18.7.09

Das Problem mit der unsichtbaren Rolex

Ich weiß natürlich nicht, ob ein Prolet wie du sich jemals Gedanken gemacht hat über dies Problem.

Stell dir nur mal vor, du hast viel Geld, ganz viel Geld. Und weil du so viel Geld hast, möchtest du das den Leuten, die nicht ganz so viel Geld haben, auch zeigen. Was machst du? Richtig, du kaufst dir eine Rolex-Uhr oder eine Jaeger-LeCoultre oder eine Piaget. Okay, du siehst da noch kein Problem und ich auch nicht, weil das noch kein Problem ist.

Aber, weil du so viel Geld hast, und du das den anderen auch zeigen willst, kannst du nicht einfach so im T-Shirt rumlaufen, damit jeder deine teure Rolex oder was am sonnengebräunten Handgelenk bestaunen kann. Obst du willst oder nicht, du wirst dich in einen teuren Maßanzug werfen müssen, und ein teures, maßgeschneidertes Hemd über deinem sonnengebräunten Oberkörper tragen. Das gute Hemd geht bis zum Handgelenk und ist dort fest verschlossen, weil anders bräuchte man ja keine goldenen Manschettenknöpfe mit Brillanten.

So, und damit ist jetzt die Uhr weg und das Problem da. Du kannst natürlich deine Uhr nach vorne schieben, bis fast auf die Hand, aber das sieht doch sehr nach Zuhälter aus. Du kannst ständig auf die Uhr schauen und damit Dynamik signalisieren, das zwar. Aber Dynamik ist halt auch nur was für die Unterschicht der Oberschicht, für die also, die mindestens so tun müssen, als würden sie für ihr Geld arbeiten.

Ein echtes Problem also, wie gesagt. Menschlicher Geist aber vermag fast alles, menschlicher Geist hat auch dafür eine Lösung gefunden.

Hitzewelle 2

So ganz wild war es bisher mit der Hitzewelle nicht. Gestern waren es nur noch 34 Grad, heute ist der Himmel bedeckt, es weht ein deutlich Lüftlein und auf mehr als 30 Grad kommt das Thermometer auch nicht.

16.7.09

Hitzewelle

Hitzewelle
In Italien ist das Wetter immer wieder mal eine Schlagzeile wert. Jedes Jahr aufs Neue stellt man verblüfft fest, daß es im Winter kalt und im Sommer heiß ist. Diese donnernde Erkenntnis kommt dann nicht, wie in Deutschland üblich, unter Vermischtes am Ende der Zeitung oder der Fernsehnachrichten, sondern ganz vorne auf der Titelseite.

Dieser Sommer ist, wie die zwei vorausgegangenen, bei weitem nicht so heiß, wie man dies erwarten kann. Im Mai und im Juni waren mal einige heißere Tage, sie blieben aber Episode, erst jetzt, Mitte Juli kommt die Hitze auch in Süditalien an. Gestern hatten wir 31 Grad, das liegt irgendwo zwischen "na ja, normal" und "wieso ist es eigentlich nicht heißer?". Heute hat es um 12.00 h mittags 36,5 Grad. Es wird also ernst.

In den letzten Tagen war es im Norden Italiens fast 40 Grad heiß. Für morgen ist nun auch für den Süden "Hitzealarm Stufe Rot" angesagt. Schaumermal, wie's wird.

Daß es im Sommer in Italien im Norden heißer und drückender ist, ist seit geraumer Zeit eine übliche Erscheinung. Anscheinend wirkt der Smog in den Ballungszentren des Nordens aufheizend.

15.7.09

Adenauer-Begräbnis

Nun ist es schon eine Weile her, daß Altbundeskanzler Adenauer gestorben ist. Dennoch ist mir sein Begräbnis, wiewohl ich nicht dran teilgenommen habe, in bleibender Erinnerung.

