9.10.22

Tradition

Wenn ein Unding, ein Zeug, ein mißlicher Umstand erstmalig sich ereignet, so spricht man häufig von einem "Ärgernis". Schicken Undinger der gleichen Art sich an, gehäuft aufzutreten, so tritt die Bezeichnung "Gewohnheit, schlechte" in Kraft. Schlechte Gewohnheiten aber, die in Serie gehen, vermögen die höchste aller Kronen, welche euphemistische Semantik [1] verleiht, zu erringen: "Trrradition".

 

Wenn Gerüchte alt werden, werden sie Mythos. (Stanislaw Jerzy Lec)

 


[1]   Wissenschaftlich für Schönfärberei.

30.9.22

Spaß-Adelige

Hartnäckig hält sich das Gerücht, es gebe seit mittlerweile über 100 Jahren in Deutschland keine Adelstitel mehr, weder de facto, noch de jure. Das ist natürlich 1 Schmarrn, denn de facto gibt es Adelstitel weiterhin. Wäre es tatsächlich so, wie uns die juristische Lebenslüge glauben machen will, daß nämlich der Adelstitel nur ein simpler Bestandteil des Familiennamens wäre, so müßten etwa angeheiratete Adelstitel die jeweilige grammatische Form des namensgebenden Gatten beibehalten. Der Ehemann von Hildegard Gräfin von Worzeldorf hieße dann Erwin Gräfin von Worzeldorf, tatsächlich aber wird er als Erwin Graf von Worzeldorf gehandelt. Der Adelstitel wird also nicht wie ein (fester) Namensbestandteil behandelt, sondern wie ein dem Geschlecht angepaßter Titel.

Die Sache ist aber ohnehin komplizierter. Nähme man nämlich die Titelregeln des Adels ernst, dann müßte Fräulein Mariae Gloria Ferdinanda Gerda Charlotte Teutonia Franziska Magarethe Frederike Simone Johanna Joachima Josefine Wilhelmine Huberta Gräfin von Schönburg-Glauchau nach ihrer Heirat mit dem Fürsten von Thurn und Taxis eigentlich Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis heißen. Klar, denn Fürstin ist sie ja nicht, erst ihre Kinder dürfen wieder den Titel "Fürst", bzw. "Fürstin" tragen. So gesehen ist "Fürstin von Thurn und Taxis" selbst nach den Regeln des Adels eine Hochstapelei.

Im übrigen kann man sich den Adelsnamen auch in den Personalausweis eintragen lassen, neben dem bürgerlichen Namen, und zwar als - kein Witz - Künstlernamen.

Im Personalausweis wird der Adelstitel eingetragen unter der Rubrik: "Ordens- oder Künstlername". Voraussetzung ist, dass Sie nachweisen können, dass Sie unter diesem Namen schon öffentlich in Erscheinung getreten sind. Es gibt kein einklagbares Recht auf einen Künstlernamen.– Sie müssen der Meldebehörde glaubhaft machen, dass Sie tatsächlich als Künstler, Schriftsteller, Journalist unter diesem Namen öffentlich tätig sind.

Zitat aus dem Gesetz vom 12. März 1996 (GVBl. S. 147. BS 210-20): "Ordens- und Künstlernamen können neben dem Familiennamen angegeben werden, wenn die meldepflichtige Person glaubhaft macht, dass sie unter diesem Namen in bestimmten Lebensbereichen auftritt und dass dem angenommenen Namen in diesen Bereichen eine ähnliche Funktion zukommt wie ihrem nach öffentlichem Recht zu führenden Namen."
Hilfreich ist, sich schon eine Website unter dem gewünschten Namen zu sichern und zu veröffentlichen, also z.B. www.Eva-Maria-Baronin-von-Ihnenfeldt.de. Das würde die überregionale Verwendung des Adels-Künstlernamens belegen. Der Sachbearbeiter vor Ort muss auf Ihrer Seite sein – das ist am wichtigsten. Vielleicht gehen Sie schon heute mal beim Einwohnermeldeamt vorbei und fragen nach, wie Sie am besten vorgehen, um im November gerüstet zu sein?!

Selbstverständlich ersetzt der Künstler/ oder Adelstitel nicht den bürgerlichen Namen – er ergänzt ihn nur. Sie können den Namen sogar beim Patent- und Markenamt eintragen lassen, damit Sie niemand nachahmt – das wäre dann aber kostenpflichtig – die Eintragung in den Personalausweis selbst ist kostenlos. Quelle

Also, nur Mut: Schreibe ein Buch, male einige Bilder und präsentiere dein Werk unter dem Künstlernamen Joachim Igor Graf von Worzeldorf - und dann lauf zum Einwohnermeldeamt deiner Gemeinde.

Das mit den Bildern ist gar nicht so schwer, hier eine Anregung:

Obiges Bild, ein Porträt des brasilianischen Malers Ivaldo Granato von seinem kleinen Sohn [1], hat übrigens, damit wir beim Thema bleiben, die Fürs... äh, Prinzessin von Thurn und Taxis seinerzeit der Gemeinde Waldmünchen geschenkt. Eine noble Form der Kunstentsorgung. Der Waldmünchner Bürgermeister (im Bild rechts) blickt recht irritiert auf das... äh, Kunstwerk.



[1]   Wahrscheinlich ist es umgekehrt und es handelt sich um ein Porträt, das der Sohn von seinem Vater gemacht hat.

