23.11.08

Jugend

In seinem Lied "Ooh la la" singt Rod Stewart
I wish that I knew what I know now when I was younger
I wish that I knew what I know now when I was stronger.
Ein alter Stoßseufzer, den ich auch in der Version "Das Dumme an der Jugend ist, daß sie an Kinder verschwendet wird" gehört habe.
Manchmal neige ich dazu, in den Seufzer einzustimmen, der Haken ist bloß: Es geht nicht, selbst wenn es ginge.
Wenn ich wieder zwanzig wäre, dabei aber alle Erfahrungen im Kopf hätte, die ich jetzt habe, dann wäre ich zwar zwanzig, aber nicht mehr jung. Dann hätte ich den Körper und die Leistungsfähigkeit eines Zwanzigjährigen, mein Verhalten aber wäre von der lahmarschigen Bedächtigkeit des Fünfzigjährigen.
Ein junger Mensch ist nicht nur deshalb so stürmisch, weil er vor Lebenskraft nur so übersprüht, sondern weil er von so verdammt viel Sachen so verdammt wenig Ahnung hat - glücklicherweise, da sonst manche riskante, aber sinnvolle und schließlich gut getane Sache von vornherein unterbliebe.

13.11.08

Günter Bouteflika

Die "Süddeutsche Zeitung" behauptet, der lächelnde Herr sei der algerische Staatschef Bouteflika. Ich behaupte, es ist Günter Grass, der sich ein bisserl was dazuverdient.

12.11.08

Bundeswehrsoldaten

Was dem Beobachter an der leidenschaftlichen Debatte über den Satz "Soldaten sind Mörder" am meisten auffällt, ist der Umstand, daß sie nicht stattfindet.
Das war nicht immer so. 1984 hatte ein Frankfurter Arzt das von Kurt Tucholsky geprägte Wort aufgegriffen, und damit eine viele Jahre dauernde, in den Medien und Gerichtssälen aus­getragene Diskussion entfacht. Die Leidenschaft der Diskussion war seinerzeit eine rein aka­demische, die Bundesrepublik Deutschland ein Staat im Frieden.
1994 entschied das Bundesverfassungsgericht für einen Verbreiter des Wortes. Dem Kern der Aussage vorsichtig ausweichend begründeten die Verfassungsrichter ihren Freispruch vom Vor­wurf der Beleidigung und Volksverhetzung so: Mit dem Begriff "Mörder" könnten Bundes­wehrsoldaten gar nicht gemeint sein, da "die Bundeswehr seit ihrer Gründung noch nicht an einer bewaffneten Auseinandersetzung teilgenommen (habe) und so noch niemand im Rah­men eines Krieges getötet worden (sei)".
Mit dieser Begründung wäre heute kein Prozeß mehr zu gewinnen. Peu à peu (und plan­mä­ßig) ist die Öffentlichkeit an die "ge­wach­se­ne Verantwortung" der "neuen Weltmacht Deutsch­land" gewöhnt worden, vom "be­grüßens­werten Sanitätseinsatz" in Südostasien über die "hu­­­manitäre Hilfs­aktion" in Somalia, bis zu den "kampf­be­glei­ten­den Aufklärungsflü­gen" in Bosnien. Die erste pazifistische Partei, die in Deutschland jemals in einer Regierung war, be­endete 1999 die Vorkriegszeit und ließ in Jugoslawien Bundeswehrflugzeuge erstmals mit­bomben. Die Teilnahme der Bundeswehr am Afghanistan-Krieg war danach bereits politi­sche Routine.
Die Rechtslage von 1994 stützt sich also auf einen Sachverhalt, der seit 1999 nicht mehr ge­geben ist. Inzwischen sind Menschen von Soldaten der Bundeswehr getötet worden.
Wie auch immer: Im Oktober 1999 tagte in Berlin eine Internationale Konferenz zum Thema "Kindersoldaten". Der damalige Außenminister Fischer hatte dort eine Rede gehalten, in der er sich - natürlich - schwer gegen Kindersoldaten aussprach. Er meinte, das sei kein Problem der dritten Welt alleine. Bei der britischen Armee zum Beispiel dienten ca. 6000 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren. Man müsse das Mindestalter für den Militärdienst von jetzt 15 (!) auf 18 Jahre heraufsetzen. Es sei eine "Perversion", daß - jetzt kommt's! - Kinder und Jugendliche zu "Tötungsmaschinen" herangebildet würden.
Das Wort muß man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wenn Kindersoldaten "Tötungs­ma­schinen" sind, dann sind es - so läßt sich zwanglos folgern - erwachsene Soldaten erst recht, weil sie ja größer, stärker und erfahrener in allen Künsten des Tötens sind.
"Tötungsmaschinen" - das vielumstrittene Wort von den Soldaten, die Mörder seien, hört sich dagegen fast wie eine harmlose Frotzelei unter Freunden an.
Die Brisanz dieser Formulierung von Fischer hat anscheinend damals keiner erkannt.

