3.9.19

Discotheken

Ich bin mal als Student mit einer Frau, an der mir was lag, weggewesen und über die Häuser gezogen. Irgendwann meinte sie, man sollte unbedingt noch in die Discothek "Dingsbumslamdei" gehen. Ich bin dumpfbeutelig hinter ihr hermarschiert (mir lag, wie gesagt, an ihr) und wurde dort erstmals in meinem jungen Leben (ich ging auf die dreißig zu) mit einer Gesichts- und Outfitkontrolle konfrontiert. Erstaunlicherweise kam ich durch, obwohl ich noch nie (und dies bis heute nicht) angesagte Bekleidung oder gar eine trendige (heute sagt man wohl stylishe) Frisur getragen habe. Damals habe ich den Hl. Schwur getan, nie wieder ein Etablissement zu betreten, an dessen Pforte ein Türheiliger Auschwitz-Rampe spielt und nur die Guten ins Himmelreich läßt.
Was ich noch sagen wollte, liebe Kinder: Damals hießen Clubs noch Discotheken, womöglich noch nicht mal das. Und als euer Opa ganz jung war, gab es in Schulen einen Raum, auf dessen Tür stand "Diskothek". Dort wurden die für den Unterricht benötigten Schallplatten aufbewahrt. Das Wort "Schallplatte" müßt ihr jetzt selber ergoogeln. Und: Wem aufgefallen ist, daß beim dritten Mal das Wort "Discothek" mit "k" geschrieben wurde, bekommt von mir ein wirrtülles Bussi.
Als mir dann zu Ohren kam, es würden nicht wenige Discotheken (heute gerne Clubs genannt) gottgefällige Frauen auch ohne Eintrittsgeld hineinlassen, habe ich mehrere Frauen, allesamt Feministen, daß es nur so rauschte, gefragt, ob sie wüßten, warum man ihnen freien Eintritt gewähre, worauf sie mich wütend anblitzten.
Frauen halt.
Und die Kerls? Die Kerls gehen natürlich nicht zum Tanzen in die Disco, sondern um Weiber aufzureißen. Ersatzweise dröhnen sie sich mit erlesenen Substanzen die Birne weg. Wenn in einer Discothek Männerüberhang ist, läßt man die Weibers umsonst rein, denn sie sind das Frischfleisch, mit dem man Männer anlockt.
Der Franze sagt "Fickfleisch", aber der Franze ist auch ein selten grober Hund.

Himmel

Der Franze hat gsagt, er möcht nicht in den Himmel kommen. Wenn er mal tot ist, sagt er, seinetwegen, aber heut nicht.

Französisch schwimmmen

Ein Mann fällt in die Isar und ruft in höchster Bedrängnis "Au secours, au secours".
Beugt sich ein Münchner über das Brückengeländer: "Schwimmen hättst lernen solln, net Französisch."

1.9.19

Die Dichter und der Ferdi-Onkel

"Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy!
Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy!
The world is holy! The soul is holy! The skin is holy!
The nose is holy! The tongue and cock and hand and asshole holy!
Everything is holy! everybody's holy! everywhere is holy! everyday is in eternity! Everyman's an angel!"
(usw. usf.)
(Allen Ginsberg - "Howl")

Mein Großonkel Ferdinand hat immer gesagt, daß Dichter spinnen. Ich hab's ihm nie geglaubt und jetzt ist der Ferdi-Onkel tot und hat doch recht gehabt.

Ich möchte nicht, daß auch nur sekundenkurz der Verdacht aufkommt, ich hätte mir das Gedicht selber aus den Fingern gezogen, um hier niewohlos rumzublödeln. Allen Ginsberg war ein Beatnik, ein sogenannter Beat-Poet. Ginsberg war kein Kabarettist, kein Komiker, noch sonst mit Humor gesegnet. Sein Gedicht "Howl" stammt aus dem Jahr 1955. Und hier ist der Auszug, den ich zitiert habe, vorgetragen vom Meister himself.

 ([1])



[1]   Diese Hornbrillen, die man damals getragen hat! Diese Gedichte, die man damals geschrieben hat, die man sich widerspruchslos hat vortragen lassen!

28.8.19

Toleranz

Wenn die polytheistischen Römer - ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre - einen Stamm besiegt hatten, dann nahmen sie die Götter dieser Fremden in die römische Göttersammlung auf. Alles war leidlich gut.
Irgendwann aber machten die Römer den grauenvollen Fehler, den östlichen Mittelmeerraum zu erobern. Palästina, Juden. Judentum war damals das Schlimmste, was man sich vorstellen konnte, denn das Christentum, geschweige der Islam waren noch nicht erfunden.
Wenn's nach den Römern gegangen wäre, so hätte man diesen Jehova ins Pantheon gestellt und gut wär's gewesen, denn die Römer hatten eine ausgesprochen hoch entwickelte Form von Religionsfreiheit gehabt. Aber nein, die monotheistischen Juden meinten, sie hätten nur einen Gott und sie, die Römer, könnten sich die anderen Götter ins Haar schmieren.
Aus den Juden erwuchsen dann - es ist so gottsgrauenvoll, daß man es sich kaum vorstellen kann - die Christen. Das Einzige, was die Römer von den Christen verlangten, war der Umstand, daß sie dem ihrigen Gott denselben Respekt erwiesen wie den vielen tausend anderer Götter der vielen anderen Religionen im Römischen Reich. Kein Christ wäre dann den Löwen vorgeworfen worden.

