13.2.16

Form & Anstand

Der Dichter als Dienstleister betrachtet


Wenn der Anfang eines Textes, es mag ein Aufsatz sein oder eine Erzählung, langsam und zäh sich, und das in komplex verschachtelten Sätzen, über Nebensächlichkeiten sich ganz allmählich an das Eigentliche herantastet, ohne dies Eigentliche je wirklich zu berühren...
Wenn dann der Leser dieses Textes, es mag, wie gesagt, ein Aufsatz sein oder eine Erzählung, geduldig oder schnaubend, jedenfalls letztlich aber doch duldet, daß dieser Text sich langsam und zäh und in komplex verschachtelten Sätzen über Nebensächlichkeiten ganz allmählich an das Eigentliche herantastet, ohne ihn aufschreiend und als stilistische Zumutung beschimpfend einfach wegwirft...
Dann ist unsere Kultur im Arsch, unsere Sprache sowieso. Untote steigen aus ihren Gräbern und saugen das Hirn aus der Schädelkalotte.

Gefährliche Ausreden

"Du sollst nicht lügen", heißt es, aber...
Je nun, du sollst auch eine ganze Menge anderer Dinge nicht tun, tust sie aber trotzdem. Und wenn dir einer dahinter kommt und dich beschuldigt - was machst du? Du stellst dich blöd und behauptest, von nichts, aber auch von gar nichts etwas zu wissen und das hättest du nie und nimmer getan. Und wenn sie dir dann - so gemein sind manchmal die Leute - Beweise bringen, daß du es doch warst, mußt du dir ganz schnell eine Ausrede einfallen lassen.
"Erstens", sagte der Angeklagte, "habe ich das Fahrrad nicht gestohlen. Zweitens war es eh schon ziemlich kaputt und drittens werde ich es bestimmt zurückgeben."
Und patsch! sitzt du mit deiner Ausrede erst recht in der Tinte. Und es ist nicht immer so lustig wie in der bekannten Anekdote.

Amphetamin in Ullrichs Urin


Da gibt es zum Beispiel den Radrennfahrer Jan Ullrich, der 1998 die Tour de France gewonnen hat. Wie viele Leistungssportler - und so mancher normale Mensch auch - ist Jan Ullrich ein rechter Saufkopf. Das führte dazu, daß sie ihm Anfang 2002 den Führerschein genommen haben, mit immerhin 1,5 Promille.
Na ja, macht nichts, der Maier Sepp hatte ihn drei- oder viermal weg und immer mit über zwokommafünf Promille.
Ich sag ja, daß Leistungssportler Saufköpfe sind.
Wie im Leistungssport allgemein üblich, nehmen die Sportler von ihren Funktionären empfohlene Dopingmittel, damit sie gewinnen, während andere Funktionäre versuchen, das Doping nachzuweisen, damit jeder denkt, das Doping im Sport wäre eine Ausnahme.
Na ja, macht nichts, ohne Doping sind heute keine Pokale mehr zu gewinnen und ein paar Sportler erwischt's halt, damit jeder sieht, wie sauber der Sport eigentlich ist.
Im Juni 2002 war Jan Ullrich dran. Er mußte ins Röhrchen pinkeln und patsch! hat man Speed drin gefunden.
Speed ist ein Zaubermittel, das dir hilft, nicht nur die Tour de France zu gewinnen, sondern auch die Disco-Sause bis früh um neune durchzustehen. Der Besuch einer Disco (heute sagt man ja "Club") ist das, was für unsere Väter oder Großväter Stalingrad war.
Ein Sportler von Format hätte in dieser Situation gesagt:
* Leute, ohne das Zeug gewinnt keiner die Tour de France oder sonst ein Rennen. Ich hab's probiert, ihr habt mich erwischt, tut mir leid.
oder
* Leute, ein Leistungssportler oder ein Club-Besucher steht heutzutage unter einem wahnsinnigen Streß. Den hältst du ohne chemische Tröster einfach nicht durch.
Jan Ullrich jedoch gab nach einigen Tagen folgende Erklärung dazu ab: Er sei in einer Münchner Disco gewesen, habe schon einiges getrunken gehabt. Ein ihm völlig unbekannter Mann habe ihm Tabletten angeboten, die er "un­be­wußt" gekauft und dann auch genommen habe. Das sei eine Dummheit gewesen. Er habe überhaupt keine Ahnung gehabt, welche Tabletten das gewesen seien.
Das mußt du dir mal vorstellen: Da kommt ein völlig unbekannter Mensch auf dich zu und bietet dir Tabletten an. Der Mann ist offensichtlich kein Apotheker, die Tabletten sind offensichtlich kein Aspirin. Auf Nachfrage verweigert der Mann dir jede Auskunft über die Art der Tabletten, nennt dir lediglich den Preis. Du zahlst den Preis, nimmst die Tabletten, ohne die leiseste Ahnung, was das für ein Zeug ist, das du dir einschiebst, ohne den leisesten Grund, dem Unbekannten, der dir die Tabletten gibt, auch nur ein Mindestmaß an Vertrauen zu schenken.
Nähme man Jan Ullrichs Ausrede ernst, so stünde er als ein Mensch da, der völlig neben der Kappe steht, zu aberwitzigen Handlungen fähig.