Kim Jong Priol und Wladimir Bond

Heute hab ich in der "Süddeutschen Online" gelesen, es habe der nordkoreanische Staatspräsident Kim Jong Il womöglich einen zweiten Herzanfall gehabt. Sollte das Leben dieses Politikers je einmal verfilmt werden, dann wäre der Kabarettist Urban Priol der Schauspieler, der Kim Jong Il mit dem geringsten Aufwand an Maske spielen könnte.



Daß der neue James Bond (ich kann mir den Namen des Schauspielers nicht merken, es ist auch wurscht) der ideale Darsteller von Wladimir Putin wäre, versteht sich sowieso.

10.11.08

Rohkost

Mitte der achtziger Jahre waren wir im Urlaub in einem Hotel in Italien. Es gab dort ein reichhaltiges Frühstücksbüfett, abends ein Salatbüfett - eine große Vielfalt an Gemüse, schön angerichtet - bei dem sich jeder aufladen konnte, was und wieviel er wollte, dazu Essig und Öl und Saucen nach Geschmack.
Nun muß ich vorausschicken, daß ich bis dahin nie ein großer Salat- und Gemüse-Esser war. Als Metzgersohn habe ich von jeher Fleisch und Knödel und sonstige deftige Speisen vorgezogen. Hier aber habe ich reichlich aufgeladen, und hätte manchmal auf das eigentliche Essen gern verzichtet, wenn ich dafür mehr vom Salat hätte essen können.
Und dann höre ich, wie am Nebentisch ein Mann in scharfem Ton zu seinem ca. 15jährigen Sohn sagt: "Die Rohkost wird aufgegessen!"
"Rohkost" - das Wort hat mich getroffen wie ein Schlag. Freilich, wenn man das Zeug "Rohkost" nennt und den Leuten aufzwingt, dann mag es freilich keiner mehr essen. Das Gemüse war hier für mich ein Genußmittel allererster Sahne, das Wort "Rohkost" aber schmeckt derart nach Verzicht, Vernunft und Gesundheit, daß es - bei Heranwachsenden gleich gar - semantischen Ekel vor endgeilen Sachen erzeugen kann.
Kinder, die regelmäßig den Salat stehen lassen, bekommen irgendwann keinen mehr vorgesetzt. Dann fragen sie eines Tages selber nach, wieso sie keinen bekommen, die anderen aber schon...

4.11.08

Ein Mann sieht grün

Ich muß gestehen, daß ich keinen grünen Daumen habe, noch nicht mal zwei linke. Blumen verwelken mir im Topf, obwohl ich sie gieße (vielleicht zu selten, vielleicht zu oft - Kakteen) und sogar gelegentlich dünge (vielleicht zu selten). Da ich aber nun mal seit fast 20 Jahren einen Garten habe (das Ding war beim Haus jeweils dabei, da kannst nix machen), muß ich wohl oder übel schauen, daß der Garten begehbar bleibt.
Merkwürdigerweise habe ich dabei entdeckt, daß mir das Mähen, Mooszupfen und vor allem das Bäumeschneiden Spaß macht und die Frage ist natürlich: Warum?
Ich erkläre es mir damit, daß Mähen, Zupfen, Schneiden hoch-aggressive Tätigkeiten sind, Verrrnichten, Zerrrstören, Verrrstümmeln. Das alles aber auf eine höchst beschauliche, meditative Art und Weise. Kein "Hu!Ha!-Schreien", kein Schaum vor dem Mund, nur vergnügt ein Liedlein pfeifend und über das Leben und die Welt nachsinnend.
Charles Bronson auf die sanfte Art.

Ein weiterer Artikel zum Thema "Beschauliche Gewalt gegen Sachen" findet sich hier.

30.10.08

Lob der Korruption

Man mag über Korruption und Schlamperei, korrupte und schlampige Beamte und dergleichen schimpfen, wie man nur mag. Das meiste davon ist richtig und begrüßenswert.
Eines darf man aber dabei nicht vergessen: Wenn ein System uneffektiv oder brutal oder beides oder uneffektiv, weil brutal ist, dann sind Korruption und Schlamperei jene Erscheinungen, welche die Sache noch einigermaßen erträglich machen können.
So schlimm der italienische Faschismus war, er hält einen Vergleich mit dem deutschen Nazismus nicht aus. Dort hat eben nicht alles so perfekt funktioniert wie in Deutschland, dort ist das, was man sich im Hirn ausgedacht hat, nicht so konsequent ausgeführt worden wie in Deutschland.
Gottlob!
In einem korrupten Staat hast du immerhin noch die Chance, dich aus dem allerschlimmsten Schlamassel durch Bestechungsgelder herauszuwinden.
Falls du entsprechende Geldmittel hast, das ist natürlich der Haken.

WELTLAUF

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.
 
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben -
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur die etwas haben.
Heinrich Heine


Nicht Bärlauch sondern Bohrloch

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...