26.6.11

Chauvi-Schwein

Gesang des Ebers auf der Lichtung:

"Ob blond, ob braun, ich liebe alle Sau'n, mein Herz ist..."

"Mein Gott, tut sofort dieses chauvinistische Schwein von hier weg, hier gibt es freilaufende Feministinnen."



25.6.11

Fahrrad und Fitneß

Jetzt im Sommer sieht man sie wieder rudelweise über die Straßen fegen: Die Fitneß-Radfahrer, viele davon in vorgerücktem Alter, mit ihren aufwendigen Rädern und der nicht minder aufwendigen modischen Bekleidung.
Im Gegensatz zur Oma auf ihrem schwarzen Dreigangrad, die radelt, weil sie irgendwohin will, fahren diese Leute wegen der Fitneß. Sie wollen nicht von Punkt A nach Punkt B, sondern sie wollen überflüssiges Fett verbrennen, etwas für ihre Gesundheit tun, sich fit halten.
Wozu dann dieser Aufwand? Mit einem 20-Gang-Aluminium-Rennrad muß ich zum Verbrennen von soundsoviel Kalorien 50 km radeln, mit all den Gefahren, die der Straßenverkehr so mit sich bringt. Auf einer alten, simplen Gurke mit drei Gängen oder gar ganz ohne Gangschaltung erreiche ich den selben Zweck schon mit - sagen wir mal: - 20 km Fahrt. Das simple Rad ist ja viel schwerer, die Gangschaltung viel weniger effektiv, so daß ich mich viel mühsamer trete und entsprechend mehr abtrainiere.

21.6.11

Das reziproke Plagiat

Ich weiß nicht, ob du die Situation kennst: Du hast einen Gedanken, der dir nicht übel gefällt. Auf daß er noch mehr glänze, möchtest du deinen Gedanken mit einem Klassikerzitat garnieren oder gar belegen. Du suchst und googelst dir die Finger wund, nur um letztlich bitter festzustellen, daß die ganze verdammte Klassikerbande viel zu faul war, deinen Gedanken schon mal zu denken, geschweige, ihn in adrette Zitatform zu gießen. Dir bleibt also nichts anderes übrig, als dir das passende Zitat selber zu erfinden und dann zu schauen, wem du es plausiblerweise zuschreiben könntest.

Ich praktiziere das Zitaterfinden oft und gerne, es ist mein Kontrastprogramm zu Guttenberg.

Messe-Informationen

Den Messestand der Heilsarmee finden Sie in Halle Luja.

