28.11.09

Das Geheimnis der Einkaufswägen

Gottchen, wie lange gibt es das inzwischen schon, daß man in einen Einkaufswagen 50 Cent einschlitzen muß, ehe man das Ding benutzen kann?
Das Einkaufswagenpfand, sei notwendig geworden, so erzählen uns die Supermarktbetreiber, weil zu viele Einkaufswägen aus dem Gelände geschleppt worden seien, wo sie dann endgültig verschwunden oder erst Tage später, beim nächsten Einkauf, zurückgebracht worden seien.
Was, so frage ich mich, geht in Menschen vor, die sich von 50 Cent davon abhalten lassen, den Einkaufswagen aus dem Supermarktgelände zu fahren? Bringe ich den Wagen beim nächsten Einkauf wieder zurück, dann sollte es mir eigentlich wurscht sein, ob ich die 50 Cent sofort zurückbekomme oder erst einige Tage später. Will ich den Einkaufswagen aber klauen (wozu eigentlich?), dann sind 50 Cent als Preis dafür sicher nicht zu hoch.
Als Kunde hast du jedenfalls das Geschiß, daß dir bei jedem zweiten Mal die zum Auslösen des Wagens nötige Münze fehlt.

In Süditalien löst der Kundige das Problem dadurch, daß er zur Kasse geht und dort um eine Münze für den Wagen bittet. Man öffnet die Kasse und der Kunde bekommt ein 50-Cent-Stück ausgehändigt (ausgehändigt, nicht gewechselt!). Das gibt er dann nach dem Einkauf wieder an der Kasse ab.
Das glaubt mir natürlich wieder kein Schwein. Es stimmt aber.

16.11.09

Stadtgedicht

Im Usenet berichtete einst einer von der Aufgabe zu einer Klassenarbeit für den Deutsch-Grundkurs: "Stellen Sie knapp dar, wie Ihrer Meinung nach ein Stadtgedicht des 21. Jahrhunderts in Wahrnehmung und Haltung des lyrischen Ich die Traditionslinie von Eichendorff über Heym modifizieren (weiterziehen, abwandeln, brechen u.a.) müßte."

"Hum", werden Sie fragen. Ein Mitdiskutant tat genau dies und präzisierte: "Was ist denn ein Stadtgedicht?"

Ich antwortete ihm:
So was:
Der Mensch tritt auf in großen Schaan
Und fährt dann mit die Straßenbaan.

Im Gegensatz dazu das Landgedicht:
Ach, Haufen du von güldnem Mist,
Was du mir eine Freude bist.

5.11.09

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur...

Im Usenet geschah es, daß sich einer Gedanken darüber machte, wie man denn die verschiedenen archäologischen Schichten vergangener Geschlechtspartnerinnen bezeichnen könnte. "Ex-Freundin" etwa, "Doppel-Ex-Freundin" oder wie.

Ein anderer kam zu Hilfe: "Nochmal über dein Promiskuitätsproblem sinnierend, kam mir folgender Vorschlag in den Sinn:
- Ex
- Vor-Ex
- Vor-vor-Ex
- Vor-vor-vor-Ex"

Ich schlug eine pragmatischere Lösung vor:
Der... äh, der Dings... ah ja, der Herr Johann aus Spanien hatte einen Diener namens Leporello und der hat ihm eine saubere Liste geführt. Jetzt brauchst du nur noch die Damen durchnumerieren und du hast eine eindeutige Terminologie: FV 217 ("Die magere Romantische") oder FV 173 ("Die sinnliche Dicke mit den Sommersprossen").

Ohne Ordnung ist Sex einfach nur Ficken.

1.11.09

Aus dem "Handbuch für Intellektuelle Angeber"

Wer auf Parties, auf Reisen mit der Bahn oder sonstwie beim Zusammensein mit anderen Menschen einen guten Eindruck hinterlassen, gar glänzen möchte, kann dies durch Schönheit, Anmut oder Liebreiz erreichen. Wer auf diesen Gebieten die Arschkarte gezogen hat, kann ersatzweise auch durch intellektuelle Brillanz auf sich aufmerksam machen.
Obacht aber! Keiner weiß alles und so tut man gut, viel zu reden und das Gespräch dezent und rasch auf ein Gebiet zu lenken, auf dem man Bescheid weiß.

Man sollte auch die Gebiete, auf denen man glänzen möchte, weise wählen. Sicher kannst du mit profunden Kenntnissen über Goethes "Faust" den einen oder anderen Punkt sammeln, aber das Risiko ist relativ groß, daß auch dein Gesprächspartner den "Faust" kennt und dir Unsauberkeiten in Zitat oder Argumentation nachweist. Es sind halt doch relativ viele, die den "Faust" gelesen haben, traurig, aber wahr.