Hinrichtung - echt?


Hans Karl Filbinger kennen die Jüngeren schon nicht mehr - und das ist gut so. Als Hans Karl Filbinger noch Mini­ster­präsident von Baden-Württemberg war, wurde ihm vorgeworfen, er habe im Jahre 1945 als Anklagevertreter beim Militärgericht wegen Desertion die Todesstrafe gefordert.
Filbingers erste Reaktion war, alles abzuleugnen. Nein, das sei alles erlogen, nichts als eine schmutzige Kampagne gegen ihn. Daraufhin legte man, was zu erwarten war, Dokumente vor, welche den Sachverhalt eindeutig bewiesen. Filbinger hatte die Hinrichtung nicht nur gefordert und durchgesetzt, sondern ihr auch beigewohnt und den ordnungsgemäßen Ablauf protokolliert.
Ein Mann von Format hätte in dieser Situation gesagt:
* Ich hab's zuerst mit Leugnen versucht. Tut mir leid, war falsch.
* Richtig, Leute, ist vielmehr: Auch ich bin damals der Faszination der Nazis/dem allgemeinen Druck erlegen, habe mich zum willfährigen Werkzeug dieser Verbrecher machen lassen und bin dadurch schuldig geworden.
* Das ist inzwischen 29 Jahre her. Ich habe mich gewandelt, mir tut alles sehr leid. Ich möchte mich hiermit bei allen Angehörigen des erschossenen Matrosen entschuldigen.
Hans Karl Filbinger jedoch suchte sich mit der Bemerkung zu entlasten, er habe diese Hinrichtung völlig vergessen gehabt, habe nicht mehr dran gedacht.
Was uns Hans Karl Filbinger mit dieser Ausrede sagt, ist dies:
* Ich habe während des Krieges so viele Leute in den Tod geschickt, habe so viele Hinrichtungen gefordert, beschlossen, beobachtet und protokolliert, daß ich mich nun wirklich nicht mehr an diese eine erinnern konnte.
Oder:
* Ich, Hans Karl Filbinger, bin ein derart eiskalter, brutaler Hund, daß ich mich an eine Hinrichtung, die ich gefordert, durchgesetzt, beobachtet und protokolliert habe, nicht mehr erinnern kann.

Vergeltungsvergeltung


Anfang Oktober 2002 gab es einen arabischen Raketenangriff auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen, ganz bestimmt die Vergeltung für irgendwas. Zur Vergeltung - rasend originelle Idee - rücken postwendend israelische Truppen mit Panzern und Kampfflugzeugen in eine Stadt im Ga­za­strei­fen ein, um dort "einige Hamas-Aktivisten festzunehmen". Die Stadt gilt, wie üblich, als "Hochburg der Hamas".
Die israelischen Soldaten werden - wen wundert's? - beschossen und schießen "in Selbstverteidigung" zurück, wie später ein Militärsprecher betonen wird. Die klassische Notwehrsituation: Kidnapper dringen in ein Haus ein, um jemanden zu entführen. Sie werden beschossen und schießen in Selbstverteidigung zurück.
Das Militär feuert von Flugzeugen aus einige Raketen auf die Stadt ab. Eine dieser Raketen explodiert in einer Menschenmenge auf einem Platz. 10 bis 15 Menschen kommen ums Leben, darunter Unbewaffnete, darunter Jugendliche.
Der israelische Regierungssprecher vermerkt zu diesem Vorfall, Schuld an den Toten hätten die Palästinenser, da diese unbewaffnete Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" mißbraucht hätten.
Der Regierungssprecher meint, er hätte damit seine Regierung entlastet und alle Schuld dem bösen Feind zugeschoben.
Was er uns aber sagt, ist dies:
* Die dummen Palästinenser haben sich mit ihren "menschlichen Schutzschilden" verrechnet. Menschliche Schutzschilde setzen einen Gegner voraus, der noch über ein Mindestmaß an Anstand, Moral, Tötungshemmung verfügt. Wenn sich jemand, den wir haben wollen, in einer Menge von einkaufenden Hausfrauen versteckt, dann erschießen wir ungerührt so viele Hausfrauen, bis wir sicher sind, daß auch der versteckte Feind darunter ist. Ist uns doch scheißegal.
Es ist gar nicht selten, daß entlastende Ausreden viel belastender sind als die simple Wahrheit.

