13.5.22

Wie umgehe ich das Jugendverbot

Eine Handreichung für die reifere Jugend

Es ist noch nicht lange her, da geschah es, daß ich mir in der  ZDF-Mediathek einen Edgar-Wallace-Krimi aus den sechziger Jahren anschauen wollte, garantiert in Schwarzweiß und in Mono. Als ich den Film zum späteren Anschauen herunterladen wollte, erschien mir eine Tafel.

Der Casus machte mich lachen. Beim ZDF geht man anscheinend noch davon aus, daß 15jährige oder meinetwegen auch 7jährige um 10 Uhr bereits schlafen und sie deswegen vom Krimischauen ausgeschlossen sind. Denn der Fernseher steht im Wohnzimmer und wenn das Kind das Gerät einschaltet, hören das die Eltern, kommen gerannt und züchtigen das Kind. Zum Unter-der-Decke-schauen ist der Fernseher viel zu groß und zu schwer. Und Smartphones werden erst in 30 Jahren erfunden, bis dahin sind die Kinder längst volljährig.

Wie auch immer, ich kann mich nicht kostenlos anmelden & sofort schauen, denn mir ist die Alterskontrolle viel zu kompliziert. Macht aber nix, denn ich hab ja MediathekView auf meinem Rechner. Ich probier's und tatsächlich kann ich damit auch um 13:23 h den "Zinker" anschauen. Und wenn ich das kann, kann das eine Siebenjährige zweimal.

Das Jugendverbot und alle Reaktionäre sind Papiertiger!

Kiffen für die Freiheit

Der perfekt glatzköpfige Herr ohne Krawatte und mit dem starren, verspannten Gesicht [1] ist Andreas Deffner, seinerzeit einer von 5 (!) Pressesprechern von Bundesgesundheitsminister Gröhe im Kabinett Merkel III.

Vor Zeiten stellten sich fünf Mitglieder der Grünen Jugend vor das Gesundheitsministerium in Berlin-Mitte, rauchten demonstrativ einen Joint, jeder seinen eigenen, versteht sich und forderten die Freigabe von Cannabis. Nur durch Legalisierung seien Drogenprobleme überhaupt in den Griff zu bekommen. Deffner hält dagegen: Eine Legalisierung würde suggerieren, die Droge sei nicht gefährlich. Das wäre ein völlig falsches Signal und ein gesellschaftliches Experiment mit unklarem Ausgang.

Was für eine krause Argumentation! Ist Alkohol legal? Ist Alkohol gefährlich? Tabak ist legal und gefährlich, niemand macht sich Illusionen. Dasselbe gilt für Autos, für die Bundeswehr, für die ostasiatische Brenzelfanne [2]. Die Aussage "Cannabis ist weniger gefährlich als Alkohol" ist einerseits richtig, andererseits heißt "weniger gefährlich" nicht "ungefährlich". Und was das "gesellschaftliche Experiment mit unklarem Ausgang" angeht: Experimente macht man in der Wissenschaft genau deswegen: Der Ausgang ist unklar und das Experiment soll Klarheit bringen. Experimente mit klarem Ausgang sind die Lehrexperimente, die wir aus der Schule kennen, aber selbst die verlaufen manchmal anders als geplant.

Abgesehen davon wäre es ja keinesfalls eine völlig neue Erfahrung, die unsere Gesell­schaft mit legalem Cannabiskonsum machen würde. Ich möchte dran erinnern, daß es gerade mal etwas mehr als 90 Jahre her ist, seit in Deutschland und in vielen anderen Ländern des westlichen Kulturkreises Köst­lichkeiten wie Opium, Morphium, Kokain oder Cannabis verboten wurden. Vorher waren sie frei in jeder Apotheke oder sonst einem Ladengeschäft erhältlich, keiner machte ein Geschiß darum.

Sherlock Holmes setzte sich die 7-Prozent-Lösung Kokain, Thomas de Quincey veröffentlichte unbehelligt seine "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", Hegel schnupfte seinen mit Cannabis versetzten Tabak (High durch Schmai) und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel rauchte des abends gemütlich seine Pfeife Knaster, also einen mit Hanfsamen aufgepeppten Tabak.