Nimmst du dagegen ein Buch, das viele vom Titel her kennen, aber nicht gelesen haben ("Ulysses" - mein Gott, wer liest schon *wirklich* James Joyce! Die berufsmäßigen Joyce-Leser natürlich ausgenommen.), wirst du auf wesentlich sichererem Boden stehen. Den Vogel schießt du aber ab, wenn du ein weitgehend unbekanntes Buch von einem relativ bekannten, aber nicht zu prominenten Autor nimmst: "Geschichte des Herrn William Lovell" von Johann Ludwig Tieck, nur so als Beispiel. Damit schindest du Eindruck, wenn du irgendwo eine Diskussion über dieses Buch vom Zaun brichst! Nach dem Motto: Wenn der über Tieck und diesen, wie hieß der noch: Lovell, so gut Bescheid weiß, wie gut muß der erst über Goethe und den Faust oder Shakespeare und Hamlet Bescheid wissen.

Oder nimm ein anderes Feld. Ihr diskutiert über das rechte Eigenschaftswort von Porzellan. Es heiße "porzellanen" schreit dir dein Gesprächspartner entgegen und hat einen Punkt gewonnen. Du aber konterst und merkst an, das sei ein relativ modernes Wort, zu Goethens Zeiten sei noch eher "porzellös" im Gebrauch gewesen. Bleibt man skeptisch, so verweist du auf die - angeblich - bekannte Stelle: "Eine zarte Röte überhauchte ihren porzellösen Teint" aus der Erzählung "Der tolle Invalide aus dem Fort Ratonneau" von Achim von Arnim. Achim von Arnim kennt der Gebildete, von besagter Erzählung hat auch schon mancher gehört, also wird keiner nachschlagen, ob sich denn besagte Stelle dort wirklich findet. Tut's doch einer, weist du ihn drauf hin, daß du diese Stelle aus einer sehr alten und seltenen Ausgabe der Erzählung hast, die du drei Tage vor dem Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek eingesehen hast.

All das funktioniert natürlich nur, wenn du beim Schwadronieren einen Gesichtsausdruck hinbringst, als wärest du Marcel Reich-Ranicki und Joachim Kaiser in einer Person. Aber dergleichen läßt sich üben.

29.10.09

Sicherheit




Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum.
Doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.
FRIEDRICH SCHILLER
("Wallensteins Tod" IV/2)

21.10.09

Buhletten

Buhletten -> spendierte Fleischpflanzerl, mit denen Erwin Normalbalzer das Fräulein Sieglinde dem Beischlafe geneigter stimmen möchte. Graf Erwin von Dingenskirch verwendet dazu natürlich Entrecotes de Schlömpong Fröngfröng.

19.10.09

Ein Hochstapler

In dem Film "Hellzapoppin' - In der Hölle ist der Teufel los" ([1]) gibt es eine Szene, in der ein Hochstapler vorkommt, der sich als geflüchteter russischer Großfürst ausgibt und sich so - von High-Society-Party zu High-Society-Party eilend - die nötigen Kalorien zum Überleben verdient. Ein Taxifahrer (oder Kammerdiener?) erkennt ihn von früher und spricht ihn mit "Durchlaucht" an. Der als echter Großfürst enttarnte Hochstapler ist erschrocken und bittet seinen früheren Dienstboten eindringlich, er möge ihn nicht verraten. Ein Hochstapler, der sich als russischer Großfürst ausgibt, sei auf jeder amerikanischen Party ein gerngesehener Gast, über den man sich amüsiere, ein echter, verarmter Großfürst dagegen... Wenn das herauskomme, sei er erledigt.

Der Herr auf dem Bild sieht mit seinen schwer herabhängenden Augenlidern und dem bleistiftdünnen Schnurrbärtchen aus wie der klassische Operetten-Hochstapler, der sich als reicher ungarischer Adeliger ausgibt, dabei allerdings seine Rolle ein wenig übertreibt.

Hochstapler sehen normalerweise nicht so penetrant nach Hochstaplern aus, sonst könnten sie ihren Beruf nicht lange ausüben.

Und richtig, der Herr auf dem Bild ist gar kein Hochstapler, sondern Josef von Ferenczy, Begründer der gleichnamigen Medienagentur, Verleger und Filmproduzent, ein steinreicher Adeliger ungarischer Abstammung.

Nun mag ich dergleichen Leute normalerweise nicht so arg gerne. Josef von Ferenczy aber hat mein Herz erobert durch einen Spruch, den er - angeblich - gerne gesagt haben soll, wenn deutsche Behörden (vor allem Steuerbehörden) nicht so reagiert haben, wie er sich das vorgestellt hatte: "Bin ich òrmes Ungòrisches Ämigrant dässwägn durch Donau gèschwommen?"

Mag die Firma Ferenczy eines Tages auch zusammenbrechen, mit diesem Spruch wird ihr Begründer unsterblich bleiben. (Er lebt ja noch, 90 Jahre ist er inzwischen alt.)



[1] Da gibt es im übrigen auch eine Szene, in der - gut 15 Jahre vor der Erfindung des Rock'n Roll ein Rock'n Roll hingelegt wird, demgegenüber der echte Rock'n Roll eine matte Sache ist. Gut, das hieß damals nicht so, das war vermutlich ein Jitterbug, aber... Anklicken und anschauen.

Wie dumm kann ein Mensch sein?

 Gestern erschien es mir hoch an der Zeit, meinen großen Computer, der seit ein paar Tagen spinnt und nicht mehr zum richtigen Laufen zu bri...