4.10.08

Rangabzeichen

Wenn Menschen zusammenleben - und sie kennen keine dauerhafte Alternative zum Zusammenleben - dann gibt es innerhalb jeder menschlichen Gruppe eine Rangordnung. Seit sich das erste Mal ein Häuptling einen größeren Knochen ins Haar gesteckt hat, als die anderen Stammesmitglieder, gibt es auch Rangabzeichen, welche die Ordnung jedermann sichtbar machen.
Das ist nicht nur die Hose aus feinerem Tuch und die dickere Zigarre. Je höher einer in der sozialen Rangordnung steht, desto länger darf gemeinhin auch sein Name sein. Ganz kleine Leute heißen Karli, kleine Leute müssen sich mit Karl Müller zufrieden geben, während etwas größere sich bereits als Herr Dr. Karl Müller anreden lassen dürfen. Wirklich große Leute heißen dann Karl Ludwig Maria Graf von Brockenstein und zu Lichtenfels.
Dieser Trend kehrt sich interessanterweise aber bei den ganz Großen dann wieder um. Da heißt der Obermotz dann nur noch Karl. Es gab im ganzen Frankenreich nur einen Karl von echtem Rang und das war der Kaiser. Weiß jeder, wer gemeint ist, mit Karl; nur Karl.
Und in Brasilien gab es einen kleinen Jungen aus kleinen Verhältnissen, der hieß Edson Arentes do Nascimento. Und als er berühmt wurde und also groß, da nannte sich dieser Edson Arentes do Nascimento nur noch "Pelè".
In der Hierarchie der Wissenschaft findet sich eine solche an- und absteigende Leiter der prächtigen Bezeichnungen ebenfalls. Hier führt der Weg vom Dipl.-Dings über den Dr. bums bis zum Professor Dr. Müller.
Die wirklichen Koryphäen ihres Fachs, jene, die jeder auch außerhalb der engen Fachgrenzen kennt, heißen dann nur noch Konrad Lorenz oder noch einfacher Einstein.
Es wäre eine arge Minderung des Rufes und Ranges von Prof. Dr. Albert Einstein, würde man ihn in einer Abhandlung über die Geschichte der Physik als Prof. Dr. Albert Einstein bezeichnen. Es hieße, es würde ihn so kein Schwein erkennen, nur im vollen Namenswichs wäre er als Großmeister erkennbar. "Prof. Dr. Albert Einstein" ist eine respektlose Anrede.
Und jetzt schauen wir uns mal diese fünf Herren an, die anscheinend nach einer Ordensverleihung für den Photographen posieren. Ein Generalmajor, ein Generalleutnant und ein weiter Generalirgendwas. Alle drei in prächtiger, uniformigster Uniform, mit Stiefeln, Dünnschiss-Hosen und ganz, ganz viel Lametta, Affenschaukel und Orden über Orden auf ihren Jäckchen. Stramm und straff und stolz auf ihren Rang stehen sie da (die Nr. 5 platzt fast im Angesicht der eigenen Bedeutung).
Ihr Chef Mielke trägt zwar auch Uniform, aber eine von der Art, die sich eigentlich weigert, wie eine solche auszusehen. Sie wirkt eher wie ein biederer zweireihiger Zivilanzug, an den ein Schneider schnell mal ein paar Uniformbestandteile drangenäht hat. Dem Kundigen ist klar, daß auch Mielke Orden trägt und zwar so viele, daß er sie nicht mehr im Original, sondern nur noch in Ordenskurzschrift anhängen hat. Er steht da, wie halt ältere, korpulentere Herren dastehen, wenn sie sich fotografieren lassen müssen. Retuschiere die paar Uniformbestandteile aus dem Anzug und Mielke sieht aus wie ein AOK-Chef irgendwo auf dem flachen Land.
Ihrer alleroberster Ober-Chef Honecker nun verzichtet auf jegliche Rangabzeichen, er trägt wirklich nichts als einen schlichten Anzug. Und er steht da, als wäre ihm das Photographiertwerden ungemein peinlich. Hätte er nicht einen Anflug von Lächeln (wirklich nur einen Anflug) auf dem Gesicht, könnte es auch ein Polizeiphoto anläßlich einer Zeugengegenüberstellung sein.
Rangabzeichen sind was für die kleinen Großen.