Um 1905 rum brachte die Firma Bayer ein neuartiges Medikament gegen die Opiumsucht auf den Markt - Heroin. Schnaps gegen Biersucht. Kein Satiriker traut sich so was auszudenken. Außer Jaroslav Hašek: Von Hašek gibt's eine Geschichte ("Alkoholikeridylle"), in der ein Prager Apotheker Schnaps als Medikament gegen übermäßigen Bierkonsum anbietet, womit es eine besorgte Ehefrau schafft, aus einem sehr mäßigen Biertrinker einen haltlosen Schnapsalkoholiker zu machen.

Egal. Ende der zwanziger Jahre kam dann das Verbot all dieser Drogen, in den USA wurde sogar die gefährlichste aller Rauschdrogen, der Alkohol verboten. Heroin, ein Produkt der Firma Bayer gegen Morphiumsucht, wurde allerdings erst in den späten 30er Jahren verboten, Pervitin, heute bekannt als Crystal Meth, noch viel später. Die nunmehr verbotenen Drogen waren damit nicht verschwunden, sie wurden durch das Verbot nur wesentlich teurer und wesentlich gefährlicher, denn keine neutrale staatliche Zulassungsbehörde kontrollierte nun noch die Einhaltung von Standards bei der Herstellung. Ist seither das Drogenproblem geringer geworden?

Der austro-amerikanische Psychologe Paul Watzlawick hat zusammen mit Kollegen das Problemlösungskonzept des Mehr desselben formuliert.

Drogen sind gefährlich, klar, also besteht verantwortliches Handeln darin, Drogen zu verbieten. Ich ziehe Bilanz und stelle fest, daß das mit dem Verbot so recht nicht funktioniert, was daran liegt, daß ich nicht konsequent genug gegen den Drogenhandel vorgegangen bin. Ich verschärfe die Gesetze, ich ziehe Bilanz und stelle fest, daß es immer noch nicht funktioniert. Das geht eine Weile so und schließlich muß ich beobachten, daß die Gefährlichkeit der Drogen durch das Verbot gestiegen ist.

Als Heroin von der Firma Bayer auf den Markt gebracht worden ist, wurde es oral eingenommen und galt als probates Hustenmittel, auch und gerade für kleine Kinder. Es wurde - übrigens lange nach dem Verbot von Cannabis - schließlich verboten. Nun verschwindet eine Droge nicht einfach durch ein Verbot, solange es Bedarf danach gibt, wird sie weiter gehandelt, nun auf dem Schwarzmarkt. Die Preise steigen, drastisch. Was macht der Konsument in diesem Falle? Er wird versuchen, mit der gleichen Menge Stoff eine höhere Wirkung zu erzielen, klar. Er zerbröselt die Tabletten und schnieft das Heroin durch die Nase. Ein anderer kommt auf die Idee, den Wirkstoff aufzulösen und ihn sich direkt in die Vene zu injizieren, nochmalige Potenzierung der Wirkung. Ah, jetzt ist das Heroin wirklich gefährlich geworden, ein weiterer Grund, die Drogengesetze zu verschärfen.

Durch das Verbot hat keine Aufsichtsbehörde mehr die Möglichkeit, die Qualität des in den Handel gelangenden Stoffes zu kontrollieren, als Junkie kannst du nur noch beten, daß dich der eben erworbene Stoff nicht umbringt. Damit du dich als Junkie über die Runden bringst (das Zeug ist inzwischen schweineteuer geworden), mußt du einbrechen, rauben, Apotheken überfallen oder dich prostituieren - Beschaffungskriminalität. Du rutscht nahezu zwangsläufig in das gesundheitliche und soziale Elend. Die Droge selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle, viel gefährlicher als die Droge ist das Betäubungsmittelgesetz.

Du krepierst irgendwann, nicht so sehr an der Droge sondern an deren Verbot.

Logischerweise müssen die Drogengesetze verschärft werden, damit dergleichen nicht weiter passiert... Es ist 1 Jammer und es passiert tagtäglich unter den Augen wahnsinnig gescheiter Idioten.



[1]   Mich erinnert Deffner auf diesem Photo an den Udo Lattek seiner letzten Trainerjahre. Der hat seinerzeit auch zum Gottserbarm ausgeschaut, die Zähne zusammengepreßt, den inneren Schmerz niederzukämpfen. "Junge, kiff doch", dachte ich damals, "oder pfeif dir andere entspannende Drogen rein, das ist ja nicht mehr mit anzusehen.

[2]   "Ostasiatische Brenzelfanne" steht hier für "Alles Mögliche, das nicht ausdrücklich verboten ist."

