9.7.09

Trulli

Wer schon mal in Apulien war oder wenigstens ein bißchen was über die süditalienische Region gelesen hat, der kennt auch die sog. trulli, merkwürdige Häuser mit spitzen Runddächern. Diese Häuser sind in Trockenbauweise errichtet, das heißt, es wurden Steine so kunstvoll aufeinander geschichtet, daß das Haus durch das Eigengewicht der Steine hielt, ganz ohne Mörtel. Auch das Dach besteht aus Steinen.
Man trifft diese Trulli nur in Apulien - und in Rheinhessen. Nein, letzteres ist kein Witz, es sind auch keine Bauten aus neuerer Zeit. Sie wurden im 18. Jahrhundert in den Weinbergen als Schutzhütten von apulischen Arbeitern errichtet.
Was die apulischen Trulli betrifft, so rätselt man, warum gerade dort gerade diese Bauweise gewählt wurde. Eine Erklärung besagt, ein Grundherr habe im 17. Jahrhundert seinen Bauern befohlen, ihre Häuser ohne Zement, Mörtel und ohne Holz zu bauen, nur aus Stein. Wenn nun die königlichen Steuereintreiber im Anmarsch gewesen seien, so habe man die Steinhäuser ganz einfach abgebaut und später ohne viel Aufwand wiedererrichtet.

Ich dagegen glaube, daß sich die Bauweise der trulli zwanglos aus der Landschaft erklären läßt. Der Boden in Apulien ist fruchtbar, aber übersät mit Steinen, die man zwar entfernen kann, wobei immer neue Steine nachkommen. Normaler Ackerbau ist unter diesen Umständen fast nicht möglich, der beste Pflug wäre nach kurzem schon zuschanden. Also verlegt man sich in Apulien auf Bäume und Sträucher, die man nicht jedes Jahr neu anpflanzen muß, Oliven, Mandeln, Wein.
In einer solchen Gegend hat man wahrscheinlich schon sehr früh angefangen, in Stein zu bauen, dieses Baumaterial ist überreichlich vorhanden. Wie aber kriegt man jetzt - ohne die Hilfsmittel der Moderne - über einem Haus ein Dach zusammen? Sowohl für das Giebeldach als auch für das Flachdach braucht man Stützbalken.
Bäume gibt es nun zwar in Apulien genug, aber diese Bäume sind andererseits sehr wertvolle Nutzbäume. Ein Olivenbaum ist keine Tanne, die dazu dient, Holz zu liefern und zu sonst nichts. Olivenbäume fällt man nicht vor der Zeit, es wäre ökonomischer Wahnsinn. Holz (sprich: bautechnisch verwertbares Holz) war also in Apulien, zumindest in der zona dei trulli, eine große Kostbarkeit, und mit Kostbarkeiten geht man sparsam um. Dachstühle oder Flachdachverstrebungen aus Holz waren nicht drin. Ohne Stützbalken aber halten die üblichen Dachkonstruktionen die Steinlast nicht.
Man löste das Problem, indem man die in Apulien reichlich vorhandenen, flachen Steine zipfelmützenförmig aufeinanderschichtete, bis sie oben zusammentreffen und sich dann gegenseitig am Platz halten. Diese Konstruktion, eine genial einfache Konstruktion, hält - ganz ohne Holz.
Wenn man aus Holzmangel kein Flachdach errichten kann, kann man logischerweise auch keine Zwischendecke in ein Haus einziehen, woraus sich wiederum erklärt, weshalb die Trulli lediglich einstöckig sind.

Möglicherweise, wahrscheinlich sogar, hat meine schöne Theorie schwache Stellen. Ich bitte um Anregungen.

6.7.09

Schlafmittel

Wenn du des Abends nach der Last des Tages rechtschaffen müde bist, die zum Schlafe nötige Bettschwere sich aber nicht einstellen will, dann sei dir unter den gängigen Hausmitteln der Beischlaf besonders ans Herz gelegt.
Ein gutes Buch ist sicher niveauvoller, eine Schlaftablette schnellwirkender und ein heißes Bad bei weitem weniger anstrengend; keines der genannten Mittel ist jedoch in gleicher Weise angenehm und gesund zugleich.

2.7.09

Diktator

Der Franze hat gsagt, wenn er Diktator wär, wär er immer freundlich zu die Leut. Nur die Opposition, sagt er, hätt nix zu lachen bei ihm.

25.6.09

Orangensaft

Ich habe mal während des Studiums von einem Psychotherapeuten gelesen, der einen Homosexuellen in der Manier der guten alten Verhaltenstherapie geheilt hat: Der Patient bekam Bilder nackter, attraktiver Menschen zu sehen, waren es Männer bekam er einen leichten Elektroschlag, bei Frauen durfte er von seinem Lieblingsgetränk, Orangensaft, naschen.