18.6.11

Diktatoren - Eine Bildbetrachtung

In seinem Heft 9/2011 vom 28. 2. 2011 hat der SPIEGEL unter dem Titel "Bruder Massenmörder" einen längeren Artikel über Diktatoren in unserer Zeit gebracht. Drei der Bilder, die diesen Artikel... je nun, sagen wir halt: zierten, haben mich ein wenig zum Nachdenken gebracht.
Da ist zum einen Herr Lukaschenko aus Weißrußland. Was sofort auffällt ist die grotesk überdimensionierte Kappe, die diesen Mann, wüßte man es nicht besser, wie einen Operetten-Fürsten erscheinen läßt. Verstärkt wird der Eindruck von Operette durch den etwas grämlich dreinschauenden dicken Herrn links von ihm, der mich an Kurt Großkurth erinnert, als er in der Operette "Der Vogelhändler" den Baron Weps von Wepsingen-Wepstadt gab.
Nur dieses Kinder-Windrad auf Lukaschenkos Revers scheint nicht ganz zur Operette zu passen, das ist selbst für die Operette zu läppisch. Gut, bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als eine Art buntes Schleiferl, aber das macht die Geschichte nicht wesentlich seriöser.
Der Mann rechts hinter Lukaschenko, der so argwöhnisch nach links schaut, scheint mir der Wolfgang Fierek als Tierpark-Toni zu sein, der grad den Monaco Franze unter den Leuten entdeckt hat. "Da geht er, der Monaco Franze, die Drecksau. Wart nur, dich erwisch ich kalt."
Der hier, Herr Bouteflika aus Algerien, trägt zwar zivil, so daß die Gefahr lächerlicher Überzeichnung nicht so arg gegeben ist. Aber, wie der Mann schaut...
Ernst und gefaßt und doch ganz offensichtlich bestürzt. "Das war kein Furz eben", scheint er zu denken, "ich habe tatsächlich naß eingeschissen. Und das bei diesem Anlaß." Nein, der Mann fühlt sich grade ganz entschieden nicht wohl.
Der Herr hinter ihm scheint ein höherer, nein, ein ziemlich hoher Militär zu sein. Einer, vor dem zigtausende von tapferen Soldaten vor Angst in die Hosen machen, wenn nur sein Name fällt. Und da steht er nun, ein Herr in vorgerücktem Alter, und macht Männchen wie ein Idiot. Das Kreuz durchgedrückt, die Hand an der Kappe und - mein Gott, schaut ihn euch an, er scheint auch noch stolz darauf zu sein. Stolz darauf, als lebendes Dekor hinter einem von Inkontinenz geplagten alten Mann zu stehen.
Ich war nie bei der Bundeswehr und habe also all den Sinn, der möglicherweise hinter der Sache steht, nicht mitbekommen. Kann mir einer erklären, was einen erwachsenen Mann, der eigentlich längst zuhause bei seinen Enkelinnen und Enkeln sitzen könnte, ihnen arabische Märchen zu erzählen, dazu treibt, sich in aller Öffentlichkeit wie ein Depp hinzustellen?
Und schließlich der hier, Ahmadinedschad. Politisch mag ich ihn ja gar nicht, überhaupt nicht. Hier aber ist er mein Kontrapart gegenüber den aufgeblähten Figuren. Hier steht ein Mensch.
Spräche er fließend oder doch hinreichend gut Deutsch, so würde er in keiner deutschen Bahnhofskneipe auffallen. "Hock dich her, Mahmud", würde der Lindinger Sepp rufen. "Kathi, bring dem Mahmud ein Bier."
Der Mann hat einen Ring an der rechten Hand, ich weiß nicht, ob das nach persischer Sitte ein Ehering ist, glaub's aber eher nicht. So wie ich deutsche Ehefrauen kenne, würden die ganz energisch eingreifen. "Mahmud, so gehst du mir nicht aus dem Haus. Dieser halbfertige Bart, du schaust ja aus wie ein Sittlichkeitsverbrecher. Mach das letzte Knöpferl am Hemd zu, wenn du dir schon keine Krawatte nicht umbinden willst. Und zieh vor allem nicht dieses Jacketterl an, das dir der Onkel Jussuf vor dreißig Jahren geschenkt hat und das schon damals nicht mehr modern war."
Entweder ist der Mann nicht verheiratet oder persische Frauen haben wirklich nichts zu sagen.
Trotzdem: Wenn ich wählen müßte, ob ich mit dem Lukaschenko, dem Bouteflika oder dem Ahmadinedschad auf ein Bier gehen sollte, dann würde ich den Ahmadinedschad wählen. Was sagst du? Moslem ist der? Ja, mir ist es wurscht, der kann ruhig ein Spezi trinken, wenn er meint, ich bin da nicht so.
Prost, Mahmud, alter Perser!

16.6.11

Kleine Typologie der Psychologen

Was ein Holzrücker ist, ein Zerspanungstechniker oder ein Kunststoffspritzgießer weiß kaum einer, der nicht selber Holzrücker, Zerspanungstechniker oder Kunst­stoff­­­spritz­­gießer ist. Wenn er aber, etwa im Internet, nachschlägt, findet er eine Definition dieser Berufe, die so klar ist, daß er sich was drunter vorstellen kann.
Bei einem Psychologen hast du es da nicht so leicht. Was der Psychologieprofessor an der Uni so macht, kannst du dir vielleicht noch ungefähr vorstellen. Der erforscht halt menschliches Verhalten und erkundet das Seelenleben (was immer das nun genau ist). Die Berufsfelder eines praktisch tätigen Psychologen aber sind sehr, sehr unterschiedlich, vom smarten Werbepsychologen über den gefürchteten MPU-Gutachter und den sanft säuselnden Psychotherapeuten bis zum Psychologen, der in der Sozialarbeit tätig ist.