Staatsanwalt

Was ich immer schon mal wissen wollte: Wenn ich einen Strafantrag gegen den Lindinger Sepp stelle, weil der mich "Staatsanwalt" genannt hat, brummt dann der echte Staatsanwalt mir eine Anklage wegen Beleidigung auf? Gibt's bei Juristen so was wie "Beleidigung über Bande" eigentlich?

Wenn ich mal im Lotto gewinne, probier ich's, glaub ich, einfach aus. Experimentelle Rechtswissenschaft.

10.5.22

I wer oit und imma öiter

Früher hatte ich manchmal sogar Angst, meine Meinung zu gewissen Themen zu schreiben, aber mit zunehmendem Alter wird es mir immer gleichgültiger.

 

Ich kenne das Gefühl, es ist rauschhaft intensiv. Freedom's just another word... Eh schon wissen.

1985, als STS das Lidl "Kalt und Kälter" herausbrachten, war ich 35 und hatte gerade geheiratet. Ich habe mich damals auf die Zeit gefreut, da mir ganz Vieles ganz furchtbar wurscht sein würde. Und wirklich, es ist wunderbar, du fühlst dich so ungemein lebendig und so gar nicht kalt. Und frei, natürlich.

Wie man das Entmummungsgebot hätte umgehen können

Früher, als die Welt noch in Ordnung war und Corona nichts weiter war als das lateinische Wort für "Krone" hatte man in deutschsprachigen Ländern diskutiert, ob man die Augenschlitzverschleierung - im Volxmund gern Niquab genannt - wegen der öffentlichen Sicherheit verbieten sollte. In Österreich hat man den Schritt gewagt, dort sind seit Herbst 2017 einerseits gesichtsverhüllende Niquabs verboten, andererseits und gleichzeitig seit 2020 gesichtsverhüllende FFP2-Masken streng vorgeschrieben [1]. Aber so sind's, die Österreicher. Österreich ist nur ein anderes Wort für Widerspruch in sich.

Man erinnert sich vielleicht an den "Prinzen von Homburg" (von Kleist). Dieser handelt als Truppenführer einem Befehl des Kurfürsten zuwider; aus einer verliebten Verwirrung heraus, nicht aufgrund aufsässiger Gesinnung, wie oft geschrieben wird. Er gewinnt mit diesem befehlswidrigen Handeln die Schlacht und wird vom Kurfürsten nicht wegen des Sieges mit einem Orden belohnt, sondern wegen der Insubordination zum Tode verurteilt. Befehl ist Befehl und Kotzequenz unser Gott.

In Österreich gab es den Maria-Theresia-Orden. "Er war bis zum Ende der Habsburgermonarchie die höchste Tapferkeitsauszeichnung des Landes." (...) "Diese besondere Auszeichnung wurde für aus eigener Initiative unternommene, erfolgreiche und einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentaten, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können, verliehen."

http://de.wikipedia.org/wiki/Maria-Theresia-Orden

Das heißt, der höchste militärische Orden im alten Österreich wurde an den verliehen, der ohne Befehl oder gar befehlswidrig handelte und damit Erfolg hatte. Völlig inkonsequent, die Sache. Österreichisch halt, bairisch, mediterran.

 

Wenn ich der österreichische oder bayerische oder bremische Innenminister wäre - was GOtt der Herr verhüten möge - würde ich Anweisung an die Polizei geben, JEDEN vollverschleierten Mann [2] zu kontrollieren und dabei ihr Antlitz mit dem Ausweisfoto zu vergleichen. Das dauert dann eine Weile, gewiß. Danach darf die Frau wieder heim, verschleiert natürlich, man ist schließlich kein Unmensch. Noch beim Verlassen des Reviers wird sie mit einer Wahrscheinlichkeit auf einen anderen Polizisten treffen, der grad Zeit hat und sie dann ebenfalls kontrolliert, gleiche Prozedur. Abends wird's dann bei Achmeds kein Abendessen geben, weil Fatima wegen der vielen, zeitaufwendigen Kontrollen nicht mehr rechtzeitig in die Läden gekommen ist.

Aber auf so geniale Gedanken komm natürlich nur ich.



[1]   Gut, momentan sind die Masken grad nicht vorgeschrieben, aber das kommt schon wieder.

