21.8.21

Maskenverbot und Maskenzwang

Letztes Jahr im April auf dem Weg zum real,-Markt, es hatte nur wenige Grad über Null. Auf dem Gehsteig steht ein Radlerin, Kapuze hochgezogen und Schal vor dem Gesicht, nur die Augen sind frei.

"Corona, Kälte oder Muslima?" frag ich sie. Es sei die Kälte, meint er [1]. Und im übrigen sei er Katholik, wobei er lacht [2].

2017 hat man noch allenthalben in Österreich und Deutschland darüber diskutiert, ob man nicht den Niquab, also die Vollverschleierung muslimischer Frauen verbieten sollte, denn erstens könne man beim Niquab das Gesicht nicht mehr erkennen und zweitens... überhaupt. Man fürchtete den Untergang des Christlichen Abendlandes, falls man die Gesichtsverschleierung erlauben würde und tatsächlich wurde im Hosenscheißerland Österreich im Herbst 2017 das sogenannte Gesichtsverhüllungsverbot erlassen.

Die Begründung für das Gesichtsverhüllungsverbot war damals, daß man es nicht dulden wollte, daß sich jemand in der Öffentlichkeit mit maskiertem Gesicht zeige. Begründung war nicht - darauf legte man Wert -, daß man das textile Bekenntnis der religiösen Überzeugung verbieten wolle. Nein, gotzwüln, das Verhüllungsverbot richte sich doch nicht gegen Muselmänner und vor allem nicht gegen -frauen.

Und dann ist auf dem Deckblatt der offiziellen Broschüre des Innenministeriums genau die Muslima zu sehen, gegen die sich die neue Verordnung auf gar keinen Fall richtet. Und die Fremdsprachen in der Broschüre sind neben dem unvermeidlichen Englisch noch Türkisch und Arabisch, nicht Kroatisch, Slowenisch oder Ungarisch, die neben Deutsch offizielle Amtssprachen in Österreich sind.

Der kleine Moritz denkt manchmal, in den Ministerien säßen die kompetentesten Juristen des Landes. Pessimisten glauben, daß es genau so ist. Die Leute, die diese Broschüre gestaltet haben und jene, die sie durchgewunken haben, würde ich gnadenlos rausschmeißen oder - so unkündbar - in das hinterletzte, unterirdische Archiv versetzen. Das müssen Idioten sein, so was von dermaßene Idioten, ich trau's mir nicht vorstellen. Andererseits... Wenn [3] diese Spitzenbeamten in den Ministerien wirklich die rechtskundige Elite Österreichs sind, dann müssen demnach die restlichen Rechtskundigen noch viel größere Idioten sein.

Was sich die Wirklichkeit manchmal mit uns erlaubt, traut sich kein Dichter erfinden.

Dann aber, Leute, wurd's noch lustiger, dann kam nämlich Corona. Ab dem 6. April 2020 galt (und gilt?) in Österreich Maskenpflicht beim Einkauf und in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Seit damals siehst du im Bushäusl und im Bus muslimische Frauen mit dem traditionellen Kopftuch, vor Mund und Nase tragen sie die FFP2-Maske, so daß nur noch die Augen sichtbar sind. Der perfekte Niquab, nur daß er diesmal nicht verboten, sondern vorgeschrieben ist. Eh ich's vergesse: Das Gesichtsverhüllungsverbot vom Herbst 2017 gilt natürlich weiterhin.

Das wäre so schlimm jetzt wieder nicht, "denn ein vollkommener Widerspruch bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren". (Goethe "Faust", Hexenküche)

Über den Widerspruch zwischen Maskenzwang und gleichzeitigem Maskenverbot könnte man ja diskutieren, man könnte darüber lachen, blödeln. Aber... man tut es nicht. Man tut, als wär da nix. So wie noch niemals drüber diskutiert wurde, warum es für Soldaten keine gesetzlich festgeschriebene Ausnahme vom allgemeinen Tötungsverbot gibt. Das elementarste Menschenrecht, dessen Verletzung normalerweise strengstens bestraft wird, ist für Soldaten außer Kraft. Seit Generationen wird schweigend darüber hinweggesehen. Und das in den zwei [4] deutschsprachigen Ländern, in denen die Höhe von Gehsteigen und das Kacken von Hunden in Parks penibel genau geregelt ist.

Ach.



[1]   Jetzt, da er spricht kann ich das Geschlecht erkennen.

