21.10.09
Buhletten
19.10.09
Ein Hochstapler
Der Herr auf dem Bild sieht mit seinen schwer herabhängenden Augenlidern und dem bleistiftdünnen Schnurrbärtchen aus wie der klassische Operetten-Hochstapler, der sich als reicher ungarischer Adeliger ausgibt, dabei allerdings seine Rolle ein wenig übertreibt.
Hochstapler sehen normalerweise nicht so penetrant nach Hochstaplern aus, sonst könnten sie ihren Beruf nicht lange ausüben.
Und richtig, der Herr auf dem Bild ist gar kein Hochstapler, sondern Josef von Ferenczy, Begründer der gleichnamigen Medienagentur, Verleger und Filmproduzent, ein steinreicher Adeliger ungarischer Abstammung.
Nun mag ich dergleichen Leute normalerweise nicht so arg gerne. Josef von Ferenczy aber hat mein Herz erobert durch einen Spruch, den er - angeblich - gerne gesagt haben soll, wenn deutsche Behörden (vor allem Steuerbehörden) nicht so reagiert haben, wie er sich das vorgestellt hatte: "Bin ich òrmes Ungòrisches Ämigrant dässwägn durch Donau gèschwommen?"
Mag die Firma Ferenczy eines Tages auch zusammenbrechen, mit diesem Spruch wird ihr Begründer unsterblich bleiben. (Er lebt ja noch, 90 Jahre ist er inzwischen alt.)
[1] Da gibt es im übrigen auch eine Szene, in der - gut 15 Jahre vor der Erfindung des Rock'n Roll ein Rock'n Roll hingelegt wird, demgegenüber der echte Rock'n Roll eine matte Sache ist. Gut, das hieß damals nicht so, das war vermutlich ein Jitterbug, aber... Anklicken und anschauen.
18.10.09
Kriechdienst
Currywurst
Nun aber hat ein Team von Germanisten, Historikern und Lebensmittelchemikern an der Universität Radschapur vor kurzem herausgefunden, daß "vurs" eine damals weitverbreitete, inzwischen gottlob vergessene Gemüsesorte gewesen sei, "kurri" soviel bedeutet habe wie "zum Kotzen schlecht".
Als ich diese neue wissenschaftliche Erkenntnis im Usenet (de.etc.sprache.deutsch) vorstellte, meinte einer: "Der Wortstamm ist interessant. Leitet sich davon auch das Curriculum ab?"
"Ja", antwortete ich ihm, "und zwar direkt. Wennst du zuviel kurri ißt, kriegst du Durchfall, dann mußt du laufen (lat. currere oder was), auf daß dein Ars (lat. culum oder wie) sich entleeren kann. So lernst du leidend vurs mit maze zu mampfen.
2.10.09
Ein Fallbeil als Sympathieträger
Die Firma Dingsbumslamdei (Name geändert) hat derzeit auf verschiedenen Websites Anzeigen geschaltet, in denen sie für ihre Dienstleistungen wirbt. Die Dienstleistung besteht darin, Spitzenkräfte in neue Jobs zu vermitteln, bzw. Kontakte zu Vermittlern zu vermitteln.So weit, so unauffällig.
Optischer Blickfang dieser Anzeige aber ist das Antlitz des nebenstehend abgebildeten Herrn.
Mir ist nicht ganz klar, ob dieser Sympathieträger die umworbene, d. h. zu vermittelnde Spitzenkraft darstellen soll oder den hilfreichen Headhunter, vermute aber letzteres.
Egal.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergeht beim Betrachten des Bildes, mir jagt es eiskalte Schauer den Rücken herab. Es ist das Gesicht eines menschlichen Haifisches mit dem Charme eines frisch geschliffenen Fallbeiles. Als Edmund Stoiber noch CSU-Generalsekretär unter F. J. Strauß war, hat ihn ein Kabarettist mal das "blonde Fallbeil" genannt. Ich habe damals gelacht, womöglich hat der junge Stoiber damals bei mir tatsächlich diesen Eindruck hinterlassen, der altgewordene Stoiber tut es nicht mehr.
Dieser Herr aber... Die Mundwinkel sind zu einem schwachen Lächeln nach oben gezogen, die Augen versuchen, mitzuhalten. Aber es ist das eiskalte Lächeln eines schneidigen Staatsanwalts, der alles beieinander hat, auf Tod durch Erhängen zu plädieren. Ein Lächeln, das dich durch deine Alpträume verfolgt. So jemandem möchtest du nicht in einem Gerichtssaal begegnen oder sonst an einem Ort, an dem du wehrlos bist.
Nun frage ich mich, ob es sich hier um ein professionelles Model handelt, einen herzensguten Schauspieler vielleicht, dem man gesagt hat: "Hömma, Erwin, schau mal gaaanz, gaaaaanz entschlossen" und dem es wohlgelungen ist, der Regieanweisung zu folgen. Oder ist der Typ echt? Ist er tatsächlich einer der Headhunter?
Wie immer: Wie muß ein Mensch drauf sein, der seine berufliche Zukunft diesem Gesicht anvertrauen möchte? Und was geht in den Hirnen von Anzeigengestaltern vor, die überzeugt davon sind, daß dieses Gesicht ihre Kundschaft ansprechen wird? Und was ist los mit einer Gesellschaft, in der diese Anzeigengestalter womöglich recht haben?
15.9.09
Vergessen
Er (Peter Ensikat) sagte dann den Satz, für den ich ihm fast um den Hals gefallen bin. Ganz ernst sagte er: "Es wird der Tag kommen, an dem niemand mehr glaubt, daß es die DDR gegeben hat."
Und genau so wird es kommen, es wird der Tag kommen, wo das niemand mehr glaubt. Eine Mauer durch eine Stadt wie Berlin? So ein Quatsch. Hat's doch nie gegeben. So ist es mit dem Holocaust auch - hat es nicht gegeben.
Im August 2009 schreibt Frank Zeeb in der Newsgroup de.etc.sprache.deutsch:
Ich habe letzthin in der S-Bahn gesessen, mir gegenüber zwei Real(?)schülerinnen, etwa 9. oder 10. Klasse, die sich auf eine Klassenarbeit oder Zentralklausur zum Thema "Deutsche Teilung" vorbereiteten. Sagt die eine: "Das glaub ich nicht, dass in Berlin mal eine Mauer stand", die andere: "nö, ich war da, das kann nicht sein". Altväterlich habe ich es für meine Pflicht gehalten, die Mädels aus dem reichhaltigen Schatz meiner Erfahrungen teilhaben zu lassen und sie zu belehren, dass der Onkel selbst auf Klassenfahrt etc. Daraufhin fassten sie Vertrauen und befragten mich auch um Augenzeugenberichte zu ihrem zweiten Thema (die Napoleonischen Kriege).
2.9.09
Die Straße als Wohnzimmer

Das Bild wurde Ostern 2009 im Cilento-Gebirge in Süditalien aufgenommen. Die Kurve ist tatsächlich so unübersichtlich, wie sie zu sein scheint. Und es ist auch kein Unfall passiert, nach dem jetzt die Fahrer ihre Adressen für die Versicherung austauschen.
Die Insassen der beiden Autos tauschten Geschenke und Ostergrüße aus und plauderten ein bißchen miteinander.
Wozu ist die Straße da? Zum Parlieren,
Zum Parlieren ist die Straße da.
Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld
I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...
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