Schließlich war der Mann geheilt und besprang freudig ein Weibchen, wie es sich gehört. Der Psychotherapeut hatte etwas später dann eine Frau in Therapie, die ihm klagte, der Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner mache sie zunehmend nervös und nervöser. Dieser Partner könne nämlich nur dann kommen, wenn er während des Vögelns Orangensaft trinke.

Dies gab dem Psychotherapeuten zu denken.


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Anmerkung: Um eventuelle Mißverständnisse auszuräumen, bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen, sei angemerkt, daß obig erzählte Geschichte nicht in satirischer Absicht erfunden oder auch nur übertrieben wurde. Ich habe sie, so wie sie dasteht, in einem Lehrbuch der Psychologie gefunden. An die genaue Quelle kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

23.6.09

Demut

Unsere verehrte Kanzlerin hat neulich angekündigt, sie wolle einen demütigen Wahlkampf führen. Fein.
Was aber, so ist zu fragen, ist Demut? Wollen mal so sagen: Demut setzt die Möglichkeit zur Arroganz voraus. Ein Arsch, auf den sowieso keiner hört, kann nicht demütig sein, der wird allenfalls gedemütigt. Demütig kann also nur einer sein, der genauso gut auch auftrumpfen könnte. Demut ist jederzeit widerrufbar. Hüte dich, demütige Leute zu demütigen. Sie sind gefährlich.
Der Franze hat natürlich auch eine Meinung zum Thema:
Der Franze hat gsagt, wenn ihn jeder mit "Euer Eminenz" anreden würd und an seinem Finger zutzeln tät, dann, sagt er, wär er auch gern demütig.

Siehe auch hier.

21.6.09

Novembergedicht

Meine Schwester hat mal in der Schule ein Novembergedicht zu lesen gehabt, sehr expressiv und existentiell, so mit kleinschreibung, freien rhythmen, reimlos, nebel, raben auf dem felde, tristesse. Der übliche Schmäh halt. Von Vereinen war in dem Werk nicht die Rede, wohl aber mehrfach von einem Vereinsamt. Sehr merkwürdig.

20.6.09

Bolzenschußapparat

Aus dem Usenet

Im Usenet frug einst einer:
Neulich kam bei einer Diskussion folgende Aussage zu Tische: Das Toeten von Viechern (Kuehe, Schweine, ...) per Bolzenschusz in den Kopf bereitet nicht dem Viech einen "humaneren" Tot - es macht's lediglich fuer den Viehhenker humaner, da der Bolzenschusz dem Viech das Jammern unmoeglich macht und es dann halt nicht mehr so quieken kann. Auf die Art faellt es dem Henker nicht so schwer. Das eigentliche Viech stirbt trotzdem sehr allmaehlich mit dem Auslaufen des Blutes. Entlarvt diese Aussage eine UL oder ist sie selbst eine?

Ich aber hub an zu antworten:

Mit der Verwendung des Bolzenschußapparates aber verhält es sich so: Der Bolzenschußapparat verschießt keine Kugel, die in das Hirn eindringt und das Tier dann natürlich sofort töten würde. Der Bolzenschußapparat wird an der Stirn des zu tötenden Tieres angesetzt. Wie der Name andeutet, wird durch die Explosionskraft der Patrone im Bolzenschußapparat eine spitzer Stahlbolzen einige Millimeter (ein bis zwei Zentimeter, denke ich) nach vorne getrieben. Dieser Bolzen durchschlägt den Schädelknochen an der Stirn und stößt lediglich peripher in das Hirn des Schlachttieres ein.
Diese Verletzung verursacht sofortige Bewußtlosigkeit, nicht jedoch den Tod, der zu diesem Zeitpunkt nicht erwünscht ist. Um das Fleisch des Tieres verwenden zu können, ist es notwendig, daß es nahezu vollständig ausgeblutet ist. Dies aber muß das noch lebende (wenn auch bewußtlose) Tier selbst besorgen. Bei den Hühner ist es meines Wissens anders, die hängen in der Hähnchenschlachterei mit den Füßen an einem Fließband, dann wird ihnen der Kopf abgetrennt und den Rest besorgen die Reflexe des Tieres und die Schwerkraft.
Das hört sich alles nicht so wahnsinnig appetitlich an. Wer aber, spricht der HErr, sich die Semmel mit Leberwurst bestreicht, darf nicht rümpfen die Nase über das Messer des Schlachters.

Wo er recht hat, hat er recht, der HErr.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...