Am Vortag war auf dem Schulhof des Gymnasiums Pfarrkirchen eine Trauerfeier, bei der nach würdigender Ansprache durch den Direktor das Schulorchester plötzlich das Lied vom Hintertupfer Bene zu spielen begann:

Nachts, um viertel über zehene,
Schleicht der Hintertupfer Behene,
Kammerfensterln zu der Stahasi
Und der Mond scheint bloach und kasi.
http://www.youtube.com/watch?v=F-IugUlacms

Erst mußte ich lachen, dann stutzte ich, denn mir erschien dergleichen Musik absolut unpassend für den Anlaß, bis mich dann ein Kundiger über den musikalischen Hintergrund des Liedes aufklärte:
http://www.youtube.com/watch?v=28sdV_DXSrU&feature=fvw

Am Tag der Beerdigung war schulfrei. Abermals blieb mir der Mund offen stehen, als ich aus dem Fernsehzimmer die Büttenrede eines kölschen Karnevalsjecken hörte. Wie konnte es sein, daß das Fernsehen in jenen Tagen, da man Staatstrauer trug, eine Karnevalssendung brachte, noch dazu zur falschen Jahreszeit (Ende April)? Es stellte sich heraus, daß der vermeintliche Jeck der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings war, der die Trauerrede hielt beim Staatsbegräbnis.

13.7.09

Montecassino

Das Kloster Montecassino, zwischen Neapel und Rom gelegen, ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nicht nur deswegen, weil es eines der ältesten Klöster auf europäischen Boden ist, 529 von Benedikt von Nursia gegründet. (1)

Wenn du heute das Kloster besuchst, dann findest du eine im Kern mittelalterliche Anlage, die aber in späterer Zeit erweitert und drastisch verändert wurde, so daß heute Renaissance und Barock dominieren. Du gehst durch diese alte Anlage, du bist schon durch viele alte Anlagen gegangen, an dieser aber ist etwas ganz entschieden merkwürdig. So merkwürdig, daß du es zunächst gar nicht genau bestimmten kannst, du hast nur das merkwürdige Gefühl, daß etwas überhaupt nicht stimmt, obwohl alles ganz wunderbar aussieht.
Und irgendwann, wie immer dann, wenn du an was anderes denkst, kommst du drauf: Dieser alten Klosteranlage fehlt die Patina, sie sieht rundum und in jedem Detail nagelneu aus.

Und genau das stimmt. Das alte Kloster ist nagelneu.

1944 ist die gesamte Anlage durch einen alliierten Bombenangriff innerhalb von drei Stunden völlig vernichtet worden.


Das wodurch du wandelst, ist eine zeitgenössische Rekonstruktion nach alten Plänen und Fotos. Nicht in dem Zustand, wie das Kloster irgendwann im Mittelalter ausgesehen haben mag, sondern auf dem status quo ante kurz vor der Zerstörung.

Auf dem Weg hinauf siehst du immer wieder Hinweisschilder auf verschiedene Soldatenfriedhöfe, einen amerikanischen, britischen, polnischen Soldatenfriedhof.
Der Tod, sagt man, mache alle gleich. Mag sein. Auf den Soldatenfriedhöfen von Monte Cassino jedenfalls hat man sich die Mühe gemacht, die toten Soldaten fein säuberlich nach Nationen auseinanderzusortieren. Noch nicht mal die damals verbündeten Soldaten hat man in einen gemeinsamen Friedhof gelegt.

Wenn du mal Gelegenheit dazu hast, solltest du dir das Kloster live anschauen, es ist wirklich beeindruckend. Und die fehlende Patina ist absolut gespenstisch.

Und wenn du schon in der Gegend bist, empfehle ich dir, 200 bis 300 km weiter südlich zu fahren, in den Cilento. Dort findest du den Monte Gelbison oder Monte Sacro. Auf dem Gipfel, über 1700 m hoch, liegt ebenfalls ein Kloster, ziemlich groß, wenn auch bei weitem nicht so riesig wie Monte Cassino.
Auch hier hatte ich ein ganz merkwürdiges Erlebnis. Wir waren dort am späten Nachmittag gewesen, kurz vor dem Einbruch der Nacht. Von den Mönchen oder von sonstigen Bewohnern des Klosters war nichts zu sehen, nichts zu hören, noch sonst irgendeine Spur ihrer Anwesenheit auszumachen. Das ganze Gelände war derart peinlich sauber geputzt, kein herumliegendes Papier, kein Laub, kein Staub (diese Art von Sauberkeit findest du häufig in Apulien, in Kampanien aber so gut wie nie). Es hat auf uns gewirkt wie eine Kulisse aus einem Computerspiel, absolut unwirklich. Und das umgeben von einer sehr wilden, fast ursprünglich wirkenden Hochgebirgs-Naturlandschaft.



Den Cilento, eine in Deutschland fast unbekannte Gegend Italiens, empfehle ich ohnehin und das in jeglicher Hinsicht.