Sexuelle Duldungsstarre

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten:

"Die Duldungsstarre ist ein Zustand vor allem weiblicher Säugetiere (zum Beispiel Schweinen) während der Begattung durch das Männchen. Dabei verharrt das Weibchen in einer für die Penetration günstigen Stellung, bis der Geschlechtsakt vollzogen ist. Beim Schwein wird die völlige Apathie durch Androstenon, das Duftdrüsen-Sekret des Ebers, ausgelöst."
Wikipedia

Dies macht sich der Mensch dann bei der Trüffelsuche durch Schweine (also Säue) zunutze: "Die Trüffel sind im Geruch den Sexuallockstoffen des Ebers sehr sehr ähnlich. Bleibt die Sau wie versteinert stehen, dann hat sie die Witterung der Trüffel aufgenommen, was ein Indiz dafür ist, daß sich Trüffel an dieser Stelle im Erdreich befinden." Quelle 

Zeitschiene mit Programmatik füllen

Im SPIEGEL vom Juni 2006 wurde ein gewisser Herr Schauerte zitiert: "Wir müssen jetzt unsere Zeitschiene mit Programmatik füllen." Das heißt auf Deutsch: "Wir haben keine Ahnung, was wir machen sollen. Wir haben den Rest der Legislaturperiode vor uns und wissen, daß wir irgendwas tun müssen, wissen aber nicht, was."

28.9.22

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur...

Im Usenet geschah es, daß sich einer Gedanken darüber machte, wie man denn die verschiedenen archäologischen Schichten vergangener Geschlechtspartnerinnen bezeichnen könnte. "Ex-Freundin" etwa, "Doppel-Ex-Freundin" oder wie.

Ein anderer kam zu Hilfe: "Nochmal über dein Promiskuitätsproblem sinnierend, kam mir folgender Vorschlag in den Sinn:

- Ex

- Vor-Ex

- Vor-vor-Ex

- Vor-vor-vor-Ex"

Ich schlug eine pragmatischere und poetischere Lösung vor:

Der... äh, der Dings... ah ja, der Herr Johann aus Spanien hatte einen Diener namens Leporello und der hat ihm eine saubere Liste geführt. Jetzt brauchst du nur noch die Damen durchnumerieren und du hast eine eindeutige Terminologie: FV 217 ["Die magere Romantische"] oder FV 173 ["Die sinnliche Dicke mit den Sommersprossen"].

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur Ficken.

So ein Leporello-Archiv hat gewiß Stil, heutzutage aber nimmt man zur Datenspeicherung natürlich das SmartPhone. "Nur für die Registratur, gnädige Frau... Mit wem hatte ich eben das Vergnügen?"

Bei anderer Gelegenheit wandte eine Dame ein: "Ich finde ja, daß Vergessen die beste Option ist."

"Ich glaub ja eher," wandte nun meinerseits ich ein, "daß Don Giovanni deshalb den Weibern nachsteigt, damit Leporello sie in sein gleichnamiges Notizbücherl eintragen kann. Das bisserl Samenerguß ist für ihn eher zweitrangig, will mir scheinen. Aber immerhin, so erspart er sich wenigstens das Wichsen. Karl Kraus hat mal geschrieben, eine Frau sei bisweilen ein ganz brauchbares Surrogat für die Selbstbefriedigung, allerdings erfordere das Besteigen einer Frau ein Übermaß an Phantasie.

Hauptsach ist natürlich, daß Leporello lobsingen [1] kann, es habe Don Giovanni alleine in Spanien 1003 Weibsen flachgelegt. Es sollte keiner den Fehler machen, sich die 1003 Schicksen allein in Spanien als gescheiterte Liebesgeschichten vorzustellen. Genau so sollte das ablaufen. Wie man bei uns in Niederbayern sagt: umhaun, neihaun, abhaun. Stell dir die Katastrophe vor, wenn Don Giovanni auch nur einen Monat bei Donna Elvira geblieben wäre... 30 Alltage hintereinander... "Das hätte ich bei meinem Alten auch haben können", denkt sie sich. Don Giovannis Trick ist, daß er sich tags drauf wieder verdrückt hat, und die Frau ihm ein Leben lang nachseufzen kann und dabei nicht von seiner realen Existenz belästigt wird.

Ich habe mir Don Giovanni nie als Frauenfreund vorgestellt, ganz im Gegenteil. Frauen sind ihm zuwider und er ist manisch bestrebt, sich die Schicksen auf eine Schwanzlänge Abstand zu halten. Ein etwas schiefes Bild, gewiß, aber was tut man nicht alles für eine sprachliche Pointe... Obwohl... Jetzt, wo ich den Satz geschrieben vor mir stehen sehe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das Sprachbild wirklich so schief ist. Kann man sich eine Person nicht vielleicht gerade durch Sex vom Leibe halten? "Wir haben gevögelt, Schatz, du bist gekommen, ich bin gekommen, das muß reichen. Ich will bis auf weiteres nicht mehr von dir belästigt werden." Oder wie es die kleine Hilde gesagt hat, als sie einen herzergreifenden Roman gelesen hätte: "Hach, muß Liebe schön sein, wenn ich groß bin lieb ich auch."



[1]   Hat eigentlich schon mal jemand was von Lobsang Rampa gehört?

25.9.22

Warum haben Zebras Streifen?

Ich weiß es doch auch nicht, wohl aber das ZDF.

Wer gerne Tierdokus anschaut und wem's überdies wahnsinnig fad ist, der kann sich eine Tüte Popcorn aus der Speisekammer holen und die Live-Übertragung von einer Wasserstelle in der Namib-Wüste in Namibia anschauen.

Wahrhaftigkeitswahrheitsfindungstestbild

Obst du herausfindest, was an diesem Bild falsch ist? Auf der Website, von der ich dieses Bild habe steht, 20 % der Betrachter würden es herausfinden. Ich hab's erst nach längerem verzweifelten Grybeln geschafft.

(Spoileralarm! Bitte das erscheinende Bild der Website so stehenlassen, vorerst nicht weiterscrollen!)

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...