[2]   Wobei ich mich frage, was es zu lachen gibt, wenn einer Katholik ist. Ich mein, das ist eine ernste Diagnose, Corona ist ein Lercherlschaas dagegen.

[3]   Wenn.

[4]   Drei? Wie steht's damit in der Schweiz?

27.7.21

An die im Feld Gefallenen

Als Kind hörte ich öfter meine Eltern und Großeltern davon reden, mein Onkel Kurt sei 1945 im Feld gefallen und dann haben alle furchtbar geweint. Ich hab gedacht, das sei doch sehr übertrieben. Wie oft war ich nicht schon auf dem Feld hingefallen und hab mir das Knie angehaut? So was ist mißlich, gewiß, aber gleich so ein Geschiß drum machen...

Gendern auf Teufelin komm raus

Die Frauenbeauftragte der Berliner Humboldt-Universität hat durchgesetzt, daß die Klinik für Onkologie an der Charité künftighin Klinik für Tantologie heißen wird.

Ich hab nix gegen Frauen, ihr Schlampen, aber das geht zu weit.

26.7.21

Der Mensch an der Siedlungsgrenze

Mein erstes und womöglich einziges Erweckungserlebnis hatte ich an der Volksschule Gern. Die Volksschule Gern war eine vierklassige Volksschule, jeweils zwei Jahrgänge wurden zusammen in einer Klasse unterrichtet.

Die Volksschule Gern gibt es längst nicht mehr, so wenig wie es die Gemeinde Gern noch gibt. Früher, als die Welt zwar auch nicht mehr gut, aber doch besser war, gab es dagegen sogar zwei Gerns. Die Gemeinde Gern I bestand aus vier Ortschaften, im Jahr 1961 hatte die Gemeinde 861 Einwohner und eine Fläche von 222,4 Hektar. Gern II, die ländliche Version von Gern, bestand aus 21 (!) Orten, im Jahr 1961 hatte die Gemeinde 252 (!) Einwohner und eine Fläche von 482,48 (!) Hektar. Der Gemeindesitz war zu dieser Zeit in Oberdax, damals hatte fast jeder Einödhof seinen eigenen Bürgermeister. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde 1972 aufgelöst und in die Gemeinden Eggenfelden und Hebertsfelden eingegliedert.

Aber, klar, kein Schwein interessiert sich heute noch für die weiland Gemeinden Gern I und II, es hat sich schon damals kein Schwanz außerhalb von Gern I und II für Gern I und Gern II interessiert.

Warum ich dennoch davon erzähle liegt daran, daß irgendwann das Fräulein Treml krank wurde und der Rektor ihretwegen zwei Vertretungsstunden in unserer Klasse hatte. Der Rektor war normalerweise in der 7. und 8. Klasse zugange und hatte vermutlich deswegen keinen Plan, was er uns in der 3. und 4. Klasse hätte erzählen können. Er stellte zwei Tische zusammen, nahm die Schiefertafel aus dem Gestell und legte sie waagrecht auf die Tische. Er nahm weiße und bunte Tafelkreiden und kerbte mit seinem scharfen Taschenmesser die Spitzen jeweils so ein, so daß er jetzt mit einer einzigen Bewegung zwei parallellaufende Striche hinzeichnen konnte.

Er nahm die weiße Kreide und zog ei­nen Doppel­strich quer über die liegende Ta­fel. Das, meinte er, solle die durch den Ortskern von Gern führende Straße dar­stellen. Dann setzte er ein rotes Viereck auf die Tafel, direkt an die Straße grenzend und sagte, das solle das Schulhaus sein, in dem wir uns grade befänden. Wir nick­ten verständig und er fragte uns, welche Straßen und Bäche und sonstige Dinge wir noch kennten. Er trug die­se Dinge dann in den all­mählich ent­ste­henden Ortsplan ein und so ent­stand vor un­seren Augen ei­ne Landkarte unserer unmittelbaren Umgebung. Nachhaltig beeindruckt hat mich, daß ich die Entstehung des Ortsplans miterleben durfte, der Zusammenhang zwischen der Welt und dem Bild von ihr hat sich mir unmittelbar erschlossen. Was für ein Lernerfolg!