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(1) Historiker - und zwar Benediktinermönche - haben inzwischen heftige Zweifel daran angemeldet, daß es einen Benedikt von Nursia je gegeben hat. Sie halten diese Figur für eine Fiktion aus späterer Zeit.

9.7.09

Trulli

Wer schon mal in Apulien war oder wenigstens ein bißchen was über die süditalienische Region gelesen hat, der kennt auch die sog. trulli, merkwürdige Häuser mit spitzen Runddächern. Diese Häuser sind in Trockenbauweise errichtet, das heißt, es wurden Steine so kunstvoll aufeinander geschichtet, daß das Haus durch das Eigengewicht der Steine hielt, ganz ohne Mörtel. Auch das Dach besteht aus Steinen.
Man trifft diese Trulli nur in Apulien - und in Rheinhessen. Nein, letzteres ist kein Witz, es sind auch keine Bauten aus neuerer Zeit. Sie wurden im 18. Jahrhundert in den Weinbergen als Schutzhütten von apulischen Arbeitern errichtet.
Was die apulischen Trulli betrifft, so rätselt man, warum gerade dort gerade diese Bauweise gewählt wurde. Eine Erklärung besagt, ein Grundherr habe im 17. Jahrhundert seinen Bauern befohlen, ihre Häuser ohne Zement, Mörtel und ohne Holz zu bauen, nur aus Stein. Wenn nun die königlichen Steuereintreiber im Anmarsch gewesen seien, so habe man die Steinhäuser ganz einfach abgebaut und später ohne viel Aufwand wiedererrichtet.

Ich dagegen glaube, daß sich die Bauweise der trulli zwanglos aus der Landschaft erklären läßt. Der Boden in Apulien ist fruchtbar, aber übersät mit Steinen, die man zwar entfernen kann, wobei immer neue Steine nachkommen. Normaler Ackerbau ist unter diesen Umständen fast nicht möglich, der beste Pflug wäre nach kurzem schon zuschanden. Also verlegt man sich in Apulien auf Bäume und Sträucher, die man nicht jedes Jahr neu anpflanzen muß, Oliven, Mandeln, Wein.
In einer solchen Gegend hat man wahrscheinlich schon sehr früh angefangen, in Stein zu bauen, dieses Baumaterial ist überreichlich vorhanden. Wie aber kriegt man jetzt - ohne die Hilfsmittel der Moderne - über einem Haus ein Dach zusammen? Sowohl für das Giebeldach als auch für das Flachdach braucht man Stützbalken.
Bäume gibt es nun zwar in Apulien genug, aber diese Bäume sind andererseits sehr wertvolle Nutzbäume. Ein Olivenbaum ist keine Tanne, die dazu dient, Holz zu liefern und zu sonst nichts. Olivenbäume fällt man nicht vor der Zeit, es wäre ökonomischer Wahnsinn. Holz (sprich: bautechnisch verwertbares Holz) war also in Apulien, zumindest in der zona dei trulli, eine große Kostbarkeit, und mit Kostbarkeiten geht man sparsam um. Dachstühle oder Flachdachverstrebungen aus Holz waren nicht drin. Ohne Stützbalken aber halten die üblichen Dachkonstruktionen die Steinlast nicht.
Man löste das Problem, indem man die in Apulien reichlich vorhandenen, flachen Steine zipfelmützenförmig aufeinanderschichtete, bis sie oben zusammentreffen und sich dann gegenseitig am Platz halten. Diese Konstruktion, eine genial einfache Konstruktion, hält - ganz ohne Holz.
Wenn man aus Holzmangel kein Flachdach errichten kann, kann man logischerweise auch keine Zwischendecke in ein Haus einziehen, woraus sich wiederum erklärt, weshalb die Trulli lediglich einstöckig sind.

Möglicherweise, wahrscheinlich sogar, hat meine schöne Theorie schwache Stellen. Ich bitte um Anregungen.

6.7.09

Schlafmittel

Wenn du des Abends nach der Last des Tages rechtschaffen müde bist, die zum Schlafe nötige Bettschwere sich aber nicht einstellen will, dann sei dir unter den gängigen Hausmitteln der Beischlaf besonders ans Herz gelegt.
Ein gutes Buch ist sicher niveauvoller, eine Schlaftablette schnellwirkender und ein heißes Bad bei weitem weniger anstrengend; keines der genannten Mittel ist jedoch in gleicher Weise angenehm und gesund zugleich.

Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

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