich in der Opernpause an den Münchner Operkritiker ran, der gerade in einer Telefonzelle (Handys gab's damals noch keine, man stelle sich vor) eine Vorab-Kurzkritik an die Redaktion durchgibt. Ein gnadenloser Verriß. Der Monaco Franze läßt sich von ihm erklären, was es an der Aufführung zu kritisieren gibt und merkt sich das. Und dann passiert im Lokal nach der Aufführung das...

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...