Für mich hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die praktisch tätigen Psychologen nach ihrer Arbeitskleidung einzuteilen. Da gibt es
- den Nadelstreif-Psychologen
- den Schnürlsamt-Psychologen und
- den Jeans-Psychologen

Den Nadelstreif-Psychologen mit Anzug und Krawatte findet man vorzugsweise in der Werbebranche oder bei großen Firmen in der Personalabteilung, wo er Bewerber um eine Stelle durch standardisierte Tests und gezielte Gespräche auswählt. Er spricht freundlich mit dir, der beinharte Klang in seiner Stimme aber sollte dich dran erinnern, daß mit ihm nicht gut Kirschen essen ist.
Der Schnürlsamt-Psychologe fühlt sich in der Psychotherapie am wohlsten. Zur Cord-Hose, der er den Namen verdankt, trägt er meist ein legeres Hemd mit offenem Kragen, gerne schaut auch ein locker gebundenes Halstuch aus dem Kragen. Er spricht stets sanft und verständnisvoll mit dir, was eine zeitlang wohltuend ist, auf Dauer aber wahnsinnig nerven kann.
Dem Jeans-Psychologen wirst du als in geordneten sozialen und finanziellen Verhältnissen lebender Mensch kaum begegnen, diesen Psychologen findet man in der Sozialarbeit, wo er zusammen mit Sozialarbeitern versucht, die gröbsten Gemeinheiten dieser Gesellschaft wenigstens ein bisserl zu lindern. Er trägt Jeans, ein buntes Hemd und lässige Schuhe, sprechen tut er wenig gepflegt, derbe Ausdrücke sind durchaus möglich, er paßt sich der Kundschaft an.

Wenn du im Zweifel bist, welche Art von Psychologe du vor dir hast, so gibt es einen aussagekräftigen Test: Du beschimpfst ihn als Arschloch.
Der Anzug-Psychologe wird dich böse anfunkeln und dir mit einer Anzeige wegen Beleidigung drohen. Das heißt, er wird nicht eigentlich damit drohen, sondern dir diese Anzeige ankündigen. "Von Ihnen lasse ich mich nicht beleidigen! Von Ihnen nicht. Sie hören von meinem Anwalt."
Der Schnürlsamt-Psychologe wird dich rückformulieren: "Sie haben den Eindruck, ich entspräche in meinem Verhalten nicht ganz Ihren Erwartungen". Und er wird auf neue Beleidigungen deinerseits so weitermachen, bis entweder du schließlich entnervt zusammenbrichst oder hinter der professionellen Fassade des Humanistischen Psychologen schließlich doch der Mensch hervor tritt. Dann aber solltest du laufen. Der Wutausbruch eines berufsmäßig sanftmütigen Menschen könnte fürchterlich sein.
Der Jeans-Psychologe wird dich ohne Umschweife ebenfalls ein Arschloch nennen. "Ob ein Arschloch wie du überhaupts das Recht hat, mich 1 Arschloch zu nennen?"

Lies bitte...

Im Usenet schrieb einst einer: "Ich verstehe die Frage in diesem Zusammenhang nicht. Und von was für einem Massenmord in Russland sprichst Du?" Und er erhielt von einem anderen die Antwort: "Lies bitte Solschenizyns neuestes Buch."

Ich antwortete darauf:
Das ist so eine Unsitte hier im Usenet [1]. Es scheint, als wären manche Leute völlig außerstande, irgendwie zu argumentieren. Statt zu antworten, konkret und sachbezogen oder meinetwegen auch unsachlich und witzig und schön beleidigend schreiben die Narren einfach hin: "Lies bitte Solschenizyns neuestes Buch" oder sie empfehlen die Lektüre der "Brunziwutz-Charta" oder der "KAKAKAK-FAQs" oder welchen Unfug auch immer.
Sage L.: Du hast doch Alexander Solschenizyns neuestes Buch gelesen. So du es verstanden hast, wäre es an dir, hier anzuführen, was daraus für deine Argumentation wichtig und bestätigend ist. Ansonsten empfehle ich dir dringend die Lektüre von "Wahnsinn, das. Sehr merkwürdig" von Otto Darmstadt.


[1]   Und überhaupts im Internet, so wäre zu ergänzen...

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...