26.8.19

Von der Barmherzigkeit der Hl. Inquisition

Ich bin ein Großer Atheist vor dem HErrn und GOtt hat mich auserwählt, seinem Gläubigen Volk die Heilige Schrift auszulegen, auf daß es verstünde und noch gläubiger würde. In gleicher Weise hat GOtt mich auch zu einem berufsmäßigen Menschenversteher gemacht.
Kein Mensch - desgleichen auch kein Regenwurm - tut irgend etwas einfach so. Wenn Friedrich dem Uwe ein Messer in den Laib rammt und dazu "Gott ist brot!" ruft, wird man Herrn Nietzsche, vielleicht, wahrscheinlich in das Irrenhaus einliefern, denn er hat eine Tat ohne Motiv begangen. Tut einer etwas, das uns gemeinhin bizarr und absolut unverständlich erscheint, neigen wir dazu, ihn als "verrückt" zu bezeichnen. Der Begriff "verrückt" aber, dies habt zur Mahnung, erklärt nichts, überhaupt nichts. Es ist völlig verrückt, das Wort verrückt zu verwenden.
Wüßten wir nämlich, daß Gott dem Friedrich im Traum erschienen ist und ihm befohlen hat, diesen Laib Brot zu durchbohren, dann hätte sein Tun plötzlich Sinn und Motiv bekommen.

Um konkreter zu werden: Jedes Mal, wenn ich das Wort "Hexenwahn" höre, kranzelt es mir die Zehennägel auf, denn sehet, das Wort bedeutet nichts. Das Foltern und anschließende Verbrennen von der Zauberei/Hexerei verdächtigen Personen ist ein barmherziges und menschenfreundliches Werk. [1]
Versetzen wir uns übungshalber in das Gehirn eines Inquisitors der Heiligen Inquisition. Nehmen wir ihn als tiefgläubigen Menschen an, als einen, der existentiell an die Lehren seiner Kirche glaubt. Wenn mein Glauben auf dem Wort Gottes beruht, welches er in Heiligen Schriften niedergelegt hat, dann bin ich an dieses geoffenbarte Wort Gottes gebunden. Ich kann mit Gott nicht um Kompromisse schachern. Wenn ich an Gottes Wort in Bibel oder Koran glaube, dann ist dieses Wort für mich verbindlich, für alle Zeiten. Das in Bibel oder Koran geoffenbarte Wort Gottes ist das Fundament meines Glaubens. Wenn ich, von dieser Überlegung ausgehend, stringent weiterdenke, dann komme ich zu äußerst unerfreulichen Resultaten, das zwar, ich lande bei einer starren, selbstgerechten und sehr brutalen Religion, aber so ist das nun mal.
Wo waren wir? Wir waren beim Glauben: Diese Erde ist ein Jammertal, das Leben auf dieser Erde dient letzten Endes nur dazu, uns das Eintritts-Billet für den Himmel zu verdienen. Das eigentliche Leben beginnt im Jenseits und wer hier auf Erden gegen Gottes Gebote verstößt und nicht bereut, wird einst im Ewigen Feuer der Hölle landen, unendliche Qualen erdulden müssen.
Nun ist ein Ketzer vom rechten Glauben abgefallen, nun ist eine Hexe den Versuchungen Satans erlegen, nun ist ein Jude oder Moslem weit entfernt vom Rechten Glauben. Wenn ich nun im Sinne der heute so geschätzten Toleranz dies einfach hinnehme ohne wenigstens zu versuchen, Einfluß zu nehmen, dann versündige ich mich an der Ewigen Seligkeit dieses Ketzers, dieser Hexe, dieses Juden oder Moslems. Wenn ich tolerant bin, wenn ich die Dinge laufen lasse, wie sie laufen, lasse ich diese Menschen sehenden Auges in die Ewige Verdammnis laufen. Toleranz ist Sünde, eine Todsünde für jeden, der glaubt.
Ergreife ich dagegen jene, die vom Rechten Glauben abgefallen sind (beziehungsweise noch nie bei ihm waren) und bringe ich sie - notfalls auch mit sehr nachdrücklichen Methoden - dazu, von ihrem Irrtum abzulassen, zu beichten und zum Rechten Glauben zurückzufinden, so habe ich ein Werk äußerster Barmherzigkeit an ihnen getan. Einem ehemaligen Ketzer auf dem Scheiterhaufen die Beichte abzunehmen, ihm die Kommunion und Letzte Ölung zu spenden und ihn dann zu verbrennen, noch ehe er auch nur Gelegenheit hat, erneut zu sündigen - kann einer mildtätiger sein?
Das Handeln der Inquisition war in sich logisch und es widerspricht nicht den Lehren der existentiell ernstgenommen Religion der Katholischen Kirche.


[1]   Damit's ein für alle Mal gesagt ist: Die nachfolgenden Ausführungen sind weder satirisch noch sarkastisch, sondern vielmehr bitterernst gemeint.

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Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aber bisher nie zu fragen wagten. Heute "Sexuelle Duldungsstarre" " Die Duldu...