2.10.08

Wittgenstein

So wie zuzeiten der Appetit beim Essen kommt, so kommt die Erkenntnis beim Schwatzen. "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man reden."
(nicht von Wittgenstein)

1.10.08

Der Neger

Aus dem Usenet

Im Usenet, in der Gruppe de.etc.sprache.deutsch, entwickelte sich im März 2007 folgender Dialog über das Wort "Kannitverstan":

Y. S.: Obwohl ich also weiss, dass es auf afrikaans "kan nie verstaan nie" heisst, habe ich das, von J. P. Hebel bekannte "Kannitverstaan" immer nur so geschrieben gesehen.

W. H.: Der Afrikaner versteht sowieso nie nichts, vor allem der Neger und ganz besonders, wenn er weiß ist.

O. C.: Oder gar blond.

W. H.: Wenn der Neger blond ist, ist er Schwede.

O. C.: Japan ist voll von Blondinen, es fällt nur nicht so auf.

W. H.: Weil die alle schwarzhaarig sind?

Antiautoritäre Erziehung

Ich habe meine Kinder streng antiautoritär erzogen - und leicht war das nicht.
Ständig kamen sie damit daher, daß sie gesagt haben "Aber klar, lieber Herr Vater, natürlich haben der liebe Herr Vater recht und klar wird gemacht, was der liebe Herr Vater beschlossen hat." Und ich sagte, daß das hier ein antiautoritärer Haushalt sei und daß ich mir diesen devoten Ton nicht gefallen ließe und solange sie ihre Füße unter meinen Tisch steckten, hätten sie gefälligst aufsässig zu sein. Und dann bin ich mit eisernem Besen dazwischen gefahren und heute sind sie wirklich mündige Menschen. Ohne konsequente, eisenharte Strenge geht es halt nicht.

30.9.08

Sammy und Lola und der Präsident

Der "Süddeutschen Zeitung" ist sie aufgefallen, diese wirklich verblüffende Ähnlichkeit zwischen den Bildern auf der Titelseite und der Anzeige auf der letzten Seite.


Das hier sind meine zwei Mädels, d. h. sie waren es. Die rechte, die arme Lola, ist inzwischen leider gestorben.

29.9.08

Die Schweiz und die Niederlande

Aus dem Usenet

In der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch stellte ich im November 2007 mal die Frage:

"Die Niederländer haben ihren Dialekt (oder genauer: einen ihrer niederdeutschen Dialekte) zur Hoch- und Schriftsprache gemacht, mit verbindlicher Rechtschreibung und Grammatik und all dem. In der Schweiz ist das ausgeblieben. Hat einer eine Idee, wieso?"

Und bekam zur Antwort: "Kleiner Tipp: Schau Dir mal die Topographie an."

Mehr kam nicht, so daß ich mir den Sinn selbst zusammenreimen mußte. Allerdings - nach meiner Erklärung müßte es mit Holland und der Schweiz eigentlich genau andersrum sein:

Die Niederlande sind flach, ständig kommen irgendwelche Deutschen über die Grenze geschlappt, weil es sich so leicht geht dort. Und sie plappern mit den Holländern und weil es so viele Deutsche sind, vergißt der Holländer, daß er eigentlich eine neue Sprache erfinden wollte.

Die Schweiz dagegen ist gebirgig, hoch gebirgig. Wer davor steht, frägt sich natürlich, ob er da wirklich reingehen will, über all diese hohen Berge. Und die Eingeborenen schauen auch nicht vertrauenerweckend aus, lauter seriöse Leute mit Schlips, die dir ein Nummernkonto aufschwatzen wollen. Bis zum Alpöhi im Oberen Emmental schafft es der Wanderer ohnehin nicht. Allenfalls der eine oder andere Wanderer, der vom Wirt an der Grenze erfährt, daß hinter der Schweiz Italien liegt, wird sich seufzend dazu entschließen, Schweizer Boden zu betreten. Und er wird schweigend und raschen Schrittes danach trachten, die Schweiz zu queren. So erfährt nie ein Schweizer, daß es sowas wie eine deutsche Sprache gibt.

Das lehrt mich die Topographie.

28.9.08

Justizreform - Strafrecht

Ich war ja mal - nicht lang, aber doch - Psychologe beim privaten Straffälligenhilfsverein Kontakt e. v. in Regensburg. Der Kollege F. hatte seinerzeit zu bedenken gegeben, daß ein Tag Gefängnis den Staat pro Gefangenen knapp 100,00 DM kosten würde. Gäbe man, so meinte er, diese 100,00 DM dem Gefangenen direkt, so müßte dieser nicht mehr zum Einbrechen gehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...