Von da an war ich Landkarten und Stadtplänen verfallen. Auf der Couch liegend lernte ich die ganze Welt - oder doch einen erheblichen Teil von ihr - kennen. Es erschien mir unnötig, die Welt zu bereisen, es erscheint mir dies noch heute. Zu viele Globetrotter habe ich getroffen, die von Tuten und Blasen [1] keine Ahnung hatten, welche von den bereisten Ländern nur den touristenüblichen Unfug wußten.

1958, ich war 8 Jahre alt, war die Fußballweltmeisterschaft in Schweden, Weltmeister wurde Brasilien und der Stern von Pelè ging auf. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor den Stammgästen im Lokal von Brasilien. Diese Stammgäste meinten, ich solle doch nicht so daherreden, ich wüßte doch nicht mal, wo dieses Brasilien liege. Und ich erzählte ihnen von Brasilien und seiner Lage in Südamerika, dort spräche man Portugiesisch, anders als im übrigen Lateinamerika.  

Abends machte ich gerne ausgedehnte Reisen. Ich hatte damals ein Motorboot mit einer kugelsicheren Plexiglashalbkugel. Weder die Giftpfeile der Eingeborenen konnten mir etwas anhaben, noch die Gewehrkugeln irgendwelcher Schurken. Eine Klimaanlage schützte mich vor der Hitze der Tropen und der Kälte der Eisregionen. Mit dem Boot konnte ich wie ein Auto auf dem Land fahren, ja sogar fliegen und tauchen. Ich weiß noch, wie ich vom Meer aus in den Amazonas einfuhr und dann gemächlich den Strom emportuckerte. Wurde ich müde, legte ich mich schlafen, ich war ja geschützt, nichts und niemand konnte mir etwas anhaben.

Warum sollte ich mich den Gefahren des Dschungels und des Hochgebirges aussetzen, Malaria und Frostbeulen erdulden, wenn es genug Narren gab, die dies schon vor mir getan hatten und mir gerne davon in Wort und Bild erzählen möchten? "Warum sich einen Hund halten und dann selber bellen?" hatte es Hercule Poirot auf den Punkt gebracht.

Auf dem Gymnasium hatten wir den Diercke-Weltatlas, dort gab es eine Reihe exemplarischer Detailkarten diverser Weltgegenden. Eine der Karten trug den Titel "Der Mensch an der Siedlungsgrenze", sie zeigte eine Estancia im argentinischen Teil von Feuerland. Das Klima ist auf Feuerland dermaßen rauh, daß dort kein wirtschaftlicher Anbau von Getreide, Gemüse etc. möglich ist, sondern lediglich Viehzucht. Das Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäuden war eingezeichnet, selbst die Weidezäune. Ich liebe solche Detailpläne, wie gesagt.

Feuerland, das Land an der Siedlungsgrenze, liegt auf 54° südlicher Breite. Bei 54° nördlicher Breite landen wir in Schleswig-Holstein, nahe der dänischen Grenze. Forscher, die Schleswig-Holstein bereist haben, berichten, dort gäbe es durchaus Landwirtschaft. Und nördlich von Schleswig-Holstein liegt noch ganz Skandinavien. Das alles hat der Golfstrom gemacht.



[1]    Wußten Sie schon, daß Urologen zwar keine Ahnung von Tuten haben, umso mehr aber von Blasen?

7.7.21

Der Affentanz um das gegrillte Kalb

Die Meldung von dem Afrikaner [1], der in einem Wald in Oberbayern ein ganzes Kalb gegrillt hat, ist laut google bis heute in nur vier Medien aufgetaucht:

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/gaissach-ort28705/gaissach-mann-grillt-im-wald-ganzes-kalb-im-offenen-feuer-90807762.html

https://alpenwelle.de/regionale-nachrichten/gaissach-kalb-bei-offenem-feuer-im-wald-gegrillt/

https://www.journalistenwatch.com/2021/06/18/fremde-laender-sitten/

(Journalistenwatch ist eine Website, die von Ungarn (!!!) aus die Meinungsfreiheit im deutschsprachigen Raum verteidigt.)

https://www.fischundfleisch.com/ulrich-h-dittmann/ein-ganzes-kalb-im-wald-gegrillt-72434

Der "Münchner Merkur" ist das einzige halbwegs seriöse Medium, das über den Vorfall berichtet. Was aber wirklich auffällt ist das völlige Fehlen des Boulevard. Meldungen wie diese sind erfahrungsgemäß ein gefundenes Fressen für die regionalen Klatsch- und Tratschblätter, wie etwa die BILD-Zeitung, die Abendzeitung oder die "tz". (Die "tz" ist übrigens das Schwesterblatt des "Münchner Merkur").