[2]   Sicherheitshalber steht hier "Mann", weil man (!) ja nie genau weiß, welches vollverschleierte Gesicht sich hinter dem Schleier verbirgt. Wüßte man es, dann wäre das Gesicht nicht vollverschleiert.

8.5.22

Vom Segen der E-Scooter

Früher® war das Leben auch nicht einfach, aber verglichen mit heute...

Früher® wolltest du brav sein und nach einem Besäufnis keinesfalls noch mit dem Auto oder Motorrad oder Moped heimfahren. Damitst du nicht als Besoffener in Versuchung kommst, hast du dein Fahrzeug daheimgelassen. Bist du dann aus dem Unterwirt gewankt, ist dir gar nix anderes mehr übergeblieben als wie heimzugehen, den Bus zu nehmen, die U-Bahn oder in Gotznam halt ein Taxi. Oder du bist mit dem Lindinger Sepp in ihm seinem BMW heimgefahren, weil der Lindinger Sepp zwei Bier und einen Schnaps weniger gehabt hat als wie du und deshalb als fahrtüchtig gegolten hat.

So war das, damals als die Welt noch in Ordnung war. Heute kommst aus der Whisky-Ranch gewankt, willst heimgehen und dann stehen auf dem Gehsteig drei E-Scooter. Schön blöd wärst, wennst du unter dieser Umständen noch heimgehen tätst. Du scannst den Scanfleck, zahlst mit dem Smartphone (weiß der Henker wie das geht) und ab die Post. Wenn sie dich erwischen, behandeln sie dich so, als wärest du mit dem Auto gefahren, obwohl die Fremdgefährdung mit dem Scooter erheblich geringer ist als mit dem Auto.

Und der Verkehrspsychologe lacht. Wennst du noch jung und in der Probezeit bist mußt du eh in einen Kurs, und ansonsten bist du spätestens mit 1,6 Promille dran. Der Verkehrspsychologe, also ich, hat was verdient und bedankt sich bei dir für die freiwillige Spende.

Und eh ich's vergesse: Beim Scheuer Andi bedanke ich mich natürlich auch, weil der die scheiß E-Scooter zugelassen hat.

Wir sehn uns im Kurs!

Von Machos und Mammakraten

Je machohafter eine Kultur, desto mehr Einfluß haben die Frauen auf die Kinder. Zana Ramadani (die heißt wirklich so) hat vor kurzem mit einem Buch Furore gemacht, in dem sie behauptet hat, an der Frauenverachtung sehr vieler moslemischer Männer trügen ihre Mütter ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Zum machismo neigende Männer kümmern sich frühestens ab dem vierten Lebensjahr intensiver um ihre Kinder. Nach drei Jahren ist aber die wesentliche psychologische Prägung der Rotznasen abgeschlossen, alles, was danach kommt ist vergleichsweise ein Lercherlschaas.

Ich habe 10 Jahre lang in Italien gelebt, nicht in der Toskana oder wo, sondern 120 km südlich von Neapel, im Cilento. Das Cilento ist der mit Abstand schönste Teil Italiens. Kaum ein Deutscher oder Österreicher kennt das Cilento, wer es kennt, kommt immer wieder oder bleibt gleich ganz da.

Was ich sagen wollte: In unserem zweiten oder dritten Jahr in Castellabate waren wir anläßlich der festa della donna (Weltfrauentag) in einem Lokal. Irgendwann stupst mich meine Frau an und meint, es sei doch höchst erstaunlich, wie selbstbewußt die Frauen hier seien.

Ich stutzte, mir war es bislang nicht aufgefallen, aber ich bin ein Mann und auch sonst ein bisserl blöd. Ich schaute daraufhin etwas genauer hin und in der Tat, es waren die Weibers, welche die Szene beherrschten. Die anderen Familien kannten wir nicht, aber die Mischpoke der Gemüsefrau war uns bekannt. Die hatte die Fäden in der Hand, der ihr sein Mann war nix weiter als der Mann von der Gemüsefrau. Ich nehme an, das lag daran, daß ab den sechziger Jahren viele Süditaliener nach Norden gingen, um dort zu arbeiten - von Mailand bis nach Schweden. Die Frauen mußten sich alleine um die Kinder kümmern, die Olivenbäume, den Weingarten. Und sie haben entdeckt, welch wichtige Aufgabe sie doch haben. So was macht selbstbewußt. In Italien habe ich - anders als in Deutschland - so gut wie keine verhuschten und niedergedrückten Frauen kennengelernt.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...