Worps?

Wer war eigentlich dieser Worps, nach dem Wede benannt ist?

7.1.16

Obergrenzen - leicht faßlich

Wer darüber grübelt, was das Wort "Obergrenze" bedeuten könnte und wo diese Obergrenze wohl liegen könnte, kann sich bei einem Fachmann für Asylpolitik kundig machen.
Obwohl... so ganz sicher ist sich der freundliche Herr Hitler anscheinend auch nicht.

4.12.15

Das wird böse enden

Schweini: Überall nur Verfall, Wahnsinn, Jugend
Der weltweise Indianer verläßt seinen Wigwam nur unter Androhung unmittelbaren Zwanges. Weil, wer rausgeht, der sieht Sachen, die sind so grauslig, daß man schlagartig wieder heim möchte.
Ich war Mitte Juli beim Einkaufen (Polnische, Sauerkraut, Wacholder, Lorbeerblätter), weil mein Butler krank war. Was seh ich dort, beim EDEKA-Offenbeck an der Kasse? Die BILD-Zeitung seh ich, weil die Frau vor mir hat sie auf's Laufband gelegt [1]. Was lese ich? "So holten sich die Engländer unseren Schweini" lese ich dort. Sebastian Schweinsteiger, so schließe ich messerscharf, verläßt den FC Bayern München, um auf dieser neblichten Insel vor der Küste von Europa sein Glück zu versuchen.
Zuhause schaue ich im Zwischennetz nach und finde die Information, Schweinsteiger werde hinkünftig bei Manchester United spielen. Oh, denke ich mir, eine kluge Entscheidung, gut für die Gesundheit. Bei Manchester United spielt nämlich Wayne "Das Vieh!" Rooney. Mit dem Vieh in einer Mannschaft zu spielen schont die Knochen und das Gemächt, das sowieso. In einem zivilisierten Land würde ein Fußball-Trainer, der Wayne Rooney auf's Spielfeld schickt, wegen schwerer vorsätzlicher Körperverletzung zu "schwerem Kerker, verschärft durch einen Fasttag und ein hartes Lager pro Monat, weiters an den Jahrestagen seiner Taten Dunkelhaft bei Wasser und Brot [2]" verurteilt werden.
Aber, versteht sich, in einem Land, in dem die FIFA nicht als kriminelle Vereinigung gilt, kann von Zivilisation keine Rede sein.

[1]        Du entkommst der BILD-Zeitung nicht, du magst GOtt so inbrünstig anflehen wie nur möglich. Gegen BILD ist selbst GOtt nur zweite Liga.
[2]        So was stand bis in die sechziger Jahre hinein im österreichischen Strafgesetzbuch.

Gegen die Islamisierung der Mathematik!


 Gröl!

Schwerkraft

Lügenpresse Ja, schämt sich denn keiner mehr wegen gar nichts?

Ich mein, es wird nicht jeder hier über 45 bis 50 Jahre Lebenserfahrung verfügen, vor allem die jüngeren nicht. Wer aber schon ein bisserl... sagen wir: reifer ist,

dem ist höchstwahrscheinlich aufgefallen, daß seit ca. 45 bis 50 Jahren die Schwerkraft langsam aber kontinuierlich zunimmt. Wenn du früher, als die Welt noch in Ordnung war, einen Hupferer getan hast, dann hat's dich einen halben Meter hochgeschnalzt. Tust du heute denselben Hupferer, dann zieht's dich nach 10 Zentimetern schon wieder gnadenlos nach unten. Sogar der Nurejev hupft nicht mehr so hoch wie früher (1).

Und, das ist wieder mal tüppisch, in der Lügenpresse findest du kein einziges Wort über dieses Phänomen. Außer jetzt eben grad im FREITAG, aber ich werd wahrscheinlich bald gesperrt, weil ich hier die Fackel der Wahrheit hochhalte.


 
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(1) Bayern steigt anscheinend heuer wieder nicht ab. Ja, gut, dann halt nächste Saison. Oder wann.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...