Warum so gut wie die gesamte Lügenpresse den Vorfall verschweigt erklärt sich wahrscheinlich aus der Natur eines Kalbes. Ab 300 kg Lebendgewicht nennt man ein junges Rind nicht mehr Kalb, sondern Jungrind. Seien wir großzügig und nehmen wir an, das Kalb von Gaißach habe etwas über 200 kg gehabt. Der Kopf fehlte, also runden wir auf 200 kg ab. 200 kg, das sind zwei ziemlich schwergewichtige Menschen. Diese beiden Fettsäcke transportierst du nun gedanklich in einem Kinderwagen(!). Du merkst schon, daß die ganze Geschichte nicht stimmen kann, die Naturgesetze stellen sich quer. Die Geschichte ist erstunken und erlogen, der Redakteur hat sie sich aus den Fingern gesogen.

Und der Blogautor von "Fisch und Fleisch" war so einfältig, die Story zu glauben.



[1]   Der Afrikaner ist inzwischen als ein gewisser Roger Whittaker https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Whittaker https://www.youtube.com/watch?v=sGWs1HK8iDU identifiziert worden.

1.6.21

Baaderstraße und Meinhofplatz

Den 2. Juni kennt natürlich jeder, der 2. Juni ist jener Tag, der auf den 1. Juni folgt. An den 2. Juni 1967 dagegen können sich die wenigsten noch erinnern, vor allem nicht die Jüngeren.

Am 2. Juni 1967 war der Schah von Persien zu Besuch in Berlin, damals eine unbedeutende Provinzstadt zwischen Polen und Potsdam. Es gab Unmutsäußerungen gegen den Schah, im Zuge dieser Unmutsäußerungen erschoß Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras, im Nebenberuf Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Staatssicherheitsdienstes (StaSi), den Studenten Benno Ohnesorg.

Von diesem 2. Juni 1967 nahm die Terrororganisation [1] "Bewegung 2. Juni" ihren Namen, aus der "Bewegung 2. Juni" entstand dann die "Rote Armee-Fraktion (RAF)", aka "Baader-Meinhof-Gruppe", in Sicherheitskreisen gerne auch "Baader-Meinhof-Bande" genannt.

 

Wie auch immer: Wenn du in München Bus fährst, kommst du in der Nähe des Gärtnerplatzes an die Haltestelle "Baaderstraße" und du freust dich schon auf den Meinhofplatz, der aber nie kommt. Daß diese Bayern aber auch nie was ordentlich zu einem Ende bringen können.

Anonyme Gscheidhaferl [2] haben mich drauf hingewiesen, daß die Baaderstraße merkwürdigerweise nicht nach dem allseits bekannten Andreas Baader benannt ist, sondern nach einem gewissen Franz von Baader, den heute, im Gegensatz zu Andreas, kein Schwein mehr kennt. Aber gut, dafür sind Straßennamen schließlich da, daß sie an Leute erinnern, die man längst vergessen hatte.

In München etwa gibt es die Paul-Heyse-Straße, mit der Paul-Heyse-Unterführung unter dem Hauptbahnhof. Frag mal in München einen Passanten nach Paul Heyse... Wenn du nicht grad zufällig einen Germanisten erwischt, dann erntest du als Antwort nur ein Achselzucken. Dabei war der Heyse Paul immerhin Literaturnobelpreisträger (1910).

Aus Übermut habe ich nach einem Meinhofplatz gesucht und eine Ulrike-Meinhofstraße in 17248 Lärz gefunden, die zum Müritz-Flugplatz führt.

Der Casus schien mir denn doch zu toll und ich recherchierte ein bißchen. Ich fand eine Karte, die mir zeigte, daß in die Ulrike-Meinhofstraße der Ho-Chi-Minh-Pfad mündet. Ich mein, ich bin ja ein ziemlich gutgläubiger Mensch, nicht selten hart an der Grenze zur Einfalt, aber das glaub nicht einmal ich.



[1]   Was immer eine Terrororganisation genau ist. "Ein Terrorist ist jemand, der eine Bombe besitzt, aber keine Luftwaffe." (Ein "Guardian"-Leser am 23.04.86)

[2]   Die Anonymität nützt ihnen gar nix, ich kenne sie alle!


Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...