6.3.09

Käse

Give Cheese a Chance dichtete einst ein Werbetexter, der an einem Promotion Concept für die Firma Kraft arbeitete. Man lächelte. Als er anderntags darauf beharrte, Cheesus Christ Superstar sei das Schärfste, was ihm je eingefallen sei, trennte sich die Agentur von ihm.

Karikaturen

Nichts gegen Karikaturen. Aber in der Kunst dürfen sie natürlich nicht so überzeichnet sein wie im wirklichen Leben.

5.3.09

Die alte Sau, das geile Schwein

Mit der verletzten Ehre mancher Menschen ist es manchmal eine ganz eigene Sache. So eigen, daß manchmal der energische Schutz vor Beleidigung beleidigender ist als die Beleidigung, vor der man jemanden schützen wollte.
Das glaubst du nicht? Das ist dir zu abstrakt? Dann laß dir eine Geschichte erzählen.
In den frühen achtziger Jahren, Franz Josef Strauß wandelte noch über die Erde, als wäre er einer von uns, gab es im Allgäu eine Rock-Band namens "Checkpoint Charlie", welche, wenn sie nicht gerade musizierte, in ihrem Hauptquartier Schweine züchtete. In sich schlüssig also, daß die Buben sich aus Pappe und Pinselstrich eine Sau bauten, diese Papp-Sau dann zu ihrem Wappentier ernannten und - ach ja! - auf den Namen "Franz Josef" tauften. Bei ihren Bühnenauftritten stellten sie ihr Maskottchen jeweils vor der Bühne auf.
Eines Tages wurden sie angezeigt und ein Kemptener Staatsanwalt verfaßte eine Anklageschrift, in welcher er u. a. schrieb: "Zur Erklärung sagten sie, das sei ihr Maskottchen Franz Josef. Irgendeine Ähnlichkeit mit einem lebenden Schwein sei rein zufällig. Die Angeschuldigten brachen dann einen Textvorschlag, in dessen Refrain es heißt: 'Franz Josef, die Sau, Franz Josef, die alte Sau, Franz Josef, das geile Schwein'. Dies bezog sich, wie für jeden Zuschauer offenkundig (!!!; W. H.) war, auf den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Franz Josef Strauß."
Hm. Der Staatsanwalt wollte mit diesem letzten Satz sagen: "Bleibt mir mit dem allerunvergeßlichsten Bart-Kaiser Franz Josef vom Hals. Das einzige geile Schwein, die einzige alte Sau, die ich kenne und die auf den Namen Franz Josef hört, ist der bayerische Ministerpräsident." Ohne diese Logik bliebe der letzte Satz ohne Sinn.
In einer aufsteigenden Vision sah ich damals den alten Atheisten Sigmund Freud neben dem Lieben Gott sitzen, sah, wie die beiden kicherten und sich in die Seiten pufften. Amüsiert warteten sie darauf, daß der eifrige Staatsanwalt ob seiner respektlosen Assoziationen einen gehörigen Anschiß bekommt. Wahrscheinlich warten sie immer noch.

4.3.09

Eberhard - Geschichten von einem Schwein


Man glaubt es gar nicht, was alles für wilde Gerüchte im Umlauf sind über die Gründung Roms, die Erfindung der Pizza und den Bratenfänger von Hameln.

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Diamant im Tropenlicht

Ich weiß nicht, ob Sie jemals einen geschliffenen Diamanten im vollen Sonnenlicht der Tropen haben schimmern und blitzen und blinken gesehen. Wenn ja, können Sie sich vorstellen, wie das aussieht. Wenn nicht, kann ich Ihnen kaum weiterhelfen, denn auch ich habe dergleichen noch nie gesehen.

Herz-Jesu-Marxisten

Als Norbert Blüm noch jung war und nicht Ex-Minister, nannte man so die Mitglieder der Sozialausschüsse der CDU. Diese Zeiten drohenden Umsturzes sind gottlob vorbei.

Empörung

Die Lebenserfahrung, diese Wissenschaft nach Hausmacher-Art, lehrt die von ihr Befallenen, daß es nicht die gänzlich neuen, für alle völlig überraschenden Nachrichten und Erkenntnisse sind, die aufgeregten Wirbel verursachen, einen richtig schönen Skandal nach sich ziehen.

Verblüffende Neuigkeiten machen uns allenfalls staunen, wirkliche und nachhaltige Empörung hingegen lösen fast ausschließlich jene Tatsachen aus, die jedermann längst bekannt sind, die lediglich von Irgendjemandem irgendwann einmal ausgesprochen werden.

So wie im Kabarett, in der Komödie die Leute am lautesten und nachhaltigsten über jene Witze und Pointen lachen, die sie bereits kennen, bzw. deren Kommen von weitem her absehbar war.
Man denke auch an den Fall eines inzwischen verstorbenen bayerischen Spitzenpolitikers, dessen private und politische Dubiositäten jedermann längst bekannt waren, deren posthume "Enthüllung" dann merkwürdigerweise enormen Wirbel verursachte und dem Enthüller fast eine Anklage wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener einbrachte.

Im Drama "König Ödipus" von Sophokles weiß die Königin Iokaste bereits relativ früh, deutlich früher jedenfalls als Ödipus, wie der Hase läuft, daß also Ödipus niemand anderer als ihr eigener Sohn ist. Sie drängt ihn, mit den Nachforschungen aufzuhören, bleibt aber weiter im Spiel. Erst als Ödipus weitermacht, beharrlich weiter nachbohrt und schließlich die Wahrheit ans Licht bringt, hängt sie sich auf. Nicht die Tatsache, daß sie mit dem eigenen Sohn und Töter seines Vaters, ihres Ex-Gatten, geschlafen und Kinder gezeugt hat, treibt sie um, sondern lediglich die Tatsache, daß die Leute davon erfahren könnten.

Der "Rot-Blaue Stuhl" von Gerrit Rietveld

I ch muß gestehen, ich weiß nicht, wie gut man in der Kunstgeschichte bewandert sein muß, um Gerrit Rietveld und seinen Rot-Blauen Stuhl z...